zurück

Ruhrkrise
und die Wahlen 1924/25

 

Ende Oktober 1922 müssen die meisten Bürger der Stadt die öffentliche Brotversorgung in Anspruch nehmen. Die Marken dafür gibt es in der Reichskrone. Ausgenommen sind Alleinstehende und Haushaltsvorstände mit einem steuerlichen Jahreseinkommen (1921) von über 30 000 Mark, bei Letzteren werden für jede im Haushalt zu verpflegende Person zuzüglich 15 000 Mark berücksichtigt.

Für die Instandsetzung und Neuausstattung des Rathauses gibt die Stadtverwaltung im Sommer 1922 zu viel Geld aus. In Arbeiterkreisen schimpft man über die Verschwendungssucht. Für den Innenausbau sind 800 000 Mark bewilligt. Am 7. Juli 1922 beschliesst die Stadtverordnetensitzung weitere 80 000 Mark zuzuschiessen. Insgesamt summiert sich die Nachbewilligung für den Um- und Ausbau des Rathauses bereits auf 600 000 Mark. Man hat den Eindruck, als ob die Stadt in Geld schwimmt, äussern einige Stadtverordnete.

Walter Hege [123, 4] zeigt im Januar 1923 auf Volksschulabenden zum Thema Beseelte Steine mit Lichtbildern die Schönheiten des Naumburger Doms. Im Sommer 1924 organisiert er zusammen mit dem Pädagogen und Sozialdemokraten Alfred Reichwein (1898-1944) die Naumburgwoche, um die mittelalterliche Baukunst den interessierten Bürgern näherzubringen. Umsonst. Es gehen zu wenige Anmeldungen ein.

Ein schwerer Hagel sucht am 5. Mai 1923 die Region heim. Im August wird unter idealen Wetterbedingungen die Ernte eingebracht. Am 21. August rollt das Radrennen Rund um Naumburg.

Gegenüber den drei Kasernen in Weissenfelserstrasse 57 befinden sich die Gebäude des ehemaligen Artillerie-Depots. Anfang Mai 1924 erwerben die Autowerke Peter und Moritz die etwa 100 Meter langen und 18 Meter breiten Wagenhäuser.

Ab 9. Juli 1924 verkehrt erstmals neunmal am Tag der Omnibus auf der Personen-Kraftwagen-Verkehrs-Linie Naumburg - Bad Kösen - Saaleck. Die Fahrzeit beträgt vierzig Minuten.

 

Ruhrkrise

Ab Mitte Januar 1923 steht das politische Naumburg im Zeichen der Ruhrkrise. Französische und belgische Truppen besetzen am 11. Januar 1923 das Ruhrgebiet. Die Franzosen sichern sich mit der Besetzung 72 Prozent der Steinkohleförderung, 54 Prozent der Roheisenherstellung und 53 Prozent der Rohstahlproduktion ihrer deutschen Konkurrenten. Die Kohlezechendirektoren, darunter Fritz Thyssen und Generaldirektor Tengelmann, werden von ihnen gefangen genommen und vor ein Kriegsgericht gestellt.

Gegen die Besetzung kommt es zu scharfen öffentlichen Protesten. Das Zentralrussische Exekutivkomitee protestiert gegen die

„Vergewaltigung der Selbstbestimmung
des deutschen Volkes“.

Aus einigen Städten der Sowjetunion hört man von Solidaritätskundgebungen. Das Rheingebiet erhält Getreide und Geldspenden.

Den politischen Hintergrund für die Ruhrbesetzung bildet das Scheitern der Verhandlungen über den Aufbau eines lothringisch-rheinisch-westfälischen Montantrusts. Mehr Anlass als Ursache waren hingegen die Rückstände der Cuno-Regierung bei der Zahlung der Reparationsleistungen mit 2 Millionen Tonnen Kohle und Koks, 130 000 Telegrafenstangen und 20 000 Raummeter Holz.

Die deutsche Regierung fordert zum passiven Widerstand gegenüber den Besatzern auf. Reichswehr und andere organisierte Gruppen führen mit Sprengstoffanschlägen einen begrenzten Krieg gegen die Besatzer. Es kommt zu Demonstrationen und gewaltsamen Auseinandersetzungen. In Essen schiessen die Franzosen am 13. April 1923 mit Maschinengewehren auf die Arbeiter. 48 Todesopfer sind zu beklagen.

 

 

Reaktionen in Naumburg

Ein

"Rechtsbruch des Westens"

sei die Ruhrbesetzung, formuliert am 13. Januar 1923 Vorsteher Oberlandesgerichtsrat Alfred Cludius (Luisenstraße 5) den mehrheitsfähigen Standpunkt der Stadtverordnetensitzung.

Das Naumburger Tageblatt veröffentlicht die Solidaritätsspenden der Bevölkerung. Auf dem Markt findet

am 18. Januar 1923

unter dem Motto:

„Keiner, der sein Vaterland lieb hat
und abkommen kann, darf fehlen!“

eine Protestkundgebung statt.

Die Ruhrkrise greift tief in den Alltag der Bürger ein. Aufgrund der „Gewaltmaßnahmen der Gegner“ wird ein Verbot aller „Tanzlustbarkeiten“ erlassen. Übertretungen ahndet das Polizeistrafgesetzbuch. 11 Uhr abends beginnt die Polizeistunde.

 

Das Naumburger Gewerkschaftskartell lädt für den

18. Januar 1923
zur Volksversammlung in den Ratskeller

ein. In der Diskussion fordert Kaufmann Friedrich Hagemann (Jägerplatz 69) vom Bürger-Wirtschaftsblock die Arbeiterschaft auf, einen nationalen Standpunkt einzunehmen. Und ein Justizsekretär stellt fest: "Stinnes ist ein Mann von deutscher Art." Dies, so stellt sich bald heraus, teilt die Mehrheit der Arbeiter nicht, weshalb unter dem Aufruf die Unterschrift von SPD, KPD und dem örtlichen Gewerkschaftskartell fehlt. Sie begreifen, wie in der Volksversammlung am 18. Januar deutlich wird, den Konflikt als Ausdruck der Konkurrenz zwischen den deutschen und französischen Großindustriellen. Für sie bedeutet die Ruhrkrise eine zunehmende Kriegsgefahr.

"Wie der letzte Krieg verloren wurde, so könne auch ein neuer nichts Gutes bringen",

war ihre Meinung.

Zum Ende der Versammlung trägt Walter Fieker (KPD) noch eine Entschließung vor. Sie verurteilt die Gewaltbereitschaft der Franzosen und überbringt den Kommunisten in Frankreich die besten Kampfesgrüsse. Wie kaum anders zu erwarten, lehnen dies die meisten Teilnehmer ab.

Kein Nationalstandpunkt, wohl aber Propaganda für die Kommunistische Partei mit Redner Altemann aus Halle, äussert drei Tage später das Naumburger Tageblatt dazu seine Meinung. Ganz so war es nicht. Immerhin war bei vielen Bürgern der Wille zur friedlichen Beilegung des Konflikts und zum Abbau der Feindseligkeiten gegenüber Frankreich zu erkennen. Das war mit der Revisionspolitik nicht vereinbar und machte die politischen Gegensätze in der Stadtgesellschaft sichtbar.

Erfreulicherweise traten auf dieser Volksversammlung Bürger aus allen sozialen Schichten und Klassen der Stadtgesellschaft in einen Dialog. Eine politische Kultur, die sich bald verflüchtigt.

Die kleine politische Offensive der Linken kontert die Ortsgruppe der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Sie holt den Reichstagsabgeordneten Professor Martin Spahn (1875-1945) zur Hilfe. Er unterzeichnete seinerzeit am 4. Oktober 1914 den Aufruf An die Kulturwelt, der jede Kriegsschuld Deutschlands leugnet und wieder aller Tatsachen behauptet: "Es ist nicht wahr, daß wir freventlich die Neutralität Belgiens verletzt haben." 1921 wechselte der Auserwählte von der Zentrumspartei zur Deutschnationalen Partei über. Oberlandesgerichtsrat Fritze eröffnet

am 22. Januar 1923

die Versammlung im Ratskellersaal. Sogleich erhält der "Vorkämpfer des nationalen Gedankens" das Wort. Ihm ist als ob die Zeit des Erfüllens und Zurückweichens vorbei ist, sagt der Professor für Geschichte an der Universität Köln (1920-1940). Die alte Feindschaft zu Frankreich lebt wieder auf. Denn:

"Wir müssen darauf gefasst sein, dass der Franzose noch weiter und tiefer ins Land einfallen wird, wir müssen darauf gefasst sein, dass er seine Truppen vorwärts führen wird, auch von der Ostseite her, wo der Pole und Tscheche schon auf der Lauer liegt." (Spahn 1923)

Aus der gefahrvollen

Mittellage Deutschlands in Europa

erwächst hier zwanghaft ein Angst- und Bedrohungsgefühl. Der Referent formatiert es geschickt zu einem neuen historischen Optimismus: In uns, sinngemäss, muss das Bewusstsein von den Siegen und Heldentaten wieder aufsteigen. Was für eine vortreffliche Zuarbeit für die Revisionspolitik! Mit diesen Ambitionen betreibt Martin Spahn dann Weltpolitik, erörtert das Wiedererstarken der Türkei, den bolschewistischen Umbruch (1917), die europäischen Interessen Frankreichs, die Erschliessung des deutschen Absatzmarktes durch die Amerikaner, um dann den politischen Lehrsatz zu formulieren:

"Wir Deutschen stehen jetzt in der Welt allein."

Was hilft da noch? Ein Wille, ein "neuer Hauch von Kampfwissen, der uns mächtig macht und Widerstand gibt". Und deshalb stehen wir hinter der Regierung Cuno, sagt der Referent.

 

Am 23. Januar 1923 eröffnet Oberlandesgerichtsrat Alfred Cludius (Luisenstraße 5) die Stadtverordnetensitzung mit einem Protest

„gegen den schweren Rechtsbruch
der Feinde im Westen“.

Den Tag darauf erscheint in der Presse der

Aufruf an alle Bewohner Naumburg Stadt
und Land zur Sammlung der Ruhrhilfe!

"Der kriegerische Einbruch französischer und belgischer Truppen in das friedliche, ungeschützte deutsche Arbeitszentrum trifft unser ganzes Volk. Gegenwehr erfordert Opfer von jedermann. Rücksichtslose Requisitionen steigern, die Knappschaft der Lebensmittel zu bitterster Not. .... Nur wirklich reichlich Gaben können wirksam helfen." - Die Erklärung unterzeichneten der Allgemeine Arbeitergeberverband (Siebold), Richterbund Naumburg (Kosok), Naumburger Anwaltsverein, Naumburger Ärzteverein (Grüneisen), Verein der Oberlandesgerichtsanwälte, Gewerkschaftsbund der Angestellten (Wirth), Naumburger Beamtenbund (Meyerhoff, Ortskartell), Arbeitgeberverband der Kammindustrie (Müller), Land- und fortwirtschaftlicher Arbeitgeberverband Naumburg-Camburg (Tippe), Landrat (von Deines) und Oberbürgermeister (Dietrich).

Steinweg (2006)

Die Stadtverordnetensitzung am

6. März 1923

dominieren zwei Themen: Die Arbeitslosenfrage und die Ruhr-Hilfe. Ausserdem wird Friedrich Blüthgen (Lützowstraße 17) als Ersatz für Ernst Heinrich Bethge in die SPD-Fraktion eingeführt.

Die Stadt will sich laut einer Vorlage an der Ruhrhilfe mit einer Million Reichsmark beteiligen. Ein Stadtverordneter sieht darin eine Möglichkeit, etwas gegen die Erwerbslosigkeit zu tun. Denn wenn das dort schief gehe, so argumentiert er, wächst die Beschäftigungslosigkeit in ganz Deutschland.

Otto Grunert (Steinweg 14) von der SPD wendet sich gegen die chauvinistische Art und Weise wie die Rechtsparteien die Ruhrhilfe betreiben. Er unterstützt zwar die Vorlage, hält jedoch dagegen:

„… die Arbeiter wollten nicht für den deutschen Kapitalisten die Kastanien aus dem Feuer holen.“

Seine Parteifreunde schließen sich diesem Standpunkt an.

Stadtverordneter Bley meint hingegen, dass die eine Million vor Ort bleiben müsse. Dieses Geld muß für die Arbeitslosen in Naumburg eingesetzt werden, fordert der Abgeordnete der KPD.

 

Politische Krise

Wilhelm Cuno (1876-1933) war am 14. November 1922 durch den Reichspräsidenten der Republik - ohne vorherige Wahl - zum Reichskanzler ernannt worden. Die Ruhrkrise zerrüttet die Währung. Streiks greifen um sich. Der ehemalige HAPAG-Direktor tritt am 12. August 1923 als Reichskanzler zurück. Tags darauf Tag führt Gustav Stresemann (1879-1929) die erste Regierung der Großen Koalition aus DVP, SPD, Zentrum und DDP. Sie setzt den Kurs des Widerstandes gegen die Franzosen bis zum 26. Oktober 1923 fort. Dann verliert Stresemann am 22. November 1923 die Abstimmung über die Vertrauensfrage.

 

Erst radikalisierten
sich die Verhältnisse,
dann die Parteien!

Durch die Hyperinflation stürzten viele Gläubiger von Sparguthaben und Geldanlagen in Armut und extreme soziale Unsicherheit. Es nährte bei ihnen das Gefühl eines tief erlittenen Unrechts. Hingegen erfreuten sich die Schuldner nicht selten eines ungeheuer anmutenden Zuwachs des Vermögens. Erst radikalisierten sich die Verhältnisse, dann die Parteien.

Wenn das Zauberwort "volle Aufwertung" fiel, schwappten die Emotionen hoch. Die Nichtregierungsparteien zogen gegen die dritte Steuernotverordnung vom 14. Februar 1924 zu Felde. Sie verfügte für Pfandbriefe, Sparkassenguthaben, Lebensversicherungsverträge, Reichs-, Staats- und Kommunalanleihen eine Aufwertung von 15 Prozent. Aus den unterschiedlichsten Gründen wurde diese Marge nur selten erreicht. Insgesamt blieb die Massnahmen unbefriEdigend. Die Forderung nach Aufwertung verstummte nicht.

Wo aber sollte das Geld
für die Aufwertung herkommen?

Nur der Staat konnte durch Besteuerung der Inflationsgewinne das Geld dafür aufbringen. Dagegen liefen die Großindustriellen und Banken Sturm. Zunächst unterließ die Reichsregierung Doktor Luther hierzu alle Aktivitäten und dann lehnte sie es ab. So entbrannte ein heftiger Streit.

"Diese Aufwertungsgesetzgebung wird ein dunkles Blatt in der deutschen Rechts- und Sittengeschichte bilden",

urteilt am 25. Juni 1924 im Aufsatz "Schutz dem versinkenden Mittelstand" Graf Arthur von Posadowsky-Wehner (Naumburg).

 

Preußische Gemeinderatswahlen
und Wahlen zum Reichstag
am 4. Mai 1924

Im Ringen um die Stimmen am 4. Mai 1924 treten die einander oft widersprechenden Interessen der Akteure hervor. Zum einem beschreibt ihn Hugo Heimann 1925 in Der Kampf um die Aufwertung als von der Aufwertungsdebatte bestimmt. Zum anderem mieden im kommunalen Raum die Redner gerade das Thema Hyperinflation und unsoziale Geldpolitik allzu gern. Hier vermengte sich die Strategie des Ausweichens auf Ersatzthemen mit einer gewissen Bequemlichkeit arrivierter Politiker. In dieser Situation kam der Beschluss der Reparationskommission vom 17. April 1924 in Paris, den tags darauf der Vorwärts (SPD) als

"vielleicht das größte politische Ereignis
seit dem Friedensschluss"

kommentierte, gerade recht. - Aber, dies war es gewiss nicht. Die sozialen, wirtschaftlichen und individuellen Folgen der Hyperinflation für die Bürger übertreffen all unsere Vorstellungen. Dennoch stand die SPD mit ihrer Auffassung keineswegs allein da, wenn die Beweggründe auch unterschiedlich ausfielen. SPD und bürgerliche Mittelparteien waren bereit, in kürzester Frist die Gesetze und Verordnungen herauszubringen, um den neuen Mechanismus der Reparationszahlungen in Gang setzen zu können. Völkische, Kommunisten und Deutschnationale erklärten sich dagegen. Sie wüteten gegen alle, vornan Aussenminister Stresemann und das Kabinett Marx I (20. November 1923 bis 26. Mai 1926), die zum Gutachten der Sachverständigen eine positive Haltung einnahmen.

Wenn auf Grund der Wahlergebnisse eine neue Regierung zustande kommt, warnt im bereits zitierten Kommentar der Vorwärts (SPD) eindringlich, die das von den Vorgängern gegebene Wort nicht hält, dann wird ein neuer Sturm gegen das Deutsche Reich losbrechen. Das ist die Lage. Daher ist es ein Verbrechen am deutschen Volke, unter solchen Umstanden für Parteien zu stimmen, die die angebahnte Verständigung zerschlagen.

Als Vorsitzender der Deutschnationalen Partei (DNVP) versicherte Doktor Oskar Hergt dem Wahlvolk, dass er bei Eintritt in die Regierung die Erfüllungspolitik beendet. Als die Wahl vorbei, überlegte er sich das noch einmal. Nun hiess es, was wir den Bürgern vor der Wahl sagten, darf nicht ernst genommen werden. Im Regierungs-Programm äusserte die DNVP den Willen, zur Erfüllungspolitik eine Verständigung zu erreichen. Dies nimmt die Volksstimme (Magdeburg) am 8. August 1924 zum Anlass, um den Leser auseinanderzusetzen: Hergt garantiert ein Zweites Versailles. Dessen Weitsichtigkeit und Urteilsfähigkeit genoss bereits legendären Ruhm. Obwohl die Amerikaner bereits im Juni 1917 mit mehr als 10 000 Soldaten in Frankreich angelandet, klingelte er am 16. Januar 1918 im Preussischen Abgeordnetenhaus aus: "Die grosse Armee über dem Wasser kann nicht schwimmen, sie kann nicht fliegen, sie wird nicht kommen."

Mit anderen Worten, die Wahlen von 1924 deuten auf eine tiefe Störung im Verhältnis der Bürger zu den Parteien hin.

Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) jagte oft der Revolution hinterher oder betete sie herbei. Von der Hyperinflation und unsozialen Geldpolitik, der tiefgreifendsten Umwälzung die Deutschland je erlebte, wandte sie sich im Wahlkampf am 4. Mai 1924 ab. Wichtiger waren ihr die

Annahme der Sachverständigenvorschläge
durch die Reparationskommission
am 17. April 1924 in Paris.

Parallel propagierte sie den Klassenkampf, Diktatur des Proletariats und den Kampf gegen die Rechtsentwicklung in Politik und Wirtschaft. Ihre Strategie vermittelt das Plakat

Wähler entscheidet Euch!

Wahlwerbung der KPD zur Reichstagswahl am 4. Mai 1924. Plakat etwa 72 mal 93 Zentimeter.

Im Vordergrund links ist Hans von Seeckt, von 8. November 1923 bis 28. Februar 1924 Inhaber der Exekutivgewalt zur Sicherung des Reiches gegen innere Unruhen, zu erkennen. Rechts daneben Wilhelm Groener, eine Anspielung auf den Ebert-Groener-Pakt 1919. Im Hintergrund der mächtige Grossindustrielle Hugo Stinnes. An den Beinen der Generäle reckt freudig Gustav von Kahr (BVP) die Arme in die Höhe. Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) leckt ihre Stiefel.

Die Reichstags-Wahlergebnisse der KPD in Deutschland vom 6. Juni 1920, 4. Mai 1924 und 7. Dezember 1924 hintereinandergesetzt, ergibt folgende Zahlenreihe:

2,1 - 12,6 - 9,0 Prozent.

Für Naumburg Stadt:
0,6 - 12,5 - 10,6 Prozent.

Im Ergebnis des 4. Mai zieht die KPD erstmals in die Stadtverordnetenversammlung ein (hier). Landesweit konnte sie sich gegenüber 1920 deutlich verbessern. Doch bis zu den erneuten Reichstagswahlen am 7. Dezember 1924, vermag sie das Tempo nicht zu halten und erreicht in Stadt und Land ihr Leistungsplateau.

 

Vier Tage vor der Reichstagswahl um 8 Uhr abends bringt DNVP-Ortsvorsitzender Oberlandesgerichtsrat Fritze im Ratskeller von Naumburg das deutschnationale Propaganda-Grossgeschütz Theodor Duesterberg in Stellung. Nach dem Deutsche Tag in Halle wird er seine Funktion als Geschäftsführer der Deutschnationalen Partei niederlegen und die Karriere als Stahlhelm-Führer des Landesverbandes Mitteldeutschland und Vorsitzender der Vereinigten Vaterländischen Verbände des Bezirkes Halle a. d. S. fortsetzen. Den Kampf gegen die Unterjochung und Fremdbestimmung, erhebt der Stahlhelm zur wichtigsten Frage der Mai-Wahlen. Das ist nur möglich, betonte der Oberstleutnant ausser Dienst,

wenn wir uns die Wehrhaftmachung
unseres Volkes nicht nehmen
lassen.

Ein famoses Vorgehen, nicht der wirtschaftliche Ruin von Millionen Bürgern und soziale Verfall grosser Bereiche der Gesellschaft infolge Hyperinflation und Geldpolitik bereitete Sorgen, sondern die Pflege alter Feindschaften. Dazu kredenzte er dem herzenden Publikum eine weitere Torheit aus dem deutschnationalen Geschichtsbuch: "Das Staatssystem muss zu einem jeden Volke passen, für uns passt das parlamentarische System nicht." Na dann, so der Wähler, sollten wir jetzt die Politiker wählen, von denen wir am ehesten die Demontage der Demokratie erwarten können.

In die gleiche Kerbe schlägt der Völkisch-Soziale Block, den Lokomotivführer Richard Gläsel (Wiesenstraße 3) anführt. Zum 27. März lädt er zur Versammlung ins Schützenhaus ein. Die Kommenden sind in Rage, weil sie nicht länger dem ausländischen Kapital dienen wollen. Der mühelose Zugang zum Ertrag deutscher Arbeit soll abgeschnitten werden.

Das setzt sich bei Georg Schiele von der Deutschnationalen Partei (DNVP) fort. Er kündigt am 28. April 1924 im Schützenhaus von Naumburg

"Das Ende der Erfüllungspolitik"

an. In einem zweistündigen Vortrag stellte er "mit grösster Objektivität und Sachlichkeit" die Reparationsfrage dar. Die Ausführungen gliedern sich in die Abschnitte:

Wirtschaft = "Durch Opfer zur Freiheit",
Innenpolitik = "Ihr habt ja keine Macht" und
Aussenpolitik = "Ihr habt ja keine Waffen".

Das fand grossen Anklang.

Und so sehen die Wahlergebnisse aus.

 



Ergebnisse der Reichstagswahlen in Naumburg (Saale)
am 6. Juni 1920, 4. Mai 1924 und 7. Dezember 1924


             
 
Dtl.
Dtl.
Dtl.
Naumburg
Naumburg
Naumburg
 
6. Juni 1920
4. Mai 1924
7. Dez. 1924
6. Juni 1920
4. Mai 1924
7. Dez. 1924
 
Prozent
Prozent
Prozent
Stimmen
Prozent
Prozent
Stimmen
Prozent
Stimmen
                   

DNVP

15,1
19,5
20,5
3271
20,9
31,0
4866
40,4
6798

VSB/DVLF

 
6,6
3,0
   
27,5
4328
10,8
1816

DVP

13,9
5,7
10,1
5146
32,9
9,3
1457
13,9
2345

DDP

8,3
3,2
6,3
1187
7,6
3,5
549
5,6
941

Zentr.

13,6
13,4
13,7
161
1,0
1,2
191
1,2
209

BVP

4,4
3,2
3,7
           

SPD

21,9
20,5
26,0
1958
12,5
10,6
1661
14,4
2425

USPD

17,6
0,8
0,3
3826
24,5
0,7
107
   

KPD

2,1
12,6
9,0
86
0,6
12,5
1957
10,6
1776

Andere

3,1
8,5
7,5
   
1,1
175
3,1
548

DHP

1,1
               

MP

         
2,7
422
   

Wahlbtg.

79,2
77,4
78,8
           

 

                 
       
15635
100
100
15713
100
16826


Abkürzungen: Dtl.- Deutschland,
DVLF - Deutschvölkischen Freiheitspartei, MP - Mittelstandspartei, DHP - Deutsch Hannoversche Partei, BVP - Bayerische Volkspartei, Zentr. - Zentrum, VSB - Völkisch-Sozialer Block.

 

 

Die Reichstagswahlen am 4. Mai 1924 gewinnt die SPD mit einem Prozentpunkt Vorsprung vor der DNVP. 1920 waren es 21,9 Prozent. Diesmal erhielten die Träger der Verständigungspolitik 20,5 Prozent der Stimmen. Die Leipziger Volkszeitung titelte am 7. Mai 1924: 100 Sozialdemokraten im Reichstag. Arbeiter die die KPD wählten, könnten bald merken, dass sie eigentlich die Deutschnationalen ausgesucht hatten. Weil die Sozialdemokraten geschwächt in den Kampf ziehen, könnte es den Deutschnationalen gelingen, fürchtet am 8. August 1924 die Volksstimme (Magdeburg), zur Macht zu gelangen.

Die DNVP verbesserte ihr Ergebnis im Zeitraum von von 1920 bis Ende 1924 von 15,1 / 19,5 auf 20,5 Prozent. Im Wahlbezirk Merseburg, wozu der Stadtkreis Naumburg (Saale) gehört, votieren für die Deutschnationalen 195 659 Personen. 1920 waren es 132 330. Der Völkisch-Soziale Block (VSB) erhielt 61 756 Stimmen. Zum Vergleich, für die SPD sprachen 110 963 Bürger. In Naumburg entschieden sich für ihn 27,5 Prozent (= 4 328 Bürger). VSB und Deutschnationale Volkspartei (DNVP) vertreten also bereits 1924 58,5 Prozent der Bürger.

In Naumburg schneidet die Hergt-Partei mit 20,9 / 31,0 / 40,4 Prozent (= 4 866 Bürger) hervorragend ab. Etwa 1 600 Bürger mehr als bei den vorhergehenden Reichstagswahlen entschieden sich für sie. Im Dezember `24 kann sie den Stimmenanteil im Vergleich zum Juni 1920 sogar verdoppeln. Der ehemalige Schüler des Naumburger Domgymnasiums Oskar Hergt trat am 23. Oktober 1924 nach der Zustimmung einiger Mitglieder der DNVP-Reichstagfraktion zum Dawes-Plan zurück.

Ihren Wahlkampf führten die Rechtsparteien mit einem finanziellen Aufwand und Reklame, den Deutschland bis dahin nicht kannte. Die Inflationsgewinner, Agrariertum und Industrie geizten nicht. Die Agrarier konnten sich in der Inflation entschulden. Zur Finanzierung des Wahlkampfes erhob die Schwerindustrie unter ihren Mitgliedern eine Steuer von 2 bis 4 Mark pro Kopf des beschäftigten Arbeiters. (Heimann 1925, 13)

 

 

Reichstagswahlen 7. Dezember 1924

Das nach den Mai-Wahlen gebildete Kabinett Marx II (Zentrum, DVP, DDP, BVP, Parteilose) stösst bald auf unüberwindbare Schwierigkeiten. Im Hintergrund schwelt eine weiterer Konflikt. Mit Hilfe einiger DNVP-Abgeordneter wurde am 28. August 1924 im Reichstag der Dawes-Plan angenommen. Das rief bei den Deutschnationalen und Völkischen in Naumburg einige Empörung hervor. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet sind die Wahlergebnisse der DNVP in der Stadt beachtlich. Man könnte auch sagen, eigentlich unerklärlich. Zum guten Wahlergebnis verhalfen der Partei möglicherweise zwei andere politische Dauerthemen: Der Widerstand gegen die ausländische Militärkontrolle und Verpfändung der Reichsbahn. Ausserdem konnte sie Wähler von der Deutschen Volkspartei (DVP) abwerben.

Für die NSDAP-Ortsgruppe Naumburg bot der Dawes-Plan ein perfektes ideologisches Aufmarschfeld. Zum Sprechabend am 30. August 1928 gibt sie zu

4 Jahre Dawesmonarchie

eine Erklärung ab. Mit der Preisgabe der Währungs- und Finanzhoheit an die internationale Kontrollkommission legten "fremde Mächte die Hand an der Gurgel des deutschen Volkes". "Der Leitgedanke dieses Systems sei aber nicht der natürliche:

Erst Brot für unser Volk, dann Geld für die anderen."

 

1924 gehen die bürgerlichen Parteien zunehmend auf Abstand zur SPD. Eine Koalition des Zentrums mit SPD und DNVP scheint kaum möglich. Reichskanzler Wilhelm Marx löst am 11. Oktober 1924 den Reichstag auf.

Für den 7. Dezember 1924 werden Neuwahlen anberaumt. 1 816 Bürger (= 10,8 Prozent) entscheiden sich für die Nationalsozialistische Freiheitspartei (NSFP). Die DNVP erhält 40,4 Prozent der Stimmen. Bereits zu diesem Zeitpunkt existierte zumindest rein wahltechnisch eine Mehrheit für einen
deutschnational-nationalsozialistischen Block.

Plakat der SPD zu den Reichstagswahlen 1924: Arbeiter! Wählt Eure Partei. Die Sozialdemokratie"
Reichstagswahl
. Künstler: Georg Wilke

Zum Erfolg der DNVP trug eine geschickte Wahlorganisation bei. „Diejenigen unserer Mitglieder, die aus Gesundheitsrücksichten nicht zur Wahl können,“ annonciert die DNVP am 17. November 1924 im Naumburger Tageblatt,

„bitten wir, sich rechtzeitig zu melden, damit die Wagen bereitgehalten werden können.“

SPD und DVP können mit ihren Wahlergebnissen die Hoffnungen als gestaltende politische Kraft erhalten. Ein Vergleich der Reichstagswahlen vom 6. Juni 1920, 4. Mai 1924 und 7. Dezember 1924 ergibt: 21,9 / 20,5, / 26,0 Prozent Stimmenanteil für die SPD und 13,9, / 5,7 / 10,7 Prozent für die DVP.

Die Kommunistische Partei (KPD) steigert ihr Ergebnis bei den Reichstagswahlen am 4. Mai 1924 im Wahlkreis Merseburg von einst 10 681 Stimmen im Jahr 1920 auf jetzt 183 721. In Naumburg erhält sie 1 723 Stimmen (= 12,5 Prozent).

 

 


Ergebnisse der Wahlen zum Preußischen Landtag am
20. Februar 1921 und 7. Dezember 1924

 
Preussen
20. Februar 1921
Naumburg Stadt
20. Februar 1921
Naumburg Stadt
7. Dezember 1924
Naumburg Stadt
und Land
7. Dezember 1924
 
Stimmen
Prozent
Prozent
Stimmen
Prozent
Stimmen
Prozent
Stimmen

SPD

4 295 395
26,26
13,0
2014
13,8
2424
13,5
3317

DNVP

2 957 784
18,08
28,4
4419
37,9
6676
43,5
10710

NSDAP

       
10,0
1761
11,7
2862

Zentrum

2 819 989
17,24
1,2
190
1,2
214
1,0
239

DVP

2 319 281
14,18
30,4
4730
13,4
2365
12,5
3071

VKPD

1 211 749
  7,24
15,6
2426
10,1
1771
10,3
2517

USPD

1 076  498
  6,58
4,9
765
       

DDP

1 013 239
  6,19
6,5
1008
5,3
943
4,9
1196

WP

   192 780
  1,18
   
2,4
412
2,6
629

PP

     12 081
  0,07
           

Rest

       
5,9
1035
   
                 
 
21 410 148
 
100
15552
100
17601
100
24538

Wahlbeteiligung gültigeStimmen

16 570 742
77,40
           


DDP - Deutsche Demokratische Partei
DNVP - Deutschnationale
DVP - Deutsche Volkspartei
NSDAP - entspricht Nationalsozialistische Freiheitspartei
SPD - Sozialdemokratische Partei Deutschlands
USPD - Unabhängige Sozialdemokratische Partei
VKPD - Vereinigte Kommunistische Partei, dann KPD
WP - Wirtschaftspartei
PP - Polnische Partei


 

 

1925: Die grosse
Hindenburg-Mehrheit
in Naumburg

Im Frühjahr 1925 beginnen die Vorbereitungen zur Reichspräsidentenwahl. Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (Naumburg) bereitet die politische Reife des Bürgers Sorge. "Nach der Beteiligung an den öffentlichen Wahlen kann man das Gefühl der politischen Verantwortlichkeit und Reife eines Volkes beurteilen." Wer nicht zur Wahl geht ist ein "politischer Deserteur" und vernachlässigt in unentschuldbare Weise die vaterländische Pflicht.

Otto Braun kandidiert zur Reichspräsidentenwahl am 29. März 1925 als Nachfolger von Friedrich Ebert gegen Wilhelm Marx (Zentrum), Karl Jarres (DVP) und Ernst Thälmann (KPD).

Plakat: Fester Kurs für die Republik! Wählt Otto Braun.

Reichspräsidentenwahl 29. März 1925, Künstler: Gottfried Kirchbach.

Jürgen Falter (1986, 17, 147) wies nach, dass der Wahlerfolg der Nationalsozialisten von 1932 mit keinem anderen Ergebnis stärker korreliert als mit der Hindenburg-Wahl von 1925.

Am ersten erste Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl am 29. März 1925 nehmen 68,9 Prozent der wahhlberechtigten Bürger teil. Als Nachfolger von Friedrich Ebert kandidierte Otto Braun (SPD) gegen Wilhelm Marx (Zentrum), Karl Jarres (DVP) und Ernst Thälmann (KPD). Er erreicht aber nicht die erfoderliche absolute Mehrheit. In der notwendigen Stichwahl ist nicht zu erwarten, dass ihn Bürger aus dem konservativen, deutschnationalen und deutschvölkischen Lager unterstützen. Er tritt zugunsten von Marx (Zentrum) zurück.

In Vorbereitung auf den zweiten Wahlgang formiert sich der Volksblock aus Sozialdemokraten (SPD), Deutscher Demokratischer Partei (DDP) und Zentrum zum Kampf gegen die Hindenburgfront.

 

 

Der Aufmarsch zur Wahlschlacht. Aus: Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Freitag, den 24. April 1925, Seite 3

 

Die Deutsche Volkspartei (DVP) plädiert für den Sieger von Tannenberg. In Vorbereitung auf die Wahl lädt die Ortsgruppe Naumburg am 17. April 1925 zur Versammlung in den Rathaussaal (Naumburg) ein. Pastor Zeidler hält die Rede:

„Es kann einem Übel werden von den Wahlen mit dem Parteiengezänk und dem Aufeinanderschieben der Schuld an unserem Elende. … Was verlangen wir vom neuen Reichspräsidenten? Wir brauchen einen Mann für das ganze Vaterland, einen geschulten und bewährten Mann. Marx, der Vorkämpfer für das katholische Zentrum, ist es nicht. … Wir erwarten [von Hindenburg] Ordnung, und das deckt sich mit seinem Geiste. … Wir brauchen einen Staat, der uns Vertrauen einflößt. Bis jetzt ist die Konjunktur Objekt für ein paar Parteimänner. Sie haben den Staat so heruntergewirtschaftet, daß die Arbeiter vergeblich arbeiteten. Die Lappen, die sie verdienten, waren nichts wert für Frauen und Kinder. … Wir brauchen Ordnung für alle Gebiete. Zu was für einem wahnwitzigen Durcheinander ist es im Schulwesen gekommen. …. Parteien müssen sein auf politischem Gebiete. Aber Hurrarufen hier und die Internationale dort, helfen nicht.“ (Wahlausschuss 1925)

 

"Der deutsche Reichspräsident Hindenburg hurra, hurra", schallte es durch Naumburg. Begleitet von zwei Kapellen bewegt sich ein riesiger Menschenpulk vom Kaiser-Friedrich-Platz durch verschiedene Stadtteile zum Markt. Am Voraband zum zweiten Wahlgangs der Reichspräsidentenwahl riefen die Vaterländischen Verbände zum Fackelzug auf. Tausende Anhänger der Deutschnationalen, Alldeutschen und Deutschvölkischen waren gekommen. Kamerad Loewe hält eine Rede. Er spricht über den Sieger von Tannenberg und davon, wie er den Erbfeind im Westen verjagte. Der Stahlhelmführer bezeichnet die bevorstehende Wahl als einen Wendepunkt in der Geschichte. "Ein strammer Vorbeimarsch vor dem Führer auf der Vogelwiese beendet die eindrucksvolle Feier."


Ergebnis der
Reichspräsidentenwahl
vom 26. April 1925

   
 Naumburg Stadt
Naumburg Land
       
 

Hindenburg

12461
19336
   
74,2 %
 

Kandidat der Rechtsparteien

   
 

Marx

3170
4193
   
18,8 %
 
 

Kandidat der DVP, Zentrum und SPD

 

 

Thälmann

1152
1614
   
6,9 %
 
 

Kandidat der KPD

 

  Wahlbeteiligung im Reich 77,6 Prozent
       

Paul Hindenburg wird am 26. April 1925 im zweiten Wahlgang mit 48,3 Prozent der Stimmen (rd. 14 639 000) zum Reichspräsidenten gewählt. Die Rechtsparteien jubeln. In Naumburg Stadt und Naumburg Land können sie ihren Stimmenanteil im Vergleich zum ersten Wahlgang erhöhen. Thälmann und Marx verlieren etwa 10 Prozent der Stimmen an Wählern.

Am Tag nach der Wahl titelt der sozialdemokratische Vorwärts (Berlin) auf Seite eins oben:

„Hindenburg von
Thälmanns Gnaden“.

"Hindenburg, monarchistischer Präsident einer Republik, die eine republikanisch gesinnte Mehrheit hat? Gellender Wahnsinn! Wahnsinn aus Moskaus Küche." Der Kommentar stellt darauf ab, dass der KPD-Wahlkampf dem Kandidaten Marx (rd. 13 753 000 Stimmen) die rund 1 932 000) Thälmann-Voten entzogen hat.

An die "Die grosse Hindenburg-Mehrheit unseres Wahlkreises" knüpft das Naumburger Tageblatt die Forderung: "Scharen wir uns um den getreuen deutschen Ekkehard." - Um einen Antidemokraten, Kriegsverlängerer und Monarchisten?

 

 

Anmerkung: Zu den Vaterländischen Verbände rechnen: Alldeutscher Verband (1891), Deutscher Kolonialverein (1904 gegründet), Deutscher Wehrverein (1911), Jungdeutschlandbund. Nach dem Kriege: Nationalverband Deutscher Offiziere (N.D.O.) (1918), Marine-Offiziersverband, Reichsoffiziersbund, Reichsbund ehemaliger Kadetten, Preußenbund, Deutscher Hochschulring, Deutsche Adelsgenossenschaft, [die Wehrverbände:] Wehrwolf, Bund Oberland, Jungdeutsche Orden, Bund Wiking, Reichsverband der Baltikumkämpfer, Deutsche Reichskriegerbund Kyffhäuser. zuruck

 

Abkürzungen

VS - Tageszeitung der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei, Magdeburg

 

 

[Aufruf] "An alle Bewohner von Naumburg Stadt und Land zur Sammlung der Ruhrhilfe". "Naumburger Tageblatt", Naumburg den 25. Januar 1923

Denkschrift über den Ausbau der Besteuerung von Inflationsgewinnen. Ausgegeben am 23. April 1925. Reichstagsprotokolle. N 803, 1924/ 28,17. Der Reichsminister der Finanzen. Herausgegeben vom Reichsfinanzministerium. Berlin, April 1925

Der Aufmarsch zur Wahlschlacht: Aus: Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Freitag, den 24. April 1925, Seite 3

Der Kampf um die Aufwertung. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes." Leipzig, den 14. Juli 1925

Die Sachverständigen-Gutachten: die Berichte der von der Reparationskommission eingesetzten beiden Sachverständigenkomitees vom 9. April 1924 nebst allen Beilagen. Einzige autorisierte Ausgabe in Auftrage des Auswärtigen Amtes amtlicher Text der Reparationskommission in französischer und englischer Sprache und amtliche deutsche Übertragung. Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte, Berlin 1924

Die grosse Hindenburg-Mehrheit unseres Wahlkreises. "Naumburger Tageblatt", den 27. April 1925

100 Sozialdemokraten. "Volksstimme. Tageszeitung der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei." [Abkürzung VS] Magdeburg, den 8. Mai 1924

Falter, Jürgen, Thomas Lindenberger und Siegfried Schumann: Wahlen und Abstimmung in der Weimarer Republik. Materialien zum Wahlverhalten 1919-1933. Verlag C.H. Beck, München 1986

Fischart, Johannes: Oskar Hergt. Die Weltbühne, XVIII. Jahrgang, 26. Januar 1922, Nummer 4, Seite 85 bis 88

Heydeloff, Rudolf: Staranwalt der Rechtsextremen. Walter Luetgebrune in der Weimarer Republik. In: Vierteljahres Hefte für Zeitgeschichte. München, 32 (1984) Heft 3, Seite 373 bis 421

Heimann, Hugo: Der Kampf um die Aufwertung. Von Helfferich bis Hindenburg. Verlag J. H. W. Dietz Nachf., Berlin 1925

Hindenburg von Thälmanns Gnaden. Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei. Berlin, den 27. April 1925

Holzbach, Heidrun: Das "System Hugenberg". Die Organisation bürgerlicher Sammlungspolitik vor dem Aufstieg der NSDAP. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1981

[Keil, Wilhelm] Redebeitrag des Abgeordneten Keil, SPD. Zweite Beratung des Aufwertungsgesetzes. 91. Sitzung, Freitag, den 10. Juli 1925. Verhandlungen Reichstages. III. Wahlperiode 1924. Band 386 Stenographische Bericht vom 12. Juni 1925 bis 17. Juli 1925. Druck und Verlag der Reichstagsdruckerei, Berlin 1925, Seite 2934 bis 2941

Liebe, Werner: Die Deutschnationale Volkspartei 1918-1924. Droste Verlag, Düsseldorf 1956

Naumburg am Wahltage. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 8. Dezember 1924

Naumburg im Kerzen und Fackelschein. "Naumburger Tageblatt", den 29. April 1925

Öffentlicher Sprechabend der Nationalsozialisten über "4 Jahre Dawesmonarchie in der Republik". "Naumburger Tageblatt", Naumburg, dem 30. August 1928

Öffentliche Volksversammlung. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 23. Januar 1923

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Wahlbeteiligung ist politische Reife. "Naumburger Tageblatt", Naumburg den 25. April 1925

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Die Technik der Aufwertung. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 5. Dezember 1925

[Spahn, Martin] Reichstagsabgeordneter Martin Spahn in Naumburg. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, am 25. Januar 1925

Sieg. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 27. Arpril 1925

Sternthal, Friedrich: Jubiläum eines Propheten [Zu Oskar Hergt]. Die Weltbühne XXIV., Jahrgang, Nummer 3, Berlin, den 17. Januar 1928, Seite 110

Volk, entscheide Dein Schicksal. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 18. April 1924

Wahlausschuss Hindenburg. Vortrag des Pastors Zeidler aus Holzhausen. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 20. April 1925

Plakat: Fester Kurs für die Republik! Wählt Otto Braun, Reichspräsidentenwahl 29. März 1925. Künstler: Gottfried Kirchbach. Friedrich-Ebert-Stiftung. Archiv. www.fes.de, Archiv der sozialen Demokratie, Download Angebote, 2008

Plakat: Arbeiter! Wählt Eure Partei. Die Sozialdemokratie. Reichstagswahl 4. Mai 1924 oder 7. Dezember 1924. Künstler: Georg Wilke. Friedric- Ebert-Stiftung. Archiv. www.fes.de, Archiv der sozialen Demokratie, Download Angebote, 2008

Plakat: Wahlwerbung der KPD zur Reichstagswahl am 4. Mai 1924. Friedrich-Ebert-Stiftung. Archiv. www.fes.de, Archiv der sozialen Demokratie, Download Angebote, 2008


Autor:
Detlef Belau


Geschrieben: April 2005. Aktualisiert: 18. Juni 2008
zurück