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"Sind wir hier in Europa unangreifbar,
so wird unser Wille um die Erde geachtet werden;
bedrohen uns hier Gefahren,
so fällt alles draußen eroberte wieder zusammen."

Georg Schiele: Das größere Deutschland. Februar 1915

 

 

Der Politiker Georg Schiele

Deutschnationaler Politiker, völkischer Moralist, Stratege der deutschnationalen Europapolitik, Ideologieproduzent und Organisator der völkisch-deutschnationalen Rechten

 

Georg Wilhelm Schiele
(1868-1932)

Georg Wilhelm Schiele war als Stadt-, Landtags- und Reichstagsabgeordneter tätig. Ab etwa 1895 finden die Publikationen des deutsch-völkischen Politikers einen festen Leserkreis. Dabei stellte er das Wohl des Vaterlandes über den individuellen Glücksanspruch des Bürgers. Im September 1917 begeistert ihn die Gründung der Deutschen Vaterlandspartei (DVLP). Auf die Friedensresolution des Deutschen Reichstages von 1917 folgt die Herausgabe der Naumburger Briefe. Schiele lehnt die deutsche Revolution 1918/19 ab und versucht die Weimarer Republik rechtspolitisch zu delegitimieren. Wolfgang Kapp nominiert im März 1920 den Fanatiker der freien Wirtschaft (Vorwärts 24.3.1924) als Wirtschaftsminister der Putsch-Regierung. Eine Kandidatur für ein Reichstagsmandat der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) scheitert. 1926 vertraute ihn der DNVP-Landesverbandes Halle-Merseburg, wo ohnedies seine Einflußsphäre lag, den Vorsitz an. Speziell der Stahlhelm Landesverbandes Mitteldeutschland fragt öfter seine Hilfe und Unterstützung an. Als Referent kasteit er sich allzu gerne mit einer alldeutsch-völkisch-nationalen Ideologie und popularisiert rückständige, elitär-aristokratische Auffassungen zur Führung des Staates. "Ein Volk, das sich selbst verwalten will," diktiert 1910 Die Freiheit, die ich meine!, "muss sich eine Aristokratie schaffen." Dazu muss die Auslese beim Wähler anfangen. "Dann heißt die Losung: Hier geheime Wahl, Demokratie, Despotismus. Hier öffentliche Wahl, Aristokratie und Freiheit. Nun, deutsches Volk wähle, aber denke daran, dass alle germanische Kultur bisher eine aristokratische Kultur auf der möglichen Basis der Gemeinschaft ist."

Georg Schiele´s Vorschläge zur Gestaltung des Arbeitsmarktes, der sozialen Systeme, industriellen Beziehungen und Hyperinflation, verpackt in agitatorische Texte, münden oft in eine arbeiterfeindliche Politik ein. Darf man denn die Mark stabilisieren, fragt der unerbittliche Ökonom im Oktober 1922, worauf er antwortet: "Was haben wir an einer stabilen Mark, wenn wir zugleich die deutsche Industriebevölkerung ins Jenseits stabilisieren?" - Gegen Ende der 20er Jahre kippen die deutsch-völkischen Texte zum Faschismus hin.

 

Friedensstraße (2006)
Naumburg

Der Lebensweg von Georg Schiele beginnt am 17. November 1868 in Naumburg an der Saale. Der Vater war zweiter Domprediger. Nach dem Besuch des Naumburger Domgymnasium von 1878 bis 1887 studiert er an den Universitäten Jena, München, Halle und Berlin Medizin. Es folgt die Tätigkeit als approbierter Arzt in Seehausen und dann am Diakonissenhaus in Halle. 1903 öffnet in Naumburg, Friedensstraße 7E, die Privatklinik Dr. Georg Schiele ihre Türen. Nebenher ist er Stadtverordneter. In diese Zeit fallen auch erste politische Aktivitäten als Mitglied des Alldeutschen Verbandes. - Er ist Vater von zwei Söhnen und Vormund von fünf weiteren Kindern (1918).

 

1894 zog er als junger Arzt in die Altmark, dem Kernland der preußischen Monarchie mit den klangvollen Namen der Geschlechter Bülow, Schulenburg, Alvensleben. Die Saisonarbeiter kamen im Frühjahr und gingen im November wieder. "Die Gefahr der Polonisierung des platten Landes ist groß," schreibt Georg Schiele 1897 in "Zur Polenfrage". "Nach unsrer Schätzung sind auf den hiesigen kleinern und größern Gütern im Sommer etwa zur Hälfte polnische Leute in Arbeit, von denen die meisten im Frühling kommen und im Herbst gehen." Ihn beeindruckten "die schwarzen Horden russisch-galizischer Arbeiter", die sonntags an den Straßenecken stehen und alltags auf den Feldern ihr Tagwerk verrichteten. "Und ich meinte, sie nehmen den Einheimischen das Brot weg und seien Schuld an der Verödung des Landes in völkischer Hinsicht. ..... Aber ich musste bald einsehen, dass der Kausalzusammenhang umgekehrt ist. …. erst ziehen die Einheimischen fort und dann kommen die Fremden herein." Denn "Das untere Volk ist gegen solche Unterschiede mindestens so empfindlich wie die oberen Stände." Es ist Die Schicksalsstunde der deutschen Landwirtschaft und Titel seines Aufsatzes, der 1912 als Warnung vor der ästhetischen und ethischen Unkultur der Ausländer im Grenzboten erscheint.

Polnische Landarbeiter.

Massen polnischer Landarbeiter werden auch in diesem Jahr, trotz der hohen Arbeitslosenziffer in Deutschland, auf ostelbischen Gebieten beschäftigt.

Zeichnung von Karl Holtz
"Der Clemenecau hat recht: es sind viel zu viel Deutsche im Land!"
Lachen Links. Jahrgang 3, Nummer 17, Berlin, den 23. April 1926, Seite 196

"Nebenbei gesagt hat diese Entwicklung unsere Kolonialpolitik geradezu zu einem Anachronismus gemacht ....". Aus Deutschland ist ein Einwanderungsland geworden, obwohl der preußische Staat in den letzten Jahrzehnten eine entsprechenden Ansiedlungspolitik betrieben hat. Aber was nützt das, wenn alte deutsche Höfe in polnische Hände übergehen? Die Agrarpolitik drang über Getreideschutzpolitik unter Ministerpräsident Georg Leo von Caprivi (1831-1899) tief in Ökonomie der Landwirtschaftsbetriebe ein, liess die Lebensmittelpreise und Einwanderung der polnischen Landarbeiter hochschnellen. Als 1925 die Schutzzollpolitik revitalisiert wurde, kamen die Probleme zurück: Modernisierungsbarierren, Vergeudung staatlicher Kredite für unproduktive Zwecke, zunehmende Verschuldung, hohe Lebensmittelpreise und - was neu - die Verschwendung künstlicher Düngemittel. Die daraus erwachsenen sozial-ökonomischen Probleme trugen maßgeblich zum Rechtsruck in der Gesellschaft bei. Schiele schlug mit den Veröffentlichungen zur Agrarpolitik die Brücke zu einflussreichen Vertretern der Landwirtschaft und den Reichslandbund (Schmitz 55).

Am 12. April 1912 gründen Friedrich Ernst von Schwerin und Max Sering die Gesellschaft zur Förderung der inneren Kolonisation (GFK). Sie fördert die Besiedlung der nur dünn bevölkerten Ostgebiete des Deutschen Reiches. Die Idee der Kolonisation taucht bereits in der Frühzeit der sozialdemokratischen Bewegung auf, wo es lediglich darum ging, Ödland urbar zu machen, Abhänge aufzuforsten oder Meliorationsmaßnahmen durchzuführen. Für die Durchführung entsprechende Tätigkeiten gewährte der Staat den Arbeitern oft einen auskömmlichen Lohn. Das wirkte sich wiederum auf die Beschäftigung bestimmter Randgruppen positiv aus. Im geringen Umfang entstanden Arbeiterkolonien. Zuweilen verband sich nach der Reichsgründung damit die Vorstellung, die Sozialdemokratie damit bekämpfen zu können. Die Gesellschaft zur Förderung der inneren Kolonisation setzte ihre Tätigkeit nach dem Krieg fort. Unter ihrer Leitung fand, berichtet am 26. Februar 1921 der Vorwärts (Berlin), ein Siedlungstag in Berlin statt. Georg Schiele unterstützt die Organisation.

 

Überlegenheitsdenken und Rassenreinheitswahn, die maßlos übersteigerte Vorstellung von der Kraft des Willens, die Verherrlichung des kaltblütigen Muts und einer Disziplin ohne Moral, prägen die Attitüden der nationalsozialistischen Herrschaftsideologie. Über diesen Acker lief Georg Schiele und legte die Saat.

 

Überlegenheit durch Willenskraft  Georg Schiele

1902 berichtet er im Grenzboten, der Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst, über die Erlebnisse seiner Schiffsreise nach Afrika und die Überfahrt von Singnapur nach Hongkong. Auffällig ist, dass die, die zu Hause nie eine gute Gesellschaft gesehen, in den Kolonien "in einem halben Jahr zum Bluts- und Rassearistokraten" werden. Der Rassenstolz und Hochmut der Deutschen und Europäer blühen auf, den zwar Chinesen, Inder und Neger anerkennen, aber mit "entsprechenden Hass" beantworten. Woher und woraus resultiert diese Überlegenheit der Weißen? "Ist es der Vorrang der Intelligenz…?" "Ist es die Kultur, die uns überlegen macht?" "Ist es die Moral die uns überlegen macht"? Schiele (1902, 85, 88) verneint das, um dann zu behaupten: "Aber die Weißen sind doch allen anderen Völkern überlegen, und zwar durch ihre viel größere Willenskraft." Der Unterschied der Kräfte wird noch dadurch erhöht, "dass der Weiße die Muskulatur, die er hat, vielmehr unter seinen Willen stellt und mehr anspannen kann als der Farbige."

 

Menschen nach ihrer Abstammung scheiden  Georg Schiele

In Mosambik angelandet, erregt seine Aufmerksamkeit, dass die Portugiesen schon dreihundert Jahre ihr Blut mit Negern mischen. "Von diesen weiß man nie genau, ob sie reines Blut haben." Das Halbblut hat ein Volk geschaffen, das ebenso christlich wie katholisch ist und die Lebensführung der Europäer nachahmt. Sie alle trennt "eine scharfe Linie vom Europäer". "Jetzt lebt in vielen alten Handelsstädten, die nunmehr englisch sind, zwischen der Masse der Eingeborenen und der Aristokratie der germanischen Europäer eine portugiesisch-katholische Halbblutbevölkerung und liefert die Diener, Friseure, Köche, Schreiber und Dolmetscher in die europäischen Häuser." Doch ist er adlige deutsche Name etwa gemischt mit dem Blut einer heidnischen Malaiin, wird dieser Mann zu keiner Tafel geladen. Denn Rassenhochmut gibt es überall, wo englische Kultur herrscht. "Ist es nicht wunderbar", triumphiert Georg Schiele, "dass unsre in Europa doch arg demokratisierte Welt Kolonialstaaten erzeugt, in denen sich die Menschen nach ihrer Abstammung scheiden, und in denen ein Blutsadel herrscht."

 

Herrenkolonisation  Georg Schiele

In den Kolonien lehren die Missionare den Farbigen, dass die Menschen alle gleich sind. Und doch sehen diese, zum Beispiel in den Buren, nur Gegner, weshalb allenfalls ein "Christentum für die Kaffern" übrigbleibt. "Die Beherrschung der farbigen Rassen ist für den Weißen nur allzu leicht. Trotz des Rassenhasses des Unterworfenen ....". Und so sehen wir, dass herrliche Ergebnis einer Herrenkolonisation. Wohl an, heisst es dieser Anschauungsweise folgend, schreiten wir weiter auf diesem Weg fort, da für uns Deutsche keine andere Möglichkeit bleibt. Der Weltreisende aus Naumburg kommt nicht auf die Idee, das Phänomen der westlichen Doppelmoral zu hinterfragen. Längst sind Blut und Abstammung als wichtige ideologische Theoreme seiner Gesellschaftsvorstellungen internalisiert.

 

Der Griff nach der eurasischen Kontinentalplatte

Im Februar 1915 erscheint bei J. F. Lehmann in München von Georg Schiele der Aufsatz

Die russische Gefahr.

Warum wählt der Autor dieses Thema, obwohl doch zwei historische Darbietungen auf ihre Weise bereits darüber Klarheit geschaffen haben?

Zeichnung: Unsere sieben Feinde.

Simplicissimus 19. Jahrgang. Nummer 22, München, 1. September 1914, Einband

Das erste ereignete sich am 30. Juli 1914 abends als Russland die Generalmobilmachung verkündet.

Die deutsche Mobilmachung begann am 1. August 17 Uhr und am gleichen Tag wurde Russland offiziell der Krieg erklärt. (Fritz Fischer 78 ff.) "Jeder ehrliche und einsichtige Deutsche weiß, dass Deutschland nur zu den Waffen gegriffen hat," meisselte es Georg Schiele im Oktober 1922 in Stein, "weil die Russen in Anmarsch waren, weil die Verzögerung auch nur von 24 Stunden den Untergang der mitteleuropäischen Kultur herbeigeführt hätte."

Durch das nervenstarke Abwarten der russischen Reaktion, konnte im Volk mit dem Bewusstsein, überfallen worden zu sein, die notwendige Einsicht und Bereitschaft für den Krieg gefestigt werden. Ebenso nutzte die Reichsleitung die im Juli 1914 systematisch aufgebaute Kriegsschuldfiktion von Russland zur völligen Ausschaltung jeder grundsätzlichen Opposition der Sozialdemokratie.

Die zweite Lektion erteilte die Geschichte mit der Umfassungsschlacht vom 26. bis 30. August 1914 südlich von Allenstein, als die 8. Armee unter Oberbefehlshaber Paul von Hindenburg die 2. Russische Armee unter General Alexander Samsonow schlägt. Dafür müssen die Deutschen drei Armeekorps aus dem Westen abziehen, was Frankreich deutliche strategische Vorteile bringt. Folglich sollte Deutschland versuchen, sich möglichst schnell aus dem Zweifrontendilemma zu befreien. Eingedenk dessen unternimmt die Oberste Heeresleitung von Anbeginn des Krieges alles, rekonstruiert 1967 Fritz Fischer (78 f., 126) die Lage im "Griff nach der Weltmacht", um Russland zu revolutionieren. Bereits im August 1914 hieß es deshalb, den Kaukasus gegen Russland aufzubringen, in Finnland einen Aufstand zu entfesseln und die von Russland unterjochten Stämme gegen den russischen Despotismus in Moskau zu führen. Was für ein Glück für die deutschen Dienststellen, dass Gisbert von Romberg (1866-1939) in der Schweiz zahlreiche russische Revolutionäre auffielen, die für die deutschen strategischen Zwecke gut zu gebrauchen waren, worüber er prompt im Oktober 1914 aus Bern das Auswärtige Amt unterrichtet. "Lenin war," aggregiert es Sebastian Haffner (2001, 128),"Deutschlands Wunderwaffe im Ersten Weltkrieg."

Nicht diesen Realien der deutschen Politik, wendet sich "Die russische Gefahr" zu. Ihr Autor mischt viel lieber in der Debatte über Deutschlands globalstrategisches Verhältnis zu England und Russland mit, wobei, zugegeben, die ideologisch-weltanschauliche Kontroverse seine Stärke ist.

 

Wer ist der Hauptfeind?

Im Revier der Hauptfeind- und Kriegszieldebatte herrschte öffentlich Verwirrung. Mehr Klarheit wäre durchaus im Sinne der Sozialdemokraten, denn sie möchten die Gefahr abwenden, dass ihre Russland-Positionen mit den reaktionären Anschauungen vom Eroberungskrieg in der Öffentlichkeit verschmelzen. Der Konflikt trat bereits unmittelbar vor der Abstimmung im Reichstag über die Kriegskredite in der SPD-Fraktionssitzung bei Ausfertigung der Erklärung vom 4. August (1914) auf. Im veröffentlichten Text war dann lediglich von der Sicherung der deutschen Grenze gegen den Feind die Rede, was die Ablehnung des Eroberungskrieges abschwächte. Bei einem Sieg des „blutrünstigen russischen Despotismus“ sah der Vortragende Hugo Hasse, die Freiheit des deutschen Volkes gefährdet.

Ein redaktioneller Artikel des Vorwärts (Berlin) vom 15. April 1915 unter der Überschrift:

Der "Hauptfeind",

versucht die Lage zu entwirren.

Wer ihn in England sieht, erklärt er, ist in der Regel geneigt, Russland "goldene Brücken" zu bauen. Und wer für eine Annäherung an die Westmächte ist, so sortiert er die Meinungen, ohne zugleich alle Konsequenzen aus der internationalen Lage zu ziehen, klammert sich meist an die Parole: "Kampf gegen den Zarismus".

August Bebel sah in Russland den "Feind aller Kulturen und aller Unterdrückten". Daran erinnert er am 17. September 1907auf dem Essener Parteitag, hier zitiert aus dem Lübecker Volksboten vom 13. August 1914. Vor zirka sieben Jahren führte ich aus, sagt Parteivorsitzende, wenn es dann zu einem Krieg mit ihm käme,

sei ich alter Knabe noch bereit,
die Flinte auf dem Buckel zu nehmen
und in den Krieg gegen Russland zu ziehen
.

Damit war ihm, betonte er in Essen, bitter ernst. Andrerseits war es nichts Besonderes, liegt es doch alles im großen deutschen nationalen Bewußtseinsstrom, über den Otto Hoetzsch in

"Russland als Gegner Deutschlands" (16)

erst im Jahr des Kriegsbeginns schrieb:

"Eine starke Abneigung gegen das russische Volk ist immer in vielen Kreisen unseres Volkes lebendig gewesen."

In den letzten Jahrzehnten pflockte hierauf Deutschland den welthistorisch-ideologischen Gegensatz von Germanen- und Slawentum. Der war schon weit gediehen, wenn Kaiser Wilhelm II. den Besuch bei Leopold Graf Berchtold in Wien unter das Diktum stellt, der Krieg zwischen Ost und West ist auf Dauer unvermeidlich, denn es handelt sich darum, die Vormacht der Slawen zu brechen (Fritz Fischer 41).

Hellmut von Gerlach (1866-1935), Chefredakteur der Berliner Wochenzeitung "Die Welt am Montag", wünschte, was der Vorwärts in den zurückliegenden Ausgaben erörterte, einen Sonderfrieden mit Russland. Dagegen polemisierte wiederum die in Kreisen des Mittelstandes gern gelesene "Deutsche Tageszeitung", indem sie betont, dass sie einen Sonderfrieden sowohl gegenüber England und zu Russland nicht für nötig hält. "Durchhalten", hieß ihre Parole. Kommt es allerdings zur Blockbildung, dann erwartete das konservative Blatt nach eigenem Bekunden vom "Osten" mehr als vom "Westen". Um diese Auffassung zu stützen, versucht sie sich auf Bismarck`s Postulat zu konsilidieren: "Ich betrachte England als den alten und traditionellen Bundesgenossen, mit dem wir keine strittigen Interessen haben." Für die "Deutsche Tageszeitung" hat dies lediglich zeithistorischen Wert. Während sie der Mahnung des Altkanzlers, gute Beziehungen zu Russland zu erhalten, große aktuelle Bedeutung zumisst.

Unvorsichtigerweise brachte, entsinnt sich der Vorwärts am 15. April 1915, Theodor Schiemann (1847-1921) im September `14 in der "Neue[n] Preußische[n] Zeitung", allgemein "Kreuz-Zeitung" genannt, die Idee der Verständigung mit England auf. Der Professor für Osteuropäische Geschichte und Kämpfer gegen die Russifizierung des Baltikums musste, weil viele Stammleser heftig protestierten, seine Mitarbeit aufkündigen. Nachfolger Professor Otto Hoetzsch fordert von Österreich und Deutschland eine Orientpolitik, die unversöhnlich mit den Interessen Russlands ist. Die Replik auf den Lehrer für Neuere Geschichte an der Preußischen Kriegsakademie und Professor für Osteuropäische Geschichte ist noch im andere Hinsicht aufschlussreich. Im Jahr zuvor veröffentlichte er die Schrift "Russland als Gegner Deutschlands". Darin legte er dem Leser nahe einzusehen, dass uns die Verfassungsform eines anderen Staates nichts angeht.

Der "Hauptfeind" erwähnt Paul Lensch, Doktor der Rechtswissenschaften, von 1908 bis 1913 Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung. Gegenwärtig tourt er mit Heinrich Cunow von der Parteihochschule der SPD und den Abgeordneten des Preußischen Landtages Konrad Haenisch durch Deutschland, um aus antirevisionistischer Sicht Zustimmung für die Kriegskredite und Burgfriedenspolitik einzuwerben. Was im Jahr darauf passiert, konnte der Vorwärts nicht voraussehen, nämlich, das Paul Lensch am 7. Juni 1916 auf dem "Kolonialpolitischen Abend" in Berlin einen Vortrag hält. Eingeladen hatte der Aktionsausschuss der Deutschen Kolonialgesellschaft. Der weithin bekannte SPD-Genosse, einst zum linken Flügel zählend, erachtete es als unumgänglich und schicklich, dezidiert für die Kolonialpolitik, einschließlich der Seegeltung, also Flottenpolitik, einzutreten. Als die imperialistische Wochenschrift "Das größere Deutschland" dies wohlwollend und weitgehend zustimmend aufgriff, muss der Vorwärts am 23. September 1916 einräumen: Die Beurteilung von Paul Lensch durch genannte Zeitschrift und derjenigen Sozialdemokraten, die in seiner Rede als Gesinnungsgenossen angeführt wurden, "müssen wir gelten lassen". Zwischen den "Vertretern des Umlernens" und den früheren Exponenten der Wochenschrift vom Schlage Ernst Graf zu Reventlow (1869-1943) und Arthur Zimmermann (1864-1940), Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, sind keine wesentlichen Unterschiede zu finden. Lensch´s Bekenntnis zur Kolonialpolitik im Kriegsjahr 1916 fordert indirekt, aber zwingend den Siegfrieden ein. Wie sonst sollen die Interessenvertreter in den sich anschließenden Verhandlungen Kolonialgebiete halten oder dazugewinnen? Also weiterkämpfen, ihr Frontsoldaten da draußen in den Schützengräben! Bis zum Sieg! Der SPD-Mann, war an diesem Abend, beteuert zwei Tage später im Vorwärts die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, nicht in ihrem Auftrag unterwegs. Wie beruhigend, wenn die bürgerliche Presse nicht den Vortrag nutzen würde, um den Eindruck zu erwecken, als habe die SPD ihre Gegnerschaft zur Kolonial- und Flottenpolitik aufgegeben. "Die bürgerlichen Organe, die neuerdings andere Darstellungen verbreiteten, werden gut tun," verabschiedet sich der Vorwärts mit einem kleinen freundlichen Protest, "von unseren Feststellungen Notiz zu nehmen."

Dem "Hauptfeind" imponiert wie die "Deutsche Tageszeitung" der Phrase "Gegen den Zarismus", weil man damit überhaupt nichts ändern kann, den Garaus macht. Offenbar gewinnt jetzt auch in weiten Kreisen der Sozialdemokratie diese Meinung an Raum, um den Versuch der Konservativen abzuwehren, als "Schwurzeuge" für die Haltlosigkeit der Parole "Gegen den Zarismus" vereinnahmt zu werden. Demnach standen mittlerweile sowohl die Konservativen wie Sozialdemokraten, resümiert der Vorwärts, dieser Parole distanzierter gegenüber.

Schließlich rückt sich Der "Hauptfeind" im Vorwärts Axel Schmidt (gestorben am 8.12.1944) zurecht. In der letzten Nummer der imperialistischen Wochenschrift "Das größere Deutschland" rekapitulierte er an Hand der Stimmen der liberalen und demokratischen Presse die "Kampfziele gegen Russland". Sein Standpunkt mündet in die Forderung, "dass der russische Koloss zerschlagen werden müsse."

 

 

Die Ängste der Exportnation!

Die Rückschau auf die Hauptfeind-Debatte öffnet einen verwirrenden Kommunikationsraum, in den nun 1915

Die russische Gefahr

von Georg Schiele hineinplatzt, um mit strategischen Plänen die Herrschaft über große Länder und die Erringung globalstrategischer Vorteile auf internationalen Absatzmärkten vorzubereiten. Nicht Hass und Leidenschaft des "schlechten Politikers" treibt den Autor, wie er Eingangs der Abhandlung beteuert. Vielmehr bildet die internationale Lage in Europa und künftige innere Entwicklung der Länder den Ausgangspunkt.

"Der Weltkrieg sollte uns doch beweisen," vergegenwärtig er sich im Februar 1915 im Aufsatz

Das größere Deutschland,

die Lage, "welches die richtige Einschätzung der europäischen Dinge ist". Ob das realisiert, erscheint fraglich. Zumindest bleibt Skepsis, zieht man zur Beurteilung noch weitere Schriften, zum Beispiel Währungsverfall und Reparationen (1924), von ihn heran. Nicht überraschend, doch ziemlich blasiert vorgetragen, wirkt hier sein Anspruch:

"Wir haben den Geist und
das Gewissen des arbeitenden wollenden Europas."

Zuvörderst entfaltet er in

Die russische Gefahr (1915)

folgende Vorstellungen: In etwa zehn Jahren schafft der Aufschwung der Industrie ein ausgebautes Eisenbahnnetz. Vermutlich wird die Bevölkerung wachsen. Im Ergebnis einer Agrarreform kann ein tüchtiger Bauernstand und das Menschenmaterial für einen fleißigeren und gewissenhafteren Beamtenstand entstehen. So könnte es dem Land in zwanzig Jahren Mittels des technischen Fortschritts gelingen, artikuliert Schiele die Ängste der Exportnation, eine "riesige Industrie" hervorzubringen, welche ihm alles Kriegsmaterial liefert und erzeugt, das es braucht, und woraus für Deutschland eine große Gefahr erwächst. Auf diese Weise eskamotiert die Erzählung vom "Wohlstand der Nationen" (1776) im Aufsatz über Die russische Gefahr von einer Erfolgs- zur Kriminalgeschichte. Erschien Adam Smith im Wettbewerb der Nationen nichts erstrebenswerter, als durch die Ausdehnung des freien Marktes, Nutzung von Skaleneffekten und Spezialisierung, einen absoluten Kostenvorteil zu erzielen, dann bringt die Steigerung der Produktivität und der wirtschaftlichen Erträge aktuell eine gefährliche Konkurrenz auf den Investitions-, Produktions- und Absatzmärkten hervor und zerstört die friedliche Nachbarschaft von Staaten. Hand in Hand mit der Zentralisation, prophezeit Marx im Kapital Band I (790), schlägt je ein Kapitalist viele tot.

 

 

Die größte Gefahr unserer Zukunft

Zeichnung: Kosaken im Frieden

Simplicissimus 19. Jahrgang. Nummer 22, München, 1. September 1914, Seite 348

Wir müssen Rußland seine Angriffskraft schwächen. "Mit Russland", gebietet Georg Schiele, "darf es ein Bündnis erst geben, wenn Russland klein geworden ist." Nach Ansicht des Autors wäre ein Friedensschluß, der uns nicht in den dauernden militärischen Besitz der Weichselstellung, also der Festungen Warschau und Iwangorod (estnisch Jaanilinn, deutsch Johannstadt) und eines entsprechenden Vorgeländes auf dem rechten Ufer versetzte, so viel wie ein verlorener Krieg. Die glänzenden Siege in den Masuren bedeuten nicht viel. "Es ist nicht viel mehr als, als hätten wir einen Riesen etwas die Nase eingeschlagen ...." Zwei Armeen sind verloren. Menschen gibt es aber genug in Russland. Drei Jahre nach dem Frieden ist alles wieder da. Also müssen wir in Zukunft seine Angriffskraft Schwächen. Denn die Weichselstellung bedeutet eine ständige

"ungeheure Bedrohung Deutschlands,
die Vordertatze des russischen Bären in Mitteileuropa."

Wir dürfen "es nicht nach Ostpreußen lassen", "denn der Besitz von Ostpreußen wäre für Russland doppelt so viel wert, wie Konstantinopel und der ganze Balkan zusammengenommen".

Im Aufsatz "Das Größere Deutschland" (1915) läst Schiele seinen Machtphantasien freien Lauf. "Wenn Russland durch Krieg und Revolution gezwungen würde, sich der westlichen Kultur zu öffnen. Wenn es durch Abtrennung seiner Küstenländer an der Ostsee und am Schwarzen Meer geschwächt würde. Oder wenn es durch Friedensvertrag gezwungen würde, "uns

jedes ehrliche Gewerbe gestatten müsste, und auch mit den Waffen gezwungen würde, diese Bedingung zu halten,"

dann "hätte das Deutsche Reich

ein Kolonialreich, wie es gewaltiger
gar nicht auszudenken ist." 

Eine noch größere Zukunft tut sich auf, "wenn durch diesen Krieg der Einfluss Russlands auf den Balkan gebrochen wird und die Balkanstaaten sich rückhaltlos den mitteleuropäischen Handelsverträgen anschliessen." (Schiele 1915, 18-22)

Aber welche Zukunft hat dann Rußland? Es zählt nicht mehr zu den typgebundenen Kulturnationen Europas. Allein Frankreich, Italien, Deutschland und England repräsentieren sie. Russland kehrt nach Mittelasien zurück. Damit ähnelt die europapolitische Strategie von Georg Schiele den gedanklichen Leitlinien, die Alfred Rosenberg im November 1932 in Rom auf dem Volta-Kongreß der königlichen Akademie vorträgt. (Kluke 1955)

 

 

Rußlandfeindlichkeit

Zur Frage der russisch-deutschen Zusammenarbeit verhält sich Schiele ähnlich wie Adolf Hitler, der sie in seinen frühen Reden, zum Beispiel am 1. August 1920 in Nürnberg, aus der Furcht heraus ablehnte, sie könnte England und Frankreich auf den Plan rufen. Die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) war gerade in Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (NSDAP) umbenannt, als er die "Protokolle der Weisen von Zion" las, womit sich andeutet, dass die machtpolitische Analyse der Außenpolitik durch die Rasse-Mythos Perspektive abgelöst wird. 1915 stand der Antisemitismus noch nicht im Vordergrund, doch wandelt sich der ideologische Schauplatz der Geschichte allmählich in einen epochalen Kampf zwischen den völkischen Nationalismus und jüdischen Internationalismus (vgl. Pese 1955). Adolf Hitler und Georg Schiele tragen ihre Rußlandfeindlichkeit im aggressiven Tonus und gewürzt mit Kriegslust vor. Kombiniert mit der Rassenlehre, Abwertung der ostischen Rasse, dem Überlegenheitswahn des germanischen Volkes pflanzt sie sich bis 1941 in das Feindbild der Wehrmacht als jüdisch-bolschewistischer Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion fort. Es ist der deutsche Militarismus, erklärt am 25. April 1945 unmissverständlich General Dwight D. Eisenhower (1890-1969) den Naumburgern in der Proklamation Nr. 1, der "oft den Frieden der Welt gestört" hat.

 

 

Europapolitik

Deutschland überlebt bei Georg Schiele im Rahmen einer klar ausgerichteten Europapolitik, dessen strategische Ziele durchsetzt von Apriorismen kolonialer Herrschaft, deutschen Überlegenheitswahn, Russlandfeindlichkeit, die gelegentlich bis zur Teilung und Aufspaltung von Ländern arrondiert. Geplant ist Das größere Deutschland, wie der gleichnamige Aufsatz von 1915 heisst. Es ".... wird in Europa liegen, .... Doch müssen wir die erste Landmacht sein oder wir werden nicht sein. Das ist die Voraussetzung unserer Größe und Kraft. Das bedeutet aber zugleich, dass wir alle zu unseren Feinden haben werden, und darum ungeheure Anstrengungen zur Verteidigung machen müssen." Es wäre leichtsinnig, entfaltet er seine Gedanken weiter, wenn wir vor den Gefahren zu Lande die Augen verschliessen würden. "Sind wir hier in Europa unangreifbar, so wird unser Wille um die Erde geachtet werden; bedrohen uns hier Gefahren, so fällt alles draußen eroberte wieder zusammen."

Wenn Europa "die Entwicklung nimmt, die es eben haben kann," denkt "Das größere Deutschland" (1915) voraus, "dann werden in einigen Jahrzehnten oder Generationen die nordamerikanischen Wirtschafts- und Unternehmungsverhältnisse "neben den europäischen" "klein und zwerghaft erscheinen". "Zwischen New York und San Franzisko liegen gewaltige Entwicklungsmöglichkeiten, aber zwischen Berlin und Bagdad oder Berlin und Wladiwostok noch ungeheuer viel größere. Die große amerikanische Seengruppe mit den umliegenden Getreideprovinzen und der Wasserverbindung auf dem St. Lorenzstrom ist ein wunderbares Naturgeschenk. Aber das Mittelmeerbecken und die der Kulturöffnung noch harrenden Mittelmeerküsten einschließlich der des Schwarzen Meeres sind ein noch viel Schöneres, und Konstantinopel wird einst Chikago weit überstrahlen."

Deutschland muss die Chancen seines Binnenmarktes erkennen und nutzen, "zumal wenn wir nicht den deutschen Markt allein, sondern den mitteleuropäischen, den durch Deutschland und Österreich-Ungarn dargestellten oder gar den Markt der mitteleuropäischen Handelsverträge nehmen". Er übertrifft die weltpolitische Bedeutung von Nordamerika oder Russland und England oder sonst eines Weltreiches. Und natürlich sind wir die Führer dieses unglaublichen, zerrisssen, zerschlagenen und noch lange nicht todesreifen Europas.

Europa, das sind bei Georg Schiele die Absatzgebiete und die Konsumtionsnachfrage der Bürger - losgelöst von der Kultur. Mehr nicht. Eine Anstrengung zur Angleichung des ökonomischen Entwicklungsniveaus unternimmt es nicht. Es fehlt diesem Europa jede Idee der kulturellen Integration und der Aufbau von Gemeinsamkeiten.

 

 

Publizistische Tätigkeit und Agitation

Georg Schiele publiziert zu den unterschiedlichsten gesellschaftspolitischen Themen. Vor 1900 vor allem zur deutschen Landwirtschaftspolitik, über die Schwemme polnischer Landarbeiter oder zur preußischen Siedlungs- und Kolonialpolitik. Später profiliert er sich in renommierten Zeitungen und Zeitschriften als deutschvölkischer Experte zur Fragen der Volkswirtschaft.

 

 

Veröffentlichungen von Georg Wilhelm Schiele (Auswahl):

Über den natürlichen Ursprung der Kategorien Rente, Zins und Arbeitslohn (1908), Briefe über Landflucht und Polenfrage (1908), Zur Wohnungsfrage (1911), Gedanken über die Stellung des Haus- und Grundbesitzes (1912), Ueber innere Kolonisation und städtische Wohnungsfrage (1913), Wenn die Waffen ruhen! (1916), Fragen der Kriegsernährungspolitik (1917), Überseepolitik oder Kontinentalpolitik (1917), Der Ernährungssozialismus in der Verteidigung (1918), Einiges vom Tauschen und Handeln und andere Naumburger Briefe zur Verteidigung der wirtschaftlichen Freiheit (1918), Wirtschaftskrieg (1918), Wie der rechte deutsche Arbeiterfrieden aussehen muß (1918).

 

 

In der Nachkriegszeit folgen Essays und Analysen zur Wirtschafts- und Gesellschaftskrise, Studien zur Währungs-, Geld- und Außenpolitik, über die Artamanenbewegung, zum Arbeitsdienst und völkischen Staat. Sie diffundieren in das rechtsgerichtete Bürgertum. Weg von den westlichen Raubstaaten, weg vom Bolschewismus, weg von der Erfüllungspolitik und her mit der geistig-moralische Wende. Das ist möglich und wird erfolgeich sein, vermittelt ihnen Georg Schiele, wenn es gelingt, den Heroismus eines verzweifelten Expansions-Krieges und den Front-Geist der Arbeit zu mobilisieren.

Um den Stolz auf Deutschland anzuheben, vereinfacht er gerne mal die Verhältnisse und hält entsprechende Nachrichten vor, zum Beispiel: "Rein wirtschaftlich angesehen erscheint unsere Entwicklung ein Glück". "Sie beweist, dass das deutsche Volk es verstanden hat, von dem Aufblühen der Weltwirtschaft, von den vermehrten Gütern, welche die Eroberung der Erde den Kulturvölkern zuweist, von der Weltbeute einen guten Teil an sich zu nehmen. Darauf können wir stolz sein." (1912, 406)

Für den Rassentheoretiker, Antisemiten und Übersetzer von Essai sur l'inégalité des races humaines (Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen) Ludwig Schemann (1852-1938) war der Arzt und Schriftsteller aus Naumburg "ein höchst regsamer, urgesunder Denker, der seine von tiefer Überzeugung und echt deutschem Fühlen getragenen Anschauungen auf den verschiedensten Wegen, in Broschüren, Zeitschriften und Vorträgen zur Geltung zu bringen suchte." "Seine Hauptschriften sind alle mehr oder minder Ausführungen der Kappschen Grundgedanken und enthalten auch in irgendeiner Form seine Huldigung für den Meister ...." (1937)

Die Gegner von Schiele tun sich schwer, das Urgesunde bei ihm zu finden. "Ein schwärmerischer Knabe," nennt ihn Arno Voigt 1922, "der über Menschen, Mond, Sonne, Landwirtschaft, Geldtheorie und natürlich auch unmittelbar nach empfangener Aufklärung über Malthusianismus seine Systeme schrieb, weil er die Tinte nicht halten kann."

Erstaunlich wiederum, zum Beispiel 1911 der Aufsatz im Grenzboten über Die Schicksalsstunde der deutschen Landwirtschaft, ist, welche schwierigen Fragen der Volkswirtschaft sich der Arzt auflädt. "Die Ausländischen können ihre Arbeit unter dem Preis der Einheimischen anbieten", erläutert der Aufsatz weiter. Deshalb bedarf es, "den Schutz der deutschen Arbeit gegen die Unterbietung des Auslandes" und besonders den "Schutz des Arbeitslohnes gegenüber einer völkisch minderwertigen Konkurrenz des ausländischen Arbeiters". Nichtdestotrotz, sein Konkurrent, der ausländische Schnitter, lässt ihn, zitiert er zustimmend aus der Landwirtschaftlichen Wochenschrift für Pommern, nicht hochkommen. Um den Arbeitskräftemangel auszugleichen, muss es unbedingt gelingen, den deutschen Arbeiter auf dem Land sesshaft zu machen, also die Landflucht einzudämmen. Von den roten Einpeitschern will Schiele nichts wissen. Er bietet die Abschirmung des deutschen Arbeiters vor der billigen ausländischen Arbeitskraft an, verteufelt den Klassenkampf und sucht den Frieden mit den Unternehmen.

Otto von Dewitz (1850-1926), Großgrundbesitzer von Zankeuz in Westpreußen, Groß-Ziethen in Brandenburg und Alt-Pleen in Pommern, hält seine Anerkennung und Freude über die publizistischen Aktivitäten nicht zurück. Im Grenzboten, Nummer 42 von 1911, lobt der Landrat a. D., dass Doktor Schiele Naumburg a. d. Saale "in einem packenden Artikel von neuem die nationale, volkswirtschaftliche und sozialpolitische Bedeutung der Ansiedlung und Seßhaftmachung deutscher Arbeiter angeregt."

 

 

Kapps engster Mitarbeiter

 

Generaloberst Martin Wilhelm Remus von Woyrsch (1847-1920), 14.12.1914: Oberbefehlshaber Armee-Abteilung Woyrsch. 29.8.1916: Oberbefehlshaber Heeresgruppe Woyrsch.

 

Gleich nach dem Beginn des Krieges meldet sich Schiele zum Dienst in das Landwehr-Infanterie-Regiment 46, Armeeabteilung Woyrsch. Danach erfolgt sein Einsatz als Chirurg im Landwehr-Feldlazarett 22.

Aus dem Krieg kehrt er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse zurück. Zwischen ihm, Wolfgang Kapp und Alfred Hugenberg bestehen enge persönliche Kontakte. Wahrscheinlich rühren sie von seiner Mitarbeit im Alldeutschen Verband her. Auch seine Tätigkeit in der Gesellschaft zur Förderung der inneren Kolonisation (1912) dürfte sie befördert haben. In deutschnationalen Kreisen nahm man die Aufsätze im Grenzboten, der Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst, freundlich auf, was sein Renommée stärkte.

Krupp von Bohlen-Halbach, Emil Kirdorf und Wilhelm Beukenberg bestimmen Hugenberg, der offenbar das Vertrauen und die Freundschaft des ostelbischen Junkertums, der westdeutschen Schwerindustriellen und des preussischen Militärs genoss, zum Leiter des Scherl-Verlages. Die Mediengruppe ist bei den Banken mit 7 Millionen Mark verschuldet. Es besteht Handlungsbedarf. 1915 geht der Scherl-Verlag in den neugegründeten Deutschen Verlagsverein über, dessen Geschäftsleitung das Krupp-Konsortium Hugenberg anträgt. So konnten ihn weder Ullstein noch Rudolf Mosse aufkaufen. Wahrscheinlich regte die Preußische Regierung die westdeutschen Großindustriellen zum Kauf an. Von "unbekannten Geldgebern" gingen 1915/16/17 von der Preussischen Zentralgenossenschaftskasse zum Ausgleich der Bankschulden der Scherl G.m.b.H. mehrere Millionen beim Deutschen Verlags Verein ein. Mit dem Kauf des Scherl Verlags, den gutlaufenden Inseratengesellschaften Hasenstein & Vogler und Dauber & Co. und ihren verzweigten Geschäftsverbindungen, waren enorme Einnahmequellen erschlossen. Hugenberg war ausserdem seit 1916 über den Westend-Verlag G.m.b.H. an der Telegraphen-Union beteiligt. Aus einem Konglomerat von Verlagen, Zeitungen, Nachrichten- und Werbeagenturen sowie Filmgesellschaften entsteht der Hugenberg-Konzern.

 

Walter Aub: Der Fall Hugenberg. Die Weltbühne, XXII. Jahrgang, Nummer 18, Berlin, den 23. Februar 1926, Seite 292. Hinweis: Die ersten zwei Zeilen aus der Überschrift wurden entfernt.

 

Bereits im Dezember 1915 schwebte Georg Schiele der Gedanke vor, eine eigene deutschnationale Zeitung aufzubauen. Zwar existiert bereits ein Presseorgan mit diesem Profil, nämlich, Das größere Deutschland, die Wochenschrift für Deutsche Welt- und Kolonialpolitik. Wohl gilt sie überall als scharf, trotzdem sind viele Konservative mit ihr unzufrieden, weil sie von den realpolitischen Gebietserweiterungen ablenkt.

Als Kapps engster Mitarbeiter 1916 unternimmt Schiele in dieser Angelegenheit bei Alfred Hugenberg mit der Denkschrift

Notwendigkeit einer Presse -
und Propagandazentrale nationaler Richtung,

einen Vorstoß. Besonders will er der allgemeinen Kriegsmüdigkeit einen "überragenden Führerwillen" entgegenstellen und den flaumachenden Tendenzen von Regierung und Demokratie begegnen. "Möglicherweise war der Aufbau der Pressezentrale Vorbedingung für eine neue Partei, die Schiele damals unter den Namen Konservative Mittelstandspartei oder konservative Bürgerpartei gründen wollte." Doch blieben die Pläne von Kapp und Schiel ungehört. Im April 1917 gelingt, es die Zeitung Deutschlands Erneuerung ins Leben zu rufen. Im Untertitel, Monatshefte für das deutsche Volk genannt, kämpft für die Erneuerung des Deutschtums, gegen alles Undeutsche und Entartung. Die deutsche Familie soll rein bleiben. "Hoch über allem" stehen die Begriffe "Vaterland und Rasse". Dabei drängt das Organ konzeptionell auf eine großzügige Sozialpolitik. (Vgl. Hagenlücke 102-103, 106-107) Herausgeber der Zeitschrift sind: General Otto Ernst Vinzent Leo von Below, Houston Stewart Chamberlain, Heinrich Class, seit 1908 Vorsitzender des Alldeutschen Verbands, Professor Eberhard Geyer (Wien), Anthropologe, Doktor Georg Schiele und andere.

 

Die Naumburger Briefe

Speziell in deutschnationalen und -völkischen Kreisen findet Schiele als Wirtschaftsexperte Anerkennung. "Herr von Wangenheim und [Georg] Schiele waren mir aus dem Krieg bekannt," erteilt 1922 General Erich Ludendorff im Jagow-Prozess (73) in Leipzig dem Richter bereitwillig Auskunft: "Sie haben mich dort in Wirtschaftsfragen aufgesucht und haben mit seltener Bestimmtheit vorausgesagt, wohin uns die Zwangswirtschaft, besonders in der Landwirtschaft führen wird."

Seinen Ruf als Wirtschaftssexperten begründen vor allem die

Naumburger Briefe
zur Verteidigung der wirtschaftlichen Freiheit
sowohl in unserer Volkswirtschaft wie im Verkehr der Völker.

Als Anhänger des Siegfriedens lehnt er die Friedensresolution des Deutschen Reichstages vom 17. Juli 1917 ab. Als Protest darauf bringt er die Naumburger Briefe heraus. Ab 1922 erscheinen sie regelmässig. Die Essays, Berichte und Analysen befassen sich mit wirtschafts, innen- und außenpolitischen Fragen vom Standpunkt der völkisch-nationalistischen Ideologie.

Sie setzen sich das Ziel, "die unheilvolle falsch gesteuerte Kriegswirtschaft trotz Kriegspressezensur zu bekämpfen, aus der Überzeugung, daß wir daran den Krieg verlieren würden." (Pax oeconomica 1922) Die Texte sind in einer für ihn typischen politischen Sprache verfasst, in der Begriffe und Kategorie, wie Weltmarkt, Freihandel, freier Markt, Überbevölkerung, Aristokratie, Vaterland, Übersee- und Kontinentalpolitik, Blutsaristokratie, Herrenkolonisation, Opfertod, Frontgeist, Willenskraft, Nation, Scholle und produktive Arbeitslosenfürsorge dominieren.

Immer wieder mahnen die Naumburgr Briefen vor den Gefahren und Zumutungen der "Nebenerscheinungen des wirtschaftlichen Sozialismus", der Zwangswirtschaft. Ein Bewunderer namens Doktor Hoesch kommentiert dies im Juli 1916 in der auflagenstarken "Wiener Landwirtschaftlichen Zeitung": Erfreulicherweise wendet sich der Autor [Schiele] gegen die auf diesem Gebiet immer bedenklicheren Maßnahmen, die zur Enteignung der Nahrungsmittelproduzenten führen. Durch jeden weiteren Eingriff der Regierung wird Unwillen und Feindschaft gegen die Urerzeuger - sprich private Produzenten - der Lebensmittel geschürt.

Nach dem Tod 1932 von Georg Schiele werden Naumburger Briefe nicht weitergeführt.

 

 

Georg Schiele und Lenin

Georg Schiele Publikationstätigkeit umfasst zwei große Gebiete: die Agrarkrise und die Fragen der Volkswirtschaft. Ohne es je so zu benennen, beschreiben seine wirtschaftspolitischen Schriften wichtige Phänomene des Übergangs vom Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Monopolkapitalismus: die Konzentration der Produktion und Auslandsexpansion, die wachsende Rolle des Finanz- und Bankkapitals für die Industrie, den fehlenden Spielraum für rentable Beschäftigung im Inland, die Schaffung und Abgrenzung von Einflußsphären, die Kartellbildung und den Kampf um Märkte und Rohstoffe.

Während Georg Schiele´s "Die Russische Gefahr" im Februar 1915 in München erscheint, studiert in Zürich ein Revolutionär auf Abruf die Schriften von John Atkinson Hobsons (Imperialismus, 1902) und Rudolf Hilferding (Das Finanzkapital, 1910). Das Ergebnis steht 1917 unter dem Titel „Der Imperialismus als  j ü n g s t e  Etappe des Kapitalismus“ im russischen Buchladen. 1929 firmiert die Schrift unter: "Der Imperialismus als  h ö c h s t e s  Stadium des Kapitalismus". Die ökonomischen Analysen von Lenin und Schiele kreuzen sich, wobei der Naumburger nicht die Weltoffenheit und das rasante Tempo des Russen erreicht. Gemeisam ist ihnen eine "amoralische" Herangehensweise an das Thema, das Lenin so aufspiesst: "Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten um Profite zu erzielen ....."

 

Engagement in der Deutschen Vaterlandspartei

Eine sozialdemokratische, katholische und linksliberale Mehrheit erstrebt den Verständigungsfrieden und verabschiedet hierzu am 19. Juli 1917 im Reichstag eine Friedensresolution. Als Antwort darauf gründen am 2. September 1917 Wolfgang Kapp (1858-1922), Alfred von Tirpitz (1849-1939) und Alfred Hugenberg (1865-1951) die Deutsche Vaterlandspartei (DVLP). Georg Schiele übernimmt die Aufgabe des Hauptgeschäftsführers. "Ich stand in regem Gedankenaustausch mit Kapp seit langen Jahren, und selbstverständlich ist der Verkehr nach dem Jahre 1918 nicht geringer geworden," äußert er dazu 1921 als Angeklagter im Jagow-Prozess vor dem Reichsgericht in Leipzig. Kapp wiederum stand in enger Verbindung mit Alfred Tirpitz, Ulrich von Hassell und Erich Ludendorff. Die ersten Gespräche über die Gründung der Partei führte Kapp zum 1. Programmentwurf am 14. Juli 1917 jedoch mit Georg Schiele.

Unterstützung erhält die DVLP von Carl Duisberg, Emil Kirdorf und Hugo Stinnes. An Geld mangelt es nicht. Beispielsweise gehen Schiele im September 1918 über das Bankhaus F. W. Krause von Wolfgang Kapp 10 000 Reichsmark zu. Ehrenvorsitzender der DVLP ist der Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft und Mitbegründer des Alldeutschen Verbandes Johann Albrecht zu Mecklenburg (1857-1920).

Genau genommen verkörpert sie keine Partei. Um den Ertrag des Krieges zu sichern, will sie lediglich alle Deutschen unbeschadet ihrer sonstigen Mitgliedschaften zusammenfassen. Ein Mummenschanz der Alldeutschen, nennt es am 9. September 1917 der Vorwärts (Berlin). Öffentlichkeitswirksam baut die DVLP Ludendorff und Hindenburg als Volkskaiser auf. Friedensverhandlungen zur Beendigung des Krieges lehnt sie ab. Die Partei mit ihren geschätzten 1,25 Millionen Mitgliedern will die Annexion von Belgien, Holland, von Teilen Frankreichs, Polen und der Ukraine. Dazu bedarf es des Siegfriedens, den die politischen Gegner auch Hindenburg-Frieden nennen. Doch die Trümpfe der Strategen - Skagerrak-Schlacht 31. Mai / 1. Juni, uneingeschränkter U-Boot-Krieg gegen Handelsschiffe beginnend am 22. Februar 1915 und zwei Offensiven in Frankreich - stechen nicht. Trotzdem setzte man auf Gewinn und diskreditiert die Friedensresolution des deutschen Reichstages als Verzichtfrieden (Hindenburg). Sozialdemokraten, Zentrum, und Fortschrittliche Volkspartei, sagt der Reichstagsabgeordnete Constantin Fehrenbach (Zentrum) bei Einbringung der Resolution vor dem hohen Hause am 19. Juli 1917, wollen einen Frieden der Verständigung anstreben. Die DLVP plant den Burgfrieden mit der SPD aufzukündigen und als Antwort auf die Parlamentarisierung einen Militärstaat zu schaffen.

Um die Partei zu stabilisieren, beruft Wolfgang Kapp für den 12. November 1918 eine Konferenz ein. Eingeladen sind neben vielen anderen Gottfried Traub, Konrad von Wangenheim und Georg Schiele. Die Revolution überrollt das Vorhaben.

Trotzdem bemüht sich Schiele im November / Dezember weiter darum, eine neue bürgerliche Partei in Tradition der Vaterlandspartei zu gründen. Konservative und Liberale sollen in ein einheitliches Heer Zusammentreten, teilt er in einem Brief an Gottfried Traub mit. Ihm schwebt eine "Vereinigte liberal-konservative Volkspartei" vor.

Für den 10. Dezember 1918 beruft der DVLP-Vorstand den Reichsausschuss ein. Der stellvertretende Vorsitzende Wolfgang Kapp stellt die politische Lage in düsteren Farben dar und beauftragt Gottfried Traub zusammen mit Doktor Georg Schiele und Doktor Nieber, die Partei samt 1 250 000 Mitgliedern aufzulösen. Traub und Schiele wiederum rufen alle auf, die nicht zum Berliner Tageblatt gehören wollen, der Deutschnationalen Volkspartei beizutreten. (Vgl. Henrichs 254-255)

Gottfried Traub (1869-1956) und Georg Schiele verbinden völkische Anschauungsweisen mit alldeutschen und vaterländischen Attitüden. Beide predigen den Opfertod im Dienst von Staat und Nation. Die Hinterbliebenen tröstet Traub mit dem Wort: "Die deutschen Kriegstoten sind Samen für den Acker des deutschen Volkes, dass aufstehen soll in sittlicher Grösse und Herrlichkeit." "Die Toten wollen uns segnen. Wir müssen uns segnen lassen. Segnen aber heißt Kraft spenden und nicht Kraft nehmen. Unsere Toten auf dem Schlachtfeld nehmen uns die Stärke nicht, sie schenken sie uns." Ludendorff war gerade entlassen worden. Am Tag darauf, den 26. Oktober 1918, besuchte er zufällig eine öffentliche Kinovorstellung, erzählt eine Anekdote, als ihn das Grauen und Entsetzen packte, weil das Publikum vor Freude über diese Nachricht jubelte. (Henrichs 92, 251)

 

 

Nationale Vereinigung

Im Spätsommer 1919 gründen Hauptmann Waldemar Pabst, Wolfgang Kapp und Oberst Max Bauer, politischer Berater von General Erich Ludendorff, die Nationale Vereinigung, um eine "Einheitsfront aller Nationalgesinnten" herzustellen. Als Hauptgeschäftsführer stützt sich Pabst auf das Organisationsgerüst der Vaterlandspartei. Zum Führungskreis der Vereinigung gehören Georg Schiele, Gottfried Traub, Ignatz Trebitsch-Lincoln, Schnitzler und Friedrich Grabowsky. Über Kapp und Traub, die im Hauptvorstand der DNVP, unterhält die Vereinigung direkte Verbindung zu den Führern der rechtsoppositionellen Parteien und zu den im Berliner "Nationalen Klub" seit Oktober 1919 zusammengeschlossenen Bankiers, Industriellen, Ministerialbeamten und Großgrundbesitzern, wo Traub als 1. Stellvertreter im Präsidium fungierte. (Nach Akten 2.10.1919)

 

 

Deutschnationale Volkspartei

Zusammen mit Alfred Hugenberg, Hugo Stinnes, Ernst Graf zu Reventlow und anderen sitzt Schiele 1919 im Vorstand des Berliner Nationalklubs. Aus ihm rekrutiert sich eine deutschkonservative Gruppe, die in Verein mit mehreren Freikonservativen, Christlich-Sozialen und Deutschvölkischen am 22. November 1918 die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) ins Leben ruft (vgl. Holzbach 73). Ihre Hauptakteure sind Alfred von Tirpitz, Wolfgang Kapp, Friedrich Winkler und Kuno Graf von Westarp. Am 9. Dezember 1918 wählte die neu gegründete Deutschnationale Partei (DNVP) Oskar Hergt, 1869 in Naumburg an der Saale geboren, zu ihren ersten Vorsitzenden.

Nach dem Ersten Weltkrieg sammeln sich in der DNVP gewisse Kreise aus der ehemaligen Freikonservativen Partei, Christlich-Sozialen Partei und Deutsch-Völkischen Freiheitspartei. Ihre Erzählung über die Kriegskatastrophe handelt von der Dolchstoßlegende und den Novemberverbrechern. In der Partei setzt sich der völkische Flügel durch. Im Grundsatzprogramm bekundet sie eine antisemitische Grundhaltung. Man kämpft jetzt gegen den zersetzenden, undeutschen Geist von jüdischen und anderen Kreisen. Von 1919 bis 1928 erhöht sich die Zahl ihrer Mitglieder von 300 000 auf 696 000.

Schiele gehörte als Vertreter des völkisch-alldeutschen Flügels dem erweiterten DNVP-Parteivorstand nicht mehr an.


Deutsche Volkspartei, Ortsgruppe Naumburg

Vorsitzender
von 1920-1932:
Landgerichtsrat Lohmeyer, Jenaer Str. 6b

 

Bemühungen der DNVP mit der im Entstehen begriffenen Deutschen Volkspartei zusammenzuschliessen scheitern. Gustav Stresemann führt zu diesem Zeitpunkt Fusionsverhandlungen im Sinne der Einigung des liberalen Bürgertums mit den Demokraten. Die Deutsche Volkspartei beharrte auf der Selbständigkeit, weshalb die Vereinigung der Rechten nicht zustande kommt. (Vgl. Hagenlücke 387-388)

Pfarrer Traub würdigte am 14. Oktober 1932 zur Trauerfeier im überfüllten großen Ratskellersaal die Leistungen von Georg Schiele bei der Gründung der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP):

"Als das Jahr 1918 den Zusammenbruch Deutschlands gebracht habe, sei Schiele wieder in erster Front gewesen, als ein Aufruf zum Zusammenschluss zur DNVP erging. Zu den ersten Vorkämpfern, wie Pfannkuche, Maurenbrecher, zur Sammlung der nationalen Rechten habe Schiele sich bekannt …. Besonders habe Schiele sich damals darum bemüht, dass  n i c h t   e i n e   z w e i t e   n a t i o n a l e   Partei wie die Deutsche Volkspartei sich gründe, doch sei dieses bei den damaligen Verhandlungen im Hotel Continental in Berlin [Dezember 1918] gescheitert: Graf Westarp sei bereit gewesen, auf Schieles Rat einzugehen, doch Stresemann habe den Vorschlag abgelehnt."

Als Ortvorsitzender (1926) und Landesvorsitzender der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) in Halle-Merseburg leistet Georg Schiele, wenn man die numerischen Wahlergebnisse zum Kriterium der Wahrheit erhebt, in der Naumburger Wählerschaft eine erfolgreiche Arbeit. Von 1917 bis zu seinem Tod 1932 prägt er mit seiner Partei das politische Klima der Stadt. Energisch wendet er sich gegen die Erfüllungspolitik, beispielsweise auf der DNVP-Wahl-Werbe-Versammlung am 28. April 1924 im Schützenhaus von Naumburg. 1930 bietet er in der Wettiner-Rede der Öffentlichkeit zwei schlimme Fresser als Feinde an: den deutschen Sozialismus und französischen Militarismus. "Wie lange das wohl noch geht?", fragt er.

In der 5. Wahlperiode vom September 1930 bis Juli 1932 übernimmt er für die Deutschnationalen im Reichstag ein Abgeordnetenmandat.

 

 

Kapp-Putsch

Im März 1920 ist Georg Schiele am Unternehmen Wilhelmstrasse beteiligt. Wolfgang Kapp will ihn als Wirtschaftsminister gewinnen. "Was das für Fachminister sind, die uns die Reaktion bescheren würde," darüber klärt Reichskanzler Gustav Bauer am 18. März 1920 in Stuttgart die Öffentlichkeit auf,

"das zeigt doch, glaube ich, am besten die Berufung des .... weltfremden, naiven Tagesschriftsteller Schiele, eines Mannes, der die doktrinärsten Ideen während des Kriegs vertreten hat, der von keinem Volkswirtschaftler ernst genommen wurde. Er ist an die Spitze des Wirtschaftsministeriums gestellt worden." (Bauer 74)

Der Putsch scheitert. Viele verließen zu früh die Fahne. Nicht aber der Arzt aus Naumburg, erinnern sich Mitstreiter von Kapp. "Neben [Gottfried] Traub, .... darf er", nach Karl Ludwig Schemann, "wohl als der treueste unter Kapps Anhängern bezeichnet werden." (1937, 115)

Die Reichsregierung lobt am 29. März 1920 in einem "Steckbrief", den sie zum Beispiel im Vorwärts (Berlin) veröffentlicht, eine Belohnung von 10 000 Mark für diejenigen aus, die durch sachdienliche Angaben zur Ergreifung der Angeschuldigten beitragen können. Beim Versuch bei Salzburg die Grenze zu überschreiten, meldet am 13. Oktober 1920 die "Vorarlberger Landeszeitung", wird Georg Schiele verhaftet. "Gegen eine Sicherheit von 100 000 Mark ist auch er dann auf freiem Fuß belassen worden." (Brammer 1922, 6)

Am 7. Dezember 1921 beginnt vor dem Vereinigten II. und III. Strafsenat am Reichsgericht in Leipzig unter Vorsitz von Senatspräsident Doktor von Pelargus die Hauptverhandlung gegen Jagow, Wangenheim und Georg Schiele (Naumburg). Von zehn bekannten Urhebern des Putsches, entkamen also sieben.

"Ich war der Meinung," sagt er den Richtern, "dass bei einem zweiten Vorstoss der Revolutionäre das Bürgertum diesmal nicht abseitsstehen, sondern sich ganz energisch seiner Haut wehren würde." (Brammer 1922, 71)

Das Reichsgericht sprach ihn frei.

 

 

Das Konzept vom freien Markt

Der Reichstagsabgeordnete Georg Schiele aus Naumburg spricht am 1. Mai 1932 in Bad Oeynhausen vor der Jahresversammlung des Westfälisch-Lippischen Wirtschaftsbundes über das Thema

Freie oder gebundene Wirtschaft.

Für die gegenwärtige wirtschaftliche Krise, lautet seine Botschaft, ist die staatlich gesteuerte Zwangswirtschaft verantwortlich. Sie brachte große Not über die Heimat. Es ist die Wirtschaftsweise des "falschen Sozialismus", die während der Revolution entstand und zum Zusammenbruch der Volkswirtschaft führte. Es müssen endlich die Gesetze des Marktes, des Wettbewerbs und der natürlichen Preisbildung siegen. Die Losung heisst: Zurück "zum System der Privatwirtschaft". Es darf keine "Verstärkung des kollektiven und sozialen Staates" mehr geben. Pax oeconomica vertieft das 1922:

"Es ist aber nicht nur der irrende Sozialismus der Lohnarbeiterschaft, welcher diese Verwirrung angerichtet hat. Sondern viel gefährlicher noch ist die Planwirtschaft, die hemmungslose Protektionspolitik, die Rationierung des Marktes, die Organisationswut der Unternehmer. …. was nutzen steigende Löhne, wenn der Arbeiter als Verbraucher verhungert? was nutzen steigende Kohlenpreise, wenn der Verbrauch dabei zusammenbricht? Arbeitergewerkschaften und Syndikate sind gleich schlimme Brüder gegen sich selbst und uns alle.

Was wir brauchen ist: freier Markt."

Nur auf dieser ökonomischen Grundlage kann nach Georg Schieles Überzeugung Deutschlands Volkswirtschaft gedeihen.

  • Die Polemik ist zeitlos, abstrakt und löst sich von der Entstehung der Wirtschafts- und Geldkrise in Deutschland ab.

  • Ohne tiefe Eingriffe des Staates und der Zentralbank ist 1922/23 eine Rückkehr zu einer stabilen funktionierenden Geldwirtschaft praktisch ausgeschlossen.
  • Schiele abstrakte Markttheorie von den selbstregulierenden Preisen begünstigt die Interessen Wohnungs- und Grundbesitzer, wendet sich vor allem gegen Notwendigkeit einer sozialen Wohnungswirtschaft, worüber bereits im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Vereins der Haus- und Grundbesitzer in Naumburg berichtet wurde.

  • Selbst die von preußischen Behörden organisierte Brotversorgung brandmarkt Reichstagsabgeordnete Georg Schiele am 1. Mai 1932 in Bad Oeynhausen vor der Jahresversammlung des Westfälisch-Lippischen Wirtschaftsbundes von verhängnisvoller demoralisierender Wirkung. Dies ist gegenüber den armen Schichten der Bevölkerung unverantwortlich und herzlos.

  • Das Laissez-faire Prinzip denkt Georg Schiele nicht als Einheit von Produktion und Konsumtion. Er betrachtet es vom Ende, lässt aber die sozialen und gesellschaftlichen Kosten dieser Wirtschaftspolitik außen vor. Das Prinzip des Wettbewerbes gründet bei ihm auf der natürlichen Auslese (Darwin) und der Freigabe unbeschränkter Möglichkeiten privaten Geldverdienens. Er vernachlässigt, dass das Individuum die natürliche Freiheit zur wirtschaftlichen Tätigkeit erst Abstimmung mit dem Staat, dem Gemeinwohl und Gemeinwirtschaft erwirbt. In dieser Weise kritisiert Maynard Keynes in seinem berühmten Vortrag zum "The End of Laissez-Faire" von 1924 das bisherige marktliberale wirtschaftspolitische Denken. Die "wahre Bestimmung des Neuen Liberalismus" besteht im "Übergang von wirtschaftlicher Gesetzlosigkeit zu einer Ordnung, die bewusst auf eine Überwachung und Lenkung der wirtschaftlichen Kräfte im Sinne gesellschaftlicher Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Gleichgewichts". (Keynes)

Mit anderen Worten, Georg Schieles Wirtschaftskonzept ist veraltet.

 

 

Der völkische Staat

Den Höhepunkt des ideologischen Schaffens von Georg Schiele bildet die Schrift der "Völkische Staat", erschienen 1926 als Heft 9 der Naumburger Briefe. Das neue Staatsverständnis entfaltet sich auf einer eigentümlichen Lagebeschreibung: "Der Nibelungen Not geht erst an. Sie heisst: beengte Lebensräume und Existenzlosigkeit." Nicht auf materiellen Gewinn geht der neue Lebenswille aus, sondern auf die "Veredlung der Art". Wir haben keine Zeit mehr uns unnützen Idealen hinzugeben, denn eine reiche und weiche Zeit hat den Geist proletarisiert und die Leiber bourgeoisiert. Jetzt kommt die Zeit der Proletarisierung und Verarmung des deutschen Volkes. Hinab in eine proletarische Existenz" fallen viele "Familien des höheren Standes. Das Zeitalter "des Reicherwerdens und der materiellen Sicherheit "fährt in die Grube". An dessen Stelle tritt - eng verbunden mit dem Frontgeist der Arbeit - der völkische Staat. Von den Werktätigen verlangt er "die große sittliche Leistung": "Herabsteigen von einem Niveau, das der materialistische Geist für ein Existenzminimum hält". Keine Angst, ruft Schiele den Bürgern zu, das Nötige übersteigt nicht die menschliche Kraft, doch fordert es "das Niederkämpfen der proletarischen Neidinstinkte". Das "hart werden gegen sich selbst verlangt eine hohe sittliche Kraft".

"Machen wir uns klar," empfiehlt Georg Schiele, "dass alle zukünftige Sozialpolitik von anderer Natur sein muss als die bisherige. Wir sind zu arm, um wirkliche materielle Wohltaten zu bieten. .... Was wir zu vergeben haben ist ein heldisches Ideal, welches in sich die Kraft hat, zu helfen mit Hilfe der Werkzeuge: Familie, Eigentum, Selbständigkeit, Freiheit." Wer zu entbehren und zu arbeiten versteht, der wird jetzt der Vornehmere sein.

Um Missverständnissen vorzubeugen, grenzt er den neuen Staat von anderen Formen seiner Existenz ab. Er ist nicht (1.) der restaurierte monarchistische Staat, (2.) die Wiederbelebung des Nachtwächterstaates, (3.) ein nationaler Unternehmerstaat (Kapitalistenstaat) oder (4.) der Klassenkampf-Staat. Ebenso wenig verkörpert er (5.) einen Wohlfahrtsstaat.

Der völkische Staat ist ein fordernder, ein Pflichtstaat. In ihm verschmelzen Nationales und Soziales. (Schiele 1926, 6 bis 8)

Angeblich läutet er das "Ende der Futtertrog-Politik" ein.

"Der völkische Staat hat die große Aufgabe, die deutsche Gefahr der Explosion des überheizten Menschenkessels noch einmal zu beschwören …." Die Umschaltung der Menschenmassen von einem auf das andere Feld ist nötig. Aus "der Massenindustrie, wo wir völkisch degenerieren, auf neue Felder und in neue soziale Arbeitsformen, wo wir die völkische Gesundheit für Leib und Seele des Volkes wiederfinden." An die deutschen Arbeiter übermittelt Georg Schiele (1926, 10 und 1924, 25 f.) zwei Botschaften:

"Wir rufen den Arbeitern zu: Der völkische Staat ist Euer Staat - der völkische Staat ist eurer Erbe und Mehrwert, - die deutsche Volksseele ist eure Seele."

Die Arbeiterschaft " …. mache sie sich zum Fürsprecher des freien Handels, den die ganze Welt braucht und halte mit Zähigkeit an dieser Politik fest. … Sie ist eine Hälfte der Brotpolitik, die wir treiben müssen."

 

Die Wettiner Rede

Georg Schiele pflegt eine enge Zusammenarbeit mit dem Stahlhelm. 1927 tritt er auf der Führertagung des Bundes der Frontsoldaten in Naumburg auf. Eine Zäsur setzt 1930 seine Wettiner Rede, die den Weg in den Faschismus vorzeichnet.

 

 

Gesellschaft der Freunde der Artamanen e.V..

Die nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland weiter anhaltende Landflucht verursachte tiefe volkswirtschaftliche Friktionen. In der Landwirtschaft dominierten Niedriglöhne. In einigen Gegenden drohte die Polonisierung. Als Reaktion darauf entstand um 1924 die Artamanen-Bewegung. Sie wollte die Ehre und Würde der landwirtschaftlichen Arbeit spürbar aufwerten und polnische Wanderarbeiter von den mittel- und ostdeutschen Rittergütern verdrängen. Ihre Vorgeschichte begann in der Bündischen Jugend. Unterstützung erhielt sie besonders aus einem Förderkreis von Großagrariern. 1930 soll die erste nationalsozialistische Artamanen-Gruppe in Mecklenburg gegrüdet worden sein, die jedoch keinen durchschlagenden Erfolg hatte, schreibt das Salzburger Volksblatt am 6. Februar 1939.

Es bildeten sich Gruppen von 15 bis 20 Jünglingen. Meist im Frühjahr zogen sie zu irgendeinem Grundbesitzer hinaus zur Feldbestellung. Von früh bis spät arbeiteten sie. Ihre Unterbringung war primitiv. Der Gruppe gehörte oftmals ein Mädchen als "Hausfrau" an, die für die Gruppe verschiedene Reinigungs- und Versorgungsarbeiten übernahm. Die Schlafgelegenheit bestand aus einem Strohlager mit einer Decke. Die Verpflegung war primitiv. Sie sollte die geschlechtliche Enthaltsamkeit und Bescheidenheit unterstützen.

In Pretzsch bei Torgau hielten die Artamanen 1926 ihre erste Tagung ab. In Halle an der Saale, Landwehrstraße 25 I, Ecke Riebeck Platz, befindet sich 1928 die Reichsgeschäftsstelle des Bundes Artaman e.V.

In der Provinz Sachsen verkörpern die Artamanen im Zeitraum von 1924 bis 1929 mit 98 Einsatzstellen eine vergleichsweise starke Bewegung. In Pommern bestanden 26, in Schlesien 52, in Thüringen 43 und in Hessen nur 11 Einsatzstellen. (Vgl. Schmitz 51)

1928 zählt die Gesellschaft 50 Einzelmitglieder mit 64 Kooperationen (Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft, Vertreter der Zuckerfabriken, Landbund, Vereinigung der landwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände der Provinz Sachsen und andere). Sie stellen der Bewegung bis 1929 insgesamt 75 000 Reichsmark zur Verfügung.

In der Ostmärkischen Siedlungsschule, dessen Leiter der gottbegnadete Dichter des Ehrhardt-Liedes (Eichenlaub am Stahlhelm schwarzweissrotes Band) Erich Tessmer, werden junge Artamanen herangebildet. (Bauer 1927)

Die Artamanen entlehnten ihre Vorstellungen zur Organisation der Landarbeit völkischen Gesellschaftsvorstellungen. Georg Schiele aus Naumburg, instruiert 1927 Hans Bauer die Leser des Vorwärts (Berlin), ist "so etwas wie der Theoretiker der Artamanenbewegung". "Er weist in seinen Artamanenbriefen nach, dass die internationale Asphaltkultur der Großstädte die deutsche Jugend ja doch nur verseuche, und dass es demgegenüber gelte, den neuen Glauben von der Arbeit als vaterländische Verpflichtung in sich aufzunehmen." Immer wieder favorisiert er den Siedlungsgedanken zur Sesshaftmachung Landarbeiter. Die praktische Umsetzung stösst auf enorme und oft unüberwindbare Schwierigkeiten. Zunächst, betont er, muss es den Siedler überhaupt geben.

Der "Bericht über die Frontkämpfer der Arbeit" vom 20. Mai 1927 im SPD-Zentralorgan der Vorwärts ist eine Reaktion auf die

Gründung der
Gesellschaft der Freunde der Artamanen e.V.
am 11. Juli 1926.

Man kann in der Artamanen-Bewegung ein Selbsthilfeprojekt der Jugend zur Überwindung der Arbeitslosigkeit und zur Achtung der Würde der Landarbeit sehen. Allerdings verkörpert es ökonomisch gesehen, dass

Prinzip der Lohndrückerei in der Landarbeit.

Er stützt dabei sozial-ethisch auf die Konstruktion des dienenden Arbeiters (Georg Schiele). Das kam vor allem den ländlichen Unternehmern zugute. Von Zeit zu Zeit drangen Nachrichten über den Verdienst der Artamanen an die Öffentlichkeit. Beim Blick in die Lohntüte eines Landarbeiters aus Alt Libbehne, 180 Einwohner, Kreis Pyritz, fand man dort 1932 1,38 Mark - für 48 geleistete Arbeitsstunden! Ein anderer Landarbeiter erhält für 48 Stunden Arbeit, nach Abzug der Kosten für Essen und Unterkunft, berichtet 1932 die "Salzburger Wacht", den Betrag von 7,20 Mark.

Das Landleben der Artamanen ist oft durch Romantisierung verklärt worden. Typisch hierfür die NS-Propaganda-Schrift Der Arbeitsdienst von 1941, die Folgendes berichtet: "Die Artamanen "stempelten" nicht und redeten nicht. Sie gingen aufs Land zum Bauern und schlossen eine Gemeinschaft dienender Arbeiter. Studenten, Kaufleute, Fabrikarbeiter und Gärtner legten ihre Hände ineinander wurden Wegbereiter einer Idee, die von nun an nicht mehr aus dem deutschen Leben fortzudenken und fortzudiskutieren war." In der Realität kollidierte dies heftig mit den realen Verhältnissen wie sie nun einmal damals auf dem Land herrschten.

Besonders das nationalistische Segment der Bewegung erhob die Forderung nach Besiedlung des Ostens und vertrat die Blut- und Bodenideologie. Heinrich Himmler notiert 1921 in sein Tagebuch: "Das weiß ich bestimmter jetzt als je, wenn im Osten wieder ein Feldzug ist, so gehe ich mit. Der Osten ist das wichtigste für uns. Der Westen stirbt leicht. Im Osten müssen wir kämpfen und siedeln." (Zitiert nach Mues-Baron 154 f.)

 

 

Die Initiative gegen den Young-Plan

Im Juni 1929 legte ein Sachverständigenausschuss unter Leitung von Owen Young einen neuen Zahlungsplan vor, der die Verpflichtungen Deutschlands im Rahmen des Versailler Vertrags regelt und damit den Dawesplan von 1924 ablösen soll. Hierzu ist bis 1988 nebst Zinsen die Summe in Höhe von umgerechnet 36 Milliarden Reichsmark aufzubringen. Die Rechten sehen, formuliert im Oktober 1929 Georg Schiele (Naumburg) in Warum Volksbegehren?, darin eine fortschreitende Unterjochung Deutschlands. Sie erleben sich an die politische Schuld für den Krieg gefesselt, die durch deren Kommerzialisierung noch weiter verstärkt wird. Während der DNVP-Parteivorstandssitzung am 13. Oktober 1932 in Berlin, weist Alfred Hugenberg darauf hin, dass die Idee und der Vorschlag für die Durchführung des Volksbegehrens gegen die Versklavung des Deutschen Volkes (Freiheitsgesetz) von Georg Schiele stammt. Sein Ziel war,

"die Volksbewegung
vor aller Welt sichtbar zu machen".

Sollte er erfolgreich sein, mussten fünfzig Prozent aller Wahlberechtigten mit Ja votierten. Zwar stimmten am 22. Dezember 1929 5 838 890 Bürger für das "Freiheitsgesetz". Das entsprach 94,5 Prozent der abgegebenen Stimmen. Doch erfassten die nur 13,5 Prozent aller Wahlberechtigten. Somit war der Volksentscheid ungültig. Am 17. Mai 1930 trat der Young-Plan rückwirkend zum 1. September 1929 in Kraft.

In Naumburg (Saale) fiel das Ergebnis der Volksabstimmung erwartungsgemäß günstiger aus. Von den 26 467 Wahlberechtigten geben 8 910 Personen (34 Prozent) ihre Stimme ab. Mit Ja votieren etwa 8 493 Bürger.

Zwar scheitert das Volksbehren, doch der Protest „gegen die Versklavung des Deutschen Volkes", hob die NSDAP Reputation in neue Höhen.

Am 28. September 1932 stirbt Georg Wilhelm Schiele in Naumburg (Saale). Die Trauerfeier fand am 14. Oktober im überfüllten Saal des Ratskellers statt. Doktor Schöbel, Vorsitzender des Kreisvereins der Deutschnationalen Volkspartei Naumburg, begrüsste die Trauernden. Die ehrenden Worte des Gedenkens sprach Pfarrer D. Traub.

 

 

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Autor: Detlef Belau


Geschrieben:
9. Juni 2010

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