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Wie er die Widersprüche lebte und um sozialökonomische Lösungen rang, mahnt uns, die politischen Urteile über seine Tätigkeit sorgfältig abzuwägen. Sein Fleiss, die gründliche Arbeitsweise und geistige Disziplin, die Fähigkeit, an alle Klassen, Schichten der Gesellschaft nebst den Eliten nachdrücklich die Frage der Gerechtigkeit zu richten, das Bemühen, Politik auf Vertrauen, Wahrheit und Recht zu gründen, verdienen hohe Wertschätzung.

Über den Sturz im Juni 1907 des in Kreisen der Großindustrie und im unsozialen Junkterum verhassten Staatssekretär des Inneren und Stellvertreter des Reichskanzlers freute sich niemand mehr als die Reichspartei. Auf seine politischen Gegner konnte er sich verlassen: Als Widerpart in der Sozialpolitik (1905). Und auf die Stolpersteine, die sie auf den Neuen Weg zum Wohnungsbau (1910) rollten. German Gier hintertrieb die breite Einführung des Erbbaurechts (1911/1920) für die er sich einsetzte. Sein Konzept des demokratischen Verfassungsstaates ignorierten die Parteifreunde (1920). Andere redeten der Durchbrechungstheorie das Wort. Die Saalordner des Großkapitals zerstreuten seine vernünftigen Vorschläge zur Geld- und Aufwertungspolitik (1924-1932). Gegenüber seiner staatspolitischen Fundamentalkritik an den Notverordnungen (1931/32) stellte man sich schwerhörig.

Arthur Graf von
Posadowsky-Wehner
(1845-1932)

Nach einem Porträt von
Fritz Amann (1878-1969)
aus dem Jahr 1912.

   

 

 

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932)
an den Kipp- und Verzweigungspunkten der Geschichte

Wozu viele konservative Politiker weder willens noch fähig waren, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner schafft es. Aus Anlaß der bevorstehenden Reichstagswahlen rechnet er am 15. Januar 1919 in der Reichskrone (Bild) von Naumburg mit der Welt-, Flotten- und Kolonialpolitik von Wilhelm II. ab. Vielleicht nicht in umfassender Weise, denn er läßt die Kriegsschuldfrage aus und bleibt gewissen Schöpfungen des Deutschtums treu. Trotzdem. Tiefgründig, weitsichtig und kritisch analysiert er die verhängnisvollen Fehler der zurückliegenden Epoche der Staatspolitik. Im Geist vereint mit dem konservativ-reformfreundlichen Bürgertum, sucht er den Weg in die Republik. Und darauf kam es in dieser Stunde der Geschichte an.

 

Wer Recht erringen will,
muß selbst Recht haben ....

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner imponiert durch eine klare politische Sprache, die Phrasen und Leersätze meidet, keine Urteile scheut und eine beeindruckende analytische Kraft entfaltet. Interessen, Klassen, Sozialpolitik, Wirtschaftlichkeit, Reform, Fortschritt, Freiheit und Pflicht, Gesetz und Rechtsbewußtseins fungieren hier als zentrale Kategorien des politischen Denkens. Sachlich, systematisch, das heißt vom Standpunkt einer konservativ-liberalen Politik gewichtet, konkret und ohne persönliche Anfeindungen, parliert er am 13. Dezember 1897 vor dem Deutschen Reichstag als Staatssekretär des Inneren die Rede von August Bebel. So erleben die Reichstagsabgeordneten nicht nur ein hartes Ringen politischer Kontrahenten, sondern eine Sternstunde der Parlamentskultur.

Veröffentlichungen
(Auswahl)

Altersversorgung der Arbeiter
1883

Geschichte des schlesischen uradligen Geschlechts der Grafen Posadowsky
1891

Geschichte des schlesischen adligen Geschlechtes der Grafen Posadowsky-Wehner, Freiherren von Postelwitz
1891

Luxus und Sparsamkeit
1909

Die Wohnungsfrage als Kulturproblem
1910

Weltwende.
Gesammelte politische Aufsatz von Graf Posadowsky
1920

Volk und Regierung im neuen Reich
1932

Wer ihn kannte, achtete und bewunderte ihn. "Seine Hauptstärke war", bescheinigt ihn das Zeugnis der Volksstimme aus Magdeburg vom 25. Juni 1907, "die fleißige Durchdringung der zahlreichen Einzelheiten seines Ressorts, verbunden mit einer gewissen Nachdenklichkeit, also einer in preußischen-deutschen Regierungskreisen höchst seltenen Eigenschaft." Doktor Andreas Grieser (1868-1955), ehemals Staatssekretär im Reichsarbeitsministerium und 1933 von den Nationalsozialisten entlassen, charakterisiert ihn treffend als einen Politiker, der konservative Ideen und Werte organisch mit der Modernisierung verbinden kann. Paul Wittko (1866-1958) kannte ihn als einen Menschen, der nichts weniger als ein "typischer Junker" war. "Jedenfalls bleibt er in Erinnerung," worauf 1932 die Frankfurter Allgemeine besteht, "als einer der Aufrechten aus der wilhelminischen Zeit."

"Wer wirklich auf christlichen Boden steht," erklärt Graf Posadowsky 1912 in der Jenaer-Rede, "der muß wahre Toleranz üben gegen jede Religion und jede Konfession (…). Ich gestehe das ganz offen, dass ich deshalb ein Gegner der antisemitischen Agitation bin (…)." Allerdings war "seine" Deutschnationale Volkspartei stark antisemitisch orientiert. Im Dezember 1921 rief der Verband nationaldeutscher Juden, der von Doktor Max Naumann geleitet, zu einer Versammlung, wo nichtjüdische Deutsche aus allen Lagern eingeladen und sehr willkommen waren. Erschienen waren unter anderen der deutschnationale Friedrich von Oppeln-Bronikowski (1873-1936). Energisch wandte er sich gegen den antisemitischen Rummel in der Partei und übte scharfe Kritik an Ludendorff. Ebenso wollten einige andere die antisemitische Agitation nicht mitmachen, darunter der Abgeordnete Ritter, Clemens von Delbrück (1856-1921) und Arthur Graf von Posadowsky-Wehner. Aber, kommentierte am 10. Dezember 1921 der Vorwärts (SPD), "das geistige Wesen der Deutschnationalen wird .... nicht von Delbrück und Posadowsky präsentiert, sondern von [Reinhold] Wulle [1882-1950]."

Natürlich war der ehemalige Staatssekretär des Inneren ein politischer Gegner der Sozialdemokratie. Doch aus historischer Perspektive geurteilt, einer der Fairsten und Anständigsten, den die deutsche Geschichte hervorbrachte. Den persönlichen moralischen Imperativ des Klassenkampfes formuliert er Ende November 1911 in der Rede als Kandidat des Reichstages für den Wahlkreis Bielefeld:

"Die Sozialdemokratie ist nur geistig und sittlich zu überwinden. Dazu gehört aber viel Ruhe, Gerechtigkeitsliebe und Uneigennützigkeit der besitzenden Klassen. Wer Recht erringen will, muß selbst Recht haben und vor allem Freiheit des Individuums."

 

 

Mit Ehrfurcht und freundlichem Respekt

Oftmals wirkte er etwas steif und unnahbar, doch nie unaufmerksam oder unfreundlich. Die Naumburger begegneten ihn mit Ehrfurcht und freundlichem Respekt. "Zu meiner Zeit saß", rekonstruiert Hans-Gert Kirsche 2006 die Begegnung mit ihm, "in der Kurie der schlesische Graf von Posadowsky-Wehner, seinerzeit Böttichers Nachfolger im Reichsamt des Inneren und später Reichstagsabgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei. Er sah aus wie der leibhaftige Weihnachtsmann, denn er trug einen riesigen weißen Vollbart vor sich her, und war in der Stadt, wo man ihn häufig auf den Straßen sah, sehr beliebt. Als er [am 23. Oktober] 1932 starb, folgte fast ganz Naumburg seinem Sarge, es war wie ein Staatsbegräbnis."

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner wurde am 3. Juni 1845 als Sohn des Oberlandesgerichtsrats Graf von Posadowsky und seiner Ehefrau Amalie, geborene von Plötz, in Groß-Glogau geboren. 1864 verlässt er das hiesige Evangelische Gymnasium mit der Reifeprüfung und studiert in Berlin, Heidelberg und Breslau Jura und Cammaralia. Im Jahre 1867 erfolgt die Promotion zum "Dr. jur." an der Universität Breslau und tritt als Auskulator dem Stadtgericht in Breslau bei. Zwei Jahre später legte er in der schlesischen Hauptstadt das zweite juristische Staatsexamen ab, verließ den Justizdienst und arbeitete auf einem von ihm gekauften Gut.

1871 heiratet er Elise von Moeller, die Tochter eines Präsidenten eines Appellationsgerichts. Gemeinsam ziehen sie zwei Söhne und zwei Töchter groß. Ein Sohn verstirbt früh.

Die Familie erwirbt das Gut Welna im Kreis Gnesen. Hier sammelt der Jung-Akademiker erste praktische Erfahrungen und Kenntnisse bei der Führung eines landwirtschaftlichen Betriebes. Vier Jahre später tritt er als Regierungsreferendar und -assessor in den Verwaltungsdienst der Regierung in Posen ein. Er gehört der Provinzialsynode in Posen und später der Generalsynode der evangelischen Landeskirche an.

 

 

Die Posener Zeit

 

2006 erschien von Joachim Bahlcke der Aufsatz: Sozialpolitik als Kulturaufgabe. Zu Leben und Wirken des schlesischen Politikers Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932). Und Simone Herzig veröffentlichte 2012: Die "Ära Posadowsky". Posadowskys Beitrag zur staatlichen Sozialpolitik im deutschen Kaiserreich.

Darüber hinaus existieren von Leopold von Wiese (1909), Martin Schmidt (1935) oder Karl Erich Born (1957) wissenschaftliche Arbeiten zum Leben und Werk von Posadowsky-Wehner. Ihnen mangelt es, wie Simone Herzig 2012 (47) nicht umhin kam festzustellen, an wissenschaftlicher Objektivität.

 

Von 1873 bis 1877 amtiert Graf Posadowsky als Landrat im 1037 Quadratkilometer großen Kreis Wongrowitz. Hier leben 54 787 Bürger. 78 Prozent sind Polen, 20 Prozent Deutsche und 2 Prozent Juden. Von 1877 bis 1885 übernimmt er den Kreis Rawitsch mit 75 213 Einwohnern. Außerdem vertritt er von 1882 bis 1885 im Preußischen Abgeordnetenhaus für die Freikonservative Partei den Wahlkreis Lissa-Rawitsch-Fraustadt.

Die Landkreise gehörten zur Provinz Polen, die sozialökonomisch (Einwanderung), national (Kulturkampf) und wirtschaftlich (Unterentwicklung) eine schwierige Entwicklungsphase durchläuft. In ihnen überwog die polnische Bevölkerung, was seiner Tätigkeit als Landrat viel Augenmass und kluge Verhandlungen abverlangte. 1930 wird der ehemaliger Landrat vor dem Preußischen Landtag sagen: "Ich habe 25 Jahre unter Polen gelebt und kenne sie ganz genau. Ich kenne ihre guten Eigenschaften, aber auch ihre Schattenseiten ...." Inzwischen war das Deutschtum in der Provinz Posen in der Minderheit und bot keine wirkliche Stütze. Ihm drohte der Totalverlust. "Dicht bei Posen liegen Dörfer", erinnert sich 1920 der ehemalige Landrat, "deren Frauen bei festlichen Gelegenheiten zwar noch die alte Bamberger Tracht tragen, aber ihr Deutschtum in Sprache und Sitte vollkommen verloren haben."

Im Ergebnis des Kulturkampfes, der preußischen Kirchen- und Schulpolitik brachen zwischen Bürger und Staat immer wieder Spannungen auf, die oft in alltägliche Dinge hineinspielten oder sie in unterschiedlicher Stärke überlagerten. Von den Schwierigkeiten vermittelten Doktor Hans von Arnim und Professor Doktor Georg v. Below in "Deutscher Aufstieg ...." (Seite 388 / 390) verkürzt wiedergegeben folgende Vorstellungen: "Die polnische-nationale Bewegung wurde durch den Kulturkampf in einer für den preußischen Staatsgedanken gefährlichen Weise gestärkt." "Graf Posadowsky suchte die Kulturkampfgesetze in sachlicher, das religiöse Gefühl der katholischen Bevölkerung möglichst schonender Weise durchzuführen; gleichzeitig bemühte er sich, ohne Ansehen der Nationalität, die wirtschaftlichen Interessen der Kreisbevölkerung zu fördern, und fand hierfür dankbar Anerkennung." Die Wirtschaftsförderung war dringend notwendig, denn die Ernährungslage in der Provinz Posen war wesentlich ungünstiger als in den fruchtbaren Gegenden von Ost- und Westpreußen oder Pommern. Meist bestand die Kost der Landarbeiterfamilien aus Milch und Mehlsuppe, Erbsen und Sauerkraut, namentlich Kartoffeln. Fleisch und Brot gelangt weniger auf den Tisch als anderswo. Statt der acht bis zehn wöchentlichen Fleischmahlzeiten der Landarbeiter, erhält das Gesinde günstigenfalls vier. Fast verschwunden war, wie 1892 der "Schlussbericht über die Provinz Posen" (Max Weber) erhebt, die Bereitschaft zum Grunderwerb. Sie war fast verschwunden, weil die Besitzlosen zwar den Kaufpreis für den Boden, nicht aber das Baukapital abtragen konnten. Ein entscheidendes Moment sah die öffentliche Meinung im Versagen der jungen Frauen. "So tüchtig das polnische Mädchen als Arbeiterin ist," war die allgemein Meinung, "so untüchtig ist sie als Frau." Zugeteilt auf dem leichten Boden der früheren Parzellierungen im Kreis Mogilno, ging es den Parzellenbesitzern nicht gut. Auch im Kreis Gnesen haben sie nur auf besseren Boden bestand. Offenbar kommen die Bestrebungen zur Parzellierung nur schwer voran und werden durch die widersprüchliche soziale Lage ausgebremst. Oftmals bestand die Neigung zum Sparen, was jedoch später regelmäßig zur Überschuldung führt. Bedingt durch hohe Branntweinpreise, nahm die Trunksucht ab. Uneheliche Geburten, Feld- und Forstdiebstahl sind eine alltägliche Erscheinung. Das Inzestverhältnis entschärft sich durch den starken Zustrom ausländischer Landarbeiter. Im Sommer schaffen sich die großen Güter ihre Arbeitskräfte durch den Import von Russen, was Ausdruck eines harten Lohnkampfs. Als Reaktion darauf wandern viele Landarbeiter zum Zuckerrübenanbau in die preußische Provinz Sachsen ab. Man nannte sie die "Sachsengänger". Zugleich fehlt fast völlig der einheimisch freie Tagelöhnerbestand, der innerhalb der Heimat sein Brot sucht. Die Zeit als nach 1873 deutsche Wanderarbeiter Lebensansprüche in die slawische Bevölkerung trugen, ist also verdrängt durch die Invasion billiger Arbeitskräfte aus dem Osten. (Vgl. Max Weber 486ff.)

Das Lebensniveau der Landarbeiter, ihrer Familien und des Gesindes, erkennt Graf Posadowsky, ist mehr vom Kulturstand als direkt von der Fruchtbarkeit des Bodens abhängig. Wenn er später in Berlin entschieden für die

Sozialpolitik als Kulturaufgabe

argumentiert, dann spiegeln sich darin seine Erfahrungen der Posener Zeit. Hierauf baut sein Erster Hauptsatz der konservativen Sozialpolitik auf:

Wenn man die Kultur eines Volkes heben will, dann muss man die wirtschaftlichen Lebensbedingungen und den geistig-sittlichen Stand der großen Masse zu ergründen und zu heben suchen.

 

Das Ganze über das Eigene stellen. Bescheidenheit im täglichen Vorleben. Vorangehen! Nicht aber ins Rampenlicht drängen. Dabei mit zusammen mit den Bürgern und Mitarbeitern klare Vorstellungen von der Zukunft entwickeln: Wie kann man besser werden? Exakt das, diese Führung, brauchte die Verwaltung in Posen. Und das konnte Posadowsky. Das heißt, er lernte sich in konfliktreichen Räumen zu bewegen. Und das, das tat er mit großem Geschick. Der aufstrebende junge Mann erhielt also reichlich Gelegenheit, sich in der Praxis zu bewähren, die Kenntnisse in der administrativen Leitung und Organisation von Verwaltungsprozessen zu vervollkommnen. Dabei half ihn seine hohe juristische Qualifikation.

Bisher besorgten die Mitglieder des Oberpräsidiums der Regierung die Geschäfte der Provinzialverwaltung, ohne dass die einzelnen Verwaltungsgebiete untereinander organisch verbunden waren, wodurch die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung schweren Schaden erlitt. Im Jahre 1885 gelang es einzelnen Verwaltungszweigen der provinziellen Selbstverwaltung dieselbe Persönlichkeit voranzustellen. Die Wahl fiel 1885 auf Graf Posadowsky als provisorischer Leiter der Verwaltung Posens. Abgeordneter konnte er schlecht bleiben, da ihn die Arbeiten zur Reorganisation der Verwaltung voll in Anspruch nahmen. 1889 wurde er als Landesdirektor der Provinz Posen gewählt. 1900 erhielt er den Titel "Landeshauptmann" verliehen.

Im Aufsatz "Über die Altersversorgung der Arbeiter" von 1882 erörtert er die Notwendigkeit der staatlichen Fürsorgepolitik, will aber die Unternehmer und Grundbesitzer vor finanziellen Belastungen schonen. Ein Hinweis auf die konservative Grundhaltung und Frontstellung zur Sozialdemokratie.

In Deutschland bricht die Zeit des sozialpolitischen Wandels an: Unfallversicherungsgesetz vom 6. Juli 1884, Krankenversicherungsgesetz vom 15. Juni 1883 (Pflichtmitgliedschaft!), Gesetz über die Invaliditäts- und Altersversicherung vom 22. Juni 1889.

 

 

Aufstieg zum Staatssekretär des Reichsschatzamtes

Einem Konflikt zwischen dem Staatssekretär des Reichsschatzamtes Helmuth Freiherr von Maltzahn und dem preußischen Finanzminister Johannes von Miquel verdankte Arthur Graf von Posadowsky-Wehner, dessen finanzpolitische Leistungen in Posen den Kaiser beeindruckt hatten, am 12. August 1893 seine überraschende Ernennung zum Staatssekretär des Reichsschatzamtes, dass für Etat-, Zoll- und Rechnungswesen des Deutschen Reiches verantwortlich. "Der gräfliche Reichsschatz-Sekretär," raunt am 13. August 1893 der Vorwärts aus Berlin, "ist politisch ein völlig unbekannter Mann." "Sein Prinzip, dass er nun auf dem Gebiet der Steuerreform verwirklichen wollte, bestand einfach darin, ein Gleichgewicht zwischen den Leistungen des Reiches an die Bundesstaaten und der Bundesstaaten an das Reich herbeizuführen. Man nannte es "Finanzreform"." Unter seiner Finanzverwaltung erreichte man im Reich erstmals eine Schuldentilgung und eine wesentliche langsamer Vermehrung der Reichsschulden als in der Vergangenheit. (Arnim 391)

 

 

Im Reichsamt des Inneren

Am 1. Juli 1897 beginnt mit der Berufung zum Staatssekretär des Inneren ein neuer Lebensabschnitt. In dieser Funktion leitet er als Stellvertreter des Reichskanzlers die Sitzungen des Bundesrates und nimmt die Aufgaben eines preußischen Ministers ohne Portefeuille und stimmberechtigtes Mitglied des preußischen Staatsministeriums. (Bahlcke 95)

Wir werden uns bemühen, verspricht er am 13. Dezember 1897 (176) vor dem Reichstag, "dass Wohl der arbeitenden Klasse weiter zu fördern", "soweit es sich um berechtigte Forderungen für die sittliche und körperliche Gesundheit der Arbeiter handelt". Er hielt Wort. Ihm gelang es eine umfassende Reform der Alters-, Invaliden- und Unfallversicherung durchzuführen.

 

 

Der Handelspolitiker

Der Sockel für sein Denkmal ist gerichtet. Die Attacken der politischen Gegner sind entlarvt. Sein Gemeinsinn gewürdigt und die hohe Moral gelobt. Aber ist das alles? War er stets die Kraft, die nie das Böse schafft?

Auf dem Deutschen Handelstag am 8. Januar 1901 hält Posadowsky die Eröffnungsrede. Was tat er da eigentlich? Waren es reine Repräsentationspflichten? Darauf zu schauen, ist durchaus wichtig, weil sich in der internationalen Handelspolitik in den letzten Jahren grundlegende Veränderungen vollzogen. Die deutsche Okkupation von Jiaozhou 1897 markiert den Übergang zu einer ehrgeizigen Weltpolitik. Zwei Jahre zuvor tauchten Pläne von Wilhelm II. zum Bau einer großen Schlachtenflotte auf. Seit dem chinesisch-japanischen Krieg wachsen die deutschen Begehrlichkeiten gegenüber dem geschwächten China. Den Vorwand zur Intervention bot am 1. November 1897 der Mord an zwei katholischen Priestern in der Provinz Shandong. "[Staatssekretär des Äußeren Bernhard] Bülow rechtfertige die Okkupation auf dem chinesischen Festland mit dem Argument, dass die deutsche Industrie, die den amerikanischen Markt über kurz oder lang doch verlieren werde, ein größerer Absatz in Ostasien ermöglicht werden müsse." (Mommsen 2005, 94 bis 96)

Arthur Graf von
Posadowsky-Wehner
1894

Graf Posadowsky stimmt nicht in den aggressiven Ton der nationalen Großbourgeoisie zur Welt- und Handelspolitik ein. Seine Botschaft ist einfach und klar, und wird gut angenommen: Die deutsche Industrie und der deutsche Handel müssen "den Kampf um den ausländischen Absatz" in Zukunft in noch höheren Maße wie bisher" bestehen. Als Mittel nennt er nicht Schutzgebiete, Kartelle oder Flottenrüstung, sondern vertraut auf die "Hilfe des deutschen Erfindergeistes". Das wird nur möglich sein, betont er, wenn in der Volkswirtschaft einem Ausgleich der wirtschaftlichen Interessen die Wege geebnet wird. Handel und wirtschaftlicher Wettbewerb, Außen- und Innenpolitik sollen in Frieden und Kooperation stattfinden.

Am Ende eines komplizierten und langwierigen Gesetzgebungsverfahren beschloss am 13./14. Dezember 1902 der Reichstag das Zolltarifgesetz und den Zolltarif. Es begann Anfang des Jahres mit dem Ausbruch der Zollwut, beobachtete der Vorwärts (Berlin), als Posadowsky und Genossen sich schlechterdings nicht dabei beruhigen konnten, dass irgendein Produkt ohne erhöhten Zollschutz blieb. "So haben sie die Zölle da gesteigert, wo sie ausdrücklich erklären mußten, dass aus den Kreisen der Interessenten keine Anträge gekommen sein."

Typisch für den Protektionismus ist, dass eine soziale Klasse die Vorteile geniesst, während es sich für die andere als schwerer Nachteil erweist. Im Ergebnis der Zollgesetzgebung musste die arbeitende Klasse höhere Lebensmittelpreise tragen. Nicht nur sie, natürlich! Aber ihr Arbeitslohn richtet sich im Unterschied zu anderen Einkommen, nicht direkt an den Lebensmittelpreisen aus, sondern bildet lediglich die Nachfrage von Arbeitskräften ab. Den ArbeiterInnen blieb nur, lästerten damals die Sozialdemokraten, das teuerste Brot der Welt zu essen. Auch das Fleisch, noch immer für die meisten Familien ein Luxusgut, verteuerte sich.

Das Zentrum unterbreitete den Vorschlag, die Mehreinnahmen der Reichskasse aus den agrarischen Zöllen, zur Einrichtung einer Arbeiterwitwenpensionskasse zu verwenden. Wie Sentimental, applaudiert am 9. April 1902 Franz Mehring im Bericht über "Posadowskys Osterfahrt", dass die Regierung einen letzten Tropfen für das Krüglein der Witwe retten soll, während doch ihre abenteuerliche Weltpolitik die Kassen immer leerer fegt.

 

 

Zuchthausvorlage und Richtungswechsel

In der Schrift Sozialreform oder Revolution? (1899) findet sich eine versteckte Replik auf Arthur Graf von Posadowsky-Wehner. Ihre Autorin, Rosa Luxemburg (1871-1919), klagt ihn an, ein Attentat auf das allgemeine Reichstagswahlrecht begehen zu wollen. Begonnen hatte es damit, dass er am 11. Dezember 1897 aus dem Reichsamt des Inneren als Staatssekretär ein geheimes Rundschreiben an die Regierungen der deutschen Einzelstaaten sandte und gesetzliche Maßnahmen gegen das Streikrecht und die Koalitionsfreiheit forderte. Zitat:

"In letzter Zeit ist in der Tagespresse und Fachliteratur wie in Vereinsversammlungen die Frage lebhaft erörtert worden, ob nicht angesichts der durch die Arbeiterbewegung der letzten Jahre gelieferten Erfahrungen von der Gesetzgebung ein erhöhter Schutz gegen Missbrauch der durch § 152 der Gewerbeordnung gewährleisteten Koalitionsfreiheit zu verlangen sei."

Kommentar zur Veröffentlichung der Zuchthausvorlage im "Vorwärts", Berlin den 15. Januar 1898

Der Verfasser des Rundschreibens bittet um eine gefällige Äußerung, um den Reichstag beim nächsten Zusammentreffen eine neue Vorlage vorlegen zu können. Den Sozialdemokraten war es gelungen, das Geheimdokument in die Hand zu bekommen und am 15. Januar 1898 im Vorwärts zu veröffentlichen.

In seiner Oeynhausener-Rede vom 6. September 1898 kündigte Wilhelm II. die für 1899 vorgesehene Gesetzesvorlage an.

Einen berechtigten Grund für die Unzufriedenheit mit der Politik, räumt Posadowsky am 13. Dezember 1898 vor dem Reichstag ein, glaubt man darin gefunden haben, dass die Sozialgesetzgebung zum Erliegen gekommen ist. "Eine Kulturnation", antwortet er, "kann die soziale Gesetzgebung gar nicht zum Stillstand bringen .…" Was das Gesetz zum Schutz des gewerblichen Arbeitsverhältnisses betrifft, so handelt es sich nicht um eine Beschränkung der Koalitionsfreiheit, sondern um die Einhaltung der Koalitionsfreiheit auf der einen Seite und den Schutz der persönlichen Freiheit jedes Staatsbürgers auf der anderen der Seite. Das ist der Sinn Oeynhausener-Rede.

Friedrich Naumann (1866-1919) nimmt 1899 in einem Vortrag ebenfalls gegen die Zuchthausvorlage Stellung. Schliesslich lehnt der Reichstag das Dokument als Entwurf eines Gesetzes zum Schutz der gewerblichen Arbeitsverhältnisse vom Mai 1899 mit einer übergroßen Mehrheit ab.

Mit dem Scheitern der Zuchthausvorlage beginnt ein Umdenkungsprozess. Joachim Bahlcke (2006, 95) charakterisiert ihn als "Richtungswechsel", womit gemeint ist, dass der Vizekanzler (1897) in sozialen Fragen mit der SPD und der Arbeiterbewegung eher den Ausgleich sucht.

Unter seiner Ägide als Staatssekretär werden bedeutende wirtschafts- und sozialpolitische Reformen realisiert. Im Juli 1899 erfolgte mit Zustimmung der Reichstagsabgeordneten der SPD die einheitliche Festlegung der Höhe der Invalidenrenten. "Es war", triumphiert er am 6. Februar 1906 (1049) vor dem Reichstag, "aber der große Fortschritt der deutschen Sozialgesetzgebung, das an die Stelle der Armenpflege ein eigenes Recht und eine gewisse Leistung des Arbeiters trat, eine Rente …."

Durch folgende Initiativen von Posadowsky konnte das System staatlicher Sozialpolitik erheblich ausgebaut werden:

Verabschiedung der Gewerbeordnung 1. Juni 1901, was den Mutterschutz, die sozialen Bedingungen für die Nachtarbeit und die Arbeit an Sonn- und Feiertagen in der Industrie und auf dem Bau verbessert. Kinderarbeit unter 13 Jahren ist verboten.

Gesetze zu den Gewerbe- (1901) und Kaufmannsgerichten (1904). Ihre Einrichtung soll die Arbeitskonflikte friedlich regeln. Sie erkennen den Arbeiter als gleichberechtigten Vertragspartner der Unternehmer an, die im Ergebnis des Bergarbeiterstreiks von 1905 weitere Rechte erringen.

Erweiterte Kinderschutzgesetz vom 30. März 1903.

Novelle zum preußischen Bergbaugesetz vom 14. Juli 1905.

Novelle Gewerbeordnung vom 25. Mai 1908. (Vgl. Gladen 85)

Finanzielle Förderung zum Bau von Arbeiterwohnungen.

1903 wird die Zahlung des Krankengeldes von 13 auf 26 Wochen verlängert.

Die Universität Berlin ehrt die Verdienste von Posadowsky-Wehner auf dem Gebiet der Sozialpolitik mit der Verleihung eines Ehrendoktors der Theologie. Von der Universität Giessen erhält er den Ehrendoktor der Medizin zuerkannt.

"Posadowsky erkannte sehr wohl, das staatliche Sozialpolitik in eine emanzipatorische Gesellschaftspolitik einmünden müsse, die den Arbeitern Freiheit und Möglichkeit zur Selbsthilfe gab." Dies verlangte aber die uneingeschränkte Koalitionsfreiheit und Aufhebung des politisch-diskriminierenden Zensuswahlrechts mit anachronistischer Wahlkreiseinteilung. An die Lösung der Arbeiterfrage nicht nur sozialpolitisch, sondern als Verfassungsfrage heranzutreten, das wollte er nicht verantworten. (Gladen 85f.) Und wie sollte er sich zum "persönlichen Regiment" von Wilhelm II. stellen? Flotten- oder Umsturzvorlagen, die Beziehung zur Rußland oder Verfassungsfragen konnten nicht am Kaiser vorbei gehändelt werden. (Vgl. Mommsen 2005, 92ff.)

 

 

 

Herkunft, Datum und Autor der Fotografie sind unbekannt. Am linken Bildrand ist auf dem Plakat der Name "Kaempf" zu lesen. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um den ehemaligen Stadtrat von Berlin, Juristen und Reichstagspräsidenten (1912-1918) Johannes Kaempf (1842-1918). Seit 1901 war er Mitglied des Reichstages und Fraktionsvorsitzender der Freisinnigen Volkspartei. Am 25. Januar 1907 fanden die Wahlen zum 12. Deutschen Reichstag statt. Das obige Foto, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner ist darauf gut zu erkennen, könnte eine Szene aus diesem Wahlkampf darstellen.

 

 

Bekämpfung der Sozialdemokratie (Posadowsky-Wehner)


Rede
vor dem Reichstag 1905


hören
(1: 46 Minuten, mp3)

Überwindung der Sozialdemokratie und des Materialismus

Geistige und sittliche Wiedergeburt des deutschen Volkes durch Opferfreudigkeit und Selbstlosigkeit

Trotz Wahlrecht kann die Herrschaft der besitzenden Klassen aufrechterhalten werden

 

Posadowsky-Wehner treibt die Frage um, wie kommt man gegen die drei Millionen Stimmen der Sozialdemokratie an? Am 6. Februar 1906 verleiht er mit seiner Rede vor dem Reichstag dem "Kampf gegen die Sozialdemokratie" einen neuen Impuls. Es lohnt sich, genau hinzuhören. Nachdem er viele an ihn gerichtete Anfragen beantwortet hat, kommt er auf die Sozialdemokratie zu sprechen. Er unterscheidet zwischen einer "berechtigten Arbeiterbewegung und einer unberechtigten". Der zentrale Vorwurf lautet: Die Sozialdemokraten stellen Forderungen im Interesse der Arbeiter, "die weder im Gegenwartsstaat noch im Zukunftsstaat" "noch in irgendeinem Staate der Welt jemals zu erfüllen sein werden. Denn die Erfüllung dieser Forderungen würde zum Zusammenbruch des gesamten wirtschaftlichen Lebens und mit ihm des Staates führen."

"Weil die Sozialdemokratie hiervon überzeugt ist, erklärt sie: der ganze bestehende Staat muss beseitigt werden. Wie dieser Zukunftsstaat aussehen würde, davon habe ich wenigstens keinen Begriff.

Deshalb muss man es doch begrüßen, wenn eine Arbeiterbewegung besteht und sich weiterentwickelt, die erklärt:

ja wir sind dafür, dass die materielle Lage der Arbeiter dem wachsenden Wohlstande des gesamten Volkes entsprechend besser wird,

dass die Löhne der Arbeiter den gestiegenen Lebensbedürfnissen und gestiegenen Lebensmittelpreisen folgen,

dass der Arbeiter in größerem Masse als bisher auch an öffentlichen Angelegenheiten beteiligt ist, aber wir wollen das Ziel mit gesetzlichen Mitteln verfolgen indem bestehenden monarchischen Staat, innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft."

Auf diese Weise definiert Posadowsky die soziale Frage der werktätigen Klasse auf Grundlage ihren ökonomischen Lebensformen. Die Sozialpolitik konstituiert sich hiernach aus dem Widerspruch zwischen den konkreten ökonomischen Möglichkeiten und der Notwendigkeit die Produktivkraft Arbeit zu erhalten und zu fördern. Doch, was nun wichtig, sie erscheint dem Parteienkampf unterworfen. Damit erweist sich die Materialisierung der sozialen Frage vom politischen Kräfteverhältnis der im Reichstag konkurrierenden Parteien, vom Einfluss der Unternehmer nebst ihren Organisationen und den Gewerkschaften abhängig.

Indem Posadowsky die ökonomische Bedingtheit des Sozialen und die wachsende Rolle der materiellen und kulturellen Bedürfnisse der arbeitenden Klasse anerkennt und politisch zu befrieden suchte, erfolgt damit faktisch die Hinwendung zu sozialdemokratischen Grundsätzen. (Der Marxsimus lauerte eben überall.) Wenngleich, dies ist zu beachten, Posadowsky setzt weitere Schwerpunkte bei der Lösung der sozialen Frage. Ihn grämt, dass die Sozialdemokraten mit der Revolution spielen. Sie erkennen nicht an, "was der Staat und die bürgerliche Gesellschaft für die arbeitenden Klassen bisher schon getan haben". Dies stösst bei Adolf Stoecker (1835-1909), studierter Theologe aus Halberstadt, Begründer der antiliberalen, antisozialistischen Christlich-sozialen Bewegung, auf Resonanz. Verärgert registriert er in seinem Debattenbeitrag am 12. Februar 1906: "Das in manchen Kreisen eine üble Stimmung gegen uns herrscht, können wir nicht bestreiten." Er fragt: "Wodurch ist diese hervorgerufen?", und antwortet: "Eins ist erwähnt. Für die Arbeitgeber fehlt in der Sozialdemokratie jede Anerkennung." Er droht ihr, es könnte sein, dass in Kreisen der Staatsmänner, die Lust zu Reformen vergeht. Wir stehen jetzt, formuliert Posadowsky, vor der Aufgabe: Wie kommen wir trotzdem bei der Schaffung einer Arbeiterpartei voran, "die innerhalb des gegebenen Staates", des "bürgerlichen, des monarchischen Staates" steht? Wir haben, schlussfolgert er,

den "allerdringendsten Grund die christliche Arbeiterbewegung zu unterstützen".

Stoecker assistiert: "Und wenn die Herren von der äußersten Linken mit einer diabolischen Klugheit immer so tun, als ob sie allein die Interessen der Arbeiterwelt verträten, und die anderen Arbeiter glauben machen, daß das wirklich so sei, - wir im Reichstage sollten das nicht nachmachen, sondern immer unterscheiden zwischen der Arbeiterwelt und der Sozialdemokratie, die in ihren Interessen gar nichts miteinander zu tun haben. (Sehr richtig! Rechts)"

 

 

Ich bin aber, solange ich in diesem Amte stehe,
ein Staatssekretär  f ü r  Sozialpolitik

Ära Posadowsky 12.08.1893 bis 24.6.1907

Nicht nur bei der Zollgesetzgebung brachte Posadowsky in der Politik reale Klassenlagen aufs Tapet. Zwischen Unternehmer und Arbeiter strebte er ein pietätvolles Verhältnis an. In fast zehnjähriger Tätigkeit als Staatsekretär des Inneren, bescheinigt ihn am 25. Juni 1907 Volksstimme (Magdeburg), das Image eines Vertreters des sozialen Königtums. Die Kaufmannsgehilfen-Tagung am 9. Februar 1926 in Naumburg begrüßt ihn als

Vorkämpfer der deutschen Sozialpolitik.

Viel wurde über die soziale Frage geschrieben und noch mehr darüber geschwätzt. Als d i e soziale Frage existiert sie überhaupt nicht, moniert Karl Marx am 1. Februar 1949 in der Neuen Rheinischen Zeitung, weil jede Klasse ihre e i g e n e  soziale Frage hervorbringt. Denkt man bei Posadowsky-Wehner nur an sein Ideal vom pietätvollen Verhältnis von Arbeitnehmer und Arbeitgeber, dann muss dies oppositionelle Geister zu Nachfragen provozieren. Nicht nur August Bebel oder die ihm zugeneigte SPD "Volksstimme" (Magdeburg), stellten ihn mir nichts dir nichts unter das Verdikt ein "Land- und Industriebündler" zu sein.

 

Graf Arthur von Posadowsky-Wehnee, 16. Dezember 1897:

"Ich habe aber ferner' allerdings ausgeführt, daß es außerordentlich bedenklich sei,
sämtliche Erwerbszweige Deutschlands polizeilich reglementieren zu wollen, daß man auf diesem Gebiet nur mit der äußersten Vorsicht vorgehen sollte; denn es sei bedenklich, Verordnungen zu erlassen, die sich in ihrer Ausführung gar nicht kontrolieren lassen und die sehr leicht dahin führen, daß das Verhältniß zwischen Arbeitnehmer
und Arbeitgeber, der soziale Frieden, der zwischen diesen beiden Kategorien unbedingt bestehen muß, aufs schwerste gefährdet wird. Das Verhältniß zwischen Arbeitgeber
und Arbeitnehmer kann man nicht nur auf den rechtlichen Vertrag stützen, es muß auch. ein gewisses Pietätsverhältniß bestehen."

 

Der Arbeiterführer behauptet gar, er sei durch den Verkehr mit den Kapitalisten so verwirrt, dass er nicht mehr das sozialpolitisch Richtige erkenne. Daraufhin fragt Posa am 12. Dezember 1900 während der Beratung zum Reichshaushalt für das Rechnungsjahr 1901 listig nach: Wo sollten im Bundesamt die vielen Kapitalisten sein. ".... aber im Übrigen, glaube ich, verkehrt niemand mit den Kreisen, die man vorzugsweise als kapitalistisch bezeichnet, weniger als ich." Also bitte, man sollte ihn nicht mit Marx belehren. Er weiß Bescheid. Zudem entwickelte er als Referendar am Breslauer Stadtgericht, Gutsverwalter, Landrat in Posen und Abgeordneter der Freikonservativen Partei (1882-1885) im Preußischen Abgeordnetenhaus ein klares Standes- und konservatives Selbstbewußtsein. Nichts weist auf die moralische oder politische Abwertung der arbeitenden Klasse und Unterschichten hin. Klar und deutlich sortiert er die unterschiedlichen ökonomischen Interessen der Verbände und Organisationen, der Klassen, Schichten und Gruppen. Soll man in den Satz "überraschender Weise" einfügen? Wenn man nur mit angemessener Genauigkeit "Konservativ" von scheinverwandten Begriffen abgrenzt, dann ist das überflüssig. Unvoreingenommen, gestützt auf eigene Erfahrungen, trat er an die soziale Frage heran, ohne sie einzunivellieren oder zu kaschieren oder zu entstellen. Sein Ziel ist die Geistige und wirtschaftliche Hebung der minderbemittelten Klassen. Für das Unternehmertum avisiert er klare Leitideen. Die politische Elite, fordert er, muss ihren Beitrag zur Verwirklichung sozialer Normen der Gemeinschaft leisten. Wie das auszusehen hat, teilt er ihnen am 22. Januar 1902 im Fluss der Beratung zum Etat des Reichshaushalts mit:

"Meine Herren,
wenn sie den Weg gehen, jedesmal die Fabrikanten zu entschädigen, wenn wir ein Verfahren ausschliessen, das gesundheits- oder lebensgefährlich für die Arbeiter ist, dann fürchte ich, riskieren Sie, die ganze sozialpolitische Gesetzgebung zum Stillstand zu bringen …

Das wäre eine Belastung des sozialen Fortschritts, die wir gar nicht ertragen könnten."

Oft wird die deutsche Sozialpolitik vor dem Ersten Weltkrieg als Reaktion auf den wachsenden Einfluss der Sozialdemokratie und im Dienst der Domestizierung der Arbeiterklasse interpretiert. Andere begreifen sie vor allem als Pflegeleistung zur Produktivitätssteigerung der Arbeit. Posadowsky-Wehner überschreitet deutlich den Horizont sowohl einer populistisch wie ökonomistisch fundierten Sozialpolitik. Für ihn ist sie, wie er in "Volk- und Regierung ...." (126ff.) unmißverständlich rekapituliert, eine universelle kulturelle Aufgabe, ohne die kein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Fortschritt möglich ist. Damit setzt er sich von seinen sozialethischen Auffassungen der Posener-Zeit ab, die die Pflicht zur sozialen Fürsorge vor allem aus dem Gebot der christlichen Sittenlehre ableitete.

Als 1930 mit den Notverordnungen soziale Leistungen gekürzt wurden, warnte er:

"Kalte Selbstsucht eines Volkes gegenüber leidenden Schichten seines eigenen Blutes bedeutet eine soziale Gefahr …."

Sozialpolitik verstand Posadowsky nicht als Praxis sozialer Geschenke an eine geschundene arbeitende Klasse. Vielmehr lotete er ihre Möglichkeiten und Grenzen im Entscheidungsfeld von Humanität, Rationalität und Ökonomie aus. Einerseits widersprach er ".... auf das heftigste, wenn der Centralverband deutscher Industrieller Forderungen, die der Gesundheit und körperlichen Unversehrtheit am Arbeitsplatz galten, als sozialdemokratisches Anliegen zurückwies." (Bahlcke 96) Zugleich war er der Überzeugung, dass die Sozialpolitik nicht die zwangsläufigen und unverrückbaren wirtschaftlichen Gesetze überschreiten und zerstören darf, sonst sind riesige volkswirtschaftliche Schäden zu gegenwärtigen. (Vgl. V&R 213)

Im Reichstag stößt die Fortsetzung seiner Sozialpolitik auf Widerstand und war natürlich mit Auseinandersetzungen verbunden. Seine Gegner stellen das

Prinzip der Kontinuität

in Frage. In der Reichstagsdebatte am 9. März 1907 (344/345) argumentiert der Staatssekretär des Inneren: Ein Volk, dass in der Bildung fortgeschritten, stellt auch im Unglück höhere Anforderungen an seine Lebensführung als die Armenpflege gewähren kann. "Deshalb kann ein Volk von dem Kulturstande des deutschen Volkes die Sozialpolitik nicht aufhalten und nicht aufgeben, trotz aller stillen und offenen Gegner." Folglich kann die Sozialpolitik kein "verhängnisvoller Schritt" dagegen sein. Aber genau dagegen regte sich Widerstand. Seit der freikonservative Abgeordnete Karl von Camp-Massen (1846-1918) ab Juni 1907 seine Angriffe gegen ihn, den Vizekanzler, richtete, wofür er gleichsam in den Freiherrenstand erhoben, und die Norddeutsche Allgemeine jede Woche vom borniersten Unternehmerstandpunkt aus verleumderische Anklagen gegen die modernen Gewerkschaften erhob, konnte kein Zweifel mehr bestehen, dass die Tage Posas gezählt waren. (VS 25.5.1907) Meist äußern sich, schildert er die Lage am 9. März 1907 (344) im Reichstag, seine Widersacher öffentlich nicht in schroffer Weise. Doch sie bekämpfen jeden einzelnen (Fort-) Schritt und sorgen dafür, dass für den Schwachen nur das Notwendigste geschieht. "Und, meine Herren," streitet Posadowsky am 5. März 1907 für seine Politik vor dem Hohen Hause, "dass gegen mich in der Öffentlichkeit, persönliche gehässige, giftige und verleumderischen Angriffe gerichtet sind, das ist allgemein bekannt …." "Es gibt eben Richtungen, die wollen, dass ein Staatssekretär gegen Sozialpolitik besteht.

Ich bin aber, solange ich in diesem Amte stehe,
ein Staatssekretär für Sozialpolitik.
(Lebhafter Beifall in der Mitte, links und bei den Sozialdemokraten.)"

 

 

Ministerieller Massensturz

Unter der Kanzlerschaft von Leo von Caprivi (1890-1894) und Carl Viktor Fürst von Hohenlohe-Schillingsfürst (1894-1900) konnte Posadowsky seine Leistungskraft voll entfalten. Als Bernhard von Bülow (1900) das Amt übernahm, traten deutliche "Temperamentsunterschiede" (Wittko) zu Tage.

Bernhard von Bülow will in der Außenpolitik freie Hand, um die Wirtschaftskraft zu stärken. Die vom Staatssekretär des Reichsmarineamtes Alfred Tirpitz (1849-1930) vorgelegten Pläne zur Flotten-Hochrüstung sind ihm recht. Weiter musste er seine Haltung zur Frage der Kosten des Kolonialkrieges, damit verbunden die Haltung zum Zentrum und daran nahtlos anschliessend, die Frage der Weiterführung der Sozialpolitik klären.

Der Kampf gegen die Herero in Deutsch-Südwestafrika und die Niederschlagung des Aufstandes der Nama kostete dem deutschen Staat und den Kolonialherren viel Geld. Staatssekretär Bernhard Dernburg (1865-1932) wies 1906 die Kritik an der deutschen Kolonialverwaltung und den Krieg gegen die Hottentotten und Hereros scharf zurück. Ein Nachtragshaushalt wird fällig. Posadowsky stimmte am 13. Dezember 2006 mit dem Zentrum und der SPD im Reichstag dagegen. Daraufhin löst Bernhard von Bülow den Reichstag auf und setzt Neuwahlen an. Die Auflösung war gegen das Zentrum gerichtet.

Am 25. Januar 1907 fanden die Reichstagswahlen statt. Die SPD verlor -2,8 Prozent der Stimmen und landete bei 28,9 Prozent. Das Zentrum erreichte fast unverändert 19,4 Prozent, die Nationalliberale Partei 14,5 Prozent, die Deutschkonservativen 9,4 Prozent und die Freisinnige Volkspartei 6,5 Prozent.

"Wat rausschmeissen wollen Se mir. Ich habe vierzehntägige Kündigung. Mit mir jeht det nicht so wie mit Posadowsky`n."

Simplicissimus. 12. Jahrgang, No. 16. München, den 15. Juli 1907

Gelegentlich einer Beratung am 28. Februar 1907 traten zwischen Posadowsky und Bülow Unstimmigkeiten auf. Fürst Bülow wirft ihn später vor, über eine betreffende Sachlage nicht ausreichend informiert zu haben. Außerdem erwartete er von ihm bei der Vertretung seiner Politik mehr Unterstützung. Bülow wurde krank und Posadowsky übernahm die Leitung der Reichsgeschäfte. Obwohl er zweifellos damit beauftragt war, führte die Reichskanzlei sie selbständig, sozusagen parallel, weiter, und unterzeichnete Dokumente mit "Im Auftrage des Reichskanzlers", was zu weiteren ernsten Verstimmungen führte. (Vgl. Arnim)

"Sein Sturz entspricht", kommentiert am 25. Juni 1907 die Volksstimme aus Magdeburg, "mehr noch als den Wünschen des Fürsten Bülow jenen der scharfmacherischen Reichspartei, die den ehemaligen Vertreter der Zuchthausvorlage, den Hauptmitarbeiter des Hochschutzzolltarifs, den Vertrauensmann der Landbündler und Industriebündler, seit er sich in der Auffassung seines Amtes zu etwas modernen Anschauungen gewandelt hatte, als ihren Todfeind zu behandeln pflegte."

"Über die Entlassung von Posadowsky", reicht am 26. Juni 1907 das Jenaer Volksblatt nach, "ist noch zu bemerken, dass er schon längst all den Kreisen der Großindustrie und des unsozialen Junkertums verhasst war, denen selbst die unvollkommene, zögernde und reaktionäre Sozialpolitik Posadowsky noch zu "revolutionär" erscheint."

Mit ihm scheidet am 22. Juni 1907 aus der Reichs- und preußischen Staatsregierung, bemerkt die Volksstimme (Magdeburg) drei Tage später,

"die einzige bedeutende Persönlichkeit, der letzte, dem auch der Gegner Achtung entgegenbringen konnte."

Nachfolger wird der preußische Polizeiminister und spätere Reichskanzler Theodor von Bethmann Hollweg.

Am Tag des Rücktritts als Staatssekretär des Inneren ist Posadowsky-Wehner 62 Jahre alt. Er verlegt jetzt seinen Wohnsitz nach Naumburg, wo er seit 1901 Mitglied des Domkapitels ist.

 

 

Frankfurt a.M, München, Leipzig, Berlin -
Die Wohnungsfrage als soziales Problem

Im Umgang mit der sozialen Frage versprühte der Ministerielle den Geist von Freiheit und Wohlstand, also Optimismus. Warum auch nicht? Zum 23. Mai 1907 trägt man ihn die Eröffnung der 11. Generalversammlung des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose in Berlin an. Eine Gelegenheit, die sozialen Ursachen der Krankheit darzustellen, um dann gemeinsam das menschliche Elend zu bekämpfen.

Eine herausragende Rolle bei der Lösung der sozialen Frage misst er der Wohnungsfrage zu. Er unterstützte den ersten allgemeinen deutschen Wohnungskongress, der am 16. Oktober 1904 in Frankfurt am Main eröffnet wurde. Um die Mieten für die Reichsangestellten zu senken, schlägt er den Bau von eigenen Wohnungen vor. Posadowsky geht es um nicht weniger als, kommentiert ihn 1907 die "Volksstimme" aus Magdeburg, der Ausbeutung der Mieter durch die Hausbesitzer und Grundbesitzer entgegenzutreten.

Die Wohnungsfrage war für ihn
der wichtigste Teil der sozialen Frage.

 

Am

5. Januar 1910

bittet der Bayerische Verband für Wohnungsförderung
in München
Posadowsky-Wehner zum Thema:

Die Wohnungsfrage
als Kulturproblem

zum Vortrag. Zunächst analysiert er die Tendenzen der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland, wobei kritische Untertöne zur Kolonialpolitik anklingen: In den besten Kolonien, wie Südwestafrika, die 26 Jahre zu Deutschland gehören, siedelten lediglich 6 210 Deutsche, während sich die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um 18 Millionen erhöhte. "Auch die wärmsten Vertreter einer starken Kolonialpolitik werden hiernach die Hoffnung kaum mehr aufrechterhalten können, dass unsere Kolonien imstande wären, einen irgendwie nennenswerten Teil unserer wachsenden Bevölkerung aufzunehmen." Ob in Deutschland überhaupt ein entbehrlicher Bevölkerungsüberschuss besteht, erscheint ihm sehr fraglich.

Sein einstiger Dienstherr Reichskanzler Bernhard von Bülow (1906, 3958) war da anderer Meinung, wenn er 1906 formuliert: "Die Frage steht nicht so: ob wir kolonialisieren wollen oder nicht; sondern wir müssen kolonialisieren, ob wir wollen oder nicht."

Wenn wir den jetzigen Kulturstand halten wollen, kalkuliert der Graf, dann müssen ausreichend Wohnstätten geschaffen werden, die den gesundheitlichen und sittlichen Anforderungen genügen. Gegenwärtig lebt die Stadtbevölkerung zu vier Fünftel in Kleinwohnungen mit zwei bis drei Räumen. "Aber nur in sehr großen Entfernungen von ihrer Arbeitsstelle können sie sie finden `zum Schaden ihrer Arbeits- und Nachtruhe und ihres Familienlebens`". Etwa 63 Prozent der Bevölkerung leben in Zwei- bis Dreizimmerwohnungen. In einzelnen Orten sind sie bis zu 59 Prozent mit zwei, ja sogar mit drei Schlafgängern belegt, was "die kaum glaubliche Zerrüttung des Familienlebens in den Arbeiterfamilien" bedingt. Staat, Städte und Gemeinden müssen einen neuen Weg im Wohnungsbau einschlagen. Als Lösung des Problems empfiehlt er das Erbbaurecht. Um den Wohnungsbau zu angemessen Preisen realisieren zu können, müssen die Gemeinden endlich reichlich und vorsorgend Grund und Boden ankaufen. Für dringend notwendig hält er den Bau von Wohnungen für Reichsangestellte, damit die Mieter der Ausbeutung durch die Hausbesitzer und Grundeigentümer entrinnen können.

Über den Vortrag vom 5. Januar 1910 fällt die sozialdemokratische Wochenschrift Die Neue Zeit (1910) ein vielsagendes Urteil: "Und wenn Posadowsky noch nicht a. D. wäre, die Kreise, deren Interessen er als Minister vertreten hat, würden, ihn nach dieser Rede schonungslos wegjagen. Doch freilich als er noch im Amte war, hat er an den geheiligten Privilegien der Kapitalisten nicht gerüttelt."

Auf dem

Zweiten Deutschen Wohnungskongress
vom 11. bis 14. Juni 1911 in Leipzig

hält Doktor Graf von Posadowsky-Wehner als Ehrenpräsident, angekündigt als früherer Staatssekretär des Reichsamtes der Inneren und Stellvertreter des Reichskanzlers, die Eröffnungsrede. Es gilt als Fachmann auf dem Gebiet der Wohnungspolitik und findet in der deutschen Presse weithin Beachtung. Er fordert Wohnungsgesetze und Vorschriften, die sicherstellen, dass gewisse mit dem Bebauungsplan einbezogene Landstücke nur mit Kleinwohnungen bewirtschaftet und die darauf errichteten Häuser ebenfalls nur als Kleinwohnungen benutzt werden dürfen. Sozialpolitisch und wirtschaftlich ist es falsch, beklagt er, die minderbemittelten Klassen in weitentfernten Vororte zusammenzudrängen. Höchst wichtig hingegen bleibt, die Ausgabe von Land zum Erbbaurecht, dass die Möglichkeit gibt, mit geringen Kostenaufwand den Besitz von Grund und Boden für Wohnungszwecke auf die Lebensdauer mehrere Geschlechter hinaus zu erwerben.

Dazu sind, legt er am vom 28. Februar 1912 im Reichstag dar, zwei Maßregeln notwendig. A) Die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches zum Erbbaurecht müssen ergänzt werden. Es ist das geeignete Mittel für die Städte, die große Ländereien erwerben, im Wege des Erbbaurechts durch die Förderung des Kleinwohnungsbaus den minderbemittelten Volksklassen gesunde und preisewerte Wohnungen zu schaffen. B) Die Städte können die Aufgabe aber nicht allein lösen. Das Großkapital muss Mut und Luft haben, die Förderung des Wohnungsbaus im Wege des Erbbaurechts zu unterstützen. Die Lösung der Wohnungsfrage als soziales Problem ist nur mittels öffentlicher und (!) privat-unternehmerischer Investitionen möglich. Durch entsprechende Ergänzungen der Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches würde sich nach Aussage vom Graf, dass Großkapital überzeugen lassen. Zurzeit ist das aber nicht der Fall, weshalb rechtlich an der Liquidität der Anlagen oft Zweifel bestehen. Das alles ist logisch nicht mit dem politischen Konzept der Vergesellschaftung der Produktionsmittel vereinbar, wirft er der Sozialdemokratie vor, weil sie heute noch auf dem Standpunkt des "Erfurter Programms" steht, das das Privateigentum durch Kollektiveigentum ersetzen will. Allerdings bekam er durch sein vorbereitendes Literaturstudium zur Kenntnis, dass Teile der SPD davon abfallen. Dann wäre es an der Zeit festzustellen, rät er, dass es ein Irrtum, also nicht ausführbar ist. Nicht unerwartet drängte sich damit am 27. Februar 1912 in die Reichstagsdebatte die Frage des Privateigentums an Produktionsmitteln, der Unterschied zwischen konservativer und sozialistischer Denkweise.

Die wichtigste Aufgabe der Sozialpolitik in unserem schnell wachsenden Volk, erneuert er 1912 in der Reichstagsdebatte den Hauptsatz seiner praktischen Soziallehre, ist die Verbesserung der Wohnverhältnisse.

1920 legt er in "Die Berliner Wohnungsfrage" erneut Vorschläge vor und wiederholt:

"Von allen Fragen sind die Wohnungsfrage und die Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs diejenigen, die am tiefsten in das Volksleben eingreifen."

Typisch hier wieder, der Realismus mit dem er vorgeht. Offensichtlich reichen, muss er registrieren, alle bisherigen Bemühungen, besonders wegen des schnellen Bevölkerungswachstums, nicht aus. Sie zeigen keinen durchschlagenden Erfolg. Und der wird weiter ausbleiben, warnt Posadowsky, solange nicht für die Benutzung der Wohnungen allgemein gültige Mindestanforderungen aufgestellt und deren Durchführung überwacht werden. Speziell für den Bau von Kleinwohnungen und deren Nutzung sind dringend Gesetze notwendig. Um zu niedrigen Mietpreisen zu gelangen, favorisiert er erneut das Erbbaurecht. "Entschliesst man sich nicht zu durchgreifenden Massnahmen," warnt er, "so wird Laster und Verbrechen der Großstadt sich in einem Masse weiter entwickeln, das für das Volksleben nicht nur in den Großstädten, sondern des ganzen Landes bedrohlich wird."

 

 

Abgeordneter des Reichstags

 

"Bei der letzten Reichstagswahl vor dem I. Weltkrieg 1912 errangen in der Stadt Bielefeld die Kartell Parteien (Nationalliberale und Konservative) mit dem Zentrum unter Führung des Kandidaten Posadowsky 28,9 Prozent, die Fortschrittspartei / der Freisinn mit Schepp 18,5 Prozent der gültigen Stimmen, zusammen 47,40 Prozent. In der folgenden Stichwahl konnte Posadowsky allerdings nur 37,7 Prozent auf sich vereinigen." (Bielefeld)

 

Ende November 1911 bewirbt er sich in Bielefeld auf einer grossen Volksversammlung um ein Mandat als Abgeordneter bei den nächsten Reichstagswahlen. Davon sind folgende Gedanken überliefert:

  • Um ein "ungeheueres Kolonialgebiet zu erschliessen, will man zu dessen Finanzierung "Besitzsteuern" einführen. So wurde die Notwendigkeit kolonialer Erwerbungen durch Deutschland damit begründet, dass wir bei unserer schnell wachsenden Bevölkerung Gebiete für deren Auswanderung erwerben müssen. "Es ist aber falsch, zur Zeit von einer Übervölkerung Deutschlands zu sprechen."

  • Der Kern der Landesverteidigung bildet das Landheer. Darauf muss sich der Staat konzentrieren. "Ein etwaiger Krieg wird neue Ansprüche stellen. "Dazu ist im Offizierskorps ein frischer Geist und ein frischer Mannesmut erforderlich ...."

  • Mit der Landesverteidigung steht die Frage der Finanzierung. Die Reichsfinanzreform sieht eine Tilgung der Schulden vor. "In keinem Fall dürfen wir in die alte Schuldenwirtschaft zurückfallen." Wir sollten in der Ausgabenpolitik etwas Sparsamkeit walten lassen.

  • Wir sind stolz darauf, das Deutschland auf dem Gebiet der Sozialpolitik epochemachendes leitete.

  • Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschland ist erstarkt. "Dass sie jemals zu herrschenden Partei wird und so ihr programmatischen Ziele verwirklichen könnte," ist "völlig ausgeschlossen."

Jetzt gehört er zu den „Berliner Reichstagsköpfen“ (1915), die man öfter auf den Straßen der Stadt sieht. Der Mann mit der überaus schlanken Figur und aristokratischen Gelehrtengesicht wurde bei den letzten Wahlen am 12. Januar 1912 in Bielefeld als Kompromiss-Kandidat von Konservativen, Zentrum, Wirtschaftlicher Vereinigung des Bundes der Landwirte und Nationalliberalen gewählt und schlug damit den Sozialdemokraten Carl Severing (1875-1952) aus dem Feld. Er ist Hospitant bei der Reichspartei, die einst unter der Führung des Großindustriellen Freiherrn v. Stumm stand.

 

 

Splitter

 

 

Posa und das deutsche Volk.
Simplicissimus. 18. Jahrgang, No. 40. München, den 29. Dezember 1913, Seite 687

 

Im August 1915 vertritt er die Ansicht, dass jetzt noch gar nicht zu übersehen ist, welche wirtschaftlichen Verschiebungen der Krieg mit sich bringt. Offenbar bereitet ihm die Abschaffung der Golddeckung der Mark und die Finanzierung des Krieges auf Kredit, zu diesem Zeitpunkt keine Sorgen.

 

Der Landrat Graf Posadowsky, bisher Kreischef in Lowicz, wurde in die Zentralverwaltung nach Warschau berufen, meldet am 25. Juli 1916 das "Fremden-Blatt" aus Wien.

 

Vom 8. April 1917 findet sich folgende Nachricht: Kaiser Wilhelm sprach Posadowsky-Wehner, der im August 1915 das Landratsamt in Elbing übernommen hatte, um den Stelleninhaber, seinen Sohn, den Eintritt in den Heeresdienst zu ermöglichen, nun aber gebeten hatte ihn mit dem 1. April davon zu entbinden, seinen Dank für vorbildliche Pflichterfüllung aus. 

 

Kundgebung der deutschen Wirtschaftsstände
für die 7. Kriegsanleihe
am 28. September 1917

 

 

Kundgebung der deutschen Mittelstände für die 7. Kriegsanleihe. "Vorwärts. Berliner Volksblatt, Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den Freitag den 28. September 1917, Seite 6

 

 

Friedensresolution 1917

Im Kampf um die Mandate der Deutschen Nationalversammlung eröffnet er am 15. Januar 1919 den Naumburgern in der Reichskrone:

"Ich habe seinerzeit gegen die Friedensresolution vom Juli 1917 im Reichstag gestimmt ….".

Damit war klar, er gehört zur nationalen Opposition. Dem können wir vertrauen, sagte der konservative Wähler. Er wollte den Siegfrieden.

Die militärische Lage war damals kritisch. Deutschland eröffnet Ende Januar 1917 den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Reichskanzler Theobald Bethmann Hollweg stand ihm skeptisch gegenüber, weil er nicht den erhofften Erfolg zeitigte, eine Fehlentscheidung war. Die USA treten am 6. April 1917 in den Krieg gegen Deutschland ein. Der von US-Präsident Woodrow Wilson verkündete "Kreuzzug für die Demokratie" destabilisiert das europäische Staatensystem weiter. Um das Interesse Deutschlands an einem "Frieden ohne Annexionen" zu signalisieren, bringt Matthias Erzberger (Zentrum), getragen von Sozialdemokraten, Zentrum und Fortschrittlern, am 17. Juli 1917 in den Deutschen Reichstag

die Friedensresolution

ein. Dies geschah nach Absprache mit der Regierung und der OHL (Oberste Heeresleitung). Einen ersten Entwurf akzeptierte Bethmann Hollweg bereits am 10. Juli. Er fand sogar, verbunden mit der Zusage, dass in Preußen geltende Dreiklassenwahlrechts durch das gleiche Wahlrecht zu ersetzen, die Zustimmung des Kaisers. Zwei Tage später erfährt davon die Öffentlichkeit. (Fritz Fischer 339) Die Reaktion darauf war heftig. Von alldeutscher Seite wurde die Gegenwehr mit extremer Polemik gegen Bethmann Hollweg geführt, zum Beispiel, dass er unter "jüdischen Einfluß" stände. Der alldeutsche Chemieprofessor Hans von Liebig in Gießen bezeichnet ihn als "Kanzler des Judentums" (Bernd 75).

Konservative, antidemokratische und rechtsradikale Kreise antworten auf die Friedensresolution Anfang September 1917 mit der Gründung der Vaterlandspartei (DVLP). Die nationale Opposition erblickt in der Friedensresolution ein Zeichen des Verrats, weil sie nicht dem Willen der Mehrheit des Volkes zum Ausdruck bringt. Wer möchte denn keinen Frieden, fragt sie?, und untermauert ihr Vorgehen mit: "Nervenschwache Friedenskundgebungen verzögern aber nur den Frieden. Unsere auf die Vernichtung Deutschlands bedachten Feinde erblicken in ihnen nur den Zusammenbruch deutscher Kraft." (Vorwärts 10.09.1917)

"Wer eine solche Friedensresolution fasst," lässt Graf von Posadowsky-Wehner verlauten, "weckt den Verdacht, dass er die Hoffnung auf den Sieg aufgegeben hat, und erschüttert damit auch die Siegeszuversicht des Heeres." Das sagt er nicht einfach dahin. Bereits 1915 auferlegt er dem Einzelnen in Was regiert die Stunde, die moralische Pflicht zu prüfen, was er für die Heimat in dieser Stunde tun kann.

Sein Naumburger DNVP-Parteikollege Georg Schiele schliesst sich der Friedensresolution ebenfalls nicht an. Dessen politische Schlussfolgerungen zum Kriegsverlauf und zur volkswirtschaftlichen Entwicklung fallen bei ihm noch deutlich anders aus. Das Größere Deutschland braucht nach Überzeugung von Georg Schiele nicht Maß, Zurückhaltung, Vorsicht und Achtung gegenüber anderen Nationen. Denn dem deutschen Welthandelsreich fehlte es vor 1918 an "Bausicherheit".

Es war "zu wenig auf Macht,
auf Eigentum, auf Respekt gegründet",

heisst in Waffensieg und Wirtschaftskrieg (1918).

 

 

Jede Zeit ist eine Sphinx,
die sich in den Abgrund stürzt,'
sobald man ihre Rätsel gelöst hat.
Heinrich Heine: Romantischen Schule (1836)

Weil die wilhelminische Elite radikalopportunistisch und indolent gegenüber den sozialen Problemen agierte, weil sie zu wenig am Aufbau einer friedlichen Welt interessiert, zweifelte die Freideutsche Jugendbewegung schon vor dem Krieg an ihrer Fähigkeit zur sozialen Empathie und an ihrem Reformgeist. Und trotzdem traf sie nach dem Krieg und der historischen Staatspleite ein vorher nicht vorstellbarer oder erwarteter Reputationsverlust. Das moralische Ansehen der Alten war gründlich ramponiert, weshalb Stefan Zweig (1881-1942) 1918 fordert:

"Die neue Republik darf nicht von
den alten Akrobaten der Gesinnung geführt sein."

Trifft dies vielleicht auf Posadowsky-Wehner zu? Nein und nochmals nein. Und das, obwohl doch Worte, wie vom 14. Februar 1919 vor der Nationalversammlung, im Raum stehen:

"Wir haben nichts zurückzunehmen von dem, was wir bisher vertreten haben. Wir sind treue und überzeugte Diener unserer Herrschaftshäuser gewesen, mit denen das deutsche Volk durch jahrhundertelange Arbeit durch Freud und Leid unauflöslich verbunden schien."

Posadowsky lehnt die Revolution 18/19 nicht ab, was ihn von vielen anderen Persönlichkeiten aus seinem politischen Lager unterscheidet. "Es wäre eine Übertreibung zu behaupten," beurteilt er 1932 in Volk und Regierung im neuen Reich (96) rückblickend die Revolutionsereignisse, "dass all das politische, wirtschaftliche und sittliche Elend, unter dem unser Volk leidet, eine Folge der Revolution sei." Aber sie trägt "unzweifelhafte Schuld, dass sie Staat und Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttert, den Beamtenkörper und sein dienstliches Pflichtgefühl vielfach gelockert und so den Wiederaufbau des Staates unendlich erschwert hat."

 

 

Abrechnung mit der wilhelminischen Politik
in der Reichskrone von Naumburg

Der dreiundsiebzigjährige war Referendar am Breslauer Stadtgericht, Gutsverwalter, Landrat, Landeshauptmann der Provinz Posen, Chef des Schatzamtes, Staatssekretär des Inneren, Stellvertreter des Reichskanzlers, Landtags- und Reichstagsabgeordneter.

Und jetzt?

Er denkt an sein Land. Ende 1918, droht es zu zerbrechen. Damit würde es auf lange Zeit die entscheidende Voraussetzung für Wohlfahrt und Entfaltung der Kultur einbüßen. Ihm scheint, die Sozialdemokraten können es retten, den Zusammenhalt der deutschen Einzelstaaten in der Republik gewährleisten.

Seine 1920 erschienene Aufsatzsammlung "Weltwende" gewährt Einblick in sein politisches Denken in Einheit von Kontinuität und Umbruch. Eingeschlossen darin sind neue politische Arbeitsfelder, die ihn stark beanspruchen. Um den Anschluss hieran nicht zu verlieren, empfiehlt sich zum weiteren Studium die Reichskronen-Rede vom 15. Januar 1919 und die Rede als DNVP-Fraktionssprecher vom 11. Februar 1919 vor der Weimarer Nationalversammlung.

 

Reichskrone um 1910. Zeichnung.

Am 15. Januar 1919 lädt Dr. med. Jebsen, Vorsitzender der Ortsgruppe der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) Naumburg, zur Volksversammlung in die Reichskrone am Bismarckplatz ein. Vor einer außerordentlichen Zahl von Frauen und Männern aller Parteien referiert der DNVP-Kandidat für die Nationalversammlung Arthur Graf von Posadowsky-Wehner

Über die heutige Lage
und die Aufgaben der Zukunft.

Schon eine Stunde vor Beginn ist der grosse Saal des Hauses überfüllt. Bei Eintritt empfängt ihn lebhafter Beifall. Die Stimmung ist gut, wenn man die gesellschaftlichen Umstände bedenkt, erstaunlich gut. Im Raum steht vor allem die Frage, warum und wann verlor Deutschland seine Zukunft? Wie kam es zum Verlust moralischer Lebensformen? Und wie geht es weiter? Dem wendet er sich zu, redet nicht über seine Zuhörer hinweg - das ist Posadowsky.

Schon beginnt seine Rede.

  • "Wir sind militärisch niedergebrochen .... damit brachen wir aber auch politisch zusammen." Unser Volk hat jetzt fast die ganze Welt zum Feinde.

  • Deutschland baute bekanntlich mit viel Kraft und Geld eine Flotte auf.

  • "Nach dem Ausscheiden des Fürsten Bismarck, fuhren wir mit vollen Segeln in die Weltpolitik. Wir suchten uns eine starke Flotte zu schaffen und einen grossen Kolonialbesitz zu erwerben." Es stiegen die Heeresausgaben. Sich schnell wiederholende Flottenvorlagen wurden damit begründet, "unseren Handel zu schützen. Im Frieden hat unser Handel, ....., des Schutzes einer Schlachtflotte nicht bedurft." Doch im Krieg war sie England zahlenmässig nicht gewachsen. Die Flotte konnte "keine ihrer Aufgaben lösen". Sie konnte weder unseren Handel schützen noch zur Verteidigung der Kolonien beitragen. Damit nicht genug. Nicht mal die Überführung der Truppen der feindlichen Länder auf die belgischen und französischen Schlachtfelder verhinderte sie. So war die Flottenrüstung völlig umsonst.

  • "Man kann sehr zweifelhaft sein, ob es richtig war, durch den unbeschränkten U-Boot-Krieg uns die gewaltige wirtschaftliche und finanzielle Macht Amerikas zu offenem Feinde zu machen; die U-Boot-Waffe hatte aber grossen Erfolg, wenn auch nicht den erhofften und in bestimmter Aussicht gestellten Erfolg ...." Besser wäre gewesen, den Bau von U-Booten nicht so zögerlich und spät zu betreiben. Dann hätte "das Resultat des Weltkrieges ein wesentlich anderes" sein können.

  • Deutschland leitete eine verfehlte Kolonialpolitik. Der Wunsch nach Kolonien scheint wirtschaftlich verständlich. "Die Begründung aber, dass wir Kolonien haben müssten, um dorthin unseren Menschenüberfluss abzuführen und dem Vaterlande zu erhalten, war für ein Land wie Deutschland, welches jährlich 1 ¼ Million fremder Arbeiter einführte, um seine Bergwerke auszubauen, seine Fabriken zu betreiben und den deutschen Acker zu bestellen, tatsächlich unrichtig."

  • "Wollten wir erfolgreich Weltpolitik treiben, so durften wir uns bei der Annexion Bosniens und der Herzogowina nicht als Sturmbock Oesterreichs gegen Russland ausnutzen lassen."

  • "Heute kann kein Zweifel mehr darüber sein, dass diese verfehlte Weltpolitik die Möglichkeit geschaffen hat, einen Ring von Feinden um uns zu schmieden, der schliesslich droht, zur Sklavenfessel für uns zu werden."

  • Das System des multilateralen Bündnisgeflechts war eine ganz wichtige Ursache für die unheilvolle Entwicklung zum Weltkrieg.

  • Deutschland darf seine nationalen Kräfte nicht überschätzen, deshalb muss es der Rüstungs-, Kolonial- und Außenpolitik Fesseln anlegen.

Dem Bürger zugewandt, nominiert Arthur Graf von Posadowsky-Wehner am 15. Januar 1919 in der Reichskrone von Naumburg, die "entscheidende Frage der Gegenwart":

"Volksstaat unter Mitwirkung sämtlicher Klassen unseres Volkes oder sozialistischer Staat unter alleiniger Führung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei".

Am 19. Januar 1919 finden die ersten Wahlen zur Deutschen Nationalversammlung statt. Für die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) stimmen deutschlandweit 10,3 Prozent und in Naumburg 21,8 Prozent der Wähler.

Posadowsky ist schon im Juni 1920 abgesägt worden, lässt am 19. Dezember 1921 der Vorwärts aus Berlin mal kurz fallen. In alter konservativer Un-Manier sahen die Strippenzieher nur, was man verlieren konnte, nicht aber was es zu gewinnen gab.

 

 

Oppositionsführer in der Nationalversammlung

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner unterliegt bei der Wahl zum Reichspräsidenten dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert. Drei Tage darauf hält er als DNVP-Fraktionssprecher in der Nationalversammlung die wichtigste Rede seines Lebens. Was kann, was muss der Bürger angesichts der tiefen politischen Krise des Konservatismus und desolaten Lage der bürgerlichen Parteien von ihm erwarten? Verheddert sich der Dreiundsiebzigjährige in programmatische Debatten? Oder ufert alles in Anwürfen oder personellen Streitereien aus? Nicht ohne Grund forderte Theodor Heuss am 17. Januar 1917 in Stuttgart vor der Deutschen Demokratischen Partei, dass die Parteien jetzt ihre Regierungsfähigkeit unter Beweis stellen müssen, um das Land aus der Krise zu führen. Darauf ist die DNVP aber nicht vorbereitet. Was kann der Graf in dieser wahrlich historischen Situation leisten?

Seine Rede vor der Weimarer Nationalversammlung
beginnt

am 14. Februar 1919

so: "Wir haben in den letzten vier Jahren Gewaltiges und Furchtbares erlebt, und wie steht es jetzt? Die staatliche und bürgerliche Ordnung ist auf das schwerste gestört und fortgesetzt gefährdet." Die Staatsfinanzen sind schwer in Unordnung. Das Verkehrswesen liegt danieder. Unsere Ernährung ist bedroht. Das Wirtschaftsleben ist gelähmt. Die Waffenstillstandsbedingungen lassen alle Gerechtigkeit vermissen. Das ist die Lage. Was ist jetzt zu tun?

Die Demokratie muss sich als Staatsform in Deutschland erst bewähren. Im alten System erblickt er weder einen Obrigkeitsstaat noch staatliche Gewaltherrschaft. Daraufhin hört man aus dem Saal Rufe, wie Kastenregierung, Obrigkeitsstaat, Junkerherrschaft. Flugs nutzt er die Gelegenheit und schreibt den Genossen auf der Regierungsbank in ihr Poesiealbum den Merksatz den Merksatz: In Deutschland war es möglich aus den niedrigsten Schichten bis in die höchsten Funktionen des Staates aufzusteigen. Ja bitte, spricht er ihnen freundlich zu, es gibt keinen Staat, der auf eine Obrigkeit als Führungsschicht verzichten kann. Sie ist seiner Überzeugung nach die "Grundlage jeder kultivierten Staatsverfassung".

Im angeblichen "Zustand der Freiheit", klagt er der Nationalversammlung, müssen wir "gewaltsame Eingriffe in die Rechtsordnung erleben. Fortgesetzt werden Gesetze verletzt, die Presse wird durch Gewalt unterdrückt, Versammlungen werden gesprengt, die freie Meinungsäußerung wird unterdrückt." Marie Juchacz lässt ihm das nicht durchgehen. In ihrem Debattenbeitrag richtet sie an Posadowsky die Frage, wo denn die Pressefreiheit während des Krieges war. Die SPD-Abgeordnete vertritt das Kabinett Scheidemann, dass aus dem Zentrum, der Deutschen Demokratischen Partei, einem Parteilosen und der SPD besteht (7 SPD, 3 Zentrum, 3 DDP, 1 parteiloser).

Eine andere Sequenz des Streits Juchacz-Posadowsky, die Frage, warum Deutschland die Bedingungen des Waffenstillstandes annehmen musste, scheint noch interessant. Die Deutschen mussten dies laut Juchacz tun, "Weil dieser Krieg durch ihre Politik bis zum moralischen Zusammenbruch unseres Volkes geführt hat." Wahr ist daran, dass Posadowsky für den Siegfrieden eintrat. Würde er verwirklicht, hätte dies Einfluss auf die Kriegsführung und Kriegszielpolitik, kostete es tausende Menschenopfer. Doch an der Politik bis zum moralischen Zusammenbruch, und hier hält sich die Abgeordnete Marie Jucharez bedeckt, war die SPD beteiligt. Erinnert sei nur an den Fall Paul Lensch.

Dann nimmt er die Biegung zur Kriegsschuldfrage. "Russland hat Krieg gewollt, das steht unzweifelhaft fest". Es war der Panslavismus, "der immer mehr zum Kriege mit Deutschland drängte und dazu "kam die Furcht der russischen Zarenregierung vor dem Nihilismus .... "

Ihn erfasst tiefe Empörung, wenn er daran denkt, wie die Alliierten Deutschland in die Rolle des Kulturschänders drängen. Es sind weniger die Schattenseiten der Revolution als Versailles. "Dieser Vertragsentwurf ist ein Gemisch von französischer Rachsucht und englischer Brutalität", sagt Posadwosky-Wehner im Mai 1919 in der Nationalversammlung. "Man will eine ungeheure Brandschatzung am deutschen Goldbestand durchführen." Dazu will man uns die gesamte Handels- und Fischereiflotte nehmen, was die Ernährungsnöte verewigen würde. So kann man das deutsche Volk nicht behandeln. Dieser Vertrag kann nicht erfüllt werden. (Zitiert nach Grazer Abendblatt vom 13.5.1919.). Wut steigt auf, wenn er nur daran denkt: "Auch auf Grund der Wilsonschen 14 Punkte, die wir vertrauensvoll angenommen haben, glauben unsere Feinde, an allen Grenzen Fetzen aus der Körper des Deutschen Reiches herausreißen zu können."

Im außenpolitischen Teil seiner Rede darf man den über die Aufgabe der Opposition weit hinausreichenden Versuch sehen, dass allgemeine deutsche Staatsbewußtseins zu stabilisieren.

Der "bevorstehende Friede droht uns mit fürchterlichen Prüfungen", dünkte ihm bereits 12. Dezember 1918. In Sorge versetzt ihn die Vorstellung von einer kommunistischen Steuergesetzgebung. Das "müsste schließlich den Niederbruch des Kulturlebens für alle Schichten der Gesellschaft herbeiführen". Die finanziellen Heilmittel liegen seiner Auffassung nach in der Vereinfachung der Staatsregierung, "in der Streichung aller Ausgaben, die nicht auf erworbenen Rechten beruhen" (Weltwende 52). Man darf das Kapital nicht "wegsteuern". Ja, natürlich nicht. Aber es darf auch nicht flüchten und sich der nationalen Verantwortung entziehen.

Der Angriff auf die Steuerprivilegien drohte noch aus anderer Richtung. "Besonders auf dem Gebiet der Steuergesetzgebung werden wir Gelegenheit bekommen," kündigt frohen Sinnes SPD-Finanzexperte Wilhelm Keil (1870-1968) an, "sozialistische Gedanken zu vertreten. Hier stehen wir vor geradezu gigantischen Aufgaben." Veränderungen waren unumgänglich, denn die Kriegssteuerpolitik war unbestreitbar "eine verfehlte, nicht nur, weil sie den Grundsätzen der Gerechtigkeit nicht entsprach, sondern weil mit der Schonung, die sie dem Besitz gewährte, eine kriegsverlängernde Wirkung verbunden war." Der SPD Reichstagsabgeordnete sprach noch am selben Tag wie Posadowsky und kam dann schnell zur Sache:

"Die wirtschaftliche Lage unseres Volkes erfordert, dass mit der Steuergesetzgebung die Spitzen oben beschnitten werden, so etwa wie man bei den Bäumen die Spitzen beschneidet, damit der Unterbau nicht verkürzt."

 

Zur Überwindung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen

"1901 hatten auch in Naumburg eine Anzahl Arbeiter ihre Aufnahme in die Wählerliste beantragt. Und da gab es wieder den Beweis, daß die Besitzenden stets bemüht waren, Arbeiter um ihre Rechte zu bringen. Einer Anzahl ärmerer Eltern waren Schulbücher für ihre Kinder von der Armenverwaltung genehmigt worden. Das wurde als Armenunterstützung angesehen, die betreffenden Väter erhielten somit nicht das Wahlrecht." (Leopoldt 238)

Das Dreiklassenwahlrecht galt von 1849 bis 1918 für die Wahl des Abgeordnetenhauses und der Stadtverordneten in Preußen. Vor der Wahl werden die Urwähler entsprechend der von ihnen gezahlten direkten Steuern in drei Wahlklassen eingeteilt, die jeweils zu gleichen Teilen Steuern aufbringen. Dann wählt jede dieser Wahlklassen die gleiche Anzahl von Wahlmännern. Diese bestimmen in einem weiteren Wahlgang die Abgeordneten. Folglich entscheidet eine reiche, oder doch zumindest wohlhabende Minderheit, vertreten in der ersten bzw. zweiten Wahlklasse, mit zwei Drittel der Wahlmänner über die zu wählenden Abgeordneten. Damit gewährt das Dreiklassenwahlrecht ein allgemeines, aber kein gleiches Wahlrecht. Es ist schlicht gesagt undemokratisch! Hiergegen formiert sich Anfang des 20. Jahrhunderts eine Wahlrechtsbewegung. Beispielsweise streiken in Hamburg am 17. Januar 1906 die Arbeiter für ein demokratisches Bürgerschaftswahlrecht.

 

Weiter fließt die Rede in der Weimarer Nationalversammlung zum Demokratie-Thema:

"Wir hatten also in Deutschland das freieste Wahlrecht, das man in Europa kennt ....".

Schon immer hielten die Konservativen konkrete Gründe und Prinzipien für die Ablehnung des gleichen und allgemeinen Wahlrechts vor. Eine zentrale Stellung nahm dabei stets folgendes Argument ein. Posadowsky erklärt es noch einmal am 8. April 1918 (83) im Aufsatz Wahlfragen:

"Dem nach Besitz abgestuften Klassenwahlrecht lag über dem die wirtschaftliche Auffassung zugrunde, dass ein Gleichgewicht bestehen müsse zwischen den Leistungen an den Staat und den politischen Rechten im Staat."

Um zu verhindern, dass das konservative Selbstbewusstsein weiter erodiert, lehnt Posadowsky jede "Herabsetzung des alten Staates" ab. Die konstitutionelle Monarchie gewährleistet als beste Staatsform "den sicheren Gang der Staatsmaschine" (PWc 2893). Wo hingegen es fraglich ist, stellt er 1926 seine Erfahrungen im Aufsatz im Lichte der Wirklichkeit zur Diskussion, ob der Parlamentarismus fähig ist, "eine Regierung zu bilden, die sich auf eine sichere Mehrheit stützen kann."

Aktuell bemühen die Konservativen vorzugsweise antiwestliche Argumente. Wenn Deutschland zum westlichen Demokratismus konzediere, befürchten sie, könnte der geistige Krieg gegen die westlichen Literaten, denen das Wörterbuch der französischen Revolution eigen, wie Thomas Mann sagt, verloren gehen. Zudem zweifelten sie, ob diese Form des Votums denn wirklich das "Bild des Volkswillens" abbildet. Thomas Mann behauptet in den Betrachtungen eines Unpolitischen (394): "Eine mechanisch demokratische Abstimmung im dritten Kriegsjahr würde mit kläglicher Wahrscheinlichkeit eine erdrückende Majorität zugunsten eines sofortigen und bedingungslosen, das heisst ruinösen Frieden ergeben." Mitnichten verkörpert dies den Willen des Volkes. Auf diese Weise führt sich das Prinzip der Volksabstimmung (280 ff.) selbst ad absurdum. Vielleicht ist es falsch, aber es kommt das Gefühl auf, ihnen steht als demokratische Idee allein die Bismarcksche "Fürstenversammlung" von 1870 vor Augen, ein Form verstaatlichter Demokratie, wo es am Ende nur auf Eines ankam: "Der Wille eines historisch aufstrebenden Volkes soll übereinkommen mit seinem Schicksal." Und das bestimmen die Fürsten.

Eine solches Paradigma von der Demokratie ist dem Konservativen Posadowsky fremd. Vielmehr soll die Macht im Volksstaat auf der Grundlage des Rechts politisch vergesellschaftet werden. Im Ganzen, unterstützt durch sein bescheidenes, stilvolles und bestimmtes Auftreten, wirkt er viel demokratischer als jene, die ständig Demokratie als Modephrase im Munde führten. Ihn treiben klare Vorstellungen zur Rolle der Eliten voran. Auf die Bürger warten ultimative staatspolitische Pflichten, wie die Teilnahme an Wahlen. Kompromisslos steht er jeder Verfassungsdurchbrechung des Gesetzgebers gegenüber. Als Fundament der Republik kommt für ihn nur der Verfassungsstaat in Frage, wovon er zu keinem Zeitpunkt abrückt. 1924 beginnt der politische Kampf für eine gerechte und verantwortungsvolle Geldpolitik.

Leider brachte der November 1918, bedauert der Oppositionsführer, einen "Schlag gegen die Religion selbst". Doch man darf die Kirche nicht behandeln wie einen Privatverein, denn sie ist eine "tausendjährige öffentliche Korporation" (PWd). Die überzogene nationalistische Erziehung und ihre Folgen kommen nicht zu Sprache. Und das scheint symptomatisch, denn in Fragen der Bildungspolitik und Erziehung verharrt Posadowsky lange in konservativ-traditionellen Anschauungsweisen.

 

 

Das begreift Graf Posadowsky nicht

Vor 1918 herrschte nach Posadowsky-Wehner nicht der Militarismus, doch jetzt ist er in Gestalt der Arbeiter- und Soldatenräte "in der weitesten Form zur Macht gelangt". Hauptsache, so seine Losung, "keine kommunistischen Experimente" (PWb 752). Die Arbeiter- und Soldatenräte, die "fortgesetzt in die lokale Verwaltung" eingreifen und zur "Desorganisation" beitragen (PWb), betrachtet er als unerwünscht.

Das Betriebsrätegesetz ist vernünftig, doch dürfen die Arbeitnehmer nicht "in die Art des Betriebes selbst hineinsprechen können, dass ihnen die Bilanzen vorgelegt werden müssen" (PWc 2898).

Die Vergesellschaftung der Betriebe ist für den DNVP-Frontmann eine Frage, ob dadurch "die Produkte billiger und besser gestaltet" werden können. Es dürfe keine "unsinnigen Lohnsteigerungen" geben, weil das zur Inflation führt. Drohungen gegen das "arbeitslose Einkommen" sind volkswirtschaftlich gefährlich und zersetzend, denn die Betriebe benötigen dringend Kredite und Investitionen. Deshalb darf man das Kapital nicht wegsteuern.

Um 1900 flammte in Deutschland mit dem Bau und der Etablierung städtischer Warenhäuser eine öffentliche Debatte über moderner Kapitalassoziationen auf. Mehr als einmal beklagte sich der kleine Mittelstand über ihre rüde Art, die viele Existenzen zerstörte. Als Staatssekretär des Inneren wollte ihnen aber Posadowsky-Wehner nicht den Weg verlegen oder gar zu alten Formen zurückkehren, räumte aber am 13. Dezember 1905 in der Reichstagsdebatte über die Zwangsversicherung des Handwerks zwanglos ein, dass sie ihre düsteren Seiten haben und eine große Gefahr für den Mittelstand darstellen. Die Sozialdemokraten hatten an der Konservierung veralteter Wirtschaftsformen kein Interesse und unterstützten ihn. Sie wollen alle Kräfte freimachen, "die heute noch gebunden sind" und stehen deshalb den Assoziationen nicht feindlich gegenüber. Trotzdem wollen sie den Kapitalismus beseitigen, weil die Privatbetriebe "nur Rücksicht auf den Vorteil der Kapitalbesitzer" und "nicht die Rücksicht auf das Interesse der Gesamtheit" nehmen. "Das begreift Graf Posadowsky nicht. Seine Einsicht ist äußerst kurzsichtig." "…. die positiv schöpferische Kritik des Sozialismus ist ihm nach wie vor völlig verschlossen", urteilt am 16. Dezember 1904 der Vorwärts aus Berlin.

Unter Führung von Posadowsky-Wehner erklärt die Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei in der Nationalversammlung die Bereitschaft am nationalen Wiederaufbau Deutschlands mitzuwirken und die wirtschaftliche Katastrophe abzuwenden. "Wir werden daher", formuliert der Oppositionsführer, "an der Wiederaufrichtung des Vaterlandes sachlich und gewissenhaft mitarbeiten. Den gewaltsamen Umsturz haben wir jederzeit verurteilt und halten auch jetzt …. an dieser Auffassung fest."


Im Sog des ewigen Deutschtums

Ägidienkurie, Naumburg 2007

Seit 1914 wanderten verstärkt Ostjuden nach Deutschland ein. Judenpogrome, der Gegensatz von Juden und Polen und ihre sich deutlich verschlechternde Wirtschaftslage verstärkten im Lauf der Zeit die Abwanderung aus Polen. In der zweiten Hälfte 1919 kamen nach Angaben des Arbeitsamtes 6 000 Ostjuden nah Deutschland. Arthur Graf von Posadowsky-Wehner verlangt am 29. September 1919 in der Sitzung des Programm-Ausschusses der Deutschnationalen Volkspartei, dass die "Türen und Tore des Ostens" gegen die "verderblichen Einwanderer" endlich geschlossen werden müssen, weil sie das "Deutschtum" verseuchen und die Lebensmittelknappheit verschärfen. Als Parteipolitiker folgt er hier einem politischen Paradigma, dass die Ostjuden potentiell als Revolutionäre darstellt, die undeutsches Gedankengut nach Deutschland bringen, um in Deutschland blutigen Terror wie in Russland herzustellen. Den ganzen Hintergrund für den alldeutsch-antisemitischen Feldzug gegen die Ostjuden, entblättert am 1. Juli 1920 die "Freiheit", das Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands, ist ein Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit auf dem Gebiet des Wohnungswesens und der Arbeiterwanderung mit irgendwelchen positiven Vorschlägen aufzuwarten. Schriftsteller Herbert von Eulenburg (1876-1949) erhebt Anfang 1920 in der "Vossischen Zeitung" Einspruch gegen die Gedankenlosig- und Böswilligkeit mit der die Juden Osteuropas in Deutschland behandelt werden. Hans Dieter Bernd weist 2004 (108, 188) ausdrücklich darauf hin: Die voreingenommene ideologische Klassifizierung von Menschen und Herabsetzung ihrer Gruppe durch den Propagandaapparat der DNVP verabsolutiert Urteile, die nicht "biologisch", sondern "ideologisch" determiniert sind.

 

Kapp-Putsch

DNVP-Mitglied Wolfgang Kapp (1858-1922) putscht im März 1920 gegen die Reichsregierung. Andere Deutschnationale taten heimlich mit oder bezogen taktische Positionen (vgl. Bernd 2004, 364). Nicht Posadowsky, denn was geschah, war mit seiner Überzeugung vom demokratischen Verfassungsstaat unvereinbar. Er zieht die Konsequenzen, verlässt die Putsch-Partei und sucht die Zusammenarbeit mit dem Zentrum. Staatssekretär a.D. Graf Posadowsky-Wehner, informiert am 16. April 1920 die Presse, hat den Merseburger Verband der Deutschnationalen Partei (DNVP) gebeten, von seiner Wiederaufstellung als Kandidat zur Nationalversammlung Abstand zu nehmen. Im politisch konservativen Naumburg von Georg Schiele, im Kraftfeld des mächtigen Stahlhelms, von Kolonialverein und reaktionären Kriegervereinen, konnte er jetzt mit einer Einladung zum Treffen der streng nationalen Familie nicht mehr rechnen.

 

Verantwortung der Eliten

Für die Kapitaleigentümer und Eliten entwirft Posadowsky-Wehenr gesellschaftlichen Funktionsplan, der sich nicht auf die allgemeine, nichtssagende Formel Eigentum verpflichtet beschränkt. Er sprach gern vom Materialismus der besitzenden Klasse und sah darin ein Hindernis für die gedeihliche Entwicklung der Gesellschaft.Die [Produktionsmittel-] Besitzenden, die Oberschicht, die Reichen und die Eliten weist er konkret in ihre Verantwortung zur Förderung eines gedeihlichen Staatswesens ein. Besitz war seiner Überzeugung nach immer eine Annehmlichkeit, selten ein Verdienst und niemals eine Tugend. Das nahmen viele nicht hin, zum Beispiel das Mitglied der Konservativen Fraktion Gutbesitzer Graf Hans Wilhelm Alexander von Kanitz-Pondangen (1841-1913). Der braucht am 6. Februar 1906 in der Sitzung des Reichstages nur einen kurzen Anlauf, um der Eigentumsfrage auszuweichen, indem er entgegnet, die Landwirtschaft sei gar nicht in der Lage sich dem Materialismus hinzugeben.

Die entschädigungslose Enteignung der deutschen Fürsten im Jahr 1926 lehnte Posadowsky so grundsätzlich ab, wie ihr Schmarotzen.

 

 

Kritisch gegenüber Subventionen

Subventionen sind in der Weimarer Republik ein heißes Thema. Was soll, was darf der Staat tun? Den Fürsten die Millionen hinterherwerfen oder sie für den Siedlungsbau der Arbeiter einsetzen?

Der Staat gewährt der Industrie Kredite, zum Beispiel 1921 den Junkers Werken 21 Millionen Goldmark für den Flugzeugbau in Russland. Als das Geld nicht reicht, kommt es zum Krach. Das Reich hilft 1925 noch einmal. Aber das Werk kommt erneut in Schwierigkeiten ….

Posadowsky-Wehner steht der sogenannten Förderungspolitik von Unternehmen skeptisch gegenüber. "Ein Staat, der auf Kosten der Steuerzahler fortgesetzt ungeheure Subventionen und Bürgschaften für privatwirtschaftliche Unternehmungen gewährt, verlässt den wirtschaftlichen Grundsatz, dass jeder das Risiko seines Unternehmens tragen muss, wenn nicht der Staat Gefahr laufen soll, in den Strudel des wirtschaftlichen Lebens in einem Maße zu geraten, dass die Grundlage jedes geordneten Staates, geordnete Finanzen, aufs schwerste erschüttert wird." (V&R 213)

Mit dieser Anschauungsweise und Haltung eines rechnenden Finanzpolitikers macht er sich öfter unbeliebt. Im Reichshaushalt haben wir 771 Millionen Mark Defizit, rekapituliert er am 19. Dezember 1930 vor dem Preußischen Landtag; "Es ist traurig, dass der Parlamentarismus im Reichstage so versagt hat, dass eine Notverordnung ergehen musste, um die Ordnung der Finanzen des Reiches zu sichern." In dieser Situation sollte man sparen, keine Steuersenkungen vornehmen oder gar das ganze Steuersystem umbauen.

Am 23. Januar 1932 wendet er sich im Preußischen Landtag in der Debatte über die Spar- und Reichsnotverordnungen gegen Subventionen. "Die Städte", argumentiert er, "können nicht einerseits, weil sie notleidend sind, Staatshilfe in Anspruch nehmen und andererseits Subventionen an Theater zahlen ..... ein großer Teil theatralischen Aufführungen dient nicht der seelischen und geistigen Bildung, sondern oberflächlichem Zeitvertreib."

 

Rechtsbewusstsein wider die Durchbrechungstheorie

Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit sind Leitideen und zentrale Kategorien im staatspolitischen Denken von Posadowsky-Wehner. Sie sind unerläßlich für die Schaffung eines gerechten Staates, dem der Bürger vertrauen kann. Ohne Rechtsstaat ist für ihn die Durchsetzung dem Allgemeinwohl verpflichtende Ordnungsprinzipien undenkbar.

In Praxis leistet die Rechtsstaatlichkeit nach seiner Überzeugung den entscheidenden Beitrag zur Stabilisierung der Weimarer Republik. Dies fortführend, stellt er am 19. Dezember 1930 in der Rede vor dem Preußischen Landtag zwei Momente in den Vordergrund: Erstens. Die Popularität der "neuen Staatsform" wächst und gedeiht, wie der "Staat ein Staat des unbedingten Rechtes gegen alle Parteien des Reichstages und alle Berufsschichten in gleicher Weise ist". Zweitens. Auch im Privatrecht muss das Recht mit pünktlicher Genauigkeit durchgesetzt und geschützt werden.

In einer Debatte des Preußischen Landtages fragt Posadowsky-Wehner den Justizminister, ob ein Gesetz beschlossen werden darf, dass gegen die Grundrechte der Weimarer Reichsverfassung verstösst. Der Minister eröffnet in seiner schriftlichen Antwort zwei Wege: Zum einen kann mit einer Zweidrittelmehrheit der gesetzlichen Körperschaft eine Verfassungsänderung beschlossen werden. Zum anderen schlägt er als Lösung die sogenannte

Durchbrechungstheorie

vor. Empört weist dies Posadowsky am 19. Dezember 1930 vor dem Preußischen Landtag unter Verweis auf Artikel 76 der Reichsverfassung als glatten Verfassungsbruch zurück. "Ich verstehe es nicht," stellt er im Ton tiefer Enttäuschung fest, "dass die Mehrheit des Reichstages ein solch verfassungswidriges Verfahren wiederholt gebilligt hat. Das gilt für die Aufwertungsgesetze und für die Kürzung der Beamtengelder als wohlerworbene Rechte." Auch im Rahmen der Geldpolitik ist dies schon mehrfach geschehen. Als Beweis zitiert er aus der Rede von Finanzminister Doktor Luther am 23. August 1924 vor dem Reichstag, wo dieser darlegt, dass die Regierung "künstliches Geld" einsetzte, "um Werte abzulösen". Ein Privatmann, der künstliches Geld macht, schiebt Posa wütig bei seinem Auftritt im Preußischen Landtag am 23. Januar 1932 nach, begeht ein Münzvergehen und ist nach dem Strafrecht ein Verbrecher. Mit künstlichem Geld darf man keine Schulden tilgen, "deshalb sind die sogenannten Aufwertungsgesetze null und nichtig".

"Es genügt nicht", fasst Graf von Posadowsky-Wehner 1932 seine Erfahrungen zusammen, "dass die gesetzgebenden Körperschaften fortgesetzt je nach den bestehenden Mehrheitsverhältnissen Gesetze beschließen und die Regierung aus politischen Gründen denselben willfahrt. Gesetze müssen sich durch jahrelange Anwendung im Rechtsbewusstsein des Volkes einbürgern, um tatsächlichen Gesetzeswert zu erlangen; durch die Veröffentlichungen in den Gesetzblättern wird die Rechtskraft nur urkundlich festgestellt, aber kein Rechtsbewusstsein geschaffen." (V&R 72)

 

Verantwortung der Staatsbürger

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner

Der Staat braucht seiner Ansicht nach dringend ein beherrschendes Nationalbewusstsein, spartanische Einfachheit der Sitten, edle Selbstlosigkeit und unerschütterliche Pflichttreue der Volksmassen. Das bedeutet, "dass im republikanischen Staatswesen die Pflichten des einzelnen Staatsbürgers erheblich höher sind als in der Monarchie, wo die monarchische Regierung als selbständige Machtquelle der gesetzgebenden Versammlung gegenübersteht und das Recht hat, Gesetzesentwürfe, welche ihr bedenklich erscheinen, abzulehnen. Leider ist in weiten Kreisen diese größere Verantwortlichkeit der Staatsbürger bisher noch nicht zu Bewusstsein gekommen. Es gibt sogar eine Richtung, welche offen erklärt, dass sie mit Politik nichts zu tun haben will. Es ist dies eine Auffassung, welche nur bedacht auf den eignen, behaglichen Lebensgenuss, für keine öffentliche Angelegenheit zu haben ist, die sich nicht auf ihre eignen persönlichen Bestrebungen und Wünsche bezieht." (V&R 72)

 

Was ist
"konservativ"?

"Konservativ sein heißt nicht, die Interessen und Überlieferungen einer Gesellschaftsklasse dauernd festzulegen, konservativ im echten und staatsmännischen Sinne heißt vielmehr: den Staat und die Gesellschaft entsprechend den Anforderungen und Bedürfnissen der Zeit organisch fortzuentwickeln, damit allen Klassen der Bevölkerung die Überzeugung erhalten bleibt, dass der geschichtlich gewordene Staat nicht nur eine innere Notwendigkeit, sondern auch die höchste Wohltat für alle Gesellschaftsklassen ist." (Andreas Grieser - 1868-1955. Vorwort zu Volk und Regierung im neuen Reich, 1932, 6)

 

"Die deutsche Republik aber, die dem Volke als die freiheitlichste Verfassung der Welt in so begeisterten Tönen gepriesen ist, hat leider nur einen Mangel - es fehlt ihr an Republikanern. Eine Republik, wenn sie nicht eine Verfassungslüge sein soll, setzt zu ihrem Bestehen ein tief innerliches, das ganze öffentliche und private Leben beherrschendes Nationalbewusstsein, spartanische Einfachheit der Sitten, edle Selbstlosigkeit und unerschütterliche Pflichttreue der Volksmassen voraus. Nur so ist es möglich, dass das Volk selbst Träger der Regierungsgewalt ist. In einer Republik, in der man den Staat als große Versorgungsanstalt betrachtet, wo man gestützt auf weit verzweigte Interessenverbände rücksichtslose Interessenpolitik treibt und von dem schwer bedrängten Staate immer neue Vorteile zu erkämpfen sucht, wo man zwar fortgesetzt Sparsamkeit fordert, gleichzeitig aber Parteiinteresse maßloseste und finanziell unverantwortliche Wünsche vertritt, wo versteinerte Parteiauffassungen schließlich jede vernünftige stetige Staatsverwaltung unmöglich machen, da fehlt die unentbehrlich Grundlage der Volksherrschaft, der seiner Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen bewusste Bürgersinn." (V&R 115)

 

Freiheit und Pflicht

Bei einer freiheitlichen Verfassung steht als Zeichen für ein hoch entwickeltes Geistesleben die Freiheit des Glaubens und der politischen Meinungsäusserung (V&R 30) vornan. Voraussetzung dafür ist erstens die "würdige Selbstbeschränkung jedes einzelnen Staatsbürgers." Ohne diese "muß die verfassungsmäßige versprochene Freiheit schließlich zur inneren Zerrüttung des Volkslebens und Staates führen." (V&R 33) Zweitens fordert die Verwirklichung individueller Freiheiten die Wahrnehmung staatsbürgerliches Verantwortung.

Die erste Bürgerpflicht heisst, Abgabe der Wahlstimme. Wer nicht zur Wahl geht ist ein "politischer Deserteur" und vernachlässigt in unentschuldbare Weise die vaterländische Pflicht. Er ist der Meinung, man kann "das Gefühl der politischen Verantwortlichkeit und Reife eines Volkes" an Hand der Beteiligung an den öffentlichen Wahlen beurteilen (V&R 73).

 

Geburtstag

Zum 80. Geburtstag gratulierten ihm: Reichspräsident Paul von Hindenburg, Reichskanzler Doktor Hans Luther, Reichswirtschaftsminister Albert Neuhaus, General der Infanterie Friedrich Sixt von Armin, Domherr von Naumburg und Großadmiral Hans von Köster, der Vizepräsident des Reichstages Doktor Jakob Riesser, der Ministerpräsident des Freistaates Preußen Otto Braun, der Bund der Domschüler, die Direktion des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg und andere.

 

Einweihung der steinernen Gedenktafel im Dom

Kriegsniederlage und Versailles, lassen ihn nicht ruhen! "Für die Feinde Deutschlands" werde der Tag kommen, zitiert ihn 1921 Arthur Crispien (USPD / SPD), wo "die Rache der Götter" auf sie niederstürze". Wie konnte das alles geschehen? Warum, fragt der Dechant des protestantischen Domkapitels am 24. August 1924 aus Anlass der Einweihung des Kriegerdenkmals im Kreuzgang des Doms, musste eine "sittliche Weltmacht wie Deutschland" untergehen? Warum fand sich ein "Weltbund ungeheurer Übermacht gegen uns" zusammen? "Weder die Regierung noch das Volk", das ist seine feste Überzeugung, "hat den Krieg gewollt." Er "ist von unseren offenen und heimlichen Feinden im Stillen jahrelang gegen uns geplant". Die Verantwortung für die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts tragen der russische Panslawismus, der britische Handelsneid und das französische Revanchestreben. (Vgl. Dreyer/Lembcke 1993, 170)

Zusammen mit der Stadtprominenz weihen die Schüler des Domgymnasiums

am 24. August 1924

an der westlichsten Seite der Nordwand im Kreuzgang des Naumburger Doms ihren im Ersten Weltkrieg gefallenen Kameraden eine steinerne Gedenktafel. 148 Namen sind auf ihr eingemeißelt. Zwei, Ewald und Würzig, fügt man später noch hinzu.

"Von den 16 Abiturienten von Ostern 1912 finden sich sieben auf der Tafel wieder, von 15 Kriegsbegeisterten, die es im August 1914 nicht abwarten konnten, in den Krieg zu ziehen, sind acht Namen in den Stein gehauen," ermittelte Julia Ziegler (2009) in einer Studie über die Kriegsgefallenen des Naumburger Domgymnasiums.

 

Kreuzgang des Naumburger Doms mit Gedenktafel (2005)

Inschrift: Ruhmvoll ist das Schicksal des Gefallenen, glücklich ihr Los.

Auf der langen Ehrenliste steht der Name

Peter-Paul Hollaender.

Er fiel am 26. Oktober 1917 im Alter von 25 Jahren in Flandern. Sein Vater Doktor Ludwig Hollaender war Oberlehrer am Domgymnasium. Mutter Julie Hollaender lebte nach dem Tode ihres Mannes noch etwa zwanzig Jahre in der Grochlitzer Straße 18. Seinen Bruder Doktor Otto Hollaender verfolgten die Nationalsozialisten.

An 57. Stelle in der Liste Es starben im Weltkriege den Tod fürs Vaterland von den ehemaligen Schülern des Domgymnasiums steht der Name

Gerhard Hemprich.

Sohn des grossartigen Lehrers und Jugendpflegers

Karl Hemprich, geboren am 17. Dezember 1867,

der 1908 aus Freyburg an der Unstrut kam und die Knabenschule (Georgenschule) als Rektor übernahm. 1913 wechselt er an das Königlicher Seminar-Oberlehrer als Bezirksjugendpfleger von Merseburg und leitet bei Kriegsausbruch die Mobilmachung der Jugend. Was und wie alles zu geschehen hat, auf welchen gesetzlichen Grundlagen, wie dies organisiert wird, was die Bezirks-, Kreis- und Ortsausschüsse für Jugendpflege zu tun haben, legt Karl Hemprich  1 9 1 4  auf 16 Seiten Format A 5 unter dem Titel

Die militärische Vorbereitung der Jugend
während des mobilen Zustandes

dar. Ein Jahr später zerfleischt die Kriegsbestie seinen Sohn Gerhard, eines der vier Kinder aus der Ehe mit Gertrud, geborene Wächter. Der Primaner, blond, blauäugig, hochgewachsen, gesund und immer heiter, hatte sich freiwillig zum Infanterieregiment 67 nach Metz gemeldet. Ein anderer Sohn von Gertrud und Karl Hemprich, Siegfried, starb früh. Ihr Töchterchen Kätchen raffte im Alter von acht Jahren eine unheilbare Erkrankung dahin. "Diese Wunde hat sich nie wieder geschlossen." Aufopferung und Einfühlungsvermögen des Jugendpflegers haben wahrscheinlich hier ihre Quelle. (Vgl. Weicker 45-47)

 

Alle Domschüler finden sich am Sonntag, den 24. August 1924 um ½  9 Uhr auf dem Schulhof ein. Brav sitzen sie eine Stunde später in der Marienkirche und folgen der Predigt von Pfarrer Mühe mit der Botschaft an die Jugend:

"Brüder, deutsche Treue bis in den Tod! So waren die unsern, so wollen auch wir werden: Männer der Treue."

 

Es starben im Weltkriege den Tod fürs Vaterland von den ehemaligen Schülern des Domgymnasiums

PDF-Dokument hier (etwa ein Megabyte).

Quelle: Archiv der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeit

 

Nach dem Gottesdienst ziehen Schüler, Lehrer und Gäste im geschlossenen Zug zum Platz des Denkmals in den Kreuzgang des Doms um. Bald erklingen hier die Worte von Deutschland als einer sittlichen Weltmacht in des Wortes edelster Bedeutung. Doch begann der Krieg 1914 in Belgien nicht mit einem sittlichen Grenzdurchbruch?

Der Ort ist feierlich geschmückt. Vor der Tafel aus Krensheimer Kalkstein wachen je zwei Offiziere von der Marine und den Feldgrauen, Angehörige des Bundes Alter Naumburger Domschüler (BAND). Auf ein Zeichen hin entfernen sie die Hülle. Vorher hält der Architekt des Denkmals, Herr Graumüller aus Saaleck, eine kurze Ansprache. Er dankt dem Bildhauer Josef Heise für das Gesamtwerk und Kunstmaler Professor Hugo Gugg (1878-1956) für den überkrönten Aufsatz der Steintafel, die den Kopf eines jugendlichen Kämpfers mit Stahlhelm darstellt. Dann hebt der Vorsitzende vom BAND zur Ansprache an. Dies ist eine Stätte der Trauer, des Dankes und des Trostes, gedenkt Professor Flemming der Toten. Aber dies ist kein Denkmal, das mahnen soll, wie es Julia Ziegler (2009) treffend formuliert, sondern es soll eine Erinnerung an die Kämpfenden sein.

 

Erinnerungsarbeit

Hans-Gert Kirsche,
um 1930:

"Das große Schulfest im Spätsommer wurde weit draußen im Buchholz gefeiert, auf der großen Festwiese beim "Waldschloß" an der Neidschützer Straße, auch das eine Tradition einer an Traditionen reichen Schule, aber im Verlauf nicht so viel anders als anderswo. Erst Sportwettkämpfe der Klassen, ein Handballspiel, Kaffeetafel mit den Eltern und etwaigen Geschwistern, Turn- und Gymnastikvor-führungen auf der Wiese, Theateraufführung der Primaner, Preisverleihung und Siegerehrung. Etwas Besonderes war nur der Abschluss am Abend. Da zogen wir alle mit brennenden Pechfackeln bewehrt in langem Zug wieder in die Stadt hinunter, die Musikkapelle voran. Der Fackelzug endete auf dem Kreuzganghof, wo in einer Ecke die Gedenktafel für die Gefallenen der Schule angebracht war (1914-1918 stand oben, und darunter 165 Namen), gruppierte sich vor den Schwibbogen im Geviert, und die Fackeln wurden in der Mitte zu einem lodernden Scheiterhaufen zusammengeworfen. Irgendwo aus dem Dunkel des Kreuzgewölbes rezitierte ein Sprechchor raunend vaterländische Verse, der flackernde Flammenstoß warf gespenstische Lichter auf die im Hintergrund düster aufragende viertürmige Kulisse des Domes, und uns alle durchschauerte weihevolle Rührung, während die Musik intonierte: "Ich hatt' einen Kameraden...". Nicht mehr als vier Jahre später wurde es Zeit, an eine neue, noch größere Tafel zu denken: man hatte wieder angefangen, massenhaft fürs Vaterland zu töten und zu sterben."

Hans-Gert Kirsche

 

Dann werden die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen 150 Domschüler feierlich verlesen. Anschließend hebt Arthur Adolf Graf von Posadowsky-Wehner Freiherr von Postelwitz zur Rede an:

"Der Krieg hat ungezählten Familien unheilbare Wunden geschlagen und über unser gesamtes Vaterland unsägliches Leid gebracht. Die Ereignisse der Vergangenheit erscheinen uns bisweilen wie ein böser Traum, man fragt sich immer von Neuem, wie es möglich war, dass dieses mächtige Deutschland, von Kaiser Wilhelm I. und seinem großen Staatsmann auf unabsehbare Zeit geschaffen, nach kaum einem halben Jahrhundert von seiner stolzen Höhe sinkt. …. Deutschland ist ein Kontinentalstaat; es ist das Herzstück Europas. Wie ein Felsen schien es zu stehen inmitten unseres Erdteils, in der trüben Flut politischen Hasses und heimlicher Begehrlichkeit unserer Feinde ringsum. Seine sozialen, wissenschaftlichen und technischen Leistungen, seine Bildungsstätten, sein Beamtentum und seine Staatseinrichtungen wurden trotzdem in aller Welt bewundert. ... Weder die Regierung noch das deutsche Volk haben den Krieg gewollt; er ist von unseren offenen und heimlichen Feinden im Stillen jahrelang gegen uns geplant, militärisch vorbereitet und uns schließlich aufgezwungen [worden]. …. Das große deutsche Volk darf niemals auf seine Zukunft verzichten …."

"So möge" dieser Gedenkstein, fährt die Rede fort,

"einen Merkstein bilden zur Aufrichtung des von Unrecht geknechteten Vaterlandes."

Exakt diese Metapher bemühen salbungsvoll die deutschnationalen, völkischen und alldeutschen Vordenker immer wieder bei Ehrungen, Kranzniederlegungen und Festakten. Daran knüpft die Revisions- und Revanchepolitik der Nationalsozialisten an. Stahlhelm-Studentenring "Langemarck" und die Stadtverwaltung giessen es im September 1933 in den Beton des Langemarck-Denkmals. Trotzdem war er kein Vorkämpfer dieser politischen Richtungen. Fraglos offenbaren sich hier widersprüchliche Momente der Persönlichkeit. Ihre Quellen wurden bereits sichtbar. Wie man sie immer interpretiert, er bemühte sich um die ökonomische und politische Stabilisierung der Weimarer Republik, mahnte stets zur Rechtsstaatlichkeit, wandte sich dem Leben der Unterschicht zu, verzweifelte daran, dass bestimmte Politiker sich nicht dem Gesetz verpflichtet fühlten. Das war Posadowsky-Wehner!

Um ihn zu verstehen, ist ein Rückblick auf die Kühlmann-Episode ganz dienlich. Es scheint er hat auf die Rede vom Staatssekretär Richard von Kühlmann (1873-1948) vom Auswärtigen Amt lange gewartet, um dann endlich am 27. Juni 1918 der Presse mitteilen zu können:

"Bezüglich der Schuld Rußlands am Kriege bin ich doch der Meinung des Herrn v. Kühlmann, England und Frankreich war aber dieser Krieg nicht unwillkommen. Ich bedauere, dass gegenüber den Verleumdungen unserer Gegner unsere Regierung nicht immer prompt geantwortet hat. Durch diese Unterlassung hat sich in den Köpfen unserer Feinde der Aberglaube festgesetzt, dass wir die Schänder der Kultur sind. Die Welt muss dagegen erfahren, welche Verbrechen gegen uns und unseren Gefangenen täglich begangen werden. Dank der deutschen Siege haben sich die Randvölker befreit."

Posadowsky ist kein Stahlhelmer. Seine außenpolitischen Ambitionen sind nicht aggressiv. Er bekennt sich oft zu deutschnationalen Werte und nutzt gelegentlich ihre Methoden, aber er unterstützt in keiner Weise das alldeutsch-völkisch-deutschnationale Geschichtsverständnis, was mit Georg Schiele (Naumburg) beschrieben wurde.

Was nun noch, wenn wir konsequent in der Zeit verbleiben? In der Rede zur Einweihung der steinernen Gedenktafel im Dom flackert 1924 das heroische Zeitalter und seine Moral auf. Zur Reaktivierung diente ein Vers aus dem siebenstrophigen Wechselgesang des Vorspiels zur Trilogie Wallenstein, Ein dramatisches Gedicht von Schiller, das 1800 entstand:

"Und setzet ihr nicht das Leben ein,
nie wird euch das Leben gewonnen sein."

Dies steht im Kontext des Dreißigjährigen Krieges und trägt nicht zur Überwindung der gesellschaftlichen Moralauffassung bei, die zur Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts führte. "Wer stirbt, ist gleichgültig," persifliert sie die Dialektik der Aufklärung (91), "es kommt aufs Verhältnis der Vorfälle zu den Verpflichtungen der Kompanie an."

 

Neue Weltpolitik?
Der Völkerbund eine Organisation
zur Niederhaltung Deutschlands?

Über die Reziprozität der Feinbilder wird heute selten gesprochen. Doch Graf Arthur Posadowsky-Wehner 1920 konnte sie nach dem Krieg nicht vergessen. Er denkt oft daran, denn unzweifelhaft trugen sie dazu bei, eine starke deutschfeindliche Abneigung im Ausland hervorzurufen. Ihm sind die Ende des vorherigen Jahrhunderts erschienen Werke von M. E. E. Williams, "Deutsches Erzeugnis" (Made in Germany) und Maurice Schwob "Die deutsche Gefahr" (Le Denger Allemand) unrühmlich in Erinnerung.

Als es um die Frage ging, Wie konnte das Geschehen?, erinnert er sich an Lord Rosebery (1847-1919) von der Liberal Party und frühere englischer Außenminister, der als erster den Weckruf ausstieß:

"Wir sind bedroht, von einem fürchterlichen Nebenbuhler, der uns nagt wie das Meer an den schwachen Stellen der Küste - ich meine Deutschland."

Deutschland hat sich mit seiner "verfehlten Weltpolitik" viele Feinde gemacht. Das weiß er und stellt dies überhaupt nicht Frage. Es war dies eben ein zentraler Kritikpunkt der Reichskronen-Rede vom 15. Januar 1919. Ihm ist gegenwärtig, Deutschland muss sich zügeln und Grenzen auferlegen. Eine neue Weltpolitik, davon ist er tief überzeugt, wäre sein Ruin.

 

 

29. November 1925
Wahlen zum Preußischen Provinziallandtag
der Provinz Sachsen

Am 29. November 1925 dürfen die Bürger der Provinz Sachsen die Sitze im Preußischen Provinziallandtag verteilen. Die letzte Nominierung der Kandidaten fand 1921 zusammen mit den Wahlen zum Preussischen Landtag statt. Schon deshalb, vermutet die lokale Presse, war damals die Beteiligung besser. Diesmal machten von ihrem Recht nach ihrer Schätzung nur etwa die Hälfte der Bürger gebrauch.



Ergebnisse der Wahlen
zum Preußischen Provinziallandtag der Provinz Sachsen
29. November 1925

Abgeordneten-
Sitze
 

Nationale Ordnungsblock

20
 

Sozialdemokraten

34
 

"Sparer", Liste Posadowsky

2
 

Zentrum

4
 

KPD

17
 

Völkische Liste

3
 
DNVP
12
 
DVP
2
 

DDP, Demokraten

5
 
     

Gesamt

113
 


Gewählte Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung

 

 

 

Posadowsky-Wehner zieht für die "Sparer" in den Provinziallandtag ein. Ihn besorgt der Zustand der deutschen Nation. Die allgemeine Kriminalität erscheint im Lande deutlich zu hoch. Viele Bürger missachten politische Regeln und bewährte Prinzipien des Rechts. "Die Ereignisse unserer Zeit lassen leider den mutigen Wirklichkeitssinn, der notwendigen Grundlage für richtiges Handeln, schmerzlich vermissen", kritisiert 1926 Im Lichte der Wirklichkeit. "Man behilft sich mit der Vorstellung, deren planmäßige Wiederholung günstig auf die öffentliche Meinung und festigend auf die eigene Stellung wirken sollen. Gehen im politischen Leben derartige Einflüsse von maßgebenden Gewalten aus, so erzeugen sie schließlich herbe Enttäuschungen und tiefgehendes Mißtrauen".

"Es ist eben ein Zeichen der Zeit," kann er am 19. Dezember 1930 in Preußischen Landtag nicht mehr ansich halten, "dass man in unserem Vaterlande die wichtigen, tiefernsten Dinge von oberflächlichen und nebensächlichen Angelegenheiten nicht mehr unterscheiden kann."

 

 

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP)

Ende Juni 1925 publizierte Posadowsky in der deutschnationalen Presse mehrere Aufsätze zum Aufwertungsgesetz, dass am 16. Juli 1925 im Deutschen Reichstag zur Abstimmung stand und erkannte:

"Es ist ein Grundfehler der Aufwertungsgesetzgebung, dass sie die rechtlichen, sozialen und politischen Gesichtspunkte völlig außer Acht gelassen hat. Von staatsmännischem Geist spürt man in ihr keinen Hauch." (Nach Keil 1925)

Dass die Deutschnationale Fraktion dem Aufwertungskompromiss zustimmen könnte, erschien ihm unmöglich, weil dies im schärfsten Gegensatz zu ihren bisherigen Forderungen und Versprechungen stand.

Um den 16. Oktober 1926 berichteten die Zeitungen, dass die verschiedenen Sparergruppen die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP) in Lebens gerufen haben. Ihr Führer ist Arthur Graf von Posadowsky-Wehner aus Naumburg. Die Partei trotzt der Regierung, weil das Gesetz über die Aufwertung von Hypotheken und anderen Ansprüchen vom 16. Juli 1925 einen Vermögensverlust bis zu 97 Prozent brachte.

Am

21. Oktober 1927

tagen die Anhänger der VRP im Preußischen Hof. Der zweite Vorsitzende der Ortsgruppe des Sparer-und Hypothekengläubiger-Verbandes eröffnet die Versammlung. Besonders begrüsst er Arthur Graf von Posadowsky-Wehner mit den Worten, "der Kampf, den er führe, habe sich gerichtet gegen Regierung und Volksvertreter, die ihr Volk entrechtet und enteignet hätten; nicht ein Knechtsstaat, sondern ein Rechtsstaat müsse erst wieder geschafft werden ...." Dann wurde die Auflösung der Ortsgruppe bekannt gegeben. Anschliessend hält der Gast einen ansprechenden und inhaltsreichen Vortrag, von dem die Passage überliefert: "Der Ausfall der Zinsen, welche die Gläubiger zu beanspruchen hätten, ziehe jetzt der Staat in Form einer Hauszinssteuer ein, darunter hätten Wirtschaft, Mittelstand, Hausbesitzer und Mieter zu leiden." Dann erläutert er die Notwendigkeit der Gründung der

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP).

Nach längerer Aussprache über die Richtlinien der Partei, wurden diese für gut befunden und einstimmig beschlossen einzutreten für

erweiterten Schutz der Verfassung,

volle Unabhängigkeit der Gerichte,

die Beseitigung der Daweslüge,

die Aufwertung nach Treu und Glauben,

die Abschaffung der Hauszinssteuer,

den Schutz der Mieter,

die Selbständigkeit der Privatwirtschaft,

die wohlerworbenen Rechte der Beamten,

die Sicherstellung aller freien Berufsangehörigen und

die Erhaltung des rechtmässigen Besitzes.

Die Anwesenden delegieren vom 22. bis 23. Oktober 1927 Graf von Posadowsky-Wehner zum Parteitag nach Stuttgart.

Bei den preußischen Landtagwahlen am 20. Mai 1928 erringt die Volksrechtspartei zwei Mandate. Eins nimmt Posadowsky wahr.

 

 

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung
(Volksrechtspartei, VRP)

 

       

Wahlen

Stimmen
Prozent
Mandate
       

Landtag Preussen
20. Mai 1928

234.033
0,05
2

Naumburg

462
   
       

Reichstag
20. Mai 1928

428.697
1,6
 

Naumburg

498
   
       

Reichstag 1930

217.198
0,9
 
       

Landtag Preussen
24. April 1932

44.119
   

Naumburg

59
   
       

Reichstag Juli 1932

40.825
0,1
 
       

Reichstag November 1932

46.202
0,1
 
       

 

Obwohl sich die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung ein halbes Jahr nach seinem Tod in Hitlers Arme wirft, darf man nicht sagen, dass Arthur Graf von Posadowsky-Wehner dem nationalsozialistischen Herrschaftsmodell irgendwie nahegestanden hat. Nicht die Diktatur war sein Ziel, sondern der Volksstaat, der die faire Beteiligung aller Klassen und Schichten an der Machtausübung garantiert.

 

 

Im Streit für eine wirtschaftspolitisch
verantwortungsvolle und sozial gerechte Geldpolitik

Seit 1928 ist er im Preußischen Landtag Abgeordneter der Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung. Besonders widmet er sich den Folgen der Hyperinflation und Aufwertungspolitik. Dieses

"ungeheuere Unglück über unser Vaterland"

muss genau untersucht werden, fordert er am 10. Oktober 1930.

Das Ziel ist eine rechtsstaatliche, wirtschaftspolitisch verantwortungsvolle und sozial gerechte Geldpolitik. Dazu ist es nach seiner festen Überzeugung notwendig, die ideologische Verschleierung zu enttarnen und die Ursachen der Hyperinflation aufzuklären. In seiner Rede vom 15. Dezember 1928 im Preußischen Landtag heisst dazu:

"Der Herr Reichsbankpräsident Schacht hat seinerzeit erklärt, die Inflation wäre ein Erdbeben gewesen. O nein, die Inflation war nicht das Werk von Naturkräften, sondern sie war das Werk von gewinnsüchtigen, gewissenlosen und kurzsichtigen Menschen außerhalb und leider auch innerhalb Deutschlands."

"Zuruf links: Sie müssen nach rechts sehen! Das sitzen die Kerle! - Gegenruf: Er guckt ja nach rechts; Ihr müsst nur die Stellung nehmen! - Heiterkeit."

An gleicher Stelle verlangt er am 18. Oktober 1930:

"Es ist ein sittliches Gebot, diesen verbrecherischen Unternehmen nachzugehen und festzustellen, wer diese schuldigen Personen gewesen sind. Das muss durch den Staatsgerichtshof geschehen."

Zu diesem Zweck ergeht an das Hohe Haus einen Antrag, der fordert, schleunigst ein Gesetz zu verabschieden, durch welches der Staatsgerichtshof beauftragt wird, zu untersuchen, ob und welche ausländische Stellen und welche amtliche Personen und ob und welche Privatpersonen im Inland auf die planmäßige Steigerung des Dollarpreises gegenüber der deutschen Mark hingewirkt und damit planmäßig die deutsche Währung zerrüttet haben. Ein Jahr vergeht und die Regierung antwortete noch immer nicht darauf. Persönlich bitte er den preußischen Ministerpräsidenten um eine Erklärung. Am 23. Januar 1932 tagt der Preußische Landtag. Wieder keine Antwort. Wieder rollt Posadowsky die Sache im Plenum auf und rüttelt verzweifelt am Gewissen der Abgeordneten:

"Aus diesem Verhalten der Regierung muss man schliessen, dass die Inflation mit Wissen und Unterstützung der Regierung und in Verbindung mit Finanzkräften des Auslandes herbeigeführt ist."

 

 

Aber man hörte kaum die Sätze,
in denen er von Recht
und Pflicht der Regierung sprach. Vossische Zeitung, 9. Juni 1928

Rechtssicherheit als Vorbedingung für die Freiheit, dies sollte aufhorchen lassen, besonders die kommunistische Linke. Tat es aber nicht. Für sie war Posadowsky wohl eher ein Reaktionär. Gewiss, sie trennte, das ist nicht zu übersehen, in der Kirchen- und Bildungspolitik, in der Sozialisierungs- und Kriegsschuldfrage tiefgreifende Wertekonflikte. Trotzdem, es gab es Gemeinsamkeiten mit den Linken. Holzschnittartig umschreiben dies Notwendigkeit einer Arbeiterbewegung, Reformen, Republik, gerechte Steuern, Demokratie als Mitbestimmung, Kontinuität der Sozialpolitik, Wohnungen für die Unterklasse oder Ablehnung der Notverordnungen. Wäre vielleicht sogar ein politischer Dialog zwischen Konservativen und kommunistischen Linken möglich? Könnte er vielleicht das politische Kräfteparallelogramm zugunsten der Republik verschieben?

Wenn man an die fortwährenden Konfrontationen und Provokationen von Links gegenüber den Konservativen denkt, ist dies schwer vorstellbar. Erst am 8. Juni 1928 sah der Vorwärts in Berlin eine besonders widerwärtige und beschämende Szene. Den Anlass bot die Konstituierung des neugewählten Preußischen Landtags. Zunächst fing es feierlich an. Vor der Sitzung fanden in der Hedwigskirche und im Dom Gottesdienste statt. Anschließend traten die Abgeordneten im Gebäude des Preußischen Landtages in der Prinz-Albrecht-Strasse (Niederkirchnerstraße) zur ersten Sitzung zusammen. Eröffnet wurde sie, berichtet am Tag darauf der Sozialdemokratische Pressedienst, durch den ehemaligen kaiserlichen Staatssekretär und Vizekanzler Posadowsky-Wehner "mit einem klugen Bekenntnis zur Republik". Leider waren die äußeren Umstände nicht dazu angetan dies zu würdingen. Der Alterspräsident erlaubte sich, den Abgeordneten ans Herz zu legen, den Rechtsstaat zu schützen und zu verteidigen, ihn vor jeder Art der Vergewaltigung zu bewahren. Zum gelungenen Staatsleben gehört bekanntlich auch etwas Kompromissbereitschaft, weshalb von ihm die Aufforderung erging, es möge doch jeder sich in einem natürlich gegebenen Maß mit der Staatsordnung abfinden, egal ob der Aufbau des Staates seiner innerlichen Auffassung Rechnung trage oder nicht. Das war für die Linken zu viel des Guten. "Schon während der Rede des 84-jährigen Posadowsky, der doch wahrhaftig keiner Partei wehtun konnte, gefielen sich einige Kommunisten darin, mit sinnlosen Zwischenrufen und Gebrüll die Stimme des Alten zu übertönen." (Vorwärts) Ihre Fraktion besaß im neugewählten Landtag 56 Mandatsträger, damit zwölf mehr als in der vorhergehenden Sitzungsperiode. Unmittelbar nach den ersten Worten stießen sie gegen Posadowsky die wildesten Schimpfworte aus: "Nieder mit der Regierung!", "Arbeitermörder!", "Amnestie!". Alles mit der kalten Ruhe, registrierte die Vossische Zeitung, die beinahe auf eine lange Vorübung schließen lassen könnte.

Als die Kommunisten die Freilassung zweier ihrer Abgeordneten, die vom Reichsgericht wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu Festungshaft verurteilt waren, beantragten, heizte sich die Stimmung schnell weiter auf. Über einen entsprechenden Antrag wollte die Fraktion ihre Teilnahme erwirken. Das Reglement verlangte dazu unbedingt die Zustimmung aller Abgeordneten, was jedoch Doktor Ponsick von der Christlich-Nationalen Bauernpartei wenig interessierte. Er dachte nicht daran, dies zu unterstützen, worauf es nun so weiter ging: "Ein paar kommunistische Abgeordnete unter Führung des Abgeordneten Gohlke spazierten in aller Ruhe auf die rechte Seite des Hauses herüber, holten sich Ponsick heraus und schlugen ihm langsam aber gründlich die geballte Faust ins Gesicht." (LVZ 9.6.1928)

"Eine ganz andere Frage ist aber die", auf deren Beantwortung der Vorwärts (Berlin) drängt, "ob das Faustrecht mit der verstärkten kommunistischen Fraktion seinen Einzug ins Parlament halten darf."

Bei der Stimmungsmache zur Eröffnungssitzung, tat sich besonders der kommunistische Abgeordnete Wilhelm Kaspar (1892-1985) hervor. So wie die Dinge liegen, darf daran erinnert werden, dass, während er einst noch beim tief reaktionären Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband, der den Streikenden im März 1920 in den Rücken gefallen war, herumtollte, warf sich der Graf mit dem Verfassungsstaat gegen die Kapp-Lüttwitz Leute auf. Als Staatssekretär und Abgeordneter des Reichstages griff er vom liberal-konservativen Standpunkt die ökonomischen Lebensfragen der arbeitenden Klasse auf und erreichte über die Sozialgesetzgebung bedeutende Fortschritte. Ihm schlechterdings vorzuwerfen, dass er jetzt nicht auf die Barrikade klettert und die revolutionäre Sozialpolitik verkündet, löst den Verstand völlig von den Verhältnissen ab. Als er von Rechten und Pflichten des Bürgers sprach, drohten seine Worte im Saal endgültig im Krach und Lärm unterzugehen.

Wieder verhallen die Stimmen von Menschen ungehört. Fünf Jahre später, das Stöhnen und die quälende Schreie von Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Kommunisten, die in den Kellern der SA-Feldpolizei misshandelt und gefoltert werden.

 

 

Konservativer Vordenker
der staatsbürgerlichen Erziehung

Als Dechant des protestantischen Domkapitels Rechtsritter des Johanniterordens übernimmt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner für die Domschule eine Vordenkerfunktion in der staatsbürgerlichen Erziehung der Jugend.

 

Stiftisches Domgymnasium
Studiendirektor Dr. Bruno Kaiser

Patronat
Domkapitel zu Naumburg an der Saale

Herr Staatsminister a.D.
Dr. Graf von Posadowsky-Wehner

 

Vom 29. August bis 1. September 1930 feiert die Domschule das neunhunderste Jahr ihres Bestehens, woran Vertreter der höchsten Staatsbehörden, der Kirche und benachbarten Universitäten als Gäste teilnahmen.

"Ich entsinne mich noch gut an die 900-Jahr-Feier der Schule im Sommer 1930," schreibt der Zeitzeuge Hans-Gert Kirsche (2006), "die mit großem Pomp begangen wurde.

Als Vierjähriger sah ich aus einem Fenster unserer Wohnung am Bismarckplatz (der jetzt nicht mehr so heißt) den Festzug unter mir vorbeiziehen, in dem mein Bruder unter den Sextanern und mein Vater unter den Abiturienten des Jahrgangs 1907 mitmarschierten. Rührend und zugleich imponierend das Defilee dieser unzähligen dickbäuchigen, glatzköpfigen oder grauhaarigen alten Herren, die aus aller Welt gekommen waren, um mit der blauen Schülermütze auf dem Kopf das Jubiläum ihrer alten Schule zu feiern." 

Viele hundert Schüler und Gäste reisen Ende August 1930 nach Naumburg. Vor Beginn der Feierstunde müssen die Teilnehmer von der Aula in die Marienkirche am Dom umziehen. Auf dem Festakt zum 900-jährigen Jubiläum der Domschule hält der 85-jährige Dechant Arthur Graf von Posadowsky-Wehner die Festrede. Sie kreist um die sittliche und ethische Erziehung der Jugend, deren Ziel er am 2. April 1918 in Dresden auf dem Christlich-sozialen Kongress so absteckte:

"Wir sollten uns enger an das eigene Vaterland anschliessen und unsere Heimat höher schätzen lernen, die Jugend zu glühendem Staatsbewusstsein, zu Sparsamkeit, Sittenstrenge, Tüchtigkeit erziehen."

Besonders betont er die Rolle des Staatsgefühls.

"Das selbstlose Staatsgefühl ist es, welches zur Größe eines Volkes führt, erhaben über den Streit der Parteien. Die höchste Aufgabe der Schule ist es deshalb, dieses Staatsgefühl in den Herzen der Jugend zu entwickeln … Die Schule soll nicht nur wissenschaftlich lehren, ihre hohe Pflicht ist, sittlich zu erziehen."

Immer wieder orientiert er auf Selbstbeschränkung und Selbstzucht.

"Religiöses Gefühl, Achtung vor den Rechten der anderen, strenge Selbstbeschränkung, sachliches und damit gerechtes Urteil über den Menschen und Zustände, körperliche Selbstzucht, das sind die Aufgaben der ethischen Erziehung, welche der Schule neben der Bahn der Wissenschaft obliegen." (Büchner 1933, 33)

Der von Arthur Graf von Posadowsky-Wehner präsentierte Wertekanon der schulischen Erziehung gilt bei den Nationalsozialisten als nicht erstrebenswert, worin sich der Unterschied und Gegensatz zwischen wertkonservativer und nationalsozialistischer Denkweise spiegelt.

 

Diese Politik ist nicht mehr erträglich  Posadowsky-Wehner, 16. Februar 1932

In der Besprechung des Reichkanzlers mit Gewerkschaftsvertretern am 15. Juni 1931, 12 Uhr, erheben einige Teilnehmer gegen die Politik mit den Notverordnungen ernste staatsrechtliche Einwände. "Die Notverordnung enthalte" Dinge, bringt ein Gesprächspartner zum Ausdruck, die nicht zu verteidigen seien." Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB), Herr Theodor Leipart, erklärte in dieser Beratung, "daß er trotz des Gehörten, das für ihn kaum Neues gebracht habe, nicht davon überzeugt sei, daß die Notverordnung unabänderlich sei. Die Gewerkschaften seien vielmehr überzeugt, daß die praktische Durchführung der Notverordnung ins Chaos führe." Der Gewerkschaftsmann fürchtet (a) die gefährliche Volksstimmung, (b) einen Rechtsrutsch und (c) die sozialen Folgen. Posadowsky-Wehner macht hingegen vor dem Preußischen Landtag vor allem verfassungs- und staatsrechtliche Einwände geltend. Für ihn steht fest:

"Man hat das Notverordnungsrecht missbraucht, um Gesetze durchzubringen, die mit der öffentlichen Ordnung nichts zu tun haben .…"

"Nein, meine Herren von der Regierung," reibt er ihnen am 16. Februar 1932 unter die Nase, "man kann einen Verfassungsstaat, von dem man behauptet, dass er der freieste Staat der Welt sei, und ein Volk mit mehr als tausendjährige Kultur nicht mit solchen Notverordnungen regieren." Um die Tragweite des Geschehens zu verdeutlichen, zitiert er die "Times" aus England mit dem Satz: "Die jüngste Notverordnung stellte Eingriffe in die bisherigen Rechtsverhältnisse insbesondere privatrechtlicher Art dar, wie sie bisher außerhalb der Sowjetrepublik noch nicht dagewesen seien."

 

Am 23. Oktober 1932 stirbt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner im Alter von siebenundachtzig Jahren in Naumburg.

Von einer Politik der Signale und der Symbole hielt er nicht viel. Jede Verflachung war ihm fremd. Dafür erkannte er die Notwendigkeit die dissoziative Persönlichkeitsstörung, die das gesamte bürgerliche Leben durchzieht, sozial zu therapieren. Sigmund Freud charakterisierte sie sechs Jahre nach seinem Tod als z w e i  E i n s t e l l u n g e n, die "das ganze Leben hindurch nebeneinander, ohne sich gegenseitig zu beeinflussen" als B e w u ß t s e i n s s p a l t u n g  fortbestehen. Die eine, die Normale, an der Realität gebunden, die andere, die Wahnhafte, welche sich unter den Trieben von der Wirklichkeit ablöst. Diese Ich-Spaltung ermöglicht es, verschiedene paradoxe Zustände und Wertverhältnisse als dissoziative Identitäten zu vereinen. Beispielsweise können der Humanismus und die Ausbeutung der Kolonialvölker abwechselnd die Kontrolle über das Fühlen und Denken der Politiker übernehmen. Bevor der Psychoanalytiker die Bewußtseinsspaltung 1938 in "Die Ichspaltung im Abwehrvorgang" publizierte, diagnostizierte sie Graf Arthur von Posadowsky-Wehner beim freiheitsliebenden Engländer, der für sich, nicht aber für die bürgerliche Freiheit anderer Völker "die gleiche Rücksicht" empfindet (Mr. Pecksniff 23).

Jetzt trauern die Naumburger um ihn, begleiteten ihn in großer Zahl auf seinem letzten Weg. Doch wo waren sie vorher?

Sein Herz schlug für Deutschland und er wußte sich im Dienste des Volkes. Trotzdem wollten die Naumburger sich bei ihm politisch nicht unterhaken. Als Konservativer war er ihnen zu fortschrittlich.

Stimmung, Beliebtheit und Redegewandtheit, was das Wahlvolk so liebte, interessierte den Parlamentarier Posadowsky wenig. Ihm lag die vom demokratischen Wahlbetrieb generierte populistische Effekthascherei nicht. Das steigerte nicht unbedingt seine Wahlpopularität.

Eigentlich brauchten ihn die Linken mit seinem Wissen und den Erfahrungen auf dem Gebiet der Haushalts-, Rechts- und Geldpolitik. Und in der Frage des sozialen Charakters der staatlichen Ausgabenpolitik zugunsten der breiten Masse mit hohen Gebrauchswerteigenschaften im Alltag, konnten sie, wenn sie doch nur wollten, Gemeinsamkeiten entdecken. Die Wohnungsfrage wollte er als das Wichtigste überhaupt behandelt wissen, was das Herz eines Linken höher schlagen lassen musste! Tat es - in seinem Umfeld! - offenbar nicht. Sie suchten nicht die Brücke zu ihm. Posa? Der war doch konservativ! Das reichte, vor allem für den Kommunikationsabbruch. Hernach konnten sie nicht würdigen, dass er die sozialen Bedürfnisse der arbeitenden Klasse erkannte, ihren Kampf für ihre Rechte nach 1918 in wichtigen Fragen für notwendig und unterstützendswert ansah. Aber sie wollten nicht die Gemeinsamkeiten mit ihm, die Linken aus einem Querschnitt von SPD, KPD, Reichsbanner, Sportvereinen, Gewerkschaften und Kulturkartell. Links braucht die Konservativen und umgekehrt. Denn der historische Prozess realisiert sich als Einheit von Progression, Anpassung, Verfall und Erhaltung. Doch an dieser Erkenntnis war die Parteienpolitik nicht ausgerichtet.

Nur ganz wenige seiner Zunft durchdrangen die Fragen der Zeit so tief und gründlich wie er. Sein Beitrag zum sozialen Fortschritt der Nation und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der werktätigen Klasse leben über die Zeiten fort. Weitsichtig trat Posadowsky für die Konstituierung und den Schutz des Verfassungsstaates ein. Von existentieller Bedeutung für den Staat war nach seiner Überzeugung die Herausbildung eines der Demokratie würdigen und funktionierenden Rechtsbewußtseins. Nur so kann das Bedürfnis des Bürgers nach persönlicher Sicherheit respektiert und befriedigt werden. Nah bei dessen Sorgen und wirklichen Nöten, engagiert sich der bald achtzigjährige für eine gerechte und volkswirtschaftlich vernünftige Geldpolitik. Was er auf diesem Gebiet politisch leistete war außerordentlich verdienstvoll und ist dennoch bis heute kaum anerkannt.

Unter Führung und Obhut des konservativen Politikertyps Arthur Graf von Posadowsky-Wehner hätte Deutschland nicht den Weg zur faschistischen Diktatur eingeschlagen und die Völker der Welt mit Krieg überzogen.

 

 

 

Abkürzungen im Text

FZ = Frankfurter Zeitung

JV = Jenaer Volksblatt

NBT = Naumburger Tageblatt

LVZ = Leipziger Volkszeitung, Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes

V&R = Volk und Regierung im neuen Reich von Arthur Graf Posadowsky-Wehner, 1932

VS = Volksstimme. Tageszeitung der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei. Magdeburg

Vorwärts = Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

 

Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik - Das Kabinett Bauer, Band 1, Dokumente, Nr. 71. Bericht des Preußischen Staatskommissariats für die Überwachung der öffentlichen Ordnung über gegenrevolutionäre
Bestrebungen. [2. Oktober 1919], Seite 281-284. http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei1919-1933/cocoonAdR/AdR/0000/bau/bau1p/kap1_2/para2_72.html

An das arbeitende Volk Deutschlands. Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Berlin, den 19 . Dezember 1902

[Arnim] Graf Arthur von Posadowsky-Wehner von ... In: Arnim, Dr. Hans von, und Professor Dr. Georg v. Below: Deutscher Aufstieg. Bilder aus der Vergangenheit und Gegenwart der rechtsstehenden Parteien. Franz Schneider Verlag, Berlin, Leipzig, Wien und Bern 1925, Seite 387 bis 406

Bahlcke, Joachim: Sozialpolitik als Kulturaufgabe. Zu Leben und Wirken des schlesischen Politikers Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932). In: Silesia Nova, 4/ 2006, Seite 93 bis 100

Berliner Reichstagsköpfe. "Fremde Blatt." Wien, den 16. September 1915, Seite 3

Bernd, Hans Dieter: Die Beseitigung der Republik auf "legalem" Weg. Die Funktion des Antisemitismus in der Agitation der Führungsschicht der DNVP. Dissertation. FernUniversität Hagen, Neuere Deutsche Geschichte. Gutachter Professor Dr. Peter Brandt und Priv.-Doz. Dr. Arthur Schlegermilch, Achen, Dezember 2002

Besprechung mit Gewerkschaftsvertretern vom 15. Juni 1931, 12 Uhr. In: Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik - Die Kabinette Brüning I/II, Band 2, Dokumente, Nr. 331. Besprechung mit Gewerkschaftsvertretern vom 15. Juni 1931, 12 Uhr / TOP [Notverordnung vom 5. Juni 1931; Einberufung des Reichstags], Seite 1194. http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/0000/bru/bru2p/kap1_1/kap2_79/para3_1.html

[Bielefeld] Wolfgang Hofmann: Die Bielefelder Stadtverordneten. Ein Beitrag zu bürgerlicher Selbstverwaltung und sozialem Wandel 1850 bis 1914, Matthiesen Verlag, Januar 1962 und Becherer, Ernst: Der Weg der Bielefelder NSDAP an die Macht 1924 - 1933 Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Dr. phil. der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie der Universität Bielefeld vorgelegt von: Ernst Becherer, Twellbachtal 82, 33619 Bielefeld. Gutachter: Heinz-Gerhard Haupt, Universität Bielefeld. Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie, Abteilung Geschichtswissenschaft, Sozialgeschichte. Juli 2007

Büchner, P. (Braunschweig): Erinnerungen an Dr. Graf. von Posadowsky-Wehner. "Posener Tageblatt". Posen, den 24. November 1932

Bülow, Fürst von: Rede im Reichstag. 128. Sitzung, 28. November 1906. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. XI. Legislaturperiode. II Session, 1905/06, Fünfter Band. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin 1906, Seite 395f.

Crispien, Arthur: Kriegs- und Friedenspolitik. "Freiheit. Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands". Berlin, den 21. Juni 1921

Die Eröffnung des preußischen Landtages. Blutige Schlägereien in der ersten Sitzung. "Salzburger Volksblatt". Salzburg, den 9. Juni 1928

Der rastlose Alterspräsident. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Leipzig, den 9. Juni 1928

Der Zolltarif und der Herr Möller. "Vorwärts. Berliner Volkblatt. Centralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 4. Januar 1902

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Reden und Vorträge von Posadowsky-Wehner - zeitlich geordnet

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 9. Sitzung des Reichstages. Montag, den 13. Dezember 1897 [Betreffend der Kritik an August Bebel]. Fortsetzung der ersten Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend der Feststellung des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1898, nebst Anlagen, in Verbindung mit der ersten Beratung. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 171 bis 176

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 12. Sitzung des Reichstages. Montag, den 16. Dezember 1897. Fortsetzung und Schluss der ersten Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend der Feststellung des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1898, nebst Anlagen, in Verbindung mit der ersten Beratung. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 287 bis 288

Posadowsky-Wehner: 65. Novelle zum Flottengesetz. Am 8. Februar 1898. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiken. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 294 bis 299

Posadowsky-Wehner: 65. Novelle zum Flottengesetz. Am 10. Februar 1898. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiken. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 299 bis 303

Posadowsky-Wehner: Verfassungsfragen. Am 12. Dezember 1898. [Rede vor dem Reichstag] In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiken. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 4 bis 9

Posadowsky-Wehner: Elsaß Lothringen. [Rede vor dem Reichstag] 13. Dezember 1898. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiken. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 9 ff.

Pro domo. Am 13. Dezember 1899. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiken. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 233 bis 236 [Reichstagsrede vom 13. Dezember 1899]

Posadowsky-Wehner: Gegen den Abgeordneten Bebel. Am 12. Dezember 1900. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiken. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 397 bis 398

Posadowsky-Wehner: Eröffnung des Deutschen Handelstages. Am 8. Januar 1901. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiken. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 398 bis 399

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von, Staatsminister, Staatsekretär des Inneren:
Rede vor dem Reichstag. Zweite Beratung des Reichshauhalts-Etats für das Rechnungsjahr 1902. 124 Sitzung. 22. Januar 1902. In:
Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. X. Periode. 10. Legislaturperiode, II. Session 1900/03. Vierter Band. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags Anstalt, Berlin 1902, Seite 3583 bis 3586

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Debattenbeitrag am 29. November 1904 auf der 101. Sitzung des Deutschen Reichstages. In: "Jenaer Volksblatt". Jena, den 1. Dezember 1904

Posadowsky-Wehner [Bericht über seinen Debattenbeitrag zur Zwangsversicherung des Handwerks am 13. Dezember 1904 im Reichstag] In: Dämmerungen "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 16. Dezember 1904

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 36. Sitzung des Reichstages. 6. Februar 1906. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis 28. Mai 1906. Zweiter Band. Von der 32 Sitzung am 31. Januar 1906 bis zun58 Sitzung am 6. März 1906. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, Seite 1047 bis 1051

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 10. Sitzung des Reichstages. Dienstag, den 5. März 1907 In: Verhandlungen des Reichstags. XII. Legislaturperiode. I Session, Band 227. Von der Eröffnungssitzung am 19. Februar 1907 bis zur 30. Sitzung am 16. April 1907. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1907, Seite 252 bis 253

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 14. Sitzung des Reichstages. Sonnabend, den 9. März 1907. Rechtsfähigkeit der Berufsvereine, Befähigungsnachweis, Ausverkaufswesen, Arbeitszeit der Fabrikarbeiterinnen, Arbeitskammer. In: Verhandlungen des Reichstags. XII. Legislaturperiode. I Session, Band 227. Von der Eröffnungssitzung am 19. Februar 1907 bis zur 30. Sitzung am 16. April 1907. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1907, Seite 344 bis 347

Posadowsky. Die Wohnungsfrage als Kulturproblem. Vortrag, gehalten in München am 5. Januar 1910 in einer öffentlichen Versammlung des Bayerischen Verbandes für Wohnungsförderung. München Ernst Reinhardt, 32 Seiten. Rezension. In: Die Neue Zeit. Wochenschrift der Sozialdemokratie. 28 (1909-1910), Zwei Bände (1910), Heft 42, Seite 541 bis 542

Posadowsky-Wehner: Eröffnungsrede auf dem Wohnungskongress. Der zweite deutsche Wohnungskongress. "Der Arbeiter-Zeitung". Wien, 25. Juni 1911

[Jenaer Rede] Eine Rede des Grafen Posadowsky über die politische Lage. "Jenaer Volksblatt". Jena, 20. Januar 1912

[Posadowsky-Wehner] Was regiert die Stunde. 1915. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 38 ff.

Der Graf von Posadowsky-Wehner. "Neues Wiener Journal." Wien, den 5. August 1915

Posadowsky-Wehner, Graf von: Wahlfragen. 8. April 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 82 ff.

Posadowsky-Wehner erklärt. Nochmals die Kühlmann-Reden. Abgeordneter Graf von Posadowsky-Wehner erklärt. "Neues Wiener Journal. Unparteiisches Tagblatt". Wien, den 27. Juni 1918

[Posadowsky-Wehner] Am Scheideweg. Verfasst am 28. September 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 42 ff.

[Posadowsky-Wehner] Vortrag des Grafen von Posadowsky-Wehner. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 17. Januar 1919

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede im Reichstag. Mittwoch, den 28. Februar 1912. 15. Sitzung. In: Verhandlung des Reichstags. XIII. Legislaturperiode. I. Session. Band 283 Stenographische Berichte. Von der Eröffnungssitzung am 7. Februar 1912 bis zur 28. Sitzung am 16. März 1912. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Aanstalt, Berlin SW, Wilhelmstraße Nr. 32, Berlin 1912, Seite 329 bis 333

[PWd] Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede in der Nationalversammlung. 7. Sitzung. Freitag, den 14. Februar 1919. 7. Sitzung. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 326. Stenographische Bericht. Von der 1. Sitzung am 6. Februar 1919 bis zur 26. Sitzung am 9. Juli 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW 1920, Seite 79 bis 88

[PWa] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 27. März 1919. 30. Sitzung. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 327. Stenographische Bericht. Von der 27. Sitzung am 13. März 1919 bis zur 52. Sitzung am 9. Juli 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW, Berlin 1920, Seite 836 bis 839

[PWb] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 13. März 1919. 27. Sitzung. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 327. Stenographische Bericht. Von der 27. Sitzung am 13. März 1919 bis zur 52. Sitzung am 9. Juli 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW, Berlin 1920, Seite 752 bis 754

Posadowsky in der deutschen Nationalversammlung. Debatte über die Frriedensbedingungen In: Deutsche Nationalversammlung. "Grazer Abendblatt". Graz, den 13. Mai 1919

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[PWc] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 7. Oktober 1919. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 330. Stenographische Bericht. Von der 91. Sitzung am 4. Oktober 1919 bis zur 112 Sitzung am 29. Oktober 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW, Berlin 1920, Seite 2892 bis 2900

Graf Posadowsky über die politische Lage. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 25. September 1919

Posadowsky-Wehner, Graf von: Mr. Pecksniff. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 3 ff.[Posadowsky-Wehner] Stimmungen. Verfasst am 4. September 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 17 bis 26

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Posadowsky-Wehner: Aus tiefer Not. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 54 ff.

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Posadowsky-Wehner: Unsere Auslandsdeutschen. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 99 bis 103

Posadowsky-Wehner: Der starke Mann. [16. April 1920] In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 113 bis 121

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Posadowsky, Graf: Im Lichte der Wirklichkeit. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 9. Januar 1926

Posadowsky-Wehner. Bericht über seine Rede als Alterspräsident des Preußischen Landtages am 8. Juni 1928. In: Handgemenge im Landtag. "Vossische Zeitung. Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen". Berlin, den 9. Juni 1928

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 25. Sitzung. 15. Dezember 1928. Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 2. Band. 23. bis 39. Sitzung (13. Dezember 1928 bis 2. Februar 1929). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1929, Seite 1621 bis 1625, 1628

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 121. Sitzung. 13. Dezember 1929. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 7. Band. 105. bis 121. Sitzung (26. November 1929 bis 30. Januar 1930). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 9486 bis 9495

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Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 179. Sitzung. 18. Oktober 1930. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 11. Band. 172. bis 188. Sitzung (8. Juni 1928 bis 14. November 1930). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 15198

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 193. Sitzung. 19. Dezember 1930. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 11. Band. 172. bis 188. Sitzung (8. Juni 1928 bis 14. November 1930). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 16634 bis 16642

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 274. Sitzung. 23. Januar 1932. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 17. Band. 267 bis 285. Sitzung (19. Januar bis 12. April 1932). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1932, Seite 23886 f. + 23888f.

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Reichskanzler, Der. Reichsamt des Inneren. Berlin, den 11. Dezember 1897. [Unterzeichnet] In Vertretung: Graf Posadowsky. In: Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Berlin, den 15. Januar 1897, Seite 1

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[Über Graf von Posadowsky-Wehner] Die deutsche Verwaltung in Russen-Polen. "Fremden-Blatt". Wien, den 25. Juli 1916

[Über Graf von Posadowsky-Wehner] Kaiser Wilhelm sprach Posadowsky-Wehner ... "Sport und Salon". Wien, den 8. April 1917

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Autor: Detlef Belau


Urfassung: 2005.
2012 ergänzt um Simone Herzig.
2014 Fehlerkorrektur.

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