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Arthur Graf von
Posadowsky-Wehner
(1845-1932)
Nach einem Porträt von
Fritz Amann (1878-1969)
aus dem Jahr 1912.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932)
an den Kipp- und Verzweigungspunkten der Geschichte

 

Wozu viele konservative Politiker weder willens noch fähig waren, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner schafft es. Aus Anlass der bevorstehenden Reichstagswahlen rechnet er am 15. Januar 1919 in der Reichskrone (Bild) von Naumburg mit der Welt-, Flotten- und Kolonialpolitik von Wilhelm II. ab. Vielleicht nicht in umfassender Weise, denn er läßt die Kriegsschuldfrage aus und bleibt gewissen Schöpfungen des Deutschtums treu. Trotzdem, tiefgründig, weitsichtig und kritisch analysiert er die verhängnisvollen Fehler der zurückliegenden Epoche der Staatspolitik. Im Geist vereint mit dem konservativ-reformfreundlichen Bürgertum, sucht er den Weg in die Republik. Und darauf kam es in dieser Stunde der Geschichte an.

 

 

Wer Recht erringen will, muß selbst Recht haben ....

Der konservative Politiker imponiert durch eine klare politische Sprache, die Phrasen und Leersätze meidet, keine Urteile scheut und eine beeindruckende analytische Kraft entfaltet. Interessen, Klassen, Sozialpolitik, Wirtschaftlichkeit, Reform, Fortschritt, Freiheit und Pflicht, Gesetz und Rechtsbewußtsein fungieren als zentrale Kategorien seines politischen Denkens. Sachlich, systematisch, das heißt vom Standpunkt einer konservativ-liberalen Politik gewichtet, konkret und ohne persönliche Anfeindungen, parliert er am 13. Dezember 1897 vor dem Deutschen Reichstag als Staatssekretär des Inneren die Rede von August Bebel. So erleben die Reichstagsabgeordneten nicht nur ein hartes Ringen politischer Kontrahenten, sondern eine Sternstunde der Parlamentskultur.

Er ist ein Politiker mit Moral, Gewissen und Charakter, den die von der Aufklärung reformierten christlichen Werte leiten. "Wer wirklich auf christlichen Boden steht," betont er 1912 in der Jenaer-Rede, "der muß wahre Toleranz üben gegen jede Religion und jede Konfession (…). Ich gestehe das ganz offen, dass ich deshalb ein Gegner der antisemitischen Agitation bin (…)."

Allerdings war die DNVP (Deutschnationale Volkspartei), der Posadowsky von 1919 bis 1920 angehörte, stark antisemitisch orientiert. Im Dezember 1921 rief der Verband nationaldeutscher Juden, der von Doktor Max Naumann geleitet, zu einer Versammlung, wo nichtjüdische Deutsche aus allen Lagern eingeladen und sehr willkommen waren. Erschienen waren unter anderen der deutschnationale Friedrich von Oppeln-Bronikowski (1873-1936). Energisch wandte er sich gegen den antisemtischen Rummel in der Partei und übte scharfe Kritik an Ludendorff. Ebenso wollten einige andere die antisemitische Agitation nicht mitmachen. Zu ihnen gehörten der Abgeordnete Ritter, Clemens von Delbrück (1856-1921) und Arthur Graf von Posadowsky-Wehner. Aber, kommentierte am 10. Dezember 1921 der Vorwärts (SPD), "das geistige Wesen der Deutschnationalen wird .... nicht von Delbrück und Posadowsky präsentiert, sondern von [Reinhold] Wulle [1882-1950]."

Den preußischen Pflichtbegriff verinnerlichte Graf Posadowsky ohne den Untertanengeist und krankhaften Hang zum Opportunismus. Klare Leitideen und Normen trägt er dem ertüchtigten Unternehmertum und der politischen Elite an. "Die Ereignisse unserer Zeit lassen leider den mutigen Wirklichkeitssinn, der notwendigen Grundlage für richtiges Handeln, schmerzlich vermissen" kritisiert er 1926 Im Lichte der Wirklichkeit. "Man behilft sich mit der Vorstellung, deren planmäßige Wiederholung günstig auf die öffentliche Meinung und festigend auf die eigene Stellung wirken sollen. Gehen im politischen Leben derartige Einflüsse von maßgebenden Gewalten aus, so erzeugen sie schließlich herbe Enttäuschungen und tiefgehendes Mißtrauen".

Nichts deutet auf die moralische oder politische Abwertung der arbeitenden Klasse und Unterschichten hin. Seine Rede am 23. Mai 1907 in Berlin zur Eröffnung der 11. Generalversammlung des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose überzeugt dadurch, dass er die sozialen Ursachen dieser Krankheit nicht ausblendet und die Bekämpfung des menschlichen Elends fordert. Er steht damit in guter radikal-liberaler Tradition der "Mittheilungen über die in Oberschlesien herrschende Typus-Epidemie" von Rudolf Virchow, veröffentlicht nach der Reise vom 20. Februar bis 10. März 1848 durch dieses Gebietund zum Zweck der Krankheitsvorsorge durch Demokratie, Freiheit und Wohlstand.

Posadowsky ist bewußt, dass er als Politiker in einem Geflecht von Wirtschafts-, Sozial-, Wohnungs- und Lohnpolitik, also in einem Feld von Interessengegensätzen agiert. Charakteristisch hierfür ist die folgende Passage aus der Rede vom 22. Januar 1902 zum Etat des Reichshaushalts:

"Meine Herren,
wenn sie den Weg gehen, jedesmal die Fabrikanten zu entschädigen, wenn wir ein Verfahren ausschliessen, das gesundheits- oder lebensgefährlich für die Arbeiter ist, dann fürchte ich, riskieren Sie, die ganze sozialpolitische Gesetzgebung zum Stillstand zu bringen …

Das wäre eine Belastung des sozialen Fortschritts, die wir gar nicht ertragen könnten."

Als 1930 mit den Notverordnungen soziale Leistungen gekürzt wurden, warnte er:

"Kalte Selbstsucht eines Volkes gegenüber leidenden Schichten seines eigenen Blutes bedeutet eine soziale Gefahr …."

Natürlich war der aktive und ehemalige Staatssekretär des Inneren ein politischer Gegner der Sozialdemokratie. Aus historischer Perspektive geurteilt, aber einer ihrer fairsten und anständigsten. "Die Sozialdemokratie", formuliert er zur Vorstellung als Kandidat des Reichstages Ende November 1911 für den Wahlkreis Bielefeld, wo er den Sozialdemokraten Carl Severing (1875-1952) aus den Feld schlägt, "ist nur geistig und sittlich zu überwinden. Dazu gehört aber viel Ruhe, Gerechtigkeitsliebe und Uneigennützigkeit der besitzenden Klassen.

Wer Recht erringen will, muß selbst Recht haben

und vor allem Freiheit des Individuums."

Im Ergebnis der Umwälzungen von 1918/19, sollen alle Bürger in ein gemeinschaftlich zu schaffendes Staatswesen integriert werden, das die

"Grundrechte des Menschen" (Posadowsky-Wehner)

gewährt und achtet.

Ein "typischer Junker", wie ihn 1925 Paul Wittko (1856-1958) charakterisierte, war er nicht, sondern wertkonservativ und reformfreundlich in Einem. Das Verhältnis von wirtschaftlichen Notwendigkeiten und der von ihn kreierten Sozialpolitik als Kulturaufgabe konstituiert ein Geflecht von Widersprüchen, die seiner Tätigkeit als Staatssekretär und Reichstagsabgeordneten einen unverwechselbaren Charakter verliehen.

Wer ihn kannte, achtete und bewunderte ihn. "Seine Hauptstärke war", bescheinigt ihm 1907 das Zeugnis der Volksstimme aus Magdeburg, "die fleißige Durchdringung der zahlreichen Einzelheiten seines Ressorts, verbunden mit einer gewissen Nachdenklichkeit, also einer in preußischen-deutschen Regierungskreisen höchst seltenen Eigenschaft." Das sozialdemokratische Blatt nennt ihn einen

Vertreter des sozialen Königtums,

dessen Ziel, die Geistige und wirtschaftliche Hebung der minderbemittelten Klassen war.

Die Kaufmannsgehilfen-Tagung am 9. Februar 1926 in Naumburg begrüßt ihn als

Vorkämpfer der deutschen Sozialpolitik.

 

2006 erschien von Joachim Bahlcke der Aufsatz: Sozialpolitik als Kulturaufgabe. Zu Leben und Wirken des schlesischen Politikers Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932). Und Simone Herzig veröffentlichte 2012: Die "Ära Posadowsky". Posadowskys Beitrag zur staatlichen Sozialpolitik im Deutschen Kaiserreich.

Darüber hinaus existieren von Leopold von Wiese (1909), Martin Schmidt (1935) oder Karl Erich Born (1957) wissenschaftliche Arbeiten zum Leben und Werk von Posadosky-Wehner. Ihnen mangelt es, wie Simone Herzig 2012 (47) nicht umhin kam festzustellen, an wissenschaftlicher Objektivität.

 

Die Naumburger begegneten ihn mit Ehrfurcht und freundlichen Respekt. Oftmals wirkte er etwas steif und unnahbar, doch nie unaufmerksam oder unfreundlich. "Zu meiner Zeit saß", rekonstruiert Hans-Gert Kirsche 2006 das Zusammentreffen mit ihm, "in der Kurie der schlesische Graf von Posadowsky-Wehner, seinerzeit Böttichers Nachfolger im Reichsamt des Inneren und später Reichstagsabgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei. Er sah aus wie der leibhaftige Weihnachtsmann, denn er trug einen riesigen weißen Vollbart vor sich her, und war in der Stadt, wo man ihn häufig auf den Straßen sah, sehr beliebt. Als er [am 23. Oktober] 1932 starb, folgte fast ganz Naumburg seinem Sarge, es war wie ein Staatsbegräbnis."

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner wurde am 3. Juni 1845 als Sohn des Oberlandesgerichtsrats Graf von Posadowsky und seiner Ehefrau Amalie, geborene von Plötz, in Groß-Glogau geboren. 1864 verläßt er das hiesige Evangelische Gymnasium mit der Reifeprüfung und studiert in Berlin, Heidelberg und Breslau Staats- und Rechtswissenschaften. 1867 erfolgt an der juristischen Fakultät in Breslau die Promotion zum Dr. jur.. Nach zwei Jahren als Auskultator am Breslauer Stadtgericht folgt das zweite juristische Staatsexamen.

1871 heiratet er Elise von Moeller, die Tochter eines Appelationsgerichtspräsidenten. Ein Kind von ihnen verstirbt früh. Ihre Familie erweitert sich um einen Sohn und zwei Töchter.

Die Familie erwirbt das Gut Welna im Kreis Gnesen, wo der Jung-Akademiker praktische Erfahrungen und Kenntnisse bei der Führung eines landwirtschaftlichen Betriebes sammelt. Vier Jahre später tritt er bei der Regierung in Posen als Regierungsreferendar und -assessor in den Verwaltungsdienst. Von 1873 bis 1877 amtiert er als Landrat des Kreises Wongrowitz und von 1877 bis 1882 des Kreises Kröben. Dann zieht er von 1882 bis 1885 für die Freikonservative Partei im Wahlkreis Lissa-Rawitsch-Fraustadt in das Preußische Abgeordnetenhaus ein. Bestimmend bleiben seine konservative Grundhaltung und die Frontstellung zur Sozialdemokatie. Im Aufsatz von 1882 "Über die Altersversorgung der Arbeiter" unterstützt er die Notwendigkeit der staatlichen Fürsorgepolitik, will aber die Unternehmer und Grundbesitzer vor finanziellen Belastungen schonen.

1885 wird er an die Spitze der provinziellen Selbstverwaltung berufen. Abgeordneter konnte er nicht mehr bleiben, da ihn die Arbeiten zur Reorganisation der Verwaltung voll in Anspruchnahmen.

Es folgt von 1885 bis 1889 die Tätigkeit als provisorischer Leiter der Verwaltung Posen, dann 1889 als Landesdirektor beziehungsweise ab 1890 als Landeshauptmann.

 

Der Aufstieg

Arthur Graf von
Posadowsky-Wehner
1894

Einem Konflikt zwischen dem Staatssekretär des Reichsschatzamtes Helmuth Freiherr von Maltzahn und dem preußischen Finanzminister Johannes von Miquel verdankte Arthur Graf von Posadowsky-Wehner, dessen finanzpolitische Leistungen in Posen den Kaiser beeindruckt hatten, am 12. August 1893 seine überraschende Ernennung zum Staatssekretär des Reichsschatzamtes, zuständig für das Etat-, Zoll- und Rechnungswesen des Deutschen Reiches. "Der gräfliche Reichsschatz-Sekretär," raunte am 13. August 1893 der Vorwärts aus Berlin, "ist politisch ein völlig unbekannter Mann."

Am 1. Juli 1897 beginnt ein neuer Abschnitt seines politischen Schaffens als Staatssekretär des Innern.In der Eigenschaft als Stellvertreter des Reichskanzlers leitet er die Sitzungen des Bundesrates und ist als preußischer Minister ohne Portefeuille gleichzeitig stimmberechtigtes Mitglied des preußischen Staatsministeriums. (Bahlcke 95) Wir werden uns bemühen, verspricht er 1897 vor dem Reichstag, "das Wohl der arbeitenden Klasse weiter zu fördern", "soweit es sich um berechtigte Forderungen für die sittliche und körperliche Gesundheit der Arbeiter handelt" (PW 1897, 176). Dabei sind normative Grenzen des politischen Handelns nicht zu übersehen. So etwa wenn er in der bereits erwähnten Rede vom 13. Dezember 1897 die Gewerkschaften als Streikvereine bezeichnet. An die Lösung der Arbeiterfrage nicht nur sozialpolitisch, sondern als Verfassungsfrage heranzutreten, das wollte er nicht verantworten. Schließlich bedurfte dies der uneingeschränkten Koalitionsfreiheit und Aufhebung des politisch-diskriminierenden Zensuswahlrechts mit anachronistischer Wahlkreiseinteilung. (Vgl. Glade 87)

 

Bekämpfung der Sozialdemokratie (Posadowsky-Wehner)


Rede
vor dem Reichstag 1905


hören
(1: 46 Minuten, mp3)

Überwindung der Sozialdemokratie und des Materialismus

Geistige und sittliche Wiedergeburt des deutschen Volkes durch Opferfreudigkeit und Selbstlosigkeit

Trotz Wahlrecht kann die Herrschaft der besitzenden Klassen aufrechterhalten werden

 

Der SPD wirft Posadowsky-Wehner ein Spiel mit der Revolution vor und mißbilligt, dass sie nicht anerkennt, "was der Staat und die bürgerliche Gesellschaft für die arbeitenden Klassen bisher schon getan haben". In seiner Rede vor dem Reichstag am 6. Februar 1906 verleiht er dem "Kampf gegen die Sozialdemokratie" einen neuen Impuls. Ihn treibt die Frage um: Wie kommt man gegen die drei Millionen Stimmen der Sozialdemokratie an? Und: Wie kommen wir bei der Schaffung einer Arbeiterpartei voran, "die innerhalb des gegebenen Staates", des "bürgerlichen, des monarchischen Staates" steht? Wir haben, so seine Schlußfolgerung, den "allerdringendsten Grund die christliche Arbeiterbewegung zu unterstützen".

 

Zuchthausvorlage und Richtungswechsel

In der Schrift Sozialreform oder Revolution? (1899) von Rosa Luxemburg (1871-1919) findet sich eine versteckte Replik auf Arthur Graf von Posadowsky-Wehner. Sie klagt ihn an, ein Attentat auf das allgemeine Reichstagswahlrecht begehen zu wollen. Als Staatssekretär im Reichsamt des Inneren sandte er am 11. Dezember 1897 ein geheimes Rundschreiben an die Regierungen der deutschen Einzelstaaten, worin gesetzliche Maßnahmen gegen das Streikrecht und die Koalitionsfreiheit gefordert wurden. Darin heißt es:

"In letzter Zeit ist in der Tagespresse und Fachliteratur wie in Vereinsversammlungen die Frage lebhaft erörtert worden, ob nicht angesichts der durch die Arbeiterbewegung von der Gesetzgebung ein erhöhter Schutz gegen Missbrauch der durch § 152 der Gewerbeordnung gewährleisteten Koalitionsfreiheit zu verlangen sei."

Kommentar zur Veröffentlichung der Zuchthausvorlage im "Vorwärts", Berlin den 15. Januar 1898

Posadowsky bittet um eine gefällige Äußerung, um den Reichstag beim nächsten Zusammentreffen eine neue Vorlage vorlegen zu können. Den Sozialdemokraten war es gelungen, das Geheimdokument in die Hand zu bekommen und am 15. Januar 1898 im Vorwärts zu veröffentlichen.

In seiner Oeynhausener-Rede vom 6. September 1898 kündigte Wilhelm II. die für 1899 vorgesehene Gesetzesvorlage an.

Friedrich Naumann (1866-1919) nimmt 1899 in einem Vortrag ebenfalls gegen die Zuchthausvorlage Stellung.

Schliesslich lehnt der Reichstag das Dokument als Entwurf eines Gesetzes zum Schutz der gewerblichen Arbeitsverhältnisse vom Mai 1899 mit einer übergroßen Mehrheit ab.

Mit dem Scheitern der Zuchthausvorlage beginnt ein Umdenkungsprozess. Joachim Bahlcke (2006, 95) charakterisiert ihn sogar als "Richtungswechsel". Nunmehr sucht der Vizekanzler (1897) in sozialen Fragen mit der SPD und der Arbeiterbewegung eher den Ausgleich. Er will den Bau von Wohnungen für Reichsangestellte forcieren, um der Ausbeutung durch Hausbesitzer und Grundeigentümer entgegenzutreten.

Während seiner Amtszeit werden bedeutende wirtschafts- und sozialpolitische Reformen realisiert. Im Juli 1899 erfolgte mit Zustimmung der Reichstagsabgeordneten der SPD die einheitliche Festlegung der Höhe der Invalidenrenten. "Es war", wie er am 6. Februar 1906 (1049) vor dem Reichstag sagt, "aber der große Fortschritt der deutschen Sozialgesetzgebung, das an die Stelle der Armenpflege ein eigenes Recht und eine gewisse Leistung des Arbeiters trat, eine Rente …."

Auf seine Initiative hin wird am 1. Juni 1901 die Gewerbeordnung verabschiedet, was den Mutterschutz und die sozialen Bedingungen für die Nachtarbeit und die Arbeit an Sonn- und Feiertagen in der Industrie und auf dem Bau verbessert. Kinderarbeit unter 13 Jahren ist verboten. Arbeiterwohnungen werden finanziell gefördert. 1903 wird die Zahlung der Krankenunterstützung von 13 auf 26 Wochen verlängert. Er verantwortet die Novelle zum preussischen Bergbaugesetz vom 14. Juli 1905 und zur Gewerbeordnung vom 25. Mai 1908. (Vgl. Gladen 85)

Die Gesetze zu den Gewerbe- (1901) und Kaufmannsgerichten (1904) sollen die Arbeitskonflikte friedlich regeln. Sie erkennen den Arbeiter als gleichberechtigten Vertragspartner der Unternehmer an, die im Ergebnis des Bergarbeiterstreiks von 1905 weitere Rechte erringen.

Er unterstützte den ersten allgemeinen deutschen Wohnungskongress, der am 16. Oktober 1904 in Frankfurt am Main eröffnete wurde, weil er die Wohnungsfrage für den wichtigsten Teil der sozialen Frage hielt.

 

 

 

Herkunft, Datum und Autor der Fotografie sind unbekannt. Am linken Bildrand ist auf dem Plakat der Name "Kaempf" zu lesen. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um den ehemaligen Stadtrat von Berlin, Juristen und Reichstagspräsidenten (1912-1918) Johannes Kaempf (1842-1918). Seit 1901 war er Mitglied des Reichstages und Fraktionsvorsitzender der Freisinnigen Volkspartei. Am 25. Januar 1907 fanden die Wahlen zum 12. Deutschen Reichstag statt. Das obige Foto, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner ist darauf gut zu erkennen, könnte eine Szene aus diesem Wahlkampf darstellen.

 

 

Ich bin aber, solange ich in diesem Amte stehe,
ein Staatssekretär  f ü r  Sozialpolitik

Ära Posadowsky 12.08.1893 bis 24.6.1907

Oft wird die deutsche Sozialpolitik vor dem Ersten Weltkrieg als Reaktion auf den wachsenden Einfluss der Sozialdemokratie und im Dienst der Domestizierung der Arbeiterklasse interpretiert. Andere begreifen sie vor allem als Pflegeleistung zur Produktivitätssteigerung der Arbeit. Posadowsky-Wehner überschreitet deutlich den Horizont sowohl einer populistisch wie ökonomistisch begründeten Sozialpolitik. Für ihn ist sie, wie er in "Volk- und Regierung ...." (126ff.) unmißverständlich ausführt, eine universelle kulturelle Aufgabe, ohne die kein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Fortschritt möglich ist. Damit setzt er sich von seinen sozialethischen Auffassungen der Posener-Zeit ab, die die Pflicht zur sozialen Fürsorge vor allem aus dem Gebot der christlichen Sittenlehre ableitete.

Sozialpolitik verstand Posadowsky nicht als Praxis sozialer Geschenke an eine geschundene arbeitende Klasse. Vielmehr lotete er ihre Möglichkeiten und Grenzen im Entscheidungsfeld von Humanität, Rationalität und Ökonomie aus. Einerseits widersprach er ".... auf das heftigste, wenn der Centralverband deutscher Industrieller Forderungen, die der Gesundheit und körperlichen Unversehrtheit am Arbeitsplatz galten, als sozialdemokratisches Anliegen zurückwies." (Bahlcke 96) Zugleich war er der Überzeugung, dass die Sozialpolitik nicht die zwangsläufigen und unverrückbaren wirtschaftlichen Gesetze überschreiten und zerstören darf, sonst sind riesige volkswirtschaftliche Schäden zu gegenwärtigen. (Vgl. V&R 213)

Im Reichstag stieß die Fortsetzung seiner (Sozial-) Politik auf Widerstand, die mit Auseinandersetzungen verbunden waren. Seine Gegner stellten das

Prinzip der Kontinuität,

in Frage. In der Reichstagsdebatte am 9. März 1907 (344/345) argumentiert der Staatsminister, Staatsekretär des Inneren, Stellvertreter des Reichskanzlers: Ein Volk, dass in der Bildung fortgeschritten, stellt auch im Unglück höhere Anforderungen an seine Lebensführung als die Armenpflege gewähren kann. "Deshalb kann ein Volk von dem Kulturstande des deutschen Volkes die Sozialpolitik nicht aufhalten und nicht aufgeben, trotz aller stillen und offenen Gegner." Folglich kann die Sozialpolitik kein "verhängnisvoller Schritt" sein.

Gegen diese soziale Methode und damit verbundenen politischen Ambitionen regte sich bereits längere Zeit Widerstand. Es ist eine Ursache für den Ministeriellen Massensturz 1907. Meist äußern sich seine Widersacher öffentlich nicht in schroffer Weise, illustriert er am 9. März 1907 (344) im Reichstag die Lage. Aber sie bekämpfen jeden einzelnen (Fort-) Schritt und sorgen dafür, dass für den Schwachen nur das Notwendigste geschieht. "Und, meine Herren," streitet er am 5. März 1907 für seine Politik vor dem Reichstag, "dass gegen mich in der Öffentlichkeit, persönliche gehässige, giftige und verleumderischen Angriffe gerichtet sind, das ist allgemein bekannt …." "Es gibt eben Richtungen, die wollen, das ein

Staatssekretär gegen Sozialpolitik besteht.
Ich bin aber, solange ich in diesem Amte stehe,
ein Staatssekretär für Sozialpolitik …."

 

Ministerieller Massensturz

Unter der Kanzlerschaft von Leo von Caprivi (1890-1894) und Carl Viktor Fürst von Hohenlohe-Schillingsfürst (1894-1900) konnte Posadowsky seine Leistungskraft voll entfalten. Aber als Bernhard von Bülow (1900) das Amt übernahm, traten die "Temperamentsunterschiede" (Wittko) deutlich zu Tage. Doch für die aufkommenden Differenzen und Konflikte gab es weitaus wichtigere Gründe. Bülow will in der Aussenpolitik freie Hand, um die Wirtschaftskraft zu stärken. Er unterstützt die vom Staatssekretär des Reichsmarineamtes Alfred Tirpitz (1849-1930) vorgelegten Pläne zur Flotten-Hochrüstung. Weiter musste er seine Haltung zur Frage der Kosten des Kolonialkrieges, damit verbunden die Haltung zum Zentrum und daran nahtlos anschliessend, die Frage der Weiterführung der Sozialpolitik klären.

"Wat rausschmeissen wollen Se mir. Ich habe vierzehntägige Kündigung. Mit mir jeht det nicht so wie mit Posadowsky`n."

Simplicissimus. 12. Jahrgang, No. 16. München, den 15. Juli 1907

Der Kampf gegen die Herero in Deutsch-Südwestafrika und die Niederschlagung des Aufstandes der Nama kostete dem deutschen Staat und den Kolonialherren viel Geld. Staatssekretär Bernhard Dernburg (1865-1932) wies 1906 die Kritik an der deutschen Kolonialverwaltung und den Krieg gegen die Hottentotten und Hereros scharf zurück. Ein Nachtragshaushalt wird fällig. Posadowsky stimmte mit dem Zentrum und der SPD im Reichstag dagegen. Bernhard von Bülow löst den Reichstag auf. Sein Stellvertreter unterstützt die Innen- und Aussenpolitik nicht mehr, obwohl er, schon um seine sozialpolitischen Ziele durchzusetzen, gewillt war sich anzupassen. Doch die Widersprüche, waren nicht mehr zu klammern. Die Auflösung des Reichstages war nicht der einzige Grund für seinen Rücktritt. Ein radikaler Bruch mit dem Zentrum kam ungelegen, glaubte er doch bei der Durchsetzung seiner Sozialpolitik, auf seine Unterstützung nicht verzichten zu können. Und darin unterschieden sich die Auffassungen vom Reichskanzler und des Staatsministers wesentlich.

Die Volksstimme aus Magdeburg kommentiert:
"Sein Sturz entspricht mehr noch als den Wünschen des Fürsten Bülow jenen der scharfmacherischen Reichspartei, die den ehemaligen Vertreter der Zuchthausvorlage, den Hauptmitarbeiter des Hochschutzzolltarifs, den Vertrauensmann der Landbündler und Industriebündler, seit er sich in der Auffassung seines Amtes zu etwas modernen Anschauungen gewandelt hatte, als ihren Todfeind zu behandeln pflegte."
Es ist "das wichtigste Ereignis"

des ministeriellen Massensturzes.

"Über die Entlassung von Posadowsky", reicht am 26. Juni 1907 das Jenaer Volksblatt nach, "ist noch zu bemerken, dass er schon längst all den Kreisen der Großindustrie und des unsozialen Junkertums verhasst war, denen selbst die unvollkommene, zögernde und reaktionäre Sozialpolitik Posadowsky noch zu "revolutionär" erscheint."

Am 22. Juni 1907, dem Tag des Rücktritt als Staatssekretär des Inneren, ist er 62 Jahre alt. "Mit ihm scheidet aus der Reichs- und preussischen Staatsregierung", meldet die Volksstimme (Magdeburg) drei Tage später,

"die einzige bedeutende Persönlichkeit, der letzte, dem auch der Gegner Achtung entgegenbringen konnte.

Nachfolger wird der preussische Polizeiminister und spätere Reichskanzler Theodor von Bethmann-Hollweg.

Posadowsky-Wehner lebt nun mit seiner Familie als Dechant des protestantischen Domkapitels in Naumburg.

 

Zur Wohnungsfrage

Zum 5. Januar 1910 bittet ihn der Bayerische Verband für Wohnungsförderung in München zum Vortrag. Auf der öffentlichen Versammlung referiert er zum Thema:

Die Wohnungsfrage
als Kulturproblem.

 

Veröffentlichungen
(Auswahl)

Über die Altersversorgung der Arbeiter (1883)

Geschichte des schlesischen adligen Geschlechtes der Grafen Posadowsky-Wehner, Freiherren von Postelwitz
(1891)

Luxus und Sparsamkeit
(1909)

Die Wohnungsfrage als Kulturproblem (1910)

Volk und Regierung im neuen Reich (
1932)

 

Zunächst erörtert er die Tendenzen der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland. Es klingen kritische Untertöne zur Kolonialpolitik an: In den besten Kolonien, wie Südwestafrika, die 26 Jahre zu Deutschland gehören, siedelten lediglich 6 210 Deutsche, während sich die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um 18 Millionen erhöhte. "Auch die wärmsten Vertreter einer starken Kolonialpolitik werden hiernach die Hoffnung kaum mehr aufrecht erhalten können, dass unsere Kolonien imstande wären, einen irgendwie nennenswerten Teil unserer wachsenden Bevölkerung aufzunehmen." Ob in Deutschland überhaupt ein entbehrlicher Bevölkerungsüberschuss besteht, erscheint ihm sehr fraglich.

Deutlicher kann in aller Kürze der politische Gegensatz zu seinem einstigen Dienstherren Reichskanzler (1900-1909) Berhard von Bülow nicht ausgedrückt werden, der 1906 (3958) sagte: "Die Frage steht nicht so: ob wir kolonialisieren wollen oder nicht; sondern wir müssen kolonialisieren, ob wir wollen oder nicht."

Wenn wir den jetzigen Kulturstand halten wollen, fordert der Graf, dann müssen ausreichend Wohnstätten geschaffen werden, die den gesundheitlichen und sittlichen Anforderungen genügen. Gegenwärtig lebt die Stadtbevölkerung zu vier Fünftel in Kleinwohnungen mit zwei bis drei Räumen. "Aber nur in sehr großen Entfernungen von ihrer Arbeitsstelle können sie sie finden `zum Schaden ihrer Arbeits- und Nachtruhe und ihres Familienlebens`". Etwa 63 Prozent der Bevölkerung leben in Zwei- bis Dreizimmerwohnungen. In einzelnen Orten sind sie bis 59 Prozent mit zwei, ja sogar mit drei Schlafgängern belegt, was "die kaum glaubliche Zerrüttung des Familienlebens in den Arbeiterfamilien" bedingt. Er fordert, dass Staat, Städte und Gemeinden einen neuen Weg im Wohnungsbau einschlagen müssewn. Besonders das Erbbaurecht, ist zu empfehlen. Und die Gemeinden müssen endlich vorsorglich und reichlich Grund und Boden ankaufen, um ihn zu realistischen Preisen dem Wohnungsbau zur Verfügung stellen zu können. Aus Anlass seiner Entlassung reminisziert am 25. Juni 1907 die Volksstimme aus Magdeburg seine Haltung zum Bau von Wohnungen für Reichsangestellte, die er als dringend notwendig erachtet, damit die Mieter der Ausbeutung durch die Hausbesitzer und Grundeigentümer entrinnen können.

Über den Vortrag vom 5. Januar 1910 fällt die sozialdemokratische Wochenschrift Die Neue Zeit (1910) ein vielsagendes Urteil: "Und wenn Posadowsky noch nicht a. D. wäre, die Kreise, deren Interessen er als Minister vertreten hat, würden, ihn nach dieser Rede schonungslos wegjagen. Doch freilich als er noch im Amte war, hat er an den geheiligten Privilegien der Kapitalisten nicht gerüttelt."

 

Mitglied des Reichstages

Bis 1918 bleibt er Mitglied des Preußischen Herrenhauses.

Am 12. Januar 1912 stimmte ihn der Wahlkreis Bielefeld als parteilosen Abgeordneten für die Reichspartei in den Reichstag. Auf einer grossen Volksversammlung hielt er Ende November 1911 in Bielefeld als Kompromiss-Kandidat von Konservativen, Zentrum, Wirtschaftlicher Vereinigung des Bundes der Landwirte und Nationaliberalen seine Antrittsrede. Er wendet sich gegen das in im Gespräch befindliche Ministerverantwortlichkeitsgesetz. Besondere Aufmerksamkeit zog seine Äusserung über die Einführung von "Besitzsteuern" auf sich, die offensichtlich dazu dienen soll, die "gewaltigen finanziellen Mittel aufzubringen", um ein "ungeheueres Kolonialgebiet zu erschliessen". Dem steht Posadowsky ablehnend gegenüber. Bisher wurde die Notwendigkeit kolonialer Erwerbungen durch Deutschland mit der Überbevölkerung begründet. "Es ist aber falsch," betont er, "zur Zeit von einer Übervölkerung Deutschlands zu sprechen". Wenn für koloniale Erwerbungen keine Notwendigkeit beteht, dann ist es auch nicht erforderlich diese zu begründen. Der Kern der Landesverteidigung bleibt das Landheer. Darauf muss sich der Staat konzentrieren. "Ein etwaiger Krieg wird neue Ansprüche stellen. "Dazu ist im Offizierkorps ein frischer Geist und ein frischer Mannesmut erforderlich ...."

 

 

Posa und das deutsche Volk.
Simplicissimus. 18. Jahrgang, No. 40. München, den 29. Dezember 1913, Seite 687

 

 

Friedensresolution des Reichstages 1917

"Ich habe seinerzeit gegen die Friedensresolution vom Juli 1917 im Reichstag gestimmt ….", eröffnet Arthur Graf von Posadowsky-Wehner am 15. Januar 1919 den Naumburgern. Was er damit sagt, ist zunächst nicht mehr, als dass er sich in die nationale Opposition einordnet. Dies als Kandidat der DNVP (Deutschnationalen Volkspartei) im Rahmen einer Wahlkampfrede zu betonen, macht durchaus Sinn. Weiteren Aufschluss erlangt man nur, wenn man diese Aussage auf dem Hintergrund der militärischen Lage deutet. Ende Januar 1917 eröffnete Deutschland den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Reichskanzler Theobald Bethmann-Hollweg stand ihm skeptisch gegenüber. Er zeitigt nicht den erhofften Erfolg. US-Präsident Woodrow Wilson antwortete am 4. April mit dem "Kreuzzug für die Demokratie" und erklärte Deutschland den Krieg.

Nach Absprache mit der Regierung und der OHL (Oberste Heeresleitung) proklamiert am 19. Juli 1917 eine Reichstagsmehrheit mit dem Zentrum, der Fortschrittlichen Volkspartei und den Mehrheitssozialisten, dass Deutschland im Krieg nach der "Unversehrtheit seines territorialen Besitzstandes" strebt und einen "Frieden der Verständigung" sucht. USPD, Nationalliberale und Konservative wandten sich dagegen. Im Unterschied zur internationalen Reaktion, ist die nationale Wirkung enorm. Doch sollte ihre positive Wirkung nicht überschätzt werden. Denn im politischen Anspruch folgt sie lediglich der Erklärung von Wilhelm II. am 4. August 1914. Einen ersten Entwurf des Dokuments akzeptierte Bethmann Hollweg bereits am 10. Juli, der sogar die Zustimmung des Kaiser fand. Dazu gab es die Zusage, dass anstatt des noch in Preußen geltenden Dreiklassenwahlrechts, dass gleiche Wahlrecht eingeführt wird, wovon zwei Tage später die Öffentlichkeit erfuhr. (Fritz Fischer 339)

Die Friedensresolution, eingebracht von Matthias Erzberger (Zentrum), der erst in seiner Rede am 6. Juli 1917 den Übergang vom Sieg- zum Verständigungsfrieden vollzogen, signalisiert ein Ende des Krieges ohne Annexionen und Kontributionen. Darin sah die nationale Opposition ein Zeichen des Verrats.

Im September 1917antwortet darauf die Vaterlandspartei, gegründet mit Hilfe des Alldeutschen Verbandes, antidemokratischer und rechtsradikale Kräfte, in einem Aufruf (Vorwärts 10.09.1917): "Weite Kreise des deutschen Volkes stimmen mit der Stellungnahme der gegenwärtigen Reichstagsmehrheit zu den wichtigsten Lebensfragen des Vaterlandes nicht überein. Wer möchte denn keinen Frieden? "Nervenschwache Friedenskundgebungen verzögern aber nur dem Frieden. Unsere auf die Vernichtung Deutschlands bedachten Feinde erblicken in ihnen nur den Zusammenbruch deutscher Kraft."

Ähnlich dachte Graf Posadowsky-Wehner. Im Januar 1919 sagte er: "Wer eine solche Friedensresolution faßt, erweckt den Verdacht, daß er die Hoffnung auf den Sieg aufgegeben hat, und erschüttert damit auch die Siegeszuversicht des Heeres." Arthur Crispien (USPD / SPD) zitiert ihn 1921 mit den Worten: "Der deutschnationale Graf von Posadowsky-Wehner sprach die Hoffnung aus, dass "für die Feinde Deutschlands" der Tag kommen werde, wo "die Rache der Götter" auf sie niederstürze."

 

Abrechnung mit der wilhelminischen Politik
in der Reichskrone von Naumburg

Reichskrone um 1910. Zeichnung.

Am 15. Januar 1919 lädt Dr. med. Jebsen, Vorsitzender der Ortsgruppe der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) Naumburg, zur Volksversammlung in die Reichskrone am Bismarckplatz ein. Vor einer außerordentlichen Zahl von Frauen und Männern aller Parteien referiert der DNVP-Kandidat für die Nationalversammlung Arthur Graf von Posadowsky-Wehner

Über die heutige Lage
und die Aufgaben der Zukunft.

Schon eine Stunde vor Beginn ist der grosse Saal überfüllt. Als der Referent eintritt, wird er von den Anwesenden mit lebhaftem Beifall begrüsst. Und bald beginnt seine Rede.

  • "Wir sind militärisch niedegebrochen .... damit brachen wir aber auch politisch zusammen." Unsere Volk hat jetzt fast die ganze Welt zum Feinde.

  • Deutschland baute bekanntlich mit viel Kraft und Geld eine Flotte auf.

  • "Nach dem Ausscheiden des Fürsten Bismarck, fuhren wir mit vollen Segeln in die Weltpolitik. Wir suchten uns eine starke Flotte zu schaffen und einen grossen Kolonialbesitz zu erwerben." Das hatte seine Rückwirkung auf die Heeresausgaben. Die sich schnell wiederholenden Flottenvorlagen wurden damit begründet, "unseren Handel zu schützen. Im Frieden hat unser Handel, ....., des Schutzes einer Schlachtflotte nicht bedurft." Doch im Krieg war sie England zahlenmässig nicht gewachsen. Die Flotte konnte "keine ihrer Aufgaben lösen". Sie konnte weder unseren Handel schützen noch zur Verteidigung der Kolonien beitragen. Damit nicht genug. Nicht mal die Überführung der Truppen der feindlichen Länder auf die belgischen und französischen Schlachtfelder verhinderte sie. So war die Flottenrüstung völlig umsonst.

  • "Man kann sehr zweifelhaft sein, ob es richtig war, durch den unbeschränkten U-Boot-Krieg uns die gewaltige wirtschaftliche und finanzielle Macht Amerikas zu offenem Feinde zu machen; die U-Boot-Waffe hatte aber grossen Erfolg, wenn auch nicht den erhofften und in bestimmter Aussicht gestellten Erfolg ...."  Besser wäre gewesen, den Bau von U-Booten nicht so zögerlich und spät zu betreiben. Dann hätte "das Resultat des Weltkrieges ein wesentlich anderes" sein können.

  • Deutschland leitete eine verfehlte Kolonialpolitik. Der Wunsch nach Kolonien scheint wirtschaftlich verständlich. "Die Begründung aber, dass wir Kolonien haben müssten, um dorthin unseren Menschenüberfluss abzuführen und dem Vaterlande zu erhalten, war für ein Land wie Deutschland, welches jährlich 1 ¼ Million fremder Arbeiter einführte, um seine Bergwerke auszubauen, seine Fabriken zu betreiben und den deutschen Acker zu bestellen, tatsächlich unrichtig."

  • "Wollten wir erfolgreich Weltpolitik treiben, so durften wir uns bei der Annexion Bosniens und der Herzogowina nicht als Sturmbock Oesterreichs gegen Russland ausnutzen lassen."

  • "Heute kann kein Zweifel mehr darüber sein, dass diese verfehlte Weltpolitik die Möglichkeit geschaffen hat, einen Ring von Feinden um uns zu schmieden, der schliesslich droht, zur Sklavenfessel für uns zu werden."

  • Das System des multilateralen Bündnisgeflechts war eine ganz wichtige Ursache für die unheilvolle Entwicklung zum Weltkrieg.

  • Deutschland darf seine nationalen Kräfte nicht überschätzen, deshalb muss es der Rüstungs-, Kolonial- und Außenpolitik Fesseln anlegen.

Dem Bürger zugewandt, sagt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner am 15. Januar 1919 in der Reichskrone von Naumburg, die "entscheidende Frage der Gegenwart heisst", "Volksstaat unter Mitwirkung sämtlicher Klassen unseres Volkes oder sozialistischer Staat unter alleiniger Führung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei".

 

Im Mai 1919 ist der Vertag von Versailles ausgehandelt. Wie John Maynard Keynes (1883-1946) erkannte er in ihm "eine geschichtliche Urkunde volkswirtschaftlichen Unverstandes" (PWc 2897).

 

 

Denn jede Zeit ist eine Sphinx ....  Heinrich Heine

Wendet man sich jenen Zeitzeugen zu, die die Weimarer Republik in der deutschen Geschichte einzuordnen und würdigen wussten, dabei aber verhängnisvolle Versäumnisse oder das unverantwortliche Handeln einzelner Politiker nicht kaschieren, dann stösst man auf den Aufsatz von Stefan Zweig (1881-1942) über den Opportunismus als Weltfeind aus dem Jahr 1918. Angesichts des Versagens der wilhelminische Universitäts-, Hochschul- und Kulturelite und enormen Reputationsverlustes der politischen Elite, dessen moralisches Anlitz durch Radikalopportunismus und chronische Indolenz gründlich ramponiert, erscheint es dringend geboten, seinem Ratschlag zu folgen:

"Die neue Republik darf nicht von
den alten Akrobaten der Gesinnung geführt sein."

Trifft dies nicht auch auf Posadowsky-Wehner zu? War er nicht bis 1918 in hohen staatlichen Ämtern tätig? Die Frage zu stellen, ihr nicht auszuweichen, ist wichtig. Besonders die Jugend (-bewegung) zweifelte an der Empathie und den Reformwillen der wilhelminischen Elite. Das Urteil der Alten unterlag einem inflationären Verfall. Posa war bewusst, Jede Zeit ist eine Sphinx, wie Heinrich Heine in der Romantische(n) Schule (11) schrieb, die sich in den Abgrund stürzt, sobald man ihre Rätsel gelöst hat. Und wenn auch die Geschichte über die Dogmen der wilhelminischen Politik hinweggegangen war, wollte er doch andererseits Weltbild und Überzeugungen unter dem äußeren Druck der Tagespolitik opfern. Über die persönlichen und familiären Schwierigkeiten, die er dabei überwinden musste, geben die hier ausgewerteten Reden, Schriften und Aufsätze wenig Auskuft. Ein Zugriff auf Briefe und persönliche Notizen gelang nicht. Immerhin liegen mit der Reichskronen-Rede vom 15. Januar 1919 und seiner Rede als DNVP-Fraktionssprecher in Weimar am 11. Februar 1919 zwei aufschlussreiche Dokumente aus der Umbruchzeit vor.

Ob seiner Haltung zur Friedensresolution des Reichstages 1917 und Vaterlandspartei, fällt es schwer sich ihn als Demokraten vorzustellen. Jedoch ist dies kein Urteil, sondern nur ein Gedanke, dert sich eben irgendwie einstellt. Um die Entwicklung seiner Persönlichkeit zu verstehen, muss an ihn speziell dazu noch eingehender und tiefer befragen. Durch die Verteidigung der Idee des Verfassungsstaates als Fundament der Republik, wuchs ihm die Aufgabe des Schutzes und Pflege der Weimarer Republik zu. Ihm lag die Vergesellschaftung staatlicher Macht, Stichwort "Volksstaat", am Herzen. Beklagt dabei aber immer wieder eklatante Mängel im Rechtsbewusstsein aller Gesellschaftsklassen und des Gesetzgebers. Letzters trifft vorrangig auf die Geld- und Finanzpolitik zu. Und sein Engagement für eine gerechte und verantwortungsvolle Geldpolitik verdioent besondere Aufmerksamkeit und Würdigung. Zum Parlamentarismus verhält er sich zukunftsorientiert, ohne gewisse Schwächen zu übersehen. Instruktiv sind seine Gedanken zur Rolle der Eliten. Ebenso anregend erscheinen die Ausführungen zur Rolle des Privateigentums in der bürgerlichen Gesellschaft. Ultimativ fordert er vom Bürger die Wahrnehmung und Erfüllung staatspolitischer Pflichten. Im Ganzen, unterstützt durch sein bescheidenes, zugleich stilvolles und bestimmtes Auftreten, war er viel demokratischer als jene, die ständig die "Demokratie" als Modephrase im Munde führten.

 

Kontinuität und Wandel

Am 11. Februar 1919 unterliegt der Vizekanzler a. D. in der Wahl zum Reichspräsidenten dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert. Drei Tage später hält er als DNVP-Fraktionssprecher in der Nationalversammlung die wichtigste Rede seines Lebens. Was kann, was muss der Bürger angesichts der tiefen politischen Krise des Konservatismus und desolaten Lage der bürgerlichen Parteien von ihm erwarten? Verheddert sich der dreiundsiebzigjährige in programmatischen Debatten? Oder ufert alles in Anwürfen oder personellen Streitereien aus? Nicht ohne Grund forderte Theodor Heuss am 17. Januar 1917 in Stuttgart vor der Deutschen Demokratischen Partei, dass die Parteien jetzt ihre Regierungsfähigkeit unter Beweis stellen müssen, um das Land aus der Krise zu führen. Darauf ist die DNVP aber nicht vorbereitet (vgl. Werner Liebe). Was ist Arthur Graf von Posadowsky-Wehner in dieser wahrlich historischen Situation imstande zu leisten?

In seinen Beiträgen zu den Debatten in der Nationalversammlung entwirft er auf Grundlage einer konservativ-republikanischen Wertorientierung und in Opposition zu jeder erratischen Arbeitsweise, Pläne wohin Regierung und Staat steuern sollen. Im alten System sah er weder einen Obrigkeitsstaat noch staatliche Gewaltherrschaft und lehnt deshalb jede "Herabsetzung des alten Staates" ab. Ihn leitet die Überzeugung, dass die konstitutionelle Monarchie als beste Staatsform, "den sicheren Gang der Staatsmaschine gewährleistet" (PWc 2893).

 

Zur Überwindung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen

"1901 hatten auch in Naumburg eine Anzahl Arbeiter ihre Aufnahme in die Wählerliste beantragt. Und da gab es wieder den Beweis, daß die Besitzenden stets bemüht waren, Arbeiter um ihre Rechte zu bringen. Einer Anzahl ärmerer Eltern waren Schulbücher für ihre Kinder von der Armenverwaltung genehmigt worden. Das wurde als Armenunterstützung angesehen, die betreffenden Väter erhielten somit nicht das Wahlrecht." (Leopoldt 238)

Das Dreiklassenwahlrecht galt von 1849 bis 1918 für die Wahl des Abgeordnetenhauses und der Stadtverordneten in Preußen. Vor der Wahl werden die Urwähler entsprechend der von ihnen gezahlten direkten Steuern in drei Wahlklassen eingeteilt, die jeweils zu gleichen Teilen Steuern aufbringen. Dann wählt jede dieser Wahlklassen die gleiche Anzahl von Wahlmännern. Diese bestimmen in einem weiteren Wahlgang die Abgeordneten. Folglich entscheidet eine reiche, oder doch zumindest wohlhabende Minderheit, vertreten in der ersten bzw. zweiten Wahlklasse, mit zwei Drittel der Wahlmänner über die zu wählenden Abgeordneten. Damit gewährt das Dreiklassenwahlrecht ein allgemeines, aber kein gleiches Wahlrecht. Es ist schlicht gesagt undemokratisch! Hiergegen formiert sich Anfang des 20. Jahrhunderts eine Wahlrechtsbewegung. Beispielsweise streiken in Hamburg am 17. Januar 1906 die Arbeiter für ein demokratisches Bürgerschaftswahlrecht.

 

In seiner Rede als Oppositionsführer am 14. Februar 1919 vor der Weimarer Nationalversammlung fährt er fort: "Wir hatten also in Deutschland das freieste Wahlrecht, das man in Europa kennt ....". "Dem nach Besitz abgestuften Klassenwahlrecht lag über dem die wirtschaftliche Auffassung zugrunde", erklärt er in Weltwende (83), "dass ein Gleichgewicht bestehen müsse zwischen den Leistungen an den Staat und den politischen Rechten im Staat."

Es gab eine Reihe von Gründen, warum konservative Politiker das gleiche und allgemeine Wahlrecht ablehnten. Thomas Mann erörtert dies 1918 in den Betrachtungen eines Unpolitischen: Sie fürchteten, wenn Deutschland zum westlichen Demokratismus konzediere, dass sie geistig den Krieg gegen die westlichen Literaten, denen das Wörterbuch der französischen Revolution eigen (394), verloren geben müssen. Überdies zweifelten sie daran, ob diese Form des Votums wirklich das "Bild des Volkswillens" abbildet. "Eine mechanisch demokratische Abstimmung im dritten Kriegsjahr würde mit kläglicher Wahrscheinlichkeit eine erdrückende Majorität zugunsten eines sofortigen und bedigungslosen, das heisst ruinösen Frieden ergeben." Hiermit führt sich das Ergebnis selbst ad absurdum, denn es wäre mitnichten der Wille des Volkes. "Der Wille eines historisch aufstrebenden Volkes", füsiliert Thomas Mann weiter das Prinzip der Volksabstimmung (280 ff.), "ist eins mit seinem Schicksal." Und den Deutschen ist nun einmal die Demokratie nicht gemäss.

Trotz einer etwas überlebten Haltung zum Dreiklassenwahlrecht, verantwortet und gestaltet Posadowsky die Wende zur Republik mit. Allein aus diesem Grund wäre es grundfalsch, ihn als Monarchisten anzusprechen. Er will das konservative Selbstbewusstsein nicht weiter desavouieren und geht deshalb mit dem Kaiserreich als Obrigkeitsstaat behutsam um. Außerdem gibt es keinen Staat, insistiert er, der auf eine Obrigkeit als Führungsschicht verzichten kann. Sie ist seiner Überzeugung nach die "Grundlage jeder kultivierten Staatsverfassung". Die überzogene nationalistische Erziehung und ihre Folgen kommen nicht zu Sprache. Und das scheint symptomatisch, denn in Fragen der Bildungspolitik und Erziehung verharrt Posadowsky lange in konservativ-traditionellen Anschauungsweisen. Doch wie er sie lebte, mahnt uns mit Urteilen sehr vorsichtig umzugehen. Sein Arbeitseifer, die gründliche Arbeitsweise und geistige Disziplin, die Fähigkeit an alle Klassen, Schichten nebst den Eliten, nachdrücklich die Frage der Gerechtigkeit zu richten, das Bemühen Politik auf Vertrauen, Wahrheit und Recht zu gründen, verdienen hohe Wertschätzung.

Etwas einfacher erscheint die Kritik seiner Auffassungen zur deutschen Kriegsschuld, die mit der sozialdemokratischen Volksmeinung und anderer linker politischer Strömungen kollidieren. Für die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts machte er im Frühjahr 1919, was wenig originell, den russischen Panslawismus, den britischen Handelsneid und das französische Revanchestreben verantwortlich. (Dreyer/Lembcke 1993, 170)

Die Vergesellschaftung der Betriebe ist für den DNVP-Frontmann eine Frage, ob dadurch "die Produkte billiger und besser gestaltet" werden können. Es dürfe keine "unsinnigen Lohnsteigerungen" geben, weil das zur Inflation führt. Drohungen gegen das "arbeitslose Einkommen" sind volkswirtschaftlich gefährlich und zersetzend, denn die Betriebe benötigen dringend Kredite und Investitionen. Deshalb darf man das Kapital nicht wegsteuern.

Vor 1918 herrschte nach Posadowsky-Wehner nicht der Militarismus, doch ist er jetzt in Gestalt der Arbeiter- und Soldatenräte "in der weitesten Form zur Macht gelangt".

Hauptsache, so seine Losung, "keine kommunistischen Experimente" (PWd 752). Die Arbeiter- und Soldatenräte, die "fortgesetzt in die lokale Verwaltung" eingreifen und zur "Desorganisation" beitragen (PWb), betrachtet er als unerwünscht. In größte Sorge versetzte ihn 1919/20 die Vorstellung von der Möglichkeit einer kommunstischen Steuergesetzgebung, denn sie "müsste schließlich den Niederbruch des Kulturlebens für alle Schichten der Gesellschaft herbeiführen". Die finanziellen Heilmittel liegen in der Vereinfachung der Staatsregierung, "in der Streichung aller Ausgaben, die nicht auf erworbenen Rechten beruhen" (Weltwende 52).

Das Betriebsrätegesetz ist vernünftig, doch dürfen die Arbeitnehmer nicht "in die Art des Betriebes selbst hineinsprechen können, dass ihnen die Bilanzen vorgelegt werden müssen" (PWc 2898).

Leider brachte der November 1918 einen "Schlag gegen die Religion selbst". Doch man darf die Kirche nicht behandeln wie einen Privatverein, denn sie ist eine "tausendjährige öffentliche Korporation" (PWe).

Die Quintessenz der Rede von Posadowsky-Wehner lautet:

"Wir werden daher an der Wiederaufrichtung des Vaterlandes sachlich und gewissenhaft mitarbeiten. Den gewaltsamen Umsturz haben wir jederzeit verurteilt und halten auch jetzt …. an dieser Auffassung fest."

Damit erklärt die Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei in der Nationalversammlung unter seiner Führung die Bereitschaft am nationalen Aufbauwerk mitzuwirken, die Republik zu stärken und die wirtschaftliche Katastrophe abzuwenden. Hieran fügt sich nahtlos das Urteil von Doktor Andreas Grieser (1868-1955), ehemals Staatssekretär im Reichsarbeitsministerium, 1933 von den Nationalsozialisten entlassen, der in ihm einen Politiker erkannte, der konservative Ideen organisch mit der Modernisierung verbinden konnte.

 

 

Im Sog des ewigen Deutschtums

Seit 1914 wanderten verstärkt Ostjuden nach Deutschland ein. Judenpogrome, der Gegensatz von Juden und Polen und ihre sich deutlich verschlechternde Wirtschaftslage verstärkten die Abwanderung aus Polen. 6 000 Ostjuden kamen nach Angaben des Arbeitsamtes in der zweiten Hälfte 1919 nah Deutschland.

Ägidienkurie, Naumburg 2007

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner verlangt am 29. September 1919 in der Sitzung des Programm-Ausschusses der Deutschnationalen Volkspartei, dass die "Türen und Tore des Ostens" gegen die "verderblichen Einwanderer" endlich geschlossen werden müssen, weil sie das "Deutschtum" verseuchen und die Lebensmittelknappheit verschärfen. Als Parteipolitiker folgt er hier einem politischen Paradigma, dass die Ostjuden potentiell als Revolutionäre darstellt, die undeutsches Gedankengut nach Deutschland bringen, um hier blutigen Terror wie in Russland herzustellen. Hans Dieter Bernd (2004, 108, 188) weist ausdrücklich darauf hin, dass dies nicht "biologisch", sondern "ideologisch" gemeint war.

Anfang 1920 erhebt der Schriftsteller Herbert von Eulenburg (1876-1949) in der "Vossischen Zeitung" Einspruch gegen die Gedankenlosigkeit und Böswilligkeit mit der die Juden Osteuropas in Deutschland behandelt werden. Der ganze alldeutsch-antisemitische Feldzug gegen die Ostjuden, urteilt in typisch sozialistischer Manier die "Freiheit", Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands, ist nur ein Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit auf dem Gebiet des Wohnungswesens und der Arbeiterwanderung mit irgendwelchen positiven Vorschlägen aufzuwarten.

 

Kapp-Putsch

DNVP-Mitglied Wolfgang Kapp (1858-1922) putscht im März 1920 gegen die Reichsregierung. Andere Deutschnationale taten heimlich mit oder bezogen taktische Positionen (vgl. Bernd 2004, 364). Nicht Posadowsky, denn was da geschah, war mit seiner Überzeugung vom demokratischen Verfassungsstaat unvereinbar. Er zieht die Konsequenzen, verlässt die Putsch-Partei und sucht die Zusammenarbeit mit dem Zentrum. Staatssekretär a.D. Graf Posadowsky-Wehner, informiert am 16. April 1920 die Presse, hat den Merseburger Verband der Deutschnationalen Partei (DNVP) gebeten, von seiner Wiederaufstellung als Kandidat zur Nationalversammlung Abstand zu nehmen. Im politisch konservativen Naumburg von Georg Schiele, im Kraftfeld des mächtigen Stahlhelm, von Kolonialverein und reaktionären Kriegervereinen, konnte er jetzt mit einer Einladung zum Treffen der streng nationalen Familie nicht mehr rechnen.

Rechtssicherheit als Vorbedingung für die Freiheit, die sollte aufhorchen lassen, besonders Linken. Tat es aber nicht. Für die Kommunisten war er wohl eh ein Reaktionär. Zwischen ihnen und Posadowsky-Wehner (Naumburg) bestanden beispielsweise in der Kirchen- und Bildungspolitik, der Kriegsschuld- oder Sozialisierungsfrage erhebliche ideologische Gegensätze fort. Wenn man nur wollte, konnte man aber Felder entdecken, wo man sich annäherte: Fortschritt, Reformen, Republik, Gerechtigkeit in der Steuerfrage, Demokratie als Mitbestimmung, Kontinuität der Sozialpolitik, Herrschaft des Gesetzes. Wäre ein Dialog zwischen Konservativen und Linken möglich, obwohl Posa die entschädigungslose Enteignung der deutschen Fürsten im Jahr 1926 so grundsätzlich ablehnt wie das Schmarotzen und die grandiose Unfähigkeit (eines Teils) der wilhelminischen Elite heftig kritisiert. Könnten Linke und der konservativ-demokratische Flügel das politische Kräfteparallelogramm zugunsten der Republik verschieben?

 

Verantwortung der Eliten

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner gesellschaftlicher Funktionsplan für die Kapitaleigentümer und Eliten beschränkt sich nicht auf die allgemeine Formel Eigentum verpflichtet. Er sprach gern vom Materialismus der besitzenden Klasse und sah darin ein Hindernis für die gedeihliche Entwicklung der Gesellschaft. Besitz war seiner Überzeugung nach immer eine Annehmlichkeit, selten ein Verdienst und niemals eine Tugend. Er weist die [Produktionsmittel-] Besitzenden, Oberschicht, Reichen und Eliten konkret in ihre Verantwortung zur Förderung eines gedeihlichen Staatswesens ein. Aus konservativ-demokratischer Perspektive verleiht er dem Selbstverständnis der Elite neue inhaltliche Impulse.

 

 

Kritisch gegenüber Subventionen

Skeptisch steht er der sogenannten Förderungspolitik von Unternehmen gegenüber. "Ein Staat, der auf Kosten der Steuerzahler fortgesetzt ungeheure Subventionen und Bürgschaften für privatwirtschaftliche Unternehmungen gewährt, verlässt den wirtschaftlichen Grundsatz, dass jeder das Risiko seines Unternehmens tragen muss, wenn nicht der Staat Gefahr laufen soll, in den Strudel des wirtschaftlichen Lebens in einem Maße zu geraten, dass die Grundlage jedes geordneten Staates, geordnete Finanzen, aufs schwerste erschüttert wird." (V&R 213)

 

 

Rechtsbewusstsein wider jeder Durchbrechungstheorie

Rechtsstaatlichkeit stellt im Hinblick der Schaffung eines gerechten Staates, dem der Bürger vertrauen kann, eine Leitidee und zentrale Kategorie im staatspolitischen Denken von Posadowsky-Wehner dar. Ebenso begreift er sie als eine unerlässliche Voraussetzung für die Durchsetzung dem Allgemeinwohl verpflichtender Ordnungsprinzipien.

In einer Debatte des Preußischen Landtages fragt Posadowsky-Wehner den Justizminister, ob ein Gesetz beschlossen werden darf, dass gegen die Grundrechte (der Weimarer Reichsverfassung) verstösst. Dessen schriftliche Antwort eröffnet zwei Wege: Zum einen kann mit einer Zweidrittelmehrheit der gesetzlichen Körperschaft eine Verfassungsänderung beschlossen werden. Zum anderen bemüht er die sogenannte

Durchbrechungstheorie.

Empört weist Posadowsky dies am 19. Dezember 1930 vor dem Preußischen Landtag als glatten Verfassungsbruch zurück. Artikel 76 der Reichsverfassung verbietet dies. "Ich verstehe es nicht," stellt er im Ton tiefer Enttäuschung fest, "dass die Mehrheit des Reichstages ein solch verfassungswidriges Verfahren wiederholt gebilligt hat. Das gilt für die Aufwertungsgesetze und für die Kürzung der Beamtengelder als wohlerworbene Rechte." Im Rahmen der Geldpolitik ist dies schon mehrfach geschehen. Als Beweis zitiert er aus der Rede von Finanzminister Doktor Luther am 23. August 1924 vor dem Reichstag, wo dieser darlegt, dass die Regierung "künstliches Geld" einsetzte, "um Werte abzulösen". Ein Privatmann, der künstliches Geld macht, schiebt Posa wütig bei seinem Auftritt im Preussischen Landtag am 23. Januar 1932 nach, begeht ein Münzvergehen und ist nach dem Strafrecht ein Verbrecher. Mit künstlichem Geld darf man keine Schulden tilgen, "deshalb sind die sogenannten Aufwertungsgesetze null und nichtig".

"Es genügt nicht", fasst Graf von Posadowsky-Wehner 1932 seine Erfahrungen zusammen, "dass die gesetzgebenden Körperschaften fortgesetzt je nach den bestehenden Mehrheitsverhältnissen Gesetze beschließen und die Regierung aus politischen Gründen denselben willfahrt. Gesetze müssen sich durch jahrelange Anwendung im Rechtsbewusstsein des Volkes einbürgern, um tatsächlichen Gesetzeswert zu erlangen; durch die Veröffentlichungen in den Gesetzblättern wird die Rechtskraft nur urkundlich festgestellt, aber kein Rechtsbewusstsein geschaffen." (V&R 72)

 

In Praxis leistet die Rechtsstaatlichkeit nach seiner Überzeugung den entscheidenden Beitrag zur Stabilisierung der Weimarer Republik. Und darum geht es ihn! Den Gedanken fortführend, stellt er am 19. Dezember 1930 in der Rede vor dem Landtag zwei Momente in den Vordergrund: Erstens. Die Popularität der "neuen Staatsform" wächst und gedeiht, wie der "Staat ein Staat des unbedingten Rechtes gegen alle Parteien des Reichstages und alle Berufsschichten in gleicher Weise ist". Zweitens. Auch im Privatrecht muss das Recht mit pünktlicher Genauigkeit durchgesetzt und geschützt werden. (PW 19.12.1930)

 

Verantwortung der Staatsbürger

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner

"Die deutsche Republik aber, die dem Volke als die freiheitlichste Verfassung der Welt in so begeisterten Tönen gepriesen ist, hat leider nur einen Mangel - es fehlt ihr an Republikanern. Eine Republik, wenn sie nicht eine Verfassungslüge sein soll, setzt zu ihrem Bestehen ein tief innerliches, das ganze öffentliche und private Leben beherrschendes Nationalbewusstsein, spartanische Einfachheit der Sitten, edle Selbstlosigkeit und unerschütterliche Pflichttreue der Volksmassen voraus. Nur so ist es möglich, dass das Volk selbst Träger der Regierungsgewalt ist. In einer Republik, in der man den Staat als große Versorgungsanstalt betrachtet, wo man gestützt auf weit verzweigte Interessenverbände rücksichtslose Interessenpolitik treibt und von dem schwer bedrängten Staate immer neue Vorteile zu erkämpfen sucht, wo man zwar fortgesetzt Sparsamkeit fordert, gleichzeitig aber Parteiinteresse maßloseste und finanziell unverantwortliche Wünsche vertritt, wo versteinerte Parteiauffassungen schließlich jede vernünftige stetige Staatsverwaltung unmöglich machen, da fehlt die unentbehrlich Grundlage der Volksherrschaft, der seiner Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen bewusste Bürgersinn." (V&R 115)

 

Was ist
"konservativ"?

"Konservativ sein heißt nicht, die Interessen und Überlieferungen einer Gesellschaftsklasse dauernd festzulegen, konservativ im echten und staatsmännischen Sinne heißt vielmehr: den Staat und die Gesellschaft entsprechend den Anforderungen und Bedürfnissen der Zeit organisch fortzuentwickeln, damit allen Klassen der Bevölkerung die Überzeugung erhalten bleibt, dass der geschichtlich gewordene Staat nicht nur eine innere Notwendigkeit, sondern auch die höchste Wohltat für alle Gesellschaftsklassen ist." (Andreas Grieser - 1868-1955 -. Vorwort zu Volk und Regierung im neuen Reich, 1932, 6)

 

Der Staat braucht seiner Ansicht nach dringend ein beherrschendes Nationalbewusstsein, spartanische Einfachheit der Sitten, edle Selbstlosigkeit und unerschütterliche Pflichttreue der Volksmassen. Das bedeutet, "dass im republikanischen Staatswesen die Pflichten des einzelnen Staatsbürgers erheblich höher sind als in der Monarchie, wo die monarchische Regierung als selbständige Machtquelle der gesetzgebenden Versammlung gegenübersteht und das Recht hat, Gesetzesentwürfe, welche ihr bedenklich erscheinen, abzulehnen. Leider ist in weiten Kreisen diese größere Verantwortlichkeit der Staatsbürger bisher noch nicht zu Bewusstsein gekommen. Es gibt sogar eine Richtung, welche offen erklärt, dass sie mit Politik nichts zu tun haben will. Es ist dies eine Auffassung, welche nur bedacht auf den eignen, behaglichen Lebensgenuss, für keine öffentliche Angelegenheit zu haben ist, die sich nicht auf ihre eignen persönlichen Bestrebungen und Wünsche bezieht." (V&R 72)

 

Freiheit und Pflicht

Bei einer freiheitlichen Verfassung steht vornan als Zeichen für ein hoch entwickeltes Geistesleben die Freiheit des Glaubens und der politischen Meinungsäusserung (V&R 30). Voraussetzung dafür ist erstens die "würdige Selbstbeschränkung jedes einzelnen Staatsbürgers." Ohne diese "muß die verfassungsmäßige versprochene Freiheit schließlich zur inneren Zerrüttung des Volkslebens und Staates führen." (V&R 33)

Zweitens fordert die Verwirklichung individueller Freiheiten staatsbürgerliche Verantwortung. Die erste Bürgerpflicht heisst Abgabe der Wahlstimme. "Nach der Beteiligung an den öffentlichen Wahlen kann man das Gefühl der politischen Verantwortlichkeit und Reife eines Volkes beurteilen." (V&R 73)

Ihm missfällt, dass der Staat zu einer grossen Versorgungsanstalt geworden ist. Das "Parteiinteresse", welches "maßloseste und finanziell unverantwortliche Wünsche vertritt", ist für ihn Ausdruck einer versteinerten Parteiauffassung. (V&R 115)

 

Geburtstag

Zum 80. Geburtstag gratulierten ihm: Reichspräsident Paul von Hindenburg, Reichskanzler Doktor Hans Luther, Reichswirtschaftsminister Albert Neuhaus, General der Infanterie Friedrich Sixt von Armin, Domherr von Naumburg und Großadmiral Hans von Köster, der Vizepräsident des Reichstages Doktor Jakob Riesser, der Ministerpräsident des Freistaates Preußen Otto Braun, der Bund der Domschüler, die Direktion des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg und andere.

 

 

Einweihung der steinernen Gedenktafel im Dom

Zusammen mit der Stadtprominenz weihen die Schüler des Domgymnasiums

am 24. August 1924

an der westlichsten Seite der Nordwand im Kreuzgang des Naumburger Doms ihren im Ersten Weltkrieg gefallenen Kameraden eine steinerne Gedenktafel. 148 Namen sind auf ihr eingemeißelt. Zwei, Ewald und Würzig, fügt man später noch hinzu.

"Von den 16 Abiturienten von Ostern 1912 finden sich sieben auf der Tafel wieder, von 15 Kriegsbegeisterten, die es im August 1914 nicht abwarten konnten, in den Krieg zu ziehen, sind acht Namen in den Stein gehauen," ermittelte Julia Ziegler (2009) in einer Studie über die Kriegsgefallenen des Naumburger Domgymnasiums.

 

Kreuzgang des Naumburger Doms mit Gedenktafel (2005)

Inschrift: Ruhmvoll ist das Schicksal des Gefallenen, glücklich ihr Los.

Auf der langen Ehrenliste steht der Name

Peter-Paul Hollaender.

Er fiel am 26. Oktober 1917 im Alter von 25 Jahren in Flandern. Sein Vater Doktor Ludwig Hollaender war Oberlehrer am Domgymnasium. Mutter Julie Hollaender lebte nach dem Tode ihres Mannes noch etwa zwanzig Jahre in der Grochlitzer Straße 18. Seinen Bruder Doktor Otto Hollaender verfolgten die Nationalsozialisten.

 

An 57. Stelle in der Liste - Es starben im Weltkriege den Tod fürs Vaterland von den ehemaligen Schülern des Domgymnasiums - steht der Name

Gerhard Hemprich.

Er ist der Sohn des grossartigen Lehrers und Jugendpflegers Karl Hemprich, geboren am 17. Dezember 1867, der 1908 aus Freyburg-Unstrut kam und die Knabenschule (Georgenschule) als Rektor übernahm. 1913 wechselt er als Königlicher Seminar-Oberlehrer auf die neu geschaffene Stelle des Bezirksjugendpflegers in Merseburg und leitet nach Kriegsausbruch im Rahmen seiner Zuständigkeit die Mobilmachung der Jugend. Was und wie alles zu geschehen hat, auf welchen gesetzlichen Grundlagen, wie dies organisiert wird, was die Bezirks-, Kreis- und Ortsausschüsse für Jugendpflege zu tun haben, legt er  1 9 1 4  auf 16 Seiten Format A 5 unter dem Titel

Die militärische Vorbereitung der Jugend
während des mobilen Zustandes

dar. Ein Jahr später zerfleischt die Kriegsbestie seinen Sohn Gerhard, eines seiner vier Kinder aus der Ehe mit Gertrud, geborene Wächter. Der Primaner, blond, blauäugig, hochgewachsen, gesund und immer heiter, hatte sich freiwillig zum Infanterieregiment 67 nach Metz gemeldet. Ihr Sohn Siegfried starb früh. Und Tochter Kätchen raffte eine unheilbare Erkrankung im Alter von acht Jahren dahin. "Diese Wunde hat sich nie wieder geschlossen." Aufopferung und Einfühlungsvermögen des Jugendpflegers haben wahrscheinlich hier ihre Quelle. (Vgl. Weicker 45-47)

 

Alle Domschüler finden sich am Sonntag, den 24. August 1924 um ½  9 Uhr auf dem Schulhof ein. Brav sitzen sie eine Stunde später in der Marienkirche und folgen der Predigt von Pfarrer Mühe:

"Brüder, deutsche Treue bis in den Tod! So waren die unsern, so wollen auch wir werden: Männer der Treue."

 

Es starben im Weltkriege den Tod fürs Vaterland von den ehemaligen Schülern des Domgymnasiums

PDF-Dokument hier (etwa ein Megabyte).

Quelle: Archiv der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeit

 

Nach dem Gottesdienst ziehen Schüler, Lehrer und Gäste im geschlossenen Zug zum Platz des Denkmals in den Kreuzgang des Doms um. Bald fabuliert hier Graf von Posadoswky-Wehner von Deutschland als einer sittlichen Weltmacht in des Wortes edelster Bedeutung. Aber begann der Krieg 1914 in Belgien nicht mit einem sittlichen Grenzdurchbruch? Einem Staatsminister a.D. glaubt der in wilhelminischer Tradition erzogene Bürger fast alles. Der Ort ist feierlich geschmückt. Vor der Tafel aus Krensheimer Kalkstein wachen je zwei Offiziere von der Marine und den Feldgrauen, Angehörige des Bundes Alter Naumburger Domschüler (BAND). Auf ein Zeichen hin entfernen sie die Hülle. Vorher hält der Architekt des Denkmals, Herr Graumüller aus Saaleck, eine kurze Ansprache. Er dankt dem Bildhauer Josef Heise für das Gesamtwerk und Kunstmaler Professor Hugo Gugg (1878-1956) für den überkrönten Aufsatz der Steintafel, die den Kopf eines jugendlichen Kämpfers mit Stahlhelm darstellt. Dann hebt der Vorsitzende vom BAND zur Ansprache an. Dies ist eine Stätte der Trauer, des Dankes und des Trostes, sagt Professor Flemming. Aber dies ist kein Denkmal, das mahnen soll, wie es Julia Ziegler (2009) treffend formuliert, sondern es soll eine Erinnerung an die Kämpfenden sein.

 

Erinnerungsarbeit

Hans-Gert Kirsche,
um 1930:

"Das große Schulfest im Spätsommer wurde weit draußen im Buchholz gefeiert, auf der großen Festwiese beim "Waldschloß" an der Neidschützer Straße, auch das eine Tradition einer an Traditionen reichen Schule, aber im Verlauf nicht so viel anders als anderswo. Erst Sportwettkämpfe der Klassen, ein Handballspiel, Kaffeetafel mit den Eltern und etwaigen Geschwistern, Turn- und Gymnastikvor-führungen auf der Wiese, Theateraufführung der Primaner, Preisverleihung und Siegerehrung. Etwas Besonderes war nur der Abschluss am Abend. Da zogen wir alle mit brennenden Pechfackeln bewehrt in langem Zug wieder in die Stadt hinunter, die Musikkapelle voran. Der Fackelzug endete auf dem Kreuzganghof, wo in einer Ecke die Gedenktafel für die Gefallenen der Schule angebracht war (1914-1918 stand oben, und darunter 165 Namen), gruppierte sich vor den Schwibbogen im Geviert, und die Fackeln wurden in der Mitte zu einem lodernden Scheiterhaufen zusammengeworfen. Irgendwo aus dem Dunkel des Kreuzgewölbes rezitierte ein Sprechchor raunend vaterländische Verse, der flackernde Flammenstoß warf gespenstische Lichter auf die im Hintergrund düster aufragende viertürmige Kulisse des Domes, und uns alle durchschauerte weihevolle Rührung, während die Musik intonierte: "Ich hatt' einen Kameraden...". Nicht mehr als vier Jahre später wurde es Zeit, an eine neue, noch größere Tafel zu denken: man hatte wieder angefangen, massenhaft fürs Vaterland zu töten und zu sterben."

Hans-Gert Kirsche

 

Dann werden die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen 150 Domschüler feierlich verlesen. Anschließend hebt Arthur Adolf Graf von Posadowsky-Wehner Freiherr von Postelwitz zur Rede an:

"Der Krieg hat ungezählten Familien unheilbare Wunden geschlagen und über unser gesamtes Vaterland unsägliches Leid gebracht. Die Ereignisse der Vergangenheit erscheinen uns bisweilen wie ein böser Traum, man fragt sich immer von Neuem, wie es möglich war, dass dieses mächtige Deutschland, von Kaiser Wilhelm I. und seinem großen Staatsmann auf unabsehbare Zeit geschaffen, nach kaum einem halben Jahrhundert von seiner stolzen Höhe sinkt. …. Deutschland ist ein Kontinentalstaat; es ist das Herzstück Europas. Wie ein Felsen schien es zu stehen inmitten unseres Erdteils, in der trüben Flut politischen Hasses und heimlicher Begehrlichkeit unserer Feinde ringsum. Seine sozialen, wissenschaftlichen und technischen Leistungen, seine Bildungsstätten, sein Beamtentum und seine Staatseinrichtungen wurden trotzdem in aller Welt bewundert. ... Weder die Regierung noch das deutsche Volk haben den Krieg gewollt; er ist von unseren offenen und heimlichen Feinden im Stillen jahrelang gegen uns geplant, militärisch vorbereitet und uns schließlich aufgezwungen [worden]. …. Das große deutsche Volk darf niemals auf seine Zukunft verzichten …."

"So möge" dieser Gedenkstein, fährt die Rede fort,

"einen Merkstein bilden zur Aufrichtung des von Unrecht geknechteten Vaterlandes."

Exakt diese Metapher bemühen salbungsvoll die deutschnationalen, völkischen und alldeutschen Vordenker immer wieder bei Ehrungen, Kranzniederlegungen und Festakten. Daran knüpft die Revisions- und Revanchepolitik der Nationalsozialisten an. Stahlhelm-Studentenring "Langemarck" und die Stadtverwaltung giessen es im September 1933 in den Beton des Langemarck-Denkmals. Obwohl die Rezeptionslinien dieser Mythen und politischen Metaphern nachweislich vorhanden, war er kein Vorkämpfer dieser politischen Richtungen. Fraglos offenbar sich hier widersprüchliche Momente seiner Persönlichkeit. Wie man sie immer interpretiert, er bemühte sich um die Stabilisierung der Weimarer Republik, mahnte stets zur Rechtsstaatlichkeit, wandte sich dem Leben der Unterschicht zu, verzweifelte daran, dass bestimmte Politiker sich nicht dem Gesetz verpflichtet fühlten.

Und doch flackert zur Einweihung der steinernen Gedenktafel im Dom wieder die Erinnerung an das heroische Zeitalter und seine Moral (!) auf, das in der Revolution 1918/19 untergegangen ist. Der Redner bemüht einen Vers aus dem siebenstrophigen Wechselgesang des Vorspiels zur Trilogie Wallenstein, Ein dramatisches Gedicht von Schiller (1800). Er steht im Kontext des Dreißigjährigen Krieges und lautet:

"Und setzet ihr nicht das Leben ein,
nie wird euch das Leben gewonnen sein."

Diese gesellschaftliche Moralauffassung trägt nicht zur Überwindung des Menschenbildes bei, das zur Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts führte. "Wer stirbt, ist gleichgültig," persifliert sie Die Dialektik der Aufklärung (91), "es kommt aufs Verhältnis der Vorfälle zu den Verpflichtungen der Kompanie an."

 

 

Streit um die wirtschaftspolitisch
verantwortungvolle und sozial gerechte Geldpolitik

Sowohl als Abgeordneter der Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung im Preußischen Landtag seit 1928 wie als Bürger befasst er sich gründlich mit der Entstehung und den Folgen der Hyperinflation und Aufwertungpolitik. Sein Ziel ist eine rechtsstaatliche, wirtschaftspolitisch verantwortungsvolle und sozial gerechte Geldpolitik. Dazu ist es nach seiner festen Überzeugung notwendig, die Ursachen der Hyperinflation aufzuklären. In der Sitzung des Preußischen Landtag am 15. Dezember 1928 distanziert er sich nachdrücklich mit folgenden Worten von einer ideologischen Drapierung der Ereignisse:

"Der Herr Reichsbankpräsident Schacht hat seinerzeit erklärt, die Inflation wäre ein Erdbeben gewesen. O nein, die Inflation war nicht das Werk von Naturkräften, sondern sie war das Werk von gewinnsüchtigen, gewissenlosen und kurzsichtigen Menschen außerhalb und leider auch innerhalb Deutschlands."

"Zuruf links: Sie müssen nach rechts sehen! Das sitzen die Kerle! - Gegenruf: Er guckt ja nach rechts; Ihr müsst nur die Stellung nehmen! - Heiterkeit."

Forführend fordert er am 18. Oktober 1930 an gleicher Stelle:

"Es ist ein sittliches Gebot, diesen verbrecherischen Unternehmen nachzugehen und festzustellen, wer die schuldigen Personen gewesen sind."

Zu diesem Zweck legt er dem Hohen Haus einen Antrag vor, der fordert, schleunigst ein Gesetz zu verabschieden, durch welches der Staatsgerichtshof beauftragt wird, zu untersuchen, ob und welche ausländische Stellen und welche amtliche Personen und ob und welche Privatpersonen im Inland auf die planmäßige Steigerung des Dollarpreises gegenüber der deutschen Mark hingewirkt und damit planmäßig die deutsche Währung zerrüttet haben. Ein Jahr vergeht und die Regierung antwortete noch immer nicht darauf. Nun bittet er persönlich den preußschen Ministerpräsidenten um eine Erklärung. Am 23. Januar 1932 tagt der preußische Landtag. Wieder liegt keine Antwort vor. Wieder rollt Posadowsky die Sache im Plenum auf. Verzweifelt rüttelt er am Gewissen der Abgeordneten: "Aus diesem Verhalten der Regierung muss man schliessen, dass die Inflation mit Wissen und Unterstützung der Regierung und in Verbindung mit Finanzkräften des Auslandes herbeigeführt ist." (PW 23.01.1932)

 

 

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP)

Ende Juni 1925 publizierte Posadowsky in der deutschnationalen Presse mehrere Aufsätze zum Aufwertungsgesetz, dass am 16. Juli 1925 im Deutschen Reichstag zur Abstimmung stand. Dass die Deutschnationale Fraktion dem Aufwertungskompromiss zustimmen könnte, erschien ihm unmöglich, weil dies im schärfsten Gegensatz zu ihren bisherigen Forderungen und Versprechungen stand. In diesem Kontext schrieb er:

"Es ist ein Grundfehler der Aufwertungsgesetzgebung, dass sie die rechtlichen, sozialen und politischen Gesichtspunkte völlig außer Acht gelassen hat. Von staatsmännischem Geist spürt man in ihr keinen Hauch." (Nach Keil 1925)

Um den 16. Oktober 1926 berichteten die Zeitungen, dass die verschiedenen Sparergruppen die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP) gegründet haben. Ihr Führer ist Arthur Graf von Posadowsky-Wehner aus Naumburg. Die Partei trotzt der Regierung, weil das Gesetz über die Aufwertung von Hypotheken und anderen Ansprüchen vom 16. Juli 1925 einen Vermögensverlust bis zu 97 Prozent brachte.

Am

21. Oktober 1927

kommen die Anhänger der VRP im Preußischen Hof zusammen. Der zweite Vorsitzende der Ortsgruppe des Sparer-und Hypothengläubiger-Verbandes eröffnet die Versammlung. Besonders begrüsst er Arthur Graf von Posadowsky-Wehner: "der Kampf, den er führe, habe sich gerichtet gegen Regierung und Volksverteter, die ihr Volk entrechtet und enteignet hätten; nicht ein Knechstaat, sondern ein Rechtsstaat müsse erst wieder geschafft werden ...." Dann wurde die Auflösung der Ortsgruppe bekannt gegeben. Anschliessend hält, heisst es im Bericht zur Versammlung, Posadowsky einen ansprechenden und inhaltsreichen Vortrag. Überliefert sind die Worte: "Der Ausfall der Zinsen, welche die Gläubiger zu beanspruchen hätten, ziehe jetzt der Staat in Form einer Hauszinssteuer ein, darunter hätten Wirtschaft, Mittelstand, Hausbesitzer und Mieter zu leiden." Dann erläutert er die Notwendigkeit der Gründung der

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP).

Nach längerer Aussprache über die Richtlinien der Partei, wurden diese für gut befunden und einstimmig beschlossen einzutreten für

erweiterten Schutz der Verfassung,

volle Unabhängigkeit der Gerichte,

die Beseitigung der Daweslüge,

die Aufwertung nach Treu und Glauben,

die Abschaffung der Hauszinssteuer,

den Schutz der Mieter,

die Selbständigkeit der Privatwirtschaft,

die wohlerworbenen Rechte der Beamten,

die Sicherstellung aller freien Berufsangehörigen und

die Erhaltung des rechtmässigen Besitzes.

Zum Parteitag am 22. und 23. Oktober 1927 in Stuttgart delegierten die Anwesenden Arthur Graf von Posadowsky-Wehner.

Bei den Preussischen Landtagwahlen am 20. Mai 1928 erringt die Volksrechtspartei zwei Mandate. Eins nimmt Posadowsky wahr.

 

 

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (Volksrechtspartei,kurz: VRP)

 

       

Wahlen

Stimmen
Prozent
Mandate
       

Landtag Preussen
20. Mai 1928

234.033
0,05
2

Naumburg

462
   
       

Reichstag
20. Mai 1928

428.697
1,6
 

Naumburg

498
   
       

Reichstag 1930

217.198
0,9
 
       

Landtag Preussen
24. April 1932

44.119
   

Naumburg

59
   
       

Reichstag Juli 1932

40.825
0,1
 
       

Reichstag November 1932

46.202
0,1
 
       

 

Obwohl sich die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung ein halbes Jahr nach seinem Tod in Hitlers Arme wirft, darf man nicht sagen, dass Arthur Graf von Posadowsky-Wehner dem nationalsozialistischen Herrschaftsmodell irgendwie nahegestanden hat. Nicht die Diktatur war sein Ziel, sondern der Volksstaat, der die faire Beteiligung aller Klassen und Schichten an der Machtausübung bewerkstelligen soll.

 

 

Aber man hörte kaum die Sätze,
in denen er von Recht
und Pflicht der Regierung sprach.  Vossische Zeitung, 9. Juni 1928

In der Hedwigskirche und im Dom von Berlin fanden am 8. Juni 1928 aus Anlass der Konstituierung des neugewählten preußischen Landtags ein Gottesdienst statt. Im Haus der Preußischen Abgeordneten in der Prinz-Albrecht-Strasse, heute Niederkirchnerstraße, hielt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner die Eröffnungsrede, die "alles eher denn feierlich" war. Gleich nach den ersten Worten brüllten die Kommunisten los: "Nieder mit der Regierung!", "Arbeitermörder!", "Amnestie!". Dabei immer mit der kalten Ruhe, heisst es im Bericht der Vossischen Zeitung, die beinahe auf eine lange Vorübung schliessen lassen könnte. Im neugewählten Landtag besass die kommunistische Fraktion 56 Mitglieder, also 12 Mandate mehr als die vorhergehenden Sitzungsperiode. Bei der Störung der Eröffnungsrede tat sich besonders der kommunistische Abgeordnete Wilhelm Kaspar (1892-1985) hervor, weshalb daran erinnert werden darf, dass, während er noch einst beim tief reaktionären Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband - der den Streikenden im März 1920 in den Rücken gefallen war - herumtollte, sich der Graf, damals noch Mitglied der DNVP, mit dem Verfassungsstaat gegen Kapp-Lüttwitz aufwarf.

Als Politiker griff Posa die soziale Frage der arbeitenden Klasse vom liberal-konservativen Standpunkt auf und erreichte bedeutende Fortschritte in der Sozialgesetzgebung. Ihm schlechterdings vorzuwerfen, dass er jetzt nicht auf die Barrikade kletterte und sie zur Revolution weiterführen wollte, löst den Verstand vom Menschen ab, zeigt sich ein völliges Unverständnis gegenüber dessen Grenzen, Zielen und Ambitionen. Zum anderen schwingen Momente der Unterschätzung des Faschismus mit, die viereinhalb Jahre später unter Anleitung von Reichskommissar Hermann Göring (NSDAP) Kaspar und Genossen verfolgen. Sie zerschlagen die "Erreichung einer allgemeinen das Recht verwaltenden bürgerlichen Gesellschaft", in der Immanuel Kant das größte Problem für die Menschengattung erkannte, wo hingen Posadowsky von ihm affiziert in seiner Eröffnungsrede die Applikation vortrug, den Rechtsstaat zu stützen, um die bestehende Rechtsordnung vor jeder Art der Vergewaltigung zu bewahren. Natürlich müsse deshalb, fordert er, sich jeder Staatsbürger mit der Staatsordnung abfinden, egal ob der Aufbau des Staates seiner innerlichen Auffassung Rechnung trage oder nicht. Man hörte kaum die Sätze, so die Überlieferung, in denen er von Recht und Pflicht sprach. Fünf Jahre später hörte man dann nicht die Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter unter den Qualen der Folter in den Kellern der SA-Feldpolizei stöhnen.

 

Konservativer Vordenker
der staatsbürgerlichen Erziehung

Als Dechant des protestantischen Domkapitels Rechtsritter des Johanniterordens übernimmt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner für die Domschule eine Vordenkerfunktion in der staatsbürgerlichen Erziehung der Jugend.

 

Stiftisches Domgymnasium
Studiendirektor Dr. Bruno Kaiser

Patronat
Domkapitel zu Naumburg an der Saale

Herr Staatsminister a.D.
Dr. Graf von Posadowsky-Wehner

 

Vom 29. August bis 1. September 1930 feiert die Domschule das neunhunderste Jahr ihres Bestehens. Als Gäste kamen die Vertreter der höchsten Staatsbehörden, der Kirche und benachbarten Universitäten.

"Ich entsinne mich noch gut an die 900-Jahr-Feier der Schule im Sommer 1930," schreibt ein Zeitzeuge (Kirsche 2006), "die mit großem Pomp begangen wurde.

Als Vierjähriger sah ich aus einem Fenster unserer Wohnung am Bismarckplatz (der jetzt nicht mehr so heißt) den Festzug unter mir vorbeiziehen, in dem mein Bruder unter den Sextanern und mein Vater unter den Abiturienten des Jahrgangs 1907 mit marschierten. Rührend und zugleich imponierend das Defilee dieser unzähligen dickbäuchigen, glatzköpfigen oder grauhaarigen alten Herren, die aus aller Welt gekommen waren, um mit der blauen Schülermütze auf dem Kopf das Jubiläum ihrer alten Schule zu feiern." 

Viele hundert Schüler und Gäste reisen Ende August 1930 nach Naumburg. Vor Beginn der Feierstunde müssen die Teilnehmer von der Aula in die Marienkirche am Dom umziehen. Auf dem Festakt zum 900-jährigen Jubiläum der Domschule hält der 85-jährige Dechant Arthur Graf von Posadowsky-Wehner die Festrede. Sie kreist um die sittliche und ethische Erziehung der Jugend. Wie er darüber denkt, brachte er bereits am 2. April 1918 auf dem Christlich-sozialen Kongress in Dresden zum Ausdruck:

"Wir sollten uns enger an das Eigene anschliessen und unsere Heimat höher schätzen lernen, die Jugend zu glühendem Staatsbewusstsein, zu Sparsamkeit, Sittenstrenge, Tüchtigkeit erziehen."

Zwölf Jahre später formuliert er nun:

"Das selbstlose Staatsgefühl ist es, welches zur Größe eines Volkes führt, erhaben über den Streit der Parteien. Die höchste Aufgabe der Schule ist es deshalb, dieses Staatsgefühl in den Herzen der Jugend zu entwickeln … Die Schule soll nicht nur wissenschaftlich lehren, ihre hohe Pflicht ist, sittlich zu erziehen."

"Religiöses Gefühl, Achtung vor den Rechten der anderen, strenge Selbstbeschränkung, sachliches und damit gerechtes Urteil über den Menschen und Zustände, körperliche Selbstzucht, das sind die Aufgaben der ethischen Erziehung, welche der Schule neben der Bahn der Wissenschaft obliegen." (Büchner 1933, 33)

Der von Arthur Graf von Posadowsky-Wehner präsentierte Wertekanon der schulischen Erziehung gilt bei den Nationalsozialisten nicht als erstrebenswert, worin sich der Unterschied zwischen wertkonservativer und nationalsozialistischer Denkweise spiegelt.

1932 erscheint sein Buch Volk und Regierung im neuen Reich. Aufsätze zur politischen Gegenwart.

Am 23. Oktober 1932 stirbt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner in Naumburg. Er war ein imponierender Politiker, der unsere Achtung, Würdigung und Verehrung verdient. Nur ganz wenige seiner Zunft durchdrangen die Fragen der Zeit so tief und gründlich wie er. Sein Beitrag zum sozialen Fortschritt der werktätigen Klasse, der Schaffung eines Verfassungsstaates und Ausbildung eines der Demokratie würdigen Rechtsbewußtseins bei Bürgern und (!) Politikern, das politische Engagement für eine gerechte und der wirtschaftlichen Tätigkeit des Bürgers dienliche Geldpolitik, lebt über die Zeiten fort. Sein Tätigkeit wurde bisher weder in der nationalen noch regionalen Geschichtsschreibung angemessen gewürdigt. Der sympathische Mann mit dem aristokratischen Gelehrtengesicht verkörpert in hervorragender Weise einen konservativ-demokratischen Politikertypus, unter dessen Führung und Obhut Deutschland nicht den Weg zur faschistischen Diktatur eingeschlagen und die Völker der Welt mit Krieg überzogen hätte.

 

 

Abkürzungen im Text

PW = Posadowsky-Wehner, Datum bezieht auf den Tag seiner Rede

 

Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik - Das Kabinett Bauer, Band 1, Dokumente, Nr. 71. Bericht des Preußischen Staatskommissariats für die Überwachung der öffentlichen Ordnung über gegenrevolutionäre
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Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von, Staatsminister, Staatsekretär des Inneren:
Rede vor dem Reichstag. Zweite Beratung des Reichshauhalts-Etats für das Rechnungsjahr 1902. 124 Sitzung. 22. Januar 1902. In:
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Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 36. Sitzung des Reichstages. 6. Februar 1906. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis 28. Mai 1906. Zweiter Band. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, Seite 1047 bis 1051

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 10. Sitzung des Reichstages. Dienstag, den 5. März 1907 In: Verhandlungen des Reichstags. XII. Legislaturperiode. I Session, Band 227. Von der Eröffnungssitzung am 19. Februar 1907 bis zur 30. Sitzung am 16. April 1907. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1907, Seite 252 bis 253

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 14. Sitzung des Reichstages. Sonnabend, den 9. März 1907. Rechtsfähigkeit der Berufsvereine, Befähigungsnachweis, Ausverkaufswesen, Arbeitszeit der Fabrikarbeiterinnen, Arbeitskammer. In: Verhandlungen des Reichstags. XII. Legislaturperiode. I Session, Band 227. Von der Eröffnungssitzung am 19. Februar 1907 bis zur 30. Sitzung am 16. April 1907. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1907, Seite 344 bis 347

Posadowsky. Die Wohnungsfrage als Kulturproblem. Vortrag, gehalten in München am 5. Januar 1910 in einer öffentlichen Versammlung des Bayerischen Verbandes für Wohnungsförderung. München Ernst Reinhardt, 32 Seiten. Rezension. In: Die Neue Zeit. Wochenschrift der Sozialdemokratie. 28 (1909-1910), Zwei Bände (1910), Heft 42, Seite 541 bis 542

[Posadowsky-Wehner] Vortrag des Grafen von Posadowsky-Wehner. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 17. Januar 1919

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede in der Nationalversammlung. 7. Sitzung. Freitag, den 14. Februar 1919. Bayerische Staatsbibliothek, Münchner Digitalisierungszentrum, Digitale Biblothek. Verhandlungen des Reichstages, Band 326, 1919/20, Seite 79 bis 88. http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000010_00086.html

[PWa] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 27. März 1919, Seite 836 bis 839
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000011_00107.html

[PWb] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 27. März 1919, Seite 836 bis 839
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000011_00107.html

[PWc] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 7. Oktober 1919, Seite 2892 bis 2900
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000014_00032.html

[PWd] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 13. März 1919, Seite 752
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000011_00023.html

[PWe] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 14. Februar 1919, Seite 79 bis 88.
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000010_00086.html

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 25. Sitzung. 15. Dezember 1928. Sitzungsberichte des Preussischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 2. Band. 23. bis 39. Sitzung (13. Dezember 1928 bis 2. Februar 1929). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1929, Seite 1621 bis 1625, 1628

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 121. Sitzung. 30. Januar 1930. In: Sitzungsberichte des Preussischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 7. Band. 105. bis 121. Sitzung (26. November 1929 bis 30. Januar 1930). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 179. Sitzung. 18. Oktober 1930. In: Sitzungsberichte des Preussischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 11. Band. 172. bis 188. Sitzung (8. Juni 1928 bis 14. November 1930). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 15198

Urantrag von Dr. Dr. Graf von Posadowsky-Wehner. Drucksache Nr. 4210 Preußischer Landtag, 179. Sitzung. 18. Oktober 1930. In: Sitzungsberichte des Preussischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 11. Band. 172. bis 188. Sitzung (8. Juni 1928 bis 14. November 1930). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 15198

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 193. Sitzung. 19. Dezember 1930. In: Sitzungsberichte des Preussischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 11. Band. 172. bis 188. Sitzung (8. Juni 1928 bis 14. November 1930). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 16637 bis 16642

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 274. Sitzung. 23. Januar 1932. In: Sitzungsberichte des Preussischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 17. Band. 267 bis 285. Sitzung (19. Januar bis 12. April 1932). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1932, Seite 23886 f.

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Autor: Detlef Belau


Urfassung: 2005.
2012 ergänzt um Simone Herzig.
2014 Fehlerkorrektur.

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