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Wirtschaftskrise

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Die Wirtschaftskrise
in Naumburg (Saale) von 1929 bis 1932   nach unten

 

 
   
Ecke Marienstraße 20 - Thainburg (2007)
 

Seit 1929 ziert das ehemalige städtische Waisenhaus in der Marienstraße 20 (Ecke Thainburg) eine Keramikskulptur im Jugendstil. Eine Frau reicht dem ruhenden Wanderer aus ihrem Korb erquickende Trauben. So versinnlicht die Künstlerin Ina Hossfeld (1881-1943) das Grundbedürfnis des Menschen nach Glück, Friedlichkeit und einem ausgewogenen Maß an Ruhe und Bewegung. Für die Bürger bleibt es ein wegweisendes Ideal, ein Traum. Indes bewegt ihr Leben ernste wirtschaftliche Sorgen. Viele Ungelegenheiten treffen sie. Über sie kommt eine Wirtschaftskrise. Davon erzählen uns die Zahlen zur sozio-ökonomischen Lage und des Stadthaushalts.

Der Absturz beginnt in Naumburg bereits 1920 als die Auflösung der verbliebenen Truppen und die Schliessung der Kasernen erfolgt. Sofort eskamotiert die vom Oberbürgermeister Emil Kraatz (1889-1913) vor dem Ersten Weltkrieg forcierte Militarisierung der Stadt zu einem gewaltigen wirtschaftlichen Strukturproblem.

Die Stadt an der Saale atmet schwer. Auf ihrer Brust die Lasten des Ersten Weltkrieges, ihr konservativ-nationaler Geist verunsichert durch die Novemberrevolution. Der Sprung vom Schnarcher-Paradies Pensionopolis zum modernen Industrie- oder Handels- und Einkaufsstädtchen will nicht gelingen. Oberbürgermeister Arthur Dietrich sagt es 1928 im Aufsatz

Das 900jährige Naumburg. Eine verfassungsgeschichtliche und kommunalgeschichtliche Betrachtung des Stadtgebietes

nur mit etwas anderen, würdigeren Worten:

"Im Generalsiedlungsplan des engeren mitteldeutschen Industriegebietes ist ihr [der Stadt Naumburg] die Rolle einer gesunden Wohnstadt am Rande der industrialisierten Gebiete zugeteilt."

 

Zur wirtschaftlichen Entwicklung

Konkurs der Autowerke Peter & Moritz A.-G. Naumburg a. S.

 

"Im Handelsregister A Nr. 434 ist heute die Firma "Mechanik-Automobil- und Maschinenbau-Werkstätten Meier u. Voigt" (Sitz Naumburg . S.) in Muve-Automobilwerk Meier u. Voigt geändert worden."

Naumburger Tageblatt, Naumburg, den 29. März 1920

 

Bürger mit Initiative und Ehrgeiz können nicht anders; sie versuchen es immer wieder mit eigenen Ideen. - Christoph Willi Gehring, Jahrgang 1892, Kaufmann Paul Peter und Ingenieur Karl Moritz tragen sich am 25. März 1919 beim Amtsgericht Zeitz als Besitzer der Firma Peter & Moritz Eisenberg ein. Zehn bis zwölf Autos verlassen im Monat die ehemalige Wurstfabrik. Sie melden ihren Volkswagen beim Patentamt in Berlin an. Im November 1921 wollen die Autowerker ihre Produktion von Eisenberg nach Naumburg an der Saale verlagern. Dazu schließen sie mit dem Magistrat der Stadt einen Mietvertrag über die Nutzung der Kasernen Weißenfelser Straße 57 "zum Zweck der Erzeugung von Kraftfahrzeugen" ab. Die alten Kasernen werden den Autowerkern für einen Mietzins von 40 000 Mark pro Jahr überlassen. Durch Eintragung im Handelsregister vom 23. März 1920 erfolgt die Umbenennung von Mechanik-Automobil und Maschinenbau Werkstätte Meier u. Voigt (Sitz Naumburg) in MuV-Automobilwerke Meier und Voigt. Karl-Heinz Meyer und Max Voigt hatten 1916 eine Firma zum Bau der Blindenschreibmaschine gegründet.

Peter & Moritz, luftgekühlter Zweizylindermotor
15 PS bei 1 900 Umdrehungen pro Minute, Luftkühlung

Im Herbst 1922 ziehen die Autowerker in die Domstadt um. Zur Fertigung gehören eine Schmiede, Werkzeugmaschinen, Pressen, eine Sattlerei und Polsterei. Christoph Willi Gehring wird Technischer Direktor. Man erwartet 50 Millionen Mark Umsatz pro Jahr und rechnet mit etwa 300 bis 400 Beschäftigte. Es sollen 75 Autos im Monat produziert werden. Doch die Inflation macht alle Pläne zunichte. Der Preis des Wagens liegt für Arbeiter jenseits aller Möglichkeiten, und auch für den in Existenznöten befindlichen Mittelstand bleibt er ein unerreichbarer Traum. Die Autoindustrie in Deutschland taumelt in eine Überproduktionskrise. Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht (1870-1977) lässt 1925 alle Wechsel auf die Automobilindustrie sperren. Den großen Unternehmen wie Opel, Daimler-Benz, Wanderer, Audi oder Horch werden die Steuern erlassen. Die Kleineren gehen in Konkurs. Am 14. Dezember 1925 auch Autowerke Peter & Moritz A.-G., Naumburg a. S., Weißenfelser Straße 57.

Weißenfelser Straße 57
(Bild enthält fiktive Bildelemente)

Aus der Konkursmasse gründet Christoph Willi Gehring einen Motoreninstandsetzungsbetrieb, entwickelt 1934 die erste Hohnmaschine und spezialisiert sich auf deren Herstellung. So beginnt 1926 die Geschichte der Firma Maschinenfabrik Gehring, Postadresse: Naumburg, Spechsart 134. 1933 beschäftigt sie zwei Angestellte und dreizehn Arbeiter. Der Umsatz beträgt in diesem Jahr rund 100 000 Reichsmark. 1935 gibt die Firma die Zahl der Gefolgschaftsmitglieder mit sechzehn an. Davon sind fünfzehn Arbeiter. 1937 liefert das Unternehmen Hohnmaschinen an die Junkers Motorenbau GmbH Dessau, Friedrich Krupp Grusonwerke AG Magdeburg-Buckau, Berliner Maschinenbau AG (Berlin), die Arado Flugzeugwerke Nowawes oder an die Waffenfabrik Solothurn AG (Schweiz). Die Hohnnadeln von der Maschinenfabrik Gehring kaufen Cantierri Navali Riuniti Genua, Auto Union AG Chemnitz oder die Adam Opel AG, Werk Brandenburg.

 

Bad Naumburg?

 

Sozioökonomische Daten
zur Stadt Naumburg (Saale)

1939 wohnen in Naumburg 36 940 Bürger. 91,4 Prozent der Bevölkerung Naumburgs sind evangelisch, 4,1 Prozent katholisch, 3,4 Prozent gottgläubig und 0,6 Prozent glaubenslos. Zur jüdischen Bevölkerung rechnen nach der Volkszählung von 1939 in Naumburg 9 Personen, davon sind 4 männlich.

Die Stadt Naumburg (Lage) gehört zur Verwaltung der Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Merseburg, Gau Halle-Merseburg.

  1920
Fläche
Quadrat-
kilometer
Be-
völkerung
   
  Provinz   Sachsen
25 274
3 190 619
  Regierungsbezirk   Merseburg
10 216
1 412 694

 

1933 leben in den 9 675 Haushalten im 12 Quadratkilometer großen Stadtkreis Naumburg 31 315 Personen. Davon sind 1 389 Einzelhaushalte, 8 261 Familienhaushalte mit 2 Personen 2 464, mit 3 Personen 2 416, mit 4 Personen: 1 699, mit 5 Personen: 873, mit 6 Personen 434, mit 7 Personen 193, mit 8 Personen und mehr 179. In den letzten acht Jahren hat sich die Einwohnerzahl um 1 978 Personen erhöht.

Die evangelische Kirche untersteht der Kirchenprovinz Sachsen und die katholische Kirche gehört zum Bistum Paderborn.

(Konfessionszugehörigkeit)

 

In der Denkschrift vom 20. Mai 1904 verkündet Bürgermeister Emil Kraatz:

Die "[Sole-] Quelle kann sich nach Sachverständigen-Urteil in ihren Heilwirkungen den besten Quellen der Welt in jeder Beziehung zu Seite stellen." (Kraatz 215)

Sein Optimismus gründet sich auf Entdeckung der Solequellen nahe der Halleschen Straße im Dechantsgrund durch Max Landgraf im Jahre 1902. Aus der einen, der Ilsequelle, sprudeln aus 190 Meter Tiefe stündlich 9 000 Liter Wasser mit einer Temperatur von 15 Grad Celsius und 9,5 Prozent Salzgehalt. Aus der anderen, der Landgrafquelle, dringt bei gleicher Ergiebigkeit Wasser mit einem Salzgehalt von nahezu 25 Prozent und einer Temperatur von 23 Grad Celsius aus etwa 530 Meter an die Oberfläche.

In einem Gutachten bestätigt der Montanologe Doktor Carl Christian Ochsenius (1830-1906) aus Marburg den therapeutischen Wert der artesischen Solequellen und ihre dauernde Ergiebigkeit. Sie sind "als Heilquellen von großem Wert", resümiert Emil Kraatz. Das bestätigt ebenso das Gutachten von Doktor Schütze aus Kösen, Generalsekretär des deutschen Bäderverbandes. Die Quelle enthält neben 26 Prozent Chlornatrium auch Brom, Jod und Lithium und ist "darum geeignet, besonders alle Krankheiten zu heilen".

Die Solequellen könnten, träumt Emil Kraatz, für Heilbäder, Trinkkuren und Gewinnung heilbringender Salze wirtschaftlich rentabel genutzt werden. Ihm kommt gar der Gedanke, dass wir "in Anschluss an unsere Prachtvollen Promenaden auf dem Plateau über dem Kirschberg ein Kurhaus in gesunder, reiner und ozonreicher Luft erbauen mit grossen Saalräumlichkeiten, den modernen Anforderungen entsprechend, und zweitens indem wir ein Badehaus errichten …. " (Kaatz 215)

Die Quellen sind Privateigentum. Finanziell lag das Vorhaben, an dem sich eine Reihe von Unternehmern beteiligten, in den Händen des Naumburger Bankiers Kürbitz. Zwar spricht die Novelle des Berggesetzes vom 18. Juni 1907 allein dem Staat die Eigentumsrechte zu. Weil aber die Mutung vor dem Inkrafttreten des Gesetzes angemeldet wurde, verleiht das Preußische Oberbergamt Halle am 30. August 1907 Max Landgraf aus der Grochlitzer Strasse 21 (1915) in einem Mutungsfeld von zirka 219 Hektar Größe unter der Bezeichnung Ilsequelle 43 die Nutzungsrechte für die erbohrten Quellen.

Die Stadt sollte nichts verpassen. Denn die Quellen, glaubt Emil Kraatz, bieten ihr neue Entwicklungschancen. Naumburg würde "unter allen Umständen ganz bedeutend an Anziehungskraft gewinnen", "weil nicht allein hier alle möglichen Heilkräfte und sonstigen Bäder und Lokalitäten geschaffen, sondern auch landschaftliche Verbesserungen und Anlagen aller Art hergestellt bzw. errichtet werden würden, die der Stadt doch so oder so stets erhalten bleiben müssen." (Ebenda 210) Deshalb soll die Stadt, dem Ingenieur Landgraf die erbohrten Quellen für 150 000 Mark abkaufen, meint Kraatz am 5. August 1904. Im Gegenzug möchte sich bitte Max Landgraf an der zu gründenden Gesellschaft zur Ausbeutung der Quellen mit mindestens 50 000 Mark beteiligen. (Vgl. 210) Außerdem, so steht es in der Vorlage des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung vom 5. August 1904, soll sich die Stadt mit dem Terrain am Kirschberg und einem Barbetrag in Höhe von 300 000 Mark beteiligen. Aber die Deputierten stimmen nicht zu,

sie bewahren die "Stadt vor dem Untergange, indem sie das Unternehmen weit von der Hand wies". (Kraatz 217)

"Damit war die Sache begraben", schliesst Emil Kraatz 1914. Ein Jahr nach der Hyperinflation taucht das Projekt Bad Naumburg wieder aus der Versenkung auf. Das Eigentum an dem Mutungsfeld und an den bereits erbohrten Quellen ist, zirkuliert 1924 als Nachricht, war längere Zeit an auswärtige Eigentümer übergegangen. Nun sollte es die Stadt wieder zurückkaufen, erhielt sie doch, wie am 23. Dezember 1924 berichtet, ein Angebot zum Preis von weit unter 150 000 Goldmark. Bohrungsarbeiten und Verrohrung sollen zusätzlich noch mal 150 000 Mark kosten.

1927 unternimmt der Montangeologe Doktor Gäbert aus Naumburg Pumpversuche an der Ilsequelle. Die verläuft günstig. Auf dem Grundstück der Naumburger Molkerei GmbH in der Bahnhofstrasse erschließen ihre Eigentümer 1928 eine weitere Quelle. Sie liegt 67 Meter tief, sprudelt mit 12 000 Liter stündlich und hat einen Salzgehalt von etwa 25 Prozent.

Doch die wirtschaftlichen Verwertungsmöglichkeiten haben sich zwanzig Jahre nach der Fehlkalkulation nicht wesentlich verbessert. Emil Kraatz schrammte damals nur knapp am politischen Totalschaden vorbei, was er 1914 immerhin selbstkritisch andeutet: "Mir wird die Sache noch heute von den Gegnern als eine Tat angerechnet, die, wenn sie nicht von ihnen verhindert worden wäre, die Stadt ins Unglück gestürzt haben würde." Aber daran, so scheint es, will sich jetzt niemand erinnern. Statt dessen heizt man das Thema Solequellen 1928 in der Zeitung mit Schlagzeilen auf. "Außerordentlich günstiges Ergebnis der Pumpversuche". Nur an der Ergiebigkeit bestanden nie Zweifel, dafür umso mehr an der gewinnbringenden Verwertungsmöglichkeit.

Am 13. Dezember 1928 ordert die Stadtverordnetenversammlung das Thema Solequellen. Offenbar glauben maßgebliche Stadtväter an die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Nutzung der Salzbrühe aus der Ilsequelle für industrielle Zwecke. Die Stadt bürgt mit einem Kredit zu dessen weiterer Erschließung. Von den Gewinnen aus der Salzgewinnung sollen, so die Kalkulation, die Anlagekosten abgedeckt werden. Danach stehen die Reinerträge alljährlich den städtischen Körperschaften zur Nutzung (vgl. Landgrafquelle).

Aber die Sache verläuft wieder im Sand.

 

Rückgang des Weinbaus

Der Aufbau einer Autoindustrie misslingt ebenso wie die wirtschaftliche Nutzung der Solequellen. Aber vielleicht gelingt es, den Weinbau in der Region zu entwickeln? Inzwischen ist die Anbaufläche an Saale-Unstrut von 1 000 Hektar um 1850 auf etwa 100 Hektar im Jahr 1919 geschrumpft. Seit 1886 wütet die Reblaus in Freyburgs Weinbergen. Drei Jahre später auch bei den Naumburgern. Zunächst fehlen wirksame Gegenmittel. Jahrzehnte des Niedergangs folgen. Der königliche Weinbauinspektor August Bebber (1873-1943) nennt am 28. September 1909 vor der Naumburger-Weinbaugesellschaft die Ursachen beim Namen: Es ist nicht nur die Reblaus! Sondern es mangelt an fachlich gut ausgebildeten Winzern. Wenn wir ehrlich sind, sagt er, gibt es den Winzer von einst nicht mehr, weil der Weinbau als Last empfunden wird und unsere Böden rebenmüde sind.

Etwa ab 1893 bearbeitet die biologische Forschung das Problem. Seit 1907 arbeitet Dr. Carl Börner (1880-1953) an der Aussenstelle der Kaiserlichen Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft in Ulmenweiler bei Metz zur Reblausforschung - "einer der schwierigsten Aufgaben der Schädlingsbekämpfung" (Gollmick). 1919 erfolgt die Verlegung der Forschungsstelle nach Naumburg (Saale). Ein großer Erfolg ist der Durchbruch des Pfropfenweinbaus im Jahr 1923. Bekannt wurde Börner vor allem durch die Entdeckung von über 200 Blattlaussorten und die 1935 gegen alle Reblausrassen resistente amerikanische Wildrebe Vitis cinerea Arnold.

Der Weinbau bietet den Naumburgern keine wirtschaftliche Perspektive. Er schrumpft weiter. Im Kreis Naumburg baut man 1900 auf 14 479 Ar Wein an. Von 1914 bis 1925 sinkt die Anbaufläche von 4 859 auf 1 782 Ar. Am 24. September 1934 löst sich die Naumburger Weinbau-Gesellschaft auf Antrag ihres Vorsitzenden Richard Limburg, seines Stellvertreters Louis Schindler und Max Schuhmann in Eckhardts Weinstube (Moritz Eckardt, Topfmarkt 11) auf.

 

Arbeit und Wirtschaft

Kramerinnung Naumburg, Aufnahme 1934 - Vollbild

1913 gab es in Naumburg nach Angaben der Kramerinnung 867 Gewerbebetriebe. 1926 sind es 1878. Im gleichen Zeitraum steigt die Zahl der Handwerksbetriebe von 342 auf 829. Die Zahl der Lebensmittel-, Material- und Kolonialwarenhandlungen erhöht sich von 70 im Jahr 1919 auf 102 im Juli 1926.

Die Naumburger Kramerinnung analysiert 1928: "Die ungesunde inflatorische Wirtschaft hatte als allgemeine Folge eine außerordentliche Vermehrung der kaufmännischen und gewerblichen Betriebe. Daher sah mancher Volkswirtschaftler mit bangem Blicke der Zukunft entgegen und Oberbürgermeister Dietrich warnte (... 1926) ernstlich vor der Gefahr der überflüssigen Betriebe und mahnte eindringlich, ihre Zahl auf ein angemessenes Maß zu bringen." (Kramerinnung 121f.)

Die Zunahme der Gewerbebetriebe und Geschäfte in den 20er Jahren ist die Folge einer sektoralen Überproduktionskrise. Durch den Anstieg der Preise und der Arbeitslosen verschlechtert sich die Nachfrage für Waren und Dienstleistungen. ....". Und die ansässigen Unternehmen sind nicht im Bereich der Schlüsselindustrien des technischen Fortschritts tätig, weshalb in der Stadt kaum wertschaffende Arbeitsplätze existieren, die überdurchschnittliche Einkommen ermöglichen.

Im Vergleich zu anderen Beschäftigtengruppen existiert in Naumburg weiterhin eine hohe Zahl der wirtschaftlich Selbstständigen. Dies verdient besonders im Hinblick auf ihre schwierige, oft labile ökonomische Lage in Krisenzeiten Beachtung.

1933 zählt die Schokoladenfabrik Bolle AG 140 Mitarbeiter (1947: 104). Mitinhaber und Betriebsführer der Schokoladenfabrik Bolle ist Kaufmann Max Wehrhahn (geboren am 20. Februar 1913 in Neuss).

 

 

Von 100 Beschäftigten arbeiten in Naumburg (Stand 1933)
nach Volks-, Berufs und Betriebszählung vom 16. Juni 1933

 

Land-, Forst-, Fischerei-wirtschaft, Gärtnerei
Industrie und Handwerk
Handel
und
Verkehr
Öffentlicher - und privater Dienst
Häusliche Dienste
     
5
47
26
16
6
 

 

 

1932 regt sich in der Stadt öffentlicher Unmut über die hohe Differenz zwischen Abnahme- (14 Pfennige) und Ladenverkaufspreis (24 Pfennige) für den Liter Milch. 10 Pfennig sind einfach zu viel und deutlich höher als in anderen Städten der weiteren Umgebung. In Zeitz beträgt die Differenz 8 Pfennig und in Mühlhausen lediglich 6 Pfennig.

Molkerei Naumburg 1928
(Zeichnung von Unbekannt

Erst im Dezember 1928 nahm die technisch modernisierte und umgebaute Molkerei in der Bahnhofstraße 25 ihren Betrieb auf. Die alte Guthsche Molkerei (Franz Guth) wurde vom Architekten Heinrich Jorin aus Hildesheim grundlegend umgestaltet. Damit verbessern sich die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter. Im Obergeschoss können einige sogar eine behagliche Dienstwohnung mit Zentralheizung beziehen. Täglich kann die Molkerei 35 000 Liter Milch mit Vierzellen-Dauerheißbehältern, Röhrenkühlern, Aufbewahrungsbehältern, Ammoniak-Kühlmaschinen, Flaschenfüll- und -schließanlagen zu Käse, Butter, Trinkmilch und anderen Spezialitäten verarbeiten. Allerdings ist sie erst zu einem Drittel ausgelastet. Doch immerhin, noch 1919 betrug die Gesamtanlieferungsmenge lediglich 60 000 Liter. 1926 waren es dann zirka 2 Millionen Liter. - In der Gesellschaft mit beschränkter Haftung Naumburger Molkereien taten sich vorrangig die Ritter- und Gutsbesitzer aus der Umgebung zusammen. Geschäftsführer sind Rittergutsbesitzer Voigt aus Tromsdorf, Rittergutspächter Immisch aus Kreipitzsch, Rittergutsbesitzer Leux aus Grossjena, Tierzuchtdirektor Meyerhoff und Molkereidirektor Neumann jeweils aus Naumburg. 1932 kämpfen die Milchproduzenten und Molkereien, wie die gesamte Landwirtschaft, aufgrund der massiv verschlechterten Einkommensverhältnisse mit deutlichen Absatzrückgängen. Die Tierschlachtpreise fallen, zeitweise ist Vieh sogar unverkäuflich. Durch das Überangebot von Weizen sinkt auch hier der Preis. Bei Braugerste und Erbsen erzielt man hingegen gute Preise. Beim Handel mit landwirtschaftlichen Produkten erreicht man in Naumburg, im Vergleich zu den Bereichen Industrie, Handwerk und Dienstleistungen (Banken), ein deutlich besseres, unter den Bedingungen der schweren Wirtschaftskrise bisweilen sogar zufriedenstellendes Ergebnis. Dies äußert sich in vergleichsweise stabilen Beschäftigungsmöglichkeiten.

 


Erwerbstätige im Stadtkreis Naumburg
nach Volks-, Berufs und Betriebszählung vom 16. Juni 1933

 
Personen
Berufszugehörige *
   
Prozent
Frauen
 
Prozent

Erwerbstätige:

     
Selbstständige
2 397
23
541
4 938
27
Mithelfende Familienang.
788
8
685
804
4
Beamte
1 141
11
66
2 882
16
Angestellte
1 583
16
732
2 508
13
Arbeiter
3 262
32
788
6 232
34
Hausangestellte
1 046
10
1 040
1 090
6
        

Summe

10 217
100
3 852
18 454
100
      

Erwerbslose:

     

Angestellte in ltd. Stellung

2
  
2
 

Angestellte

523
 
161
843
 

Arbeiter

2 455
 
382
5 373
 

Hausangestellte

103
 
106
134
 

zusammen

3 086
 
649
6 352
 
      

Beruflose Selbstständige

4 505
 
2 410
6 509
 
      

Erwerbspersonen insg.

13 303
 
4 501
24 806
 
      

Erwerbspersonen und berufslose Selbst-
ständige zusammen

17 808
 
6 911
31 315
 
      

* Berufszugehörige sind Erwerbspersonen beziehungsweise berufslose Selbstständige einschließlich ihrer Angehörigen ohne Hauptberuf.

 

 

Bei der Deutschen Reichsbahn (Bahnhof, Reichsbahnnebenstelle) sind in Naumburg zu dieser Zeit etwa 330 Personen tätig.

Im Chemiewerk Leuna finden 1932/33 etwa 800 Arbeiter eine bezahlte Beschäftigung. Von den 36 000 Einwohnern Naumburgs werden, heisst es 1941 in einem staatlichen Bericht, sind allein in den Leuna-Werken, Bunawerken Schkopau und im Hydrierwerk der Wintershall AG, Krumpa, 2 100 Männer und 500 Frauen beschäftigt (Vgl. Lagebericht 1941).

Als Ostern 1921 das Domgymnasium aus finanziellen Gründen geschlossen werden sollte, begründet Lehrer Karl Hedicke die Notwendigkeit ihres Bestehens mit dem Argument:

"Naumburg ist in erster Linie Juristen- und Beamtenstadt."

Interessanterweise steht dieses Selbstverständnis der Stadt nicht mit der realen Beschäftigungsstruktur im Einklang. Laut Volkszählung von 1933 sind 13 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung Beamte. Die Naumburger Kreisgruppe des Reichsbundes der Deutschen Beamten meldet Ende 1933 1 177 Mitglieder. Ihre wirtschaftliche Lage inden Krisenjahren ist stabiler, aber nicht ohne Schwierigkeiten. Waren in Naumburg 1908 hochgerechnet auf 30 000 Einwohner 77 städtische Beamte tätig, so sind es 1929 103. Das Verhältnis von Beamten zu Angestellten in Städten mit 25 000 bis 50 000 Einwohnern liegt im Durchschnitt bei 3 : 1. In der Stadt an der Saale sieht es haushaltsökonomisch wesentlich ungünstiger aus. Das Verhältnis beträgt 3,4 : 3,6 (vgl. Hoppe 1929).

In den Schulen der Stadt sind Ende 1930 etwa 130 Lehrer angestellt.




Lehrer und Schüler in Naumburg - Ende 1930


 
Lehrer
Schüler
   

Volksschulen

64
2800

Allgemeinbildende Schulen

17
400

Allgmeinbildende Knabenschulen

24
430

Untere Mädchenschulen

18
380

Berufs- und Fortbildungsschulen

6 + 7 Nk
700

Fachschulen

1 + 1 Nk
35
   


Nk - Nebenkräfte


 

Ein wichtiger öffentlicher Arbeitgeber in Naumburg sind das Oberlandesgericht, die Gerichte und die Strafvollzuganstalt. Zwischen Januar 1933 und April 1945 waren am Oberlandesgericht Naumburg zwei OLG-Präsidenten, drei Vizepräsidenten, 14 Senatpräsidenten und 61 Oberlandesgerichtsräte beschäftigt (vgl. Möhring 72). Im Januar 1933 äußert Bürgermeister Karl Roloff die Befürchtung, das Oberlandesgericht könnte wegziehen. Mit seinen Arbeitsstellen sichert es die soziale Existenz von etwa 350 Familien mit insgesamt etwa 1 000 Personen.

 

Leistungen der Stadtwerke Naumburg

Gaswerk
Gesamtfördermenge Kohlegas 1 665 550 Kubikmeter

Kohlegas 1933:
130 1670 Kubikmeter

Koksgas 1933:
363 880 Kubikmeter

höchste Gasabgabe
am 23.12.1933
5 600 Kubikmeter

niedrigste Gasabgabe
am 25.3.1934
3 730 Kubikmeter

Die
Gesamtlänge des
Gasrohrnetzes beträgt 57 071 Meter.

1935: 60,19 Kilometer*
 


Wasserwerk

Gesamtfördermenge 1934
1 066 248 Kubikmeter

höchste Tagesabgabe 1933 4 130 Kubikmeter

geringste Tagesabgabe 1933 2 125 Kubikmeter

durchschnittliche Tagesabgabe 1933 2 922 125 Kubikmeter

höchste Tagesabgabe pro Kopf der Bevölkerung 1933 133 Kubikmeter

geringste Tagesabgabe pro Kopf der Bevölkerung 1933 63 Kubikmeter

Die Gesamtlänge des Wasser rohrnetzes beträgt 54 416 Meter.

 

1935 65,25 Kilometer*

 

Elektrizitätswerk

erzeugte Gesamtmenge
1934 1992170 Kilowattstunden

Ausrüstung
3 Dieselmotoren je 100 PS
[1PS gleich 1,36 Kilowatt]
1 Dieselmotor 250 PS
1 Umformer 150 kW [Kilowatt]
1Umformer 500 kW
1 Transformator: einer 160 kVA [Kilovoltampere], einer 200 kVA, fünf je 100 kVA, ein je 50 kVA

Naumburg bezieht von der Aktiengesellschaft Weißenfels-Zeitz 1934 204000 Kilowattstunden.

Elektro-Zähler
1932: 8 685 und 1935: 9 887*


Straßenbahn
Gesamtlänge 5,29 Kilometer
Ausrüstung 10 Motorwagen
4 Anhängerwagen 4 Gepäckwagen

Wagenkilometer
1932  316 372
1933  318 615

Fahrscheine zu 20 Pfennig 1932 180426
1933  158611

Kinderfahrscheine
1932    33787
1933    30608

 

Straßenbeleuchtung 1934

Anzahl der Gaslaternen 500
Elektrische Lampen 210
für 4 Schildkröten
[Verkehrsleiteinrichtung] 12 Lampen


Schlachthof
veraltet, die hygienischen Bedingungen sind grenzwertig


Bericht der Stadtverwaltung über Städtischen Betriebswerke, Naumburg, den 23. November 1934, Unterzeichnet von Frankenberger

* Naumburger Tageblatt, Naumburg, den 28. März 1936


In der Außenstelle der Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft sind etwa dreißig Mitarbeiter angestellt.

Im Elektrizitätswerk (Stadtwerke) sind 14 Angestellte und 12 Arbeiter, im Gaswerk 7 Angestellte und 34 Arbeiter und im Wasserwerk 2 Angestellte und 6 Arbeiter, also 75 Personen beschäftigt.

Die Stadtbetriebe leiden unter den auf den Tarifen lastenden Finanzaufschlägen. Für den Unterhalt des Gaswerkes wurden in den letzten Jahren zu wenig Mittel bereitgestellt (1934).

Die Zahl der Fahrgäste auf der 5,29 Kilometer langen Fahrstrecke der Naumburger Straßenbahn sinkt in Folge der Inflation, Wirtschaftskrise und Erwerbslosigkeit bis auf 252 000 Passagiere pro Jahr. Erst im Jahr 1938 erreicht sie wieder die Millionengrenze. (Vgl. Ringstraßenbahn)

1933 legte sie mit zehn Motorwagen, vier Anhängerwagen und vier Gepäckwagen 318 615 (1932: 316 372) Wagenkilometer zurück und beförderte insgesamt 551 063 (1932: 361 372) Personen.

Hohe Verwaltungskosten und Strompreise gefährden ihre Rentabilität. Im Herbst 1931 muss sie gar ihren regulären Betrieb einstellen.

"Die Straßenbahn ist derjenige Betrieb, der am meisten unter dem Parlamentarismus zu leiden hatte",

schlussfolgert der Direktor der Naumburger Stadtwerke Diplom-Ingenieur Edgar von Frankenberg und Ludwigsdorff 1934 in einem Bericht. "Die von kapitalkräftigen Kraftwagenverkäufern genährte Gegnerschaft gegen die Straßenbahn", analysiert der Direktor der Naumburger Stadtwerke Gas-, Wasser-, Elektrizität und Strassenbahn weiter, "wurde leider durch die Naumburger Verkehrsunternehmen gestützt. Es trat hier besonders die Erscheinung zu Tage, dass Personen, die die Strassenbahn überhaupt nicht oder nur mit Freikarte benutzten, sich für sachverständig in Tarifragen hielten und fortgesetzt Experimente vorschlugen, die nach Ansicht der Verwaltung von vornherein aussichtslos waren. Besonders wurde von Wirtschaftskreisen immer wieder behauptet, dass eine scharfe Fahrpreissenkung sich durch Verkehrsbelebung bezahlt mache. Das Experiment ist nicht nur in Naumburg, sondern in allen Städten missglückt (…)." (Bericht 23.11.1934)

Tatsächlich ist die wirtschaftliche Lage der Naumburger Strassenbahn in den Jahren 1929 bis 1932 schwierig. Im Herbst 1931 muss sie den Fahrbetrieb einstellen. Die Rentabilität der Wilden Zicke, wie sie liebevoll genannt wird, leidet unter den hohen Verwaltungskosten und steigenden Strompreisen. Durch die Arbeitslosigkeit und Unsicherheit der wirtschaftlichen Haushaltslage ist die Kaufkraft ihrer Kunden deutlich reduziert. Eine Fahrt mit der Ringbahn wollte also gut überlegt sein. Im Mai 1931 weist der Strassenbahnverkehrsbetrieb Mindereinnahmen in Höhe von 1 408 Reichsmark aus. Im darauffolgenden Monaten steigt er auf 3 041 und im Juli auf 4 534 Reichsmark. Der jährliche Zuschuss schwankt in dieser Zeit zwischen 50 000 und 60 000 Reichsmark.

In der Sitzung 28. April 1932 verabschieden die Stadtverordneten den Finanzplan für das laufende Jahr. Er sieht vor, den Strompreis für die Strassenbahn von 17 auf 10 Pfennige je Kilowattstunde zu reduzieren, um deren Wirtschaftlichkeit zu sichern. Der Fahrbetrieb auf dem 5,4 Kilometer langen Rundring erfolgt weiterhin nur in eine Richtung, was ebenfalls die Betriebskosten erheblich senkt. Der Wagenpark befindet sich in einem schlechten Zustand. Dafür gibt es noch keine Lösung. - Aber mit dem Parlamentarismus hatte dies so viel zu tun wie die Nähmaschine mit dem Spiegelei.

Der zunehmenden Nutzung von Kraftwagen im Postwesen und wachsenden Telefontechnik ist das Gebäude des kaiserlichen Postamtes am Lindenring, ein Neorenaissancebau von 1887, nicht mehr gewachsen. So beginnt man am 2. Februar 1931 am Heinrich-von-Stephanplatz mit dem Neubau.

Altes Postamt am Lindenring und
Postamt am Heinrich-von-Stephanplatz (2006)

Nach 14-monatiger Bauzeit wird es am 14. April 1932 fertig gestellt. Die (Haupt-) Post hat jetzt 86 Poststellen mit 20 Kraftfahrzeugen zu versorgen. Am 1. Januar 1891 erhielt Naumburg das erste Telefon. Ende 1933 bestehen 1 038 Fernsprechhauptanschlüsse mit 728 Nebenanschlüssen. Im selben Jahr führen die Domstädter im Ortsverkehr 71 704 Gespräche.

Die Zahl der Postmitarbeiter steigt. 1830: 10, 1837: 20, 1888: 50, 1908: 170, 1932: 189 Personen. Die Post versorgt viele mit Arbeit und einem bescheidenen, dafür aber sicheren Einkommen. Nach den offiziellen Angaben der Reichsstatistik sah es noch günstiger aus. Hiernach sind 1925 im Post und Telegrafenwesen von Naumburg 433 und 1932 440 Mitarbeiter beschäftigt.

Aber dieses erfreuliche Bild hinsichtlich des Beschäftigungszuwachses bei der Post lässt sich leider nicht verallgemeinern. Die Kaufkraft der Kleinverdiener ist durch die Brüningsche Sparpolitik deutlich geschwächt. Hinzukommen Massenarbeitslosigkeit und Armut. Nach der Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 16. Juni 1933 sind im Stadtkreis Naumburg unter der statistischen Kategorie Erwerbslos Berufszugehörige 6 352 Personen ohne entlohnte Arbeit registriert.

Einer weiß den Ausweg: Albin Tollert, Geschäftsführer des Verkehrs- und Wirtschaftsverbandes Naumburg mit 106 Mitgliedern. Er sagt in seinem Jahresbericht auf der Hauptversammlung am 13. April 1932:

 

Werbung für die Stadt?

"Das Gefängnis ist zur Zeit sehr stark belegt", schreibt am 7. Februar 1931 der Vorsteher der Strafanstalt Naumburg an die Ortspolizeibehörde Naumburg. "Aus Weißenfels sind

eine Anzahl Kommunisten

eingeliefert worden. Es ist sehr schwer, die Leute auseinander zu halten. Dazu kommt die Verbindung von der Straße aus. Mädlerstr. und Parkstr. werden Nachm. Und abends von jungen Leuten aufgesucht, die durch Zurufen nach den Zellenfenstern Verbindung mit den Gefangenen zu erlangen suchen. Ich bitte soviel als irgend möglich, die genannten Straßen kontrollieren lassen zu wollen und die Bemühungen der Gefängnisverwaltung, die Verbindung nach außen zu unterbinden, zu unterstützen."

(Strafanstaltsvorsteher)

 

Werbung für die Stadt und die Belebung des Fremdenverkehrs sind das einzige Mittel zum Weg aus der Krise.

Unwissenheit, Naivität oder Verzweiflung? - Der Touristenexperte meldet sich im November 1935 im Rahmen seines Rechenschaftsberichts - jetzt Verkehrsverein Naumburg e. V. - mit dem Slogan zu Wort:

Der Fremdenverkehr ist eine "Schlüsselindustrie".

Er fordert:

"… jeder muß ein lebendiger Propagandist seiner Stadt werden."

Wenn es gelänge den Fremdenverkehr im Erwartungshorizont von Albin Tollert zu entwickeln, erhielten die etwa 57 Schank- und Speisewirtschaften, 18 Gasthöfe mit Hotel, vier Weinstuben und drei Kaffeestuben weiteren Zulauf (vgl. Speck 2004). Aber darauf vertrauten damals lediglich 30 Prozent von 1 000 befragten Personen. Mit einem Blick auf die Zahlen kann man dies nachvollziehen. Im ersten Halbjahr 1938 besuchen Naumburg 18 633 Touristen mit insgesamt 28 480 Aufenthaltstagen. Hiernach kommen durchschnittlich 54 Besucher pro Tag und buchen etwa 1,5 Übernachtungen. Zieht man nun noch die damals üblichen Freizeit- und Konsumgewohnheiten in Betracht, so ist der Tourismus für Naumburg ein kulturell interessanter, aber wirtschaftlich gesehen marginaler Vorgang. Zur Orientierung: Der Dom von Naumburg verzeichnet im Jahr 2003 146 853 Besucher und das Gastgewerbe 44 683 Ankünfte.

Mit dem Fall der Kurse am Schwarzen Freitag - 29. Oktober 1929 - an der New York Börse, beginnt auch in Deutschland eine tiefe Wirtschaftskrise. Banken schließen und gehen Bankrott. Über 70 000 Betriebe schliessen von 1930 bis 1932 in Deutschland. Die Zahl der Arbeitslosen steigt von 1,9 Millionen im Januar 1928 auf 6,1 Millionen Arbeitslose im Jahr 1932. Der Durchschnittsverdienst eines Industriearbeiters in Deutschland sinkt in der Zeit der Weltwirtschaftskrise von etwa 42 auf 22 Reichsmark. Die Einkommen der Landwirte verringern sich um 50 Prozent. 70 Prozent der Ärzte verdienen 1932 in Deutschland weniger als 170 Reichsmark. Die Staatseinnahmen verringern sich. Gleichzeitig steigen die Ausgaben für die Arbeitslosen.

 

 

Mit massiven Sparmaßnahmen im öffentlichen Sektor, Senkung der Einkommen oder Steuererhöhungen, unter anderen für Tabak, Bier und Getränke, will das Kabinett Brüning die Staatsfinanzen sanieren. Die Nachfrage nach Konsumgütern sinkt.

Um 1900 stellt die Kammindustrie den bedeutensten Gewerbszweig in Naumburg dar. Nach Adolf Leopoldt (1931, 329) existieren im Februar 1914 in der Stadt 10 Kammfabriken mit 370 Beschäftigen. Im Jahr 1924 arbeiten in der Stadt etwa zwanzig dieser Unternehmen, darunter die Gebrüder Hoffmann (Jägerstrasse 57), Gebrüder Müller (Weissenfelser Strasse), Rollow und Co. (Moritzstrasse), Gebrüder Hoyer (Blumenthalstrase), Romstädt und Lüner (Am Moritzberg) und Herold und Walther (Neuen Steinweg 19). Die bedeutendste Firma war die Vereinigten Naumburger Kammfabriken Johann Mahr & Söhne.

"Von all diesen Firmen ist in ihrer damaligen Aufmachung", schreibt das Naumburger Tageblatt 1933, "heute keine einzige mehr vorhanden." Eine "Modelaune vernichtet die stärkste Naumburger Industrie", überschreibt der Autor seine Nachforschungen. Ende 1931 sollen schätzungsweise noch ganze 20 bis 25 Arbeiter in der Kammindustrie beschäftigt gewesen sein.

Als um 1924 der Bubikopf in Mode kommt, sind all die Haar- und Nackenkämme für Frauen nicht mehr notwendig und die Aufträge gehen drastisch zurück. Den Rest besorgt die Wirtschaftskrise. War es aber nur die Modelaune? Denn ziemlich sicher ist, dass bereits im Ersten Weltkrieg ein Rückgang in der Nachfrage nach Kämmen einsetzte. Der Kurzhaarschnitt erfreute sich Abereits im Krieg einer gewissen Beliebtheit. 1917 nehmen viele Frauen den Zivildienst auf, arbeiten in den Fabriken an Maschinen oder pflegen in den Lazaretten Kranke. Kurze Haare sind da ehr praktisch.

Die Lederfabrik Freytag am Reussenplatz. Quelle: Lederfabrik, Seite 3
Johannes Freytag der Jüngere, geboren am 5. Mai 1890. Quelle: Lederfabrik, Seite 7
Gebäude der ehemaligen Lederfabrik (2007) am Reussenplatz

Mit dem Absatz- und Produktionsrückgang ringen ebenso die Tischler. Der einst stolze Verband der Holzarbeiter in Naumburg mit seinen 1 000 Mitgliedern Schrumpft stark zusammen.

In einem Bericht über die wirtschaftliche Lage der Lederfabrik Freytag in Naumburg, deren Stammhaus - das Gerberhaus - um 1700 in der Kleinen Wenzelsstrasse Nr. 5 lag, heißt es:

" … und die Jahre 1928 bis 1932 waren wohl die Traurigsten für die Gerberei. Wilde Konjunkturwirtschaft, Absatzkrisen, Verluste durch Zahlungsunfähigkeit der Schuhfabriken verringerten das Betriebskapital von Jahr zu Jahr. Die gesetzlich erlaubte Einfuhr von gegerbtem Leder, besonders französischem Futterleder, brachte die Gerberei fast an den Ruin." (Lederfabrik 15 f.)

Das Geschäft im Holz-Kunsthandwerk gerät in eine bedrohliche wirtschaftliche Schieflage. Auf Grund von Konkursen und Vergleichen büsst die Werkschar Naumburg 10 000 Mark ein. Ein Drittel der Mitarbeiter muss nach Hause geschickt werden, obwohl Friedrich Muck-Lamberty alles versucht, die Substanz der Firma zu erhalten. 1931 eröffnet er eine Verkaufsausstellung in Holland. Trotz des durch die Stadt gewährten Mietnachlasses für die Fabrikräume in der Artilleriekaserne Weissenfelser Strasse, laufen bis 28. März 1933 Rückstände in Höhe von 917 Reichsmark auf. Nach 1932 stabilisiert sich die Firma wieder.

Herrenstraße (2005)

Am 12. Februar 1931 meldet das Bankhaus Vogel in der Herrenstrasse - seit 1857 am Platz - beim Amtsgericht Naumburg Konkurs an. In der Bilanz des Geldinstituts stehen 131 000 Reichsmark Aktiva und 308 000 Reichsmark Passiva zu Buche. Aber ein Teil der Aktiva besteht aus nicht einbringbaren Außenständen, weshalb für die Gläubiger wenig Hoffnung besteht, ihr Geld zu bekommen. Bankdirektor Doktor Karl August Vogel (geboren 1889) verpfändet 1929/30 an die Geldinstitute Gebrüder Arnold (Dresden) und die Deutsche Diskontgesellschaft (Berlin) für 130 000 Mark Aktienpapiere seiner Kunden, um die Zahlungsfähigkeit mit weiteren Krediten aufrechtzuerhalten.


Werbung vom Bankhaus Vogel
im Jahr 1921

1914: 12 Beschäftigte. 1918: 8 männlich und 2 weibliche Beschäftigte

Noch am Tag der Konkurs-Erklärung wird er verhaftet. Zu offensichtlich ist die Kollision mit Paragraf 266 des Strafgesetzbuches, der bestimmt: Wer die ihm durch Gesetz, behördlichen Auftrag oder Rechtsgeschäft eingeräumte Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen oder einen anderen zu verpflichten, missbraucht …. verletzt und dadurch dem, dessen Vermögensinteressen er zu betreuen hat, Nachteil zufügt, wird mit Freiheitsstrafe .... belegt. Deshalb verurteilt am 15. Juli 1931 das Naumburger Schöffengericht den Banker in erster Instanz zu sechs Monaten Gefängnis. Doch dieser, man horche auf, fühlt sich ungerecht behandelt. In der Revisionsverhandlung trägt er dem Richter folgende ziemlich dreiste Argumentation vor: Er habe vor allem Musik und nicht Rechtswissenschaften studiert, und konnte deshalb die Folgen der Wertpapierverpfändung nicht überschauen. Aber muss man denn das Depotgesetz kennen, um die Unrechtmäßigkeit dieses Vorgehens einzusehen? Welcher Kunde würde seine Wertpapiere einer Bank noch zur Aufbewahrung, Einlösung, Umtausch und so weiter anvertrauen, wenn sie diese für die Sicherung der eigenen Zahlungsfähigkeit verpfändet? Doktor Vogel verfügt zweifellos über genügend Berufserfahrung, um dies zu erkennen. Doch den Musikus plagt kein Schuldbewusstsein. So befindet die große Strafkammer des Landgerichts Naumburg am 21. Oktober 1931 völlig zu Recht, dass der Angeklagte eindeutig im Wissen um die bevorstehende Überschuldung handelte und damit das Vertrauen der Kleinsparer auf das Ärgste missbrauchte. 1 Jahr und drei Monate Gefängnis lautet die Strafe.

 

Überblick

Zur Wirtschaftskrise 1929/33 in Naumburg

Der Schrumpfungsprozess der regionalen Volkswirtschaft widerspiegelt sich im Verwaltungsbericht des Reichsbankbezirks Halle mit den Filialen in Bitterfeld, Eilenburg, Eisleben, Merseburg, Weissenfels und Naumburg. In diesem Gebiet sank der Gesamtgeschäftsumsatz von 6 893 400 000 im Jahr 1929, auf 6 241 600 000 im Jahr 1930 und schließlich auf 5 265 400 000 Reichsmark im Jahr 1931.

Trotz des rasanten technischen Fortschritts fällt die Gesamtzahl der gemeldeten Kraftfahrzeuge in Naumburg von 767 im Jahr 1930 auf 761 im Jahr 1932.

1925 2 000 Wohnungssuchende und 407 Familien verfügen Ende 1925 über keinen eigenen Wohnraum.

Einerseits relative Überversorgung mit großem Wohnraum und andererseits großer Mangel an Kleinwohnungen.

Bei Gewerbetreibenden sinkende Steuereinnahmen - 1929 im Reichsdurchschnitt auf 1 000 Einwohner 372 Steuerbelastete; in Naumburg sind es lediglich 192.

1925 bis 1932 Verringerung der Zahl der Beschäftigten im Gewerbe von 9 043 auf 7 259, Zahl der Arbeiter sinkt von 4 451 auf 2 247.

Wohlfahrtserwerbslose (Langzeitarbeitslose) am 31. Mai 1932 auf 1 000 Einwohner: Naumburg 50,4, Magdeburg 56,8, Weißenfels 87,5, Halle 57,2, Erfurt 54,1, Halberstadt 56,4, Mühlhausen 79,2, Zeitz 77,5, Nordhausen 41,8 und Merseburg 79,3.

Armut: Stadtverordnetensitzung 1930, 30. Januar: Karl Marien (SPD) möchte, dass jedem ausgesteuerten Arbeitslosen seitens der Stadt kostenlos ein Zentner Kohle und zwei Zentner Kartoffeln gewährt werden.

Wohlfahrtsunterstützung 1929: Frau Brückner, Neidschützerstraße 4, erhält 1929 mit ihren 9 Kindern im Alter von 8 Monaten bis 14 ½ Jahren wöchentlich 24 Reichsmark Wohlfahrtsunterstützung.

Notleidende Bürger erhalten Brot, Bohnen, Reis, Milch und Kleidung. Die Zahl der in wirtschaftlicher Not lebenden Personen beträgt etwa 10 000.

Fehlbeträge: im Haushalt der Stadt 1929: 108 000 Reichsmark, 1930: rd. 244 000 RM, 1931: 81 000 RM, 1932: 326 500 RM, 1933: 162 300 RM.

 

Knall auf Fall ordnet die Betriebsleitung der Druckerei Lippert & Co. am 30. Januar 1933 Kurzarbeit an. Ab diesem Montagnachmittag kann ein Teil der Belegschaft nur noch für vier Tage in der Woche arbeiten. Der Protest des Betriebsrates bleibt erfolglos. Die Betriebsleitung entgegnet ihm, man könne nicht anders, weil die Kaufkraft der Kunden und die Nachfrage der an Bücher interessierten Kundschaft geschwächt und sie von falschen Maßnahmen der Regierung betroffen sind. Weitere Aufträge sind nur zum Preis von billigeren Angeboten zu haben. Also, runter mit den Lohnkosten. So tut die Firma das, was sie zuvor der Regierung vorwarf - sie senkt die Kaufkraft.

Viel öffentliches Interesse zieht 1927/28 die Devoli (Deutsche Volkslichtspiele GmbH) auf sich.  Ihr Aufstieg und Untergang bietet den Stoff für verschiedene Narrative. Konzentriert sich der Erzähler auf die Bewegung der verhaltensoriginellen Charaktere in der Geschäftsführung, entsteht eine Burleske. Schildert er das Geschehen in ökonomischen Kategorien, nehmen wir an einem Drama teil. Die Deutschnationalen wollen den Unterhaltungsfilm als Mittel der Volkserziehung und Propaganda im Kulturbetrieb etablieren. Vorgesehen sind hierfür 10 Kolonnen a` 20 Wagen. Mit annähernd 400 Beamten will die Firma insgesamt 6 000 deutsche Orte mit Werbe- und politischen Propagandafilmen einpflegen. Starten sollen die technisch modern ausgerüsteten Film-Vorführwagen vom Unternehmenssitz im Spechsart 42. Die Fahrer erhalten ein monatliches Gehalt von cirka 250 Reichsmark und die Führer von 350 Reichsmark, bei freier Wohnung und Verpflegung plus 5 Reichsmark Spesen pro Tage. Das klingt alles zu fantastisch, als dass es wahr sein könnte, worauf der Verband der Preußischer Polizeibeamte e.V. in einem Brief die Handelskammer Halle (Saale) vom 25. August 1927 aufmerksam macht.

 

Mittelstand und Eigentumsfrage

Die Pleite von Peter & Moritz [Autoproduktion], Hakon [Stühle], Micki [Kammfabrik], Devoli [Volkslichtspiele], Bankhaus Vogel und der Likörfabrik zerstört viele Arbeitsplätze, untergräbt die Existenzgrundlage von Teilen des wirtschaftlichen Mittelstandes. Zudem besteht eine heftige Absatzkrise, die vielen Firmen, etwa die Lederfabrik Freytag oder Werkschar Naumburg [Friedrich Muck-Lamberty], zur Personalreduzierung zwingt.

So ist schon zu verstehen, warum Otto Grunert (Naumburg) auf der SPD-Mitgliederversammlung im Herbst 1931 die Konsequenz darlegt: "Die privatkapitalistische Wirtschaft sei nach dem Krieg ausser Rand und Band gekommen; sie wisse auch keinen Weg aus der Misere. Nur die Umgestaltung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung in eine sozialistische könne eine Änderung herbeiführen."

Die Kommunistische Partei ist schon einen Schritt weiter. Sie "kämpft für den Sturz des Kapitalismus, für die Diktatur des Proletariats, für ein sozialistisches Sowjetdeutschland", erklärt im November 1929 Ernst Thälmann im Appell an die werktätige Bevölkerung Berlins.

Über soviel Konsequenz erschrickt der besitzende Mittelstand. Erst das produzierende Privateigentum - die Produktionsmittel - wegnehmen und dann auch noch Sowjetrepublik. Das ist zuviel! Weder die SPD noch die KPD erreichen den Mittelstand. Das muss doch noch irgendwie anders gehen, überlegt er. Da kommt ihnen die städtische NSDAP gerade recht, wenn sie im November 1929 gebietet: "Unbedingter Schutz des wohlerworbenen Privateigentums." Die NSDAP will nicht "die kollektivistische Wirtschaftsform in der Hand des Staates unter Ausschaltung des selbständigen Unternehmers aus dem Mittelstand", betont NSDAP-Kreisleiter Friedrich Uebelhoer in Vorbereitung der Reichstagswahlen im Juli 1932. "Gerade weil wir Sozialisten sind, treten wir für die Aufrechterhaltung des Privateigentums ein. Denn ohne Privateigentumsrechte gibt es kein Streben, keine freie Entfaltung der im Volk vorhandenen schöpferischen Kräfte und Persönlichkeitswerte."

Der wirtschaftlich selbständige Mittelstand ist im Bürger-Wirtschaftsblock (1924) um Ingenieur Julius Eix und Oskar Bartholomai, später als Wirtschaftspartei (Georg Paul, Julius Eix, Kurt Allstedt, Otto Keil) und im Haus- und Grundbesitzerverein (Karl Becker) organisiert. Ab 1930 gerät er zunehmend unter den Einfluss der NSDAP, die ihren politischen Plan zu den Provinzial- und Stadtverordnetenwahl 1929 veröffentlicht. Sie verspricht die Konkurrenz, Konsumvereine und Warenhäuser, auszuschalten. "Zum Schutz der Gewerbetreibende werden städtische Betriebe, die nicht der Bedarfswirtschaft der Stadt dienen, abgelehnt." Mit "allen Mitteln" soll der Wohnungsbau und die Schaffung sanitärer Einrichtung gefördert werden. Das verspricht weitere Aufträge, zumal sie die Hauszinssteuer "restlos für den Wohnungsbau einsetzen" will. Außerdem bereitet die NSDAP "zur Behebung der Arbeitslosigkeit" "ein umfassendes Programm von auszuführenden Notstandsarbeiten" vor.

 

 

Abstieg, Randexistenzen, Aggresivität, nationalistische Loyalität

 

Emil Kraatz, Erster Bürgermeister von Naumburg:

"Es genügt auch nicht, für die Armen auf Bällen zu tanzen und zu ihren Gunsten großartige Mähler zu veranstalten. Diese Art der Wohltätigkeit ist falsch, sie erbittert und schadet dem sozialen Frieden mehr, als sie ihn zu fördern geeignet ist"

(Kraatz 1914, 350)

 

Die Folgen der fortschreitenden Rationalisierung und der Überproduktionskrise treffen die einzelnen Beschäftigtengruppen unterschiedlich. Massenarbeitslosigkeit und Armut verunsichern die Menschen, bedrohen grosse Teile der arbeitenden Klasse in ihrer sozialen Existenz. Oft kollidiert der wirtschaftliche Wettbewerb mit dem individuellen Bedürfnis nach vorsorgender Lebensgestaltung. Viele Familien halten den sozialen und psychischen Belastungen nicht stand. Zerwürfnisse und Trennungen häufen sich. Die Heilstätte für Alkoholkranke Hermann-Blume-Haus in Naumburg und die Heilstätte für Alkoholkranke Georg-Koehler-Haus in Jena mussten 1929 im Vergleich zum Vorjahr die Belegung um ein Drittel bis 50 Prozent erhöhen. Es besteht kein Zweifel, dass die Zahl der Verlierer in Naumburg viel größer als die Zahl der Gewinner ist.

Erwerbslose, Ausgegrenzte und Randexistenzen fühlen sich zurückgesetzt und gedemütigt. Es entsteht ein enormes Aggressivitätspotenzial, das durch die Erziehung domestiziert werden kann, wenn die Betrofffenen lernen gute Verlierer zu sein. Allerdings können Ihre soziale Gefühle über verschiedene Ausdruckskanäle mobilisiert werden. In diesen Konflikten nimmt die nationalistische Loyalität eine weitgehend neutrale Stellung ein und dient daher oft als Sammelpunkt. Sie erzeugt in der nationalen Familie einen starken Druck zur Einigkeit, egalisiert die Konflikte und leitet sie nach Außen um. (Vgl. Parson 242-252)

 

John Maynard Keynes (1883-1946) kritisiert 1924 im Vortrag

Das Ende
des Laissez-faire

das hergebrachte klassisch-liberale wirtschaftspolitische Denken:

(1.) Das Laissez-Faire-Prinzip betrachtet nur das Endresultat, nicht aber die sozialen und gesellschaftlichen Kosten dieser (Wirtschafts-) Politik.

(2.) Es gründet sich sozusagen einseitig auf die Verbindung des Prinzips vom Wettbewerb mit dem der "natürlichen Auslese" (Darwin) und dient ausschließlich den unbeschränkten Möglichkeiten privaten "Geldverdienens".

(3.) Produktion und Konsumtion werden nicht als Einheit erkannt, eine selbstzerstörerische Absurdität.

(4.) Die Interessen der "Geschäftswelt" (Keynes), die maßlosen Profitinteressen, die Macht des Finanzkapitals, aber auch die dogmatische Kritik des Protektionismus und Marxismus fördern die Durchsetzung dieses Prinzips.

(5.) Es ist nicht wahr, daß jedes Individuum die "natürliche Freiheit" zur wirtschaftlichen Tätigkeit ohne Abstimmung mit dem Staat, dem Gemeinwohl und der Gemeinwirtschaft besitzt.

J. M. Keynes: Das Ende des Laissez-Faire, Ideen zur Verbindung von Privat- und
Gemeinwirtschaft. Duncker & Humblot, München und Leipzig 1926

 

Die Krise vertieft sich. Die politische Elite in Deutschland verschläft The End of Laissez-Faire. Forderten in Deutschland führende Ökonomen immer wieder einen Sparkurs, so war mit den Arbeiten von Keynes längst klar, dass der Staat mit Konjunktursteuerungsmaßnahmen (A treatise on money - 1930, Essays in persuasion - 1931) eingreifen muss, um diese Wirtschaftskrise zu bewältigen. Lange nach dem Trauma der Weltwirtschaftskrise von 1929/32 entwickeln große Teile der Elite und politisch herrschenden Klasse ein neues ökonomisches Bewusstsein. Für sie ist nunmehr der Kapitalismus nur mit Vollbeschäftigung und stabilem Wachstum des Nationaleinkommens akzeptabel. Dafür bietet sich die antizyklische Fiskal- und Konjunkturpolitik als Nachfragesteuerung an. Durch die Ausweitung stabiler Lohnverhältnisse, Anreize für den Konsum wie mit dem Ford T-Modell (1908), 2 CV (Die Ente), Topolino (FIAT 500) oder Volkswagen (KdF-Wagen, 1938) und Kleinfamilie erfolgt die soziale und politische Aushöhlung des Klassenmilieus bei gleichzeitiger Stabilisierung der Gesamtnachfrage auf hohem Niveau.

Im Februar 1932 befassen sich die Stadtväter von Naumburg mit der Eingemeindung von Almrich. Curt Oertel (1890-1960) dreht Die steinernen Wunder von Naumburg. Die Reichskronen Lichtspiele geben am 26. September Der schönste Mann im Staate und die Schwanen Lichtspiele Unter falscher Flagge mit Gustav Fröhlich. Im Film Ein blonder Traum singen Lilian Harvey, Willy Fritzsch und Willy Forst - bevor sie sich in ihre Villen zurückziehen:

Wir zahlen keine Miete mehr
Wir sind im Grünen zu Haus ...

So komfortabel treffen es die meisten Naumburger nicht. Speziell die Sebstständigen müssen um ihre Existenz kämpfen, nicht im Grünen, sondern in angemieteten Räumen. Und diese können sie oft nicht bezahlen. In ihrer Not stellen viele Gewerbetreibende beim Magistrat einen Antrag auf Nachlass. Firma Schmidt ersucht um eine Minderung von 1 740 auf 1 600 Reichsmark. Die Räume für die Turnlehrerin Poppenroth werden auf 820 RM herabgesetzt. Und die Pächterin der Reichskrone erhält einen einmaligen Nachlass von 1 800 Reichsmark. "Wir bitten nochmal", wendet sich die Frau von Friedrich Muck-Lamberty für die Werkschar am 28. August 1931 an den Magistrat der Stadt Naumburg, "die Miete für die hier verwendeten Räume in der Kaserne [Weissenfelser Strasse 38] angesichts der furchtbaren Sache, dass das Geschäft vollständig daniederliegt, um 20 Prozent herabzusetzen." Dem Antrag von Frau Lenkheit wird mit Beschluss vom 31. August 1932 stattgegeben, und die Miete von 2880 Reichsmark um 200 Reichsmark monatlich reduziert.

Eigentlich kann die Stadt sich Mietnachlässe nicht leisten, denn sie braucht dringend die Einnahmen. Was tun? Darüber rätseln die Ratsherren erneut in ihrer Sitzung am 23. Februar 1934, nachmittags 6 Uhr, im Verwaltungsgebäude am Topfmarkt 6. Stadtverordneter Eix wendet sich dagegen, dass die Ladenmieten weiter abgesenkt werden. Die Stadt verfügt über "keine Industrie und keine anderen grossen Betriebe". Sie hat "in der Hauptsache nur Mieter". Deshalb sei es falsch die Mieten abzusenken. "Im Gegenteil, sie müssen hochgehalten werden, sonst Fehlen in einigen Jahren die Steuereinnahmen" (Vgl. Niederschriften).

Bismarckturm Naumburg um 1930
Werbung aus den 30 er Jahren
zum Bismarckturm in Naumburg (Saale)

Am gleichen Ort, im gleichen Kreis geht es am nachmittag 6 Uhr des 31. Juni 1934 weiter. Buchhalter Paul Gotter (NSDAP) führt zur Frage der Mietrückstände aus, obwohl es sich "um sehr enorme Beiträge handelt", sei es richtiger "die rückständigen Mietbeiträge niederzuschlagen". Denn die Schuldner seien zumeist langjährige Wohlfahrtsempfänger. Pfändbare Gegenstände sind bei ihnen eh nicht vorhanden. In Anlehnung an Samuel Becketts Warten auf Godot könnten die Betroffenen sagen:

Hand in Hand hätten wir uns vom Bismarckturm runtergestürzt, mit den ersten.
Da sahen wir noch anständig aus.
Jetzt ist es zu spät.
Die würden uns nicht einmal rauflassen.

 

 

Zerrüttete Stadtfinanzen

1928 - für die Stadt Naumburg a. S. das letzte Jahr mit einem Haushaltsplan ohne Fehlbetrag! In den darauf folgenden Jahren schließt die Stadt ihren Haushaltsplan mit einem Defizit ab. Der beträgt 1929: 108 000 RM, 1930: 244.000 RM, 1931: 81 000 RM, 1932: 326 500 RM und 1933 162 300 RM. Die finanzielle Lage der Stadt hat sich in den letzten zehn Jahren grundsätzlich geändert. Waren die Steuern und Steuerzuschläge in der Vorkriegszeit über Jahre hinweg stabil, so erhöhen sie sich jetzt von Jahr zu Jahr, da die Stadt völlig neue Aufgaben übernimmt. Was sind die Ursachen?

  • Mit dem Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung (AVAVG) von 1927 übernimmt das Reich die Finanzierung der Kurzzeit-Arbeitslosen. Bei der Stadt verbleibt aber die Versorgung der Wohlfahrtserwerbslosen. Letztlich spart sie dabei nichts! Im Gegenteil, mit der Wirtschaftskrise (1929/32) erhöhen sich die Ausgaben für die Langzeitarbeitslosen gewaltig. Nur etwa 36 Prozent der Naumburger beziehen ein Normaleinkommen aus eigener Arbeit.

  • Der Zuschussbedarf für das Wohlfahrtswesen steigt zwischen 1930 bis 1933 von 608 000 RM, 994 000 RM, 1 233 000 RM auf 1 500 000 RM. Der Reichszuschuss von 128 000 RM bis 400 000 RM kann dies nicht decken. 1930 wird der Zuschussbedarf im Wesentlichen noch aus den Überschüssen der Stadtwerke erwirtschaftet, wohingegen er 1933 den dreifachen Betrag verschlingt.

  • Weiterhin erhöhen sich die Ausgaben der Stadt durch die enorme Erweiterung der städtischen Gesundheits- und Armenpflege.



Aus öffentlichen Geldern betreute Personen
Naumburg (Stadtkreis)

 
1931
1. März 1932

Arbeitslosenunterstützung

2367
972

Krisenunterstützungsempfänger                

1260
835

Wohlfahrtserwerbslose

2436
3548

sonstige Hilfeempfänger

504
745

Kleinrentner

434
384

Sozialrentner

834
690

Kriegsversehrte und -hinterbliebene

 5334
5216
   

Summe  

13169
12390

 

Die steigenden Sozialkosten der Stadt sind einerseits eine Folge des vorausgegangenen Krieges (1914 bis 1918), und andererseits entstehen sie aus der Notwendigkeit von Maßnahmen zur ökonomisch-sozialen Stabilisierung des Staates und der Volkswirtschaft, weil Inflation (1923) und Weltwirtschaftskrise (1929/32), also dramatische Dysfunktionalitäten, das System des Kapitalismus bedrohen. Zur Aufrechterhaltung des Akkumulationsregimes muss der Staat regulierend und stützend eingreifen. Die Gewährung von Arbeitslosengeld, Sozialrente und Wohlfahrtsunterstützung kommt also nicht nur den Bedürftigen zugute, sondern sie entspricht ebenso den objektiven Interessen Derjenigen, die diese Politik jetzt - wie die Deutschnationalen - als Staatssozialismus verunglimpfen.

  • Eine besondere Verpflichtung besteht für die Kommune bei der Kriegsgeschädigtenfürsorge.

  • Der Städte- und Straßenbau verteuert sich durch die notwendig gewordene Steigerung der Arbeiterlöhne.

  • Mit Einrichtung des Wohnungsamtes, das um 1930 wieder aufgelöst wird, übernimmt die Stadtverwaltung wichtige soziale Steuerungsaufgaben in der Wohnungsfürsorge und -vermittlung. Damit erhöhen sich natürlich die Verwaltungs- und Personalkosten.

  • Zu diesen Ausgaben gesellten sich schnell Zinslasten für Wohnungsbauanleihen. Außerdem bestehen noch Verpflichtungen aus Vorkriegsanleihen, deren Beträge auch steigen.

  • 1926 zieht die Schutzpolizei aus Naumburg ab. Die Stadt hält es in diesem Zusammenhang für angebracht, die kommunale Polizei personell zu verstärken. Für die Kosten muss sie selbst aufkommen. So selbstverständlich ist das nicht, zahlen doch Städte wie Merseburg oder Weißenfels lediglich einen Zuschuss zur Finanzierung der staatlichen Polizei.

Der finanzielle Spielraum der Stadt Naumburg ist also gering. Im Durchschnitt sind 90 Prozent der Städteausgaben gesetzlich festgelegt. Für Naumburg dürfte dieser Prozentsatz wahrscheinlich noch etwas höher ausfallen.

Demgegenüber stehen natürlich die begrenzten Möglichkeiten zur Erhöhung der Einnahmen. Kommen 1929 im Reichsdurchschnitt auf 1 000 Einwohner 372 Steuerbelastete, so sind es in Naumburg lediglich 192. Das Lohnsteueraufkommen beträgt im gleichen Jahr im Kreis Naumburg 145 000 Reichsmark, im Kreis Weißenfels 905 000 Reichsmark und im Kreis Zeitz 381 000 Reichsmark.

Neben eher kuriosen Stadt-Steuern, wie die Vergnügungs- und Biersteuer sowie die bizarr anmutende Jazzsteuer (1928), bleibt nur die Erhöhung der Grundvermögenssteuer (1928 von 160 auf 210 Prozent), Gewerbeertrags- und Kapitalsteuer (von 350 auf 400 Prozent). "Heute ist ein Haus mit 100 Prozent staatlicher Grundvermögenssteuer, 1200 Prozent Hauszinssteuer und 160 Prozent städtischen Zuschlägen, zusammen mit 1460 Prozent der staatlichen Grundvermögenssteuer belastet." (Haushalts-Voranschlag 1928)

 


Fragile und ärmliche Einkommen

Im Zeitraum von 1925 bis 1932 verringert sich in Naumburg die Zahl des Beschäftigten im Gewerbe von 9 043 auf 7 259. Dabei sinkt die Zahl der Arbeiter von 4 451 auf 2 247. Die Möglichkeiten für eine bezahlte Beschäftigung verringerten sich für gering Qualifizierten viel schneller als für die höher Qualifizierten (Angestellte).

Der durchschnittliche Tarifstundenlohn eines männlichen Facharbeiters von rund einer Reichsmark im Jahr 1929 sinkt in Deutschland auf 78,6 Pfennig im Jahr 1933. Naumburgs Arbeiter und Unterschichten plagen nicht nur Erwerbslosigkeit, sondern ebenso die niedrigen Löhne.

In der Stadt herrschen fragile Einkommensverhältnisse. Nur etwa 36 Prozent der Bürger erzielen ein Normaleinkommen, wie Lohn, Gehalt oder ausreichende Erträge aus selbstständiger wirtschaftlicher Tätigkeit.

Welche Löhne und Gehälter werden nun in Naumburg bezahlt?

  • Felix Zeitschel (20er Jahre Gartenstraße 11, später Gartenstraße 28) verdiente im Juni 1921 bei der Reichsbahn Naumburg als Kohle-Entlader 59 Pfennig pro Arbeitsstunde.

  • Für die Bauarbeiter wird nach einem Streik am 16. April 1924 ein Stundenlohn in Lohnklasse I von 60 Pfennigen pro Stunde festgelegt. Ungelernte Arbeiter erhalten in allen Lohnklassen 7 Pfennig weniger pro Stunde.

  • Berta Strobel (geboren 11. Januar 1908) verdient 1935 als Hausmädchen bei der Familie Landsberg in der Kösener Straße 40,00 Reichsmark pro Monat. "Die Behandlung und Verpflegung ist bei Landsberg gut und ausreichend", stellt sie fest. Die Sozialversicherung übernimmt der alte Justizrat. (Vgl. Strobel 1935)

  • Der Oberpräsident der Provinz Sachsen erteilt zum 1. April 1936 einen Lehrauftrag für den Studienassessor Dr. Kurt Völcker am Reformrealgymnasium Naumburg mit einem Gehalt von 266,24 Reichsmark pro Monat.

  • Das monatliche Einkommen von Fritz Zimmermann beträgt 287,50 Reichsmark. 141 Reichsmark Aufwandsentschädigung erhält er für seine Tätigkeit als Bürgermeister der Stadt Altenburg (Naumburg), 14 Reichsmark an Aufwandsentschädigung als Standesbeamter, 112,50 Reichsmark als Amtsvorsteher und 20 Reichsmark als Zahlangestellter der Krankenkasse.

  • Arbeiter Rudolf Jäger, der in den Städtischen Notunterkünften Unter dem Spechsart wohnt, verdiente 1938 bei normaler Arbeitszeit beim Heeresverpflegungsamt nach Abzug aller Sozialabgaben wöchentlich 40,00 Reichsmark. Außerdem erhält er 70,00 Reichsmark pro Monat an Kinderbeihilfe.

  • Ratsherr Leonhardt beklagt, daß die Entlohnung beim Straßenbahndienst in Naumburg mit rund 24 Reichsmark je Woche mangelhaft ist. Dies sei der Tarif, antwortete ihn darauf Oberbürgermeister Friedrich Uebelhoer in der Ratsherrensitzung am 15. März 1938.

  • August Butkust aus der Moritzstraße 56 verdient als Landarbeiter 20,00 Reichsmark in der Woche plus Naturalien (30 Ruten Gartenland, 10 Ruten Rübenland, 30 Ruten Kleeland, 1 Zentner Weizen je Monat, 1 Zentner Kartoffeln je Monat, 15 Zentner Stroh im Jahr und "Kindergetreide"), wenn sein Stadtgutpächter Walter König diese auch pflichtgemäß zahlt. Doch der erweist sich als unzuverlässig, weshalb sich der 41-Jährige am 29. Oktober 1940 darüber beim Regierungspräsidenten von Merseburg beschwert. (Vgl. Butkust 1940)

Die Kaufkraft der Löhne ergibt sich aus ihrem Verhältnis zum Preis des Warenkorbes. Schauen wir deshalb auf die Preise.

Die Kaufkraft der Reichsmark laut Hamburger Staatsarchiv und Statistischem Bundesamt im
Jahr 2000:
1 Reichsmark (1924–1936) = 3,32 Euro
1 Reichsmark (1937/38) = 3,58 Euro

 

Eine Straßenbahnfahrt mit der Wilden Zicke die zwischen Markgrafenweg, Haltestelle Hauptbahnhof, bis zur Bahnhofstraße, Ecke Wiesenstraße, über 16 Stationen verkehrte, kostet für die ganze Strecke 20 Pfennig, für Kinder von 4-17 Jahren 10 Pfennig. Oder man kaufte 8 Fahrten zu einer Reichsmark (RM). Die Monatskarte erhält der Fahrgast für 19 RM (Stand 1935). Die Monatsmiete kostet in der Notunterkunft 6 RM, und Bürgermeister Bruno Radwitz bezahlt in der Grochlitzer Straße 53 für eine komfortable Wohnung 135 RM Miete pro Monat. Ein Vellourteppich 2,5 mal 3,5 Meter kostet im Kaufhaus Althoff (Leipzig, Februar 1938) 95,30 RM, ein Konfirmationskleid 19,75 RM und ein Konfirmationsanzug 38,50 RM.

Markt 10 (Kaisersche Haus) in Naumburg (Saale) mit der 1925 eröffneten "Werkstatt für Lichtbildnerei. Walter und Kurt Hege". (Quelle: Naumburg 1993)

Wiederaufbau des Hausse durch die Stadt 1926. (Quelle: Deutschlands Städtebau, Naumburg a.S. und Bad Kösen, "DARI", 1921)

Aber wieviel Geld muss man denn nun verdienen, um ein auskömmliches Leben führen zu können? Kunstfotograf und Lichtbildtechniker Walter Hege aus Naumburg gibt uns eine Orientierung. Er ist seit 1928 mit der geschiedenen Gräfin Elisabeth von Schulenburg (1892-1976) von Schloß Burgscheidungen verheiratet, wohnt jetzt mit Frau und Tochter Maria Reglindis (geboren 1928) in Weimar. Seinem Chef, Professor Schultze-Naumburg, klagt er am 25. August 1931 in einem Brief, dass er mit 240 Reichsmark monatlich nicht auskommt. Ich benötige ohne Abzüge unbedingt 500 Reichsmark, lässt er wissen. Dementsprechend muss mein Vertrag geändert werden. Andernfalls beende ich, droht Hege, die Lehrtätigkeit an der Staatlichen Hochschule für Handwerk und Baukunst in Weimar zum 30. September 1931. Drei Monate später bekommt der anerkannte Architekturfotograf ein Gehalt von 500 Reichsmark monatlich zugesprochen. Mitten in der Krise. Komfortabel. So gut treffen es die meisten nicht.

Die Verteidiger des Nationalsozialismus bedienen sich manchmal des Arguments "Adolf Hitler hat sich um die Arbeiter gekümmert und sie gut bezahlt". Aus stadtgeschichtlicher Sicht muss man dies als absurd bezeichnen. Nach einer Mitteilung des Oberbürgermeisters von Naumburg

liegt der Wochenverdienst eines Leuna-Arbeiters in nur ganz wenigen Fällen über dem gesetzlichen Unterstützungssatz für Arbeitslose,

berichtet die Staatspolizeistelle Halle im August 1934. (Vgl. Stapo 1933c 131) Die in Laucha ansässige Konservenfabrik Thüringen bezahlt 1939 ihren ArbeiterInnen

0,31 Reichsmark je Stunde.

Im Anschluss an eine der üblichen Kreisbereisungen, einer Art Inspektion, die oft zusammen mit dem Regierungspräsidenten erfolgte, notiert der Reichstreuhänder der Arbeit (eine am 19. Mai 1933 per Reichsgesetz geschaffene Instanz) für das Mitteldeutsche Gebiet 1939:

"Die Löhne in der Konservenindustrie, liegen insbesondere für Frauen im Allgemeinen ganz besonders niedrig. Eine in den letzten Wochen von mir durchgeführte Befragung der Konservenfabrik meines Wirtschaftsgebietes hat ergeben, daß Frauen in diesem Wirtschaftszweig fast überall einen Stundenlohn erhalten, der zwischen 0,28 Reichsmark und 0,26 Reichsmark liegt; das ergibt bei 48-stündiger Arbeitszeit einen Wochenlohn zwischen 13,44 Reichsmark und 17,28 Reichsmark brutto." (Reichstreuhänder)

Im Dritten Reich verdienten die Arbeiter nicht mehr als in der Weimarer Republik. Und das, obwohl 1938, im Jahr der Hochkonjunktur, fünf Millionen Menschen mehr im Arbeitsprozess stehen als im Krisenjahr 1932. Von 1932 / 1938 sinkt der Anteil der deutschen Arbeiter am Nationaleinkommen von 56,9 auf 53,6 Prozent. In der gleichen Zeit steigt der Anteil der Einkünfte aus Kapital- und Betriebsvermögen am Nationaleinkommen von 17,4 auf 26,6 Prozent. Die durchschnittlichen Stundenlöhne erreichen in den 30er Jahren nie wieder den Stand von vor der Weltwirtschaftskrise 1929. Zwar erhöhen sich aufgrund der größeren

Beschäftigtenzahl die gesamten Lohn- und Gehaltseinkünfte von 25 auf 42 Milliarden Mark, also um 68 Prozent. Aber das Gesamteinkommen aus Kapital- und Betriebsvermögen wächst um 146 Prozent. Entgegen aller Propaganda ist es so, dass nicht die Arbeiter von der Politik Hitlers profitieren, sondern das Kapital. (Vgl. Shirer 1950, 255-258)

 

Reiche Kinder essen Speck, arme Kinder fressen Dreck



"Unter lebenswichtigen Gütern verstehe ich nicht nur solche, die unerläßlich zum Erhalt des Lebens sind, sondern auch Dinge, ohne die achtbaren Leuten, selbst der untersten Schicht, ein Auskommen nach den Gewohnheiten des Landes nicht zugemutet werden sollte."

Adam Smith: An inquiry into the nature and causes of the wealth of nations, 1776 - deutsch: Untersuchung der Natur und Ursachen von Nationalreichtümern

In der Krise 1929/32 gibt es für viele Bürger der arbeitenden Klasse kein Auskommen nach den Gewohnheiten der Stadt. Selbst Weihnachten können einige von ihnen nicht mehr nach guter Sitte feiern. Kein Gänsebraten. Keine warme Stube. Nicht zu Hause. Eben proletarische Weihnachten. Die Proletarische Freidenkerjugend kümmert sich schon um Unterkünfte in den Jugendherbergen. Auf den Marktplätzen und vor den Kirchen sind an den Feiertagen Anti-Weihnachtskundgebungen geplant. Besonders auf dem flachen Lande, in Dörfern und kleineren Städten. Immer diese Kommunisten! Die Staatsmacht, also der Regierungspräsident, der Polizeipräsident von Weißenfels, die Landräte und Oberbürgermeister im Regierungspräsidium Merseburg - werden es ihnen aber zeigen! Wir werden

"unnachsichtig einschreiten",

droht der Regierungspräsident am 22. Dezember. Weihnachten 1931!

Cafe Central
- oben um 1910, unten 1928

Erwerbslosigkeit und Lohnarbeit zu jedem noch so niedrigen ökonomischen und moralischen Preis reduziert die sozialen Chancen der Selbstverwirklichung bis hin zur Unfähigkeit, sich allein aus Zwangslagen befreien zu können. Damit einher gehen nicht selten zerrüttete Lebens- und Familienverhältnisse. Eine "neue Alkoholflut ist über Deutschland hereingebrochen", konstatiert Bezirksjugendpfleger Karl Hemprich 1925 (10). Geschlechtskrankheiten breiten sich aus, weil die Zahl der Personen mit häufig wechselndem Geschlechtsverkehr, HWG-Personen, die amtsdeutsche Umschreibung für Prostitution, ansteigt. Das Café-Central an der Ecke Markt-Jakobsstraße, 1830 von Friedrich August Furcht eröffnet (vgl. Wagner 113), nannte der Volksmund nach 1900 Hurenaquarium. Es "wütet die Syphilis im Volke, die bereits unter den Kindern aller Stände erschreckende Verbreitung annimmt." (Hemprich)

Viele Bürger befinden sich in einer wirtschaftlich prekären Lage. 1914 muss 64 Schülern aus wirtschaftlichen Gründen das Schuldgeld erlassen werden. 1932 sind es 872.

Naumburger Kinder reimen:

Leier, Leier, Löffelstiel,
arme Kinder haben nicht viel,
reiche Kinder essen Speck,
arme Kinder fressen Dreck.

Aber dass nun Grundschulkinder einen solchen Vers 1929 sogar im Unterricht aufsagen müssen - unerhört! Zumindest meint das der Vorsitzende der evangelischen Schulgemeinde Herr Hermann Reichard (Pfortastraße 34), weshalb er darüber am 22. Februar 1929 beim Oberbürgermeister Arthur Dietrich Beschwerde führt. (Vgl. Lehrer 22.9.1929) Über den pädagogischen Impetus des Lehrers, ein auf vier Zeilen verdichtetes Sozialdrama im Unterricht vortragen zu lassen, kann man schon geteilter Meinung sein. Kinderseelen sollten sich dies nicht antun. Sie könnten Schaden nehmen. Aber halten wir es denn aus? - Armut in der Stadt. Wohnungspfändung. Mangelernährung. Zu wenig Milch, mageres Fleisch, Obst und Gemüse. Gesteigerte Anfälligkeit für Krankheiten, wie Tuberkulose und Diphtherie. "Es ist Tatsache: Soviel deutsche Kinder werden in eine Hungerwelt hineingeboren" (10), mahnt der beliebte Lehrer und ehemalige Rektor der Georgenschule (1908), der weithin anerkannte Jugendpfleger Karl Hemprich 1925. Ganz offiziell spricht der Magistrat der Stadt im Haushalts-Voranschlag 1928 von der

Verarmung weiter Volksschichten.

"So sind sich denn auch die Kramer in dem Jahre, da sie den 300. Jahrestag ihrer Innungsgründung [1928] gedenken, bewusst, daß kein Grund zu lautem Jubel vorhanden ist.

Überall noch Scherben und zerbrochenes Glück." (Kramerinnung 123)

 

 

Ausgaben für Armenpflege in Naumburg
1913 und 1932 (Reichsmark)

 
       1913
   1932
   

Unterstützungen, Sachleistungen, Mietzuschüsse

25 465
640 000

Verpflegung Durchreisender                           

405
 13 500

Kosten für ärztliche Behandlung, Heilmittel usw.

400
65 710

Pflegekosten für Irre, Fallsüchtige, Idioten, Blinde

14 500
53 000

Kinderpflege, einschließlich Bekleidungskosten

12 653
51 800

Ergänzung Kreisfürsorge und -geschädigte

0
 18 500

Kleinrentnerfürsorge

0
158 896

Sozialrentnerfürsorge

0
118 896

Entbindungskosten, Wochenfürsorge

200
   7 500
   
 
53 623
1 127 802
   

Quelle: Armenpflege

 

 

Um 1930 herrscht in Naumburg keineswegs nur Armut, Erwerbslosigkeit und Existenzunsicherheit. Eine beachtliche Zahl von Bürgern erzielt ein sehr hohes Einkommen. Die Grafiken Einkommensarten und Verteilung der Einkommen 1929 veranschaulichen dies.

Die Villen im Bürgergartenviertel stehen nicht nur auf Grund der geringen "Bauwiche" "ohne gegenseitige Beziehung und ohne Beziehung zur Straße oder zum Garten" "voneinander getrennt, aufgereiht hinter ungastlichen Vorgartengittern", wie der Stadtbaurat (1918-1930) Friedrich Hoßfeld 1926 feststellt. Ihre hohen Gartenzäune, oft aus massivem Eisen, im Lanzen- und Speerdesign, signalisieren Abwehr und Abgrenzung, statt Offenheit und Aufgeschlossenheit. In den architektonischen Formen spiegelt sich die städtische Sozialstruktur.

Sie bedingt tiefe Brüche im Lebensniveau. Die extrem unterschiedliche Einkommensverteilung bringt eine erhebliche schichtspezifische Differenzierung in der Lebenslage, bei Erkrankungen (Tuberkulose) oder bei der Sterblichkeit an Infektionskrankheiten, der Kriminalität und den Wohnverhältnissen hervor.

Die steigenden Ausgaben für Armenpflege (siehe oben) und Daseinsfürsorge (Krankenkasse, Sozialrente) können dies nur begrenzt kompensieren. Die einzelnen Massnahmen, wie Armenspeisung, Gewährung medizinischer Versorgung, kostenloses Heizmaterials oder Kartoffelzuteilung, sind für die Betroffnenen natrülich hilfreich und manmal sogar ein Segen. Sie helfen über den Tag und mindern die sozialen Ängste. Aber eine sozialstrukturelle Wirkung zur Verbesserung der Lebenschancen kann nicht erreicht werden.

Trotzdem, über Lebensstil und -niveau, besonders der Bürger und Familien mit niedrigem Einkommen, sollen keine vereinfachten Vorstellungen aufkommen. "Den Plan", schrieb Arbeiter Franz Feller im November 1931 an die Stadtverwaltung, "hat ich mir so gedacht, dass ich vor allen Dingen Klein=Vieh halte, in der Hauptsache Kaninchen, welche ich heute schon im kleinen züchte, des weiteren Hühner, und was sonst dazu gehört". - Mit einem kleinen Garten, sei es am Haus oder in einer Gartenkolonie, bereichern viele Bürger ihre Speisekarte und verbessern ihre wirtschaftliche Lage. Man hält Kaninchen, Hühner oder Enten. Die neuen Siedlungs- und Wohnhäuser, wie auf der Spechsartterrasse oder in der Siedlungsstraße, baut man deshalb gleich mit Garten und einem kleinen Stall. Manche schlachten übers Jahr gar ein Schwein. Das lohnt sich! Selbst das Krankenhaus betreibt deshalb bis etwa Mitte 1928 nebenher eine kleine Schweinemästerei. 32 Zentner Wurst, Speck und Fleisch kosten dem Haus so nur 620 Mark.

Geplante Gartensiedlung an der Weißenfelser Straße, Stadtarchitekt Friedrich Hoßfeld

Aus: Deutschlands Städtebau, Naumburg a.S.
und Bad Kösen, "DARI", 1921

Im Garten feiern die Familien kleine Feste. Zu gemütlichen Kaffeerunden kommt Mutters Kuchen auf den Tisch. Ab und an probiert man mit Freuden den selbst gebrannten Obstler. Auf Naturalbasis tauscht es sich gut mit Nachbarn, Freunden und Bekannten. So entlohnt Otto Wolf seinen Verteidiger im Strafgerichtsprozess 1937, Rechtsanwalt Dr. jur. Gustav Hahn (Herrenstraße 3), mit einer Gans aus eigener Aufzucht. - Viele Naumburger wenden sich in Krisenzeiten mit Liebe und Eifer der Gartenarbeit in der Lehmgrube, am Birkenwäldchen und Buchholzgraben, in den Gartenkolonien Erholung, Saaletal, Schöne Aussicht oder im Spechsart zu. Insgesamt sind es 1929/30 etwa 2 542 Gärten mit 40 Hektar. Das geldwerte Ergebnis des Non-Profit-Sektors Garten erscheint im Unterschied zu den land- und forstwirtschaftlichen Naumburger Betrieben (1 201 Hektar) in keiner Wirtschaftsstatistik. Doch sein hauswirtschaftlicher Effekt ist beträchtlich, noch größer aber der Gewinn an Schwung und Lebensfreude.

 

 

In einem Palast denkt man anders als in einer Hütte
(Ludwig Feuerbach)



Kreisreform


 

1932 werden im Rahmen der Kreis-reform die Land-kreise Weißenfels und Naumburg zusammengelegt. Gegen die Verordnung des Reichskommissars für Preußen Dr. Bracht vom 1. August 1932 stemmt sich noch im August 1932 der Kommunalpolitische Reichsausschuss der Deutschnationalen Partei mit folgender Stellungnahme: (1.) Der Reichskommissar übernimmt die Arbeiten der Regierung Severing. (2.) Es gibt keine Absprache mit den Vertretern der örtlichen Selbstverwaltung. (3.) Die Zerschlagung der Kreise verschärft die Wirtschaftskrise. (4.) Es kommt zur Auflösung der landsmannschaftlichen Zusammenhänge zum Nutzen der Sonderinteressen der Sozialdemokratie. (5.) Das Ausscheiden einiger besonders ungeeigneter sozialdemokratischer Landräte ist zweifellos begrüßenswert.

Außerdem argumentieren die Gegner des Zusammenschlusses: Naumburg ist von allen Orten des Kreises bequem und in kurzer Zeit zu erreichen, die Bürger fühlen sich zu Naumburg hingezogen, es gibt nicht genügend freie Wohnungen in Weißenfels, es entstehen erhöhte Dienstreisekosten, und die Funktion des Weißenfelser Marktes wird desavouiert.

Doch es hilft nichts, am 1. Oktober 1932 erfolgt die Zusammenlegung der Landkreise Naumburg und Weißenfels. Landrat Doktor Carl Leopold von Deines (1868-1942, Jurist, 1922-1932 Landrat in Naumburg, Domplatz) tritt am 1.Oktober 1932 in den Ruhestand. Die Verwaltung wird zunächst an einen kommissarischen Kreisausschuss mit Doktor Zimmermann an der Spitze übertragen.

Damit erweitert sich der Kreis Weißenfels mit 47 470 Hektar um 15 040 Hektar Fläche des ehemaligen Landkreises Naumburg mit 16 000 Einwohnern. Der neue Kreis Weißenfels besteht dann aus sechs Städten und 175 Landgemeinden. -

Große "Verbitterung" herrscht über die Auflösung des Naumburger Kreises, heißt es im Beschluss des Kreistages vom 19. August 1932.

 

Einkommensarmut bedeutet oft den gewaltsamen Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben der Stadt, was eine wichtige Ursache für die bestehenden politischen Gegensätze ist. In der Art und Weise, wie diese damals ausgetragen werden, zerstört es die Kommunikation zwischen den politischen Gegnern. So bilden sich zwischen ihnen unüberwindbare Grenzen. In den Aufzeichnungen von Johannes Heinemann beziehungsweise seiner Frau Else findet sich ein Gedicht, das dies treffend zum Ausdruck bringt. Der antifaschistische Gehalt dieser Niederschrift findet Beachtung und Würdigung. Darüber hinaus bietet sie aber frappierende Einblicke in die Denk- und Reaktionsweise einer sozialen Gruppe, die bei der Sicherung ihrer wirtschaftlichen Lebensbedingungen in schwere Bedrängnis geraten ist.

Wie Johannes Heinemann lebt auch Franz Feller in wirtschaftlicher Not. Beide geben die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht auf. Nur ihre politischen Zukunftsvisionen divergieren stark. So wollen sie ganz unterschiedliche Wege beschreiten. Während Franz Feller sich eine kleine Existenz - ein Haus mit Garten - aufbauen will, tut Heinemann in seinen Texten kund, dass er auf diesen Weg nicht vertraut. Er setzt auf "Viele Schädel müssen rollen" oder "die Rote Front mit starker Hand / erfasst dann die Gewehre". Heinemann tendiert damit zu ganz anderen Schlussfolgerungen als Franz Feller. Sie sind offenbar von den Ideen der kommunistischen Internationale inspiriert. Im Gedicht finden sich außerdem die typischen und tragischen Illusionen über das Wesen der Sowjetmacht. Doch liegt dies hinter dem Horizont der Stadtgeschichte ….

Einen sozusagen dritten Typ der arbeitenden Klasse repräsentiert Otto Brückner, geboren am 25. August 1888 in Wölfis bei Ohrdruf. Er ist seit 8. November 1924 mit Emma Brückner, geborene Schmidt, verheiratet und zieht am 1. November 1928 von Altenburg (a. S.) nach Naumburg, Neidschützerstraße 5. Mittlerweile besteht die Familie Brückner aus elf Personen, darunter neun Kinder im Alter von 14 ½ Jahren bis 8 Monate. Brückner pachtete das Grund-stück Neidschützer Straße 4 und betreibt hier eine kleine Gärtnerei. Seine Gesundheit ist durch ein Lungenasthma und eine "Nervenzerrüttung" infolge von Kriegsereignissen stark beeinträchtigt. Um das Jahr 1928 fällt es ihm immer schwerer, die Pacht für das Grundstück aufzubringen. Im Juni 1929 verlässt er seine Familie. Seine Frau hat kein eigenes Einkommen. Sie lebt von der städtischen Wohlfahrtsunterstützung - das sind wöchentlich 24 Reichsmark. Davon muss sie ihren Lebensunterhalt und den ihrer Kinder bestreiten. "Familie Brückner steht in einem guten Rufe. Nachteiliges über sie ist nicht bekannt geworden", schreibt die Ortspolizeibehörde 1929. Schließlich wird Herr Brückner Mitglied der SA (1/R.J.49). Die Ortsgruppe der NSDAP trennt sich von ihm 1933, weil er den Mitgliedsbeitrag nicht aufbringen konnte. Am 29. November 1934 entbindet seine Frau einen Knaben - das zehnte Kind! Brückner verfasst ein Gesuch an den Führer Adolf Hitler auf Übernahme der Ehrenpatenschaft. Offenbar ist er inzwischen zu seiner Frau und Familie zurückgekehrt. Das Gesuch wird vom Ortsgruppenführer des SA-Sturmbann I/R.J.4 am 6. März 1935 befürwortet. (Vgl. Brückner 15.11.1929, 2.2.1935, 6.3.1935)

Otto Brückner befindet sich seit 1928 in einer prekären sozialen Lage. Die Auswirkungen des letzten Krieges auf seine Gesundheit, die Wirtschaftskrise und die große Verantwortung für die kinderreiche Familie verknoten sich in seinem Leben derart, dass es ihn in ein Leben zwischen Scheitern und Depression zwingt.

 

… das Unglück kommt von unseren Feinden

Aber warum bleibt die Weltwirtschaftskrise insgesamt ohne nennenswerte Auswirkung auf die sozialen Kämpfe? Bernhard Düwel versucht in Einheit der Aktion und Parteidisziplin (1931, 7) eine Antwort. Es gelang, so seine Einschätzung, durch die Manipulation der öffentlichen Meinung alle Schuld auf die Reparationszahlungen abzuwälzen. So tönt es beispielsweise auf der Wahlversammlung der Deutschnationalen Volkspartei am 11. Mai 1928 in Naumburg: "… das Unglück kommt von unseren Feinden". Und gegen Westen brüllt der Löwe auf dem Scokel des Denkmal für die Gefallenen des Kösener Senioren-Convents-Verbandes (KSCV) nahe der Rudelsburg.

So konnte, schlussfolgert Bernhard Düwell, die Unzufriedenheit der Angestellten, Beamten, der vom Monopolkapitalismus in das Proletariat niedergedrückten Volksschichten, gegen die ausländische Tributzahlungen und Demokratie, also die sie tragenden Parteien, vornehmlich die Sozialdemokratie, die als Träger der Erfüllungspolitik erschien, gelenkt werden.

 

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[Alkoholismus] Zunahme der Heilverfahren wegen Alkoholismus. Volkstümliche Zeitschrift für die gesamte Sozialversicherung. 35. Jahrgang, Nummer 7, Berlin, den 1. April 1929, Seite 178

[Armenpflege] Die städtische Armenpflege einst und jetzt. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 14. Mai 1932

[Artes, Victor] Brief von Stadtrat Victor Artes am 10. September 1927 an die Industrie- und Handelskammer Halle (Saale). Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg, IHK Kammer Halle, Rep. C 110, Nr. 965

Bankhaus Vogel. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg, Rep. C 110, Industrie- und Handelskammer Halle (Saale), Nummer 965

Beckett, Samuel: Warten auf Godot. En attendant Godot Waiting for Godot. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1971, Seite 29

Bericht der Stadtverwaltung über Städtischen Betriebswerke, Naumburg, den 23. November 1934, Unterzeichnet von Frankenberger

Börner. http://www.hs-geisenheim.de/fileadmin/Dateien_Hochschule_Geisenheim
/Forschung/Angewandte_Biologie/Rebenzuechtung/Unterlagen/B%C3%B6rner.pdf

[Brückner, Otto] Brief vom Ortsgruppenführer der SA an Sturmbann I/R.J.4 Naumburg an der Saale vom 6. März 1935. Ehrenpatenschaft für kinderreiche Familien 1927-1945. Stadtarchiv Naumburg, Archivsignatur 6101

[Brückner, Otto] Gesuch von Otto Brückner, Weinbergsweg 12, Naumburg, Zwecks Erlangung der Ehrenpatenschaft unseres Führers, Reichspräsidenten und Reichskanzlers Adolf Hitler, Naumburg 2. Februar 1935. Ehrenpatenschaften für kinderreiche Familien 1927-1945, Stadtarchiv Naumburg, Archivsignatur 6101

[Brückner, Otto] Ortspolizeibehörde Naumburg. Schreiben von Polizeihauptwachtmeister Klein vom 15. November 1929. Ehrenpatenschaften für kinderreiche Familien 1927-1945, Stadtarchiv Naumburg, Archivsignatur 6101

[Butkust, August] Angaben zu August Butkust [Naumburg, Moritzstraße 56] auf dem Polizeirevier in Naumburg am 17. Oktober 1940. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg, Rep. C 48, I h Nr. 908

Coburger, Dieter: Das Weinbergstagebuch des Adolf Thränhardt. Saale-Unstrut-Ilm- Weinbau früher und heute. Sonderveröffentlichungen zum 160. Jahrestag der Gründung der Naumburger Weinbau-Gesellschaft. Naumburg (Saale) 1995

Der Haushalts-Vorschlag des Magistrats für 1928. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 3. März 1928

Der Regierungspräsident: Vermerk. Merseburg, den 23. Januar 1940. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg, Rep. C 48, I h Nr. 908

Der Strafanstaltsvorsteher an die Polizeiverwaltung Naumburg. Naumburg, a. S., den 7. Februar 1931. Stadtarchiv Naumburg. Sonderakten der Polizeiverwaltung Naumburg. Massnahmen zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit. Angefangen 1927. Geschlossen 1937, Archivsignatur 5617

[Devoli] Brief. Verband der Preußischer Polizeibeamten e.V., Sitz Berlin, An die Industrie und Handelskammer Halle a.S.. Berlin W 35, den 25. August 1927. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg, Rep. C 110, Nr. 959

[Devoli] Das Konkursverfahren gegen die Devoli eröffnet. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 8. März 1928

[Devoli] Das Konkursverfahren gegen die Devoli eröffnet. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 14. März 1928

[Devoli] Das Ende des Devoli-Unternehmens. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 13. April 1928

[Devoli] Das Ende des Devoli-Unternehmens. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 14. April 1928

[Devoli] Nochmals das Ende des Devoli Unternehmens. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 16. April 1928

[Devoli] Deutsche Volkslichtspiele Devoli, Brief an die Polizeiverwaltung Naumburg vom 22. Dezember 1927. Devoli GmbH, Deutsche Volkslichtspiele. 1927-1930 Stadtarchiv Naumburg, Archivnummer 6225

[Devoli] Deutsche Volkslichtspiele Devoli, Brief an die Polizeiverwaltung Naumburg vom 30. Dezember 1927. Devoli GmbH, Deutsche Volkslichtspiele. 1927-1930 Stadtarchiv Naumburg, Archivnummer 6225

[Devoli] Polizeiverwaltung Naumburg. Verfügung vom 24. Januar 1928. Stadtarchiv Naumburg, Archivnummer 6225

[Devoli] Bürgermeister Roloff. Brief an den Regierungspräsidenten von Merseburg vom 24. Januar 1928. Magistrat Naumburg. Polizeiverwaltung. Devoli GmbH, Deutsche Volkslichtspiele. 1927-1930 Stadtarchiv Naumburg, Archivnummer 6225

[Devoli] Bürgermeister Roloff. Brief an den Regierungspräsidenten von Merseburg vom 13. April 1928. Magistrat Naumburg. Polizeiverwaltung. Devoli GmbH, Deutsche Volkslichtspiele. 1927-1930 Stadtarchiv Naumburg, Archivnummer 6225

"Devoli". Wahrheit und Recht. Wochenschrift für Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft, 4. Jahrgang, Nummer 8, Leipzig, den 22. Februar 1929

Die Naumburger Molkerei heute eröffnet. "Naumburger Tageblatt", Naumburg 15. Dezember 1928

Düwell, Bernhard: Einheit der Aktion und Parteidisziplin. E. Laubsche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1931

Ein Besuch bei der "Devoli". "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 19. November 1927

Eine zweite Solequelle von großer Mächtigkeit in Naumburg erschlossen! "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 15. Oktober 1928

Gesunder Haushaltsplan für Naumburg. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 10. März 1938

Gollmick, Friedrich: Das Lebenswerk eines Forschers von Weltruf. In: Naumburger Blätter, Naumburg (Saale) 1955, Nummer 2, Seite 24-25

[Grunert, Otto] Die Naumburger Mitglieder für Einigkeit. "Volksbote", Zeitz, den 14. Oktober 1931

[Hege, Walter] Thüringisches Ministerium für Volksbildung. Personalakte von Walter Hege. Thüringer Landesarchiv Weimar. Signatur 10 232

Hedicke, Karl: In einer Verhandlung über die Lage des Domgymnasiums, die am 11. Mai 1921 in den Räumen des Domkapitels stattfand ... [Dokument trägt keine Überschrift und Unterschrift. Vom Signum kann auf den Lehrer Karl Hedicke als Autor gemutmaßt werden. Wahrscheinlich aus dem Jahr 1920], Archiv der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz, 2010

Hemprich, Karl: Der Mann in der Jugendbewegung. In: Karl Hemprich: Jugendbewegung und Jugendwohlfahrt. Verlag Diedrich Stollberg, Inhaber Ernst Schnelle, Merseburg, ohne Jahr [wahrscheinlich 1925]

Holzbach, Heidrun: Das "System" Hugenberg, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1981

Holzarbeiter-Versammlung. "Volksbote", Zeitz, den 2. Oktober 1931

Hoßfeld, Friedrich: Die neuere Entwicklung Naumburgs. In: Deutschland Städtebau. Naumburg a. S. und Bad Kösen. Deutscher Architektur- und Industrie-Verlag, Berlin-Halensee, 1926

Hoppe, Friedrich: Die Entwicklung des städtischen Beamtentums zu Naumburg. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 20. Oktober 1929

llge, W.: Aus der Blütezeit der Naumburger Kammindustrie. In: Naumburger Heimatblätter, Redaktionskollegium: Friedrich Hoppe, Ernst Wölfer, Gerhard Thiele, W. Illge, Fritz Hege, Alfred Götte, W. Wirth, Bernd Grothe. Für den Inhalt gesamtverantwortlich: Gottfried Kormann, 1953, Heft 3, Seite 6 bis 10

[Kaution] Polizeiverwaltung Naumburg. Tagebuch vom 29. Oktober 1927 und 3.11.1927. In: Magistrat Naumburg. Polizeiverwaltung. Devoli GmbH, Deutsche Volkslichtspiele. 1927-1930 Stadtarchiv Naumburg, Archivnummer 6225

Keine, Sepp: Ueber Militärfilme. In: Am Wege, Nachrichten "Die Naturfreunde" Gau Thüringen, 6 (1925) Nummer 11, Seite 176-177

Keynes, John Maynard: Das Ende des Laissez-faire. Ideen zur Verbindung von Privat- und Gemeinwirtschaft. Verlag Dunker & Humblot, München und Leipzig 1926. Keynes, John Maynard: The End of Laissez-Faire. Sydney Ball Leeture delivered before the University of Oxford in 1924. Published London 1926, S. 22, 23, 24f, 27, 30 ff..

Kino als Wahlpropaganda. Hallische Nachrichten, Nummer 265, Halle, den 11. November 1927

Konkurs Bankhaus Vogel. Hallische Nachrichten, Halle, den 23. März 1931

Kraatz, Emil: Aus dem Leben eines Bürgermeisters und der von ihm in den letzten 37 Jahren verwalteten Städte. Erinnerungen, Erfahrungen und Betrachtungen. Verlag Friedrich Wilhelm Grunow, Leipzig 1914

[Kramerinnung] 300 Jahre Naumburger Kramerinnung 1628-1928. Naumburg 1928

Kupler, Wolfgang: Naumburg als Flughafen und Automobilschmiede. In: Saale-Unstrut-Jahrbuch, 10. Jahrgang, 2003, Seite 119 bis 122

[Landgrafquelle] Verwertung der "Landgrafquelle" bei Naumburg zur Salzgewinnung. In: "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 24 Dezember 1928

[Lederfabrik] 350 jähriges Gerberjubiläum und 150 jähriges Bestehen der Lederfabrik Johannes Freytag in Naumburg (Saale). Festschrift zum 22. Oktober 1938 von Friedrich Hoppe, Naumburg (Saale)

[Lehrer] Brief von Studienrat Dr. Reichard an Oberbürgermeister Dietrich vom 22. Februar 1929. Magistratsakten, Beschwerde des Studienrats Dr. Reichard gegen Schulrat Bonitz und das Verfahren der Lehrerwahl, Stadtarchiv Naumburg, Archivsignatur 9420

[Lehrer] Brief von Studienrat Dr. Reichard an Oberbürgermeister Dietrich vom 12. März 1929. Magistratsakten, Beschwerde des Studienrats Dr. Reichard gegen Schulrat Bonitz und das Verfahren der Lehrerwahl, Stadtarchiv Naumburg, Archivsignatur 9420

[Lenkheit] Akte Magistrat Naumburg, 1927-1934, Vermietung der wirtschaftsgebäude der Artillerie Kaserne, Weissenfelser Strasse 38 (Werkschar), Stadtarchiv Naumburg (Saale), 8316

Leopoldt, Adolf: Rote Chronik der Kreise Zeitz, Weißenfels, Naumburg. Herausgeber SPD. Unterbezirk Zeitz-Weißenfels-Naumburg 1931

Magistrat Naumburg. Polizeiverwaltung. Devoli GmbH, Deutsche Volkslichtspiele. 1927-1930 Stadtarchiv Naumburg, Archivnummer 6225

Meldungen aus dem Reich 1938-1945. Die geheimen Lageberichte des Sicherheitsdienstes der SS. Herausgegeben und eingeleitet von Heinz Boberach. Band 6: Meldungen aus dem Reich Nr. 142 vom 18. November 1940 - Nr. 179 vom 17. April 1941. Pawlak Verlag, Hersching 1984

Modelaune vernichtet die stärkste Naumburger Industrie. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 8. März 1933

Möhring, Andreas: Richter im Nationalsozialismus. Personalentwicklung und Personalpolitik am Oberlandesgericht Naumburg 1933-1945. Universitätsverlag, Halle-Wittenberg, Halle 2011

Mollenhauer. Polizei-Oberkommissar. [Ortspolizeibehörde Naumburg]. 24. Oktober 1930 In: Magistrat Naumburg. Polizeiverwaltung. Devoli GmbH, Deutsche Volkslichtspiele. 1927-1930 Stadtarchiv Naumburg, Archivnummer 6225

Münzenberg, Willy: Erobert den Film. Berlin 1925

Naumburg / Saale und Umgebung. Fotografien zwischen 1925 und 1975 aus dem Atelier Hege. Museum der Stadt Naumburg (Herausgeber), Deutscher Kunstverlag, Koberger und Kompany, München 1993

Niederschriften über die Ratssitzungen 1934 bis 1936. Stadtarchiv Naumburg

Parsons, Talcott: Über wesentliche Ursachen und Formen der Aggressivität in der Sozialstruktur westlicher Industriegesellschaften. In: Talcott Parsons: Beiträge zur soziologischen Theorie. Herausgegeben und eingeleitet von Dietrich Rüschemeyer. Luchterhand, Neuwied am Rhein 1964, Seite 223-255

Prozess Dr. Vogel in zweiter Instanz. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 22. Oktober 1931

Reichstreuhänder der Arbeit für das Mitteldeutsche Gebiet. Magdeburg, 13. Januar 1939, Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg, Rep. C I h, Nr. 915

[Ringstraßenbahn] Die Ringstraßenbahn in Naumburg. Von der "Wilden Zicke" zur "Ille". Unter Mitarbeit von Anett Wawro, Andreas Plehn, Norbert Kuschinski, Lutz Krause, Tobias Hartmann, Dirk Heinrich, Rainer Nette, Verlag Dirk Endisch, Leonberg-Höfingen 2003

[Schwarze Reichswehr] Eine neue "Schwarze Reichswehr" Kommunistische Märchen über Ehrhardts Pläne. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 24. Januar 1928

Shirer, William Lawrence: Aufstieg und Fall des Dritten Reiches. 1. Auflage, New York 1950

Sitzung der Ratsherren von Naumburg am 15. März 1938. Protokolle. Stadtarchiv Naumburg

[Solequellen] Naumburg und seine Solequellen. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 23. Dezember 1924

Speck, Hans-Dieter: Lauschig bis gutbürgerlich. Gaststättenszene von Paul Tempel gesehen. "Naumburger Tageblatt", 27. November 2004

[Stapo 1933c] Lagebericht der Staatspolizeistelle Halle für August 1934. In: Die Lageberichte der Geheimen Staatspolizei zur Provinz Sachsen 1933 bis 1936. Herausgegeben von Hermann-J. Rupieper und Alexander Sperk, Band 2: Regierungsbezirk Merseburg, mdv, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2004, Seite 123 ff.

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Sprechende Zahlen aus Naumburg. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 20. April 1932

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[Thälmann, Ernst] Appell des Genossen Thälmann an die werktätige Bevölkerung von Berlin!. "Die Rote Fahne", Berlin, den 16. November 1929

Uebelhoer, Friedrich: Nationalsozialisten und Deutschnationale. Unsere Antwort an die DNVP. [Unterzeichnet von: NSDAP Kreisleitung Naumburg a. d. S. Uebelhoer.] "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 23. Juli 1932

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Versucht die Devoli einen betrügerischen Bankrott? In: Klassenkampf: Halle, den 3. März 1928

Wagner, Siegfried, Ursula Dittrich-Wagner: Aus der Frühzeit der Naumburger Kaffeehäuser. In: Saale-Unstrut-Jahrbuch (4) 1999, Seite 107-113

[Wahlversammlung] Die 2. deutschnationale Wahlversammlung. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 16. Mai 1928

[Weinbau] Geschichtliche Entwicklung und Stand des Weinbaues im Saale- Unstrutgebiet. Von Gartenbaudirektor Lübben-Freyburg (Unstrut). Verlag der Landwirtschaftskammer der Provinz Sachsen

Werbung der Deutschen Volkslichtspiele GmbH. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg, C 110 Halle, Nr. 959

 

Foto

Kramerinnung Naumburg, Foto 1934. Fotoalbum von Frau Rosemarie Böttger

 

Autor:
Detlef Belau


Geschrieben: 2. Oktober 2004. Aktualisiert:
4. Februar 2011

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