NSDAP Naumburg


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Die NSDAP in Naumburg (Saale)
 

GliederungNamen, Wahlen, Hinweise
  
Friedrich UebelhoerFreiherr von Eberstein
DVFP - Die Urzelle der ....Heinrich Hacker
Völkisch-Soziale BlockWolf-Heinrich Graf von Helldorf

Deutsche Tag 1924

Gauleiter Paul Hinkler
Einzug ins StadtparlamentKreisleiter Otto Lehmann
Von der DVFP zur NSDAPKreisleiter Alfred Pape
Uebelhoer gegen HinklerOrtsgruppenleiter Zimmermann
Warum wird man ...? 
Die braunen Kolonnen 
.... kulturelle HegemonieNSDAP-Ortsgruppe
Konsolidierung und AufschwungOrtsgruppen von Naumburg
NSDAP gegen SPD 
Kreisleitung NaumburgZiele des VSB
Ruhe-und-Ordnung PolitikKandidaten des VSB 1924
Im RathausStadtverordnetenwahl 1924
Drohung mit KZWahlen vom 17. November 1929
Streit mit General ListReichstagswahlen 1930
Der markanteste KreisleiterWahlergebnisse 1920 und 1933
Oberbürgermeister Bruno Radwitz 
Ziviler Widerspruch 
Die Stimmung sinktSoziale Struktur der SA
Polenhasser und MörderAltersstruktur der SA
Bereicherung 
Das Ende von UebelhoerEin warnendes Signal

 

1930 geriert sich ein aktiver Kern von SA-Leuten und NSDAP-Mitgliedern aus Naumburg als Ortsgruppe der anständigen Nationalsozialisten. Dabei entfachen gerade sie einen unsäglich dümmlichen und brutalen Judenhass, der in die industrielle Vernichtung von Menschen mündet. Selbst den Schutz des Privateigentums reißen sie dafür nieder. Bürger verlieren durch Arisierung und Vertreibung ihr Eigentum. Andersdenkende werden beobachtet und verfolgt. Ihr Leben begleiten die Anständigen ein um das andere Mal mit anmaßenden, dabei oft skurrilen Einschätzungen und ergreifen diese oder jene Maßnahme gegen sie. Grenzen der Pietät kennen sie nicht. An die Macht gelangt, rächen sie sich an ihren Opponenten mit Berufsverbot. Misstrauisch beäugen sie alle Unangepassten. Besonders die Kommunisten und Sozialdemokraten. Aber auch die Mitglieder des Freidenkerverbandes, die Naturfreunde oder die Zeugen Jehofas. Bürgern nichtchristlicher Konfession und anderer "Rasse" versperren sie eine verdiente berufliche Laufbahn.

 

 

Friedrich Uebelhoer
auf dem Kreisappell der NSDAP am 30. Mai 1937:

"Wir haben den Deutschen Arbeiter der Faust für uns gewonnen ... Auf der anderen Seite haben wir auch jenen, bei denen wir nach 4 ½ Jahren harten Ringens erkannt haben, daß sie asozial sind und keine Pflichten der Gemeinschaft gegenüber übernehmen, sondern immer nur Rechte aufstellen wollten, gesagt, dass wir für sie nicht mehr da sind; denn die Partei läßt es nicht zu, daß einige wenige ein Schmarotzerleben führen. Wir werden auf diesem Weg weiter fortfahren und planmäßig jene Asozialen dahin bringen, wo sie hingehören."



  1937 -  Kreisappell der NSDAP in Naumburg auf der Vogelwiese

 

Kritikern, egal welcher politischen Provenienz, droht der NSDAP-Kreisleiter Friedrich Uebelhoer in einer Rede vor dem Rathaus am 19. September 1933 offen mit Konzentrationslager. Die spontane Achtung der Würde des Menschen fehlt in ihrem Grundwertekanon. Anderen "Rassen" und Religionen treten sie mit tiefen Vorurteilen gegenüber. Pfarrer, die in irgendeiner Weise am Erziehungsmonopol der NSDAP Zweifel anmelden, repressieren sie. Ordnung und eine gesunde Haushaltspolitik versprechen sie dem Naumburger. Zu deren Lasten verzichten sie auf Erlöse für die Kommune, um der Militarisierung der Stadt einen zusätzlichen Schub zu verleihen. Schliesslich befindet sich der Finanzhaushalt bereits vor dem Krieg in einem solch desolaten Zustand, dass es nach der Abberufung von Friedrich Uebelhoer im Jahre 1939 schwer wird, einen Nachfolger für den Oberbürgermeister zu finden. Die anständigen Nationalsozialisten verstehen es, wertkonservative Denken für ihre Zwecke zu funktionalisieren. Damit geleiten sie viele Bürger, die sich darüber oft nicht im Klaren sein konnten, in ihr Unglück. Sie schüren den Hass gegen andere Nationen. Ihr Weg führt sie in einen grausamen Angriffs- und Raubkrieg. Arroganz, Selbstüberhebung und Rassenideologie kennzeichnen ihre Kulturpolitik. Selbstherrlich entscheiden sie über das Schicksal der Anderen. Offenbar verfügen die Exponenten der nationalsozialistischen Bewegung der Stadt Naumburg über einen besonderen Begriff von Anständigkeit.

 

Friedrich Uebelhoer   zurück

Eine Schlüsselfigur der nationalsozialistischen Bewegung in Naumburg ist Friedrich Uebelhoer - Inhaber des NSDAP-Parteidokuments Nummer 11 707.

 

Friedrich Uebelhoer (1893-1950)
Zeichnung nach Vorlage (vielleicht um 1925)

 

Der Führer der III./84. SS-Standarte schreibt am 27. September 1934 an die 84. SS-Standarte-Weissenfels über dessen Verdienste um die Organisation und Führung der nationalsozialistischen Bewegung:

"Der NSDAP gehört Friedrich Uebelhoer seit 1923 an. Nach dem 9. November 1923 organisierte er hier in Naumburg a. S. die Uebergangsorganisation, wie Völkisch-Sozialer Block und Völkisch-Soziale Freiheitspartei .... Als nach Entlassung des Führers aus der Festung Landsberg die NSDAP wieder aufgezogen wurde, war Pg. Uebelhoer einer der ersten, der in Naumburg daran ging, wieder eine feste Organisation der Partei zu erstellen." (Uebelhoer 1934)

Für etwa zwanzig Jahre prägt er wie kein anderer Nationalsozialist das Schicksal dieser Stadt. Führer befiehl, ich folge Dir! - kennzeichnet die Haltung des ehemaligen Oberleutnants. Sie sichert ihn das Überleben in den Grabenkämpfen der NSDAP. Von Abtrünnigen, wie Otto Strasser, distanziert er sich 1931 in einer Versammlung der NSDAP-Ortsgruppe Naumburg mit den Worten:

"Elemente, wie Otto Strasser und Stennes würden von der Bewegung einfach abgeschüttelt wie taube Früchte. Der alleinige Führer der Freiheit sei Adolf Hitler."

Uebelhoers Heimat ist die 12 000 Einwohner zählende Stadt Rothenburg ob der Tauber. Hier begann sein Leben am 25. September 1893. Seine Mutter Margareta (?), Mädchenname Schneider, war damals 32 Jahre alt (geboren am 8. November 1861) und stammt aus Burgbernheim. Ihr Sohn Friedrich besucht die Grundschule und das Progymnasium. 1913 legt er am Alten Gymnasium Würzburg das Abiturexamen ab. Seit 16. September 1908 lebt die Familie in Würzburg, Hofstrasse 16. Der Vater Georg Uebelhoer (1.4.1860-18.7.1930), tritt (wahrscheinlich) 1905 als Lehrer mit dem Titel königlicher Professor an der Kreis-Oberrealschule in der Stadt am Main seinen Dienst an.

Vom 1. Oktober 1913 bis 31. März 1914 leistet Friedrich Uebelhoer beim Bayerischen Infanterie-Regiment 11 seinen Militärdienst. Bald nach dem Attentat auf den Thronfolger von Österreich-Ungarn und seine Gemahlin in Sarajevo beginnt sein Kriegsdienst als Batterieoffizier beim Badischen Fußartillerie-Regiment 14 und dann Fußartillerie-Regiment 335. Schliesslich steht er als Adjutant im Stab des AOK (Armeeoberkommando) 1 an der Westfront. Eisernes Kreuz I. und II. Klasse sowie das Ritterkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen segnen seine Offiziersehre.

 

Paul Lettow-Vorbeck
wird am 20. März 1870 in Saarlouis geboren. Seine Ausbildung am Kadettenkorps in Potsdam (Beginn 1881) und Lichterfelde (1885) beendet er 1888 mit dem Abitur, der Ernennung zum Leutnant des 4. Garderegiments zu Fuß und einer kaiserlichen Belobigung. 1904 avanciert er zum Adjutanten von General Lothar von Trotha (1848-1920) in Deutsch-Südwestafrika. Die Niederschlagung des Herero-Aufstandes erfolgt mit unmenschlichen Kampfmethoden. 1913 ist er Kommandeur der sogenannten Schutztruppe in Kamerun. Nach dem Ersten Weltkrieg fordert er die Rückgewinnung der alten deutschen Kolonien. 1929/30 gehört er vorübergehend der Deutschnationalen Partei an. Lettow-Vorbeck stirbt 1964 in Hamburg.

Ausführlich siehe Eckard Michels: Paul von Lettow-Vorbeck (2013).

 

1919 zieht Uebelhoer mit dem Freikorps Lettow-Vorbeck gegen Hamburg, um den Spartakus-Aufstand niederzuschlagen. Darin hat sein Kommandeur große Erfahrungen, der sich bereits als Kompaniechef während des Boxeraufstandes in China (1900/01) bewährte und an Erschießungen von Gefangenen teilnahm. Als Adjutant von General Lothar von Trotta trägt er Mitverantwortung für den Genozid an den Hereros und Nama in Deutsch-Südwest-Afrika (Namibia).

Gemeinsam mit Lüttwitz und Kapp versucht sich Generalmajor Paul Lettow-Vorbeck im März 1920 am Sturz der Regierung. Am 24. August 1921 treibt ihn als Redner in das Schützenhaus von Zeitz. Auf dem Vorplatz empfängt ihn eine Menschenmenge von mindestens 4 000 - andere Angaben sprechen von 8 000 - Bürgern mit dem Ruf:

"Das ist er, der Bluthund, der Massenmörder von Hamburg, was will der hier, der muss raus aus Zeitz."

Offenbar verfügten die aufgeklärten Zeitzer bereits 1921 über einen Erkenntnisstand zur Tätigkeit von Paul von Lettow-Vorbeck, den die WDR-Fernsehdokumentation Heia Safari erst im Herbst 1966 ausstrahlen konnte. Nach über 40 Jahren löste dies beim Zuschauer Erschütterungen der verschiedensten Art aus (vgl. Michels 2013, 376-377).

1920 führte Uebelhoers Lebensweg nach Naumburg, woran er am 28. Oktober 1939 im Ratskeller erinnert. Vielleicht steht im Zusammenhang mit seiner Entlassung aus der II. Abteilung des Reichswehr-Artillerie-Regiments 9 am 15. Mai 1920. Offiziell studiert er bis 1922 in Freiburg und Würzburg Rechts- und Staatswissenschaften. Nach sechs Semestern ist Schluss. So hat er einiges zu verkraften; nicht nur den Abschied aus dem Heer. Er verfügt über keinen Berufsabschluss. Keine wirklich gute Ausgangsposition für den Neustart in die krisengeschüttelte Nachkriegszeit. Er läst sich in der Halleschen Straße 5 als Handelsvertreter für die Deutsche Celluloid-Fabrik AG Eilenburg nieder. Später betreibt er zusammen mit Heinrich Hacker in der Oststraße eine Treibriemenhandlung. Unter Uebelhoer vermerkt das Reichstagshandbuch von 1933 "Zehn Jahre Tätigkeit in der Industrie". Letztlich ist darüber wenig bekannt. Sicher ist hingegen, beide - also Hacker und Uebelhoer - absolvierten im selben Jahr das Gymnasium in Würzburg und dienten 1919 im Freikorps von Lettow-Vorbeck. Hauptberuflich sind nun beide in Naumburg als Geburtshelfer der nationalsozialistischen Bewegung tätig. Heinrich Hacker riskiert sein Ansehen in der Stadt durch Grobheiten. Öfter überzieht er seine politischen Gegner mit Verbalinjurien, wie bürgerlich-liberalistische Fetthälse. 1930 spricht er gegenüber dem sozialdemokratischen Stadtverordneten Wilhelm Schwencke eine Morddrohung aus. Nach 1933 macht der Oberleutnant a.D. in Franken, Danzig und im Wartheland SA-Karriere. (Biografische Angaben im Abschnitt NSDAP gegen SPD.)

Zunächst wohnt Friedrich Uebelhoer in der Halleschen Straße 12 (1924), dann in der Buchholzstraße 41 (1928) und später in der Luisenstraße 11 (1937). 1933 ist der alte Kämpfer unter der Anschrift Buchholzstraße 48, gegenüber dem Haus von Dr. Artur Samter (Parkstraße 21), gemeldet.

Am 4. April 1925 heiratet der Kaufmann Asta Popperoth aus Naumburg, geboren am 25. Juli 1896. Über die neue Familie findet der NSDAP-Mann Zugang zu den etablierten Kreisen der Saalestadt. Der Vater von Asta, Ludwig Popperoth, geboren am 25. Mai 1854 in Halberstadt, brachte es zum Oberlandesgerichtsvizepräsidenten. Ihr Großvater war der bekannte Kaufmann und Stadtrat Theodor Popperoth (1821-1902). Die Mutter von Asta, Thekla, geboren am 2. November 1875 in Naumburg an der Saale, entstammt dem bekannten Thränhart-Geschlecht. 1945 wohnt sie in Bad Kösen, Karl-Liebknecht-Straße 9. Haus und Land (Saalhäuser 25) der Aktivistin der NSDAP, seit 1929 Mitglied der Hitler-Partei, werden auf Vorschlag des Blocks der antifaschistischen Parteien am 28. September 1945 vorläufig beschlagnahmt.

 

DVFP - Urzelle der nationalsozialistischen Bewegung   zurück



Zur Entwicklung der
NSDAP-Ortsgruppe Naumburg

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Deutschvölkische Freiheitspartei (DVFP) - die Urzelle der nationalsozialistischen Bewegung in Naumburg -
gegründet am 19. Januar 1923

Formierung des Völkisch-Sozialen Blocks (VSB) unter Führung der DVFP zu den Wahlen der Stadtverordneten am 4. Mai 1924

 

Vorsitzende der Ortsgruppe

Stadtsekretär Theodor Knehans
Jägerplatz 2
(laut Mitgliederversammlung 8. März 1924)

Friedrich Uebelhoer
Hallesche Str. 12
(laut Mitgliederversammlung 21. März 1925)

Buchhalter Paul Gotter
Große Jakobsstraße 31
(laut Mitgliederversammlung 8. Januar
1926 Rücktritt von Friedrich Uebelhoer)

dann wieder
Friedrich Uebelhoer

 

Geschäftsstellen

Große Jakobsstraße 7

Wanzelsstrasse 39 (1931)


Versammlungslokale

Dunkelbergs Garten
Spechsart 26

Preußischer Hof
Große Marienstraße 35

 

Nationalsozialistische Freiheitspartei um 1927

Vorsitzender
Lokomotivführer Richard Gläsel
Geschäftsstelle: Jakobsstraße 7

 

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
um 1930/31

Ortsgruppenleiter
Schlosser Georg Gerhardt
Hallesche Str. 23

Schriftführer
Lagerleiter Max Albertus
Kaiser-Friedrich- Straße 6

Kassierer
Buchhalter Otto Lehmann
Bergstraße 11

Versammlungsort
Goldenes Hufeisen

Geschäftsstelle
(ab Frühjahr 1931)
Große Wenzelsstrasse 39

NSDAP-Kreisleitung Naumburg
(ab 1931)

Kreisleiter Friedrich Uebelhoer
Buchholzstraße 41

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Um 1950 verfasst Eugen Wallbaum eine Studie über die jüngste Geschichte der Stadt Naumburg. Darin nennt er neben Uebelhoer folgende weitere Exponenten der nationalsozialistischen Bewegung: [Wachtmeister Ernst] Rudloff Kotter, Rudolf Müller [Reichsbahnangestellter, Unterm Georgenberg 3] und Richard Gläsel [Vorsitzender der Nationalsozialistischen Freiheitspartei]. Ergänzt werden muss diese Aufzählung um den Ortsgruppenleiter Georg Gerhardt (Schlosser, Hallesche Straße 23), HJ-Führer Richard Reckewerth und Heinrich Hacker, Führer des Frontbanns (1924) und Fraktionsführer der NSDAP in der Stadtverordntenversammlung (1929-1932).

Auf dem Kreisparteitag der NSDAP am 8. November 1934 berichtet Uebelhoer von ersten politischen Aktivitäten aus dem Jahr 1922 unter dem Gewand der Deutschvölkischen Freiheitspartei (DVFP). Sie generierte sich aus dem im Sommer 1922 gegründeten Deutschen Freiheitsbund, einem Zusammenschluss verschiedener vaterländischer Verbände. Auf dem dem Görlitzer Parteitag der Deutschnationale Volkspartei am 27. und 28. Oktober 1920 treten drei Delegierte aus und eignen sich den Namen des Freiheitsbundes unter dem Titel Deutschvölkische Freiheitspartei (DVFP) an. (Vgl. Flugschriften) Für sie sind Politiker wie Albrecht von Graefe (Vorsitzender), Wilhelm Frick, Theodor Fritsch, Wilhelm Kube, Erich Ludendorff oder Ernst Röhm unterwegs. In der neuen Partei versammeln sich also zunächst vor allem ehemalige DNVP-Mitglieder, denen der Kurs ihrer Partei zu zahm ist. In der Frühphase der nationalsozialistischen Bewegung treten vom rechten Flügel der DNVP viele Mitglieder zur DVFP über. (Vgl. Wehler 2009, 29).

In Preussen wird die DVFP im Frühjahr 1923 verboten.

Am 8. November 1923 stürmt Adolf Hitler mit seinen Anhängern den Münchner Bürgerbräukeller. Den Marsch auf die Feldherrenhalle am folgenden Tag treibt die Polizei auseinander. Daraufhin verordnet der Chef der Reichswehr und Inhaber der Exekutivgewalt zur Sicherung des Reichs im Inneren, General Hans von Seeckt (1886-1936), ein Verbot der DVFP, NSDAP und KPD, das bis zum Februar 1924 bestehen bleibt.

DVFP und NSDAP schliessen sich am 23. November 1923 zur Wahlvereinigung Nationalsozialistische Freiheitspartei (NSFP) zusammen. In Sachsen und Thüringen treten sie als Völkisch-Sozialer Block (VSB) auf.
Bei den Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung am 4. Mai 1924 erscheint sie als VSB oder Völkisch-Soziale Partei.
Zu den bekannten Anführern zählt Doktor Artur Dinter (1876-1948), der als freier Schriftsteller (Die Sünde wider das Blut) in Weimar (1919) lebt und bereits beim Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes (1919) seine Visitenkarte hinterlegt hatte. Er wird 1924 für die VSB in den Thüringischen Landtag und als deren Fraktionsführer gewählt.

Die Ortsgruppe der Deutschvölkischen Freiheitspartei Ortsgruppe Naumburg a. S. gehört zu den ältesten der nationalsozialistischen Bewegung im Gau Halle-Merseburg. Am 19. Januar 1923 stellt sie beim hiesigen Amtsgericht den Antrag auf Anerkennung als Verein. Ihre Geschäftsstelle befindet sich in der Großen Jakobsstraße 7 (1924). Mitglied dürfen nur "Männer und Frauen deutschblütiger Abstammung" werden, bestimmt die Satzung. "Insbesondere sind Juden, jüdisch Versippte und Judenabkömmlinge von der Mitgliedschaft ausgeschlossen." Ihr erster Vorsitzender ist Richard Gläsel. Der Antrag an das Amtsgericht trägt unter anderem die Unterschrift von dem späteren Schulungsleiter der NSDAP-Kreisleitung Naumburg, Alfred Goldschmidt. Dem Naumburger Antrag liegt ein

Aufruf der Deutsch-Völkischen Freiheitspartei

aus Berlin SW 11, Dessauer Straße 6, bei. Der proklamiert:

"Frei vom Marxismus und Bolschewismus,
von Klassenkampf und Kastengeist!"

Dunkelbergs Garten um 1926.

Am Freitag, den 25. Februar 1938 trifft sich hier der Standort Naumburg der SA zum Sturmbannappell. Obersturmbannführer Schröder meldet an Brigadeführer Heinz aus Merseburg die Gruppenstärke. Beim Einmarsch der Sturmfahnen heizt der Spielmannszug der Standarte I/J 4 die Emotionen hoch. Anwesend sind aus NSDAP-Kreisleiter Uebelhoer und Standartenführer Geske (I/J 4).

Bild aus: Deutschlands Städtebau. Naumburg a. S. und Bad Kösen. Herausgegeben vom Magistrat Naumburg a.S., Deutscher Architekten und Industrie Verlag, Berlin-Halensee 1926

Als Hauptfeind gilt die SPD. Ein anderer wichtiger Programmpunkt lautet:

"Vereinigung der geschlossenen
deutschen Siedlungsgebiete zu einem Großdeutschland."

Aber die Partei spielt ebenso mit antikapitalistischen Attitüden.

 

Der Völkisch-Soziale Block (Naumburg)   zurück

Am 8. März 1924 gegen 8 ½ Uhr treffen sich die Mitglieder der DVFP im "Dunkelbergs Gasthof" (Spechsart 26), darunter Eisenbahnbetriebassistent Rudolf Müller, Malermeister Gustav Müller, Rechtsanwalt Paul Herrmann, Lokführer Schrader, Feuerwehrmann Karl Haase. In Vorbereitung der Stadtverordnetenwahlen am 4. Mai formieren sie sich zum Völkisch-Sozialen Block (VSB). Durch öffentliche Wahl bestimmen sie als Ersten Vorsitzenden Stadtsekretär Theodor Knehans (Jägerplatz 2). Heinrich Hacker, Handelsvertreter Friedrich Uebelhoer und Pfarrer Karl Iskraut bilden den Propaganda-Ausschuss.

Im Dunkelbergs Garten trifft sich nicht etwa eine mehr oder weniger zufällige Auswahl von politisch interessierten Köpfen. Nein, es sind die Enthusiasten, Phantasten, Feuerköpfe und Einpeitscher der nationalsozialistischen Bewegung in Naumburg. Sie begegnen uns später öfters wieder. Friedrich Uebelhoer steigt später zum NSDAP-Kreisleiter von Naumburg auf. Rudolf Müller führt die SA an. Heinrich Hacker engagiert sich im Frontbann und wird Fraktionsführer der NSDAP in der Stadtverordnetenversammlung. Pfarrer Karl Iskraut tut sich durch öffentliche antisemitische und -republikanische Ausfälle hervor.

 

Blick zum ehemaligen
Dunkelbergs Garten (2008)


Bismarckturm Naumburg
um 1930

Rechtsanwalt Paul Herrmann verlässt (wahrscheinlich 1928) die NSDAP wieder und geht seinen eigenen Weg.

Schon vor diesem Tag trafen sich Hitlers Anhänger regelmäßig. Nicht nur im Dunkelbergs Garten (Spechsart 26), auch in der Gaststätte am Bismarckturm oder im Preußischen Hof (Große Marienstraße 35) sah man sie.

Ihr "oberstes Ziel ist die Befreiung von Versailles, vom Marxismus und Judentum", sagt im April 1924 Doktor med. Martin Dettler vom Moritzplatz 1, der Facharzt für Nervenleiden und Praxis (Lindenhof 2 - 1928). Dies ist Konsens. Im Frühjahr 1924 wirbt der Völkisch-Soziale Block (VSB) mit dem Slogan:

"Dies ist die Mission unserer Bewegung. Hakenkreuz oder Sowjetstern".

"Deutschland den Deutschen".

In ihrer politischen Tätigkeit konzentrieren sich die Nationalsozialisten auf folgende Schwerpunkte:

      • Schaffung eines Großdeutschlands
      • Revision des Versailler Vertrages
      • Forderung nach Kolonien für Deutschland
      • Entfernung aller Juden aus Deutschland (Judenverfolgung)
      • Kampf gegen Sozialdemokraten, Sozialisten, Kommunisten, Freidenker, Anthroposophen und Freimaurer.  zurück

 

Der Einzug ins Stadtparlament  zurück

Im März 24 bereiten sich die Retter Deutschlands auf die Kommunalwahlen vor und benennen für die Wahl der Stadtverordneten am 4. Mai 1924 ihre Kandidaten.

 

 

Kandidaten des Völkisch-Sozialer Block
zur Stadtverordnetenwahl
am 4. Mai 1924

Theodor Knehans, Stadtsekretär a. D., Jägerplatz 2
Karl Haase, Feuerwehrmann, Blumenstraße 4
Richard Gläsel, Lokomotivführer, Wiesenstraße 3
Kaufmann Robert Roesenberger, Topfmarkt 11
Dr. med. Martin Dettler, Arzt, Moritzplatz 1
Karl Forwergk, Kaufmann, Große Jakobsstraße 6
Otto Frenzel, Fabrikarbeiter, Barbaraplatz 3
Wilhelm Barth, Bäckermeister, Alt-Grochlitz 3
Wilhelm Paßmann, Seminar-Oberlehrer, Seminarstraße 1
Kurt Schröder, Lokomotivführer, Pfortastraße 31
Gustav Müller, Malermeister, Große Neustraße 6
Wilhelm Brehm, Lebensmittelhändler, Windmühlenstraße 11
Paul Herrmann, Rechtsanwalt, Schönburger Straße 3
Rudolf Müller, Eisenbahnbetriebsassistent, Blumentalstraße 4
Ottomar Berges, Gärtner, Kaiser-Friedrich-Straße 7/8
Otto Rüßerverstedt, Zollwachtmeister, Markt 7
Paul Deckert, Gemüsegärtner, Roßbacher Straße 5b
Richard Müller, Bankbeamter, Jägerplatz 1
Heinrich Koss, Oberstadtsekretär, Badstraße 28
Alfred Schunke, Schneider, Jägerstraße 28

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Ebenso ringen die anderen Parteien um die Stimmen der Wähler. Dabei beschreitet die KPD einen Sonderweg: "In der Stadt sind an verschiedenen Häusern, zum Beispiel Ecke Neumauer-Windmühlenstraße, von der kommunistischen Partei gelbe Plakate angeklebt worden, in denen die Partei ihre Anhänger auffordert, die Reichstagswahlen zu sabotieren." Die Polizeiverwaltung mit Bürgermeister Roloff verfügt am 1. Mai 1924:

"Diese gelben Aufrufe müssen unbedingt sofort beseitigt werden. Soweit Beamte hierzu nicht zu Verfügung stehen, sind Hausbesitzer dazu aufzufordern, die Aufrufe sofort zu entfernen."

 

 

Weitere Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl
am 4. Mai 1924

 

Bürger Wirtschaftsblock

Georg Paul, Hotelbesitzer, Große Salzstraße 5
Friedrich Hagemann, Kaufmann, Jägerplatz 6
Otto Keil, Schuhmachermeister, Michaelisstraße
Hans Hirschfelder, Buchdruckereibesitzer,
Lepsiusstraße 15

SPD

Otto Teichmann, Schriftsetzer, Peter-Paul-Straße 14
Otto Grunert, Tischler, Steinweg 14
Karl Marien, Schlosser, Siedlungshof 13
Louis Knauer, Schneidermeister, Große Neustraße 44
Wilhelm Schwencke, Schriftsetzer, Lindenhof 3

KPD

Walter Fieker, Maler, Reußenplatz 17
Franz Neubert, Schriftsetzer, Windmühlenstraße 6a
Fritz Kramer, Tischler, Probstei 1
Walter Höhne, Schlosser, Kanonierstraße 13
Emil Rößling, Maurer, Wenzelspromenade 9
Franz Reißweck, Maurer, Kanalstraße 21

 

 

Die Nationalsozialisten nutzen die Völkisch-nationale Wende im Kontext der Rukrkrise und die Enttäuschung über die Folgen Inflation (1923).

 

 

Wahl der Stadtverordneten von Naumburg
am 4. Mai 1924  
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Stimmen
Prozent
Abgeordnete
/ Sitze

Bürger Wirtschaftsblock /-partei

2 874
18,9
6

SPD

1 834
12,1
4

Vaterländische Arbeitsgemeinschaft

3 148  
20,7
6

KPD

1 723
11,3
3

Völkisch-soziale Block

1 964
13
4

Unpolitische

 3 643
24
7

 

Gewählte Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung

 


"Der erste große Wahlkampf hatte am 4. Mai 1924 mit einem überwältigenden Sieg des Völkisch-sozialen Blocks - der Tarnung der NSDAP [!] - sein Ende gefunden", erinnert am 10. August 1939 der Oberbürgermeister und NSDAP-Kreisleiter Friedrich Uebelhoer in seiner Rede zur feierlichen Wiedereröffnung des Theaters in der Reichskrone. Damit ist die NSDAP erstmals in die Stadtverordnetenversammlung gewählt und dort mit Stadtsekretär Knehans, Feuerwehrmann Haase, Kaufmann Roesenberger und Lokomotivführer Gläsel vertreten.

 

Von der Deutschvölkischen Freiheitspartei zur NSDAP  zurück

Die Nationalsozialistische Freiheitspartei entstand im August 1924. In Naumburg firmiert sie unter Nationalsozialistische Freiheitsbewegung und konstituiert sich mit den Wahlen 1924. Ihre Wahlversammlung vom 24. November 1924 in den zwei groessen Raskellersälen, die vom Vorsitzenden Friedrich Uebelhoer eröffnet, findet großen Zuspruch. Er spricht von einer Mission, die sie zu erfüllen haben, von der

"Befreiung des deutschen Arbeiters".

 


Wolf-Heinrich Graf von Helldorf, etwa 1934 (Zeichnung)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wolf-Heinrich Graf von Helldorf, geboren am 14. Oktober 1896 in Merseburg. Dient ab 1914 als Fahnenjunker im Feld. 1915 zum Leutnant befördert und ab 1918 in mehreren Freikorps. 1920 Beteiligung am Kapp-Putsch (1920).

1921 und 1928 Rittergutsbesitzer in Wohlmirstedt (heute Burgenlandkreis).

Adjutant von Stahlhelmführer Duesterberg (seit 21. April 1923 Stellvertreter von Franz Seldte).

Beteiligt an der Vorbereitung des Putsches am 8. November 1923 in München.

1924/25 aktiv im Frontbann im Saale-Unstrut Gau und Naumburg.

1927 Präsident der Sächsischen Landwirtschaftskammer.

Mit seinen Rennpferden erzielt er erhebliche Gewinne, die er jedoch zur Schuldentilgung einsetzen muss.

Von 1924 bis 1928 und ab 1932 Mitglied des Landtages, zunächst für die Nationalsozialistische Freiheitspartei in Preußen und ab 1925 für die NSDAP.

Mai 1931: Führer der Standarte 2 der Berliner SA. Im Juli Berichterstattung beim Gauleiter von Berlin Joseph Goebbels, der nach seinem Besuch in sein Tagebuch notiert: "Röhmer? 175?" (§ 175 des deutschen Strafgesetzbuches stellt sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe.)

Unter Helldorfs Leitung dringen am 11. März 1933 SA-Trupps in das Urban-Krankenhaus (Berlin-Kreuzberg) ein und verhaften jüdische Ärzte und Mitarbeiter. Mehrere werden in wilde Konzentrationslager (z.B. in die Kaserne in der General-Pape-Straße) eingeliefert. Zu den Opfern der SA gehören der ärztliche Direktor der Klinik, Prof. Dr. Zondek, und Dr. Leo Wiclicki. (Nach Zilkenat 9)

Im März 1933 wird er Polizeipräsident von Potsdam und dann ab Juli 1935 von Berlin.

In der Wohnung von SA-Führer Karl Ernst (1904-1934) findet man 1934 Quittungen, die Helldorf für den Erhalt von Geldbeträgen vom jüdischen Hellseher Erik Jan Hanussen (1889-1933) unterzeichnet hatte.

Unterhält seit 1938 Kontakte zum militärischen Widerstand und ist in die Verschwörung vom 20. Juli 1944 involviert.

Hinrichtung am 15. August 1944. (Vgl. Harrison)

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Zunächst Gedenken die Teilnehmer der "Münchener Opfer, die vor Jahresfrist unter den Kugeln Deutscher für Deutschlands Auferstehung verblutet sind". Eindringlich ermahnt der Führer der Ortsgruppe die gebildeten Schichten, sich endlich näher mit der völkischen Bewegung zu befassen "und ihr Schrifttum zu lesen, damit der Verleumdung wirksam entgegengetreten werden kann". - Beifall.

Graf Helldorf-Wohlmirstedt nimm das Wort zum Referat. Er spricht über den Verrat von Männern in Schwarz-weiss-rot bei der Annahme des Dawes-Abkommens, was ihn den Glauben an die nationale Idee genommen hat. Die Vereinbarung mit der internationalen Notenbank untermeniert die deutsche Finanzhoheit. Der Kernpunkt des "teuflischen Abkommens" aber ist der Raub der deutschen Eisenbahn. Weiter wendet sich Helldorf entschieden gegen die 3. Steuernotverordnung. Die Nationalsozialistische Freiheitsbewegung erhebt als erste die Forderung nach sofortiger Wiederherstellung des Kapitals des deutschen Sparers im Rahmen einer sozialen gerechten Aufwertung. So werden die Wahlen zum Reichs- und Landtag am 7. Dezember (1924) zum Gerichtstag. Wir müssen uns erst noch die Machtprobe mit Ebert und Severin bestehen. Zum Wahltag am 6. Dezember wirbt die Nationalsozialistische Freiheitspartei in Naumburg mit dem Slogan:

"Hier schwarz-weiss-rot mit dem Hakenkreuz, dort schwarz-rot-gelb mit dem Judenstern; hier Freiheitskampf - dort Erfüllungspolitik."

"Die Schwarz-Rot-Goldenen klagen wir an: Sie haben die politische Widerstandskraft und den politischen Willen des Volkes bewusst gebrochen." Die Deutsche Volkspartei "nennt sich Schwarz-Weiss-Rot und ist international versippt. Sie treibt keine nationale Realpolitik, wie sie vorgibt, sondern internationale Illusionspolitik." "Die Deutschnationalen klagen wir an: Sie haben den Geist der Erfüllungspolitik in sich aufgenommen und sind charakterlos und wortbrüchig geworden." "Dass wir die Kampftruppe der Ehrlichen sind, beweist unsere Armut."

Nach der Aufhebung des Verbots der NSDAP im Januar 1925 erfolgt am 26. des darauffolgenden Monats ihre Neugründung im Münchner Bürgerbräukeller. Daraufhin bricht in Naumburg der Streit zwischen den Anhängern der Deutschvölkischen Freiheitspartei (DVFP) und Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung aus.

Die Mitglieder der DVFP finden sich am 21. März gegen 9 Uhr abends unter Leitung von Friedrich Uebelhoer im Preußischen Hof (Große Marienstraße 35) zusammen. Der Führer habe Landsberg verlassen und anerkennt die Nationalsozialistische Freiheitsbewegung, berichtet der Versammlungsleiter. Aber er möchte, dass die NSDAP wieder aufgebaut wird. Die Ortsgruppe muss sich nun entscheiden, ob sie zur DVFP oder NSDAP will. Durch Abstimmung beschließt die Versammlung - bis auf zwei Mitglieder - die Rückkehr in die NSDAP. Gegen ¾ 11 Uhr ist das Treffen beendet.

Aber der Streit um DVFP oder NSDAP ist damit noch nicht ausgefochten. Zwar bestimmt die Versammlung vom 21. März in öffentlicher Wahl Friedrich Uebelhoer zum Führer der Ortsgruppe, doch sind die unterschiedlichen Positionen der Mitglieder zur weiteren Entwicklung der nationalsozialistischen Partei unüberbrückbar.

Einladung zur Mitgliederversammlung der NSDAP im Naumburger Tageblatt
am 6. August 1925

Deshalb geht die Diskussion am 7. August 1925 ab ¾ 9 Uhr in Dunkelbergs Garten weiter. Diesmal wertet Versammlungsleiter Friedrich Uebelhoer die Tagung mit Gottfried Feder (1883-1941) in Weimar aus. Der sprach in Abwesenheit von Adolf Hitler vor den Ortsgruppenführern und Funktionären der Bewegung. In der Frage DVFP oder NSDAP darf es nicht zum Streit kommen, betonte Feder. Uebelhoer referiert dann über das Treffen der Führer mit Gauleiter Ernst in Halle, an dem er zusammen mit Paul Gotter teilnahm. Hier traten ernste Differenzen auf. Paul Hinkler griff in Halle Friedrich Uebelhoer und Heinrich Hacker in ungehöriger Weise an. Wieder geht es um das Verhältnis von NSDAP und DVFP. Der Ortsgruppenleiter von Freyburg an der Unstrut behauptet, dass der Führer des Frontbanns von Naumburg, Unstrut und Geiseltal, Wolf-Heinrich Graf von Helldorf, seine Mitglieder von der NSDAP entfremdet.

Zunächst ist er Adjutant beim Stahlhelmführer Theodor Duesterberg in Halle und verkehrt in der noch jungen Naumburger NSDAP-Ortsgruppe. Im Gespräch zwischen Helldorf und Ernst Röhm am 11. Mai 1924 entsteht auf dem Deutschen Tag in Halle, die Idee einen eigenen Wehrverband zu gründen (Vgl. Harrison 388).

 

Auf der völkischen Heerschau zum

Deutschen Tag
am 11. Mai 1924 in Halle

demonstrieren der Bund Wiking, Bund Oberland, Stahlhelm und andere rechte Organisationen ihren restaurativen Staatskurs.  zurück  Zunächst taten die Organisatoren so, als handelte es sich nur um die Einweihung des Moltke-Denkmals. "Es lag aber auf der Hand," kommentiert die Vossische Zeitung am 13. Mai 1924, "dass diese Denkmalsenthüllung nur der Vorwand für das aufbieten des völkischen Heerbannes nach Halle gewesen ist."

Kaiser-Wilhelm Denkmal
in Halle. Alte Postkarte. -  weiteres Bild

Der Ort war mit Vorbedachheit gewählt. "Es bedeutet einen besonderen Fortschritt, dass diese symbolische Handlung in Halle, dem Zentrum des kommunistischen Mitteldeutschlands vor sich ging," erklärt das Naumburger Tageblatt dem Leser zwei Tage später. Die Grossveranstaltung symbolisiert, erklärt die Zeitung weiter, "dass Zucht und Ordnung wiedergekehrt sind und dass die Erinnerung an Deutschlands große und stolze Zeit wieder eine Heimstätte auf deutschem Boden hat".

In Wirklichkeit war der Deutsche Tag in Halle eine klare Kampfansage an die Weimarer Republik. Vaterländische Verbände, - völkisch, nationalistische und monarchistische Kreise, Deutschnationale und die nationalsozialistische Bewegung demonstrieren ihre Vorliebe für die Farben Schwarz-Weiss-Rot.

Vor dem Aufmarsch auf der Rennbahn erfolgte die Einweihung der Moltke-Statue im Kaiser-Wilhelm Ensemble. Am Silvesterabend des Jahres 1922 war sie mit einer Ladung Dynamit, wie es damals hiess, von "kommunistischen Bubenhänden" kopfüber in das vorgelagerte Wasserbassin befördert worden. Oberstleutnant a. D. Theodor Duesterberg (1875-1950), ehemaliger Generalstabsoffizier und Stahlhelmführer vom Gau Halle, bei der streng nationalen Familie in Naumburg sehr beliebt, zetert in seiner Festrede zur Wiederaufrichtung des Denkmals:

"Verantwortlich für die Sprengung des Moltke-Denkmals sind nicht die jugendlichen Kommunisten, sondern verantwortlich ist die Sozialdemokratie, die seit Jahrzehnten die Achtung vor Monarchie, Kirche und Staat untergraben hat." (Strassenkämpfe)

Die Täter sind nie genau ermittelt worden, erhoben die Autoren von Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ein vergessener Monumentalbau. Den verbliebenen "Rest" wollten die SPD-, KPD- und USPD-Stadtratsfraktionen von Halle (Saale) gerne demontieren, wozu es angeblich aus Kostengründen nicht kam.

Gegen 12 Uhr Mittag beginnt der Hakenkreuzrummel um die Einweihung des Standbildes vom großen Schlachtenlenker. 3 000 Fahnen von den Wehrverbänden umhüllen das Denkmal. Die nationale Presse jubelt. Die Initiatoren erkennen darin einen Ausdruck wachsender nationaler Selbstbestimmung und artikulieren in den Reden ihr Streben nach Revision der europäischen Grenzen. Oberbürgermeister Richard Robert Rive (1864-1947) verteidigt die politische Aussage des Denkmals. Zum Empfang der Gäste öffnet er achtzehn Säle der Stadt. Und die Kirche stellte, berichtet die Volksstimme (Magdeburg) am 13. Mai 1924, den Hallischen Nationalsozialisten alle Kanzeln zur Verfügung, von den dann die Revanche gepredigt wurde.

Bevor Erich Ludendorff am Sonntag das Moltke-Denkmal mit einweiht, gastiert er tags zuvor beim Hochschulring deutscher Art. Seine Rede gipfelt in der Passage: "Reden nützt nichts, wir wollen handeln.

Seine Majestät, der deutsche Kaiser, er lebe hoch!"

Vorbeimarsch an der Tribüne.
Deutsche Tag
in Halle, 11. Mai 1924
(Quellenangabe unten)

Nach der Enthüllung marschieren die Kolonnen mit ihren Fahnen zur Rennbahn. Im Zug dabei Erich Ludendorff, der "wie ein pompös aufgezäumtes Zirkuspferd" (Lübecker Volksbote) ausschaut. Auf der Tribüne an der Rennbahn warten der Seeteufel (Graf Luckner), Curt von François, Paul von Lettow-Vorbeck, Prinz Oskar von Preußen und der Vorsitzende des Kyffhäuserbundes e.V. Generaloberst a. D. Josias von Heeringen, von 1909 bis 1913 preussischer Kriegsminister.

"Um vor Beginn der Dunkelheit mit dem Vorbeimarsch fertig zu werden", beobachtete die Vossische Zeitung, "formierten sich die Reihen zu 12 Mann." Über vier Stunden lang ziehen Haloren, Turner-, Ruder- und Schwimmvereine, Marineangehörige, Kriegervereine, Schutztruppler, Bund Oberland, Blücherbund, Bund Wiking, Deutscher Offiziersbund, Stahlhelm, Wehrwolf, Jungdeutscher Orden, Bund Reichsflagge, Bund der Aufrechten, Tropenuniformen, Studentenschaften und Knappschaftsverbände an der Tribüne vorbei. Auch eine kaisertreue Kompanie des Reichswehrregiments Graf von Moltke Nr. 38 war dabei. Vielen Bürgern imponieren die rechten Wehrverbände mit ihrem martialischen Auftreten und den soldatischen Inszenierungen, die sich anschicken, innenpolitisch eine eigene Rolle zu übernehmen.

"Länger als 10 Kilometer dehnte sich der Aufmarsch der Verbände." (Graff 53) Die Volksstimme (Magdeburg) schätzt die Zahl auf 50 000 Stahlhelmer und Hakenkreuzler. Das Naumburger Tageblatt (12.5.1924) spricht gar von fast 200 000 teilnehmenden Personen.

Aufstellung der Generalität.
General Erich Ludendorff 1, Prinz Oskar 2, Felix Graf Luckner 3, und Josias von Heeringen 4.
Deutsche Tag
in Halle, 11. Mai 1924
(Quellenangabe unten)

Halle war einst eine Hochburg der Kommunisten. "Heute aber ist sie eine Stadt der Reaktion. Die Arbeiterklasse ist durch die fürchterliche Hetze zwischen rechts und links gelähmt und zerrissen", erklärt der Lübecker Volksbote am Tag nach der Einweihung des Moltke-Denkmals. "Halle war seit Beginn der Revolution heisser Boden, hier hat der Bürgerkrieg seine schlimmsten Formen gezeigt," befindet die Deutsche Allgemeine Zeitung (Berlin). Und "die Wahl hat erst wieder bewiesen, dass hier der kommunistische Agitationsstoff die offensten Ohren findet."

Immerhin setzt die kommunistische Linke der militaristischen Rechten öffentlichen Widerstand entgegen. Sie umzingelten die Stadt, beschreibt die deutschnationale Presse Tage später ihr Vorgehen, was sicherlich eine leichte Übertreibung darstellt. Obwohl natürlich aus der näheren und weiteren Umgebung, wie Ammendorf, Merseburg, Querfurt und Naumburg, viele linke Demonstranten anrücken. Oft nahmen sie einen längeren Fussmarsch von ihrem Heimatort bis nach Halle auf sich. Andere reisten aus Sachsen, Thüringen und Preussen an. Es ist schon denkbar, dass von auswärts mehr Teilnehmer als aus der Stadt kamen. Die Polizei erlässt Verbote, fängt Personen bereits am Stadtrand ab, hindert sie mit Waffengewalt und Schützengräben am Weitergehen. Während die Völkischen mit Sonderzügen anreisen können, koppelt man die Waggons der linken Demonstranten wo man nur konnte ab. So soll die Konfrontation mit dem Stahlhelm, Wehrwolf und den Nazis verhindert werden. Wieder einmal misst die Innenpolitik mit "zweierlei Maß". Eigentlich waren auch für die Hakenkreuzler alle geschlossenen Umzüge verboten. Aber die scherten sich den Teufel darum. Die Polizei ".... gestattete den Völkischen alles und erlaubte den Kommunisten nichts", urteilt die sozialdemokratische Volksstimme aus Magdeburg zwei Tage später. Ihr Urteil hat Gewicht, denn sie steht der Putschtaktik der Kommunisten ablehnend und ihrer Partei streng prüfend gegenüber.

Im Vorfeld der Veranstaltung warnte der Preußische Innenminister Carl Severing (1875-1952) und der Oberpräsident Provinz Sachsen Otto Hörsing davor, eine Demonstrationserlaubnis zu erteilen. Aber die Reichsregierung hörte nicht darauf. So kommt es, wie es viele befürchtet hatten: Zwischen den politischen Gegnern entstehen wechselseitig starke Abwehrreaktionen. Oberstleutnant ausser Dienst Theodor Duesterberg vom Stahlhelm verschärft dies mit seiner Festrede am Moltke-Denkmal, in dem er seine Erwartung ausspricht:

"Sollte heute der rote Terror sein Haupt erheben, so hoffen wir, dass er niedergeschlagen wird." (Strassenkämpfe)

"....mit dem Knüppel gegen die marxistischen Banden", dass war schon immer die Politik des Stahlhelms, erklärt der ehemalige Offizier, der im Krieg gegen die Boxer beim 3. Ostasiatischen Infanterie-Regiment 1900/1901 gedient hatte, 1931 (9) in der Rede vor dem Hamburger Nationalclub von 1919 e.V..

"Die Faschisten bewegten sich", beobachtete die Volksstimme aus Magdeburg, "ziemlich zwanglos in den Strassen. Zugweise marschieren war verboten, aber die Polizei war bei dem Massenaufgebot der Hakenkreuzler stellenweise machtlos. An anderer Stelle gelang die Auflösung einzelner Züge."

Bereits eine Stunde vor dem Hakenkreuzrummel um den großen Schlachtenlenker kommt es zu einer ersten Konfrontation zwischen Polizei und Demonstranten. Zunächst aber noch ohne Schrammen und Blessuren. Dann stösst im Halleschen Vorort Böllberg eine Polizeieinheit mit dem Auftrag, die Rennbahn für den nationalsozialistischen Jahrmarkt freizuhalten, auf einen Zug mit etwa 100 Kommunisten, der sich erstmal problemlos zurückdrängen liess. Was dann passiert bezeichnet die Volksstimme (Magdeburg) als "Hauptunglück des Tages" und die Geschichte der KPD - Bezirksorganisation Halle-Merseburg bis 1933 (1979, 202f.) nennt es den "Blutsonntag von Halle". Bald prasseln Gewehrkugeln aus den Häusern am Böllberg nieder. Aus dem Demonstrationszug mit wenigstens 400 Menschen erfolgt ein Angriff auf die Polizei. Drei von ihnen kostet es das Leben, sechs werden zum Teil schwer verletzt und einer erliegt später seinen Verletzungen, meldet die Polizei. Mindestens sechs Kommunisten, veranschlagt die Volksstimme (Magdeburg) am 13. Mai, kommen im Kampf um. Die Polizei und Sipo nimmt viele hundert Demonstranten, zumeist aus Berlin und Erfurt, gefangen. Bei einem weiteren Zusammenstoß in der Heilstrasse werden ebenfalls Demonstranten verletzt.

Während der Parade auf der Rennbahn halten etwa 3 000 Kommunisten im Volkspark (Burgstrasse 27) eine Versammlung ab. Sie werden von der Polizei umzingelt und im Lokal eingeschlossen. Darüber wacht ein starkes Aufgebot mit Maschinenpistolen und aufgepflanzten Bajonetten. Im Saal brodelt es. Über zwölf Stunden bleiben die Demonstranten hier eingeschlossen. Gegen 2 Uhr nachts hebt die Polizei die Sperre auf. "Völkische Trupps und Verbände marschierten derweil durch die Stadt in geschlossenem Zug und Heilrufe dröhnten durch alle Strassen, die zum Bahnhof führten." (Strassenkämpfe)

In seiner Festrede vor dem Moltke-Denkmal verlangt Oberstleutnant ausser Dienst Duesterburg: "…. die Wiedervereinigung aller in Mitteleuropa geschlossenen lebenden Deutschen zu einem neuen grossen Deutschen Reich".

Der Deutsche Tag ist ein Stoss in die Rippen der Linken und durchtränkt vom Hass gegen die Kommunisten. Die reagieren und verschärfen ihre politische Einstellung gegenüber der nationalsozialistischen Bewegung. "So gab der 11. Mai 1924 den Anlass", erzählt KPD-Mitglied Max Benkwitz (geboren 1889) (32) aus Zeitz, "eine organisatorische Kraft zu schaffen, die in der Lage war, den Bürgerkriegsgarden des Monopolkapitals mit aller Entschlossenheit entgegenzutreten. Im Frühsommer 1924 bildeten sich im Bezirk Halle-Merseburg und Thüringen die ersten Gruppen des roten Frontkämpferbundes." Jetzt gilt:

"Kampf bis aufs Messer der Reaktion! Kampf bis aufs Messer den Machtansprüchen des Kapitalismus! Kampf bis aufs Messer der militaristischen und völkisch-nationalen Hetze!" (Blutbad)

 

Ernst Röhm beeindruckte Wolf-Heinrich Helldorf zum Deutschen Tag in Halle so stark, dass er aus dem Stahlhelm austritt. (Vgl. Harrison 388) Als "Ersatz" kümmert sich Rittergutsbesitzer mit den 854 Hektar Ländereien in Wohlmirstedt jetzt um den Aufbau des Frontbanns im Saale-Unstrut Gau. Er soll all jene jungen Männer zusammen schliessen, die waffenfähig sind, aber noch keine militärische Ausbildung erhalten haben. "Der Frontbann verfolgt", nach Helldorf, "den Zweck, das Deutsche Volk wieder wehrhaft zu machen, um dann den Befreiungskampf nach aussen führen zu können." (Harrison 389) Seine politischen Ambitionen treten bei den schweren antisemitischen Ausschreitungen der Berliner SA am Abend des 12. September 1931 in Berlin-Charlottenburg zu Tage. Graf Helldorf, inzwischen Berliner SA-Führer, patrouillierte in einem offenen Wagen durch die Straßen und lenkte von dort die Aktionen seiner Untergebenen. "Gruppen von je ca. 50 SA-Männern zogen skandierend und prügelnd über den Kurfürstendamm." (Schuster 147)

1927 weist man den Gutsbesitzer amtlicherseits unerlaubten Waffenbesitz nach. Er redet sich raus: die Waffen sollten nicht in die Hände des interalliierten Kontrollrat fallen. Dabei kommt Paul Hinkler (Biografie - siehe unten) ebenso ins Gerede.

Gleichgesinnte würdigen seinen Kampf gegen die Weimarer Republik. "Auch wird es dem Wehrwolf unvergessen bleiben," heißt es in Kamerad, weißt du noch? (1934), "dass sein Führer [Fritz Kloppe, Halle] im November 1923 den Wehrwolf als einzigen norddeutschen Verband zusammen mit dem bekannten Grafen Helldorf und dem jetzigen SS.-Gruppenführer Thüringens von Eberstein marschbereit für Hitler hielt. Ein Einsatz konnte durch den bekannten Verrat in München doch nicht erfolgen."

Doch im Jahr 1925 kann sich die NSDAP-Ortsgruppe Naumburg über die Einschätzung der Tätigkeit von Helldorf im Frontban nicht einigen. Die Versammlung tritt am 3. September 1925 um ½ 9 Uhr in Dunkelbergs Garten erneut zusammen. Diesmal leitet sie Kreisführer (!) Richard Gläsel (Wiesenstraße 3). Gekommen sind nicht nur die Angehörigen der Ortsgruppe. Dabei sind ebenso Graf von Helldorf, Friedrich Karl Freiherr von Eberstein (1894-1979) und Paul Hinkler. Wieder geht es um die Zukunft des Wehrverbandes und das Verhältnis von Helldorf als DVFP-Anhänger zur NSDAP. Von Uebelhoer sind die Worte überliefert:

"Die politische Ortsgruppe der N.S.D.A.P. habe mit Graf Helldorf nichts, aber auch garnichts zu tun."

 

Führer des
NSDAP-Gau Halle-Merseburg

Walter Ernst
27. Juni 1925 bis 30. Juli 1926

Paul Hinkler
August 1926 bis 31. Januar 1931

Rudolf Jordan
19. Januar 1931 bis 19. April 1937

Joachim Albrecht Eggeling
20. April 1937 bis 1945

 

Eberstein wirft Hinkler Ehrlosigkeit und Feigheit vor. Der springt auf und es kommt zwischen beiden zum Handgemenge. Aber überschäumende Auseinandersetzungen sind in diesen Kreisen nichts Ungewöhnliches. - Im Hintergrund schwelt noch ein ganz anderer Konflikt: Hinkler erhebt Ansprüche auf die Diäten des Landtagsabgeordneten Graf von Helldorf. Eberstein weist diese zurück. Im Übrigen unterstützt er den Frontbann bereits aus privaten Mitteln. Helldorf zieht zurück. Was er "nicht nur für den Wehrverband," würdigt Ernst Röhm anerkennend, "sondern für die ganze nationalsozialistische Bewegung an persönlichen Opfern gebracht hat, wird immer ein Ruhmesblatt für ihn sein." (Nach Harrison 389)

Im Juni 1925 veranstaltet die NSDAP-Ortsgruppe Freyburg die erste Sonnenwendfeier. Am 17. Februar 1926 gründet sich die NS-Frauenschaft als Ortsgruppe des Deutschen Frauenordens.

Auf einer NSDAP-Versammlung bilanzieren die Naumburger Parteigenossen, dass ihre Mitgliederwerbung im Raum Osterfeld keine Früchte vergeblich war.

Am 8. Januar 1926 gibt Versammlungsleiter Richard Gläsel bei einer Zusammenkunft des Völkisch-Sozialen Blocks im Preußischen Hof (Große Marienstraße 35) den Rücktritt von Friedrich Uebelhoer bekannt. Dabei war er erst am 30. Juli 1925 mit seiner alten Mitgliedsnummer 11 707 - offiziell - wieder in die NSDAP eingetreten. Als neuer Vorsitzender wird Buchhalter Paul Gotter aus der Großen Jakobsstraße 31 gewählt. Sein Stellvertreter ist Rudolf Müller.

 

Friedrich Uebelhoer gegen Paul Hinkler  zurück

 

 
Paul Hinkler (Zeichnung)
 

Paul Georg Otto Hinkler  (zurück)  wird am 25. Juni 1892 in Berlin geboren. In Thorn an der Weichsel besucht er die Volksschule, das Gymnasium und das Lehrerseminar. Als Freiwilliger nimmt er ab August 1914 in Warschau und ab 1918 an der Westfront am Ersten Weltkrieg teil. Aufgrund eines Nervenzusammenbruchs bei Soissons liefert man ihn in das Lazarett nach Thorn ein. Im März 1919 erfolgt seine Entlassung als Kriegsgeschädigter mit dem Dienstgrad Oberleutnant d. R.. 1919 beteiligt er sich an der Aufstellung und der Leitung des Grenzschutzes in Posen-Westpreußen. Dann Lehrer in Zippow bei Schneidemühl. Heiratet Friederike Scholz. Man sieht ihn bei den Marburger Frei- und Studentenkorps in Gotha und Ohrdruf.

Nach Absolvierung der zweiten Lehrerprüfung, tritt er im August 1921 einen Stelle als Lehrer in Freyburg an der Unstrut (Wasserstraße 20/21) an. Am 15. Juli 1922 Beitritt zur NSDAP mit der Mitgliedsnummer 5 492. Führung des Wehrwolfs im Gau Unstrut-Saale (1923/24). Mitglied des Stahlhelms (1922-1924). Aufbau des Frontbanns (Vorläufer der SA im Gau, 1924/25). Wiedereintritt in die NSDAP im Mai 1925. Entlassung aus dem Schuldienst wegen nationalsozialistischer Umtriebe. (Wahrscheinlich) Magistratsassessor und Stadtverordneter sowie NSDAP-Ortsgruppenleiter von Freyburg. Schließlich ab 25. Juli 1926 Nachfolger von Walter Ernst (geboren 6. April 1899 in Quedlinburg / Harz) in der Funktion des Gauleiters von Halle-Merseburg. Hitler löst ihn am 19. Januar durch Einsetzung von Rudolf Jordan ab.

Nach dem er am 10. April 1930 die Schlägerei im Schützenhaus von Freyburg provoziert, brüllt er: "Die Kerle schlagen wir noch tot, die hängen wir noch auf." Gemeint sind die anwesenden Sozialdemokraten, Reichsbanner- und Antifamitglieder sowie Kommunisten.

1927 bis 1930 Stadtverordneter in Halle. 1928/1932 Mitglied der NSDAP-Fraktion im Preußischen Landtag. Dieser steht er in der folgenden Legislaturperiode als Geschäftsführer vor und nimmt die Funktion des Vorsitzenden des Finanzausschusses wahr. Der Abgeordnete gibt die Wochzeitung Der Kampf heraus.

Von 1936 bis 1945 gehört er dem Reichstag an.

Umzug nach Hamburg Moltkestraße 26. Einsatz als Polizeipräsident in Altona-Wandsbeck (6. April 1933 - 31. März 1937). Leiter der Gestapoleitstelle Schleswig (1934-1937). Ab 29. August 1938 Polizeipräsident in Wuppertal. 1941 Einberufung zum Frontdienst. 1942 Beförderung zum SA-Gruppenführer. Am 1. Januar 1943 in den Wartestand versetzt.

Als die amerikanischen Truppen am 12. April 1945 auf dem Weg nach Freyburg (Unstrut) den kleinen Ort Nissmitz durchquerten, soll Paul Hinkler, berichtet Wilhelm Sitz (2005), eine Giftampulle geschluckt haben.

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Aufgrund von Differenzen mit Paul Hinkler, dem Gauleiter von Halle-Merseburg, tritt Friedrich Uebelhoer im Juli 1927 aus der NSDAP aus. Zum 1. Dezember 1929 erfolgt seine Wiederaufnahme mit derselben Mitgliedsnummer.

An Hinkler scheiden sich in der NSDAP-Ortsgruppe Naumburg die Geister. Tiefgreifende Konflikte werden über den Streit um Kleinigkeiten ausgetragen. Einmal lässt der Gauleiter anlässlich einer Sitzung der Gaufunktionäre und Funktionäre der Ortsgruppe Naumburg die für den 19. Oktober 1930 geplante Aufführung der Berliner Spielschar "Die Braunhemden", begleitet mit den Worten "Was geht uns Berlin an!", absagen. Dann ist es wieder die fehlende Ehrerweisung zur letzten Ruhe für einen verdienstvollen Mitkämpfer. Darüber beschwert sich Friedrich Uebelhoer am 17. Oktober 1930 bei Dr. Goebbels höchstpersönlich. Das nächste Mal - 20. Dezember 1930 - leitet er seine Kritik über Paul Hinkler an die Reichsleitung der NSDAP in München.

Wenig später, am 9. Januar 1931, wird Paul Hinkler als Gauleiter durch Rudolf Jordan abgelöst. Es ist durchaus denkbar, dass dabei sein Verhältnis zur NSDAP-Ortsgruppe Naumburg im Gespräch war. Schon die Ablösung ansich vermittelt einen Blick auf die Persönlichkeit wie auf die internen Verhältnisse der NSDAP im Gau Halle-Merseburg.

Ich war erst im Mai 1925 mit der Nummer 4871 Mitglied der Hitler-Partei geworden. Und jetzt seit einigen Stunden war ich zu meiner Überraschung einer seiner 32 Gauleiter in Halle-Merseburg, schreibt Rudolf Jordan in seinen Erinnerungen. In den [Bahnhofs] Wartesaal, den ich aufsuchte, fiel mir auf, daß mehrere Tische mit diskutierenden Parteigenossen, zum Teil auch mit SA-Abzeichen, besetzt waren. Sie befanden sich in lebhaftem Gespräch. Aus den aufgefangenen Wortfetzen entnahm ich, so Jordan, dass die erregte Unterhaltung den Gauleiter-Wechsel betraf. "Schon bei meinem ersten Gespräch in den Geschäftsräumen - die Gauleitung war in einer Fünf-Zimmer-Wohnung untergebracht - bestätigte sich das Wartesaalerlebnis: eine starke Gruppe von fanatischen Anhängern des scheidenden alten Gauleiters war mit dem in München beschlossenen Wechsel nicht einverstanden. Sie waren mit Paul Hinkler, der den Gau unter schwierigen Verhältnissen aufgebaut hatte und der bei allen kämpferischen Aktionen immer mit vornedran gewesen war, durch dick und dünn gegangen."

Es kam dann zur ersten Begegnung mit dem abberufenen Gauleiter. "Meine einleitenden Sätze unterbrach er barsch und grell: "Sparen sei sich jedes Wort. Er holte tief Atem und schrie nach einer Pause: "Hören Sie zu! … Ich gehe nicht! … Ich bleibe! … Hier an diesem Platze, wo ich stehe …" … "Ihr Weg führt über meine Leiche … Nur einer geht hier aus dem Zimmer … Sie - oder ich!" Ehe ich diese Worte ganz erfaßt hatte, griff Hinkler in die Schublade seines Schreibtisches und stand in einer Entfernung von etwa drei Metern mit einer auf mich gerichteten Pistole wutschnaubend vor Jordan. Dem Gaugeschäftsführer gab dieser dann die Weisung, daß alle in dieser Stunde in der Gauleitung anwesenden Personen zu strengstem Schweigen zu verpflichten seien. (Nach Jordan 22, 23, 25, 28 f.)

Worum ging es Ende 1930 Anfang 1931 in Naumburg? Die NSDAP wächst sich zu einer Partei mit überregionaler Größe aus. Und hierfür besitzt Paul Hinkler nicht die Führungsqualitäten. Von der USchlA (Untersuchungs- und Schlichtungsausschuß, ab 1. Januar 1934 Oberstes Parteigericht der NSDAP) wird seine "Art und Weise" "der Behandlung" "der unterstellten Parteigenossen" heftig kritisiert. Sie veranlasst den Widerruf der "Absetzung des Pg. Uebelhoer wie alle übrigen Maßnahmen in der Ortsgruppe Naumburg" (Hinkler 4.11.1930). Ein in der Geschichte der USchlA höchst seltener Vorgang. Doch die Mahnung reicht nicht. Der Konflikt schwelt weiter. "Der kommissarische Leiter der hiesigen OG", heißt es im Brief an die Reichsleitung der NSDAP vom Dezember 1930, hat "am 4.11.1930 in einer Mitgliederversammlung ein Schreiben des Gaus Halle-Merseburg verlesen, demzufolge Pg. Uebelhoer mit Schimpf und Schande aus der Partei ausgeschlossen wurde." (NSDAP Naumburg, 20.12.1930) Uebelhoer sammelt nun seine Anhänger hinter sich. Selbst seine Schwiegermutter Thekla unterzeichnet neben vielen anderen alten Kämpfern einen Brief an die Reichsleitung der NSDAP in München, der folgende Ankündigung enthält

"Wir sehen uns deshalb veranlasst, eine "Ortsgruppe der anständigen Nationalsozialisten" hier in Naumburg zu gründen, und werden ab diesem Zeitpunkt unsere Mitgliedsbeiträge unmittelbar nach dort abführen." (NSDAP Naumburg 20.12.1930)

Prompt antwortet die Reichsleitung vier Tage später:

"Es ist selbstverständlich ausgeschlossen, dass Sie, wie beabsichtigt ab 1.1.1931 eine "Ortsgruppe der anständigen Nationalsozialisten" in Naumburg gründen." (Uebelhoer 24.12.1930)

Dann war da noch das Scheinproblem der Homosexualität. Ginge es nach dem kommissarischen Ortsgruppenleiter Zwingelberg, soll Parteigenosse Otto Wachsmuth (Salzstraße 1) als Mitglied der Orts-UschlA den Vorsitz übernehmen und den Konflikt zwischen Hinkler und Uebelhoer schlichten. Sogleich gab es hartnäckige Gerüchte, die ihn der Homosexualität verdächtigten, was, so scheint es zumindest, in der NSDAP eine probate Sozialtechnik war, um unbeliebte Parteigenossen zu entfernen. Der Geschenkartikelhändler zieht sich tief enttäuscht von dieser Art des Umgangs zwischen den Parteigenossen zurück.

Bald nach der Übernahme der NSDAP-Gauleitung Halle-Merseburg macht Rudolf Jordan seinen Antrittsbesuch in Naumburg. Am 5. Mai 1931 spricht er auf einer Versammlung der NSDAP-Ortsgruppe zum Thema Der Kampf, der einst die Ketten bricht. Nach der Vorstellung durch Ortsgruppenleiter Georg Gerhard legt er los: Kriegschuldfrage, Massenarbeitslosigkeit und Lage der Landwirtschaft. Deutschland kann allein nicht frei sein.

Wochenzeitung Der Kampf

Es muss Bündnispolitik treiben, erklärt er seinen Parteigenossen. "Jeder Staat, der der Freund Frankreich sei, sei unsere Feind ...."

 

Warum wird man Nationalsozialist?  zurück

Im fortgeschrittenen Stadium, also nach einer längeren Zeit der Sammlung und Ordnung von Informationen zum Thema, entstand die Frage: Was unterscheidet die Biografien der nationalsozialistischen Führer Naumburgs in typischer Weise von anderen Lebenswegen? Welche Besonderheiten weisen sie auf? Welche Zäsuren und Schlüsselerlebnisse finden sich darin?

Alle lehnen den Versailler-Vertrag ab und beklagen den Verlust von Ansehen und Prestige der Weimarer Republik in der europäischen Politik. Von einer Kriegsschuld wollen sie nichts wissen.

„Der Versailler Frieden mit seiner Versklavung des deutschen Volkes steht und fällt mit der Lüge von Deutschlands Kriegsschuld“,

heißt es dazu im Naumburger Wahlaufruf der Deutschnationalen Volkspartei vom 25. November 1924. „Sie niederzukämpfen, ist die Pflicht einer jeden Reichsregierung.“ Ganz ähnlich formuliert es Landgerichtsdirektor Hagen aus Anlass von Hitlers Geburtstag am 20. April 1933 im Schwurgerichtsgebäude von Naumburg so:

„Nach dem unglücklichen Ausgange des Weltkrieges konnten unsere nachfolgenden Reichskanzler zwar nicht auftrumpfen, das verbot sich von selbst, sie hätten jedoch unsere Würde anders betonen müssen. Bei all den Diktaten und Lasten, die wir nach Versailles immer wieder haben auf uns nehmen müssen, hätten unsere Reichskanzler jedesmal wieder erklären müssen: `Wir können nicht und wir wollen nicht, wir weichen nur Eurem Diktat.´ Weiter hätten sie diesen Feinden gegenüber vor allem eisig kühl bleiben müssen. Statt dessen haben sie mit ihnen Feste gefeiert und zum Beispiel in London gemeinsam den `Friedensbecher` getrunken.“ (Potsdam 1933)



Friedrich Karl Freiherr
von
Eberstein (1894-1979),

geboren am 14. Januar 1894 in Halle (Saale), evangelisch-lutherisch, 1913/14 Studium Landwirtschaft an der Universität Halle, Dienst als Kriegsfreiwilliger im Feld-Artillerie-Regiment 75 beziehungsweise Nr. 17 im Felde, als Leutnant der Reserve entlassen, Freikorpskämpfer in Oberschlesien und in Mitteldeutschland, NSDAP Mitglieds-Nummer 15 067 vom 17. August 1925, Mitglied des Reichstages seit 1933, 15. Dezember 1934 bis 31. März 1936 Kreishauptmann von Dresden-Bautzen, 30. Januar 1936 SS-Obergruppengruppenführer (Dienstgrade), 1936-1942 Polizeipräsident von München.

General der Waffen-SS und Gerichtsherr über das KZ Dachau. 1948 lediglich zu einer Geld- und einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Er lernte früh den zehn Jahre jüngeren Reinhard Heydrich kennen. Von 1904 bis 1912 war er Schüler in der königlich-preußischen Kadettenanstalt in Naumburg und Groß-Lichterfelde (bei Berlin). Zwischen 1924 und 1925 führte er (mit) den Frontbann in Naumburg, eine Tarnorganisation der zu jener Zeit verbotenen SA.

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Nationalsozialistisches Denken mündet immer in die Forderung nach Revision der europäischen Verhältnisse.

„Ihr haltet uns nicht! Gebt Raum!“,

sagt Uebelhoer 1941. - Im Aufsatz über Was gebietet der Frontgeist angewendet auf praktische Politik raunt der Deutschnationale Georg Wilhelm Schiele aus der Friedensstraße:

"Wir sind das Volk ohne Raum. Wir sind der Vulkan Europas."

Mit der Lösung dieser politischen Frage verbinden die Nationalsozialisten, wie sie es bereits im Aufruf Hakenkreuz oder Sowjetstern des Völkisch-Sozialen Blocks zum 1. Mai 1924 kundtun, ihre Mission. Sie absorbieren damit den Wählerwillen einer nicht kleinen Gruppe von Bürgern und nutzen die Kolonialbewegung für ihren Aufstieg.

Von den Führungspersönlichkeiten der nationalsozialistischen Bewegung Naumburgs stehen nach dem Ersten Weltkrieg viele im Dienste der Freikorps und / oder nehmen aktiv am Kapp-Putsch teil.

Ob in Vorträgen, Festreden, Parteiversammlungen oder politischen Schulungen, die Dolchstoßlegende scheint bei den Nationalsozialisten omnipräsent zu sein. In die Welt setzte sie Paul Hindenburg (1847-1934) am 18. November 1919 vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Nationalversammlung. Sie erzählt von einem bedrohten Heer, dem die Novemberverbrecher, Streikende, Spartakisten, Pazifisten und Matthias Erzberger in den Rücken gefallen sind. Es hat sich so nicht zugetragen, es ist eine Propagandalüge, die die Tatsachen auf den Kopf stellt, aber den Vorteil hat: Das Heer bleibt im Felde unbesiegt. In Naumburg bildet die Dolchstosslegende zusammen mit der Kriegsschuldlüge die Brücke zwischen Nationasozialisten und Deutschnationalen und Monarchisten.

Auf den moralischen Zustand der Stadtgesellschaft deutet noch ein anderer Umstand, der sehr bemerkenswert: Niemand wagt zu leugnen, falls der Dolchstoß ausgeführt worden wäre, dass es eine moralische Schuld gewesen wäre. Wenn hätte der Stoss getroffen, dass Volk oder die Militärmaschine?

Die Nationalsozialisten sind Gegner der Weimarer Republik und ihrer Erfüllungspolitik. Besonders der Treibriemenhändler (Uebelhoer) versteht sich auf Inszenierungen und stellt seine Feindschaft gegenüber der Demokratie gerne zur Schau. Einmal, 1924 führt er recht öffentlichkeitswirksam zwei Esel mit schwarz-rot-goldenen Rosetten im Ohr und der Aufschrift

Ich Esel trieb immer Erfüllungspolitik

durch die Stadt. Er kam für einige Stunden in die Gefängniszelle. Den politischen Hintergrund bildet der Streit um den Dawesplan - genannt nach dem amerikanischen Bankier und Friedensnobelpreisträger (1925) Charles Gates Dawes (1865-1929) - zur Neuregelung der Reparationsleistungen. Sie SPD stimmt am 27. August 1924 im Reichstag für die Annahme des Planes. Die Nationalsozialisten lehnen ihn als Sklaverei ab.

Ein anders Mal, es ist am Vorabend von Heldengedenktag 1933, ziehen Schüler der STABILA die Hakenkreuzfahne in der ehemaligen Kadettenanstalt (Kösener Straße 50) auf und verbrennen in Anwesenheit des NSDAP-Kreisleiters die Schwarz-Rot-Goldene Fahne. Ein grausiger symbolischer Ausdruck für das Zerstörungswerk an der Weimarer Republik und der Demokratie. So ist es gewollt.

Im Kommunismus und Sozialismus sehen die Rechtskonservativen den Ruin Deutschlands. Ihre Anhänger betrachten sie als Hauptfeinde der guten Deutschen. Im Wahlaufruf der DNVP vom 25. November 1924 heisst es: „So gilt der Kampf vor allem der marxistischen Sozialdemokratie, ihren Helfershelfern und Schleppenträgern.“ Die Nationalsozialisten würden es nicht anders sagen.

Die Exponenten der nationalsozialistischen Bewegung in Naumburg sind in der Regel keine Trittbrettfahrer. Ihre politischen Ziele sind von tief verinnerlichten Überzeugungen getragen. Viele übernahmen lange vor 1933 in der Stadtpolitik verantwortungsvolle Aufgaben.

 

 

Personelle Kontinuität

 - Beispiele -

 

 

Max Albertus

 

Mitunterzeichners des

Briefs an die Reichsleitung

der NSDAP vom

20. Dezember 1930

 

 

später Ortsgruppenführer

Naumburg-Mitte

 

Victor Artes

 

u. a. seit 1919

unbesoldeter Stadtrat, sehr

engagiert in kommunalen

Fragen

 

11. Mai 1933

unbesoldeter

kommissarischer Stadtrat,

Funktionär des NSV

 

 

Karl Forwergk

 

 

 

bereits in der

Ortsgruppe der Deutsch-

Völkischen Partei aktiv

 

Mitglied des

Gemeinderats

1935

 

Paul Kröber

 

27. Februar 1930

unbesoldeter Stadtrat

 

11. Mai 1933

unbesoldeter

kommissarischer Stadtrat

 

 

Otto Lehmann

 

Vertreter der Mieterliste bis

1930, Übertritt zur Fraktion

der NSDAP in der

Stadtverordnetensitzung

am 9. Januar 1930

 

 

Adjutant des Kreisleiters

der NSDAP, ab

27. Mai 1940

NSDAP-Kreisleiter

Naumburg

 

 

Eduard Lisker

 

Kandidat der Mieterliste für

Stadtverordnetenwahl am

25. Juli 1929

 

Wahlvorschlag:

Kampffront

Schwarz-Weiß-Rot zur

Stadtverordnetenwahl am

12. Mai 1933

 

 

Alfred
Goldschmidt

 

Mitbegründer der

Ortsgruppe Deutsch-

Völkischen Freiheitspartei

1923

 

 

Kreisschulamtsleiter der

NSDAP-Kreisleitung

Naumburg

 

Rudolf Müller

 

aktiv in der Deutsch-

Völkischen Partei

(Kassenwart, 1924),

Stadtverordneter der

NSDAP mit Wahlen vom

17. November 1929

 

 

Mitglied des

Gemeinderats

1935

 

Gertrud Paltzo

 

aktives Mitglied der

NSDAP-Ortsgruppe,

mindestens seit 1926

 

 

Führerin der Ortsgruppe

der NS-Frauenschaft

 

Manfred Reckewerth

 

1924 bis 1927 Frontbann-

und SA-Führer,

Aufbauarbeit in der

Naumburger Hitlerjugend

 

 

Gauleiter der HJ Halle-

Merseburg

 

Ernst Rudloff

 

Frühes NSDAP Mitglied;

Stadtverordneter der

NSDAP mit Wahlen vom

17. November 1929

 

 

Stadtverordneter nach

Wahlen vom 12. März

1933

 

Georg Schmidt

 

1930 Stadtrat für die

NSDAP mit Wahlen vom

17.11.1929

 

 

Stadtverordneter mit

Wahlen

vom 12. März 1933

 

Moritz Starke

 

Abgeordneter der DNVP

mit Wahlen vom

17.11.1929

 

 

Mitglied des

Gemeinderats

1935

 

 

Friedrich
Uebelhoer

 

Aufbauarbeit in Ortsgruppe

der Deutsch-Völkischen

Partei und der NSDAP

 

seit 1931 NSDAP-

Kreisleiter,

Reichstagsabgeordneter,

Oberbürgermeister ab

Januar 1934

 

 

Heinrich Hacker

 

Unbesoldter Stadtrat laut Stadtverordnetensitzung 27.2.1930

 

 

NSDAP-Aktivist

 

Die Führer der nationalsozialistischen Bewegung in Naumburg rekrutieren sich nicht aus der Unterschicht. Ihre sozioökonomische Lebenslage ist keinesfalls unterdurchschnittlich. Sie stehen sich, wie man sagt, wirtschaftlich eher besser als die meisten anderen Bürger der Stadt. Sie sind Eigentümer von kleinen Firmen, Geschäftsführer, angesehene Handwerker, Angestellte, Handelsvertreter, Beamte, Rechtsanwälte oder Lehrer. Einige wirken bereits vor 1933 als Stadtverordnete, leisten in den Handwerksinnungen oder in den Ausschüssen der Stadtvertretung eine aktive Arbeit, ergreifen die Initiative bei der Sicherung der Lebensmittel- und Kleiderversorgung für Kleinstkinder oder der Herstellung des Notgeldes und organisieren sich in Mittelstandsvereinigungen. Überdurchschnittlich engagiert sich das Personal der Naumburger Judikative. Richter begünstigen den Aufstieg der NSDAP durch Hakenkreuzurteile [Presse]. Die nationalsozialistische Bewegung in Naumburg entsteht und schöpft ihre Kraft sozusagen aus der Mitte der Gesellschaft. Wer ihre Quellen in einer extremistischen Vereinigung mutmaßte, irrt sich also.

 

Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes

„Heute sehe man, wie ein Geschäft nach dem anderen geschlossen und ein Großgeschäft nach dem anderen aufgemacht werde.“
„Deutsche, kauft deutsche Waren im einheimischen Geschäft.“

(Kampfbund 15.2.1933)

.

Die radikale Mitte organisiert die Aktion Kauft nicht bei Juden!. Ihre Exponenten sind keine Geheimbündler oder politische Exorzisten. Victor Artes ist Kaufmann und verkauft Textilien, Kurt Daßler ist Drogerist, Ernst Flachsbart Rechtsanwalt, Martin Schmidt Nähmaschinen- und Fahrradhändler, Franz Andacht Oberkramermeister und Heinrich Eickmann Kohlehändler.

Im Januar 1932 gründet sich in Naumburg der Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes. Er greift die wirtschaftlichen Sorgen um Absatzmärkte, Umsatz, wirtschaftliche Existenz und übermächtige Konkurrenz auf und verdichtet die Beziehungen der NSDAP zum kaufmännischen Mittelstand. „Das Programm der NSDAP“ erschein ohnehin als „für den Mittelstand zugeschnitten“. Die politische Organisation der Kleinunternehmer, Selbstständigen und Händler formatiert die mit Inflation und Wirtschaftskrise erlebten Ängste und Sorgen zu einer Kampfansage gegen die Warenhäuser, Einheitsgeschäfte und Konsumgesellschaften. Die NSDAP versteht es diese wirtschaftlichen Ambitionen des bedrängten Mittelstandes an die Bewegung zu koppeln und in ihren Kampf gegen die Weimarer Republik - die Systemzeit - einzubinden.

„Hoffnungsfreudig, restlos bereit zum Aufbau und zur Mitarbeit am Deutschen Reich“

 

Just in dem Moment als der Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes sich gründet, taucht die erste Handzeitung der NSDAP-Ortsgruppe auf. "Der Inhalt dieses neuesten Nazi-Geistesproduktes," kommentiert der Volksbote (Zeitz) am 1. Februar 1932, "ist so blöde, dass es um die Druckerschwärze wirklich Schade ist." Unterstützung erhält dieses "Nazi-Käseblättchen" durch Annoncen von: Grünwarenhändler Max Römer (Topfmarkt 13), G. Schramm (Mark 19), Otto Kars (Markt 10), Sanitätshaus Kurt Daßler (Engelgasse 11), Uhrengeschäft Fischer (Herrenstrasse 8), Münzengeschäft Otto Blecher (Steinweg 5), Kolonial- (dann: Feinkost-) händler Wilhelm Siedentopf (Engelgasse 17-18), Butter-Wetzel (Marienstrasse), Möbel-Werdner (Steinweg 19), Malermeister Müller und das Wach-Schliess-Institut W. Schollmeyer. "Das bekannte Nazi-Cafe Furcht darf nicht fehlen." (Volksbote 1.2.1932) Ehrbare Kaufleute und Geschäftsleute unterstützen offen die Nazis. Ein, zwei von ihnen mögen eher zufällig reingerutscht sein. Die anderen aber sind als radikale Mitte lange bekannt. Kurt Daßler dann als Kreisführer des Winterhilfswerkes sowieso. Oder Max Römer: Er stellte der SA seinen Lastkraftwagen für Einsätze übers Land zur Verfügung. Zusammen mit dem Sohn des Polizeibeamten Neumann leitet der Grünwarenhändler am 8. Juli 1932 den Überfall auf den Konsum in der Spechartsiedlung.

.

begrüßen Handwerker und Gewerbetreibende den Aufruf der am 30. Januar gebildeten neuen Regierung. (Kampfbund 15.2.1933)

Freilich dürfen sie nun hoffen, dass gegen die jüdischen Kaufhaus- und Geschäftsbesitzer sowie Konsumgesellschaften vorgegangen, also der Markt mit politischen Mitteln zu ihren Gunsten segmentiert wird. Deshalb ist für sie der 30. Januar 1933 ein

Tag der Hoffnung.

Nahezu alle Exponenten der nationalsozialistischen Bewegung in Naumburg waren beruflich gut bis ausgezeichnet qualifiziert, verfügen über einen Berufsabschluss oder eine akademische Ausbildung. Sie sind intelligent. Rückblickend kann man Menschen die rassistische Anschauungen vertreten, Juden vernichten, Andersdenkende verfolgen und im politischen Kampf zum Mittel der Konzentrationslager greifen, nicht als kulturvoll und sozial intelligent attributieren. Aber damals empfinden viele Bürger ihr öffentliches Auftreten und Erscheinungsbild als ansprechend und kultiviert.

Die Exponenten werden nicht Nationalsozialisten, weil es ihnen wirtschaftlich schlecht geht oder weil sie unterprivilegiert sind, sondern aus politischen Grundüberzeugungen. Ein wichtige Rolle spielt dabei die ideologische Widerspiegelung der Kriegsereignisse, Novemberrevolution, des Versailler Vertrages oder Dawesplans. Typisch hierfür wie Kreispropagandaleiter Lehrer Walter Schieke in seiner Rede im Ratskellersaal von Naumburg im März 1935 dies nachzeichnet:

„Wir lebten in einem glücklichen Kaiserreich, gingen in den großen Krieg, in dem wir alle Schlachten siegreich gestalteten. Dennoch verloren wir den Krieg und erlebten den größten Zusammenbruch, nicht nur materiell, sondern auch seelisch.“ (Der Kreisleiter)

Nach 1945 geben die Naumburger bei der Entnazifizierung ihre Gründe für den Beitritt zur NSDAP an. Es sind aber deutlich andere, als wir sie bei den Exponenten der Bewegung kennen lernten. Zum Beispiel:

„Ich trat im Jahre 1930 in die NSDAP ein,“ schreibt der ehemalige Gärtner der NAPOLA Wilhelm Blanz aus der Jakobsstraße 32 im Fragebogen der Entnazifizierungskommission am 3. März 1948, „weil ich glaubte, daß es richtig war. Ich war überzeugter Nationalsozialist bis zum Ausbruch des Krieges.“ (Blanz)

Glasermeister August Kurt Wahlbuhl aus der Kleinen Mariengasse 3 teilt der Entnazifizierungskommission am 7. Mai 1946 mit, er sei „aus geschäftlichen Gründen der NSDAP beigetreten“. (Wahlbuhl)

„Ich wurde im Jahre 1932 Mitglied der NSDAP. aus Überzeugung, weil ich glaubte, dadurch die sozialen Belange für das Volk politisch richtig vertreten zu können“, begründet Charlotte Blume, geboren 17. Oktober 1903, jetzt Raschstraße 6, ehemalige Juristin beim Regierungspräsidium, der Entnazifizierungskommission 1948 ihren Beitritt zur Nazipartei. (Blume)

Johanna Blecher, geboren 1. April 1888, Grochlitzer Straße 54, tut der Kommission (Hollbach, Tittelbach, Heinzen u. a.) am 2. März 1948 kund: „Im Jahr 193X [letzte Ziffer unlesbar] wurde ich Mitglied der NSDAP., weil ich glaubte, daß durch die NSDAP. die trostlosen Zustände beseitigt werden könnten.“ (Blecher)

Erich Burkhardt vom Reußenplatz 20 erinnert sich vor der Entnazifizierungskommission so: „Auf Grund meiner Erwerbslosigkeit arbeitete ich 1933 ehrenamtlich bei der NSV. Um dort hauptamtlich angestellt zu werden, trat ich 1933 in die NSDAP ein.“ (Erich Burkhardt)

Heinrich Fritze von Bau-Unternehmung Leuna, Hoch-, Tief und Eisenbetonbau wendet sich am 4. Juni 1946 an den Antifaschistischen Ausschuss in Naumburg. Sein Ersuchen nach Entlastung hatte dieser bereits abgelehnt. Er versucht ihn noch mal mit der Darlegung folgender Beweggründe umzustimmen: „Da ich selbst z. Zt. [zur Zeit] arbeitslos war und die Absicht hatte, eine Familie zu gründen, war ich damals gezwungen, in die NSDAP einzutreten. Ich habe mich jedoch nie in irgendeiner Weise für die Partei eingesetzt ...“

"Mein Eintritt in die NSDAP erfolgte rein freiwillig im Jahre 1933, am 1. Mai, in vollem Vertrauen auf die Worte Adolf Hitlers, der uns Arbeit, Freiheit und Brot garantierte. Ausserdem aus dem Grunde heraus, weil Hindenburg an Hitler an die Regierung verhalf und Hindenburg mir persönlich als Garant galt." Diese Auskunft erteilt der praktische Arzt Dr. med. Erich Blenkle aus Bad Kösen, Karl-Marx-Straße 17, am 27. Mai 1946 auf der Ortspolizeibehörde in Bad Kösen. (Blenkle)

Als Lehrer an der Staatlichen Hochschule Handwerk und Baukunst in Weimar war Walter Hege am 1. November 1930 zur Hitler-Partei gestoßen. "Ich war auf Druck meines Dienstvorgesetzten" der NSDAP beigetreten und war als "unzuverlässiger Kommunist" verrufen, schreibt er am 21. Juni 1946 an das Landesamt für Volksbildung in Weimar. (Hege)

"Als Leiter einer privaten höheren Lehranstalt sah ich mich auf wiederholtes Drängen meines damaligen Arbeitgebers wegen unmittelbarer Bedrohung meiner Existenz in die Partei genötigt", begründet am 1. August 1945 Studienrat Erich Thienemann, geboren am 28. Juli 1884 in Magdeburg, im Fragebogen MILITARY GOUVERNMENT OF GERMANY seinen Eintritt in die NSDAP.

Diese Erklärungen regen an über die Zwänge der Ökonomie und wirtschaftlichen Interessenlagen nachzudenken.

Hannah Arendt (1906-1975) charakterisiert totalitäre Herrschaft nicht schlechthin als die Diktatur, die „bestimmte Freiheiten beschneidet oder beseitigt“, sondern ihr Wesen besteht „einzig darin“, sagt sie, „dass der Raum des Handelns, und dies allein ist die Wirklichkeit der Freiheit, verschwindet“. „Das Wesen totalitärer Herrschaft in diesem Sinne ist der Terror, der aber nicht nach den Regeln des Machthungers eines Einzelnen (wie in der Tyrannis), sondern in Übereinstimmung mit außermenschlichen Prozessen und ihren natürlichen oder geschichtlichen Gesetzen vollzogen wird.“ (Arendt 1986, 710, 711)

Aus Naumburger Sicht lassen sich folgende ökonomische Ursachen Interessenlagen bei der Entfaltung der nationalsozialistische Bewegung darstellen:

Erstens. Inflation (1923) und Wirtschaftskrise (1929/32) zerstören die Lebensentwürfe vieler Bürger, verursachen Existenzunsicherheit und Armut. Damit entsteht der soziale Nährboden für eine militante und aggressive Politik. „Soziale willkürliche Entlassung, willkürliche Stilllegung oder ihre Androhung“, schreibt Eugen Kogon, „können auf den schuldlos wirtschaftlich Ungesicherten nicht weniger vernichtend einwirken als einige der Terrormaßnahmen einer politischen Diktatur, und sie haben es in der Geschichte oft genug getan.“ (Kogon 11)

Zweitens. Besonders in den Ambitionen des Kampfbundes des gewerblichen Mittelstandes äussert sich die Angst vor dem Rückgang der Aufträge, wie ihn der kleingewerbliche Mittelstand dramatisch in der Krise 1929/33 erlebte. In der Rationalisierung und den Tendenzen der sektoralen Preisgestaltung, etwa durch Kaufhäuser und Konsumvereine, sehen sie eine Bedrohung ihrer Existenz. Er fürchtet außerdem die fortschreitende wirtschaftliche Konzentration der Produktion und des Handels. Mit einer Revanchepolitik und der nationalen Auferstehung sehnen die Mitglieder des Kampfbundes die Revitalisierung von Naumburg als Garnisonsstadt herbei. Davon erhoffen sie sich Aufträge, eine wirtschaftliche Belebung und soziale Sicherheit.

Drittens. Unternehmer wie Heinrich Sieling oder Rudolf Schotte geben mit ihrer Unterstützung der nationalsozialistischen Bewegung im kommunalen Raum eine Beispielwirkung mit dem sanften Zwang zur Nachahmung.

Viertens. Einige, die genauere Zahl lässt sich nicht sicher schätzen, Selbständige, Ladenbesitzer, Händler, organisieren sich Ende 1932 im Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes und begeben sich damit auf das politische Hoheitsgebiet der NSDAP. Ebenso unterstützt der Naumburger Haus- und Grundbesitzervereins seit seiner Gründung den Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes.

Fünftens. Die Aktivitäten NSDAP-Ortsgruppe sind mit überregionalen Aktivitäten der Bewegung abgestimmt und werden von wirtschaftlich potenten Persönlichkeiten unterstützt.

Die sozialen und ökonomischen Ursachen für den Aufstieg des Nationalsozialismus kann man überhaupt nicht übersehen. Natürlich fordert dessen Überwindung die Demokratie als politische Herrschaftsform. Doch ist dies nicht das Ganze. Denn mit der Herrschaft des Nationalsozialismus bezeichnen wir nicht schlechthin eine bestimmte Struktur, Funktion oder Verhalten eines Systems von Institutionen, sondern sie umfasst ebenso hierfür typische ökonomische, kulturelle und rechtliche Lebensformen. Theodor Adorno (1903-1969) deutet in einer Sendung des Hessischen Rundfunks vom 18. April 1966 auf das Problem hin, wenn er fragt:

„Wie ist eine Erziehung nach Auschwitz
überhaupt noch möglich?“

Wie -, wenn in der Zivilisation selbst die Barbarei angelegt ist, fragt der Philosoph. Solange wir also einen Begriff von Demokratie und Gesellschaft leben, der sich gegenüber den vitalen Interessen der Teilhabe an Erwerbsmöglichkeiten, Bildung und dem Leben in einer gesunden natürlichen Umwelt großer Menschengruppen in der einen oder anderen Weise praktisch gleichgültig verhält, ist die Frage der Erziehung nach Auschwitz bis heute nicht schlüssig beantwortet. Solange wir uns um die Antwort mühen, das heißt nicht selbstgefällig den einzelnen Schritt für das Ganze nehmen, besteht Hoffnung auf eine Zivilisation ohne Barbarei.

 

Die braunen Kolonnen des Führers  zurück

SA marschiert,
Bauernweg 1937

Die Geschichte der Sturmabteilung (SA) beginnt in Naumburg 1923 mit dem Frontbann. Ihn organisieren Wolf-Heinrich Graf von Helldorf (Wohlmirstedt), Friedrich Karl Freiherr von Eberstein und Heinrich Hacker (Naumburg). Adlige wirken am Aufbau der NSDAP-Armee mit. Hervorstechend ist weiter der jugendliche Charakter dieser Formation. Ebenso unübersehbar, der hohe Anteil von Arbeitslosen.

Unter Führung von Paul Hinkler bildet sich zwei Jahre später der Kampfverband Gau Halle-Merseburg. Die Abteilung besteht aus einer Naumburger-Freyburger- und Zeitzer-Einheit mit je zwanzig bis dreißig Mann.

Das SA-Rudel Müller präsentiert sich zum Reichsparteitag der NSDAP 1926 in Weimar. Vier Jahre später gibt SA-Führer Rudolf Müller, Unterm Georgenberg 3, geboren am 13. März 1867, Vater von vier Kinder (1931), die Führung des Sturms ab, spielt aber in dieser paramilitärischen Organisation weiterhin eine Schlüsselrolle. Möglicherweise tritt er in den Hintergrund, weil der Beschluss des Preußischen Staatsministeriums vom 25. Juni 1930 den Beamten die Mitarbeit in der KPD und NSDAP untersagte.

Um 1930 nimmt die SA-Bewegung im Raum Naumburg weiteren Aufschwung.

Die Motive für die Mitarbeit bei der SA sind unterschiedlich. Als in Kannawurf, nördlich von Sömmerda gelegen, 30 Prozent der SA-Mitglieder mit der Begründung austreten, dass sie die Beiträge nicht mehr aufbringen konnten, stellt der Lagebericht der Staatspolizeistelle Halle für Oktober 1934 dazu fest:

„Es hat vielmehr den Anschein, daß die fraglichen Personen seinerzeit nur deshalb in die SA eingetreten sind, um ihre Arbeitsplätze zu erhalten …“ (Stapo 1933e, 215)

Am 11. Juni 1930 verbietet der preußische Innenminister der SA das Tragen von Uniformen bei Versammlungen unter freiem Himmel. Daraufhin marschieren sie in weißen statt in braunen Hemden durch die Naumburger Straßen.

Aufmarsch der Weiss-Hemden

Ecke Markt / Jakobsstraße
(Naumburg)

 

 

Im November 1931 fordern die Länder von Reichsinnenminister Wilhelm Groener (1867-1939) Maßnahmen gegen die Bürgerkriegsgefahr. Sie wollten zunächst einer Wiederauflage des erst im April in Preußen aufgehoben Uniformverbots. In der Chefbesprechung vom 7. Dezember 1931 erklärt Wilhelm Groener, "das er gern bereit" sei ein allgemeines Uniformverbot zu erlassen, was am nächsten Tag erfolgt, sich aber weitgehend als unwirksam erwies. Es ruft die Länder erneut auf den Plan.

Die Notverordnung des Reichspräsidenten vom 13. April 1932 zur Sicherung der Staatsautorität verbietet sämtliche Organisationen der NSDAP, insbesondere die SA, SS und ihr angeschlossenen Verbände. Das bringt, urteilt Carl von Ossietzky (1932) in der Weltbühne, die Deutsche Republik dem Wesen des Rechtsstaates ein Stück näher.

Am 12. April 1932 schlägt mitten in die Versammlung der Naumburger-NSDAP die Nachricht auf: SA und SS verboten. Man zeigt sich davon ziemlich unberührt, als wüsste man es bereist, dass Franz von Papen es schon bald wider aufhehen würde. Zum Schluss der Versammlung, abgehalten zur Vorbereitung der Landtagswahlen von Preusen am 24. April, erklingt wie immer das Hort-Wessel-Lied: "SA. marschiert! Die Knechtschaft dauert nur noch kurze Zelt."

Bis 1934 verändert die SA in der Region Merseburg ständig ihren inneren Aufbau. 1929 erfolgt in Mitteldeutschland die Vereinigung der einzelnen Einheiten zur Standarte IV (Halle). Sie umfasst in etwa den Gau Halle-Merseburg. Mit dem weiteren Anwachsen der SA-Bewegung teilt sich diese wieder in die Standarte VIII und XIII. Die Naumburger Kämpfer gehören zur Standarte VIII unter Führung von Standartenführer Hahn mit Sitz in Zeitz. In der Standarte XIII organisieren sich die Sturmleute aus den Kreisen Merseburg, Eckartsberga und Querfurt. 1931 erfolgt die Zusammenlegung der dieser beiden Formationen (VIII + XIII) zur Standarte IV. Standartenführer Schlange unterstehen der Sturmbann I: Naumburg (Sturmführer Engelmann), Sturmbann II: Querfurth, Sturmbann III: Merseburg, und Sturmbann IV: Weissenfels.

Unter dem Kommando von Kaufmann Gustav Weidlich SA Standarte I/1 stehen etwa 60 bis 70 Mann. Im Februar 1931 tritt Fritz Polz als Kommandeur an. Ein Jahr darauf erfolgt die Restrukturierung der SA in Standarte J 4 (Naumburg, Karl Kontzack, Domplatz 14), J 19 (Merseburg, Standartenführer Engelmann) und J 21 (Weißenfels, Standartenführer Schulz). Über J 4 übernimmt am 1. März 1934 Konrad Duval (Spechsart 3) das Kommando.

 

 

Soziale Herkunft der SA-Mitglieder in Naumburg
Stand: 1. Januar 1931 
zurück

 

Land-
wirte
Handwerker
kaufmännische Angestellte
Industrie-
arbeiter
Land-
arbeiter
Angestellte, sonstige Berufe



    
0
20 %
20 %
40 %
 
20%


Quelle: Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg

Anmerkung: Dies sind offensichtlich geschätzte Werte.

 

 

Vom Parteihaus am Bismarckplatz 4 (Reichskrone) leitet Obersturmbannführer Franz Schröder ab Mitte der 30er Jahre den Sturmbann I / J 4. Ihre Geschäftsstelle befindet sich in der Burgstraße 23a.

Mit dem 25. April 1937 wird Naumburg wieder Sitz der Standarte J 4. Sie war vorher für fast zwei Jahre in Sondershausen zu Hause. Standartenführer Geseke übernimmt die Fahne aus den Händen von Brigadeführer Albert Heinz (geboren 16. Dezember 1896 in Halberstadt).

 


Altersstruktur der SA-Mitglieder in Naumburg
Stand: 1. Januar 1931
bis 20 Jahre
20 bis 30 Jahre
30 bis 40 Jahre
über 40 Jahre
30 %
50 %
15 %
5 %


Quelle: Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg

Anmerkung: Das sind offensichtlich geschätzte Zahlen.

 

 

Der Auftrag und das Ziel der SA tritt bei der Saalschlacht von Almrich (1930), dem Überfall auf die SPD-Versammlung in Freyburg (1930) und dem Sturm auf den Konsum (1931/32) deutlich zutage.

"Die Mordlust der Naumburger Nationalsozialisten ist mit den Überfällen und Sturmangriffen auf Arbeiterheime noch nicht zufrieden gestellt", erhebt der Volksbote (Zeitz) am 16. Juli 1932 warnend seine Stimme. "Der am Sonnabend, den 9. Juli durch die Wachsamkeit der [Naumburger] Reichbannerkameraden und das schnelle Eingreifen der Merseburger Schutzpolizei vereitelte Angriff [auf den Spechsart-Konsum in Naumburg] liegt dem Mordgesindel schwer im Magen. Aus zuverlässiger Quelle ist uns die einwandfreie Tatsache bekannt geworden, dass ein neuer Angriff in Naumburg organisiert ist. Nicht nur die Naumburger SA und SS ist für diese Aktion in Aussicht genommen, sondern es werden nach der uns gewordenen zuverlässigen Mitteilung sämtliche Ortsgruppen der näheren Umgebung Naumburgs zum Miteingreifen zur Alarmbereitschaft bereit gehalten." (SA 16.7.1932)

Der Volksbote aus Zeitz verfügt über ein phänomenales Gedächtnis. Seit vielen Jahren sammeln seine Redakteure und ehrenamtlichen Korrespondenten Informationen über Stadtverordnetensitzungen, Kulturveranstaltungen, Gerichtsprozesse, Parteiversammlungen, die regionale Wirtschaft und alle sonstigen interessanten Ereignisse in der Region Zeitz-Weissenfels-Naumburg. In einer klaren und lebendigen politischen Sprache entstehen Berichte, Kommentare und Analysen, die besonders die Interessen der Lohnabhängigen und kleinen Angestellten zur Geltung bringen. Unter dem Titel Sturmbewegte Tage veröffentlicht die Zeitung am 13. Juli 1932 über die Tätigkeit der SA (Sturmabteilung) in der Region Naumburg ihre Bilanz:

"Seit Jahr und Tag sind Ueberfälle, Versammlungssprengungen, Saalschlachten und der gemeinste Mordterror [durch die "braunen Mordhorden"] an der Tagesordnung. Für eine Linsengericht und die braune Morduniform hat sich der Abschaum der Menschheit als Terror- und Mordgarde anwerben lassen.

So finden wir in der SA. und SS. bekannte Einbrecher, gewerbsmässige Diebe, Zuhälter und Hehler, kurz: den Abschaum der Menschheit. Heute scheuen sich die Nutzniesser der Republik, die mit dem blauen Brief abgeschobenen Generäle, Offiziere und das sonstige national eingestellte Bürgertum nicht, sich mit jenem Gesindel an einen Tisch zu setzen."

Nach der Machtergreifung brüstet sich die NSDAP mit dem politischen Vandalismus der SA. In einer öffentlichen Rückschau heisst es 1937:

"Mit Vorliebe wurden die Versammlungen der KPD. besucht und gestört, nicht nur in Naumburg, sondern auch in den umliegenden Orten."

 

SA-Aufbau in Naumburg (Saale) - hier

 

"Die SA bleibt Wegbereiter des Nationalsozialismus"! (SA 1935) Im Gegensatz hierzu begreift das ehemalige SA-Mitglied Kurt Niederhausen (Naumburg, Mägdestieg 5 II) im Rahmen der Entnazifizierung seine Aktivitäten gänzlich unpolitisch, wenn er angibt:

"Ich habe stets nur nach den Grundsätzen der Anständigkeit gegen Jedermann gelebt, die aber mit Politik nichts zu tun hatten. Auch im SA Sturm wurde uns nur gelehrt, und die Achtung der Bevölkerung durch vorbildliche Anständigkeit zu erwerben. Ich habe in der SA wohl auf Grund einer ehrlichen und wirklich guten Kameradschaft meine Pflicht getan, die aber mit Politik nichts zu tun hatte."

In der Naumburger Region ist die Sturmabteilung der NSDAP als Netzwerk ausgebildet (siehe SA1 bis SA31). In Klosterhäßler existiert ein Sturm unter Führung von August von Haessle. In Burghässler befiehlt Sturmhauptführer Hensel [oder Hänsel?], in Möllern Sturmhauptführer Karl Zeppertz, in Bad Kösen Sturmhauptführer Max Törpsch und in Auerstedt Obertruppführer H. Even.

Die SA war nicht nur ein Ordnungs- und Schlägertrupp der NSDAP, die gegen die Linke-Bewegung der Stadt auftrat und kämpfte. An ihr partizipierten ebenso andere politische Kräfte, wie etwa die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) im Landtagswahlkampf Frühjahr 1932. Es ist eine Wahllüge, stellt Doktor Wolfgang Schöbel (Lorbeerbaum-Apotheke, Herrenstraße 2) vom DNVP-Kreisverein Naumburg in der Versammlung am 20. April 1932 klar, wenn gesagt wird, DNVP-Minister hätten sich in einigen Ländern für das Verbot der SA und SS eingesetzt.

Bald nach dem sogenannten "Röhm-Putsch" Ende Juni vermittelt die NSDAP-Propaganda der Öffentlichkeit das Ideal des braven SA-Mannes. In der Zeitung sieht man jetzt Fotos wie Honigkuchenmänner mit ihren Kumpanen einen Handwagen zur Altstoff-Sammelstelle ziehen. Darüber der Text: "SA - sammelt - Altpapier! So klang es [am 12. Februar 1938] als Schlachtruf im Sprechchor in allen Strassen unserer Stadt". (SA 14.2.38) - Dann wieder zeigen Fotos wie sie in sinnlicher Pose einträchtig mit den Wehrmachtssoldaten zusammen sitzen und ihre Erbsensuppe aus der Feldküche löffeln. Dann und wann betteln sie mit der Büchse in der Hand um Spenden für das WHW (Winterhilfswerk). Oder sie üben wie 1934 in Plennschütz und Plotha mit 400 Kameraden des SA Sturms I/ J 21die Bergung eines südlich vom Dechantenholz bei Prittwitz notgelandeten Flugzeuges. Jeder soll sehen: Sie sind jetzt nicht mehr die Schläger- und Randaleabteilung der NSDAP. Hüter und Wächter an der Volksgemeinschaft wollen sie sein. Mit der einstigen Zerrissenheit des Volkes muss endlich Schluss sein. Darüber wollen sie jetzt wachen. Sie führen sozusagen jetzt die politisch-moralische Oberaufsicht über die Stadt.

Dann passiert es: Kurt Gutgesell (Jahrgang 1908) versteckt auf dem Hausgrundstück Moritzstrasse 25 unter einer im Hausflur stehenden Drehrolle Pakete folgende kommunistische Schriften: elf Broschüren Kunst und Wissenschaft im neuen Deutschland, ein Exemplar Der Bolschewist, vierzehn Bücher für Betriebsratsmitglieder der Eisenbahn und das Buch Die Sowjetunion.

Als die alten Kämpfer davon erfahren, bringt sie das in Rage. Am 17. November 1933 meldet SA-Sturmführer Staps dem Oberbürgermeister den Vorgang. Zwei Tage später erlässt das Amtsgericht Naumburg gegen Kurt Gutgesell einen Haftbefehl. Der Oberstaatsanwalt wirft ihm in der Anklageschrift vom 3. Dezember 1933 vor, er habe versucht

"den organisatorischen Zusammenhalt einer anderen politischen Partei als der NSDAP aufrecht zu erhalten".

Vom 9. Mai 1934 bis 9. Februar 1936 sitzt der Schlosser im Gefängnis Merseburg ein. Und in der Moritzstrasse 25 wartet seine Frau mit dem dreijährigen Kind auf ihn.

 

 

Kampf um die kulturelle Hegemonie   zurück

Es begann mit dem Beschluss der Stadtverordnetensitzung vom 28. Mai 1928. Er sieht vor im Markt 12 eine Bibliothek mit Lesehalle einzurichten. Doch die Sache verzögert sich etwas. Erst findet in den Räumen noch die Ausstellung Naumburg im Wandel der Jahrhunderte statt. Dann kommt das Projekt in Gang. Bald schon argwöhnt der Stahlhelm über die inhaltliche Ausrichtung der Stadtbibliothek. Ein kleiner Kreis privater Leute attakiert ihre Tätigkeit mit ideologischen Angriffen. Gerüchte kreisen, etwa das der Bibliotheksleiter die Anschaffung sozialistischer Literatur bevorzugt, was dann aber doch nicht so sein soll. Als Oberleutnant a. D. Heinrich Hacker am 10. Januar 1930 die Führung der NSDAP-Fraktion übernimmt, verschärfen sich die Konflikte.

 

Ende Januar 1930 gehören dem Bücherei- und Lesehallenausschuss an:

Hacker (NSDAP), Fotograf Classen (DNVP), Lehrer Blüthgen (SPD) und die stimmfähigen Bürger Kurt Zschernitz (Vaterländische Arbeitsgemeinschaft), Rechnungsrevisor am Oberlandesgericht, Lehrer Dr. Lemcke und Lehrer Schumann.

Monate später ändert sich die Zusammensetzung des Gremiums wie folgt: Vorsitzender: Oberbürgermeister Arthur Dietrich, Stellvertreter: Stadtrat Artes (NSDAP) und die Mitglieder: Classen (DNVP), Hacker (NSDAP), Blüthgen (SPD). Als stimmfähige Bürger arbeiten mit: Walter Fieker (KPD), Friedrich Uebelhoer (NSDAP) und Otto Selig.

Am 26. November 1931 wählen die Stadtverordneten unter Protest von SPD und KPD einen neuen Verwaltungsausschuss für die Stadtbücherei (Friedrich Banse, Haus- und Grundbesitzer, Kurt Zschernitz, DNVP, Ernst Hochstein, DNVP, Walter Schmöller, NSDAP, und als Vertreter der stimmfähigen Bürger: Friedrich Uebelhoer, NSDAP).

 

Obwohl der Ausschuss doch die Arbeit des Bibliotheksleiters unterstützen soll, bremst er ihn aus. Irgendwann im Frühjahr 1930 verfügt der Bücherei- und Lesehallenausschuss, dass jedes zur Anschaffung vorgeschlagene Buch zur Genehmigung vorgelegt werden muss. Vor der Ausleihe ist das neue Buch ebenfalls dem Ausschuss vorzulegen. - Das verzögert ausserdem die Bezahlung der Rechnungen.

Noch immer sind in der Stadtbücherei manche Wissensgebiete nur schwach oder überhaupt nicht vertreten. Noch immer fehlt eine systematisch geordnete Bücherkartei. Im Sommer 1930 reoganisiert der Leiter die Registratur. Nach Abschluss der Arbeit steigt die Zahl der Leser weiter an. Endlich kann sich Naumburg über seine Stadtbibliothek freuen. Doch die eigenartigste Anerkennung der Arbeit lobt der Bücherei- und Lesesausschuss aus, als er im Herbst eine Neuausschreibung der Stellen durchsetzt. Angeblich war der Leiter der Bibliothek Doppelverdiener. Wahrscheinlich verlor er wegen Mitgliedschaft in einer republikanischen Partei seine Stelle. "Ihre Arbeit mag sehr gut sein, aber wir haben die Macht und wollen von ihr Gebrauch machen!", tröstet NSDAP-Fraktionsführer Heinrich Hacker den Betroffenen. Ein Vorgeschmack darauf, was die Beamten und Angestellten der öffentlichen Verwaltung und Betriebe unter Führung der NSDAP erwartet: Klientelwirtschaft. Bei den Abgeordneten der Arbeiterparteien stösst dies alles auf Protest und Widerspruch.

Die Einrichtung muss schliessen. Immerhin können die Leser eine Fahrbücherei in Anspruch nehmen. Am 9. April 1931 erfolgt die Neueröffnung der Stadtbibliothek. Für weitere Verstörung bei der Opposition sorgt, dass der Sohn von Herrn Heinrich Hacker (NSDAP) - wenn auch nur vorübergehend - für den Posten des Leiters ins Gespräch kommt. Dann setzt der Ausschuss eine weitere Eigentümlichkeit durch: Die Auslage der Zeitungen soll dem Parteienproporz in der Stadtverordnetenversammlung entsprechen. Damit erhalten die Deutschnationalen sechs, die Nationalsozialisten und Sozialdemokraten jeweils fünf, die Mittelstandspartei vier, Deutsche Volkspartei und Haus- und Grundbesitzer Verein jeweils drei Zeitungen nach ihrer Wahl. Die politische Bildung gerät in die Fänge der Parteienwirtschaft. "Auf keinem Gebiet wirkt sich der Rechtskurs im Naumburger Stadtparlament in so verhängnisvoller Weise aus wie auf Kulturpolitischen", urteilt der Volksbote (Zeitz) im Mai 1931.

Eine weitere Front im Kampf um die kulturelle Hegemonie eröffnet die NSDAP in der Schulpolitik. 1930 setzt sich der Nationalsozialistische Schülerbund (NSS) mit den Protagonisten Arno Rost (Weimar / Naumburg), Karl Willemer (Naumburg), Martin Moehring (Naumburg), Fips Jahn und Rudi York in einigen Schulen fest. Im Winter-Frühjahr 1929/30 bricht die NSDAP-Ortsgruppe als Kraft der Freiheit recht öffentlichkeitswirksam einen Kulturkampf los. Sie inszeniert sich als Bastion des Widerstandes gegen den dekadenten und zersetzenden moralischen Einfluss der jüdisch-marxistischen Jugendbewegung. Bei den Deutschnationalen findet das grossen Anklang.

 

 

Konsolidierung und Aufschwung  zurück

Hotel Leichter Wagner
Große Jakobsstraße 34

In der Mitte der zwanziger Jahre lässt sich die Geschäftsführung der NSDAP-Ortsgruppe im Gasthaus zum leichten Wagner (Inhaber Anton Oberländer, Große Jakobsstraße 34, Stadtplan) nieder. Hier treffen sich Mitglieder, Anhänger und die alten Kämpfer der SA. Pfingstsonnabend 1930 bechert man hier fröhlich mit den Wehrwölfen. Die Produktion von Geselligkeit als lustvolle Form und alltägliche Vergellschaftung (sprich Vernetzung) von Ideen und Personen, ist in seiner positiven Wirkung nicht zu unterschätzen. Aber die eigentliche Aufgabe der NSDAP-Geschäftsstelle ist eine andere: Sie ist das Auffangbecken, der Treffpunkt und das Organisationszentrum der antirepublikanischen Kräfte in Naumburg.

Im Frühjahr 1931 bezieht die NSDAP-Ortsgruppe Naumburg ihre neue Geschäftsstelle in der Großen Wenzelsstrasse 39. Sie besteht aus fünf hintereinander liegenden Zimmern. Vorher befanden sich hier die Ausstellungsräume einer Möbelhandlung. In Eigenleistung legte man elektrisch Licht und renovierte die Räume. An den Wänden hängen Bilder von Adolf Hitler. In den Geschäftsräumen finden die Sitzungen der Funktionäre und Zellobleute statt. Tagsüber tummeln sich hier auch die Arbeitslosen aus der Bewegung und spielen Skat. Manche lesen hier regelmässig die Zeitung, nicht, versteht sich, den Klassenkampf der KPD-Bezirksorganisation Halle, sondern den Völkischen Beobachter! Eine großes schwarzes Brett, mit Zetteln gespickt, informiert über Veranstaltungen der Partei in Naumburg und Umgebung. In einem anderen Raum hält man Militärbetten für übernachtende Parteigenossen bereit.

 


 

Programm der NSDAP Naumburg
zur Provinzial- und Stadtverordnetenwahl
am 17. November 1929

Unsere Stadtverordneten handeln nach folgenden Gesichtspunkten:

Der Haushaltsplan wird nach der Tragbarkeit aufgestellt. Die Ausgaben werden auf das äußerste beschränkt. Keine Schulden! Jede neue Anleihe wird abgelehnt.

Schärfste Stellungnahme gegen Konsumvereine und Kaufhäuser. (Sondersteuern!)

Keine Bewilligung von Steuern, die nur die Massen belasten.

Ablehnung jeglicher Festessen, Feiern und Repräsentationsausgaben durch den Magistrat, solange das Volk in Not ist.

Wir fordern ein anständiges, sauberes Berufsbeamtentum.

Festsetzung auskömmlicher Gehälter und Löhne der Magistratsbeamten und Arbeiter …

Zum Schutz der Gewerbetreibenden werden städtische Betriebe, die nicht der Bedarfswirtschaft der Stadt dienen, abgelehnt.

Förderung des Wohnungsbaus und sanitärer Einrichtungen mit allen Mitteln.

Abbau unproduktiver Ausgaben zur Verbesserung der Lebenslage besonders der Kriegsgeschädigten und erwerbseingeschränkten Personen.

Kostenlose Benutzung städtischer Einrichtungen für diese Personen.

Zur Behebung der Arbeitslosigkeit legt der Magistrat ein umfassendes Programm von Notstandsarbeiten vor.

Weitgehender Schutz der inflationsgeschädigten Pensionäre.

Aufbringung besonderer Mittel für den Säuglings- und Mutterschutz.

Überlassung von geeignetem Gelände für Spiel und Sport.

Rücksichtslose Bekämpfung der pestilenzartigen jüdischen Aufklärung und jüdischen Schmutzes in der Volksbildung und Kunst usw.

Der Verschandelung des Stadtbildes mit undeutschen anthroposophischen und marxistischen Figuren und Malereien wird ein Ende gesetzt.

Entfernung von bolschewistischen Lehrkräften an den Schulen.

Zensur der Stadtbibliothek. Eindämmung jeglichen Einflusses von jüdischen Autoren.

Systematische Pflege des Heimatgedankens.

Unbedingter Schutz des wohlerworbenen Privateigentums.

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei Deutschland, Liste 18.

(Nach NSDAP 1929)

 

 

 

Stadtverordnetenwahlen am 17. November 1929

Den Einzug von fünf NSDAP-Abgeordneten (Hacker, Müller, Georg Schmidt, Schmöller, Rudloff) am 10. Januar 1930 in die Stadtverordnetenversammlung von Naumburg, feiern die Nationalsozialisten als grossen Erfolg. Aus Anlass der Konstituierung der Stadtverordnetenversammlung am 9. Januar 1930 veröffentlichen sie ihren Kurs der Koalitionspolitik: Einen gewissen Weg werden wir "mit anderen antimarxistischen Parteien zusammengehen", erklärt die NSDAP-Fraktion. "Man glaube aber deshalb nicht, daß wir mit irgendwelchen bürgerlichen Parteien verwandt oder verschwägert seien oder daß wir für bürgerlich-liberalistische Fetthälse die Kastanien aus dem Feuer holen. Gewehr bei Fuß und in einer losen Tuchfühlung stehen wir zum Frontsoldatentum, soweit es revolutionär in der Deutschnationalen Volkspartei resp. im Stahlhelm versammelt ist. Wir arbeiten und kämpfen bewusst und unabänderlich als Revolutionäre innerhalb der Verfassung für den nationalsozialistischen Staat und das 3. Reich, welches kommen wird und kommen muss." "Zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und den anderen, mögen sie sich bürgerlich oder marxistisch nennen, gibt es keine Brücke."

 

 

Ergebnis der Provinzial- und Stadtverordnetenwahl
am 17. November 1929 Naumburg Stadt

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Landtagswahl
Stadtverordnetenwahl
  
  
Stimmen
Prozent
Stimmen
Prozent
Sitze
 
        
 DNVP
3 778
24,8
2 763
18,6
6
 
 NSDP
2 635
17,4
2 185
14,7
5
 
 SPD
2 500
16,5
2 308
15,6
5
 
 KPD
1 672
11,0
1 695
11,4
3
 
 DVP
947
6,2
    
 
Bürgerbund
  
49
0,3
  
 
Wirtschaftspartei
2 135
14,1
1 772
12,0
4
 
 Bügerliche Arb.gem.  
1 355
9,1
3
 
 
AG Bürgerl. Mitte
  
390
2,6
  
 
Heimat
  
216
1,5
  
 
Mieterliste
  
484
3,3
1
 
 Haus- u. Grundbe.
350
2,3
1 605
10,8
3
 
 
Volksrechtspartei
176
1,2
    
 
Demok. Partei
367
2,4
 
 
Zentrum
227
1,5
 
 Leninbund
12
  
 Aufwertungspartei
30
  
 Bauernpartei
89
     
 Öffentlichkeitsarbeit
20
     
 Schmalix
30
     
 Kleinb.u.Handw.
40
     
 Kommunist. Oppos.
22
     
 Volkswohlfahrt
130
     
 Wehrwolf
51
     
        
 Wahlberechtigte
20 547
     
 ungültige Stimmen
211
     
        
 gültige Stimmen
15 147
 
(14 822)
   

 

 

 

Die Reichstagswahlen vom 14. September 1930
- eine
Zäsur für die Stadt-NSDAP

Wenn die Kommunisten das künftige Wohl der arbeitenden Klasse in der Errichtung eines Sowjetdeutschlands sehen, die Sozialdemokraten den Kapitalismus über Reformen humanisieren wollen, dann setzen die Nationalsozialisten auf die Anziehungskraft wirtschaftlicher Heilserwartungen. Die NSDAP wird Volkspartei, dass heisst sie sammelt ihre Stimmen in den verschiedenen sozialen Schichten, Gruppen und sozialen Klassen. Zugleich verbürgerlicht sie. Gemeint ist damit oft der Abschied vom Rabaukentum. Ob dies angesichts der Nazi-Aktionen in Freyburg oder gegen den Spechart-Konsum so ausgesprochen werden kann, erscheint fraglich. Überhaupt, was heisst hier Verbürgerlichung? Begrifflich verbindet sich damit ein humanistischer Gesellschaftsentwurf und die demokratische Kontrolle der Macht, womit 1933 endgültig und scharf gebrochen wird. Es muss dies einer weiteren Diskussion überlassen werden.

Alfred Pape

Auf der öffentlichen NSDAP-Versammlung am 19. Februar 1930 im Ratskeller konnte der Bürger die Annäherung von Deutschnationalen und Nationalsozialisten hautnah miterleben. Redner Alfred Pape, drei Jahre später von den Nationalsozialisten zum Landrat von Weißenfels bestellt, geißelt die Massenarbeitslosigkeit, den Niedergang des Mittelstandes und die Ausbreitung des Warenhaussystems. Was nützen die Waffen, fragt er dann, wenn der Marxismus, Pazifismus und Materialismus die körperliche und geistige Vernichtung Deutschlands betreiben?  zurück

Mit etwa 600 Parteigenossen und Anhängern paukt Gottfried Feder (1883-1941) am 6. Juli 1930 im Saal des Kurgartens von Bad Kösen, nach dem NSDAP-Ortsgruppenleiter Georg Saalborn (Bad Kösen, Gerstenbergkpromenade 7a) alle begrüßt hatte, die Grundsätze der nationalsozialistischen Ideologie ein. Klassenkampf einerseits und Kastendünkel andererseits zerreißen Deutschland, sagt er. Daraus wieder ein Volk und einen Staat zu machen, ist die Mission der Nationalisten. "Mit Heilrufen auf den Nationalsozialismus und seinen Führer Adolf Hitler wurde die Versammlung geschlossen."

Bei den Reichstagswahlen am 14. September 1930 erreicht die NSDAP in Naumburg mit 31 Prozent der abgegebenen Stimmen den politischen Durchbruch.

 

 

Zu den Ergebnissen der Reichstagswahlen
am 14. September 1930
in Naumburg Stadt   
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DNVP
NSDAP
SPD
KPD
DVP
WP
Zentrum
DStP
Andere
Gesamt
          
3 437
5 902
3 149
2 268
1 131
1 534
269
447
714
18 851
18,2
31,3
16,7
12,0
6,0
8,1
1,4
2,4
3,8
100

 

Wahlbeteiligung: 82 Prozent.

Abkürzungen: WP - Wirtschaftspartei, DtLV - Deutsches Landvolk, DStP - Deutsche Staatspartei

 

 

 

Sie profitierte davon, dass die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) durch die Abspaltung des Landvolks und der Konservativen beim Wähler deutlich geringeren Zuspruch fand. 1928 erhielt sie in Naumburg noch 4 747 (27,9 Prozent) Stimmen, wo hingegen es diesmal nur 3 437 (18,2 Prozent) waren. Wahrscheinlich wanderten einige Wähler von der DNVP zur NSDAP.

Die NSDAP geriert sich als "Partei der Jungen" und übt den Aufstand gegen den "elitären Honoratorenklüngel". Dabei kommt ihr der Umstand entgegen, worauf Hans-Ullrich Wehler (2009, 42) hinweist, dass ab 1930 die geburtensstarke Vorkriegsjahrgänge in die Wählerschaft einrücken, die nicht mehr im Kaiserreich, sondern in der Weimarer Repubklik sozialisiert wurden.

Zweifellos korrespondiert das Wahlergebnis mit der wachsenden magischen Anziehungskraft von Adolf Hitler, was allerdings oft überbewertet wird. Ausschlaggebend für den Wahlerfolg waren die organisatorische Stärkung der Partei und ihre politischen Raumgewinne auf kommunalen Gebiet. 1929/30 überwindet die NSDAP-Ortsgruppe ihre lange währende innere Führungskrise. Sogleich reorganisiert Friedrich Uebelhoer die örtliche und regionale Parteistruktur. 1931 beruft ihn Adolf Hitler zum NSDAP-Kreisleiter von Naumburg. In Vorbereitung der Wahlen stellt die Partei ihre Kampagnefähigkeit unter Beweis. Das im gleichen Jahr zentral durchgesetzte Legalitätsprinzip und die propagandistische Rücknahme der Sozialismusidee unterstützt diese Tendenz.

 

Zur Versammlung am 19. Februar 1930 im Ratskeller.

Ein deutschnational gesinnter Bürger äussert über die Versammlung:

"Der Redner Pape machte in seiner Rede Ausführungen über die Blindheit und Gleichgültigkeit des deutschen Volkes gegenüber der Politik der herrschenden Marxisten und den Schädigungen des arbeitenden Volkes durch dieselbe, insbesondere durch die Annahme vom Dawes- und Youngplan an, denen man als Deutschnationaler nur zustimmen konnte." "Ebenso konnte man ihm zustimmen, als er dem Bürgertum vorwarf, dass es teils durch Lauheit, teils durch die politische Zusammenarbeit mit der SPD gewollt oder ungewollt deren Klassenkampf und Forderung unserer Versklavung durch das internationale Kapital unterstütze. Weniger konnte man dies, als er die Behauptung, die Taten der Deutschnationalen entsprächen nicht ihren Worten, dadurch zu belegen suchte, dass diese ihre Töchter nach Jazzmusik und Negertänzen tanzen ließen und er daher den Nationalsozialismus als das allein seligmachende Rettungsmittel gegen die drohende Versklavung pries." (Bürger)

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei Deutschland, Liste 18.

(Nach NSDAP 1929)

 

Auf der Versammlung am 24. April 1930 zum Thema Alljuda, der Todfeind des deutschen Volkes, teilt die NSDAP-Ortsgruppe mit, dass sie sich nun auf den

Rassenkampf
als Grundlage unseres Lebens

konzentriert. Lehrer, Juristen und Ärzte der Stadt verleihen dieser Propaganda-Idee Nobilität. Die pseudowissenschaftliche Popularisierung des Rassenkampfes ist eine ideologische Grundlage für die physische Vernichtung des rasseverderbenden Klassengegners.

An die Macht gelangt, nutzt die nationale NSDAP-Führung das Rasse-Reinheit-Dogma für ihre Eroberungspolitik und den Kampf gegen die jüdisch-bolschewistischen Bedrohung. Bereits 1930 schlägt die NSDAP mit der forcierten Rassenpropaganda den Weg zur Barberei ein. Kunstvoll verpackt sie ihre Politik mit dem Kampf um die Selbstbestimmung des deutschen Volkes und viel sozialen Getöse, was es den Bürgern schwer macht zu erkennen, dass sie nicht nur Volkspartei, sondern eine faschistische Partei geworden ist.

Ziel der nationalsozialistischen Rassenpolitik ist nicht nur die Vorbereitung des Angriffs auf die europäische Ordnung und Vernichtung der Juden. Ziel war ebenso die Organisation eines radikal politisch-opportunistischen Verhaltens der Bürgerschaft. Die sogenannte Einheit des politischen Handelns wird über einen ideologischen Rassenbegriff organisiert, der Menschen "gleichen Blutes" scheinbar vereint. Die Rasse, sagt Robert Ley auf der Leipziger DAF-Tagung vom 2. bis 6. Dezember 1935, das sind die Wesen dieser Erde "die aus einem Empfinden heraus, aus dem Gefühl einer Rasse heraus

einer Fahne folgen" (10).

Deshalb fordert er: "Ich möchte, dass die DAF-Führer, als Führende im deutschen Volk, die Rassenfrage kennen." (10) Und es ist notwendig alle "Grundbegriffe als Selbstverständlich anerkennen".

Natürlich zieht die NSDAP aus dem Streit und der Konkurrenz zwischen SPD und KPD ihren Nutzen. Zwar erreicht die Naumburger KPD zu den Reichstagswahlen am 14. September 1930 mit 2 268 Stimmen (12 Prozent) ein respektables Ergebnis. Doch sie verrennt sich in die Idee Wir stürmen für Sowjetdeutschland! (Ernst Thälmann, 8. August 1930). Viele Kreise und Gruppen der Stadtgesellschaft, wie die wirtschaftlich Selbstständigen, höheren Angestellten, liberale Juristen oder Rechtsanwälte, spricht das nicht an. So verhallt zur Präsidentenwahl 1932 ihre Warnung vor Hindenburg, wo die SPD eine andere politische Linie fährt.

Gut ausbildetes Personal, studierte und geschulte Stadtbeamte, gebildete Deutschnationale, die unbedingt noch weiter Rechts sein wolllen, die vom Staat angeblich durch Hauszinssteuern ausgeplünderten ehrenwerten Mitglieder des Hausbesitzervereins, frei niedergelassene Juristen, Kleinunternehmer, aber auch Beamte aus dem Stadt,- Land- und Oberlandesgericht bilden den NSDAP-Kader. Verstärkung erhalten sie durch Prominente, die den Nationalsozialismus unterstützen, fördern und der NSDAP zu Ansehen verhelfen. Zum Beispiel propagiert Kronprinz August Wilhelm von Preußen (1887-1949) am 29. Juli 1932 - zwei Tage vor der Reichstagswahl - auf dem Sportplatz 05 Naumburg: Preußen - Deutschlands Rettung durch Adolf Hitler.

Dagegen kommt die Stadt-KPD nicht an. Rechtsanwalt Doktor Artur Samter kann ihr erst nach Übersiedlung von Berlin nach Naumburg im Jahr 1932 helfen. Schon 1929/30 erreicht die Orts-KPD bei den Landtags-, Reichstags- und Kommunalwahlen ihre Grenzen. Eine Aussage, die kaum umstürzlerische Gegenargumente fürchten muss, mit einer wichtigen Implikation: Das Schreckgespenst von der kommunistischen Machtübernahme ist ein Propagandawerk. Nüchtern betrachtet, völliger Irrsinn.

Schon lange laufen genügend Arbeiter der NSDAP hinterher. Vielleicht glauben sie an das Programm von 1920, welches ihnen eine Gewinnbeteiligung an den Großunternehmen verspricht. Obendrauf gibts noch die Kommunalisierung der Kaufhäuser und eine Bodenreform. Früh entschied sich der Führer gegen die Demokratisierung der Wirtschaft. Schon lange nimmt der Hitler-Flügel sie nicht mehr ernst. Zu Recht, aber vergeblich opponieren Franz Neubert (KPD) und Walter Höhne (KPD) in der Stadtverordnetensitzung am 9. Januar 1930 gegen die Vorstellung, dass die NSDAP eine Arbeiterpartei sei.

Die Kapitalismuskritik der völkisch-sozialen Bewegung entfaltet in der Stadt eine spürbare Anziehungskraft. Unter der Losung die

Kritik am wahren Kapitalismus und seinen Helfershelfer

steht am 27. März 1924 eine nationalsozialistische Mitgliederversammlung. Der Orts-Vorsitzende, Lokomotivführer Richard Gläsel, begrüsst hierzu den Referenten Hofrat Lehmann aus Halle. Pflichtgemäss wettert der gegen die Zerrissenheit und fehlende Selbstbestimmung des deutschen Volkes und verlangt die Brechung der Zinsknechtschaft. Die Bewegung setzt die Arbeit an die erste Stelle, verspricht er.

Viele Suchende zieht der Korps- und Manövergeist der SA (Sturmabteilung) in seinen Bann. Die Rekrutierung von NSDAP-Mitgliedern erfolgt im nicht geringem Umfang über die SA (vgl. SA1 bis SA31). Hier konnten sie ihren antimarxistischen Geist, sprich SPD-Hass, und militanten Antikommunismus austoben. Und man konnte vor allem Deutsch sein.

 


Wahlergebnisse
von NSDAP und DNVP in Naumburg  
1920 und 1933  
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RT
RT
RT
ST
LT
LT
RT
RT
RT
 
06.06.20
04.05.24
07.12.24
19.01.29
19.01.29
24. 04.32
31.07.32
06.11.32
05.05.33
          
NSDAP
 
4 327
1 816
2 185
2 635
8 521
8 834
6 005
8 927
Prozent
 
27,7
10,8
14,7
17,4
46,2
45,9
32,8
44,7
          
DNVP
3 271
4 866
6 798
2 763
3 778
3 920
3 797
5 697
5 342
Prozent
20,9
31,1
40,4
18,6
24,4
21,3
19,7
31,1
26,8
          

NSDAP+
DNVP
Prozent

 
58,8
51,2
   
65,6
63,9
71,5


RT - Wahlen zum Reichstag, LT - Landtag beziehungsweise Provinziallandtag, St - Wahlen der Stadtverordneten


 

 

Wahl von Karl Roloff zum Ersten Bürgermeister Juli 1930

Am 27. Februar 1931 läuft die Amtszeit von Karl Roloff als Erster Bürgermeister aus. Mit 20 von 30 möglichen Stimmen wählen ihn die Stadtverordneten am 24. Juli 1930 für weitere 12 Jahre. Wahrscheinlich erhielt er von der DNVP sechs, von der NSDAP vier, von der Wirtschaftspartei und den Haus- und Grundbesitzern jeweils drei Stimmen sowie von der Mieterliste eine Stimme. Ohne die Sympathien der Nationalsozialisten wäre Roloff nicht wieder gewählt worden. Gegen ihn votierten alle SPD-Stadtverordneten. Hingegen übt die KPD-Fraktion Stimmenthaltung. Die Wahl bringt "zum Ausdruck," analysiert der Volksbote (Zeitz), "dass ein Drittel der Bürgerschaft, und zwar die arbeitende Klasse, kein Vertrauen zu dem Bürgermeister Roloff hat." Der Erste verstand es gut, die Nazis ins Schlepptau zu nehmen, was aber keiner staatsmännischen Weisheit bedurfte, "wenn man nur den dreimal verfluchten Marxisten einen Schlag versetzen kann". "Eine wirkliche Gelegenheit, den Nazis zu beweisen, dass er der richtige Mann in der Sozialistenvernichtung ist, bot sich ihm zum Bezirksfest der Arbeiter-Turner und Sportler [am 26. und 27. Juli 1930 in Naumburg]. Herr Roloff als Polizeidezernent verbot das Aufstellen der Ehrenpforten, wenn neben der Reichsflagge noch die Bundesflagge des Arbeiter-Turn- und Sportbundes gehisst würde. Eine bessere Empfehlung seiner Person als geeigneter Bürgermeister und Polizeidezernent," kommentiert der Volksbote (Zeitz) am 30. Juli 1930, "konnte er den Nazis, als den eingeschworenen Gegnern der Reichsflagge und natürlich auch der roten Turnerfahne, nicht geben."

Die Wiederwahl von Karl Roloff zum ersten Bürgermeister ist ein untrügliches Zeichen, dass sich aus Deutschnationalen und Nationalsozialisten ein Machtblock bildet und das Bürgertum sich verstärkt der NSDAP zuwendet. Seine Wiederwahl, resümiert die Zeitzer Arbeiterzeitung,

"sind ein warnendes Signal für die Arbeiterschaft …"

Wurde es aber gehört und verstanden? - Von der KPD-Stadtratsfraktion schon mal nicht. Wohl hätten ihre Gegenstimmen die Einsetzung von Karl Roloff als Bürgermeister nicht verhindert. Trotzdem war ihre Stimmenthaltung ein ernster Fehler. Denn es deutet auf eine krasse Fehleinschätzung des deutschnationalen-nationalsozialistischen Machtblocks hin. Demgegenüber müssten ihre Differenzen zur SPD-Fraktion zurücktreten. Taten sie aber nicht, die KPD-Genossen.  zurück

 

 

NSDAP gegen SPD  zurück

Mittlerweile findet die NSDAP eine feste Wählerschaft. Die Nationalsozialisten missbrauchen den Parlamentarismus, wie der Streit zwischen Georg Schmidt und Heinrich Hacker von der NSDAP einerseits und Otto Grunert und Friedrich Blüthgen von der SPD andererseits zeigt, um die Arbeiterparteien in der Naumburger Öffentlichkeit zu diskreditieren.


Heinrich Hacker,
geboren am 16. Juni 1892 in Würzburg, Wagnerplatz. Seine Mutter ist Emilie Hacker, geborene Schmadl, evangelisch, verheiratet mit Andreas Gustav Hacker, Maschinenbauingenieur.

3. April 1914 Eintritt in das preußische Fußartillerie-Regiment Nr. 13 (Ulm) als Fahnenjunker ein. Von 29. März bis 27. August 1919 Batterieoffizier und Adjutant im Freikorps Lettow-Vorbeck. 1921 als Oberleutnant Entlassung aus dem aktiven Heeresdienst. Einige Semester Studium der Volkswirtschaft an der Universität Würzburg. Dann Mitinhaber eines Handels mit Schleifleder und Bimsstein in Naumburg (und Würzburg).

1923 Mitglied des Stahlhelm in Naumburg (Saale) und Leiter einer Turnerbundes innerhalb des Wehrverbandes. Seit Dezember 1923 Mitglied der NSDAP (Austritt, dann Wiedereintritt in die NSDAP-Ortsgruppe Naumburg mit der Mitgliedsnummer 11005 am 20. Juli 1925, 1926 erneuter Austritt und Wiedereintritt am 1. Oktober 1929 mit der Mitgliedsnummer 153 928).

Kommandeur (1924-1926) des Frontbanns im Saale-Abschnitt. 1924 Mitglied des Völkisch-Sozialen Blocks und des Wehrwolf (1925-1926).

Vom 17. November 1929 bis Januar 1932 Mitglied und Führer der Stadtverordnetenfraktion der NSDAP in Naumburg (Saale).

Der Leiter des Wahlausschusses, Kaufmann Kurt Allstedt, teilt in der Stadtverordnetensitzung von Naumburg am 28. April 1932 mit, dass der Stadtverordnete Heinrich Hacker (NSDAP) ausscheidet. Sein Nachfolger wird der Buchhalter Paul Gotter (NSDAP).

1930 bis 1932 unbesoldeter Stadtrat in Naumburg. Mitglied des Landtages in Bayern (April bis 14. Oktober 1933).

18. Oktober 1931 Teilnehmer am SA-Aufmarsch in Braunschweig, 23. Dezember 1931 Eintritt in die SA und Führung der SA-Standarte 9 (Würzburg vom 23. Dezember 1931 bis Januar 1932) und der SA-Untergruppe Unterfranken (Januar 1932 bis 13. April 1932 und 1. Juli 1932 bis 31. August 1933). 1. Juli 1932 SA-Standartenführer. Ab Februar 1933 hauptamtlicher SA-Führer. SA-Funktionen und Aufgaben in Unterfranken und Aschaffenburg (1933 bis 1935) und Danzig (1935 bis Oktober).

SA-Oberführer (1933), SA-Brigadeführer (1934), von 1935 bis Frühjahr Oktober 1938 Mitglied und dann Führer der SA-Brigade 6 (Danzig), ab November 1939 im Aufbaustab der SA im Warthegau (Posen) tätig, am 20. Oktober 1940  Ernennung zum SA-Gruppenführer, Führer der SA-Gruppe Warthe von Januar 1942 bis Mai 1945.

1. bis 30. Juni 1944 nach Bad Hall bei Linz beurlaubt, 12. Juli 1944 Hauptmann d. R., 20. Februar 1945 nach Neuruppin zur Wehrmacht einberufen.

Heinrich Hacker starb am 5. Dezember 1970 in Bamberg.

Vgl. Joachim Lila

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Stadtrat Georg Schmidt (NSDAP, Gastwirt vom Halleschen Anger) beschwert sich in einem Brief an den Oberbürgermeister Dietrich vom 23. Januar 1931 über das brüskierende Auftreten von Otto Grunert (Stadtrat, SPD) auf einer Wahlversammlung in Roßbach. Der SPD-Abgeordnete soll die Schweigepflicht in seiner Eigenschaft als Magistratsmitglied verletzt haben, weil er dort über die Verpachtungsangelegenheit Hallescher Anger sprach. Deshalb beantragt Schmidt ein Disziplinarverfahren gegen ihn. Otto Grunert kontert am 6. Februar 1931:

Das Ereignis liegt über 1 ¼ Jahr zurück und stellt eine "böswillige Verleumdung" dar.

Ausserdem habe Heinrich Hacker (NSDAP) ihm in der letzten Stadtratssitzung am 22. Januar 1931 in "ehrabschneidender Weise" mehrfach zugerufen:

"Sie sind als Dezernent für Volkswohlfahrt ihr bester Kunde." (Nach Dietrich 11.4.1931, Grunert 6.2.1931, Schmidt 23.1.1931)

Während seiner Urlaubsvertretung vom 13. bis 26. Juli 1930 stößt Georg Schmidt (geboren am 21. September 1889 in Freyburg / Schlesien) bei den Rechnungen wiederholt auf dieselben Namen, wie "Schulze", "Jungmichel" und so weiter. Daraus schlussfolgerten die Nationalsozialisten eine Bevorzugung bestimmter Firmen durch Otto Grunert. Dazu kommt der ungerechtfertigte Vorwurf, er sei ein "Doppelverdiener", weil er für seine vorübergehende Aushilfstätigkeit als Wohlfahrtsdezernent 12 Reichsmark pro Woche entgegennahm, was, wie sich schnell herausstellt, aber den allgemeinen Verwaltungsvorschriften entspricht.

Trotzdem, der Vorwurf von Hacker trifft den Sozialdemokraten tief, weil, wie sein Fraktionsvorsitzender Blüthgen sagt, er als Sozialdezernent "vorzugsweise mit Menschen zu verhandeln hat, die überhaupt keinen Arbeitsverdienst haben" (SPD 24.1.1931). Doppelverdiener sei eigentlich Hacker, schreibt Otto Grunert im Brief an den Oberbürgermeister Dietrich vom 6. Februar 1931, weil dieser neben seiner monatlichen Pension von 165 Reichsmark noch seinen Beruf als Kaufmann ausübt.

Aber der Oberbürgermeister verspürt überhaupt keine Lust sich in die Auseinandersetzung einzumischen, wie er am 11. April 1931 den Fraktionsvorsitzenden der Sozialdemokraten im Stadtparlament mitteilt. Hacker lehnt es ab, als er von Dietrich aufgefordert wird, eine Stellungnahme zum Brief von Blüthgen vom 24. Januar 1931 abzugeben, weil, wie er sagt, er diese Äußerung als Stadtverordneter und nicht als Stadtrat tat. So kommt es zu keiner Beruhigung in dieser Angelegenheit, wie man der Mitteilung des Oberbürgermeisters an den Regierungspräsidenten von Merseburg vom 12. Dezember 1931 entnehmen kann.

Schließlich positioniert sich der Oberbürgermeister im Dezember 1931 eindeutig. Er bezeichnet die Vorwürfe von Stadtrat Georg Schmidt (NSDAP) gegenüber Stadtrat Otto Grunert (SPD) als unberechtigt, aber zugleich als so schwer, "daß die mir selbst zur Verfügung stehenden Disziplinarmittel nicht ausreichend erscheinen." "Der Vorfall beweist," klagt er dem Regierungspräsidenten von Merseburg, "wie verfehlt die Bestimmung ist, dass Stadtverordnete zugleich Magistratsmitglieder sein dürfen. Die parteipolitischen Gegensätze sind jetzt so schroff, daß sich auch Magistratsmitglieder, die zugleich Stadtverordnete sind, nicht scheuen, in der öffentlichen Stadtverordnetensitzung sich öffentlich anzugreifen. Es ist außerordentlich schwierig für den Magistratsdirigenten, unter solchen Verhältnissen die volle Verantwortung zu tragen und die Einheitlichkeit der Verwaltung aufrecht zu erhalten." (Oberbürgermeister 12.12.1931)

Vage deutet sich Anfang 1932 ein Rückzug bei den Nationalsozialisten an, wenn Georg Schmidt feststellt, die "ausgeführten Äußerungen" haben "ihren Ursprung" in "einem Angriff des Beschwerdeführers [Grunert] gegen meine Fraktion [NSDAP], sie wäre unfähig, in kommunalpolitischen sowie überhaupt in politischen Dingen etwas zu leisten" (Georg Schmidt 3.2.1932). Dennoch bestreitet Schmidt in einer amtlichen Erklärung vom 4. Februar 1932 die Äußerungen so getan zu haben, wie es der Beschwerdeführer Grunert vorgibt.

Nun platzt dem Oberbürgermeister der Kragen. Er stellt zu Georg Schmidt (NSDAP) fest: "All diese Behauptungen sind, wie aufgrund des Dienstellenvorstehers des Wohlfahrtsamtes festgestellt ist, unwahr. Stadtrat Schmidt hat also die bei der vorübergehenden Vertretung vermeintlich von ihm entdeckten Mängel zum Gegenstand der Erörterung in der öffentlichen Stadtratssitzung gemacht, ohne daß er sich, wie es seine Pflicht gewesen wäre, entweder mit dem Magistratskollegen, dessen Maßnahmen er bemängelte, oder dem Chef der Verwaltung zur Prüfung der Angelegenheit Anzeige erstattet hätte." (Oberbürgermeister 15.2.1932) Der Regierungspräsident von Merseburg teilt diese Auffassung und verhängt gegen Georg Schmidt eine Geldstrafe von zwanzig Reichsmark. (Vgl. Regierungspräsident 7. März 1932)

 

 

NSDAP-Kreisleitung Naumburg  zurück

Gauleiter Rudolf Jordan
(um 1933)

Zum 19. Januar 1931 beruft Adolf Hitler den 28-jährigen aus Fulda stammenden und studierten Mittelschullehrer Rudolf Jordan als Gauleiter für Halle-Merseburg. Paul Hinkler ist von seiner Funktion entbunden. Sein Einfluss auf die Naumburger Ortsgruppe schwindet. Im gleichen Jahr wird Uebelhoer NSDAP-Kreisleiter von Naumburg. Bis dahin (1929/30) gehört die NSDAP-Ortsgruppe Naumburg zur Parteistruktur Osterland.

In Naumburg entsteht ein Zentrum der nationalsozialistischen Bewegung Mitteldeutschlands. Darunter sollte man sich nicht unbedingt eine große Zahl von Mitgliedern vorstellen. 1925 gehören der NSDAP-Ortsgruppe schätzungsweise 35 bis 50 Mitglieder an. (An der Versammlung der Ortsgruppe nehmen am 13. April 1926 33 Mitglieder teil.) Bis 1929 steigert sie sich nicht in große Höhen. Erst nach 1930 nimmt die Mitgliederzahl deutlich zu.

 

 

"Die NSDAP verfügte im Jahre 1930 in der gesamten Provinz Sachsen über 161 Ortsgruppen mit etwa 10 000 Mitgliedern. Davon entfielen knapp über die Hälfte der Mitglieder auf den Gau Halle-Merseburg. Neben der Gauhauptstadt Halle waren Mittelstädte wie Naumburg und Quedlinburg Hochburgen der NSDAP...." (Schmiechen-Ackermann 2005, 21)

 

 

Am 23. August 1933 beschliesst der Stadtrat die Grundinstandsetzung der Reichskrone und ihre Nutzung als NSDAP-Kreisleitung. Ein Jahr später, am 31. Juli 1934, erfolgt die Einweihung. Die NSDAP bezieht die oberen Etagen. Ein zentraler und gut bekannter Ort, an dem sich das autoritäre System administrativ installiert. Nach dem Rathaus, das wichtigste der Stadt. Hier finden Theateraufführungen, Operabende, Konzerte, Kino- und Bildungsveranstaltungen statt.

Die NSDAP-Kreisleitung Naumburg in der Reichskrone (Bismarckplatz; Stadtplan) gliedert sich in folgende Kreisämter, -hauptstellen und -stellen: Organisationsamt, Schulung, Propaganda, Personalamt, Gericht, Presse, Amt für Volkswohlfahrt, Kommunalpolitik, Handel und Handwerk, Wirtschaftsberater, Rechtsamt, Amt für Beamte, Kulturamt. Weiterhin gibt es ein Rassenpolitisches Amt, Verantwortliche/Abteilung für das Deutsche Frauenwerk, den Kreisausbildungsleiter, die Filmstelle, den Rundfunk und NS-Rechtswahrerbund (NSRB). Ebenso sind der Kreisleitung die regionalen Organisationen wie KdF, DAF, HJ oder NS-Frauenschaft untergeordnet. Der Kreisleitung unterstehen die Ortsgruppen von Naumburg und Naumburg-Land (Bad Kösen, Altenburg, Hassenhausen, Großjena, Schellsitz, Lißdorf, Mertendorf, Saaleck, Wethau).

 

 

NSDAP-Ortsgruppen von Naumburg   zurück

 

 

 Naumburg-Mitte

 

Max Albertus

Lagerhalter

 

Kaiser-Friedrich-

Straße 6

 

 Naumburg-Süd

  (zunächst Auflösung um 1936)

  während des   Krieges

 

Paul

Zugowski

Friseurmeister

 

Erich Völker

Kriminalsekretär

 

Am Georgentor 17

 

 

 

Neustraße 33

 

 Naumburg-West

 

Alex Brenner

Kaufmann

 

Burgstraße 47

später Horst-Wessel-

Siedlung 8

 

 Naumburg-Nord

 

Emil Reiser

Reichsbahn

 

Hallesche Straße 24

später Horst-Wessel-

Siedlung 4

 

 Naumburg-

 Nordost

 

 dann: Naumburg

 Ilsenquelle

 

Georg Ger-

hard Schlosser

 

Arnold

Dowrow

 

Hallesche Straße 23,

später Horst-Wessel-

Siedlung 19

 

 

 Naumburg-Ost

 

Walter

Schmöller

Postschaffner

 

Linsenberg 21

 

 Naumburg-Dom

 

Karl Hinze

Angestellter

 

Lindenhof 2

 

 Naumburg-

 Spechsart


Gerhard

Söllinger

Angestellter


Mägdestieg 9

 

Im Jahr 1936 erfolgt eine Organisationsreform der NSDAP-Kreisleitung Naumburg. Als Ortsgruppen existieren jetzt Mitte, West, Nord, Nordost und Ost sowie Bad Kösen, Altenburg, Hassenhausen-Land, Wethautal, Großjena, Schellsitz und Altlöbnitz. Naumburg-Süd wird aufgelöst und die Mitglieder anderen Ortsgruppen zugeordnet. Die Block- und Zellsysteme erhalten eine neue Ordnung. Sie sind jetzt eigenständige Organisationseinheiten der Partei. Dem Kreisleiter untersteht der Ortsgruppenleiter oder Stützpunktleiter. In der Hierarchie darunter folgen Zellen- und Blockleiter. Jeder Block - gleichgültig, ob sich hier Mitglieder der NSDAP eingeschrieben haben oder nicht - besteht aus 40 bis 60 Haushalten. Vier bis acht Blöcke ergeben eine Zelle, die in Ortsgruppen zusammengefasst werden. Somit ist der Blockleiter der unterste Hoheitsträger der NSDAP. Ihm stehen zur Seite DAF, NSV und NS-Frauenschaft. Über den Zellenleiter erhält der Blockleiter Zugriff auf alle Abteilungen der NSDAP-Kreisleitung. Damit "erreicht" der NSDAP-Kreisleiter praktisch jeden Haushalt und Bürger der Stadt.

 

NSDAP Ortsgruppen-Land


Bad Kösen
Oberfeldmeister Georg Saaleborn
Gerstenbergkpromenade 7 a

Altenburg an der Saale
Amtsvorsteher Fritz Zimmermann
Naumburger Strasse 9

Hassenhausen
Bauer Otto Kripendorf
Lissdorfstrasse 14

Grossjena
Schneidermeister Martin Brehme
Grossjena 38

Schellsitz
Zimmernamnn Artur Hirschfeld
Schellsitz 5

Wethautal
Buchhalter Erich Rödiger
Mertendorf 96

Abtlöbnitz
Arbeiter Wilhelm Brunk
Altlöbnitz

 

Am Dienstag, dem 6. Februar 1940, versammeln sich die Funktionäre der NSDAP und Gäste im Haus der Deutschen Arbeit. Nach einem Dienstappell gibt der stellvertretende NSDAP-Kreisleiter von Naumburg Martin Schmidt bekannt, dass der Leiter der Ortsgruppe Ilsenquelle (1938 aus der Ortsgruppe Naumburg Nord-Ost hervorgegangen) Parteigenosse Georg Gerhard zum Aufbau des Eisenbahndienstes nach Posen abkommandiert wird. Aus diesem Anlass erfolgt die Würdigung seiner Arbeit als Parteigenosse. Nach einem vierjährigen Frontdienst tritt er 1923 dem Stahlhelm bei und ist 1924 Mitbegründer der Völkischen Freiheitspartei in Naumburg. 1925 wird er Mitglied der NSDAP. Als Schlosser bei der Reichsbahn macht man ihm als Nationalsozialist das Leben besonders schwer, heißt es in einer Schilderung aus dem Jahr 1940. Vom Dezember 1929 bis zur Machtergreifung ist er Ortsgruppenleiter. Dann erfolgt seine Nominierung als Gemeindevertreter und Ratsherr.

Das Parteiamt von Gerhard übernimmt Oswald Dorow, ein alter Kämpfer aus dem Schwarzen Eisfeld, wo er Ortsgruppe um Ortsgruppe gründete; ebenso 1925 in Delitzsch, 1926 in Belgern und 1927 in Düben. 1928/29 wirkt er als Trommler der Bewegung in Nordhausen und Mühlhausen (Thüringen). In Dingelstedt vertraut ihn die NSDAP die Kreisleitung an. Nach den Märzwahlen 1933 setzt ihn die Partei als Stadtrat in Stendal ein. Seit 1939 ist der Träger des "Goldenen Ehrenzeichens" als Blockwalter des NSV und der Partei in Naumburg tätig. Während einer Veranstaltung im Haus der Deutschen Arbeit verpflichtet Martin Schmidt per Handschlag den "Propagandisten der Bewegung" zur Übernahme der Ortsgruppe Ilsenquelle.

Friedrich Uebelhoer übernimmt am 26. Oktober 1939 die Aufgabe des kommissarischen Regierungspräsidenten von Kalisch. Sein Nachfolger ist Otto Lehmann.

 

 

Otto Lehmann
(um 1940)

Otto Lehmann,

Naumburg, Mägdestieg 6, geboren am 28. Juni 1896 in Hohenbucko, evangelisch, Realreformgymnasium. Vater Hermann Lehmann, geboren am 13. September 1868 in Osteroda bei Herzberg. Seit Mai 1923 Mitglied der NSDAP (Nummer 24.397), 1924-25 Frontbann. 1925-27 SA, 1927 bis 1931 Kassenwart der NSDAP-Ortsgruppe/ "Arbeitsgruppe"*, 1931 bis 1934 Kreisgeschäftsführer der NSDAP-Kreisleitung Naumburg, ab 1932 Adjutant des Kreisleiters und ab 1933 stellvertretender Kreisleiter der NSDAP Naumburg, seit 1931 Schutzstaffel (SS), ab 1. Mai 1934 Sturmbann III/ 84. SS-Standarte, 1933 bis 1934 in der Stadtverwaltung Naumburg (?), Abteilungsleiter in der NSV Gauamtsleitung Halle-Merseburg. Seit 27. Mai 1940 NSDAP-Kreisleiter Naumburg und Beauftragter der NSDAP für den Stadt und Landkreis (gemäß § 118 der Deutschen Gemeindeordnung). Dann setzt man ihn als Landrat im von Deutschland eroberten und besetzten Landkreis Ostrowo (Ostrów Wielkopolski) ein. Am 23. Januar 1941 wird er feierlich im Haus der Deutschen Arbeit (Naumburg, Saale) verabschiedet.

* Ein Ausdruck von Lehmann.  zurück

 

 

In einer feierlichen Zeremonie erhält er am 27. Mai 1940 im Ehrensaal der Kreisleitung vom NSDAP-Gauleiter das Amt als kommissarischer NSDAP-Kreisleiter von Naumburg übertragen. Bereits Ende Dezember erfolgt seine Berufung als Landrat in den Kreis Ostrowo (Gebiet um die westpolnische Stadt Ostrów Wielkopolski). Er ist damit maßgeblich an der Vertreibung der Polen und Juden aus diesem Gebiet sowie Neuansiedlung von Deutschen beteiligt.

 

 

Fritz Zimmermann,  zurück

geboren am 26. Januar 1905 in Berlin als Sohn eines Oberstabszahlmeisters, absolviert das Realgymnasium. Nach seiner Lehre bei der Dresdner Bank arbeitet der Ökonom (Kaufmann, Buchhalter ?) in LEUNA bei der IG Farben. 1929 siedelt er nach Altenburg an der Saale, Naumburger Straße 9, um. Als begeisterter Anhänger von Adolf Hitler tritt er am 1. April 1931 der NSDAP bei und übernimmt etwa ein Jahr später die Führung der NSDAP-Ortsgruppe Altenburg (Naumburg). Am 15. April 1933 wählen ihn die Altenburger in der Linde zum Amtsvorsteher (Bürgermeister).

Das monatliche Einkommen von Fritz Zimmermann beträgt 287,50 Reichsmark. Für den gelernten Ökonomen ist dies im Vergleich zu einem Lehrer kein schlechtes Einkommen. Trotzdem versteht er es, sich finanziell zu ruinieren. Im April 1934 kauft er einen Röhr für 3 400 Reichsmark, im Juli 1935 einen Hansa für 3 527 Reichsmark und im Mai 1936 einen Steyer für 3 527 Reichsmark. Für diese drei Autos zuzüglich Nebenkosten wendet er in drei Jahren insgesamt 13 773 Reichsmark auf. Obwohl Zimmermann die alten Fahrzeuge beim Kauf in Zahlung gibt und ihn die Schwiegereltern, bei denen er mit Frau und Kind wohnt, mit finanziellen Zuwendungen unterstützen, ist er überfordert. Um seine Haushaltsbilanz auszugleichen, entnimmt er seit 1934 der Standesbeamten-Kasse Geld. Weil die persönlichen Ausgaben damit immer noch nicht gedeckt sind, privatisiert der NSDAP-Ortsgruppenleiter weitere finanzielle Mittel der Gemeinde. Besonders pikant ist die Unterschlagung von Einnahmen aus von ihm erlassenen Polizeistrafen.

Im Januar 1938 übernimmt der NSDAP-Funktionär in Bad Kösen das Amt des Bürgermeisters. Er wohnt in der Friedrich-Straße 18. Am 8. Mai führt Friedrich Uebelhoer mit ihm ein Gespräch über die "Unregelmäßigkeiten". Der NSDAP-Kreisleiter ahnt wahrscheinlich, dass dessen kreative Buchführung bei den Bürgern einen faden politischen Beigeschmack hervorrufen wird. Denn einst organisierte die NSDAP Kampagnen gegen den korrupten Weimarer Beamtenstaat.

Im Oktober 1938 verurteilt die Grosse Strafkammer des Landgerichts Naumburg Fritz Zimmermann wegen fortgesetzter Untreue und Amtsunterschlagung zu zwei Jahren Zuchthaus und einer Geldstrafe von 100 Reichsmark.  zurück

 

Nachfolger von Lehmann im Parteihaus am Bismarckplatz wird Parteigenosse Alfred Pape, der im Juli 1941 öffentlich mitteilt: "Anfang des Jahres habe ich die Führung des Parteikreises Naumburg als Kreisleiter übernommen, nachdem Kreisleiter [Otto] Lehmann nach dem Osten abgeordnet wurde. Den Einwohner des Landgebietes im Parteikreis Naumburg bin ich als Landrat des Kreises Weißenfels nicht unbekannt." Seine Amtszeit endet im März 1943 mit der Einberufung zur Wehrmacht (Vgl. Stapo 1933e). Dann übernimmt Martin Schmidt das Geschäft in der NSDAP-Kreisleitung. Letzter Kreisleiter ist Bruno Radwitz, gleichzeitig Oberbürgermeister der Stadt Naumburg bis April 1945.

 

Ruhe-und-Ordnung Politik  zurück

"Politische Schlägereien", teilt das "Naumburger Tageblatt" am 23. Juni 1932 seinen Lesern mit, "haben in den letzten Tagen an verschiedenen Orten unserer Stadt stattgefunden, so u. a. am Reußenplatz, in der Brunnengasse, in der Gegend um die Hallesche Straße und an anderen Plätzen. Meist haben die mit blutigen Köpfen und Stichwunden geendet."

Trotzdem, eine allgemeine Gefährdung der Bürger - also der öffentlichen Sicherheit - hat es durch diese Raufereien, nüchtern besehen, nie gegeben. Denn es handelte sich immer um Vorkommnisse mit temporärem und lokalem Charakter. Unbeteiligte Bürger wurden nicht hineingezogen.

Nun zeigt aber die Ausstellung Die Geschichte der Bewegung (1938) der Naumburger Öffentlichkeit die Angriffswaffen, mit denen die Linken die völlig arglosen Nationalsozialisten malträtierten. Fünf Jahre nach dem Machtantritt präsentieren sich die Nationalsozialisten im Haus der Deutschen Jugend (Schützenhaus) als Retter der vom Bürger so hoch geschätzten Ruhe und Ordnung. Zumindestens die Kapp-Gegner hatten 1920 die Ambivalenz (123) dieses Konzepts erfahren. Ohne Zweifel verstanden es aber die Nationalsozialisten am Sicherheitsbedürfnis der Bürger anzuknüpfen, wie eine eher unscheinbare Notiz von Polizeikommissar Mollenhauer (Ortspolizei Naumburg) vom 2. März 1931 veranschaulicht:

"Seit längerer Zeit ziehen die Kommunisten, insbesondere die sogenannte "Antifa", singend und brüllend durch die Stadt und belästigen mit ihren gemeinen Liedern und so genannten Kampfrufen wie "Nieder mit der Polizei!", "Hitler verrecke", "Nazi verrecke" usw. die Einwohnerschaft. Auch zu Tätlichkeiten zwischen Kommunisten und Nazileuten ist es wiederholt gekommen. Pflicht der Polizei ist, für die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu sorgen. Wir müssen also die radikalen Parteien dauernd im Auge behalten, insbesondere wenn sie geschlossen ausrücken." (Notiz 2. März 1931)

Im Frühjahr 1933 wehen dann in Naumburg die Frühlingsstürme.

 

Im Rathaus  zurück

Seit den Wahlen der Stadtverordneten am 12. März 1933 mischt der Treibriemenhändler im Rathaus der Stadt Naumburg mit. Am 25. Januar 1934 übernimmt er offiziell das Amt des Oberbürgermeisters; "ohne jegliche fachliche Ausbildung" wie Michael Alberti (62) treffend feststellt.

 

Kreisredner der NSDAP
Gau Halle-Merseburg
für Naumburg

1. September 1939


Adolf Funke
Naumburg, Markt 8

Gustav Klinge
Naumburg, Memeler Str.9

Werner Rieling
Naumburg, Hochstraße 9

Gerhard Söllinger
Naumburg, Mägdestieg 9
[Nationalsozialistische Volkswohlfahrt]

Walter Schieke
Naumburg, Bahnhofstraße 20

Martin Schmidt
Naumburg, Lindenring 13

Friedrich Wolff
Naumburg
Grochlitzer Straße 5

siehe auch Exponenten

Quelle: Kreisredner

 

Ihm steht ein Jahresgrundgehalt von 8 400 Reichsmark plus freie Dienstwohnung, Licht und Heizung zu. Außerdem erhält er einen Wohngeldzuschuss von 1 080 Reichsmark und eine Ausgleichszulage von 500 Reichsmark (Stand 8. August 1936). Dazu erhält er vom 12. November 1933 bis 8. Mai 1945 Bezüge als Mitglied des Reichstages, Wahlkreis 11, Merseburg.

Jetzt schwappt eine regelrechte Eintrittswelle über die NSDAP-Ortsgruppe. Am 1. Mai 1933 treten in die Partei ein: Ernst Neumann Stadtoberinspektor Stadtverwaltung, Oskar Hädrich, Stadtoberinspektor Stadtverwaltung, Max Schwalbe, Stadtinspektor Stadtverwaltung, Hans Orlamünde, Stadtoberinspektor Stadtverwaltung. Die nächste Welle folgt am 1. Mai 1937. Mitglied der NSDAP werden zum Beispiel: Ernst Seibeck, Verwaltungsangestellter in der Stadtverwaltung, Willy Neumann, Stadtsekretär Stadtverwaltung, Karl Beyer, selbstständiger Fleischer, Steinweg 24, Gerda Sarafin, Sekretärin in der Stadtverwaltung, Otto Strauss, Stadtoberinspektor, Papier- und Schreibwarenhändler Otto Wartze, Markt 6 oder Paul Sattelmacher, Oberlandesgericht.

 

 

Öffentliche Drohung mit Konzentrationslager  zurück

Blick zum Rathaus (2006)

 

19. September 1933, 15.52 Uhr: Friedrich Uebelhoer trifft mit dem Schnellzug aus München auf dem Naumburger Bahnhof ein. Er entsteigt dem Zug, um sogleich in der Bahnhofshalle mit Blumen überschüttet zu werden. Auf dem Vorplatz empfängt ihn ein unglaublicher Jubel. Von den Größen der Stadt möchte niemand fehlen. Erschienen sind die NS-Frauenschaft, der BdM, die SA, Vertreter der Kirche und viele andere Persönlichkeiten. Der kommende Mann wird mit Blumen überhäuft. Dann zieht der Tross mit ihm zum Markt. Vor dem Rathaus hält er eine Ansprache. Nun wird er den Bürgern sagen, wie er seine am 12. März gewonnene Macht gebrauchen will, nämlich:

"Jenem Teil, der noch meint, kritisieren und nörgeln zu können, dem sage ich, scheret euch hinweg, gehet in die Einsamkeit und sterbet an. Wer sich dem Wiederaufbau entgegenstellt, dem sage ich: Seine Zeit ist vorbei. Ich bin gewillt, mit allen Mitteln meinen Willen durchzusetzen, unter Umständen auch dadurch, daß ich einige von ihnen ins Konzentrationslager schicken müßte."

Davon macht er reichlich Gebrauch. Und einige helfen ihm dabei, die von Amts wegen für Repressionen gar nicht zuständig sind. Zum Beispiel der Naumburger B. Als einer der "fanatischsten Nachläufer der Hitlerbanditen" "denunzierte [er] nach Herzenslust unschuldige Opfer bei der Gestapo" und "erklärte sich bereit in seinem Privatwagen des Nachts die Opfer ins Konzentrationslager zu befördern", berichtet am 16. Mai 1945 Eugen Wallbaum in einem Brief an den Oberbürgermeister Schaffernicht.

 

Auseinandersetzung mit Infanterie-General Wilhelm List  zurück

Friedrich Uebelhoer erreicht seine Karriereziele. Er ist Reichstagsabgeordneter, Kreisleiter und Oberbürgermeister. Nach 1933 war sein Aufstieg nur einmal in Gefahr, nämlich als er sich mit dem Kommandierenden Infanterie-General des IV. Armeekorps Wilhelm List (1880-1971) anlegt. Der Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht Generalfeldmarschall Werner Blomberg (1878-1946) wendet sich wegen a) der Verlegung der III. Batterie / AR 14 von Naumburg nach Weißenfels und b) dem damit im Zusammenhang stehenden Verhalten des Oberbürgermeisters der Stadt Naumburg am 23. August 1937 brieflich an den Herrn Reichs- und Preußischen Innenminister. Herr Generalfeldmarschall stützt sich dabei auf die Beschwerde von Wilhelm List vom 2. Juli 1937 an das Oberkommando des Heeres. Des Oberbürgermeisters Verhältnis zur Wehrmacht wird als "gleichgültig, wenn nicht ablehnend" bezeichnet. Uebelhoer antwortete am 27. September 1937 mit einem eloquenten 52-seitigen Schreiben. Natürlich verweist er auf seine Verdienste als alter Kämpfer in der Bewegung - und das mit einigem nationalsozialistischen Pathos. List entschuldigt sich nicht. Dafür bescheinigt der Regierungspräsident von Merseburg dem Oberbürgermeister ein einwandfreies Verhalten.

 

Der markanteste Kreisleiter  zurück

Der markanteste Kreisleiter (1939)

Der Gauleiter der NSDAP Halle-Merseburg schreibt im Brief vom 8. Januar 1938 an den Chef der Personalkanzlei des Reichsführers der SS: Meinem - wörtlich - "markantesten Kreisleiter" wurde in Verkennung der örtlichen Verhältnisse lediglich der Rang eines "SS-Obersturmführers" zuerkannt (SS-Dienstgrade).

Aufgrund des niedrigen Ranges schämt sich Parteigenosse Uebelhoer, vor der Bevölkerung in SS-Uniform aufzutreten. Rang und Ansehen waren dem ehemaligen Handelsvertreter offenbar wichtig. Der Gauleiter bittet, dringend eine Beförderung ins Auge zu fassen. Als Referenz wird auf den Parteigenossen Freiherr von Eberstein verwiesen, dem Privatsekretär beim Graf von Helldorf aus Wohlmirstedt, den er aus der Anfangszeit der Bewegung gut kannte. Im Brief der "III./84 SS-Standarte …." vom 27. September 1934 (vgl. Uebelhoer 27.9.1934) wird die Verbindung zwischen Parteigenossen Uebelhoer und damaligem "Führer des Frontbanns, jetzt Führer des SS-Oberabschnitts Mitte, SS-Gruppenführer Freiherr von Eberstein" besonders herausgehoben.

Der erkennbare Drang des Kreisleiters nach öffentlichem Ansehen passt nicht unbedingt zu seinem Lebensstil.

 

Ziviler Widerspruch  zurück

Ecke Lindenring - Salzstraße (2006)

Friedrich Uebelhoer unterhält ein Verhältnis zu seiner Kreiskassenleiterin Frau Weber, der Schwester von Otto Neumanns (1924) geschiedener Frau. Über diese verwandtschaftliche Verbindung erlangt der Psychologe und Heilpraktiker vom Lindenring 1 (Stadtplan) tiefe Einblicke in das Treiben des NSDAP-Kreisleiters. Seiner Geliebten missfällt dies. Sie nutzt ihren Einfluss, um den Unbequemen zum Schweigen zu bringen. 1934 und 1935 erfolgen bei dem Unbequemen Hausdurchsuchungen. Vergeblich. Politische Propagandaschriften oder Ähnliches findet man nicht. Der Verfemte ist parteilos. Dies nutzt ihm nicht viel, wie sich zeigen wird.

Auf dem Schützenfest im Jahre 1935 schmeißt Uebelhoer Freibier für die Arbeitslosen. Neumann durchschaut den "Stimmenfang" und versucht, die fröhliche Runde darüber ins Bild zu setzen. Damit zieht er den Zorn des mächtigen NSDAP-Mannes auf sich. Er kommt vor Gericht. In der Urteilsbegründung heißt es: Die Geldstrafe - 150 Mark - muß erheblich sein, Zitat: "da insbesondere der Ort und die Gelegenheit der Äußerung recht gefährlich war".

 

Kreisredner der NSDAP
Gau Halle-Merseburg
für Naumburg

1. September 1939


Adolf Funke
Naumburg, Markt 8

Gustav Klinge
Naumburg, Memeler Str. 9

Werner Rieling
Naumburg, Hochstraße 9

Gerhard Söllinger
Naumburg, Mägdestieg 9
[Nationalsozialistische Volkswohlfahrt]

Walter Schieke
Naumburg, Bahnhofstraße 20

Martin Schmidt
Naumburg, Lindenring 13

Friedrich Wolff
Naumburg
Grochlitzer Straße 5

siehe auch Exponenten

Quelle: Kreisredner

 

Der Medizinmann wagt, Uebelhoer als einen charakterlosen Menschen zu bezeichnen. Neumann stört der "Größenwahn der Nazimenschen", wie Oskar Steck, Meister der Schutzpolizei (Naumburg, Salzberg 2), am 4. Mai 1948 berichtet.

Doch es bleibt nicht bei der Geldstrafe. Uebelhoer bringt den Naturheilpraktiker ins Gefängnis. Unter anderem wegen eines Schriftstücks, in dem er behauptet, dass es dem NSDAP-Führer beliebt, an Saufgelagen, Schweinereien und Hurereien teilzunehmen. Das war nicht falsch. Nur den Brief fingierte der unrühmlich bekannte Kriminalsekretär Paul Scholz.

Neumann muss dafür ein Jahr ins Gefängnis. Nach seiner Entlassung wird er am 13. März 1942 erneut durch Kriminalsekretär Scholz festgenommen und fünf Tage später nach Halle überstellt. Anfang Mai erhält er hier den roten Schutzhaftbefehl zur Unterschrift vorgelegt. Der Aufrechte kommt in das KZ Buchenwald. Er überlebt die Kriegszeit und kehrt nach Naumburg zurück.

Seinen Namen fand ich aber nicht in der "Aufstellung der anerkannten Opfer des Faschismus …", weder in der vom 18. Juni 1946 noch in der vom 31. Mai 1949. Meines Wissens war er parteilos. Ein ganz bemerkenswerter Mensch. Nicht, weil er ohne Fehler war. Es gab in seinem Geschäftsleben einige Unebenheiten. Doch er duckte sich nicht vor dem Führer der nationalsozialistischen Bewegung in Naumburg. Neumann - den Zeitzeugen wörtlich einen "unbedingt rechtschaffenen Menschen" nennen - versuchte in der Braunen Zeit den aufrechten Gang. Das nennt man Zivilcourage.

Otto Neumann steht dafür, dass sich Terror und Gewaltherrschaft in Naumburg keineswegs nur auf die Politischen bezogen. In Gefahr waren alle, die den Nazis im Konfliktfall souverän und mit menschlichem Anstand entgegenzutreten wagten.

 

Nachfolger Bruno Radwitz  zurück

 

Bruno Radwitz

wird am 25. März 1895 in Oebisfelde bei Magdeburg als Sohn eines Buchdruckereibesitzers geboren. Als Freiwilliger tritt er aus der Schule kommend am 2. Oktober 1914 in das Feldartillerie-Regiment Nummer 4 Magdeburg ein. Mit dem neu aufgestellten Feldartillerie-Regiment Nr. 49 zieht er gegen Ostpreußen, Polen und Russland. Am 22. September 1915 ereilt ihn eine schwere Verwundung. Genesung. Dann im Oktober 1916 wieder Fronteinsatz vor Verdun und im Reserve Feldartillerie-Regiment Nummer 29 in der Champagne. Den Ordonnanzoffizier trifft am zwischen Laon und Reims gelegenen Chemin des Dames erneut ein Geschoss.

"Z. Zt. der Revolution [1918] befand ich mich gerade auf Erholungsurlaub in meiner Heimat", schreibt er in seinem Personalbogen aus Anlass der Wahl des Bürgermeisters in Jena 1933. Als Leutnant kämpft er mit dem Freikorps Hülsen (rund 11 000 Mann) in Berlin und Leipzig gegen die Spartakisten. Nach seiner Entlassung aus dem Militär zieht es ihn in den väterlichen Betrieb. 1921 steht er wieder als Mitglied des Bundes Oberlandes in Oberschlesien im Kampf. (Die Nachrichten dazu sind unsicher.) Schließlich wendet er sich dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität in Leipzig und Jena zu. Referendarexamen in Jena (1925). Assessorexamen in Berlin (3. November 1930). Dann erhält 1931 die Zulassung für das Oberlandesgericht Naumburg. Seine Rechtsanwaltspraxis befindet sich auf der Großen Georgenstrasse 38. In Naumburg tritt er am 1. September 1931 mit der Mitgliedsnummer 606 714 der NSDAP bei und engagiert sich für den weiteren Aufbau. Im Auftrag der Reichsleitung führt er Prozesse, unter anderen für den späteren Reichsminister Wilhelm Frick (1877-1946). Die guten Kontakte und Beziehungen zur hiesigen NSDAP-Equipe nutzen ihm, als er 1940 zum Oberbürgermeister auserkoren.

Aus der Heirat mit Johanna Gentsch (geboren am 30. Mai 1901) am 10. September 1927 gehen fünf Kinder hervor (geboren 1928 - gestorben, 1933, 1936, 1937, 1942).

Auf Vorschlag von Dr. Franzen, Vorsitzender der NS-Fraktion, wählt ihn der Stadtrat von Jena am 28. November 1933 zum Bürgermeister. Zu seinem Verantwortungsbereich gehören die Finanzdirektion, Stadt- und Wasserwerke, Stadtsparkasse, Polizei, das Standes-, Einwohner- sowie Rechts- und Versicherungsamt. Sein Jahresgehalt beträgt übrigens 9 380 Reichsmark (Grundgehalt 7 580 RM, Wohngeld 1080 RM und eine privilegieret Stellenzulage von 1 800 RM).

An der Thüringischen Verwaltungsschule in Jena ist er als Lehrer für Recht tätig und von 1939 bis 1940 ehrenamtlicher Vorsitzender des Kreisgerichts der NSDAP-Kreisleitung Jena-Stadtroda. In der Referendarprüfungskommission beim Oberlandesgericht Jena prüft er die "weltanschaulichen Fragen". (Vgl. Dvorak).

1939 wieder Krieg. Radwitz nimmt als Batterie-Chef in einem Artillerie-Regiment am Feldzug gegen Polen teil. Aus gesundheitlichen Gründen erfolgt seine Entlassung als Hauptmann der Reserve.

Seine Amtszeit in Jena läuft am 14. Mai 1940 ab.

Im November 1940 wird er als Oberbürgermeister nach Naumburg an der Saale beordert.

Offizielle Amtseinführung am 15. Januar 1941 durch Regierungspräsident Robert Sommer im Rathaus von Naumburg.

"Auf Intervention jüdischer Freunde, denen er kraft seiner Stellung das Überleben ermöglicht hatte (Mitteilung der Tochter Frau Herklotz) wurde er 1948 entlassen. Heimkehr nach Ennigerlohe (Bünde-Ennigerlohe)." (Dvorak 3) Nun ist er wieder als Rechtsanwalt tätig.

Am 9. August 1953 stirbt Bruno Radwitz in Bünde.

 

Als Friedrich Uebelhoer 1939 von Naumburg nach Lódz berufen wird, tritt im November 1940 der 45-jährige Jurist und Parteigenosse Bruno Radwitz aus Jena (Kahlaischestraße 6) mit der Reichsbesoldungsgruppe B 6 (per 1. Januar 1940) seine Nachfolge an.

Die NSDAP-Kreisleitung Naumburg (Saale) übernimmt Otto Lehmann, geboren am 28. Juni 1896 in Hohenbucko, NSDAP Mitglied seit 1923/25, wohnhaft Naumburg, Mägdestieg 6 (1935). Am 14. Juni 1940 bestätigt Joachim Albrecht Eggeling seine Einsetzung.

Am 15. Januar 1941, gegen 16 Uhr, erfolgt im Kreis der Ratsherren von Naumburg die Amtseinführung von Bruno Radwitz als Oberbürgermeister. Um seine Aufwandsentschädigung gibt es etwas Wirbel. In der Besoldungsgruppe A 1a wird sie schließlich auf 1 500 RM festgelegt. Als Wohnung kommt die von Friedrich Uebelhoer - über Staatsanwalt Sommer, in der Luisenstraße 11 - erste Etage nicht in Frage, weil sie für seine Familie mit vier Kindern H.-A. (1933), B. (1936), S. (1937) und I. (1942) zu klein ist. Er bezieht eine Wohnung in der Grochlitzer Straße 53, Mietpreis 135 Reichsmark pro Monat. Die erweist sich für seine Zwecke als nicht geeignet. Am 1. April 1944 zieht er in die Claudiusstraße 12 mit einer Miete von 150 RM pro Monat.

Bruno Radwitz nahm das Amt des Oberbürgermeisters deutlich anders wahr als sein Vorgänger Friedrich Uebelhoer. Sein Umgang mit den Bürgern war deutlich konzilianter. Er suchte den engen Kontakt mit den Bürgern. Fritz Burkhardt (KPD, Kramerplatz 7, 1946) erzählt über ihn:

"Als wir einmal bei ihm in der Grochlitzer [Straße] umräumten, sagte er in einem Gespräch: `Das steht fest, mit dem Krieg gegen die SU hat sich Hitler das Genick gebrochen.´ Wir sahen uns alle an und wußten nicht, was das bedeuten sollte. Er war damals schon Oberbürgermeister und wollte uns wahrscheinlich provozieren. Der Genosse Willi Rauchbach war auch dabei."

Von Oberlandesgerichtspräsident Paul Sattelmacher ist folgende Annekdote überliefert:

"Als 1941 das IR 53, das im Winter in seiner Garnison Naumburg gelegen hatte, wieder an die Front ging, gab der Kommandeur ein Fest. Gegen Ende dieses Festes sagte er dem guten Radwitz:

Ich fürchte, lieber Herr R., daß das Regiment, wenn es nach dem Siege in seine Garnison zurückehrt, erst nach Buchenwald marschieren muss, um unseren Oberbürgermeister wieder zu befreien." (SE 68)

Amerikanischen Truppen befreien Naumburg am 12. April 1945 von der Herrschaft des Nationalsozialismus. Bruno Radwitz übergibt die Stadt kampflos. Für Illusionen gibt es keinen Spielraum. Als Chef der Stadtwerke Jena und anderer Ämter verhängte er Berufsverbote. Als Chef der Ortspolizeibehörde muss er Verhaftungen der Politischen und ihre Deportation in das Konzentrationslager verantworten. Trotzdem gebietet das Prinzip der Korrektheit, dass wir seine Rolle bei der kampflosen Übergabe der Stadt Naumburg an die Alliierten Truppen am 12. April 1945 vorurteilslos wahrnehmen. Oberlandesgerichtspräsident Paul Sattelmacher berichtet darüber:

"Die Bürger der Stadt verdanken ihm [Bruno Radwitz] alle ihr Leben und Besitz. Außerdem ist die Festnahme [am 29. April 1945] für R. selbst ein umso schwerer Schlag, als er ein kranker Mann ist. Befürchtet habe ich diesen Schritt und hat ihn auch R. eben wegen seiner Tätigkeit als kommissarischer Kreisleiter. Das habe ich von R. übrigens nie verstanden, dass er dieses angenommen hat. Er hätte es glatt ablehnen können … ".

"Wieviel Überwindung muss es diesen Mann gekostet haben, das Amt als Kreisleiter anzunehmen!" (SE 67)

Radwitz widersetzt sich am 11. / 12. April Oberst von Bierbrauer Brennstein, dem Kampfkommandanten von Naumburg, der die Stadt verteidigen will (vgl. SE 56). Unter der Eintragung zum 14. April erfahren wir aus den Erinnerungen von Paul Sattelmacher: In Naumburg wurden Abends zehn Personen verhaftet. Sie sind verdächtig Mord- und Sprengstoffanschlägen nicht nur gegen die Besatzungsmacht, sondern auch gegen den Oberbürgermeister Bruno Radwitz begehen zu wollen. Unter dem 29. April lesen wir in den Sattelmacher-Annalen:

"Nachmittags verabschiedet sich Bruno Radwitz von mir. Er wird 16.00 Uhr abgeholt und abtransportiert." (SE 67)

Es folgt die Internierung in verschiedenen (Kriegsgefangenen-) Lagern.

 

Die Stimmung sinkt  zurück

Die nationalsozialistischen Machtstrukturen funktionieren in Naumburg bis zum 11. April 1945. Doch die Überzeugung von der Siegesgewissheit verflog bei den Bürgern schon lange vorher. Selbst einige Parteigenossen erahnen nach der Kapitulation der 6. Deutschen Armee am 2. Februar 1943 in Stalingrad das Ende. Mit diesen Aussichten präsentiert man sich lieber nicht mehr so aufdringlich mit dem Parteiabzeichen der NSDAP, denkt wohl Parteigenosse Kaufmann Kurt Bocker, Zigarren-Bocker genannt, und legt es öfters mal ab. Aber dem Ortsgruppenleiter entgeht nichts. Der fordert den Inhaber der Tabakwarenhandlung (Markt 14) am 12. April 1944 auf, dazu Stellung zu nehmen. Der aber kennt sich aus und macht die Vorgaben:

"Gründe wie
1. ich habe meinen Anzug gewechselt und versehentlich das Abzeichen nicht umgesteckt.
2. ich habe mein Abzeichen verlegt oder verloren,
3. es gibt keine Abzeichen zu kaufen,
werden nicht anerkannt.
Heil Hitler!
gez. Klose, k. Ortsgruppenleiter" (Klose 1944)

 

Polenhasser und Mörder  zurück

 

Ausschnitt aus einem Propaganda-Film der NSDAP
vom September 1940

Der Reichsstatthalter für den Reichsgau Posen Arthur Greiser zusammen mit Friedrich Uebelhoer (bei etwa 0:40 Minuten) bei der Einweihung eines Lagers des Reichsarbeitsdienstes im Gau Wartheland.

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Arthur Greiser wird am 9. Juli 1946 durch ein polnisches Gericht zum Tode verurteilt. Seine öffentliche Hinrichtung erfolgt am 14. Juli 1946 in Posznan.

 

Am 10. September besetzt die Wehrmacht Posen und schliesslich das gesamte Gebiet mit den Städten Hohensalza, Leslau und Kalisch. Sie bilden den Militärbezirk Posen, der am 26. Oktober in das Deutsche Reich eingegliedert und am 29. Januar 1940 in Wartheland umbenannt wird. Als Reichsstatthalter und NSDAP-Gauleiter fungiert Arthur Greiser (1897-1946). Von ihm erhält Friedrich Uebelhoer am 21. März 1940 (rückwirkend zum 1. Januar 1940) die Ernennung als Regierungspräsident von Kalisch. Außerdem ist der Pionier des Führers (vgl. Kreisleiter) als Gauinspektor vom Wartheland tätig.

Wie Arthur Greiser gebärdet sich Uebelhoer in seinem Amt als Polenhasser und Antisemit par excellence. Er rühmt sich, dass auf seinen Befehl hin drei Juden erhängt worden waren, um durch diese "allen sichtbare drakonische Massnahme" zu zeigen, dass er nicht gewillt war, "dem Juden sein auf Zerstörung jeglicher Ordnung ausgehenden Treiben weiter zu gestatten". (Alberti 63)

Ab 1. April 1940 verlegt Uebelhoer seinen Amtssitz von Kalisch nach Lódz, seit dem 7. März 1940 Litzmannstadt, benannt nach dem General und NSDAP-Mitglied Karl Litzmann (1850-1936). Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Stadt "einer der wichtigsten Standorte der Textilindustrie Polens und nach Warschau das zweitgrößte Zentrum jüdischen Lebens. 1939 waren 34,7 Prozent der EinwohnerInnen, 233 000 Menschen, jüdischen Glaubens." (Kinzel 2004)

Noch als Regierungspräsident von Kalisch beruft Uebelhoer einen Arbeitsstab ein, um das Ghettto in Litzmannstadt (Lódz) vorzubereiten. Am 10. Dezember 1939 ergeht von ihm der Befehl:

"Die Erstellung des Gettos ist selbstverständlich nur eine Übergangsmaßnahme. Zu welchen Zeitpunkten mit welchen Mitteln das Getto und damit Lodsch von Juden gesäubert wird behalte ich mir vor. Endziel muß jedenfalls sein, daß wir diese Pestbeule restlos ausbrennen." (Longerich 59-62)

 


Erlass des Regierungspräsidenten Friedrich Uebelhoer vom 10. Dezember 1939 zur
Bildung des Ghetto in Litzmannstadt / Lódz


"In der Großstadt Lodsch leben m. E. heute 320 000 Juden. Ihre sofortige Evakuierung ist möglich. … Die Judenfrage in der Stadt Lodsch muss vorläufig in folgender Weise gelöst werden.

1. Die nördlich der Linie Listopada (Novemberstraße, Freiheitsplatz, Pomorska) Pommerscherstraße wohnenden Juden sind in einem geschlossen Getto unterzubringen, dass einmal der für die Bildung eines deutschen Kraftzentrum um den Freiheitsplatz benötigte Raum von Juden gesäubert wird …

2. Die im übrigen Teil der Stadt Lodsch wohnenden arbeitsfähigen Juden sind zu Arbeitsteilungen zusammenzufassen und in Kasernenblocks unterzubringen und zu bewachen ….

Die mir bisher vorliegenden Vorschläge hinsichtlich der Ausdehnung des Gettos halte ich nicht für ausreichend ….
Weiterhin sind folgende Vorarbeiten zu leisten:

1. Festlegung der Abriegelungseinrichtungen (Anlage von Straßensperren, Verbarrikadierungen von Häuserfronten und Ausgängen usw.)

2. Festlegung der Bewachungsmaßnahmen der Umgrenzungslinie des Gettos.

3. Beschaffung der erforderlichen Materialien für die Abriegelung des Gettos durch die Stadtverwaltung Lodsch.

4. Treffen der Vorkehrungen, dass die gesundheitliche Betreuung der Juden innerhalb des Gettos durch Überweisung von Arzneimitteln und ärztlichen Instrumenten (aus jüdischen Beständen) insbesondere von dem Standpunkt der Seuchenbekämpfung aus gewährleistet ist (Gesundheitsamt).

5. Vorbereitung für die spätere Regelung der Fäkalienabfuhr aus dem Getto und Regelung des Abtransports von Leichen zum jüdischen Friedhof …

6. Sicherstellung der im Getto benötigten Mengen von Heizmaterial (Stadtverwaltung).

... Nach Erledigung dieser Vorarbeiten und nach Bereitstellung der genügenden Bewachungskräfte soll an einem von mir zu bestimmenden Tag schlagartig die Einrichtung des Gettos erfolgen …

Die Erstellung des Gettos ist selbstverständlich nur eine Übergangsmaßnahme. Zu welchen Zeitpunkten mit welchen Mitteln das Getto und damit Lodsch von Juden gesäubert wird behalte ich mir vor. Endziel muß jedenfalls sein, daß wir diese Pestbeule restlos ausbrennen."

(Longerich 59-62)

 

 

Aufgrund des Rundschreibens vom 10. Dezember verfügt Johannes Schäfer als Polizeipräsident von Lódz am 8. Februar 1940 die Einrichtung des Ghettobezirkes. An diesem Tag wurde das jüdische Armenviertel Baluty und die Vorstadt Marysin von Lódz offiziell zum Ghetto erklärt. Am 30. April 1940 erfolgt die hermetische Abrieglung. Etwa 164 000 Jüdinnen und Juden aus Lódz sind hier auf vier Quadratkilometer in Holzhäusern ohne Kanalisation und überwiegend ohne Wasserleitungen eingesperrt. "Sämtlicher Besitz sollte von den im Ghetto eingeschlossenen Juden gegen Lebensmittel erpresst werden. So war es möglich, noch kurz vor der erwarteten Deportation an das Vermögen der jüdischen Bevölkerung zu gelangen. Diese materielle Motivation hatte Uebelhoer in seinem Rundschreiben [vom 10.Dezember 1939] explizit genannt." (Löw 85 / 86)

In zwanzig Transporten werden aus dem Alt-Reich, Wien, Prag und Luxemburg 19 953 Juden ins Ghetto Litzmannstadt deportiert (vgl. Alberti 224).

Die industrielle Judenvernichtung soll möglichst nichts Kosten. Seine Erfolge auf diesem Gebiet teilt Friedrich Uebelhoer am 9. Mai 1941 in der Litzmannstädter Zeitung folgendermassen mit:

"Wenn ich Ihnen kurz berichten soll, was wir auf den einzelnen Gebieten erreicht haben, so kann ich sagen, daß das Judenproblem in diesem Bezirk gelöst worden ist. Wir haben in dieser Stadt vor einem Jahr, am 30. April, das Ghetto geschlossen. Es ist uns damals gesagt worden, daß diese Ghettobildung und die damit zusammenhängenden Aufgaben viele Millionen im Jahr kosten würde. Ich kann Ihnen, Gauleiter, heute melden, daß diese Ghettobildung das Deutsche Reich keinen Pfennig gekostet hat, daß die Juden alles selbst bezahlt haben, durch Sachwerte und Arbeit, zu der sie angehalten wurden."

 

Bereicherung  zurück

Zusammen mit dem Präsidenten der Wirtschaftskammer Litzmannstadt bereichert sich Uebelhoer durch den illegalen Verkauf größerer Mengen Textilien, die zur Anfertigung von Winterkleidung für die Truppen an der Ostfront bestimmt waren. (Vgl. Koppe 1943) Wie lautete doch einst die Schlagzeile des Naumburger Tageblatts zur Einführung Uebelhoers als Ersten Bürgermeister der Stadt Naumburg (Saale)?

 
Naumburger Tageblatt, Naumburg, den 20. Dezember 1933

 

Dem SS-Brigadeführer (seit 11. Juli 1941, SS-Nr.: 209 059) droht Ungemach. Aber "gute Kameraden" helfen sich. So verwendet sich für ihn beim Chef des Reichssicherheitshauptamtes der SS-Obergruppenleiter und Polizeiführer Elbe in Dresden Udo von Woyrsch (1895-1983). Heinrich Himmler antwortet ihm am 19. März 1943 wirsch:

"Die Angelegenheit Uebelhoer  ....  ist mir in allen Einzelheiten bekannt. Ich finde es mehr als unverschämt, wenn sie sich bei Dir einfinden und so tun, als ob sie nichts wüßten."

Im Oktober 1943 wird Uebelhoer von seiner Funktion als Regierungspräsident von Lódz entbunden. (Die Zeitangaben hierzu wie zu seinem Amtsantritt als Regierungspräsident von Merseburg schwanken etwas.)

 

Das Ende von Uebelhoer  zurück

Der Reichsminister des Inneren beauftragt Uebelhoer zum 7. August 1943 mit der Wahrnehmung der Dienstgeschäfte des Regierungspräsidenten von Merseburg.

 

 

Flugblatt
(Auszug)

"Uebelhoer ist wieder da!

Pg. Uebelhoer, der frühere Regierungspräsident in Litzmannstadt, ist zum Regierungspräsidenten von Merseburg ernannt worden.
...

In Litzmannstadt waren damals große Textilmengen der Spinnstoff-Sammlung 1942, die dorthin zur Aufarbeitung gebracht worden waren, nicht zur Anfertigung von Winterkleidung für die kämpfende Ostfront verwendet worden, sondern spurlos verschwunden.

Der damalige Regierungspräsident von Litzmannstadt, Pg. Uebelhoer, wurde beschuldigt, die verschwundenen Textilmengen zusammen mit dem Präsidenten der Litzmannstädter Wirtschaftskammer, Wuttke, unter der Hand zu hohen Preisen verkauft zu haben.

Am 15. Dezember 1942 trafen Gauleiter Greiser, Gauinspektor Geissler, Generalstaatsanwalt Drendel und der Vizepräsident des Gaugerichts, Dr. Braun in Litzmannstadt ein. Noch am gleichen Tag wurde Uebelhoer seines Postens enthoben und bleibt seitdem verschwunden - bis zu seinem jetzigen Wiedererscheinen als Regierungspräsident in Merseburg."

 

 

Offiziell erfolgt seine Berufung wohl am 9. Mai 1944 rückwirkend zum 1. Februar 1944 mit einem monatlichen Bruttogehalt von 1 879,58 Reichsmark. In Merseburg bewohnt er am Domplatz 9 eine 8-Zimmer-Wohnung mit Küche und Garten von 2 700 Quadratmetern Grösse. Dafür zahlt er monatlich 112,80 Reichsmark Miete. Am 7. Oktober 1944 zerstört ein Bombenangriff den Ostflügel des Schlosses in Merseburg. Dabei wird seine Dienstwohnung stark beschädigt, weshalb zum 1. November die monatliche Miete um 50 Reichsmark herabgesetzt wird.

Der Regierungspräsident von Merseburg leitet die Erhebung und Beschaffung von Wohnraum für die Ausgebombten sowie von Unterkünften für Führungspersönlichkeiten und Ausweichlagern für Berlin. Zusammen mit den Landräten versucht er die Verwaltung in den Städten und Dörfern funktionstüchtig zu erhalten, was nur bedingt gelingt.

Nachrichten über seine Aktivitäten im April 1945 liegen nicht vor. Doch es gibt nicht verifizierbare Hinweise dafür, dass er nicht in den Kämpfen umgekommen ist und den Krieg überlebte. Ein Gericht legt als Todesdatum den 31. Dezember 1950 fest.

Mit Friedrich Uebelhoer herrscht von 1933-1939 in Naumburg ein Oberbürgermeister, der die Menschrechte und die Demokratie verachtet. Er macht sich krimineller und politischer Untaten schuldig. In Litzmannstadt / Lódz ist er maßgeblich an der Judenvernichtung beteiligt und beging schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

 

 

Abendroth, Wolfgang: Das Problem des Widerstandstätigkeit der Schwarzen Front.
In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 8. Jahrgang, 1960, Heft 2, Seite 1981 ff.

Alberti, Michael: Die Verfolgung und Vernichtung der Juden im Reichsgau Wartheland 1939-1945. Harrassowitz Verlag, Wiebaden 2006

Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Piper, München und Zürich 1986

Benkwitz, Max: Bevor unsere Republik entstand. Erinnerungen. Zur Geschichte der Arbeiterbewegung im Bezirk Halle. Biographie und Erinnerungen. Heft 5. Herausgegeben von der Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung bei der Bezirksleitung Halle der SED, Halle 1972

Bisher zehn Tote. "Volksstimme", Magdeburg, den 13. Mai 1924

[Blanz] Die Entnazifizierungskommission [Fragebogen]. Stadtarchiv Naumburg, Politische Säuberung und Kontrolle der Wirtschaft, Direktive 24 (Entnazifizierung) 1947-1948, Archivsignatur 187

[Blecher] Die Entnazifizierungskommission [Fragebogen]. Stadtarchiv Naumburg, Politische Säuberung und Kontrolle der Wirtschaft, Direktive 24 (Entnazifizierung) 1947-1948, Archivsignatur 187

Blenkle, Dr. med. Erich, Bad Kösen, Karl-Marx-Straße 17. Verhandlung auf der Ortspolizeibehörde in Bad Kösen. 27. Mai 1946, Stadtarchiv Bad Kösen (keine Signatur)

[Blume] Die Entnazifizierungskommission [Fragebogen]. Stadtarchiv Naumburg, Politische Säuberung und Kontrolle der Wirtschaft, Direktive 24 (Entnazifizierung) 1947-1948, Archivsignatur 187

Blutbad in Halle. "Lübecker Volksbote", Lübeck, den 13. Mai 1924

Blutiger Sonntag in Halle. "Vossische Zeitung", Berlin, den 12. Mai 1924

[Bürger] Nationalsozialistische Werbeversammlung. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 21. Februar 1930

Burkhardt, Erich: Die Entnazifizierungskommission [Fragebogen]. Stadtarchiv Naumburg, Politische Säuberung und Kontrolle der Wirtschaft, Direktive 24 (Entnazifizierung) 1947-1948, Archivsignatur 187

[Burkhardt, Fritz] Bericht des Genossen Fritz Burkhardt über seine Erlebnisse und seine Tätigkeit nach 1945. Naumburg, ohne Jahresangabe, unveröffentlicht

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ein vergessener Monumentalbau. Die Geschichte eines Denkmals in drei Epochen deutscher Geschichte. Schülerakademie Geschichte "Denk mal Geschichte" der Frankeschen Stiftung in Halle. (Ohne Jahresangabe)

Der Kreisleiter gab die Marschrichtung. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 26. März 1935

Der Sonntag in Halle. [Einweihung des Moltke-Denkmals zum Deutschen Tag in Halle] "Vossische Zeitung". Berlin, den 13. Mai 1924

Der wahre Kapitalismus und seine Helfershelfer ..... "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 29. März 1924

Die Einführung der neuen Stadtverordneten. "Naumburger Tageblatt", Naumburg am 10. Januar 1930

Naumburg erwache! "Volksbote", Zeitz, den 1. Februar 1932

Dietrich, Oberbürgermeister, Verfügung, an den Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion Friedrich Blüthgen vom 11. April 1931, Stadtarchiv Naumburg, Magistrat Naumburg, Magistratsmitglieder, Stadtarchiv Naumburg, Archivsignatur 7226

Deutscher Tag in Halle. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 12. Mai 1924

(Deutscher Tag) Wer ist verantwortlich. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 13. Mai 1924

Duesterberg: Rede am 13. Mai 1924 zur Einweihung des Moltke-Denkmals zum Deutschen Tag in Halle. Zitiert nach: Der "Deutsche Tag". "Deutsche Allgemeine Zeitung. Tägliche Rundschau." Ausgabe Gross-Berlin, 13. Mai 1924, Seite 1

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[Kob, Adolf] Jahr der Arbeit und des Einsatzes. Rückschau und Ausblick. / Von SA-Obergruppenführer Kob, Führer der SA-Gruppe-Mitte, Mitteldeutsche National-Zeitung, 1938, Nummer 360

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Koppe, Obergruppenführer SS - Brief vom 4. März 1943 an den Ortsgruppenführer, unveröffentlicht

Kreisleiter Oberbürgermeister verabschiedet sich von seinen Mitarbeitern. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 30. Oktober 1939

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Leidigkeit, Karl-Heinz / Jürgen Hermann: Auf leninistischem Kurs - Geschichte der KPD - Bezirksorganisation Halle-Merseburg bis 1933. Herausgegeben von der Bezirksleitung Halle der SED. Druckhaus "Freiheit", Halle 1979

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[SA-Führer] Der Oberste SA-Führer I. Nr. 2811. München, den 19. Februar 1934, Betrifft Organisation der SA, unveröffentlicht.

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SA-Regional [Standarte Naumburg J 4]

[SA 1] SA-Dienstplan Dienstplan vom 16. Februar bis 15. März 1934
Für die Orte Kösen und Lengefeld, für die Trupp 1 bis 3, unveröffentlicht

[SA 2] SA-Dienstplan Dienstplan vom 1. März 15. März 1934
Für die Orte Kösen und Lengefeld, für die Trupp 1 bis 3, unveröffentlicht

[SA 3] SA der NSDAP, Brigade 38 (Ms-W.), Abt. G Tdb, Nummer 160/34: Betr. Waffenangebote, Halle, den 13. November 1934, unveröffentlicht

[SA 4] [Schriftstück] An den Sturm 12 in Bad Kösen, den 20. Februar 1934, unveröffentlicht

[SA 5] Der Oberste SA-Führer. I Nr. 2810. Betr. Aufstellung von Sondereinheiten. Der Stabschef Röhm. München, den 19. November 1934, unveröffentlicht

[SA 6] Der Oberste SA-Führer. I Nr. 2811. Betr. Organisation der SA. Der Stabschef Röhm. München, den 19. November 1934, unveröffentlicht

[SA 7] SA der NSDAP. s. W. Stb. J 4, Tgb. II Nr. 79/34. Führer des Sturm II an den Sturm 12 Bad Kösen. Burgheßler, den 16. Februar 1934, unveröffentlicht

[SA 8] Schumann, Heinz, Bad Kösen, Lindenstrasse 19 a, Brief an den Obersturmführer Hensel, Bad Kösen, den 12. Februar 1834, unveröffentlicht

[SA 9] SA der NSDAP. s.W. Sturmbann J 4. Strumbann II. Rittergut Burghessler, Naumburg, Saale, den 13. Februar 1934. An den Sturm 12, Bad Kösen, unveröffentlicht

[SA 10] Der Oberste SA-Führer. I Nr. 2372. Betr. Erteilt nach Verteiler IV. Betr: Abzeichen für SA-Sanitäts- und Verwaltungsführer. Aufstellung von Sondereinheiten. Der Stabschef Röhm. München, den 9. Februar 1934, unveröffentlicht

[SA 11] SA der NSDAP s W Sturmbann II, Sturm 12 / J 4. Verwaltungsführer: An den s W Sturmbann II, Sturmbannführer Hensel, Burghessler. Verwaltungsführer, Bad Kösen, den 3. Februar 1934, unveröffentlicht

[SA 12] SA der NSDAP. SW Sturmbann II. Sturm 12 / J 4. An den s W Sturmbann II Sturmbannführer Hensel, Burghessler. Bad Kösen, den 3. Februar 1934, unveröffentlicht

[SA 13] Dienstplan vom 1. bis 31. Januar 1934 [SA der NSDAP. SW Sturmbann J 4. Sturmbann II. Bad Kösen /Lengefeld], gezeichnet Obertruppführer Törpsch, unveröffentlicht

[SA 14] An den Sturm II, Burghessler. [Betr. Kommandozulage], Bad Kösen, den 29. Januar 1934, unveröffentlicht

[SA 15] [Schriftstück] Zurück an S.W. Sturmbann J 4, 2. Februar 1934. Der Stabsführer der Brigade 38 (Ws.-W), Standartenführer, unveröffentlicht

[SA 16] SA der NSDAP, s. W.-Sturmbann J 4, Tgb. Nr. 45/34. [Siedlungsprogramm für SA Leute] Der Führer der Stb. II/ s. W. Stb. J 4. Adjutant und Obertruppführer, unveröffentlicht

[SA 17] P.[eter] Soenderop, Bad Kösen, an Kamerad [Obertruppführer] Törpsch, Bad Kösen, den 24. Dezember 1933, unveröffentlicht

[SA 18] SA der NSDAP, s. W.-Sturmbann J 4, Tgb. II Nr. 89/33: An die Führer der Stürme. Adjutant und Obertruppführer. Burghessler, den 16. Dezember 1933, unveröffentlicht

[SA 19] SA der NSDAP, s. W.-Sturmbann J 4, II Sturmbann, Sturm 4: An den Sturmbannführer II. Obertruppführer, Bad Kösen, den 1. Dezember 1933, unveröffentlicht

[SA 20] SA der NSDAP, s. W.-Sturmbann J 4, Sturmbann II: Auszug aus dem Gruppenbefehl Br.B.Nr. 245/33 IIa. Der Adjutant. Obertruppführer. Bad Kösen, den 18. November 1933, unveröffentlicht

[SA 21] SA der NSDAP, Standarte Naumburg, Sturmbann II. Abschrift. Brigade 38, Abt. Ic Tgb. Nr. 6672/33. An sämtliche Standarten. Bad Kösen, den 13. November 1933, Stabsführer der Brigade, Brückner, unveröffentlicht

[SA 22] SA der NSDAP, Standarte Naumburg, Sturmbann II. An die Sturmführer !!!!!, Bad Kösen, den 9. November 1933, unveröffentlicht

[SA 23] SA der NSDAP, Standarte Naumburg, Sturmbann II. An Sturmführer M. Törpsch, Bad Kösen. Bad Kösen, den 7. November 1933, unveröffentlicht

[SA 24] Aufnahmegesuche, unveröffentlicht

[SA 25] Aufnahmegesuche, 1. November 1933, unveröffentlicht

[SA 26] Aufnahmegesuche, 1. November 1933, unveröffentlicht

[SA 27] Aufnahmegesuche, 1. November 1933, unveröffentlicht

[SA 28] [Personale Strukturdaten] Burghessler, den 24.Oktopber 1933, unveröffentlicht

[SA 29] 2. SS-Sturm, IV /26, SS-Standarte, Bad Kösen, den 23.Oktober 1933: An den Sturm Bad Kösen, z. Hd. M. Törpsch, i.A. Hänisch, SS-Scharführer, unveröffentlicht

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Schmidt, Georg [Stadtverordneter der NSDAP]: Brief an den Oberbürgermeister von Naumburg vom 3. Februar 1932. Stadtarchiv Naumburg, Magistrat Naumburg, Magistratsmitglieder, Stadtarchiv Naumburg Archivsignatur 7226

Schmiechen-Ackermann, Detlef, Matthias Tullner: Stadtgeschichte und NS-Zeit in Sachsen-Anhalt und im regionalen Vergleich. Forschungsgegenstand, Fragen und Perspektiven. Schmiechen-Ackermann, Detlef, Steffi Kaltenborn (Herausgeber): Stadtgeschichte in der NS-Zeit. Lit Verlag, Münster 2005

[Schöbel 1932] Öffentliche Versammlung der Deutschnationalen Volkspartei. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 24. April 1932

Schüdekopf, Otto Ernst: Nationalbolschewismus in Deutschland 1918-1933. Ullstein Verlag, Frankfurt-Berlin-Wien 1972

Schuster, Martin: Die SA in der nationalsozialistischen "Machtergreifung" in Berlin und Brandenburg 1926-1934. Fakultät I - Geisteswissenschaften der Technischen Universität Berlin zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Philosophie Berlin 2005

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[Stadtbücherei] Warum man die Naumburger Stadtbücherei schloss. "Volksbote". 2. Beilage, Zeitz, den Mai 1931 (Datumsangabe durch einen Arbeitsfehler leider gelöscht.)

[Stadtbücherei] Die Leidensgeschichte der Naumburger Städtischen Lesehalle. "Volksbote". Zweite Beilage, Zeitz, den 15. Mai 1931

[Stadtverordnetenversammlung] Die Einführung der neuen Stadtverordnetenversammlung. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 10. Januar 1930

[Stapo 1933e] Lagebericht der Staatspolizeistelle Halle für Oktober 1934. In: Die Lageberichte der Geheimen Staatspolizei zur Provinz Sachsen 1933 bis 1936. Herausgegeben von Hermann-J. Rupieper und Alexander Sperk, Band 2: Regierungsbezirk Merseburg, mdv, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2004, Seite 199 ff.

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[Uebelhoer, Friedrich] Brief der III./84. SS-Standarte, Tagebuch Nummer: 1197/34, III. Brief an die 84.SS-Standarte. Betr.: Kreisleiter Uebelhoer als Rangführer der SS .... Naumburg, den 27. September 1934, unveröffentlicht

[Uebelhoer, Friedrich: Rede zur Eröffnung des Wahlkampfs am 24. März 1938 im Ratskellersaal von Naumburg.] In: Der Kreisleiter eröffnete den Wahlkampf. Mitteldeutsche National-Zeitung, Halle, den 25. März 1938

Uebelhoer, Friedrich, Oberbürgermeister und NSDAP-Kreisleiter. [Rede auf dem Jägertag am 20. August 1938 in Naumburg a.S.]. In: Der Jäger Ehrentag. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 22. August 1938

Uebelhoer, Friedrich: Rede zur feierlichen Wiedereröffnung des Theaters in der Reichskrone am 10. August 1939. Stadtarchiv Naumburg, Einzeldokument

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Wahlaufruf der Deutschnationalen Volkspartei [1924]. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 25. November 1924

[Wahlbuhl] Fragebogen zur politischen Kontrolle und Säuberung der Wirtschaft nebst Anlagen, 1. Mai 1946. Stadtarchiv Naumburg, Entnazifizierung

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Bildnachweis für die Bilder Deutsche Tag in Halle am 11. Mai 1924
Moltke-Denkmal, 11. Mai 1924, "Deutscher Tag". Einweihung. Bundesarchiv, Bild 102-00400 / CC-BY-SA

Vorbeimarsch an der Tribüne. Deutsche Tag in Halle, 11. Mai 1924
Bundesarchiv, Bild 102-00403 / CC-BY-SA 3.0

Aufstellung der Generalität. Deutsche Tag in Halle, 11. Mai 1924
Namensnennung: Bundesarchiv, Bild 102-00399 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0



Ich danke Diplom-Archivarin Annette Wolf, Stadtarchiv Würzburg, Neubaustrasse 12, und Herrn Diplom-Archivar Thomas Schreiner, Stadtarchiv Rothenburg ob der Tauber, Milchmarkt 2, für die Unterstützung. - 21. März 2012

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Autor:
Detlef Belau


Geschrieben: Oktober 2004.
Aktualisiert: 16. April 2012


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