Mörderische Rechte
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Blick zur Burg Saaleck (2007)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die mörderische Rechte

Im Dreieck Rudelsburg, Saaleck und Saalecker Werkstätten, instruiert uns eine Historiker Tagung 2002 in Bad Kösen, besteht die Chance ein "kulturhistorisch einzigartiges Ensemble" zu entdecken, die

als eine Geist-Karte des deutschen Konservatismus

Rudelsburg und Burg Saaleck (Zeichnung, Künstler unbekannt)

zu lesen wäre; in seiner nationalen (Rudelsburg), völkisch-bündischen (Saaleck) und völkisch-architektonischen (Saalecker Werkstätten) Ausprägung. - Mir kommen ernste Zweifel, ob von 1918 bis 1945 in Saaleck wirklich der Geist des Konservatismus wehte, oder, ob es sich nicht perfider Weise um die Ideologie des Chauvinismus und Faschismus handelt. Die mörderisch Rechte werkelt in Saaleck / Rudelsburg an ihrer historischen Selbstbesinnung und sich n gefällt sich darin den Nationalsozialismus rechts zu überholen. Schon vor 1933 erkor sie die Gräber von Erwin Kern und Hermann Fischer zum Symbol der Befreiung des deutschen Volkes. Stahlhelm und Wehrwolf unterstützen sie dabei.

Am 8. und 9. Juni 1930

ehren die Teilnehmer des Bundestreffens des Wehrwolfs in Bad Kösen und Naumburg im Rahmen einer Opfergruppen-Feierstunde die Mörder von Rathenau.

Blick vom Grundstück von Paul Schultze-Naumburg zur Burg Saaleck (2005).

Ebenso müht sich Hans Wilhelm Stein (1934) um die Wahrung des geistigen Erbes der Baltikumkämpfer, deren Kommandeure, wie er sagt,

"viele Tausende deutscher Männer mit sich fortrissen und zum Siege führten oder zu einem ehrenvollen Sterben".

Und nur wenige hundert Meter entfernt, unterhalb der Burg Saaleck, befindet sich das Anwesen von Paul Schultze-Naumburg. Am 10. Mai 1930 treffen hier Adolf Hitler und Richard Darré zusammen. Der Führer hatte ihn bereits im März nach Vermittlung durch Paul Schultze-Naumburg (1869-1949) mit der Ausarbeitung eines Agrarprogramms für die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) beauftragt. Der Autor von Das Bauerntum als Lebensquell der nordischen Rasse avanciert zum Berater der NSDAP. Mit seinem Einfluss auf die Bauernschaft beschafft er dieser Partei viele Wählerstimmen.

Blick von der Burg Saaleck zum Anwesen von Paul- Schultze Naumburg (2011).

Paul Schultze-Naumburg löste 1930 die Werkstätten und um 1933/34 seinen Wohnsitz in Saaleck auf.

Ebenso machen Heinrich Himmler und Joseph Goebbels dem Architekten aus Saaleck ihre Aufwartung. (Vgl. Borrmann 2004) Zum Saalecker Kreis gehören weiter Hans Servus Ziegler, Generalintendant des Weimarer Theaters, bekannt durch seine Worte von der entarteten und "entdeutschten Musik" auf der Gaukulturwoche 1939 in Altenburg (Thüringen). Hier verkehren Hamo Konopacki-Konopath (Ist Rasse Schicksal? - 1926) und Rasse-Günther. Besonders gern kommt Wilhelm Frick nach Saaleck. Als er im Januar 1930 in Thüringen das Amt des Staatsministers für Inneres und Volksbildung erklomm, ernennt er seinen Gastgeber aus Saaleck zum Direktor der Weimarer Kunstschule. Hans F. K. Günther hievt er in den Lehrstuhl für Sozialanthropologie an der Universität Jena.

Stichwortgeber, Wegweiser oder Inspirator beschreiben die historische Rolle des Saalecker Kreises bei der Institutionalisierung des Nationalsozialismus als Staat allenfalls höchst unvollkommen, konnten doch viele seiner Mitglieder ihre Ideen vom Kampf der Rassen, dem Nordischen Gedanken (Hans F. K. Günther) oder der wahren europäischen Ordnung (Darré 1939) bruchlos in Politik (Frick, Darré), Wissenschaft (Hans F. K. Günther) und Kultur (Hans Servus Ziegler, Schultze-Naumburg) umsetzen. Aber dies führt nun weg von der Geschichte der Region Naumburg, in die nationalsozialistischen Machtzentren nach Berlin, München und Weimar.

 

Die Flucht der Rathenau-Mörder nach Saaleck

 

Erwin Kern, 24 Jahre alt, geboren in Gumbinnen/Ostpreußen, Kriegsteilnehmer, Oberleutnant z. S., Angehöriger der Marinebrigade Ehrhardt, beim Kappunternehmen 1920 Mitglied der Sturmkompanie unter M. v. Killinger, 1921 aus der Reichsmarine ausgetreten, 1922 Student in Kiel, politische Leitfigur im O.C.

Hermann Fischer, 26 Jahre alt, Florenz, dann Dresden, war im Ersten Weltkrieg Leutnant und Kompanieführer, Mitglied der Brigade Ehrhardt, Sturmkompanie, Studium in Chemnitz (Maschinenbauingenieur), leitet sächsische O.C.-Aktionen.

Ernst Werner Techow war der Fahrer des beim Attentat benutzten Kraftwagens. 20 Jahre alt, geboren in Berlin, 1918 Kriegsfreiwilliger, Seekadett. 1919 Angehöriger der Marinebrigade v. Rohden. Mitglied der Berliner O.C., Corpsstudent an der TH Berlin, Mitglied zahlreicher nationaler Vereinigungen.

 

Erwin Kern, Hermann Fischer und Ernst Werner Techow, Mitglieder der rechtsextremen Organisation Consul (OC), ermorden am 24. April 1922 in Berlin-Grunewald den deutschen Außenminister Walther Rathenau mit Schüssen aus einer Maschinenpistole und einer Handgranate auf der Fahrt ins Auswärtige Amt. "Das Auto hatten die Großindustriellen Johann und Franz Küchenmeister aus Freiberg in Sachsen, Mitglieder des Deutschen Schutz- und Trutzbundes, zur Verfügung gestellt." (Gumbel 71)

"Eine der wenigen großen außenpolitischen Talenten in unserem Vaterland wurde von Leuten ermordet", erinnert Willy Brandt in seiner Rede zur Feier des 100. Geburtstages von Walter Rathenau, "die sich sogar noch für bessere Deutsche hielten. Sie töteten mit ihren Schüssen eine deutsche Chance, ohne eine Vergangenheit wiedererwecken zu können." (105)

Im Kontext der Ermordung von Karl Gareis (1890-1921) und Matthias Erzberger (1875-1921) sowie den Attentaten vom 4. Juni 1922 auf Philipp Scheidemann (1865-1939) und 3. Juli 1922 auf Maximilian Harden (1861-1927) entfachte die deutschnationale Presse eine Pogromstimmung gegen demokratische Politiker. Ebenso betreiben die revisionistischen Deutschnationalen jahrelang eine systematische Hetze gegen den brillanten politischen Kopf Walter Rathenau (1867-1922). Sie gipfelt immer wieder im öffentlichen Absingen des Liedes:

Schlagt ihn tot den Rathenau,
die verdammte Judensau!

Rechtsanwalt Doktor Werner Rieling, Schriftführer des Vorstandes der Anwaltskammer beim Oberlandesgericht Naumburg (1934), schilderte in seinem Vortrag am 1. Februar 1935 vor dem Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen, Ortsgruppe Naumburg, eindringlich, wie es den Juden in Deutschland gelang, die Macht an sich zu reißen, "wie die ganze Kriegswirtschaft in den Händen eines einzigen Juden, nämlich Walter Rathenaus gelegen habe …" (Rieling)

Der Absolvent der angesehenen ETH (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich) und Gründer der AEG (Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft) agiert seit Februar 1922 als Außenminister des Deutschen Reiches. Schon wenig später unterzeichnet er den Vertrag von Rapallo mit Sowjetrussland und gilt damit seinen Gegnern als Erfüllungspolitiker, gegen die auch die Naumburger Nationalsozialisten zu Felde ziehen und eine boshafte politische Stimmung erzeugen.

In seiner Trauerrede am 24. Juni 1922 vor dem Reichstag macht Reichskanzler Joseph Wirth (1879-1956) die hemmungslose Hetze der nationalistischen Presse für den Mord an Rathenau verantwortlich. An die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) und deren Führer gerichtet sagt er:

"Da steht der Feind, der sein Gift in die Wunden eines Volkes träufelt. - Da steht der Feind - und darüber ist kein Zweifel: dieser Feind steht rechts!"

Burg Saaleck
Foto Paul Wolff (1920)

Zunächst flüchten Erwin Kern (geboren 1898) und Hermann Fischer (geboren 1896) am 24. April 1922 nach Rostock. Auf ihren Kopf sind eine Million Mark ausgesetzt. Überall hingen die Plakate von den Rathenau-Mördern. Aufgrund anhaltender stürmischer Witterung können sie nicht über die See entkommen und müssen umkehren. Seine Freunde versuchten zu helfen, indem sie Geld beschafften und Unterstützung organisieren. In dieser Mission reiste Ernst von Salomon nach Erfurt. "Vor Bad Kösen wurde ich unruhig " schreibt er in Die Geächteten. Und weiter: "Ich stand auf und liess das Fenster herunter und beugte mich hinaus. Ich sah die Saale fliessen und spähte nach dem Bergkegel, der beinahe senkrecht neben dem Bahndamm hochstieg, und das die beiden grauen, massigen, verwitterten Türme der Burg Saaleck, die den Kegel krönen. Und ich grüsste zur Burg hinüber, im heimlichen Gedenken an die Tage da Dittmar dort oben sass, von Kern aus dem Gefängnis befreit, und ich verspürte den brennenden Wunsch, in Bad Kösen auszusteigen und die Burg zu besuchen, die Wege zu gehen, die Kern gegangen, die einen Hauch seines Wesens tragen mussten in trotzigen Steilheit." (Salomon 226 f.)

Ihr Ziel heißt nun München. Mit Fahrrädern geht es in pausenlosen Nachtfahrten in Richtung Süden. Man sah sie in den Wäldern östlich von Hannover, in Mecklenburg, der Mark oder der Elbe.

Der Ostturm von Burg Saaleck (2011) mit der ehemaligen Wohnstätte von Hans Wilhelm Stein.

Am 13. Oktober 1819 gründete im Ostturm der Burg Saaleck eine kleine Gruppe von Enthusiasten den "Thüringisch-Sächsischen Geschichtsvereins für Erforschung des vaterländischen Alterthums und für die Erhaltung seiner Denkmale".

Am 13. Juli treffen sie auf Saaleck ein. In Naumburg erhielten die Flüchtenden wahrscheinlich logistische Unterstützung (siehe Passfälscher-Skandal 1928/29). "Als Mittelsmann dieser Aktion", weiss Gottfried Kormann (1954), "fungierte der Naumburger Fischhändler Nowotnick."

Doktor Hans Wilhelm Stein nimmt die Flüchtlinge in Burg Saaleck auf. Dann fährt er nach München, um Hilfe zu organisieren. Hier lebt der ehemalige Korvetten-Kapitän Hermann Ehrhardt (1881-1971), der steckbrieflich gesuchte Hochverräter, unbehelligt unter dem allgemein bekannten Decknamen Consul. Seine Organisation - der OC - war für die Reichswehr ein Werkzeug mit einem enormen terroristischen Potential gegen die republikanische Politik. - Vor seiner Abfahrt in die bayerische Landeshaupstadt meldet sich der Burgherr in der benachbarten Rudelsburg ab. Trotzdem beobachteten zwei Gäste auf dem Gelände zwei Männer. In der Nacht bemerken sie von der Rudelsburg aus im angeblich unbewohnten Oststurm verdächtiges Licht und erstatten Meldung bei der Polizei.

Gottfried Kormann erzählt diese Geschichte 1954 (57) anders:

"Kern und Fischer feierten am Tage im Hotel Apel Orgien und kampierten des Nachts auf der Burg [Saaleck]. Die Dreistigkeit zwang die Polizei einzugreifen und ihre Verhaftung vorzubereiten."

Die Beziehung der Vorkämpfer des Dritten Reiches zum Kösener Hotel Apel sind aus anderen Dokumenten ebenfalls sichtbar. Sollte es diese obskuren Ausflüge der Beiden tatsächlich gegeben haben, würde ihr Verrat sich anders darstellen als ihn Ernst von Salomon aus der Täterperspektive wie folgt beschreibt:

"Zwei Unwürdige, die das Leben aus lauem Munde an den Tag spieen, sahen, dass die Burg trotz der Abreise des Besitzers bewohnt war; sie schlichen um die Türme, sie erkannten Kern und Fischer und verrieten sie." (von Salomon 228)

 

Die Mörder Rathenaus auf der Saalecksburg tot aufgefunden

Naumburger Tageblatt

Bad Kösen,
den 18. Juli 1922

Dem hiesigen Oberlandesjägeramt war zur Kenntnis gekommen, daß sich auf der benachbarten Saalecksburg zwei Personen aufhielten, auf welche die Beschreibung der Mörder des Ministers Rathenau passte. Es wurde vonseiten des Oberlandesjägeramtes, von Naumburg Unterstützung angefordert und von dort ein Kommando von 14 Schutzleuten mittels Auto nach hier gesandt. Die Burg wurde in vergangener Nacht von morgens 3 Uhr ab umzingelt. An der Belagerung der Burg nahmen auch zwei herbeigerufene Kriminalbeamte aus Halle teil. Es war bekannt, daß der Bewohner der Burg Dr. Stein, schon seit einigen Tagen verreist war, doch hatte man bemerkt, daß ein Fenster geöffnet gewesen, welches gegen Abend wieder geschlossen war. Da die Tür zum Turm verschlossen war, ließ man diese durch einen herbeigeholten Schlosser gewaltsam öffnen, auch im Inneren des Turmes war alles verschlossen. Als man die letzte Tür geöffnet hatte, fand man die beiden Mörder tot auf dem Bette liegend vor. Sie hatten sich kurz vorher erschossen, die Leichen waren noch warm.

 

Eine ähnliche Version bastelt die NS-Kampf-Postille Die Fahne hoch! in Nr. 14 mit dem Titel

Das Drama auf Burg Saaleck

zusammen. Danach legte sich in Saaleck mehrere Spione auf die Lauer und beobachten in der Nacht Männer die Pakete zur Burg Saaleck schleppten. "`Das ist etwas nicht sauber,` flüsterte ein Beobachter, ein marxistischer Arbeiter." Bis in die Morgenstunden hielten die aus. `Und da … der eine Lauscher stieß den anderen an … da trat aus der Burg, prüfend nach allen Seiten ausschauend, ein Mann heraus, sprang in `kurzen Sätzen zu dem Versteck und rannte mit dem Paket zurück. Das war doch der eine der `Rathenau-Mörder`, stieß einer der beiden Lauscher erregt hervor. `Ich lasse mir die Hand abhacken, wenn das nicht stimmt. ` `Ja, es war der Kern, ich habe sein Bild gesehen.` `Wir müssen es sogleich der Gendameriestation melden. Das ist ein guter Fang, und die Belohnung teilen wir uns.`" Sie rannten durch das schlafende Saaleck bis nach Bad Kösen, um es der Polizei melden."

Jedenfalls treffen am Montagvormittag des 17. Juli in Saaleck erstmals zwei Kriminalbeamte aus Halle ein und finden den Wohnturm (Ostturm) verschlossen vor. Ein eiligst herbeigerufener Schlosser soll die Tür aufbrechen. Das misslingt. Nachmittags trifft eine Staffel der Schutzpolizei aus Naumburg ein. Es kommt zum Schusswechsel zwischen Polizei und Geflüchteten. Kern und Fischer erschienen zwischen 14 und 15 Uhr auf der Balustrade des Ostturms und riefen:

"Wir leben und sterben für unsere Ideale, andere werden uns folgen. Es lebe Kapitän Erhardt!"

Ursula Martin karikiert diese Szene in Der Hochstapler Hans Wilhelm Stein (2002) als ein Schlussbild einer Opernaufführung.

Die Darstellungen zum Einsatz der Kriminalbeamten, der Schutzstaffel und dem Schusswechsel differieren etwas. Hierüber informiert am 20. Juli 1922 die Volksstimme (Magdeburg) ihre Leser wie folgt:

"Nach bisher noch unbestätigten Meldungen soll der Mörder Kern bereits am Montag nachmittag als er sich am Fenster des Turmes sehen ließ, während die Burg bereits umstellt war, von den Polizeibeamten verwundet worden sein. Fischer hat dann den Kern durch einen Kopfschuss getötet und darauf Selbstmord verübt."

Etwas anders ist folgende Darstellung: Nachdem gegen 22 Uhr Verstärkung eingetroffen, stürmt die (Schutz-) Polizei den Turm. Kern wird tödlich am Kopf getroffen. Fischer schleppt ihn auf das Bett, legt sich neben ihn und tötet sich selbst mit einem Kopfschuss.

Als das Ehepaar Stein mit Geld, Pässen und neuer Garderobe gegen 22 Uhr auf Saaleck eintrifft, empfängt sie die Polizei. Der Eintritt zur Burg wird ihnen verwehrt. Sie übernachten bei dem befreundeten August Pfisterer in Saaleck. Erst am nächsten Tag nimmt die Polizei sie in Haft. Genug Zeit um Beweismaterialien zu vernichten, speziell die über die Beziehung zu Ehrhardt.

Die Polizei suchte die Rathenau-Mörder in ganz Deutschland, traf aber keine besonderen Maßnahmen für die Region Naumburg-Bad Kösen-Saaleck, obwohl doch erst Anfang des Jahres Ludwig Dithmar hier in Saaleck Unterschlupf fand. Das war wiederum ein klarer Hinweis auf die Tätigkeit der Marine-Brigade Ehrhardt, die nach dem Kapp-Putsch aufgelöst, aber trotzdem als OC (Organisation Consul) weiter arbeitete. Den zuständigen Ermittlern musste die Sache Ludwig Dithmar noch gegenwärtig sein, waren doch die internen Untersuchungen dazu wahrscheinlich noch nicht abgeschlossen.

 

 

Einweihung der Gedenktafel 1933

Am

16. Juli 1933

wird am Ostturm der Burg Saaleck eine Gedenktafel eingeweiht, deren Inschrift lautet:

Hier starben am 17. Juli 1922
den Heldentod im Kampf
um Deutschland unsere
Kameraden
Oberleutnant z. See a. D. Erwin Kern
und Ltn. a. D. Hermann Fischer.
Brigade Ehrhardt

Im oberen linken Quadranten der Tafel befindet sich ein kleines angedeutetes Wikinger-Schiff.

Das Cover zeigt den
Ostturm von Burg Saaleck.

Burgherr Hans Wilhelm Stein begrüßt unter den Ehrengästen den Korvettenkapitän a. D. Hermann Ehrhardt. Seine Brigade musste nach dem gescheiterten Kapp-Putsch unter dem Johlen der Menge Berlin verlassen. Am Pariser Platz feuert sie zum Abschied in die Menge und hinterlässt zwölf Tote und viele Schwerverletzte. Also ein Mann, der sich für Worte der Erinnerung an die Rathenau-Mörder in der NS-Geschichtswerkstatt empfiehlt.

"Die Saat, die diese Männer mit ihrem Blut gelegt haben, diese Saat ist aufgegangen",

sagt er salbungsvoll. Den einstigen Außenminister nennt er einen rassenfremden Mann, der aus Europa einen Völkerbrei machen wollte. Das hören sie gern, der Landrat von Weißenfels Alfred Pape, der Führer des Landesverbandes des Stahlhelms Max Jüttner und der Kreisleiter der NSDAP Naumburg Friedrich Uebelhoer - alles Aktivisten der nationalsozialistischen Bewegung. Unter den Gästen weiter: die Verwandten von Hermann Fischer und Erwin Fischer, Hartmut Plaas und Ernst von Salomon.

"Techow ist auch hier, die beiden anderen [Kern und Fischer] liegen da unten",

schreibt am Tag darauf das Naumburger Tageblatt. Dann wird die Tafel enthüllt, und es spricht der SS-Gruppenführer Freiherr von Eberstein zu den Versammelten.

 

Pfingsten 1936 baut der HJ-Unterbann I/203 (Naumburg) unterhalb der Rudelsburg an der Saale zwölf Zelte auf. Darüber lesen wir in einer Reportage des Naumburger Tageblatts:

"Man hatte diesen Platz nicht nur der schönen Lage wegen zum Pfingstlager erwählt, vielmehr stand die Saalecksburg im Mittelpunkt der geistigen Sammlung. Fischer und Kern erstanden in den Worten unserer Jugend, die beiden Kämpfer für ein schöneres und freies Deutschland".

 

Gegen Abend beginnt am Grab von Kern und Fischer auf dem Friedhof Saaleck eine Feierstunde. Vom Sachsentreffen der NSDAP zum Gedenken an den Kampf um die Wiederauferstehung eines nationaldenkenden Deutschlands trifft weitere Nazi-Prominenz ein. Unter dumpfen Trommelwirbel und wehenden NS-Fahnen schreiten die Gäste zum Doppelgrab. Auf den Saalewiesen 4 200 SS-Männer. Am Eingang des Friedhofs eine SS-Ehrenstandarte. Die Abordnung nimmt um den schmucklosen Stein mit der Aufschrift "Hermann Fischer, Erwin Kern, gestorben 17. Juli 1922" Aufstellung. Von Erhardt die Worte: "Männlich, stolz und kühn tatet ihr eure Pflicht im völkischen Geiste für das Vaterland." Dunkelheit bricht herein. Der Reichsführer der SS Heinrich Himmler nimmt das Wort. Er erinnert an ein verängstigtes Volk [in der Weimarer Republik] und eine "erbarmungslose Jagd" "auf zwei Kämpfer der deutschen Befreiung". Dann legt Stabschef der SA Ernst Röhm einen Kranz nieder. "Zwei Welten scheiden sich an dieser Stätte", seniert er, "die Welt der Feigen und die Welt der Soldaten". Kern und Fischer sind mit ihren Taten Vorbild der SA und SS, "allen Kameraden, die heute in der Front des neuen Deutschland Schulter an Schulter kämpfen."

 

 

Treffen der Mörder

Ein mit Wolken behangener Himmel liegt an diesem Sonntag über der Saale bei Rudelsburg. Ab und an ziehen Regenschauer vorüber. Auf dem kleinen

Dorffriedhof von Saaleck

treffen sich heute,

am 29. Oktober 1933,

eingeschworene Feinde der Demokratie und der Weimarer Republik.

An der Zeremonie nehmen Ernst Werner Techow, der Gehilfe von Kern und Fischer, Heinrich Tillessen (1891-1979), einer der Mörder von Matthias Erzberger (1921), Hanns Hustert, bekannt vom Blausäure-Anschlag auf Philipp Scheidemann (1922), der Kriegsverbrecher Oberleutnant a. D. Ludwig Dithmar und weitere NS-Prominenz teil.

Ernst Werner Techow, der Fahrer des Mordkommandos, erhielt fünfzehn Jahren Zuchthaus. Die braucht er nicht voll absitzen, weil ihn eine Amnestie erreicht. Am 7. Januar 1930 wird er gegen 17 Uhr aus dem Strafgefängnis am Kirchtor in Halle an der Saale entlassen. Der Nazi-Held verfasst 1933 eine Rechtfertigung zum Mord an Walther Rathenau.

Kapitänleutnant zur See a. D. Karl Tillessen verübt gemeinsam mit Heinrich Schulz, beide Mitglied der rechten Organisation Consul (OC), am 26. August 1921 auf Matthias Erzberger in Bad Griesbach im Schwarzwald bei einem Spaziergang mit seinem Parteifreund Carl Diez einen Anschlag. Aus nächster Nähe töteten sie ihn mit weiteren zwei Schüssen in den Kopf.

„Alles für Deutschland.
Kern und Fischer als Vorkämpfer des Dritten Reiches“,

Grab von Erwin Kern und Hermann Fischer (1933) - Zeichnung

lauten die Schlagzeilen des Naumburger Tageblatts am Montag, dem 30. Oktober 1933.

„Die Tat von Kern und Fischer war das Signal zum Aufbruch, wurde Wetterleuchten der deutschen Schicksalswende“, stellt das Naumburger Tageblatt heraus.

Der Stosstrupp des vorgeahnten Dritten Reiches widmet den Rathenau-Mörder Erwin Kern und Hermann Fischer ein Grabstein.

HERMANN FISCHER      ERWIN KERN
17.7.1922

TU, WAS DU MUSST,
SIEG ODER STIRB
UND LASS GOTT
DIE ENTSCHEIDUNG.

Der Grabstein für die Rathenau-Mörder übernimmt sinnstiftende Funktionen beispielsweise für die Kreispropagandaleiter, Kreisredner, Hauptstellenleiter Kultur, den Propagandaleiter der NSDAP Gau Halle-Merseburg Wilhelm Maul und Gauleiter Joachim Albrecht Eggeling. Zum Abschluss einer Tagung am 27. Januar 1939 in Naumburg legen sie in Saaleck für die Freiheitskämpfer, wie es damals hiess, Kränze nieder.

Zum Weihe des Grabsteins für Kern und Fischer kamen der Gauleiter von Halle-Merseburg Hans Eggeling, SA-Brigadeführer Albert Heinz, Generalarbeitsführer Karl Simon, NSDAP-Kreisleiter Uebelhoer aus Naumburg, NSDAP-Ortsgruppenleiter Georg Saalborn aus Bad Kösen und Architekt Max Graumüller (Saaleck).

Auf dem kleinen Dorffriedhof in Saaleck erschien ausserdem der Burgpächter von Saaleck und OC [Organisation Consul] - Mitglied, Hans Wilhelm Stein, für den Walter Rathenau nur

von dem dreifach verdienten Schicksal erreicht worden

ist.

Am späten Nachtmittag legt eine Delegation des Reichsführer SS einen Kranz nieder. Die Inschrift auf dem Kranz des Gauleiters

Und ihr habt doch gesiegt!

hebt die Kohärenz zwischen den Akteuren von der Brigade Ehrhardt mit der nationalsozialistischen Bewegung hervor.

 


"Bei Nacht und Nebel haben [2012] Unbekannte auf dem Friedhof von Saaleck in Sachsen-Anhalt einen Gedenkstein aufgestellt - zur Erinnerung an die rechtsextremen Mörder des jüdischen Reichsaußenministers Walther Rathenau."

Aus: Julia Jüttner: Gedenken an Rathenau-Mörder:
Stein des Anstoßes. Spiegel Online, 24. Juli 2012

 

"Wahrlich, wie ein Stein fiel diese Geschichte auf das 300-Seelen-Dörfchen an der Saale hellem Strande, über dessen Dächern die Ruinen von Saalecks- und Rudelsburg ihr weißes Getürm erheben", notiert Christoph Dieckmann im Jahr 2000. Doch der Grabstein kam nicht als Vulkanbrocken geflogen. Die Feinde der Demokratie und des europäischen Friedens installierten ihn hier. Ein finsterer Tag für den Humanismus - der 29. Oktober 1933. Für Saaleck. Für das Burgenland.

"Ein in einem demokratischen Sinne offensiver Umgang mit der Geschichte," resümiert Rüdiger Haufe (2004, 68), "der seinen Ausdruck beispielsweise zunächst in einer Überarbeitung und Erweiterung der Exposition auf der Burg finden könnte, würde möglicherweise mehr bewirken. Da sich die Geister der Burg Saaleck offenbar nicht vertreiben lassen, wäre es besser, sich ihnen zu stellen."

 

 

Die Baltikumkämpfer

Westturm von Burg Saaleck mit Vorplatz (2010)

Die Türme von Saaleck haben einen äußeren Durchmesser von 10 Meter und 2 Meter starke Umfassungsmauern.
(Vgl. Graumüller 12)

Am 2. und 3. Juni 1934 ehren die Baltikumkämpfer auf der Burg Saaleck ihre gefallenen Kameraden mit einer Gedenktafel am Ostturm.

Anfang Juni 1934 treffen die Baltikumkämpfer aus allen Himmelsrichtungen auf der Rudelsburg bei Saaleck zusammen. Als Ehrengäste erscheinen Hauptmann Helling vom Reichsverband der Baltikumkämpfer, Paul Kuynberg, Vorsitzender der Antibolschewistischen Liga, Graf von der Goltz und Generalleutnant Walter von Eberhardt, der über enge Kontakte zu Hitlers Wirtschaftsberater Doktor Otto Wagener verfügt. Ebenfalls dabei Baron Karl von Manteuffel-Katzdangen, ehemals Mitglied des Alldeutschen Verbandes, dem die Menschenzüchtung als das höchste Ideal gilt. Mit seiner Schrift "Deutschland und der Osten" (1926) gibt er den obersten NSDAP-Führer wichtige politische Stichworte. Gekommen sind ebenfalls das Mitglied Reichstages und der NSDAP-Kreisleiter von Naumburg, Friedrich Uebelhoer, und der Bürgermeister von Bad Kösen. Ebenfalls anwesend: Studienrat Dr. Wilhelm Johannpeter, der als Kreisvorsitzender den Kyffhäuser-Verein Saale-Unstrut-Elsters-Gebiet mit 93 Kriegervereinen und 5 143 Mitgliedern vertritt. Zusammen gedenken sie der 36 000 im Baltikum und bei der so genannten Grenzsicherung Ost Gefallenen, nicht aber der Tausenden Letten, die ihre Truppen standrechtlich erschossen.

"Wir paktieren nicht mit den Baltikum-Verbrechern",

stand im von sozialdemokratischen Ministern unterzeichneten Aufruf vom März 1920 zur Abwendung der Gegenrevolution von Kapp und Lüttwitz. Ein Geist, der längst verflogen. Rings um Saaleck nur beflaggte und mit Grün geschmückte Häuser, die Burg des Nachts mit Scheinwerfern befeuert.

Am Sonntag beginnen die Feierlichkeiten mit einem Festgottesdienst auf der Stendorfer Wiese (Saaleck) mit anschließender Kranzniederlegung an den Gräbern von Kern und Fischer. Dann überwindet der Tross mit einem Fußmarsch die etwa achtundsechzig Meter Höhenunterschied von der Saale hinauf zur Burg. Vor dem Westturm der Burg hält Rüdiger Graf von der Goltz (1865-1946), 1924 1. Vorsitzender der Vereinigten Vaterländischen Verbände eine Rede:

"Um das, was Adolf Hitler im Inneren gekämpft und was er erkämpft hat, das Gleiche haben wir außerhalb der Grenzen unseres Vaterlandes mit der Waffe in der Hand zu verwirklichen gesucht. Zwei Ziele, Kampf gegen den Bolschewismus und Kampf um Siedlungsland, waren die Triebfedern unseres Handelns." (Goltz)

Er muss es wissen, der ehemalige Kommandeur der Ostseedivision, Führer der deutschen Truppen in Finnland, Militärgouverneur von Libau (Lettland), kommandierender General des VI. Reservekorps in Lettland (1919), Vorsitzende der Vereinigten Vaterländischen Verbände (1924-1933) und Schirmherr des Reichsverbandes der Baltikumkämpfer. Unter ihm "bildeten sich Armeen, z. B. die eiserne Division, die sogar eigenes Papiergeld (gedeckt durch die der deutschen Regierung gehörigen Waffenvorräte) ausgaben." (Gumbel 128). "Ein französischer Beobachter bezeichnete" die Goltz-Armee als "eine Armee von Banditen". "Viele zogen beim Anblick der Freikorps Parallelen zu den Söldnerhaufen des Dreißigjährigen Krieges, und auch die Soldaten selbst identifizierten sich damit anscheinend nicht ungern." (Westenfelder)

Im März 1919 lagen über 14 000 deutsche Soldaten in Kurland und warteten darauf, ins Baltikum gegen die russischen Truppen zu ziehen. Man sah die Chance gekommen, die baltischen Staaten in deutsche Abhängigkeit zu manövrieren, denn alliierte Truppen standen hier nicht, und das militärische Gleichgewicht war gestört. Tausende Freiwillige, viele von ihnen Abenteurer, demobilisierte Soldaten, die die Hoffnung auf Land hierher trieb, geführt von unzähligen Kriegsleutnants, die meist nichts anderes gelernt hatten,

"als eine Kompanie geschlossen über den Rinnstein zu führen". (Salomon 1951, 218 f.)

"Nach dem kläglichen Scheitern des zuerst gegen die Bolschewisten, dann gegen die lettische Regierung geführten Kampfes fluteten die Baltikumer nach Deutschland zurück." (Gumbel 128) Aber die "aus dem Baltikum zurückgekehrten Söldnerbrigaden wurden nicht entwaffnet, sie waren um Berlin herum gelagert worden, und die Regierung unternahm nichts, um diese abenteuernden Truppen aufzulösen und nach Hause zu schicken." (Hans Marchwitza) "Sie waren die Grundlage für den Kapp-Putsch, der ja auch mit der Fiktion des Kampfes gegen den Bolschewismus inszeniert wurde. Kaum war er gescheitert, so rief die Ebertregierung, die vor den aufrührerischen Truppen hatte flüchten müssen, dieselben Truppen zum Kampf gegen die Arbeiter ins Rheinland. Natürlich mußten so die am Kapp-Putsch beteiligten Truppen dieses Unternehmen für vollkommen legal halten." (Gumbel 128)

Naumburger Kadetten-Schüler Cordt von Brandis (1888-1972) erinnert sich an die Rede von Generalleutnant Walter von Eberhardt (1862-1944). Ein anderer Ehrengast des Treffens der Baltikumkämpfer auf Burg Saaleck erinnert daran:

"Das Unternehmen [Baltikum], das sich anschloß, sei auch richtig und im Interesse Deutschlands gewesen, aber der Zeitpunkt war verfrüht. Die Frage

Wie schützt sich Europa vor dem
Bolschewismus?

werde wieder auftauchen, aber später. Die weitere Frage Wie vergrößert Deutschland seinen Lebensraum?, der wir unsere Kraft in dem Siedlungsunternehmen hätten widmen wollen, sei brennend und ihre Lösung unerläßlich."

Vor dem Westturm harren die Teilnehmer der Zeremonie.

In der Hoffnung, den Frontsozialismus auf das gesamte Volk übertragen zu können, legt Friedrich Uebelhoer (Naumburg) seinen Kranz an der Gedenktafel für die Baltikumkämpfer nieder.

"Ein heiliges Schweigen ergreift die Menge, als Doktor Hans Wilhelm Stein-Saaleck [4.6.1934] an das Mikrofon tritt." Der Burgpächter ruft den Kriegern zu:

"Die Freikorps sind die Keimzellen der nationalen Revolution. Ohne die Freikorps und ohne den in ihnen lebenden Geist war eine nationalsozialistische Bewegung, eine nationalsozialistische Revolution überhaupt nicht möglich."

Dem Vordringen des Bolschewismus muss Einhalt geboten werden. Für die Eroberung, Unterwerfung und Besiedlung des Ostens ist der Freikorps-Geist unverzichtbar.

Viele NS-Führungskader dienten den Freikorps: Wolf-Heinrich Graf von Helldorf im Freikorps Rossbach, Gauleiter Rudolf Jordan im Freikorps Oberland, NSDAP-Gauführer Magdeburg-Anhalt Wilhelm Friedrich Loeper im Baltikum und Ruhrgebiet, NSDAP-Kreisleiter Naumburg Friedrich Uebelhoer beim Freikorps Lettow-Vorbeck, Bruno Radwitz, 1940-1945 Oberbürgermeister von Naumburg, als Leutnant beim Freikorps Hülsen oder NSDAP-Gauleiter Halle-Merseburg Paul Hinkler (1930) beim Grenzschutz Ost in Posen-Westpreußen.

Dann erfolgt die Weihe der 160 mal 80 Zentimeter grossen schlichten, von August Pfisterer (Saaleck) gefertigten Gedenktafel aus Kalkstein am Ostturm mit der Inschrift:

Deutscher, der du die heiligen Fluren der
Heimat durchschreitest, wende, hier rastend, gen
Ostland den Sinn und gedenke der Männer,
die für des Vaterlands Ehre und Freiheit kämpften und starben,
trotzend feigem Verrat, verantwortlich Gott und sich selbst nur!
Unseren im Kampfe gegen den Bolschewismus zum Schutz
der deutschen Ostgrenzen in den Jahren 1918-1920 im Baltikum
gefallenen Kameraden zum immerwährenden Gedächtnis.
Reichsverband der Baltikumkämpfer
[kleines Hakenkreuz] Grenzschutz- und Freikorpskämpfer [kleines Hakenkreuz]

Der Ostturm von
Burg Saaleck (2011)

Niemand, beendet Stein seine Rede, steht treuer hinter dem Führer, als die Baltikumkämpfer. Und trotzdem, ihr Treffen konterkariert das öffentliche Auftreten und Taktieren von Hitler. Nach seinem Regierungsantritt tat er alles Erdenkliche, um die Furcht der europäischen Staaten vor einer Bedrohung durch Deutschland zu zerstreuen. Er ließ kaum eine Möglichkeit aus, um seinen Friedenswillen zu bekunden. "Das nationalsozialistische Deutschland will den Frieden aus tiefinnersten weltanschaulichen Überzeugungen. Es will", so Adolf Hitler am 21. Mai 1935 vor dem Reichstag, "ihn weiter aus der einfachen primitiven Erkenntnis, daß kein Krieg geeignet sein würde, das Wesen unserer allgemeinen europäischen Not zu beheben, wohl aber diese zu vermehren."

Bad Kösen (2006)

Dem Führer kommt das Treffen der Baltikumkämpfer in Saaleck und Bad Kösen nicht gelegen. Die Reden vom Kampf ums Siedlungsland (von der Goltz) sind geeignet, den faschistischen Charakter der deutschen Aussenpolitik - ihre Eroberungsabsichten - offen zu legen. Ein weiteres Treffen für den 6. und 7. Juli 1935 an diesen Orten unterbindet die Gestapo. Zum 10. Juli 1935 verbietet Reichsinnenminister Wilhelm Frick (1887-1946) den Reichs- und Landesverband der Baltikumkämpfer nebst seiner Ortsgruppen in Preußen.

 

 

Kranzniederlegung im Auftrag des Reichsführers SS

Auf dem Friedhof von Saaleck gedenken am Morgen des 15. Todestages der - wie es offiziell heisst -

Freiheitskämpfer Erwin Kern und Hermann Fischer

Gauleiter und Staatsrat Joachim Albrecht Eggeling, SA-Brigadeführer Heinz, HJ-Obergebietsführer Richard Reckewerth (Halle), NSDAP-Kreisleiter Friedrich Uebelhoer (Naumburg), NSDAP-Ortsgruppenleiter Saalborn (Bad Kösen) und Parteigenosse Graumüller aus Saaleck. Eggeling legte einen Kranz am Grab nieder. Das Ritual wiederholt am Nachmittag der 8. Sturm der 26. SS-Standarte (Halle) im Auftrag des Reichsführers SS. Um den Grabstein stand eine Ehrenwache und weitere Männer der SS-Standarte.

Ehrung erfuhren die Rathenau-Mörder weiter durch eine hochrangige Abordnung des Reichsarbeitsdienstes.

Auch die Bevölkerung nahm regen Anteil.

 

 

Brandt, Willy: Deutsche Außenpolitik nach zwei Weltkriegen. Rede zur Feier des 100. Geburtstages von Walter Rathenau im Auditorium maximum der Freien Universität Berlin am 6. Oktober 1967. In: Willy Brandt. Außenpolitik Deutschlandpolitik Europapolitik. Grundsätzliche Erklärungen während des ersten Jahres im Auswärtigen Amt. Berlin Verlag, Berlin 1968, Seite 102-118

Borrmann, Norbert. Paul Schultze-Naumburg, die "Saalecker Werkstätten" und der Saalecker Kreis. In: Beiträge zur Regional- und Landeskultur Sachsen-Anhalt, Heft 23: Deutsche Erinnerungslandschaft: Rudelsburg-Saaleck-Kyffhäuser. Heimatbund Thüringen e.V., Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V. Halle 2004, Seite 73 ff.

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Die Mörder und ihre Helfer. "Volksstimme", Magdeburg, Donnerstag, den 20. Juli 1922, Seite 3

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Ehrentag für Burg Saaleck und den Burgherren. Der Reichsverband der Baltikumkämpfer, Grenzschutz- und Freikorpskämpfer weiht die Gedenktafel seiner Gefallenen. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 4. Juni 1935

Gedenken an Kern und Fischer. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 17. Juli 1933

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Kormann, Gottfried: Vom heldenhaften Klassenkampf der Arbeiter Kösens. In: Bad Kösen. Ein Heimatbuch. Herausgegeben vom Rat der Stadt Bad Kösen, Naumburg 1954, Seite 51ff.

[Kriegsverbrecher ] Die Festnagelung der wirklichen Kriegsverbrecher. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 13. Februar 1920

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Techow, Hans-Gerd: Eintragung in das Gästebuch von Hans Wilhelm Stein. Hans Wilhelm Stein-Saaleck: Burg Saaleck. Geschichte Sage und Dichtung. Edda Verlag zu Rudolstadt, 15. Oktober 1935, Seite 62

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Verhandlungen der Ferienstrafkammer des Landgerichts am 13. September 1923. "Naumburger Tageblatt", Naumburg den 17. September 1923

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Westenfelder, Frank: Die Freikorps. Kampf ums Baltikum. www.kriegsreisende.de, April 2010

 

Hinweis:

Gedenken an Rathenau-Mörder: Stein des Anstoßes. Von Julia Jüttner. Spiegel-Online, 24. Juli 2012. http://www.spiegel.de/panorama/saaleck-hat-npd-gedenkstein-fuer-rathenau-moerder-aufgestellt-a-846108.html

Saaleck. Grab der Rathenau-Mörder - Treffpunkt alter und neuer Nazis, Badische Zeitung, 13. August 2012. http://www.badische-zeitung.de/deutschland-1/grab-der-rathenau-moerder-treffpunkt-alter-und-neuer-nazis--63085070.html

Saaleck Grabstein als Provokation. Mitteldeutsche Zeitung, 27. November 2014. http://www.mz-web.de/mitteldeutschland/saaleck-grabstein-als-provokation,20641266,17071082.html

Autor:
Detlef Belau

Geschrieben: April 2005. Aktualisiert:
6. Dezember 2011. Ergänzung am 28. November 2014

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