Langemarck-Denkmal

zurück
 

 

 

Langemarck-Denkmal
auf der
Waldschloßwiese im
Bürgergarten von Naumburg an der Saale (etwa 1934)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Langemarck-Denkmal

Du bist nichts, dein Volk ist alles!

 

Vom 8. bis 11. Juni 1933 tagt in Naumburg die 4. Reichsführertagung des Stahlhelm-Studentenrings "Langemarck" zum Thema Wehrsport und Hochschularbeit. Sie beschliesst, ein Mahnmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Stahlhelm-Studenten zu errichten. Am zweiten Tag besucht Franz Seldte, Erster Bundesführers des Stahlhelms und Reichsarbeitsminister, die Konferenz. Um 10.10 Uhr trifft er auf dem Bahnhof in Naumburg ein, wo ihn der Gauführer des Stalhelms Rechtsanwalt Loewe (Naumburg) herzlich begrüsst. Ein Geist der "Kameradschaft, des Opferwillens, der Freiheit und der Wehrhaftigkeit" weht durch Naumburg. Vom "Frontgeist" getragen, entstand die Bewegung gegen die "Revolte vom November 1918", die nach 14-jährigem Kampf den "Durchbruch der nationalen Revolution" brachte, räsoniert Seldte bei seinem Eintreffen. Wer so spricht, verdient es, 1933 in Naumburg zum Ehrenbürger der Stadt ernannt zu werden.

 

Willkommen! Stahlhelmstudenten im feldgrauen Rock, beim Stahlhelm Naumburg!


Als Führer von Tausenden von Stahlhelmern,
grüße ich Euch zur Stahlhelmarbeit.
Bringt Ihr Frohsinn, Jugendfeier und Kampfesmut!
Wir geben Euch verhaltene Kraft, zähes Ausharren und ewiges Soldatentum!
Nur wenn beides sich vereint, wird Deutschland die Zukunft bestehen.
Frontheil!

Loewe
Führer des Stahlhelms Gau Naumburg

8. Juni 1933
Naumburger Tageblatt

 

Ein Abordnung unter Führung des stellvertretenden Führers des Stahlhelms Studentenrings Langemarcks Dr. Heinz Kiekebusch legt gegen 11 Uhr an den Gräbern von Fischer und Kern in Saaleck einen Kranz nieder.

Aus Anlass der Reichsführertagung besucht am 11. Juni Vizekanzler Franz Papen (1879-1969) die Stadt. Das Mitglied des feudalen Berliner Herrenclubs führt ab 1. Juni 1932 die "Regierung der nationalen Konzentration" an. Sein Vorgänger, Reichskanzler Brüning, wollte den hoffnungslos verschuldeten ostelbischen Großgrundbesitz enteignen, was auf den Widerstand (Agrarbolschewismus) um den Kreis von Kurt von Schleicher und Reichspräsident Hindenburg stiess. Mitte Juni 1932 hob Franz von Papen das SA-Verbot auf. Für ihn war das "Vorhandensein eines Privatheeres, einer Kampforganisation, die einen Staat im Staate bilde", wie es die Notverordnung zum Verbot der SA feststellte, offenbar keine "Quelle steter Beunruhigung". Daran dürften sich NSDAP und SA-Anhänger in Naumburg jetzt gern erinnern. Ganz nach ihrem Geschmack war ebenso, dass Hitlers Vize damals schon die Ausschaltung der demokratischen Linke anstrebte . Das "Kabinett der Barone" bereitete so die weitere Annäherung an Adolf Hitler vor. (Vgl. Graml 207, 205)

Franz von Papen überbringt zur Einweihnug des Langemarck-Denkmals folgende Botschaft:

"Das Wort von dem Umbruch der Zeit unserer Tage ist auf aller Lippen. Ein Volk, das sich selbst neu erlebt, seiner Vergangenheit, seiner Werte, seiner Kraft und seiner Hoffnungen sich neu bewusst wird. Es hieße dem Erbe von Langemarck nicht gerecht zu werden, sollten wir nur die Tradition dieser Vaterlandsliebe pflegen. Gewiß ist uns das Objekt jener Liebe, dieses Deutschland, teuer und heilig. Genauso heilig sollte uns aber die sittliche Größe sein, die in der Opferstunde von Langemarck uns entgegentritt."

Die Deulig-Ton-Woche (Nr. 76 vom 14. Juni 1933) veröffentlicht diese Passage, was den Zorn von Hitler und Goebbels erregt haben soll, weil sie dem Deutschnationalen diesen Auftritt neiden.

Franz von Papen
am 11. Juni 1933
auf dem Markt in Naumburg (Saale). Um 16 Uhr beginnt eine Kundgebung. Der Vizekanzler im Kabinett Hitler spricht über
Die Aufgaben der deutschen Jugend im Staat.

Gegen 20.30 Uhr begrüsst Bürgermeister Karl Roloff im großen Rathaussaal mit einer kleinen Ansprache 800 Ehrengäste und Teilnehmer der Reichsführertagung zum Kommers des Stahlhelm-Studentenrings Langemarck. Zugegen ist die Prominenz der Stadt, also der Präsident des Oberlandesgerichts, der Oberstaatsanwalt und so weiter.

"Wehrsport und Hochschulsport stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Verhandlungen",

sagt der Bürgermeister. Dann rühmt er den "genialen Reichskanzler Adolf Hitler". Friedrich Wilhelm Heinz (1899-1968), ehemaliges Mitglied der Organisation Consul, spricht über

"Die Verwirklichung der Kriegserlebnisse durch die junge Generation"

und beschwört den Geist von Langemarck.

"Der Stahlhelm", insistiert Bundeshauptmann Major Franz von Stephani (1876-1939) vor den geladenen Ehrengästen,

"habe diesen Staat mit geschaffen und gehöre zu ihm neben den braunen und schwarzen Kolonnen der SA und SS. Die Stahlhelmer seien 14 Jahre für dieses Dritte Reich marschiert …"

Ein weiterer Redner erklärt, die Aufgabe des Stahlhelms ist es, Führerpersönlichkeiten zu schaffen.

Langemarck-Denkmal auf der
Waldschloßwiese im Bürgergarten (etwa 1934)

 

Die junge Generation soll für den künftigen Krieg abgerichtet werden. Dieser Aufgabe nimmt sich der Stahlhelm-Studentenbund Langemarck mit den Hochschulgruppen in Leipzig und Jena an. Auf seine Initiative hin wird am 6. September 1933 das Langemarck-Denkmal auf der Waldschloßwiese im Bürgergarten, nördlich des Spielplatzes geweiht.

Unermessliche Dienste leistete dabei, läßt der Stahlhelm verlauten, Polizeikommissar Mollenhauer und seine Beamten.

 

Die Landtagswahlen in Thüringen vom 8. Dezember 1929 künden die deutsche Epochenwende an. Wirtschaftspartei (9,6), Deutschnationale Volkspartei (4,0), Deutscher Volkspartei (8,6), Thüringer Landbund (16,4) und NSDAP (11,3 Prozent) koalieren zu einer rechtsbürgerlich-nationalsozialistischen Regierung. Ihr Staatsminister für Inneres und Volksbildung Wilhelm Frick (NSDAP) beruft Paul Schultze-Naumburg [123] aus Saaleck zum Direktor der Staatlichen Hochschule für Handwerk und Baukunst. Der nimmt sofort den Kampf gegen das bolschewistische Flachdach und die Moderne in der Kunst auf. Von Weimar ging die nationalsozialistische Kulturoffensive aus.

"Durch diese Vorgänge," fand Anne-Franziska Bossack (2012, 161) heraus, "verlangte das Naumburger Stadtbauamt nach einer Neupositionierung der bisher von Hossfeld besetzten Leiterstelle."



Stadtbaurat Paul Schröter, geboren am 4. Juni 1876, in Löbejün (bei Halle), Bürgerschule Lübejün, Stadtgymnasium Halle (Saale), 1. und 2. Hauptprüfung für das Hochbauamt 1900 beziehungsweise 1904, 1905-1918 Stadtbaurat in Naumburg, 1919-1921 Leiter der Baugewerbeschule in Detmold, freier Architekt, zweiter Amtsantritt in Naumburg 1. Oktober 1930, Mitglied der NSDAP seit 1. Mai 1937 (Nummer 4 044 295).

Schröter wurde im August 1930 gegen die Stimmen der SPD gewählt.

Später kamen amtlicherseits an seinem fachlichen Können Zweifel auf, nämlich als dem Regierungspräsidium Merseburg "bei einer stichprobenartigen Prüfung der Baupolizeidienstgeschäfte“ im November 1940 auffällt, dass es sich hierbei um einen Mann handelt, „dem es jedoch an der unerlässlichen Urteilskraft über Fragen der Baugestaltung in erheblichem Umfange zu fehlen scheint“ (Reisebericht 1940). Nach der Mitteilung über die Prüfung der Baupolizeidienstgeschäfte im Jahr 1940 machen sich Oberbürgermeister Bruno Radwitz und Bürgermeister Werner Schröder im Februar 1941 zum Zweck der Klärung dieser Angelegenheit auf den Weg nach Merseburg. Eine Lösung ist schnell gefunden, weil Schröter bald die Dienstaltersgrenze erreicht. Aber der Krieg entzog der Stadtverwaltung wichtiges Fachpersonal. Deshalb reaktiviert der Oberbürgermeister den Baurat wieder. Er braucht ihn für die Durchführung von Luftschutzmaßnahmen, Einrichtung von Sammelstellen und Notquartieren, Schaffung von Ausweichunterkünften, Ausführung von Bergungsmassnahmen und der Organisation der Schuttbeseitigung.

Paul Schröter stirbt am 18. März 1944.
(Vgl. Lebenslauf)

 

Besondere Unterstützung erhielten die Langemarck-Studenten von Stadtbaurat Paul Schröter. Bereits vor dem ersten Weltkrieg setzte der studierte Architekt beim Krankenhausbau (1914-1921) in "Formen des Heimatschutzstils mit Putzfassade" und dem Elektrizitätswerk (1907) in "konservativen neobarocken Formen" "Maßstäbe für die zwanziger Jahre" (Bossack 73). Nur wandte sich die Moderne mittlerweile anderen Formen zu. Von Stadtbaurat Schröter erwartete man, dass er diesen Einfluss zurückdrängte.

Eine städtbauliche Neuorientierung hielten jetzt vor allem diejenigen für unabdingbar, die noch immer für die Verschandelung der Reichskrone 1923/24 auf Revanche sinnten. Die Amtszeit von Stadtbaurat Friedrich Hoßfeld, der den Bau des Oberlandesgerichtes (1917), die Georgenbergsiedlung (1925/28) und den Umbau der Reichskrone (1923/24) leitete, läuft am 30. September 1930 aus. In der Stadtverordnetensitzung am 25. April 1930 teilt der Stadtverordnete Friedrich Hagemann mit, dass der erweiterte Wahlausschuß nach zwei Sitzungen beschlossen habe, die Stelle des Stadtbaurates neu auszuschreiben. Hossfeld bleibt es unbenommen, sich darum zu bewerben.  11 Stadtverordnete stimmten für eine Ausschreibung der Stelle. 10 stimmten dagegen und 6 Personen  enthielten sich der Stimme.

Im August 1930 wählt die Stadtverordnetenversammlung Paul Schröter in die zweite Amtszeit in Naumburg zum neuen Stadtbaurat (Stadtbauamt, Topfmarkt 6). Die erste währte von 1905 bis 1918.

Den Beschluss zum Bau des Langemarck-Denkmals fasst die Stadtverordnetenversammlung am 26. Januar 1933. Zuvor befürwortete der Bau- und Finanzausschuss den Antrag. "Patriotische Einstellung und Krämergeist bewirken, dass man den Studenten bei ihrem Verlangen bereitwillig entgegenkommt und für ein aufzustellendes Denkmal den Platz zur Verfügung stellt", analysiert der Volksbote (Zeitz) am 31. Januar 1933 das Geschehen.

Schriftsetzer und KP-Mann Franz Neubert (Windmühlenstraße 6a) ist entschieden gegen die Annahme des Antrages und argumentiert,

dass die Anschaffung und Installation eines Waschkessels für die Familien in den Polizeiunterkünften der Ostkaserne wichtiger sei als ein Steinklotz für die Studenten.

Kaufmann Friedrich Hagemann (Jägerplatz 6) vom Bürger Wirtschaftsblock wendet sich gegen die Ausführungen des Stadtverordneten Neubert. Er erinnert die KPD an die Demonstrationen, die große Schrecken unter die Bevölkerung der betroffenen Städte ausgelöst hätten.

Beim Besuch des Kronprinzen August Wilhelm von Preußen (1887-1949) am Donnerstag, den 7. September 1933 kommt es zu Ausbrüche(n) der überschäumenden Volksseele. Zum Spalier stehen erhielten die Schüler des Domgymnasiums schulfrei.

Für den ehemaligen Domschüler (Jahrgang 1906) und deutschnationalen Abgeordneten Landwirt Moritz Starke (Jahrgang 1889) aus der Weißenfelser Straße 14 ist der Bau des Denkmals eine

"patriotische Ehrenpflicht".

Der NSDAP-Stadtverordnete Postschaffner Walter Schmöller (Linsenberg 21) und spätere NSDAP-Ortsgruppenführer (1941), nimmt den Antrag zum Anlass, um eine

Hurra-Rede auf Kaiser Wilhelm

auszubringen. Er erinnert an die "Millionen Kameraden die von uns gegangen sind", die gefallen und gestorben sind. "Daß Schmöller diejenigen als Verbrecher bezeichnete," kommentiert der Volksbote (Zeitz) seine Rede, "die an dem patriotischen Mist keinen Gefallen finden, nimmt bei einem nationalsozialistischen verseuchten Gehirn kein Wunder."

Der Antrag zum Bau des Denkmals wird mit den Stimmen der NSDAP und den Rechten - sozusagen mit den Stimmen der Harzburger Front - gegen die SPD und KPD angenommen.

 

Hotel Schwarzes Roß (vor 1945),
Große Wenzelsstraße 21

Am 6. September 1933 erfolgt die Einweihung des Langemark-Denkmals. Die Bürger stellen den Gästen Freiquartiere zur Verfügung. Kronprinz Wilhelm von Preussen nimmt dies nicht in Anspruch. Kaiserliche Hoheit residiert im Hotel Schwarzes Roß (Inhaber August Dinter, Jahresumsatz 1934 etwa 145 000 Reichsmark).

Vormittags führt er Gespräche mit Naumburger Kriegsveteranen.

Als Ehrengast begrüsst die Stadt den Reichsarbeitsminister und ersten Bundesvorsitzenden des Stahlhelms Franz Seldte. Die Stadt empfängt den Ehrengast im Ratskellersaal. Bürgermeister Roloff und Rechtsanwalt Dr. Kiekebusch, bevollmächtigter Führer des Stahlhelmstudentenrings Langemarck, halten eine kurze Ansprache. Anschließend findet auf dem Markt eine Kundgebung statt.

Der Markt von Naumburg
am 6. September 1933 zur Einweihung
des Langemarck-Denkmals

Über dem Bürgergarten meldet um 21.30 Uhr eine rote Leuchtkugel die Ankunft der Ehrengäste. Aufstellung genommen haben Ehrenformationen - eine Kompanie der Reichswehr, eine Abordnung der SA und SS sowie eine Stahlhelmformation des Gaus Naumburg. Alles liegt im magischen Fackelschein. Eine massenpsychologisch eindrucksvolle Inszenierung, komponiert aus Lichtspielen, Reden, Musik, Gesang und Gestimmtheit der Massen. Franz Seldte hebt zu einer kernigen Rede an. Er tönt von Begeisterung, Opferbereitschaft und Tapferkeit.

Das Ehrenmal ist ein 6 mal 2 mal 8 Meter langer Steinblock und symbolisiert einen Bunker, flankiert von zwei Kreuzen, je 5,50 Meter hoch und 1,35 Meter breit. Es erinnert an ein Gefecht im November 1914 in Flandern. "Junge Regimenter" warfen sich bei Langemarck mit dem Gesang

Deutschland, Deutschland über alles

gegen die feindlichenStellungen. 2 000 französische Infanteristen wurden gefangen genommen und sechs Maschinengewehre erbeutet. So webt das Naumburger Tageblatt mit am Mythos von Langemarck. In diesem Sinne fordert eine stadtbekannte Parteigenossin:

Hütet das Erbe von Langemarck.

Hier warf die Jugend das Ich ab, sagt sie weiter. - Das Ich? Es war ihr Leben! - Dazu trommelt im Herbst 1933 - auch - die örtliche Presse:

Die europäische Neuordnung ist nicht aufzuhalten.

Zu verschiedenen Anlässen finden am Langemarck-Denkmal Gedenkveranstaltungen und Weihen statt. Beispielweise erfolgt hier am Sonntag, den 19. April 1936, die Eingliederung des Jungvolks. Um das Denkmal nehmen im Viereck etwa 600 Jungen der Stadt Aufstellung. Kreispropagandaleiter Lehrer Walter Schieke spricht zur Jugend:

"In dieser Stunde seid ihr angetreten, um das Gelöbnis zu Adolf Hitler abzulegen. Es gab in Eurem Leben noch keine Stunde, wo ihr angetreten seid, einen Schwur abzulegen. Ihr werdet heute eingereiht in die nationalsozialistische Bewegung." (Eingliederung)

Aus Anlass des Kreisappells der NSDAP fand am 30. Mai 1937 am Langemarck-Denkmal eine feierliche Weihe von elf Fahnen der DAF, zwei Fahnen des NSKOV und einer Fahne der DAF (Abteilung Wehrmacht) statt.

 

Die Schlacht bei Langemarck fand vom 21. Oktober bis 15. November 1914 in Flandern - nahe dem Ort Bixschote - statt. Unter Führung von Generaloberst Herzog Albrecht von Württemberg will die deutsche Armee die Kanalküste bis Calais besetzen. Von Beginn an gibt es hohe Verluste. Bereits am ersten Tag, dem 21. Oktober, werden drei Regimenter nahezu aufgerieben. Weitere Angriffe folgen. Der deutsche Angriff scheitert. Die Verteidiger öffnen bei Flutbeginn am 31. Oktober kontrolliert die Schleusen [bei Nieuport]. Das stellt die Angreifer auf Grund der Überflutung großer Geländestreifen vor unlösbare Probleme. Eine Sprengung der Schleusen, wie oft zu lesen, fand nicht statt. Das hätte auch die Verteidiger betroffen. Aber die deutschen Angreifer verbluteten im Artillerie- und Maschinengewehrfeuer ihres Gegners. Die unzulänglich ausgebildeten Soldaten, von vielen unerfahrenen Offizieren geführt, scheiterten unter schwersten Verlusten am britischen Gegenfeuer. Einige Regimenter hatten eine Rate von 50 bis 60 Prozent zu beklagen, zum Teil sogar noch mehr.

Am 19. April 1936 erfolgt mit einem feierlichen Zeremoniell am Langemarck-Denkmal die Eingliederung von 600 Jungen in das Jungvolk; begleitet von einem enormen propagandistischen Aufwand: Fanfaren, Sprechchöre, Lieder undsoweiter. Die HJ verspricht: "Die Jugend Adolf Hitlers tritt das Erbe der Front, der Helden von Langemarck an …." NSDAP-Kreispropagandaleiter Lehrer Walter Schieke erklärt in der Festrede: "Dass Mahmal ist ein Zeichen der Treue und Opferbereitschaft."

Das Denkmal gilt damit als Zeichen der soldatischen Opferbereitschaft, der für die faschistische Eroberungspolitik eingesetzt werden soll. Bald zieht die heranwachsende Jugend wieder gegen Polen, Frankreich und Sowjetunion ins Feld, um Lebensraum für die deutschen Volksgenossen zu erobern, so wie damals im November 1914 in Langemarck. Hierzu bedarf es des deutschen Heldenmythos. Etwa so wie es in den Wehrwolf-Reichsrichtlinien hiess: "Selbstopfer für Volk und Staat war und ist ewig die höchste Sittlichkeit." "So wird uns der Geist von Langemarck nicht nur zum Symbol vaterländischen Opfers," ruft Franz von Papen den Versammelten auf dem Markt von Naumburg am 11. Juni 1933 zu, "sondern des höheren Lebens überhaupt."

 

Nach 1945 wird der Ehren-Bunker abgetragen.

 

 

Bossack, Anne-Franziska: Städtebau zwischen Retrospektive und Avantgarde. Naumburg an der Saale von 1900 bis 1939. Masterarbeit im Masterstudiengang. Denkmalpflege - Heritage Conservation der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Fachhochschule Coburg, Betreuer Professor Achim Hubel, 2. August 2012

Die Eingliederung des Jungvolkes in die Hitler-Jugend. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 20. April 1936

[Eingliederung] Die Eingliederung des Jungvolks. "Naumburger Tageblatt", Naumburg den, 20. April 1936

Graml, Hermann: Zwischen Stresemann und Hitler. Die Außenpolitik der Präsidialkabinette Brüning, Papen und Schleicher. R. Oldenbourg Verlag, München 2011

[Lebenslauf] Schröter, Paul: Mein Lebenslauf. Paul Schröter: Personalakte. Stadtarchiv Naumburg, Signatur 1041

Hauswald, Dörthe: Bürgergarten Naumburg/Saale. Diplomarbeit, Fachhochschule Nürtingen, Fachbereich Landespflege, Sommersemester 1992

Hurrapatriotismus im Naumburger Stadtparlament. "Volksbote", Sozialdemokratisches Organ für die Kreise Zeitz, Weißenfels, Naumburg. Zeitz, den 31. Januar 1933

Papen, Franz: Rede, gehalten in Naumburg (Saale) am 11. Juni 1933. In: Franz von Papen: Das deutsche Gewissen, Reden zur nationalen Revolution. Neue Folge. Gerhard Stalling, Oldenburg 1933, Seite 59 bis 63

Reichsminister Seldte in Naumburg, "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 10. Juni 1933

Reisebericht. Merseburg, 30. November 1940. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg, Rep. C 48 I h, Nr. 908

Seldte, Franz: Rede auf der 4. Reichsführertagung des Stahlhelm-Studentenrings "Langemarck" am 9. Juni 1933 in Naumburg. In: Reichsminister Seldte in Naumburg. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 10. Juni 1933

Stahlhelm-Studentenring "Langemarck". Festschrift zur 4. Reichsführertagung des Stahlhelm-Studentenrings "Langemarck" vom 8. bis 11. Juni 1933 in Naumburg.

Vizekanzler von Papen spricht zu den Studenten. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 12. Juni 1933

Volkshochschulen erhalten neue Lehrkräfte und neuen Raum. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 27. Januar 1933

 

* Fotoalbum der Rosemarie Böttger (1921-2005)

 

Autor:
Detlef Belau

Geschrieben: April 2005.
Aktualisiert: 12. März 2010
Nachtrag: Dezember 2012

zurück