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Chronik

Zu den Ereignissen in Naumburg an der Saale 1918 - 1945

Siehe auch Zur Geschichte der Erwerbslosigkeit, Arbeitslosenversorgung und -vermittlung

 


1918

10. April
Einweihung des Oberlyzeums und Lyzeums am Kaiser-Friedrich Platz (Heinrich-von-Stephan-Platz) durch Oberbürgermeister Dietrich.

8. November
"Die Revolution begann hier am 8. November abends", schreibt Bürgermeister Karl Roloff am 5. September 1919 an das Reichsinnenministerium. "Am folgenden Tag wurden Plünderungen angedroht. Unsere Polizeiexekutive war nur 15 Mann stark. Wir erbaten deshalb vom Soldatenrat ein etwa 50 Mann starkes Kommando von Soldaten mit Führern …"

9. November
Arbeiter- und Soldatenrat übernimmt (formal) die Macht in Naumburg

13. November
Volksversammlung in der "Reichskrone"

16. November
Lehrerrat mit Ernst Heinrich Bethge tagt im Hotel "Schwarzes Roß" (Gr. Wezelsstrasse 21)

19. November
Der Magistrat Naumburg beschließt für jeden der 44 ausgesuchten und zum Polizeidienst geeigneten Männer eine Mehrlöhnung von 3 RM, wenn sie beritten und ständig zur Verfügung stehen. Der Soldatenrat stellt das Kommando. Ihre Anwerbung erfolgt ohne Rücksicht auf ihre politische Gesinnung. Sie beziehen ein Monatsgehalt von 275 bis 300 RM.

1. Dezember
Arbeiter- und Soldatenrat gibt den 8-Stunden-Tag bekannt

2. Dezember
Gründung der DNVP-Ortsgruppe

10. Dezember
Der Vorsitzende des Rates der Volksbeauftragten Friedrich Ebert (SPD) äußert sich vor dem Brandenburger Tor zum Ende des Krieges mit den Worten: "Eure Opfer und Taten sind ohne Beispiel. Kein Feind hat Euch überwunden. Erst als die Übermacht der Gegner an Menschen und Material immer drückender wurde, haben wir den Kampf aufgehoben …. Erhobenen Hauptes könnt ihr zurückkehren."

18. Dezember
Gründung der Demokratischen Partei

27. Dezember
Parade des Feldartillerie Regiments Nr. 55 aus Anlass ihrer Heimkehr aus dem Krieg. Anschließend Festzug durch die Stadt mit herzlicher Begrüßung durch die Bevölkerung. - Dann Auflösung des Regiments.

 

1919

Gertrud Hermes gründet die Volkshochschule Bad Kösen.

Gründung des Weinbau-Instituts als Zweigstelle der Biologischen Reichsanstalt mit Doktor Carl Börner (1880-1953) als Direktor

2. Januar
Hauptmann Freiherr von Hiller und Unteroffizier Schleitzer, Mitglieder des Arbeiter- und Soldatenrates des Feldartillerieregiments 55, rufen die Männer von Naumburg auf in das 2. Thüringische Feldartillerie-Regiment Nr. 55 einzutreten. Es sollen zwei Batterien für die Division des Generals von Reizenstein aufgestellt werden. Bedingung ist Gehorsamkeit gegenüber dem Vorgesetzten. Neben freier Verpflegung und Kleidung gibt es mindestens 30 RM Sold pro Monat. Erklärte Aufgabe ist die Stützung der Regierung.

7. Januar
"Man überliefert das ganze Deutsche Reich den Feinden, und wir stehen jedem Einbruch, jeder Gebietsbesetzung vollständig wehrlos gegenüber. Elsass-Lothringen ist fort …", klagt die Deutschnationale Volkspartei in Naumburg. "Wo sind unsere Kolonien, wo unsere Flotte? Wo unsere Eisenbahnwagen, wo unsere Kraftwagen?"

8. Januar
Das Armeeverordnungsblatt Nr. 8 stutzt die Arbeiter- und Soldatenräte zu willenlosen Werkzeuge in der Hand der Offiziere zu recht.

12. Januar
Demonstration für eine "sozialistische Republik". Im Zug werden Transparente mit der Aufschrift "Wir wollen Arbeit!" mitgeführt.

15. Januar
Arthur Graf von Posadowsky-Wehner hält in der Reichskrone auf einer öffentlichen Volksversammlung Über die heutige Lage und die Aufgaben der Zukunft eine historische Rede, ein ernsthafter und ehrlicher Versuch der Abrechnung mit dem wilhelminischen System aus konservativer Sicht.

19. Januar
Bei den Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung erringen MSPD, Zentrum und DDP zusammen die absolute Mehrheit und bilden unter Philipp Scheidemann (MSPD) eine Regierung. - Erstmals dürfen Frauen ihr Wahlrecht wahrnehmen.

26. Januar
Landtagswahlen

11. Februar
Friedrich Ebert (SPD) wird zum Reichspräsidenten gewählt.

14. Februar
Arthur Graf von Posdaowsky-Wehner (Naumburg) übernimmt nach den Wahlen zur Nationalversammlung den Fraktionsvorsitz der Deutschnationalen Volkspartei und muss nun für die Konservativen die Karre aus dem Dreck ziehen. Am 14. Februar hält er im Plenum der Versammlung die wichtigste Rede seines Lebens.

22. Februar
Gründung der Naumburger Schaubühnen G.m.b.H.  als Unternehmen, das in der Reichskrone (Bismarck- / Theaterplatz) künstlerisches geleitetes Theater anbietet.

24. Februar
Eine Konferenz der mitteldeutschen Bergarbeiter in Halle beschliesst die Durchführung des Generalstreiks.

Die Sozialdemokraten beenden in Naumburg ihre Tätigkeit im Arbeiter- und Soldatenrat.

25. Februar
"Durch Anschlag auf den Straßen wurde heute früh bekannt, dass nachts fünf Uhr der Generalstreik für Naumburg angeordnet worden ist.
….
Als Zweck des Ausstandes wird angegeben: der Rücktritt der jetzigen Regierung und ferner im besonderem folgende Punkte:
1. Sofortige Zurückziehung des Regierungs-Ministererlasses Armee-Verordnungsblatt Nr. 9 (Auflösung der A.[rbeiter] und S.[oldaten]-Räte betreffend)
2. Sofortige Zurückziehung der Regierungstruppen aus Gotha …"

Der Generalstreik in Naumburg. Landrat Schele fordert die ihm unterstellten öffentlichen Institutionen auf in den Abwehrstreik zu treten, falls die Arbeitsniederlegung nicht bis morgen Mittag 12 Uhr beendet wird.

26. Februar
Am Mittwochnachmittag beschließen die Deputierten in der "Reichskrone" die Beendigung des Streiks. Dafür sprechen sich der Versammlungsleiter Gustav Flöhl (SPD, Schriftsetzer) und der Maurer Rauchbach aus. Maler Leopold Heinrich (Dompredigergasse 16) ist für die Fortsetzung des Streiks.

27. Februar
Karl Roloff wird Bürgermeister.

März / April
Die Stadt stellt eine Bürgerwehr auf.

2. März
Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung. Neues Wahlrecht! erstmals dürfen Frauen ihr Wahlrecht wahrnehmen.

23. März
Wahlen zum Arbeiter- und Soldatenrat; Bürgermeister Roloff wird Vorsitzender.

18. Mai (Sonntag)
Auf dem Markt findet eine mächtige Kundgebung gegen den Vernichtungsfrieden statt. General von Röhl sagt in seiner umjubelten Rede: "Unannehmbar! ist dieser Friedensvertrag. So tönt es durch ganz Deutschland von Nord zu Süd, von Ost zu West in tausenden Protestversammlungen aus vielen treuen deutschen Herzen. Unannehmbar." Ein "brutaler Gewaltfrieden".
Worte wie von der "Schuldknechtschaft", "Preisgabe unserer Ehre" fallen in der von der Demonstration verabschiedeten Entschließung. - Über die wirklichen Ursachen des Ersten Weltkrieges wird fortan besonders in den Schulen nicht gesprochen.

Frühsommer
Die politische Stimmung schlägt in militanten Nationalismus um.

Juni
Schon der fünfte Sommer ohne Kirschfest!

13. Juni
Tag der Beerdigung von Rosa Luxemburg. Die Arbeiter treten in Zeitz und anderen Bergarbeiterorten in einen vierundzwanzigstündigen Generalstreik.

August
Seit 1907 besteht in Ulmenweiler bei Metz eine ständige Außenstelle der Kaiserlichen Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft. Sie widmet sich vor allem der Reblausforschung. Im Krieg muss sie abgebrochen werden. 1919 nimmt in einem behelfsmäßigen städtischen Gebäude der Stadt Naumburg (Saale) die neue Zweigstelle unter der Leitung von Oberregierungsrat Prof. Doktor Carl Börner seine Tätigkeit auf.

30. August
Die USPD lädt am Abend zur Versammlung in die Reichskrone mit Albert Bergholz (1892-1957) ein, SPD-Reichstagsabgeordneter, Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Leipzig, ab 1919 Redakteur beim Volksboten in Zeitz. Er spricht über die politische Lage, warnt vor Verhetzung der Massen und einer Putsch-Politik. Der Referent bemühte sich um Sachlichkeit und Ruhe, registriert das Naumburger Tageblatt. Allerdings soll
ein Vertreter der KPD in "wüstester Weise zum Mord und Bürgerkrieg" aufgefordert haben. "Der Herr konnte zwar noch nicht einmal deutsch sprechen, aber das hinderte [ihn] nicht, dass seine schädlichen Ausbrüche teilweise Beifall fanden". Die Mehrzahl der Anwesenden lachte über diese "Rede", schreibt die Zeitung.

5. September
"Während die Zahl der Verbrechen, Vergehen und Übertretungen gegen die Person, das Eigentum und die öffentliche Ordnung, die Sittlichkeit sowie der sonstigen, die öffentliche Sicherheit störenden Handlungen im Jahre 1913 hier im ganzen 1 100 betrug, sind solche Handlungen hier in der Zeit vom 1. August 1918 bis 1. August 1919 im ganzen 1 555 verzeichnet." (Bürgermeister Roloff 5.9.1919)

19. September
Ernst Heinrich Bethge wird ehrenamtlicher Stadtrat der SPD.

12. Oktober
Max Klinger (Großjena) heiratet Gertrud Bock.

18. November
Geburt der Dolchstoß-Legende (Hindenburg)

Treffen der Naumburger KPD Anhänger im Restaurant "Feldschlößchen" (Spechsart)

Gründung eines Naumburger Orchesters. Es gibt 1920/21 in der "Reichskrone" viel besuchte Konzerte.

 

1920

 

27. Januar
Zu Kaiser` Geburtstag flaggen die Reichswehrtruppen Schwarz-Weiss-Rot und halten eine Parade wie zu Wilhelms-Zeiten ab.

2. Februar
Der Magistrat ordnet durch Bekanntmachung an, dass die Mietpreise mit Stand 1. Juli 1914 einen Aufschlag von 20 Prozent erhalten.

7. Februar
Große Aufregung herrscht in großen Teilen der Öffentlichkeit über die Forderung (Note) der Entente Staaten nach Auslieferung deutscher Kriegsverbrecher. Sie übergeben der deutschen Regierung eine entsprechende Liste. Die Anklage bezieht sich vorallem auf die Politik der verbrannten Erde. Unter den Kriegsverbrechern auch der in Naumburg bei vielen Bürgern beliebte August von Mackensen. Um die Auslieferung deutscher Militärs und Politiker an die Allierten kommt es zum Konflikt, der die Wellen der Erregung schlagen hoch. Gottfried Traub (1869-1956), ein Freund von Georg Schiele (Naumburg), berichtet von 8 000 für Offiziere an allen möglichen Orten Deutschlands bereitgestellten Quartieren. Bewaffnete Stosstrupps sollen die Ferienkinder vor dem Zugriff der Allierten schützen.

9. März
Major Freiherr von Seebach beim Appell vor dem Kadettenhaus: "Die Kadetten sind entlassen."

16. bis 20. März
Naumburg im Bürgerkrieg - Abwehr des Kapp-Putsches

Doktor med. Georg Schiele (DNVP) aus Naumburg beteiligt sich in Berlin am Kapp-Putsch.

14. März
Bürgerwehr formiert sich in Kooperation mit der Reichswehr

15. März
Versammlung in der „Reichskrone“. Beschluss: Politischer Streik gegen die Kapp-Regierung in Berlin.

Wahl eines Aktionsausschusses, der sich im Goldenen Hahn stationiert.

Demonstration auf dem Markt.

Der Aktionsausschuss stellt Oberbürgermeister Dietrich ein Ultimatum zur Entwaffnung der Einwohnerwehr (Bürgerwehr).

12.00 Uhr Walter Fieker spricht vom Marktbrunnen zu den versammelten Bürgern. Es sind (wahrscheinlich) überwiegend Arbeiter. Anschließend redet Buchhändler Paul Heese (Naumburg).

16. März
Die Entwaffnung der Bürgerwehr durch den Aktionsausschuss gelingt nicht.

Die Reichswehrbrigade XVI unter Major Wiesner rückt aus Richtung Bad Kösen über den Domplatz, die Linden- und Herrenstraße auf dem Markt vor. An der Ecke Marienstraße / Markt installiert sie ein Maschinengewehr. Nach Vorwarnung schiesst die Reichswehr. Ein Toter und acht, zum Teil schwer Verletzte.

17. März
In Berlin gilt der Kapp-Putsch als gescheitert.

Die vom Aktionsausschuss in Naumburg geführten Bürger besorgen sich in den umliegenden Dörfern Waffen. Sie werden in einer Scheune in der Lehmgrube am Kalten Hügel gelagert. Einige nehmen die Waffen mit nach Hause.

19. März
gegen 10.00 Uhr: Eintreffen (wahrscheinlich aus Weimar kommend) der Radfahrkompanie der Reichswehr.

Kämpfe zwischen Reichswehr sowie Einwohnerwehr einerseits und den Gruppen des Aktionsausschusses andererseits, um die Lehmgrube am Kalten Hügel, die sich über die Seminarstraße, Neuengüter, Moritzwiesen bis zum Oberlandesgericht fortsetzen.

Heftige Kämpfe unter Beteiligung Gruppe Fieker in Bad Kösen um die „Tanne“. Neun Tote und 30 Verwundete. Viele Verhaftungen. Allein in Bad Ksöen 27 Personen (Arbeiter).

20. März
Strategische Schienensprengung auf der Eisenbahnstrecke zwischen Freyburg und Naumburg durch einen Bürger aus Freyburg.

Walter Hege, geboren am 12. November 1893 in Naumburg, legt seien Gesellenprüfung als Fotograf ab.

21. März
"Neben dem Gefängnis sind nach dem Abzuge der Reichswehr in der Stadt Naumburg aber auch noch mehr als 50 Militärgebäude, die zum Teil einen sehr wertvollen Inhalt bergen, zu schützen. …. Hierzu, und um noch einen notdürftigen Schutz der Stadt im Allgemeinen zu gewährleisten, sind aber mindestens 2 Hundertschaften erforderlich." (Roloff 21.3.1921)

22. März
Aktionsausschuss beschließt die Wiederaufnahme der Arbeit.

April
Es organisiert sich der Verein deutscher Flüchtlinge mit den Bürgern aus den deutschen Ostgebieten.

Frühjahr
Gründung der KPD-Ortsgruppe. (Quellenlage äusserst schwierig.)

1. Mai
Erster Mai - Ehrentag der Arbeiter.
Polizeibericht über "Die Maifeier": Vormittags machten die Schriftsetzer und Kommunisten mit einer kleinen Musikkapelle einen Ausflug nach Wethau, Schönburg, Neue Welt und Schellsitz. Rückkehr: 11 ¼ Uhr und Auflösung des Zuges auf dem Markt. Nachmittags 2 Uhr öffentliche Versammlung auf dem Kaiser-Friedrich-Platz (heute Heinrich von Stephan-Platz). Teilnehmerzahl: 2 000 bis 2 500 Personen.

Kranzniederlegung der Kommunistische Arbeiterpartei, Ortsgruppe Naumburg an der Saale für die im Kapp-Putsch Gefallenen.

5. Mai
Versammlung mit Genossen Albert Bergholz (USPD) zu den Ereignissen in Kapp-Stadt (Naumburg) um 8 Uhr abends in der Reichskrone. Am 13. März (1920) nahmen die Arbeiter die Waffen in die Hand, um die "Regierung wieder aufzurichten", sagte der Redakteur des "Volksboten" (Zeitz). Er verurteilt scharf das Verhalten des Naumburger Oberbürgermeisters. Angeblich erhielt dieser wegen der März-Toten durch seinen Dienstvorgesetzten ein Disziplinverfahren.

6. Mai
Bürgermeister Karl Roloff: "Am 6. Mai 1920 [siehe Chronik 31. Mai 1920] beginnen hier die Schwurgerichtsverhandlungen wegen der gelegentlich des Generalstreiks 1919 in Zeitz usw. begangenen Aufruhr- und Landesfriedenbruchs-Verbrechen, wozu etwa 200 Zeugen geladen sind.

Diese Verhandlungen werden mehrere Wochen dauern.

Im hiesigen Gerichtsgefängnis befinden sich gegenwärtig annähernd 400 Gefangene, darunter viele politische, deren sofortige Befreiung von den Radikalen fortgesetzt gefordert wird.

Hinzu kommt noch, dass die Reichstagswahlkämpfe sich hier voraussichtlich sehr heftig gestalten werden.

Diese Verhältnisse lassen u. E. vorbeugende Maßnahmen unbedingt notwendig erscheinen und zwar nicht nur für den 1. Mai … [handschriftliche Einfügung], sondern bis auf weiteres.

Deswegen bitten wir das Garnisonkommando ergebenst und dringend, dahin wirken zu wollen, daß die Stadt nicht wieder, wie Mitte März, von Truppen fast völlig entblößt wird." (Die Polizeiverwaltung, 22. April 1920)

Eröffnung der Stabila (Staatliche Bildungsanstalt) in der ehemaligen Kadette. Einführung von Doktor Güsso in das Amt des Anstaltsleiters.

14. Mai
Friedrich Muck-Lamberty bricht aus der Stadt Hartenstein (Erzgebirge) nach Kronach (Franken) zum Pfingsttreffen des Wandervogels auf. Hier schliessen sich ihm etwa fünfundzwanzig Jugendliche an und unternehmen als Neue Schar eine Wanderung durch Franken und Thüringen.

31. Mai
In Naumburg beginnt gegen 45 Angeklagte der Zeitzer Landesfriedensbruchprozess unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Hagen.

6. Juni
Reichstagswahlen

2. Juli
Urteil im Zeitzer Landfriedensbruchprozess am Schwurgericht in Naumburg. Die am großen mitteldeutschen Streik beteiligten Zeitzer Arbeiter werden zu insgesamt 54 Jahren Gefängnis und 80 Jahre Zuchthaus verurteilt, berichtet Reichstagsabgeordneter Fritz Kunert in seiner Rede am 30. Juli 1920 vor dem Reichstag.

4. Juli
Max Klinger stirbt in seinem Landhaus in Großjena

10. und 11. Juli
25. Turnertag des Nordthüringer Gaus in Naumburg

21. Juli
Das Gewerkschaftskartell von Naumburg lädt 8 Uhr abends in die "Reichskrone" zur
"Große(n) Protestversammlung gegen das Naumburger Schandurteil über die Märzopfer" ein.

28. Juli
Friedrich Muck-Lamberty spricht im Volkshaussaal von Jena über Die Revoluition der Seele - Zusammenbruch des Alten und Empörung der Jugend.

29. Juli
Beurlaubung von Oberbürgermeister Dietrich wegen der Vorfälle im März 1920.

20. August
Durch die Polizei von Naumburg f
estgestellte Parteianhänger: USPD 4 400, KPD 150, VKPD 25.

1. Oktober
Erich Becker wird Direktor des Krankenhauses Naumburg. Sein Jahresgehalt beträgt 20 000 Reichsmark nebst 50 Prozent Teuerungszulage.

November
Ankündigung der Hussiten-Geld-Serie durch den Magistrat.

 

1921

 

Der Vaterländische Frauenverein schafft eine Waldliegehalle.

Otto Wolf leitet die FAUD-Ortsgruppe (Freie Arbeiter-Union Deutschland).

Umbau des Rathauses unter Leitung von Friedrich Hoßfeld.

Professor Johannes Hartmann schafft auf dem Weinberg in Großjena die Grabstätte von Max Klinger (1857-1920).

Februar
Die Kommunisten verteilen Flugblätter, worauf die fordern, dass man zwangsweise Familien aus Wohnungen, die für sie zu groß sind, entfernt und andere Familien hineinsetzt, für diese Wohnung besser passen. "So macht man es nämlich in Russland", kontern die Deutschnationalen, "und Russland ist ja unser Vorbild."

7. Februar
Regierungspräsident von Campe spricht auf einer DVP-Versammlung im Ratskeller.

7./8. Februar
Sipo Aktion gegen Mitglieder der VKPD aus Naumburg und Bad Kösen. Sie nimmt Verhaftungen vor, kontrolliert (Betriebs-) Ausweise von Leuna und umstellt Wohnhäuser.

16. Februar
Gottfried Rublack tritt als Vorsitzender des Gewerkschaftskartells Naumburg zurück.

18. Februar
Oberstleutnant Duesterberg (Halle), Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei, spricht auf einer DNVP-Versammlung im Ratskeller (Naumburg).

19. Februar
Öffentliche Versammlung mit dem Redakteur Georg Schumann aus Halle in der Reichskrone zum Thema: "Sozialismus oder Untergang in die Barbarei".

3. März
Verhandlung vor dem Landgericht Naumburg gegen Karl Teller (geboren 1888) wegen Beleidigung des Naumburger Richterstandes. Der Sozialdemokrat hatte im "Naumburger Tageblatt" eine Anzeige zur "Große(n) Protestversammlung gegen das Schandurteil der Naumburger Strafkammer vom 15. Juli [1920]" geschaltet. Der Staatsanwalt beantragt eine sechsmonatige Gefängnisstrafe. Das Gericht hält, weil der Angeklagte nicht vorbestraft ist, eine Geldstrafe in Höhe von 600 RM für ausreichend.

Am gleichen Tag erfolgt die Gerichtsverhandlung gegen die Redakteure Paul Lenzner und Albert Bergholz vom "Volksboten" (Zeitz), weil sie den Zeitzer Landfriedensbruchprozess (Urteil 2. Juli 1920) als Klassenjustiz bezeichneten. Wegen öffentlicher Beleidigung erkennen die Richter auf drei Monate Gefängnis für Lenzner und ein Monat Gefängnis für Bergholz.

10. März
Wiederwahl von Gottfried Rublack zum Vorsitzenden des Gewerkschaftskartells von Naumburg.

20. März
Erster Gedenkmarsch der Arbeiter zu Ehren der Opfer der Märzgefallenen von 1920.

21. März
Karl Roloff (Bürgermeister): "Neben dem Gefängnis sind nach dem Abzuge der Reichswehr in der Stadt Naumburg aber auch noch mehr als 50 Militärgebäude, die zum Teil einen sehr wertvollen Inhalt bergen, zu schützen. …. Hierzu, und um noch einen notdürftigen Schutz der Stadt im Allgemeinen zu gewährleisten, sind aber mindestens 2 Hundertschaften erforderlich."

3. März
Streik der Leuna-Arbeiter. Bewaffnete Kämpfe im Leuna-Werk mit Beteiligung von Naumburger Arbeitern.

30. März
Lockerung der Gleise auf der Eisenbahnbrücke in Mertendorf.

"Am 15. April [1921] begann das Sondergericht Naumburg seine Verhandlungen, und fast Tag um Tag bis zum 14. Juli [1921] wurden an 43. Verhandlungstagen Schreckensurteile gefällt. Es regnete Zuchthaus und Gefängnisstrafen." (Adolf Leopoldt 1931) Es handelt sich hierbei (wahrscheinlich) um Urteile gegen die Leuna-Kämpfer.

13. Mai
Otto Wolf (Moritzstraße 48) wird vom Landgericht Wittenberg wegen Mitgliedschaft in einem bewaffneten Haufen in Leuna zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

 

4. Juni
Die Außenstelle der Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft erhält von der Stadt Naumburg ein Grundstück nebst Gewehrhaus und drei kleinen Nebengebäuden zur Pacht. Es befindet sich im Südwestteil des ehemaligen Artilleriedepots in der Weißenfelser Straße 57 a (1,28 ha). Die Nebengebäude baut man zu Büros, Laboratorien und Privatwohnungen um. Im Frühjahr 1922 nimmt die Außenstelle ihre Tätigkeit auf. Sie forscht zur Schädlingsbekämpfung und zu den Krankheiten im Wein- und Obstbau. In den Laboratorien arbeiten Mitte der zwanziger Jahre Prof. Doktor Carl Börner und Doktor Franz Alfred Schilder (allgemeine Reblausbiologie), Doktor Rudolf Seeliger und Doktor Gerhard Lorbeer (Reblauszüchtung), Doktor Hugo Thiem (Reblausbekämpfung) und Doktor Oldwig Jahncke (Obstbauschädlinge).

20. Juni
Auf Beschluss des Reichsausschusses der Erwerbslosen sollen in allen Orten Erwerbslosendemonstrationen stattfinden.

22. Juni
Friedrich Muck-Lamberty wohnt bei Zeise-Gött in der Neidschützer Straße. Das Grundstück befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Hossfeld`s.

6. und 29. Juli
Versammlung der VKPD-Naumburg im Ratskeller-Saal. In der Zusammenkunft diskutiert man über die Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale (28. Juli bis 2. August 1919; 17 Delegationen aus 14 Staaten repräsentierten 18 Millionen Arbeiter; Ablehnung der Blockade von Russland und Ungarn). Neubert benennt ein Polizeibericht als Vorsitzenden der KPD-Ortsgruppe Naumburg.

21. Juli
Der von 1888 bis 1913 in Naumburg regierende Bürger- beziehungsweise Oberbürgermeister Emil Kraatz, geboren am 25. November 1848, verstirbt in Berlin an einem Herzleiden.

21. Juli und 9. August
Durch Gemeinderatsbeschluss wird eine Verwaltung für Leibesübungen gebildet. Sie soll den Kinder- und Jugendsport fördern. Sie wird im August 1932 aufgelöst.

24. August
Generalmajor Paul von Lettow-Vorbeck spricht in Zeitz.
Bürger begrüßen ihn mit Bluthund und Massenmörder.

Das Naumburger Tageblatt berichtet über Werkabende mit der Bruderschaft Naumburg a.S. des Jungdeutschen Orden.

1. September
"Unter besonderen schwierigen Verhältnissen entstand das städtische Krankenhaus, welches zwar schon 1915 begonnen wurde, 1921 aber erst fertiggestellt werden konnte." (Friedrich Hoßfeld) - Das Krankenhaus verfügt über 86 Betten, davon fünfzehn Zwei-Bett-Zimmer, neun Einbett-Zimmer und der Rest sind Sechs-Bett-Zimmer. Auf jeder Station befindet sich ein Badezimmer.

9. September
Gusto Gräser (1879-1958) weilt bei Friedrich Muck-Lamberty in Naumburg zu Besuch. Heute verhaftet ihn die Schupo gemeinsam mit Kriminalbeamten.

Oktober
Gründung der Stahlhelm-Ortsgruppe Naumburg

Kurt Steinbrück aus dem Steinweg, geboren am 30. Oktober 1898, stellt im Herbst 1921 bei der Industrie und Handelskammer Halle einen Antrag für die Zulassung zur Meisterprüfung.

21. Oktober
Der Magistrat der Stadt gibt 6 Stück einer Notgeldserie heraus. Der Gutschein zu 75 Pfennige zeigt eine historische Gesamtansicht der Stadt. Auf den anderen Scheinen sind die alten Stadttore zu sehen.

7. Dezember
In Leipzig beginnt der Jagow-Prozess. Angeklagt sind die Organisatoren des Kapp-Putsches (März 1920). Vor Gericht erschienen sind jedoch nur Jagow, Wangenheim und Doktor Schiele (Naumburg).

 

1922

 

Der Wohnungsbau kommt zum zu erliegen. Es besteht Wohnraummangel.

Frühjahr
Debatte um das Kirschfest. Bleibt der Kirchgang Bestandteil des offiziellen Programms oder soll er freiwillig sein? (In diesem Jahr findet kein Kirschfest statt.)

7. Februar
Eisenbahnerstreik für den 8-Stunden-Tag

24. April
Erwin Kern, Hermann Fischer und Ernst-Werner Techow ermorden in Berlin Walter Rathenau.

10. Juni
Gründung der Stahlhelm Ortsgruppe Freyburg (Unstrut) auf dem "Edelacker". Vorsitzender der Ortsgruppen ist Paul Hinkler, später auch NSDAP-Gauleiter von Halle-Merseburg, von 1924 bis 1928 Doktor Petter.

17. Juli
Die Mörder Rathenaus Erwin Kern und Hermann Fischer werden auf der Burg Saaleck bei Bad Kösen entdeckt.

22. Juli
Arbeitsnachweisgesetz

Der "Heimatkünstler" Walter Hege vollendet seine Arbeit zum Naumburger Dom. "Eine Mappe liegt bereits fertig vor und ist mit einigen geglasten Bildwerken im Schaufenster der Buchhandlung Petersen, Herrenstraße, einige Tage ausgestellt."

Herbst
Umzug der Autowerker von Eisenberg nach Naumburg
Peter & Moritz A.-G., Naumburg a. S., Weißenfelser Straße 57

 

1923

 

Hyperinflation - die größte Wirtschaftskatastrophe der Stadtgeschichte

Naumburg steht im Zeichen der Ruhrkrise.

Januar
"Beseelte Steine" - Vorträge von Walter Hege in Naumburg

19. Januar
Gründung der Deutschvölkische Freiheitspartei (DVFP) - die Urzelle der nationalsozialistischen Bewegung in Naumburg.

Volksversammlung des Naumburger Gewerkschaftskartells im Ratskeller. Die Teilnehmer verhalten sich kritisch zur deutschnationalen Umwertung der Ruhrkrise.

27. und 28. Januar
Aufruf der SAJD [Syndikalistisch-Anarchistische Jugend Deutschlands]: In Naumburg a. S. findet im Schützenhaus eine Trefffahrt mit einer öffentlichen Volks- und Jugendversammlung statt. Sonntag früh 8 Uhr machen sie einen Auflug zur Schönburg.

1. April
Oberlandesgerichtspräsident Reuter tritt zurück.
Sein Nachfolger wird Georg Werner, geboren 27. Juli 1868.

Mai
Eine Fahrt mit der städtischen Straßenbahn kostet für Erwachsene 300 Mark und die Monatskarte 15 000 Mark.

4./5. Juni
Gegen 2 Uhr in der Nacht brennt die Spielwarenfirma Herold & Walther, Große Neustraße 53, nieder. Die Flammen schlagen über die Häuser. Explodierende Stoffe fliegen hoch in die Luft. 80 bis 100 Arbeitsplätze gehen verloren.

1. Juli
Einweihung des Jägerdenkmals an der Bergstraße

29. Juli
Antifaschistischer Aktionstag der KPD. - - In der Stadt - kommentiert der "Volksbote" (Zeitz) - übernimmt der
Stahlhelm die Macht. Die Kommunisten weichen aus und wandern zum Knabenberg [bewaldeter Höhenrücken auf der rechten Seite der Saale über Schulpforta und Almrich].

August
Der Filmsverlag W. Feindt aus Berlin pachtet für 15 Jahre die Reichskrone und finanziert die notwendigen und umfangreichen Umbauarbeiten. Stadtarchitekt Friedrich Hossfeld erstellt das Konzept.

13. August
Bergarbeitermarsch von Theissen nach Zeitz. Nach Konfrontation mit der Schupo (Schutzpolizei) auf der Auenbrücke (Zeitz) acht Tote und dreissig Verletzte.

November
Aus wirtschaftlcihen Gründen Stilllegung der Straßenbahn

15. November
Währungsreform. Einführung der Rentenmark (Verordnung über die Errichtung der Deutschen Rentenbank vom 15. Oktober 1923). Ein Dollar entspricht 2,5 Billionen Papiermark.

23. November
Umtausch von einer Billion Mark gegen eine Rentenmark. Das Gehalt eines Beamten beträgt zu dieser Zeit etwa 125 Billionen Mark. (
Umtauschkurs der Reichsbank am 20. November: Eine Rentenmark zu 1,1 Billion Papiermark.)

Verbot der KPD von 23. November 1923 bis 1. März 1924. In Naumburg bestand sie illegal weiter.

12. Dezember

Oberlandesgerichtsrat Dr.Fritze freut sich 1923 im Ratskeller von Naumburg Oberstleutnant Duesterberg als Redner zu einer Versammlung der Deutschnationalen begrüssen zu können.

Die städtische Volksspeise gibt unter Verantwortung des städtischen Wohlfahrtsamtes in der Kleinen Fischstraße täglich an etwa 310 Menschen ein kostenloses Mittagessen aus.


1924

 

Gründung des Frontbans. Vorläufer des SA Sturm I/J 4 (Helldorf, Hinkler, Hacker).

Seit diesem Jahr besteht das Pfadfinderkorps Naumburg (Saale) mit jeweils zwei Zügen zu je 30 Mitgliedern, den vor allem die Schüler vom Dom- und Realgymnasium angehören. Neben der Liebe zur Natur, fördern sie die körperliche Ertüchtigung. Bei Wind und Wetter finden an den Wochenenden Übungen statt, die von Primanern geleitet werden. Dabei lernen die Mitglieder die Wanderkarte lesen, absolvieren Kletterübungen oder zelten gemeinsam. Beliebt sind die Wanderfahrten für 5 bis 8 Tage in die Rhön, den Thüringer Wald oder Harz.

8. März
gegen 8 ½ Uhr treffen sich die Mitglieder der DVFP im "Dunkelbergs Gasthof" (Spechsart 26) zur Vorbereitung der Stadtverordnetenwahlen am 4. Mai. Sie formieren sich zum Völkisch-Sozialen Block (VSB). Als Ersten Vorsitzenden bestimmen die Versammlungsteilnehmer durch öffentliche Wahl Stadtsekretär Theodor Knehans (Jägerplatz 2)

19. März
Wahl des Gewerkschaftskartells Naumburg: Vorsitzender Gottfried Rublack, 2. Vorsitzender Brand, Kassierer Walter Höhne, Schriftführer Panse (KPD). Insgesamt schlossen sich 26 Gewerkschaften zusammen.

April
Streik der Bauarbeiter, Lohnklasse I: 60 Pfennigen pro Stunde

7. bis 10. April
Der 9. KPD-Parteitag in Frankfurt am Main beschließt ein neues Statut mit dem Paragraphen: "Die Grundlage der Parteiorganisation bilden die nach Betrieben aufgebauten Parteizellen. Alle Kommunisten, die in einem bestimmten Betrieb arbeiten, müssen zur Betriebszelle dieses Betriebes gehören." - Die Gründung der ersten Partei-Betriebszelle erfolgte in Naumburg (Saale) im Reichsbahnausbesserungs-Werk.

2. Mai
Für die Angestellten des Reichs (Reichsverwaltungen, Reichsbahn, Reichspost und Reichsbank) wird der Reichsangestellten-Tarifvertrag (RAT) vereinbart.

4. Mai
Wahlen zum Reichstag und zur Stadtverordnetenversammlung. Der Völkisch-Sozialer-Block erreicht 13 Prozent der Stimmen. Damit gewinnen zum ersten Mal Nationalsozialisten Mandate in der Stadtverordnetenversammlung.

11. Mai
Deutscher Tag in Halle (Saale). - Wiederherstellung des Moltke-Standbildes am Kaiser-Wilhelm-Denkmal.

Maria Kahle (1891-1975) spricht in der Erholung (Karl-Seyferth-Straße) zur Parole: "Deutschland muß leben, wenn wir auch sterben." Die Redakteurin der Kasseler Tageszeitung Der Jungdeutsche erhält 1957 das Bundesverdienstkreuz.

8. Juni
Pfingsten. Kampftag der revolutionären Jugend in Naumburg für Rätekommunismus, Klassenkampf und proletarische Revolution. Die Polizeiverwaltung Naumburg verbietet diese Veranstaltung.

29. Juni
Abbruch des Naumburger Flugtages. Bruchlandung einer
Junkers D 344

Juni
Nach 10 Jahren wieder Kirschfest!

9. Juli, vormittags 10 ½ Uhr,
Eröffnung der Personen-Kraftwagen-Verkehrs-Linie (Buslinie) Naumburg - Bad Kösen - Saaleck

29. Juli
Gründung des RFB in Halle

11. August
Gründung des RFB-Naumburg im Schützenhaus

24. August
Im Kreuzgang des Doms weiht die Domschule zusammen mit der Stadtprominenz ihren im Ersten Weltkrieg Gefallenen ehemaligen Schülern eine Gedenktafel.

24. September
Vereinigungsparteitag von SPD und USPD

25. Oktober
Fackelzug der Ortsgruppe Naumburg des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold

26. Oktober
14.00 Uhr: Fahnenweihe der Ortsgruppe Naumburg des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold

7. Dezember
Reichstagswahlen

17. Dezember
Das Hallenbad in der Stabila ist ausser Betrieb.

 

1925

Es erscheint Der Naumburger Dom und der Meister seiner Bildwerke in einer Auflage von 12 000 Exemplaren. Der Fotoband von Walter Hege und Wilhelm Pinder steigert die Popularität des Naumburger Doms. Im Jahr 1952 folgt eine weitere Auflage 33 000 bis 37 0000 Exemplaren.

5. Januar
Wiedereröffnung des rekonstruierten Theaters in der Reichskrone

April
Heidelberger Parteitag der SPD. Rudolf Hilferding spricht von der relativen Stabilisierung des Kapitalismus.

Frühjahr
Einweihung der Gedenktafel für die gefallenen Domschüler im
Kreuzgang des Domes durch Graf Artur von Posadowsky-Wehner.

10. Februar bis 22. April
Tscheka-Prozess am Staatsgerichtshof in Leipzig mit Artur Samter als Verteidiger.

28. Februar
Friedrich Ebert gestorben

28. Februar bis 2. März
Tagung der Führer des Frontbanns bei Graf von Wolf-Heinrich von Helldorf (1896-1944) in Wohlmirstedt. Zu ihm unterhalten die Promotoren aus Naumburg der nationalsozialistischen Bewegung gute Beziehungen.

21. März
Die Mitglieder der Ortsgruppe der DVFP-Naumburg finden sich unter der Leitung von Friedrich Uebelhoer gegen 9 Uhr abends im "Preußischen Hof" (Große Marienstraße 35) zusammen. Es heisst, der Führer habe Landsberg verlassen und anerkennt die Nationalsozialistische Freiheitsbewegung. Er möchte, dass die NSDAP wieder aufgebaut wird. Die Ortsgruppe muss sich nun entscheiden, ob sie zur DVFP oder NSDAP will. In einer Abstimmung beschliessen die Anwesenden die Rückkehr zur NSDAP. Friedrich Uebelhoer wird zum Vorsitzenden der Ortsgruppe gewählt.

5. April
Fackelzug des Stahlhelms

26. April
Reichspräsidentenwahl

6. und 7. Juni
Flugtag in Naumburg, 17 Uhr: Luftkämpfe der Flugzeugstaffeln

Nationalsozialisten revitalisieren sich mit Friedrich Uebelhoer zur NSDAP-Ortsgruppe

1. Juli
Nach 29-jähriger Tätigkeit geht der Direktor des Naumburger Schlachtfhofes Alfred Bierbach in den Ruhestand.

19. Juli
Reichsbannertag in Naumburg

13. August
Walter Hege legt er die Meisterprüfung des Fotografenhandwerks vor der Handwerkskammer in Halle (Saale) ab.

23. August
8.
Naumburger Ruder-Regatta (Start flussabwärts von der Schönburg)

25. August
Einweihung des rekonstruierten Schwanen-Lichtspieltheaters in der Jakobsstraße

September
Rückkehr von Einzel-Gewerkschaften in das Naumburger Gewerkschaftskartell. Politische Angriffe auf den Vorsitzenden des Gewerkschaftskartells Gottfried Rublack seitens der KPD-Ortsgruppe. Neuwahl des Gewerkschaftskartells. Rublack ist erneut Vorsitzender.

13. Oktober
Reichspräsident Paul von Hindenburg (1847-1934) reist in Begleitung von Sohn und Tochter zur Beisetzungsfeier für Frau von Mannstein im Sonderwagen der Reichsbahn nach Bad Kösen und nimmt im Hotel Mutiger Ritter Quartier. Der Stahlhlem bedenkt mit Freundlichkeiten.

18. Oktober
41 Ortsgruppen des Rotfrontkämpferbundes treffen sich zum Gautreffen in Naumburg. 3000 Kämpfer sind auf dem Markt angetreten. Richard Richter hält eine Rede. Vorsitzender der RFB-Ortsgruppe Naumburg ist Paul Knobloch.

14. November
Versammlung des Mieterschutzvereins Bad Kösen. Vorsitzender Heitmann begrüßt 120 Mitglieder. Als Referent tritt Stadtrat Robert Manthey (Stadtrat in Naumburg) auf.

 

1926

 

Wohngebiet im Spechsart mit vierundsiebzig Hektar entsteht

Gründung des Wehrwolfs in Naumburg

8. Januar
In der Mitgliederversammlung des Völkisch-Sozialen Blocks (DVFP) im Preußischen Hof (Große Marienstraße 35) gibt der Versammlungsleiter Richard Gläsel den Rücktritt von Friedrich Uebelhoer bekannt. Als neuer Vorsitzender wird Buchhalter Paul Gotter aus der Großen Jakobsstraße 31 gewählt.

10. Januar
Protestkundgebung der Handwerker Naumburgs in des Sälen des Ratskellers gegen die Bedrohung ihrer wirtschaftlichen Existenz als Folge der Inflation.

24. Januar
Demonstrationszug der Kommunistischen Partei gegen die Fürstenabfindung mit Absperrungen durch die Sicherheitspolizei Naumburg.

28. Februar
Umzüge des Stahlhelms und der Kriegerverein anlässlich des Reichstrauertages

14. März
Demonstration und Gedenkfeier der KPD aus Anlass der Märzgefallenen (1920)

2. Juni
Hermann Röhl, geboren am 4. Februar 1851 Wittstock (Ostpriegnitz), stirbt in Zehlendorf. 1870 Probejahr in der Grundschule Graudenz, 1878 Oberlehrer am Askanischen Gymnasium in Berlin, 1888 Direktor des Domgymnasiums Naumburg, ab Mai 1892 Direktor des Domgymnasiums in Halberstadt
.

16. Juni
Demonstration des Reichsbanners mit angeschlossener Kommunistischen Partei für den Volksentscheid über die Fürstenabfindung

20. Juni
Volksentscheid Fürstenabfindung

11. Juli
Doktor Geo
rg Wilhelm Schiele gründet die Gesellschaft der Freunde der Artamanen e.V..

20. Juni
Fürstenentscheid mit wenig Ja-Stimmen in Naumburg

Gründung der Maschinenfabrik Gehring

9. August
Versammlung des Mieterschutzvereins in Bad Kösen. Dem Verein gehören 240 Bürger an. Vorsitzender Heilmann informiert über Änderungen des Mieterschutzgesetzes. Als Aufhebungsgrund für den Mietvertrag gilt seit 1. Juni 1926 ein einziger Monat Zahlungsrückstand. Einige Redner empören sich darüber, dass die Hauszinssteuer in Bad Kösen nicht mit ihrem ganzen Aufkommen für den Neubau der Wohnungen eingesetzt wird.

Oktober
Abschaffung der Brotmarken

Walter Hege und Kurt Hege eröffnen ein Fotoatelier am Markt 10 (Kaysersches Haus). Die Volkshochschule zeigt in ihren Räumen eine Ausstellung mit Zeichnungen von Walter Hege.

16. Oktober
Einweihung des Löwendenkmals an der Rudelsburg mit den Chargen von 125 Corps. Der sterbende, steinernde Löwe des Künstlers Hermann Hosaeus (1875-1958) bäumt sich brüllend gegen den Westen auf.

Intensive Wohnungsbautätigkeit auf dem Georgenberg.

 

 

1927

 

Paul Hinkler aus Freyburg wird NSDAP-Gauleiter von Halle-Merseburg.

Bei Graf von Helldorf aus Wohlmirstedt wird ein Waffenlager gefunden. Naumburger NSDAP-Mitglieder arbeiteten mit ihm eng zusammen.

Gustav Winter (Großjena) gründet den Deutschen Volksbund für Wahrheit und Recht

Einbau von Wohnungen in die ehemaligen Kasernen in der Weissenfelser Strasse

9. April
Einweihung der medizinischen Badeanstalt in Bad Kösen.

7. Juli
Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung

Zusammenarbeit zwischen Reichsbanner und KPD in Naumburg

3. August
Eintrag der Devoli-Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Sitz Naumburg in das Handelsregister unter der Nummer 81 beim Amtsgericht Naumburg. Im März 1928 meldet das Unternehmen Konkurs an.

8. bis 9. Oktober
Stahlhelm-Führertagung des Landesverbandes Mitteldeutschland unter Leitung von Theodor Duesterberg mit 600 Teilnehmern und vielen Gästen in der "Erholung" (Luisenstraße 1).

8. November
Kundgebung der Hausbesitzer gegen die Erhöhung der Realsteuern, Sozialisierung und Wohnungszwangswirtschaft (Wohnungsamt bei der Stadtverwaltung). Ein Drittel aller Steuern, beklagt der Generalsekretär des Landesverbandes der Preußischen Hausbesitzer in den Sälen des Ratskellers, bringt heute der Mittelstand auf. Die Hausbesitzer sind deshalb gegen die Sozialisierung der Wohnungs- und Bauwirtschaft. Sie fordern Steuern nach dem Prinzip der Leistungsfähigkeit.

27. Dezember
Gutsbezirke dürfen nicht mehr als Träger kommunaler Rechte auftreten. Das Gemeindeverfassungsgesetz vom 27. Dezember 1927 fordert die Eingliederung noch bestehender Gutsbezirke in den Stadtkreis. In Naumburg betrifft dies den Dombezirk.


1928

 

Hans Frank gründet den BNDJ

Paul Schultze-Naumburg veröffentlicht "Kunst und Rasse"

Der Magistrat beabsichtigt, auf alle Veranstaltungen mit Jazz-Musik eine Steuer von 50 Prozent zu erheben. Diese Bestimmung, so teilt die Administration ausdrücklich mit, soll nicht allein aus fiskalischen, sondern aus "volkserzieherischen Gründen" getroffen werden.

2. Februar
Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zum Bau des Postgebäudes auf dem Kaiser-Friedrich-Platz (heute Heinrich von Stephan-Platz).

4. Februar
Der Vorsitzende der "Friedensgesellschaft" Gerhart Seger (1896-1967) spricht im Saal der Gaststätte zur "Zur Post".

8. Februar
Der Klassenkampf - Kommunistisches Organ für den Bezirk Halle-Merseburg mit der Illustrierten Arbeiter-Zeitung Der Rote Stern - veröffentlicht einen Artikel zum Fememörder-Paradies in Naumburg (Passfälscher-Skandal). Danach soll Stadtsekretär Bächler von der Naumburger Polizei (Passabteilung) für die Rathenau-Mörder Erwin Kern und Hermann Fischer im Juni 1923 falsche Pässe ausgestellt haben. (Siehe auch 21. März 1928)

10. Februar
Für Naumburg meldet der "Volksbote" (Zeitz): "K.P. Krücken zum Stahlhelm Sieg". (Anspielung auf die Zusammenarbeit der KPD-Ortsgruppe Naumburg mit dem Stahlhelm.)

15. Februar
Das Haus des Klempnermeisters Wilhelm Schreier gegenüber dem Konsum am Ausgang Michaelisstraße 65/66 in Richtung Bürgerheim stürzt ein. In den Schornstein war Stadtgas eingeströmt, was dann mit dem Anzünden des Badeofens zu einer Explosion führte. In den Nebenhäusern zerspringen die Fensterscheiben. Nur der Hausbesitzer erleidet Verletzungen. Die Städte-Feuersozietät nimmt umgehend die Schadensregulierung vor.

25. Februar
Max Adler (1873-1937) spricht im Saal vom Hotel "Zur Post" (Lindenring). "Derartige Massen hat das Naumburger Parteilokal noch nicht gesehen". (Volksbote, Zeitz)

26. Februar
Eröffnung der Moritzkirche nach Innenerneuerung mit Pfarrer Passow, Pfarrer Behrends und Pfarrer Behrend.

27. Februar
Rednerschule des Sozial-Kultur-Kartells im Einvernehmen mit dem SPD-Parteivorstand in der Gaststätte "Zur Post" (Lindenring) eröffnet.

1. März
Pfarrer Karl Iskraut (Jahrgang 1854) schimpft bei einer Versammlung der Wehrwolf Ortsgruppe Altflemmingen (bei Naumburg) weidlich übe die "Judenregierung", "Judenrepublik" und "Judenknechten".

11. März
Artur Mahraun spricht im Ratskeller von Naumburg vor dem
Jungdeutschen Orden.

15. März
Tagung des Mitteldeutschen republikanischen Juristenbundes im Hotel "Zum Schwarzen Roß" (Gr. Wenzelsstrasse 21). 8 Uhr abends Vortrag von Doktor Ludwig Bendix zum Thema "Die irrationalen Kräfte der Strafrechtspflege".

21. März
Oberbürgermeister Arthur Dietrich und Bürgermeister Karl Roloff weisen in der Stadtverordnetensitzung den Bericht im "Klassenkampf" (Halle) vom 8. Februar 1928 zum Passfälscher-Skandal in Naumburg als falsch zurück.

24. März
Filmvorstellung des Rotfrontkämpferbundes in Knörrichs-Garten an der Jakobspromenade - Vogelwiese (Anfang 1937 abgerissen / umgebaut). Film-Erklärer Adolf Schuster (KPD) aus Almrich (Naumburg) zieht Polizeihauptwachtmeister Thum mit dem Passfälscherskandal durch den Kakao und erhält vom Amtsgericht Naumburg vom 17. Mai 1929 wegen Beleidigung eine Strafe vom 300 Reichsmark zugesprochen.

25. März
Kranzniederlegung an den Gräbern der März-Gefallenen (1920) auf dem Friedhof Weißenfelser Straße. Anschließend Kundgebung auf dem Markt.

April
Devoli (Deutsche Volkslichtspiele GmbH) meldet Konkurs an

1. Juni
25 Jahre Kranken- und Altenpflege im Luisen-Haus (Humboldtstraße) mit Frau Berta Wallich

15. bis 19. Juli
Wanderführerlehrgang des Kreisjugendamtes Merseburg in Verbindung mit der Hauptwanderberatungsstelle des Bezirksausschusses für Jugendfragen unter Leitung von Kreisjugendpfleger Karl Hemprich im Obstgut Steinmeister bei Naumburg an der Saale. Als Referenten im Vater Hemprich-Haus treten aus Naumburg auf: Fotograf Kurt Hege, Doktor med. Ehrhardt (Schönburger Strasse), Mittelschullehrer Klemm (Wilhelmplatz), Stadtbibliothekar und Lehrer Hoppe (Raschstrasse).

Karl Hemprich arbeitet eng mit dem Kreisjugendpfleger des Landkreises Zeitz Enno Narten zusammen, der den Kronacherbund organisierte und in Kooperation mit dem Bund Deutscher Wanderer die Burg Ludwigstein im Werratal bei Witzenhausen zum Zentrum der deutschen Jugendbewegung ausbaut.

28. Juli
Nach langer Pause wieder Schützenfest in der Lehmgrube.

15. September
Tagung der Kolonial-Jugend Abteilungen des Bezirksverbandes Mitteldeutschlands bei Steinmeister mit etwa 400 Teilnehmern, darunter die Gruppe Estorff aus Naumburg (Saale).

11. Oktober
Der Hochmeister des Jungdeutschen Ordens Artur Marauhn spricht im Ratskeller von Naumburg.


1929

 

Ausnahme-Winter 1928/29: Auf der Saale bildet sich bis 1,13 Meter dickes Eis.

Der Stahlhelm verabreicht bedürftigen Naumburgern ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit eine kostenlose warme Mahlzeit.

Richard Reckewerth (Naumburg) wirbt intensiv für die Gründung von HJ- Gruppen.

13. Januar
Sonntag, in Naumburg (Saale) tagen die AfA-Bezirkskartelle der Provinz Sachsen, Thüringen und Anhalt. Eugen Wallbaum vom SPD-Ortsverein Naumburg begrüsst sie herzlich.

6. Mai
Verbot des RFB in Preußen. Als Nachfolger bildet sich die Antifa.

18. Juni
Die Stadtverwaltung hebt die Jazz-Steuer auf.

4. Juli
Stadtverordnetensitzung .... Notwohnungen für Obdachlose.

August
Versuch der Gründung des Arbeiter-Sport- und Kulturkartells Naumburg an der Saale e. V.

Im Post-Töchter-Heim (Neidschützer Straße 31) beziehen die ersten Bewohnerinnen ihr 15 Quadratmeter großes Zimmer.

10. September
Der Passfäscher-Prozess am Landgericht in Naumburg beginnt (siehe 8. Februar und 21. März 1928).

3. Oktober
Prozess gegen Pfarrer Karl Iskraut wegen Judenhetze und Verunglimpfung der Regierung

17. November
Programm der NSDAP Naumburg zur Provinzial- und Stadtverordnetenwahl

1. Dezember
Wiederaufnahme von Friedrich Uebelhoer (Naumburg) in die NSDAP

21. Dezember
Reichsthing der Artamanen in Freyburg (Unstrut), unter anderen mit Ernst Niekisch, Friedrich Muck-Lamberty, Alfred Rosenberg und Baldur von Schirach. Vorher fand vom 10. bis 20. Dezember ein Führer-Lehrgang statt.

22. Dezember
Volksentscheid zum Youngplan.
Von 26 467 Wahlberechtigten nahmen in Naumburg (Stadt) 34 Prozent an der Abstimmung teil. Mit Ja stimmten rund 8600 Bürger. Das sind 32,5 Prozent der wahlberechtigten Stimmen.

Zur Wirtschaftskrise siehe auch Geschichte der Erwerbslosigkeit, Arbeitslosenversorgung und -vermittlung

 

1930

 

Brüningsche Sparpolitik prägt die Naumburger Haushaltspolitik

9. Januar
Erklärung der NSDAP-Ortsgruppe Naumburg zur Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Parteien

22. Januar
wichtige Versammlung des Stahlhelms im "Ratskeller"

25. Januar
Wilhelm Frick wird thüringischer Innenminister

27. März
Das Ende der Großen Koalition unter Hermann Müller (SPD)

10. April, 8 Uhr abends
Schützenhaus Freyburg an der Unstrut. Die NSDAP unter Führung ihres Gauführers Paul Hinkler desavoiert eine SPD-Versammlung. Paul Hinkler brüllt: "Die Kerle schlagen wir noch tot, die hängen wir noch auf."

25. April
Morddrohung des Fraktionsführers der NSDAP Heinrich Hacker gegenüber Wilhelm Schwencke (SPD) im Stadtparlament.

8. und 9. Juni
Wehrwolf-Treffen in Bad Kösen und Naumburg

18. Juni
Einweihung der neuen Turnhalle des Domgymnasiums an der Moritzwiese mit einer Nutzfläche von 21 mal 14 Meter. Studiendirektor Professor Kaiser prägt bei der Einweihungsrede das Leitmotiv: por partia est, dum ludere videmur (Fürs Vaterland ist es, während wir zu spielen scheinen).

26. und 27. Juni auf der Vogelwiese
14. Bezirksfest des 4. Bezirks im 5. Kreis des Arbeiter- Turn und Sportbundes Deutschlands

5. Juli
Oberpräsident der Provinz Sachsen Otto Hörsing (SPD) spricht im großen Ratskellersaal zum Thema Das wahre Gesicht der Feinde Republik. Das Reichsbanner, voran der 1. Vorsitzende Wilhelm Schwenke, holt ihn mit dem Spielmannszug vom Hauptbahnhof ab.

6. Juli
Gottfried Feder (NSDAP) spricht auf einer Kundgebung im Saal des Kurgartens von Bad Kösen.

22. Juli
Walter Hege wird im Juli 1930 vom amtierenden Direktor der Weimarer Kunsthochschule Professor Paul Schultze-Naumburg (1969-1949) als Leiter der neuen Lichtbildabteilung berufen. Er schließt am 22. Juli 1930 einen Arbeitsvertrag mit der Staatlichen Hochschule für Handwerk und Baukunst Weimar ab. Sein Jahresgehalt beträgt 4 000 Reichsmark.

26. Juli bis 3. August
Fest der Arbeit in Naumburg a. S.. Veranstalter: SPD-Ortsgruppe Naumburg (Otto Grunert), Sozialistisches Kulturkartell (Eugen Wallbaum), Arbeiter-Sport-Kartell (Willy Wipprecht), ADGB-Ortsausschuss (Gottfried Rublack).

31. Juli
Erste Einzahlung von Paul Herrmann (Schönburger Straße 5) bei der Bank Hope & Co. (Amsterdam). Der vermögende Rechtsanwalt deponiert ab jetzt seine Ersparnisse im Ausland.

1. August 1930
20.15 Uhr: Liederabend im Bürgergarten-Restaurant mit dem Arbeiter-Sänger und Frauen-Chor und dem Gesangverein "Gutenberg" unter Leitung des Liedermeisters Pauls Sachse.

14. September
Wahlen zum Reichstag

30. September
Die Amtszeit von Stadtbaurat Friedrich Hossfeld läuft aus. Paul Schröter wird sein Nachfolger.

16. bis zum 29. Oktober
DNVP-Kampagne gegen den Young-Plan. Vom 16. bis zum 29. Oktober können sich die Bürger in Listen eintragen und damit ihre Unterstützung für den Entwurf des Freiheitsgesetzes bekunden.

20. November
Schröter wird als Stadtbaurat berufen. Ihn hatte die Stadtverordnetenversammlung am 28. August 1930 mit siebzehn Stimmen gewählt.

15. Dezember
Saalschlacht zwischen Nationalsozialisten und Reichsbanner /  Antifa im Gasthof zur Linde in Almrich (Vorort von Naumburg).

20. Dezember
Krise der NSDAP-Ortsgruppe und Formierung der "anständigen Nationalsozialisten"


1931

 

In der STABILA gründet Rudi Jork den NS-Schülerbund.

Volksbote (Zeitz): "Denn gerade in den bisherigen bürgerlichen Turn- und Sportvereinen wird der Faschismus in der üblichen Weise gezüchtet. Der Männer-Turnverein, der Turnverein Friesen und der Fußballclub 05 sind geradezu Brutstätten für die Nazis, und dabei sind die führenden Geister freigewerkschaftlich organisierte Arbeiter (!)."

1. März
12 390 Naumburger erhalten Lebensunterhalt aus öffentlichen Geldern.

11. April
Die Seifensiederei Schotte, Markt Haus 17, mit der Inschrift "Herr Schütte über dieses Haus die Frucht des edlen Friedens aus.", feiert ihr 100 jähriges Jubiläum.

17. April
Kundgebung des Stahlhelms Naumburg mit den 2. Bundesvorsitzenden Oberstleutnant a. D. Duesterberg aus Halle im grossen Ratskellersaal zur Auflösung der preussischen Landtages. Er verlangt die nationale Reinigung Preußens und stellt fest: "Im Osten sei das Deutschtum durch Polen stark bedroht. Die Polen strecken ihre Hand weiter nach Deutschland aus."

19. April
Die Polizei will G
ustav Winter in seinem Haus in Großjena verhaften. Er ist krank und stellt sich am 22. April freiwillig der Polizei.

21. April
Der VfL 88 kann auf gute Erfolge zurückblicken.
Fußballverein VfL 88, Vorsitzender: E. Veit, Mägdestieg 18
Mitglied im Arbeitersport-Sport-Kartell Naumburg e.V., Vorsitzender Willy Wipprecht, Schulstraße 9
"So hat die erst vor kurzem gegründete Handballabteilung [des VfL 88] bei ihrer Spielreise bewiesen, dass sie schon beachtenswert spielt. Die Fußballer sind trotz der ins Lager der Bürgerlichen abtrünnig gewordenen "Kanonen" noch auf guter Höhe, da der Nachwuchs schon sehr gut herangebildet war. Gerade dieser Umstand beweist, dass im VfL 88 ein gesunder Massensport getrieben wird. Die Turnabteilung [Übungsabende in der Turnhalle der Mittelschule] stellt die Leistungen der übrigen Vereine weit in den Schatten. Bei dem Gerätewettkampf in der Bezirksgruppe beteiligte sich die Turnabteilung bisher mit bestem Erfolg. Selbst bei den Turnerinnen wird fleißig gearbeitet, wenn auch eine weit stärke Beteiligung zu wünschen wäre. Glänzende Erfolge weist der Nachwuchs, die Kinderabteilung, auf. Die Leitung liegt hier in besonders glücklichen Händen. Bald wird auch die Schwimmabteilung ihre Tätigkeit aufnehmen, die ja in Naumburg auf Grund des kommunalen Weitblicks unserer Stadtväter einen Winterschlaf durchmachen muß, wenn sie ihre Uebungsabende nicht in der Badewanne durchführen will." (Volksbote, Zeitz)

Bauarbeiterstreik.
Die örtlichen Spitzenlöhne für Maurer und Zimmerleute sind von 1,19 auf 1,07 Reichsmark gesunken.

22. April
Ehepaar Friedericke (geborene Merseburg) und Franz Müller begehen im St. Jakobshospital am Kaiser-Wilhelm-Platz (heute Kramerplatz) die Eiserne Hochzeit (65. Jahre).

24. April und Juli
Die Wochenzeitung "Wahrheit und Recht" informiert die Leser über den Versuch ihren Herausgeber, Gustav Winter, am letzten Dienstag, also am 19. April, in den Morgenstunden verhaften zu wollen. Winter stellte sich am 22. April. Im Juli findet der Prozess gegen ihn in Leipzig statt. Die Haftstrafe tritt er aus gesundheitlichen Gründen nicht an. yy

23. Mai
Doktor Wilhelm Frick (NSDAP) und Rudolf Jordan (NSDAP) treten abends 1/2 8 Uhr als Redner der "Freiheitskundgebung" im Kurgarten von Bad Kösen auf.

31. Mai
Sport - und Spieltag des VfL 88 auf der Vogelwiese.

Frühjahr
Vom VfL  88 [Naumburg] wirbt der bürgerliche Fußballclub 05 sechs Spieler ab. Maßgebliche Mitglieder des neuen Vereins verschaffen ihnen Arbeit.

Juni
Zirkus Krone gastiert in Naumburg

22. Juni
Sonnenwendfeier mit dem Stahlhelm (Major a.D. Rothmaler, Geschäftsstelle Georgenberg 7, Naumburg) und der NSDAP (Friedrich Uebelhoer, NSDAP-Kreisleiter Naumburg).
Nach der Kundgebung auf dem Markt, Marsch durch die Stadt zum Napoleonstein. Dort "gedenken" die Teilnehmer "den zwei Millionen Kameraden", die "den Heldentod für unser geliebtes Vaterland gefunden haben". Die Flamme läutere uns, sagt Kamerad Reichhard am Feuerstoss, "dass wir den Kampf gegen den Marxismus und Lauheit der Bürger bestehen" und übergibt einen Kranz mit "Deutschland erwache" dem Feuer.
(Zur Person von Hermann Reichard: geboren 13. November 1882 in Bremen. Theologe. Lehramtsprüfung am 19. Februar 1910, Festanstellung im höheren Schuldienst Preussens: 01. April 1910. Dienstbezüge als Studienrat am Domgymnasium Naumburg 1931: Soll: 10 560 RM / Jahr. Erhalten: 9 471 RM / Jahr. Einsparungsbetrag: 1089 RM / Jahr).
Nach der Ansprache und dreifachen "Sieg-heil" von NSDAP-Kreisleiter Friedrich Uebelhoer auf Adolf Hitler, stimmt die Kapelle das Lied "Hakenkreuz an Stahlhelm" an. Erst im Morgengrauen treten viele nach Bier, Bratwurst und Musik den Heimweg an.

5. Juli
Notverordnung der Brüning-Regierung zur Einführung des freiwilligen Arbeitsdienstes. Bedingung für den Träger: juristische Person des öffentlichen Rechts (zum Beispiel im Forst, Bau, soziale Betreuung, Armenspeisung). Der Träger erhält pro Wochentag und Arbeitsdienstpflichtigen einen Unkostenzuschuss für Verpflegung, Unterkunft und kulturelle Betreuung von 2 RM. Die Teilnehmer erhalten ein Taschengeld von täglich 0,30 RM. Kosten für Arbeitsgeräte undsoweiter. fallen dem Träger zu. Dauer der Maßnahme zwischen 20 und 40 Wochen. Die Teilnehmer sind unfall- und sozialversichert.

10. Juli
Der erste Vorsitzende der DNVP Kreisgruppe Naumburg Oberlandesgerichtsrat Kosack übergibt seine Funktion an Doktor phil. nat. Wolfgang Schöbel (Apotheker und Nahrungsmittelchemiker, Lorbeebaum-Apotheke, Herrenstraße 2).

15. Juli
Das Bankhaus Vogel in der Herrenstraße geht Konkurs. Doktor Vogel wollte die Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit seines Bankhauses zum Nachteil seiner Gläubiger abwenden. Gegen ihn ergeht heute vom Schöffengericht Naumburg eine rechtsgültige Gefängnisstrafe.

Juli
Prozess gegen Gustav Winter (Großjena) vor dem Leipziger Schöffengericht

2. Juli
Das Naumburger Schöffengericht verurteilt Thate, Kassierer des Deutschen Metallverarbeiter-Verbandes Naumburg, wegen Unterschlagung zu drei Monaten Gefängnis.
Der Vorgang belastet das Verhältnis von SPD und KPD.

9. August
Der Volksentscheid zur Auflösung des preußischen Landtages endet mit einem Mißerfolg. Lediglich 31,7 Prozent der Teilnehmer stimmen mit JA. Er war vom Stahlhelm initiiert und von DNVP, DVP, NSDAP sowie KPD unterstützt worden.

11. August (Dienstag)
Nun erst recht! Es lebe die Rebublik! Auf zur Verfassungsfeier um 20 Uhr nach dem Bürgergarten. Um 18.45 Uhr beginnt der Umzug auf dem Kaiser-Friedrich-Platz. Über Artilleriestraße, Jägerstraße, Große Georgenstraße, Dom, Steinweg, Herrenstraße, Markt, Große Wanzelsstrasse und Bürgergartenstraße bewegt sich der Zug zum Bürgergarten. Organisator der Veranstaltung ist das Reichsbanner Schwarz-Rot- Gold, Ortsgruppe Naumburg.

31. August 1931
Musikalische Feier anlässlich der 900-Jahrfeier des Domgymnasiums

25. Oktober
3. Kirchentag des Kreises Naumburg mit dem Schwerpunkt des Kampfes gegen die Gottlosenbewegung. Superintendent Moehring, Vorsitzende der Kirchsynode, begrüsst die Teilnehmer.

28. Oktober
Eröffnung der Landfrauenschule Naumburg. Lehranstalt der Landesbauernschaft Sachsen-Anhalt, Neidschützer Straße 1. Erste Schulleiterin: Frau E. Keller, ab 1938 Frau Elli Janetzki.

15. November
Meldung der Leipziger Neueste Nachrichten: In einer Möbeltischlerei sind drei Maschinengewehre, Pistolen und Munition gefunden worden.

17. November
Provinzial- und Stadtverordnetenwahl

18. November
Franz-Feller-Brief zur Wohnungsfrage an die Stadtverwaltung Naumburg

Aufregung um das Arbeitsamt. Zu hohe Personalkosten!

Langwierige parlamentarische Auseinandersetzungen zwischen Georg Schmidt und Heinrich Hacker von der NSDAP einerseits und Otto Grunert und Friedrich Blüthgen von der SPD andererseits.

Weihnachten
Der Regierungspräsident von Merseburg fürchtet Demonstrationen des Proletarischen Freidenkerbundes vor den Kirchen. Er will dagegen „unnachsichtig einschreiten“.

 

1932

 

Dem Stahlhelm Gau Naumburg gehören 1 200 Mitglieder an.

1. Januar
Restrukturierung der NSDAP. In Almrich bildet sich eine selbstständige Unterorganisation der NSDAP. Fritz Zimmermann (geboren 26. Januar 1905, Realgymnasium, Banklehre, 1930 NSDAP) ist Ortsgruppenleiter. Seine weiteren Funktionen: Amtsvorsteher, Standesbeamter, Schiedsmann und Kreistagsabgeordneter.

Februar
Roloff wird 1. Bürgermeister von Naumburg

8. März
Reichspräsidentenwahl

1. April
Zulassung von Artur Samter als Rechtsanwalt am OLG

2. Mai
Staffellauf Freyburg-Naumburg

3. Mai
Die Reichsregierung verbietet den Verein proletarischer Freidenker (VpFD).

28. Mai
Wilhelm Koenen spricht im "Schützenhaus"

Juni
Die "Rote Wacht" der Ortsgruppe der KPD erscheint in Naumburg.

Sommer
Ein Naumburger Arbeiter mit 9 Kindern bezieht unberechtigt 57,82 Reichsmark Wohlfahrtsunterstützung. Er wird zu einem Monat Gefängnis verurteilt.

6. Juli, abends 6.30 Uhr
Kundgebung auf dem Marktplatz und Demonstration durch Naumburg gegen die "Errichtung des offenen Faschismus". Flugblatt: "Kampfaufruf in ernster Stunde"

6. bis 31. Juli
Observierung der kommunistischen Bücherstube am Reußenplatz 18 durch die Ortspolizei.

7. Juli
Ein Überfall auf den Dienstkraftwagen des Arbeitsamtes (Nordstraße 13) ist geplant.

8. Juli
Nazisturm (Volksbote, Zeitz) auf den Spechsart-Konsum

8./9. Juli
Protest und Randale vor dem Gasthaus Zum goldenen Hufeisen.

20. Juli
Staatsstreich: Franz von Papen schaltet mit dem Preußenschlag den amtierenden Ministerpräsidenten Otto Braun und sein Kabinett aus.

29. Juli, abends 7 Uhr
Die NSDAP-Ortsgruppe lädt zur Kundgebung
auf dem Sportplatz am Ostbahnhof mit Prinz August Wilhelm von Preußen ein. Thema: Preußen - Deutschlands Rettung durch Adolf Hitler.

31. Juli
Wahlen zum Deutschen Reichstag

31. Juli bis 4. August
Eine rote Fahne mit der Aufschrift Die KPD, deine Partei, wählt Liste Nr. 3 weht auf dem Schornstein der Stuhlfabrik Lessing (Oststraße).

1. August
Kreisreform. Auflösung des Landkreises Weissenfels und Naumburg; Zusammenlegung zum neuen Landkreis Weissenfels mit dem Landratsamt in Weissenfels.

13. August
Sommerfest des Jungmädchenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft im Bürgergarten

20. August
"Der Reußenplatz und ganz besonders das Grundstück Reußenplatz 18 [Büro der KPD-Ortsgruppe Naumburg] ist weiterhin scharf zu beobachten", ordnet Polizei-Oberkommissar Mollenhauer von der Ortspolizeibehörde Naumburg an.

25. August
Johannes Heinemann (KPD) aus der Moritzstraße 61 wird vom Schöffengericht Naumburg wegen Randalierens am 8./9. Juli 1932 vor dem Gasthaus "Zum goldenen Hufeisen" zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.

2. September
Stahlhelm Gau Naumburg rückt zum 13. Reichsfrontsoldatentag am 3. und 4. September in Berlin aus.

22. September
Stadtgespräch: Aufregung im Weingarten 19. 15 Polizeibeamte und ein Gerichstvollzieher laufen auf. Die Wohnung des KPD-Stadtverordneten Rössling soll geräumt werden. Der zahlte aber stets pünktlich die Miete. Es sollen persönliche Unverträglichkeiten mit dem Hauswirt vorliegen. Bürger verhindern die Räumung.

26. September
Kinoprogramm in Naumburg. Reichskrone Lichtspiele: "Der schönste Mann im Staate". "Schwanen Lichtspiele": "Unter falscher Flagge" mit Gustav Fröhlich

1. Oktober
Der Landkreis Naumburg wird dem Landkreis Weißenfels zugeordnet (Kreisreform).

Oktober
Freiwilliger Arbeitsdienst im Landjugendheim Eckartsberga 1932, Leiter Karl Hemprich (geboren 1887).

Titanensturz
Georg Wilhelm Schiele stirbt am 28. September, Graf Posadowsky-Wehner am 23. Oktober und Oberbürgermeister Arthur Dietrich am
26. Oktober.

11. Oktober
Das Oberlandesgericht stellt beim Landgericht Naumburg Strafantrag gegen Paul Zeitschel (KPD-Naumburg) als Herausgeber der "Rote(n) Wacht" wegen Beleidigung von Landesgerichtsdirektor Hagen und Land- und Amtsgerichtsrat Lohmeyer.

November
Das Stadtarchiv Naumburg veranstaltet mit großem Erfolg eine Ausstellung zu "Naumburg in der Schwedenzeit".

6. November
Wahlen zum Deutschen Reichstag

28. November
Erstes geschlossenes Arbeitslager in Naumburg, Arbeiten am Grochlitzer Griess. Träger ist der Stahlhelm Naumburg.

10. Dezember
Kampfbund gegen den Faschismus (Naumburg) führt eine Geländeübung in der Gegend des Freyburger Rödel durch.


1933

 

Im Stadtkreis Naumburg wohnen auf 12 Quadratkilometer 31 315 Einwohner

Maler Fritz Rentsch (1867-1946) und Pianistin Anny Schäfer lassen sich in Naumburg nieder.

Januar
5 785 Arbeitslose im Arbeitsamtsbezirk Naumburg

4. Januar
Papen und Hitler treffen in Berlin im Haus des Kölner Bankiers von Schröder zusammen.

30. Januar
Am Vormittag findet im Ratskeller eine Kundgebung vom Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes statt. 45 bis 50 Prozent aller Handwerksarbeiten werden als Schwarzarbeit vergeben, legt der Leiter des Kampfbundes Kaufmann Schmidt dar. Dagegen will er jetzt Massnahmen ergreifen.

März/April
Verhaftungswelle gegen Oppositionelle. In Schutzhaft genommen werden (Auswahl): am 3. März Rechtsanwalt Doktor Samter (Naumburg), Paul Reiszweck am 11. März, Paul Zeitschel am 11. März, Karl Krause am 21. März, Gustav Thate am 22. März, Fritz Burkhardt am 25. März, Paul Noack am 25. März, Max Saupe am 22. März, Adolf Schuster am 27. März, Eugen Wallbaum am 1. April, Felix Zeitschel am 6. April.

Flucht von Doktor Otto Hollaender (Spechart 5) aus Naumburg nach Paris. (Erläuterung: Wir können den Tag seiner Flucht heute nicht mehr genau bestimmen. Aber gesichert ist: Die SA will ihn verhaften, weshalb seine Frau den Sohn Peter mit einem Koffer zum Bahnhof Naumburg schickt. Als Otto dort aus Jena ankommt, ist er sofort via Worms und Saarbrücken nach Paris weitergereist.) Der Rechtsanwalt trat bereits in den zwanziger Jahren gegen die Nationalsozialisten öffentlich auf.

2. März
In der 17 Stunde wurden in der Michaelisstraße beim dortigen Kommunisten vier Zentner Druckschriften "aufreizenden Inhalts" durch die Kriminalpolizei beschlagnahmt. (Zeitungsmeldung)

5. März
Wahlen zum Reichstag und Preußischen Landtag

8. März
Kundgebung des Naumburger Haus- und Grundbesitzervereins im Grossen Ratskellersaal in Vorbereitung auf Stadtratswahlen am 12. März 1933. - "Auch der Beschluss, die Oberbürgermeisterstelle einzuziehen, sei eine bemerkenswerte Maßnahme, spare doch die Stadt dadurch 24 000 Mark jährlich." (Vorsitzender Becker)

12. März
Wahl der Stadtverordnetenversammlung

19. März
Kreistagung [Kreisparteitag] der NSDAP in den Ratskellersälen
Kranzniederlegung am Jägerdenkmal

21. März
"Naumburger Tageblatt" berichtet über Einrichtung des KZ Hohnstein

Kundgebung der "nationalen Bevölkerung" aus Anlass des Tags von Potsdam auf dem Markt

Die Verordnung der Reichsregierung vom 21. März 1933 über die Bildung von Sondergerichten tritt in Kraft. Für die Stadt Naumburg als Sitz eines Oberlandesgerichtes, ist das Sondergericht in Naumburg zuständig. Es wird umgehend an das Landgericht in Halle verlegt und firmiert dann unter Sondergericht Halle.

23. März
Reichstag beschließt das Ermächtigungsgesetz

Naumburg im Deutsch-Nationalen Taumel

25. März
Bürgermeister Roloff ordnet aus politischen Gründen Schutzhaft für Bürger an.

27. März (!)
Stadtverwaltung Naumburg erhält vom Wehrkreisverwaltungsamt des IV. Armeekorps die Aufforderung alle Kasernen für den Bezug der Truppen frei zu machen.

28. März
Bürgermeister Karl Roloff beurlaubt den sozialdemokratischen Stadtrat Otto Grunert.

April
"Naumburger Kirchenbote" meldet "Frühlingsstürme". Ein Code für die Unterdrückung und Repression durch die NSDAP.

1. April, 20 Uhr
Massenkundgebung gegen die Juden auf dem Naumburger Markt

Judenboykott

4. April
Beurlaubung von Oberlandesgerichtspräsident Georg Werner. Seine Nachfolger wird Paul Sattelmacher.

6. April
Konstituierende Sitzung der Stadtverordnetenversammlung in der Marienkirche. Ausschluss der demokratisch gewählten Stadtverordneten von SPD und KPD. Adolf Hitler wird Ehrenbürger der Stadt Naumburg.

7. April
Berufsverbote - Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums

12. April
HJ-Führertagung mit Baldur von Schirach im Hotel Kurgarten in Bad Kösen. Der Reichsjugendführer schießt in der Halle des Kurhotels mit seiner Dienstwaffe auf ein Hitlerbild. Darüber empört sich Doktor Hans-Wilhelm Stein und erstattet Anzeige, was nunmehr sein weiteres Leben bestimmt (Ausschluss aus NSDAP (1935), Zuerkennung (1937) und Aberkennung (1937) einer Ehrenrente als "Vorkämpfer" und Sondergerichtsprozess in Halle (1940)). Der Herr von Burg Saaleck kolportiert das Gerücht von einer homosexuellen Beziehung zwischen Hitler und Schirach.

Der Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes ist mit der Gleichschaltung der Innungen (des Handwerks) beauftragt. Durch einen Kommissar werden die Innungen überwacht, die unter dem Verdacht der Auflehnung (Widerstand) stehen. Die Vorstände der Innungen sind mit mindestens 51 Prozent NSDAP-Mitglieder zu besetzen.

Angriff des Weckers (Nr. 16 , NSDAP Naumburg) auf den Geschäftsführer des Landbundes Meyerhoff (Naumburg) zur Vorbereitung der Gleichschaltung der Organisation mit dem Reichsnährstand (Richard Walter Darré).

20. April
Schwurgericht Naumburg, Feierstunde der Beamten und Arbeitnehmer des Amts- und Landgerichts sowie der Staatsanwaltschaft; Rede von Landesgerichtsdirektor Hagen mit einem klaren und überschwänglichen Bekenntnis zu Adolf Hitler.

21. bis 24. April
Repression gegen die Juden zum Topfmarkt

1. Mai
Gewerkschaftshaus von SA besetzt

SS-Mann Güthling (Medler Straße 21) wird in seiner Wohnung erschossen

2. Mai
Der Köppelberg bei Schulpforta heißt jetzt Adolf-Hitler-Höhe.

4. Mai
Gleichschaltung der Naumburger Sportvereine

6. Mai
Im Schützenhaus trifft sich NS-Beamtenabteilung des Kreises Naumburg zur Versammlung

11. Mai
Stadtverordnetensitzung. Heftige Auseinandersetzung zwischen dem Sozialdemokraten Otto Grunert und Friedrich Uebelhoer (NSDAP). Ein mutiges Aufbegehren der SPD!

12. Mai
Baubeginn für das neue Krematorium in Naumburg

12. Mai
Filmvorführung der HJ (Hitlerjugend) in der Reichskrone (Bismarck-Platz).

25. Mai
Serienproduktion des Volksempfängers (VE 301)

31. Mai
Der Vorortsprecher eröffnet in der Reichskrone feierlich den KSCV (Kösener Senioren-Convents-Verband) - Kongress. Zuvor nehmen die Teilnehmer am Gottesdienst im Dom teil. Die Versammlung setzt nach dem Mittag seine Verhandlungen am traditionellen Tagungsort im Mutigen Ritter von Bad Kösen fort. Über das zentrale Thema der Beratung, die Eingliederung in die nationalsozialistische Bewegung "ohne jede Vorbehalte", kommt es zu keiner Einigung. Der Vorort bricht in den frühen Abendstunden den Kongress ab und vertagt ihn auf unbestimmte Zeit.

Juni
Arbeiten an der Wenzelskirche schreiten voran. Der Neubau der Empore ist beendet. Die Orgel wird eingebaut.

1. Juni
Paul Sattelmacher wird zum Präsidenten des Oberlandesgerichts Naumburg ernannt.

Adolf-Hitler-Spende der Deutschen Industrie

8. bis 11. Juni
4. Reichsführertagung des Stahlhelm-Studentenrings Langemarck in Naumburg

9. Juni
Rede von Franz Seldte aus Anlass 4. Reichsführertagung des Stahlhelm-Studentenrings Langemarck in Naumburg

11. Juni
Vizekanzler Papen spricht auf dem Markt zu den Stahlhelm-Studenten und Bürgern.

14. Juni
Tagung der Kreissynode Naumburg im Festsaal des Domgymnasiums

16. Juni
Außerordentliche Stadtverordnetenversammlung

22. Juni
Verbot der SPD und Selbstauflösung der übrigen Parteien (DVP 27.6., DDP und DNVP 28.6., BVP 4.7. und Zentrum 5.7.). Die DNVP findet Aufnahme in die NSDAP-Fraktion.

1. Juli
Bücherverbrennung am Napoleonstein mit Feuerspruch von Friedrich Uebelhoer

24. Juli
Runderlass des Ministers des Inneren zur Entfernung aller Sozis aus dem öffentlichen Dienst

29. Juni
Bürgermeister Roloff aberkennt Wilhelm Schwencke (SPD, Vorsitzender des Reichsbanners) schriftlich das Stadtverordnetenmandat und droht ihm mit Schutzhaft.

August
Schulungsabend der NSDAP im Gasthof "Goldenes Hufeisen"

10. August
Wilhelm Schwencke (SPD) erhält vom Regierungspräsidenten Merseburgs die Mitteilung über den Einzug des Eigentums der SPD-Ortsgruppe Naumburg.

22. August
Überwachung der Arbeitslosen im Arbeitsamt durch Einsatz von SA und SS in Zivil.

23. August
Stadtverordnetensitzung
. NSDAP-Kreisleiter Friedrich Uebelhoer wird Erster Bürgermeister.

6. September
Das Kirchengesetz verfügt die Aufhebung der Ämter des Generalsuperintendenten. Neue Bistümer werden errichtet, darunter das Bistum Merseburg-Naumburg. Die Stadt bemüht sich um den Sitz einer Propstei.

Einweihung des Langemarck-Denkmals im Bürgergarten.

19. September
Feierlicher Empfang NSDAP-Kreisleiter Friedrich Uebelhoer auf dem Bahnhof von Naumburg. In seiner Ansprache vor dem Rathaus droht er allen politischen Querulanten mit Konzentrationslager.

Theater-Spielzeit in der Reichskrone 1933/34: Rigoletto von Johann Strauß, Das Spitzentuch der Königin, Krach mit Jolanthe, Die Puppenfee von Banner.

Oktober
Veröffentlichung des Plans zum Bau der Stadtrandsiedlung mit 14 Häusern im Sperlingsholz.

Gehäufte Diphtherie-Erkrankungen unter den Schulkindern; einige Klassen müssen geschlossen werden; WHW verteilt Nahrungsmittel an die Naumburger; erster Eintopfsonntag

5. Oktober / November
Friedrich Franz Peter (1892-1960) wird am 5. Oktober 1933 zum Bischof des Bistums Magdeburg-Halberstadt ernannt.

Im November 1933 übernimmt er die Verwaltung des Bistums Merseburg-Naumburg.

10. Oktober
Bewilligung von 225 000 RM zur Bekämpfung der Erwerbslosigkeit

12. Oktober
Die "Konditorei Prokop" wird von Konditormeister Fritz Seifarth in der Marienstraße 5 nach Renovierung mit 120 Sitzplätzen neu eröffnet. Von Donnerstag bis Sonntag nachmittags bis abends finden Eröffnungskonzerte statt. Mit der keramischen Aussenwandbekleidung über die Hussitentage nach Scherenschnitten von Walter Hege zieht das Haus die Blicke auf sich.

13. und 14. Oktober, Halle an der Saale
Gauappell des Gaus Halle-Merseburg. Von auswärts reisen nach Halle etwa 60 000 Teilnehmer. Zur Kundgebung auf den Brandbergen sprechen Robert Ley und Gauleiter Staatsrat Jordan.

20. Oktober
Reichsernährungsminister und Rassentheoretiker Walter Darrè besucht Naumburg und Umgebung.

22. Oktober
Abschluss der Deutschen Handwerkswoche in Naumburg

29. Oktober
Treffen der Mörder von Walter Rathenau auf dem Friedhof in Saaleck

30. Oktober
Studienrat Doktor Wilhelm Johannpeter (Parkstraße 46) referiert im Schwarzen Roß (Gr. Wenzelsstrasse 21) über das Thema: Jugenderziehung nach Adolf Hitlers "Mein Kampf".

November
Baubeginn des Hauptsammelkanals Roßbacher Straße - Badstraße

2. November
Pfarrer Albert Mielke wird von den Nationalsozialisten bei Oberschmon (Querfurt) ermordet.

4. November
Rudolf Jordan, Leiter des Gaus Halle-Merseburg, spricht auf einer Kundgebung der NSDAP im Ratskellersaal.

9. November
Naumburg im Fackelschein

10 Jahre
Ehrentag der Nationalsozialistischen Bewegung

12. November
Wahlergebnis: 20 047 Ja-Stimmen für Hitler und 916 Nein-Stimmen

1. Dezember
Einrichtung des Meldeamts für "Arbeitswillige"

15. Dezember
Das Preußische Gemeindeverfassungsgesetz (GVG) sichert die Diktatur der NSDAP auf kommunaler Ebene

20. Dezember Kälteeinbruch, Eislaufen auf der Saale bei Schellsitz

24. Dezember
Sitzung der NSDAP-Stadtverordneten


1934

 

Januar
Frau Maria Mielke, Ehefrau des ermordeten Pfarrer Mielke (Oberschmon bei Querfurt) zieht im Januar mit ihrem neunjährigen Sohn Gerhard und der siebenjährigen Tochter Ursula nach Naumburg in die Oskar-Wilde-Straße 5. Frau Mielke ist schwanger.

Walter Hege dreht den Film Erlebte Heimat.

1. Januar
Gesetz über die Verhütung erbkranken Nachwuchses in Kraft

3. Januar
Politischer Prozess am Landgericht von Naumburg gegen Kurt Gutgesell (Moritzstraße 25) mit dem Urteil: 3 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte

6. Januar
Kampfbund der deutschen Kultur, Ortsgruppe Naumburg, gegründet

10. Januar
Erster Spatenstich zur Herrichtung des Birkenwäldchens als Ehrenmal für Naumburger Weltkriegsgefallenen durch NSDAP-Kreisleiter Friedrich Uebelhoer

24. Januar
125 Wohlfahrtsempfänger bei Notstandsarbeiten, Erdarbeiten am Steinkreuzweg, Erweiterung am Westviertel

25. Januar
Feierliche Inaugurierung von NSDAP-Oberbürgermeister Friedrich Uebelhoer

26. Januar
Einsetzung von NSDAP-Bürgermeister Plate in Freyburg.

29. Januar
Das Winterhilfswerk installiert sich im Lindenring 45.

31. Januar
Ende der Länderhoheit

Stationierung des Artillerieregiments (später Artillerieregiment 14)

Februar
Übergriffe auf die Loge in Naumburg (Neustraße 15). "Die Vorgänge hatten besonders in Naumburg ernstere Formen angenommen. Die Polizei hat die Täter im letzteren Falle nicht feststellen können." (Stapo-Bericht 1934)

10. Februar und 17. Februar
Logenprozess in Naumburg.

10. Februar
Rosengarten entsteht, Freilichtbühne vermessen

11. Februar
Bombenstimmung bei einem simulierten Fliegerangriff im "Ratskeller".

24. Februar
Durchschlag des Spechsartstollen in Anwesenheit von Oberbürgermeister Friedrich Uebelhoer.

11. März
Eingliederung der evangelischen Jugend in die HJ

21. März
Die Gestapo verhaftet wegen des Verdachts auf sexuellen Mißbrauchs den Lehrer Doktor V. aus Schulpforta. - Stadtgespräch.

27. März
Übergabe der STABILA (ehemalige Kadetten-Anstalt Naumburg,Kösener Str. 50) an die NPEA. Oberstudienrat Doktor Wallstabe muss gehen. Als Direktor der NPEA Naumburg wird der alte Kämpfer Doktor August Hellmann berufen.

3. April
Das "Naumburger Tageblatt" erklärt seinem Publikum das Schriftleitergesetz.

19. April
Einrichtung des Obererbgesundheitsgerichtes am Oberlandesgericht Naumburg

1. Mai
Bei Karl Belz, Naumburg, Oststraße 26, beschlagnahmt die Polizei Erich Maria Remarques Roman "Im Westen nichts Neues".

5. Mai
Das "Naumburger Tageblatt" titelt: "Jedem Naumburger sein Eigenheim".

15. April
Napola Naumburg beginnt mit dem Schulbetrieb.

Juni
Bau Stadtrandsiedlungen Humboldtstraße - Siedlungsstraße - Gartenstraße, Weichausiedlung

4. Mai und 6. Juni
Erstaufführung der "Uta von Naumburg" von Felix Dhünen in der Reichskrone

3. Juni
Liedertag der Naumburger Sänger mit neun Gesangsvereinen im Bürgergarten.

2. und 3. Juni
Treffen der Baltikumkämpfer in Bad Kösen. Einweihung einer Gedenktafel zu Ehren der Baltikumkämpfer am 3. Juni auf Burg Saaleck durch Rüdiger Graf von der Goltz (1865-1946).

8. Juni
Im Kuhstall des Landwirts Paul Müller in Altflemmingen bricht ein Großfeuer aus.

24. Juni
Die Große Strafkammer des Landgerichts Naumburg tagt zu den Verfehlungen der Lehrer aus Schulpforta wegen Mißbrauch ihres Amtes gegenüber Schülern der Oberklasse und Jugendlichen. Gegen die Lehrer Doktor V. und Doktor B. ergehen Freiheitsstrafen. Vier Schüler erhielten geringe Freiheitsstrafen. Lehrer P. und einige Schüler werden freigesprochen.

Juli
75 Jahre Schwurgerichtsgefängnis in Naumburg

31. Juli
Die Reichskrone, jetzt auch Sitz der NSDAP-Kreisleitung Naumburg, im neuen Gewand.

19. August
Volksabstimmung über das Gesetz zum Staatsoberhaupt

20. August
Stadtverwaltung ergreift gegen die Erwerbslosigkeit weitere Maßnahmen

August
Erntekindergarten vom NS-Frauenbund und Bund Deutscher Mädel

23. August
Karl Heideck segelt mit der Friedrich Uebelhoer nach Eilenburg

September
Ernennung von Obermeistern durch Kreishandwerksführer Pg. Gustav Wesemann

24. September
Naumburger Weinbau-Gesellschaft löst sich auf Antrag ihres Vorsitzenden Richard Limburg sowie seines Stellvertreters Louis Schindler und Max Schuhmann in Eckhardts Weinstube (Topfmarkt 11) auf.

19. bis 21. Oktober
NSDAP-Gau-Parteitag in Halle

18. November, 14.30 Uhr
Kreisparteitag der NSDAP im Ratskellersaal; vorher Aufmarsch der SA an den Saalewiesen und auf dem Holzmarkt; Gauleiter Rudolf Jordan nimmt die Parade ab.

24. November
Ein Jahr NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude"

8. Dezember
Einwohnerzahl von 1933: 31 315 (1939: 36 940)

 

1935

 

Übergabe der "Hubertus-Kaserne" am Flemminger Weg (IR 53)

27. Januar, Sonntag
Der Saale-Unstrut-Elster-Gau des Kyffhäuserbundes hält in den Räumen der Erholungsgesellschaft in Naumburg (Saale) eine Führertagung ab. Der Führer des Landesverbandes Mitte Oberst a. D. von Puttkamer hält eine Rede. Anstelle des jetzt üblichen Sieg Heil, sollten wir das alte schöne Hurra setzen, führte er aus.

Februar
Das
Finanzamt kündigt eine vereinfachte Steuerzahlung nach der Leistungsfähigkeit an.

Im Hermann Schroedel Verlag Halle erscheint von Lehrer Dr. Heinrich Lemcke eine Abhandlung über Rassisches Erleben in der deutschen Dichtung. Sie dient der Weiterbildung im Fach Deutsch. Auftraggeber ist die Leitung des NS-Lehrerbundes Gau Halle-Merseburg. Der Naumburger Schuldirektor profiliert sich hier als Protagonist der Rassenlehre und -pflege in der schulischen Erziehung und Bildung.

1. bis 3. Februar
Politischer Prozess gegen die Kommunisten aus Zeitz und Droyßig im Naumburger Schwurgerichtssaal

4. und 5. Februar
Politischer Prozess gegen die Opposition aus Kretzschau im Naumburger Schwurgerichtssaal

9. Februar
Heinrich Himmler besucht die Nachbarstadt Stadt Weißenfels und die 84. SS-Staffel. - Die Mitteldeutsche-National-Zeitung, schreibt am 9. Februar 1935: "So grüßen wir Heinrich Himmler, den Reichsführer der SS, den alten nationalsozialistischen Kämpfer, den prächtigen Menschen und Kameraden. Herzlich Willkommen in Weissenfels!"

25. und 26. Februar
Politischer Prozess gegen die Köndritzer und Techwitzer Kommunisten im Naumburger Schwurgerichtssaal

28. und 29. Februar
Politischer Prozess gegen 11 Angeklagte aus Zangenberg bei Zeitz und einem aus Draschwitz im Naumburger Schwurgerichtssaal

März
Wiedergeburt der Deutschen Wehrmacht, Einführung der Wehrpflicht. (Siehe Wehrgesetz vom 21. Mai 1935)

März
In Naumburg werden viele Gegner des Nationalsozialismus festgenommen.

23. März
Selbstmordversuch von Andreas Nöding (Naumburg) im Gerichtsgefängnis Naumburg (Roonplatz).

15. März
Pfarrer Lorenz Bertheau wird verhaftet. Superintendent Moehring setzt sich für ihn ein und wird durch Friedrich Uebelhoer ebenfalls in Schutzhaft genommen.

27. April
Abschluss des Winterhilfswerks 1934/35 im Theatersaal der Reichskrone mit dem Referat von Friedrich Uebelhoer über "die zweite große Winterschlacht gegen Hunger und Kälte" (Uebelhoer) in Anwesenheit von Gauleiter Jordan, Reichsamtsleiter Lemme, HJ-Gebietsführer Reckewerth und dem Kommandeur des Artillerie-Regiments Oberst Brand.

3. Mai
Die Landesschule Pforta wird in eine NEPA (Napola) umgewandelt.

21. Mai
Feldgottesdienst und Einweihung der Hitler-Eiche durch NSDAP-Kreisleiter Friedrich Uebelhoer aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des Männergesangsvereins in Grochlitz.

1. April
Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935.

27. April
Abschluss des Winterhilfswerks 1934/35 im Theatersaal der Reichskrone mit dem Referat von Friedrich Uebelhoer über "Die zweite große Winterschlacht gegen Hunger und Kälte" (Uebelhoer). Anwesend sind Gauleiter Jordan, Reichsamtsleiter Lemme, HJ-Gebietsführer Richard Reckewerth, Oberst Brand, Kommandeur des Artillerie-Regiments, und andere.

28. April
Denkmalsweihe für die Gefallenen der ehemaligen Einwohnerwehr und des Landesjägerkorps in Naumburg

5. Juni
Kongress des KSCV (Kösener Senioren-Convents-Verband) und des VAC (Verband alter Corpsstudenten mit der Geschäftsstelle in Bad Kösen) im Festsaal vom Mutigen Ritter in Bad Kösen.

12. und 13. Juni
Politischer Prozess gegen Erich Tatzel (Große Salzstraße 14) und Genossen im Naumburger Schwurgerichtssaal

15. und 17. Juni
Politischer Prozess gegen Willy Dechandt (Am Hohen Stein 22) und Genossen im Naumburger Schwurgerichtssaal

18. Juni
Die Domstifte Merseburg und Naumburg sowie das Kollegiatstift in Zeitz schliessen sich zu einer Verwaltungskörperschaft zusammen. Der letzte Merseburger Domdechant Generalfeldmarschall August von Mackensen wird Dechant des neugebildeten Vereinigten Domkapitels mit Sitz in Naumburg. Die offizielle Feierlichkeiten finden am 14. Oktober 1936 im Schloss von Merseburg statt. Einen Tag später findet eine Feierstunde in Naumburg statt.

20. Juni
Reichsgesetz zur Arbeitsdienstpflicht; 6 Monate "Ehrendienst" aller Bürger von 18 bis 25 Jahren

30. Juni
Auflösung der Loge zu den drei Hammern (gegründet 1749) in der Neustraße 15

17. August
Im Gefängnis am Roonplatz sind aus Naumburg folgende politische Häftlinge inhaftiert: Hühn, Heinold, Thate, Bornscheid, Lessing, Wiesemann und Assmann.

20. August
Einzug des Infanterieregiment Königsbrück

1. Juli
Adolf Schieffer wird Direktor der Napola Schulpforta

30. und 31. Juli
Politischer Prozess gegen KPD-Mitglieder und Sympathisanten, unter anderen aus den Orten Kreischau, Wählitz, Hohenmölsen, Jaucha, Mutschau, Zembschen, im Naumburger Schwurgerichtssaal

August
"Weiter ist im letzten Monat", heißt es im Lagebericht der Staatspolizei Halle für August 1935, "der Gründer der "Urchristengemeinde Gottes", der Missionar Anton Kaludza [richtig: Kaluza], in Naumburg dadurch in Erscheinung getreten, dass er die Broschüre "Gewitterwolken am Horizont" versandte.

5. August
Politischer Prozess gegen die Kommunisten aus Weißenfels im Naumburger Schwurgerichtssaal

6. August
Politischer Prozess gegen die Kommunisten und Anhänger aus Hohenmölsen im Naumburger Schwurgerichtssaal.

15. August
Doktor Uderstädt löst Pg. Plate (der nach Nebra versetzt) als Bürgermeister in Freyburg an der Unstrut ab

28. August
Gründung des Mitteldeutschen Reitervereins im Kasino des Artillerie-Regiments. Als Vorsitzenden wählt man Oberst Albrecht Brand. Mit von der Partie sind Major Freiherr von Werthern, Oberst Freiherr von Waldenfels, Bernhard von Helldorf, Georg Graf von Zech-Burckersrode und Rechtsanwalt Loewe. Die Auflösung der Vereins, er hatte weder Pferde noch eine eigene Reitbahn, erfolgt am 21. Januar 1937 in der Erholung (Naumburg).

26. September
20 Uhr:  Aufführung des Frankfurter Würfelspiels auf dem Markt.

Oktober
Arbeitsamtsbezirk Naumburg: 1 166 Arbeitslose
Verkauf von Lotterielosen zur Arbeitsbeschaffung

1. Oktober
Zwangsauflösung des KSCV (Kösener Senioren-Convents-Verband), gegründet 1848 in Jena. Ein Corps weigert sich die nichtarischen Angehörigen auszuschließen. Darüber kam es bereits auf der Pfingsttagung 1933 zur Auseinandersetzung. Doch scheinen die Hintergründe ambivalenten Charakter zu tragen.

4. Oktober
Bund der Nationalsozialistischen Juristen, Naumburg.
Ortsgruppenführer Parteigenosse Rieling referiert über die "Judenfrage". Juden gelten fortan als Fremde, die jederzeit ausgewiesen werden können.

5. Oktober
Einweihung einer Erinnerungstafel für das 2. Thüringische Feldartillerieregiment Nr. 55 in der Hindenburg-Kaserne

11. Oktober
Adolf Hitler eröffnet das dritte Winterhilfswerk in der Krolloper.

18. Oktober
Friedrich Uebelhoer führt die neuen Ratsherren ein.

31. Oktober
Tagung der Leiter der NPEAS in Schulpforta

31. Oktober
Kreissynode Naumburg am Reformationstag. Sie begannen mit einer Andacht im Westlettner des Doms. Die Verhandlungen fanden im Festsaal des Domgymnasiums statt.

Dezember
In "Velhagen & Klasings Monatshefte" erscheint die erste Farbaufnahme vom Naumburg Dom.

1. Dezember
68 NS-Schwestern in der Reichskrone von Gauleiter Rudolf Jordan vereidigt.

23. Dezember
Prozess gegen die SAP-Widerstandsgruppe aus Naumburg (Max Römer, Anna und Karl Possögel und andere) vor dem 5. Strafsenat des Kammergerichts im Kriminalgerichtsgebäude in Berlin-Moabit.

24. Dezember
Zugunglück östlich der Bahnhofausfahrt von Großheringen, 31 Personen werden getötet und 27 verletzt.


1936

 

Naumburger Theater 1935/36. Deutsches Volkstheater zu Erfurt zu Gast - Fidelio von Beethoven - Die Kleine Stadt von Lortzing- Schiller Don Carlos

Einführung des Tags der Gastfreundschaft als Werbung für Naumburg Reisestadt.

Mitglieder des Erbgesundheitsgerichts Naumburg: Medizinalrat Doktor Gundermann (Naumburg), Medizinalrat Doktor Scheibe (Zeitz) und Medizinalrat Doktor Mennicke (Querfurt)

Dorothea Buck, 1917 in Naumburg geboren. Sie erkrankt an Schizophrenie und wird in die von-Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel eingewiesen. Es wird eine Zwangssterilisierung vorgenommen.

Fertigstellung Heereszeugamt an der Kroppentalstraße

Fertigstellung Hindenburg-Kaserne an der Schönburger Straße

Organisationsreform in der HJ (Naumburg jetzt HJ Bann 203)

8. Januar
Schlussbericht von Doktor von Walter Blume über die Aktion der Stapo-Halle gegen die Anthroposophische Gesellschaft in Naumburg.

17. März
Rede von Reichsjugendführer Baldur von Schirach vor der Reichskrone in Naumburg

21. März
Kreistagung des NS-Lehrerbundes im festlich geschmückten Saal der Post-Eröffnung durch NSDAP-Kreisleiter Friedrich Uebelhoer

27. März
Hermann Göring besucht Schulpforta.

29. März
Reichstagswahlen mit NSDAP-Einheitsliste

April
Studienassessor Doktor Kurt Völcker erhält am Reformrealgymnasium ein Gehalt von 266,24 Reichsmark pro Monat.

23. April
Kreisleiter-Tagung der NSDAP auf Burg Krössinsee (Eiweihung 24. April 1936).

2 000 SA-Männer marschieren durch Naumburg.

1. Mai
Naumburger bilden auf dem Marktplatz ein großes lebendiges Hakenkreuz.

9. und 10. Mai
HJ Führertagung des Bann 203 in Zeitz.

20. Mai
Kreistagung des NS-Lehrerbundes in der Napola Naumburg mit Gauamtsleiter Doktor Grahmann und NSDAP-Kreisleiter Friedrich Uebelhoer.

19. und 20. Mai
Politischer Prozess gegen die Kommunisten aus der Umgebung um Zeitz im Naumburger Schwurgerichtssaal

22. und 23. Mai
Politischer Prozess gegen die Kommunisten aus Profen, Draschwitz und Lützkewitz im Naumburger Schwurgerichtssaal

Pfingsten
Zeltlager des HJ Unterbanns I/203 (Naumburg) an der Saale unterhalb der Rudelsburg. Zwölf Zelte sind aufbaut. Die Teilnehmer radeln von dorthin.

1. August
Teilweise Eingliederung der Gemeinden Altenburg und Flemmingen aus dem Amtsbezirk Altenburg (Landkreis Weißenfels) in die Stadt und den Stadtkreis Naumburg a. S..

Während der Olympischen Spiele vom 1. August bis 16. August 1936 wird im Dorf Döberitz ein Haus Naumburg eingerichtet.

16. August
Sächsische Hitlerjugend auf dem Marsch durch Naumburg

19. August
Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten (1887-1943) weiht die Jahnstätte in Freyburg ein.

15. Juni
Anton Kaluza, er gehört zur Glaubensgemeinschaft der Zeugen der Jehovas, geboren am 1. Dezember 1894 in Pichlitz / Polen, wird aus dem KZ Lichtenburg entlassen.

Juli
Institutionalisierung des Gesundheitsamtes in Naumburg

1. August
Teile der Gemeinden Altenburg und Flemmingen werden aus dem Landkreis in Weißenfels in den Stadtkreis Naumburg eingegliedert.

1. August bis 16. August
Während der Olympischen Spiele wird Dorf Döberitz ein Haus Naumburg eingerichtet.

17. August
Übergabe des Autobahnteilstücks Pörsten - Weißenfels - Eisenberg

28. bis 30. August
Reichsarbeitstagung der NSV in Naumburg unter der Leitung von Hauptamtsleiter Hilgenfeldt.

1. September
Einführung des Arbeitsbuches, Meldepflicht über Einstellungen und Änderungen beim Personal

10. September
Treffen der politischen Leiter der NSDAP-Ortsgruppe in der "Reichskrone" zur Verabschiedung der Teilnehmer am Parteitag der NSDAP am 11. und 12. September 1936 Nürnberg

23. September
Aus Anlass der grossen Rechtswahrertatgung des Gau Halle-Merseburg gelangt auf dem Markt unter Mitwirkung von 450 Personen aus der SA, der HJ und den Gesangsvereinen das Frankfurter Würfelspiel zur Aufführung.

27. September
Gautagung des NS-Rechtswahrerbundes mit Reichsrechtsführer Doktor Hans Frank. Feierstunde im Oberlandesgericht Naumburg zur Einweihung der Adolf-Hitler-Büste. Der Bürgermeister gibt im Rathaus von Naumburg einen Empfang für die Rechtswahrer auf der Hans Frank spricht .

28. September
Rede von Hans Frank auf dem Marktplatz von Naumburg.

1. Oktober
Der Generalstaatsanwalt am Oberlandesgericht Doktor jur. Ludwig Becker (1871-1950) wird pensioniert. Sein Nachfolger ist Hermann Hahn. Er wird am 4. November 1950 in der Strafvollzugsanstalt Waldheim hingerichtet.

30. Oktober
Gustav Adolf Winter aus Großjena begeht (laut Stapo-Bericht) im Gefängnis Selbstmord.

17. Dezember
Frau Herta Paul, geboren 13. August 1918, von 1938 bis 1946 Hauswirtschaftshilfe in Bad Kösen, wird zwangssterilisiert. Sie besuchte von 1928 bis 1935 die Gehörlosenschule in Erfurt. Ihre drei Brüder waren ebenfalls Gehörlos.

 

1937

 

Arisierung (Enteignung) des Eigentums von Max Cohn (Kaufhaus), Marcus Hardt (Konfektionsgeschäft), Josef Gross (Kurzwarengeschäft) und Viehhandlung Mannheimer

Wie schon 1936 leisten die Schüler der NPEA Naumburg in der Batschka (zwischen Donau und Theiß liegend) volksdeutschen Arbeit!

Januar
Abriss des Restaurants Knörrichs Garten [nach Robert Knörrich] an der Jakobspromenade und Vogelwiese (vor 1880 "Sängers Garten")

1. Februar
Landesgerichtspräsident Wanke wird in sein Amt eingewiesen.

14. Februar
Das Haus der deutschen Jugend (Schützenhaus) wird der Hitlerjugend neu renoviert übergeben.

März
Hochwasser an Unstrut und Saale

April
Arbeiten am Ehrenmal für die Kriegsgefallenen am Birkenwäldchen zwischen Danziger Straße, Flemminger Weg und Kämpfersiedlung (heute Richard-Lepsius-Siedlung).

5. April
Einweihung der Lehrlingsfachschule der Baugewerks-Innung (ehemaliges HJ-Heim in der Peter-Paul-Straße)

8. April
Zwangssterilisierung der Landarbeiterin X aus Eckartsberga im Naumburger Krankenhaus (amtlich dokumentiert, Anonymisierung durch Autor).

1. Mai
Naumburg feiert den Festtag der Nationen

29. Mai bis 30. Mai
Kreisappell der NSDAP-Kreisleitung Naumburg, Kranzniederlegung am Langemarck-Denkmal, NSDAP-Kreisleiter droht den "Asozialen"

Mai
Bekanntgabe der Feriensonderzüge.

Das Arbeitsamt Naumburg meldet 760 Arbeitslose.

2. Juni
Otto Wolf (FAUD) wird im Kaufhaus Cohen (Herrenstraße) verhaftet.

8. Juni
Deutschland-Rad-Tour passiert die Domstadt mit zwei Stürzen

31. Juli 14 Uhr
Gustav Thate (Marienplatz 17) und Paul Girnuweit (Schulstraße 37) werden in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert.

Richard Kanzler (Bad Kösen) verhält sich als Kapo im Steinbruch des Konzentrationslagers Buchenwald umsichtig und kameradschaftlich.

7. August 12 Uhr
Walter Höhne (Jägerplatz 21) und Heinrich Hedicke (Weißenfelser Straße 29) werden in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert.

Oktober
Kunsthandwerker Friedrich Muck-Lamberty lehnt die NSDAP ab und hilft Außenseitern.

3. November
Hubertus-Jagd für die Offiziere des Infanterie-Regiments 53 (am 7. November für die Unteroffiziere)

13. November
Otto Wolf aus dem Spechsart wird durch
den 5. Strafsenat des Berliner Kammergerichts am Sondergericht in Halle an der Saale am 13. November 1937 zu drei Jahre und sechs Monate Zuchthaus verurteilt. Er war Mitglied der FAUD und arbeitete mit Friedrich Götze (Leipzig) zusammen.


1938

 

Arisierung (Enteignung) des Kurzwarengeschäft von Josef Gross.

Arbeiter Rudolf Jäger verdient im Heeresverpflegungsamt nach Abzug aller Sozialabgaben wöchentlich 40,- Reichsmark plus 70,- Reichsmark pro Monat an Kinderbeihilfe

Übergabe der "Lüttich-Kaserne" am Flemminger Weg (IR 53).

27. Januar
Eröffnung des Deutschen Volksbildungswerkes durch den Kreiswart der NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" Victor Artes. Sein Ziel ist die Erziehung des Menschen zum Nationalsozialismus. Dem Individualismus stellen wir bewusst den Willen zur Gemeinschaft entgegen. (Müller, Rektor der Hans-Schemm-Schule und Leiter des Deutschen Volksbildungswerkes)

26. Februar
Tag der bildenden Kunst in der Utastadt Naumburg. 8 Uhr abends, Feierstunde im Dom mit Domorganist Doktor Haacke und dem Mitteldeutschen Orchester unter Leitung von Gerhard Hünecke. Grete Vade (Halle) spricht Uta Dichtungen von Freiwald, Lüdecke, Brockmeier und Hans Schwarz.

10. März
Fritz Zimmermann (NSDAP) wird Bürgermeisters in Bad Kösen.

26. März
Das Domkapitel für Merseburg, Naumburg und Zeitz tritt unter Vorsitz von Generalfeldmarschall Mackensen zusammen. Es beschließt eine Reihe von Erhaltungs- und Modernisierungsarbeiten für den Naumburger Dom.

5. April
Eröffnung der Lehrlingsfachschule der Baugewerbe-Innung Naumburg in der
Peter-Paul-Strasse. Lehrzeit: 3 Jahre.

10. April
Wahlen zum Reichstag

24. April
SS-Hauptsturmführer und Oberregierungsrat Doktor Person wird zum Direktor von Schulpforta ernannt.Der NSV erwirbt den "Kaiserhof" in der Bahnhofstraße.

30. Juni bis 4. Juli
Auf Initiative der NSDAP wird das Kirschfest nun als Bänderfest gefeiert, was bei den Naumburger wenig Anklang findet.

1. Juli
Im Zulassungsbezirk Naumburg gibt es 798 Personenkraftwagen, 595 Motorräder, 20 Zugmaschinen und 7 Omnibusse.

27. bis 31. Juli
Deutsches Turn- und Sportfest in Breslau. Erika Junghans von Friesen Naumburg springt 5,68 Meter weit.

28. Juli
Wilhelm Bertling wird 70 Jahre alt. Seit 1920 engagiert er sich im Naumburger Ruderverein von 1908 als Vorstandsmitglied. Er ist leidenschaftlicher Wanderruderer.

14. August
Einweihung der Friesenkampfbahn, die in Gemeinschaftsarbeit des Turnvereins Friesen mit dem IR 53 entstand.

20. bis 22. August Jägerfest
Sonnabend: Mitgliederversammlung im Hindenburgsaal vom Ratskeller. 20 Uhr Begrüssungskommers aller Formationen in beiden Sälen des Ratkellers. Sonntag: Kranzniederlegung am Jägerdenkmal (Bergstrasse) durch die Kameradschaften. 11 Uhr Traditionsfeier. 12 Uhr Feldküchenessen. 20 Uhr "Grüner Abend" der einzelnen Kameradschaften in den Standquartieren. Montag: 11 Uhr treffen im Dunkelbergsgarten. 12 Uhr Feldküchenessen. 14 Uhr Abfahrt nach Freyburg.

28. August
Martha Wolf (Naumburg) besucht ihren Mann Otto Wolf (Naumburg, Spechsart 100) im Gefangenenlager Trebitz an der Saale.

4. September
Studiendirektor a. D. Professor Bruno Kaiser hält als Vorsitzender der Tagung des 645 Mitglieder zählenden Bundes der alten Naumburger Domschüler in Naumburg einen Vortrag.

8. September, 18 Uhr
Karl Paul (Mertendorfer Weg 12) und Karl Possögel (Kleine Wenzelsstraße 9) werden in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert.

1. Oktober
Das Infanterieregiment 53 aus Naumburg nimmt (als Teil der 14. Infanteriedivision, Leipzig) an der Besetzung des Sudentenlandes in Liberec (Reichenberg) teil.

Oktober
Erika Junghans springt zum Abschlussfest im Friesenheim 6,07 Meter. Es ist der erste Sprung einer deutschen Sportlerin über sechs Meter.

5. Oktober
Gerichtsverfahren gegen den Bürgermeister Zimmermann. Er wird wegen Untreue im Amt und Unterschlagung als Amtsvorsteher in Almrich zu einer Zuchthausstrafe von 2 Jahren, einer Geldstrafe und dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.

21. November
Oberst a. D. Kurt von Schönberg (Kreipitzsch) verstirbt.

15 Uhr: Johannes Heinemann, Naumburg, Kleine Kirchengasse 5, wird in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert.

27. Oktober
18 Uhr: Paul Müller (Marienplatz 14) wird in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert.

November
Rekrutenvereidigung auf der Vogelwiese

9. November
Ausschreitungen gegen die Naumburger Juden. Josef Gross (Große Salzstraße 40) wird von den Nationalsozialisten schwer misshandelt.

 

1939

 

NPEA Schulpforta verfügt über 27 Lehrkräfte, die 153 Jungmannen unterrichten.

17. Januar
Franz Bauer wird zum Bürgermeister von Freyburg berufen

13. März
Großkundgebung der NSDAP auf dem Marktplatz aus Anlass des 1. Jahrestages zur Heimholung der Deutschen mit allen ihren Gliederungen. Es spricht unter anderem Parteigenosse Langermann.

17. März
Im Hotel "Schwarzes Roß" (Gr. Wenzelsstrasse 21) findet ein Treffen der Deutschen Zeitungsvertreter aus dem Gebiet Süd-Saale statt.

24. April
Domprediger Merensky geht in Ruhestand.

Mai
Auf der 20. Jahresschau der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner des Kölnischen Kunstvereins werden zwei Duxocromvergrößerungen von den Naumburger Stifterfiguren von Walter Hege gezeigt.

Mai
Gertrud Rabestein, geboren am 5. Dezember 1903 in Naumburg, wird in das neu errichtete KZ Ravensbrück bei Fürstenberg versetzt.

2. Mai
Selbstauflösung des Kirschfestausschusses unter Max Bischof (Naumburg). (Tag der offiziellen Mitteilung an den Oberbürgermeister und NSDAP-Kreisleiter Friedrich Uebelhoer.)

21. Mai
Heinz Ostwald (Halle) wird Sieger des Großen Straßenpreises von Naumburg und erhält ein Führerbild.

10. und 11. Juni
Kreisappell der NSDAP-Kreisleitung Naumburg

8. bis 10. Juli
Wiedersehensfeier der Offizierskameradschaft des ehemaligen 2. Thüringer Feldartillerie-Regiments 55 aus Anlass des 40. Jahrestags. Die Festredner bekennen sich zum Nationalsozialismus und seiner Eroberungspolitik. Major Wiesner ernennt Adolf Hitler zum "Oberbefehlshaber aller deutschen Herzen."

Juli / August
Trinkwassernot in Naumburg. Von 31 Brunnen des Wasserwerkes arbeiten nur noch 15. Der Wasserspiegel der Saale ist tief abgesunken und die Pumpen ziehen Luft. In der Horst-Wessel-Siedlung kommt kein Trinkwasser an. Dem Gaswerk fehlt zeitweise das Kühlwasser und die Strassenbahn muss wegen Wassermangel den Betrieb einstellen. Mit dem persönlichen Einsatz von Direktor der Naumburger Stadtwerke Diplom-Ingenieur Edgar von Frankenberg und Ludwigsdorff ist man unzufrieden. Auf ein Telegramm hin, dass die Stadt ohne Wasser ist, lässt er zwei Nächte und einen Tag vergehen, eh er sich auf seiner Dienststelle meldet. Oberbürgermeister Friedrich Uebelhoer ist auswärts (im Urlaub oder auf Dienstreise?) unterwegs. Durch einen Anruf von Baurat Paul Schröter erfährt er am 31. Juli 1939 von der Misere und eilt sofort nach Naumburg. Das Trinkwasser muss stark rationiert werden. Erste technisch-operative Massnahmen werden eingeleitet. Der Direktor der Naumburger Stadtwerke sagt dem Oberbürgermeister eine 24-Stunden-Förderung von 4 350 Liter zu. Aber das Ziel wird nicht erreicht. Zwar steigt die Förderung kurzfristig (Montag, Dienstag, Mittwoch) auf zwischen 3 700 und 4 900 Liter pro Tag an, um dann aber wieder auf ganze 2800 Liter abzusinken. Bei der Ursachensuche stellt sich heraus: "… dass die nötigen Unterlagen, die ein technischer Mann brauche, um festzustellen, was eigentlich los sei, im Wasserwerk gar nicht vorhanden waren." "Weiter sei nicht einzusehen was für Filter und Saugrohre vorhanden seien und bis zu welcher Tiefe die Saugrohre gehen. Alles in allem ein unmöglicher Zustand." Der hinzugezogene Sachverständige von der Grünberg AG urteilt, dass "die ganze Anlage des Wasserwerks nicht zweckentsprechend sei. …. Wo man hingesehen habe, sei Bruch auf der ganzen Linie gewesen." "Das Sitzen über den unzureichenden Plänen und das mühsame Zusammensuchen der Einzelheiten durch Befragen der Leute habe dann den Sachverständigen zu der Äusserung dem Oberbürgermeister gegenüber veranlasst, dass das, was er hier in Naumburg gesehen habe, für eine Stadt wie Naumburg beschämend sei …."

10. August
Wiedereröffnung des Reichskronen-Theaters mit einer Hetzrede von Friedrich Uebelhoer.

14. August
Unterführerlager der HJ-Mittelland auf der Adolf-Hitler-Höhe bei Schulpforte

18. August
Ausgabe Gasmaske VM 37 an die Naumburger

1. September
Ausgabe der Lebensmittelmarken in der Seilergasse. Verdunkelung der Häuser wird angeordnet.

11. Oktober
SS-Obersturmbannführer Friedrich Uebelhoer wird kommissarischer Regierungspräsident von Kalisch. Er begeht schwerste Verbrechen ge
gen die Menschlichkeit.

Oktober
HJ erfüllt seine Pflicht an der "inneren Front". Industrieeinsatz gehört zum Erziehungsplan der Napola. Die Jungmannen arbeiten 8 Wochen im Braunkohlewerk Golpa-Zschornewitz. Andere sind in Spielberg bei Hassenhausen zur Kartoffelernte.

November
Einführung von Oberamtsrichter Neudert am Amtsgericht Naumburg

1. oder 2. Dezember
Gustav Wolf wird erschossen. Vorausgegangen war am 25. Oktober 1939 in Naumburg ein Prozess wegen Straßenraub mit Körperverletzung und versuchter Notzucht (Sittlichkeitsverbrechen) an einem Mädchen mit der Verurteilung zu zehn Jahren Zuchthaus.

4. Dezember
Unangemeldete Kontrolle durch die Stadtverwaltung im Schlachthof (Roßbacher Str. 31)

7. Dezember
Bürgermeister Karl Roloff war im März 1939 verstorben. Stadtassessor Werner Schröder tritt seine Nachfolge an. Die Amtseinführung nimmt der dienstälteste Beigeordnete, Stadtbaurat Schröter, vor. Martin Schmidt, Kreisgeschäftsführer der NSDAP-Kreisleitung Naumburg, überbringt die Glückwünsch der NSDAP.

10. Dezember
Friedrich Uebelhoer erlässt als Regierungspräsident ein Rundschreiben zur Bildung des Gettos in Lódz.


1940

 

August Butkust, Moritzstraße 56, verdient als Landarbeiter 20 Reichsmark in der Woche plus Naturalien; aber er erhält seinen Lohn nicht regelmäßig

Januar
Emund Bräuning aus Naumburg wird Adjutant des KZ-Kommandanten in Neuengamme.

11. Januar
SA-Obergruppenführer und Oberpräsident Ulrich besucht zusammen mit Regierungspräsident Robert Sommer, Bürgermeister Schröter und NSDAP-Kreisgeschäftsführer Martin Schmidt die verschiedenen staatlichen Dienststellen.

12. Januar
Um die Mütter von der Kinderversorgung während der beruflichen Arbeit zu entlasten und in kriegswichtige Arbeiten einzugliedern zu können, schafft der NSV einen Kindergarten auf der alten Befestigungsanlage. Er wird heute eingeweiht.

März
Als Mitglieder des Erbgesundheitsgerichts Naumburg sind tätig: Medizinalrat Doktor Scheibe (Zeitz), Medizinalrat Doktor Mennicke (Querfurt) und Doktor Reinhardt (Weißenfels).

11. März
Oberst Tetens spricht zum Heldengedenktag auf der Vogelwiese. Kernaussage: "Das Opfer, das von so vielen deutschen Männern für ihr Vaterland gebracht wurde, lässt uns wissen, das der Sinn für das heldische in unserem Volke noch lebt."

7. März
Friedrich Uebelhoer ist Regierungspräsident von Kalisch, ab 1940 dann in Litzmannstadt (Lódz), wohnhaft Gartenstraße 15

18. April
Der NSDAP-Kreisleiter von Naumburg, Friedrich Uebelhoer, hat
längst seine neuen Aufgaben im Warthegau übernommen. Seine Funktion beim NSV musste neu besetzt werden. NSDAP-Gauleiter Eggeling beruft Parteigenossen Lamminger zum kommissarischen Leiter des Gauamtes Halle-Merseburg für Volkswohlfahrt (Bahnhofstraße 44).

Mai
Unter dem Druck von personellen Zwängen des Krieges, stellt die Stadt die erste Straßenbahn-Schaffnerinnen ein.

4. Mai
(Reichs-) Tagung des Sozialen Amtes des Reichsjugendführers der Hitler-Jugend im Haus der Jugend

27. Mai
Otto Lehmann wird NSDAP-Kreisleiter Naumburg und Beauftragter der NSDAP für den Stadt- und Landkreis.

1. Juni
Generalfeldmarschall Mackensen besichtigt den Fortgang der Bauarbeiten im Dom.

29. Juni
Reichstagung der Lebensmittelchemiker in Naumburg.

16. Juli
Staatsanwalt Doktor Becker beschuldigt in seiner Anklage Robert Beck, geboren am 18. März 1876 in Kahlwinkel bei Eckartsberga, am 7. September 1939 und 2. Januar 1940 des Abhörens ausländischer Feindsender und damit des Rundfunkverbrechens. Die Richter unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Wernicke mit den Beisitzern Landgerichtsrat Doktor Keim und Landgerichtsrat Doktor Müller erkennen gemäß Paragraph 2 der Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen auf 9 Monate Gefängnis. Außerdem ordnet das Sondergericht Halle die Beschlagnahme des „Lorenz Tonmeister W Nr. 153 937“ an. Per Order vom 20. August lässt der Oberstaatsanwalt des Sondergerichts Halle noch die Antenne demontieren.

17. Juli
Der NSDAP-Gauleiter besucht die Gräber von Fischer und Kern in Saaleck.

20. August
Gauleiter und Staatsrat Joachim Albrecht Eggeling spricht im überfüllten Reichskronensaal zum Thema: Zwischen den Schlachten und die Vernichtung der englischen Plutokratie.

September
Doktor Schmidt, Unterrichtsleiter von Schulpforta, wird zur Leitung Neugegründeter NPEA (Baden und Elsass) abberufen.

November
Bruno Radwitz aus Jena wird Oberbürgermeister der Stadt Naumburg.

Einer Inspektion des Regierungsbezirkes fällt auf, dass es Stadtbaurat Schröter "an der unerlässlichen Urteilskraft über Fragen der Baugestaltung in erheblichem Umfange zu fehlen scheint".

Stadtbücherei zieht in die Salztorhäuser.

 

1941

 

Stadt entnimmt das erste Mal Ferngas aus dem Netz der Ferngasversorgung Provinz Sachsen-Thüringen A. G.

15. Januar
Offizielle Einführung von Bruno Radwitz als Oberbürgermeister im Rathaus von Naumburg durch Regierungspräsident Robert Sommer.

31. März
Das Reichskronen-Filmtheater-Schwanen zeigt den Film "Der ewige Jude".

14. April
Verhaftung von Peter Hollaender (geboren am 3. August 1919 in Naumburg) im Häuschen seiner Mutter am Saalberge in Bad Kösen. Er ist der älteste Sohn des hoch angesehenen Rechtsanwalt Doktor Otto Hollaender, der bereits 1933 vor den Nationalsozialisten aus Naumburg fliehen musste. Peter wird am 3. April 1942 im KZ Sachsenhausen ermordet.

20. April
Die Psychiatriepatientin Selma Albrecht aus Naumburg stirbt in der thüringischen Landesanstalt Stadtroda an einer durch das medizinische Personal willentlich herbeigeführten Vergiftung.

22. Juni
Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion

28. Juni
Gautagung der Rundfunkführung der NSDAP.

November
Der Anstaltsleiter von Schulpforta Doktor Person kehrt nach 14-monatigem Kampfeinsatz aus Polen und Frankreich zurück.

Edmund Bräuning (Naumburg) arbeitet unter Rudolf Höss in Auschwitz

 

1942

 

28. Januar
Zwangsarbeiter Jan Decoster aus Belgien, geboren 6. April 1907 in Crainheim, katholisch, tätig im Bahnoberbau Deutsche Reichsbahn, Bahnmeisterei Naumburg / Saale, flieht mit dem Fahrrad (Datum der Meldung an die Kreispolizeibehörde)
.

Februar
Versorgungsschwierigkeiten im Krankenhaus Naumburg

23. Februar
Landgerichtsdirektor Weins verurteilt mit seinen Beisitzern Landgerichtsdirektor Keim und Landgerichtsdirektor Egidy, den kaufmännischen Angestellten Heinz Reinhold (geboren am 20. Januar 1913) aus der Jakobsstraße 10, wegen fortgesetzten Vergehens gegen Paragraph 2 Heimtückegesetz zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis.

4. April
Bürstenmachermeister Kurt Steinbrück aus dem Steinweg, geboren am 30. Oktober 1898 in Naumburg a. S., wird zum Dienst in die Deutsche Wehrmacht befohlen. Er kehrt am 24. September 1948 aus russischer Kriegsfangenschaft zurück.

11. April
Ausgabe der 4. Reichs-Kleiderkarte.

9. April
"Der Zünder", Franz Neubert, Schriftsetzer, früherer Fraktionsvorsitzender KPD im Stadtparlament von Naumburg, stirbt.

14. Juli
Wochenspruch der NSDAP: "Unser Krieg ist ein totaler."

17. Juli
Das Sondergericht Halle befasst sich mit den Schwarzschlachtern Otto K. und Rudolf M. aus Naumburg. Es tagen dazu der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Wernicke mit seinen Beisitzern Landgerichtsrat Morsbach und Landgerichtsrat Schulze sowie der Beamte der Staatsanwaltschaft Doktor Rothe. Gegen die Angeklagten ergeht wegen gemeinschaftlichen Vergehens gegen die Kriegswirtschaftsverordnung, Paragraph 1, je eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten und 30 Reichsmark Geldstrafe. - Ihre Strafe verbüßen K. und M. im Gefängnis von Naumburg.

27. Juli
Wassersporttage in Grochlitz

20. August
Warnung vor Felddiebstählen mit strengen Strafen

Bürgermeister Werner Schröder (geboren 5. Oktober 1904) fällt an der Ostfront. Der Heldentod grassiert.

Am 8. September 1942
gedenken die Ratsherren der toten Helden im Einsatz für Großdeutschland. Außer dem Bürgermeister gedachte man den Gefallen Sparkassengehilfen Gläser und Sauer, dem Assistenzarzt Doktor Chemnitzer sowie den Verwaltungsangestellten Leuke und Klein.

8. Dezember
Prozess gegen den Arbeiter Wilhelm Kayser (Am Ostbahnhof 2) vor dem Sondergericht in Halle; Verurteilung gemäß Heimtückgesetz zu einem Jahr und sechs Monate Gefängnis

 

1943

 

17. Februar
Artur Samter in Auschwitz ermordet

23. Februar
Das Sondergericht Halle verurteilt den kaufmännischen Angestellten Heinz Reinhold (geboren am 20. Januar 1913) aus der Jakobsstraße 10, wegen Vergehens gegen Paragraph 2 des Heimtückegesetz zu einem Jahr und drei Monate Gefängnis. Im Mai 1944 arbeitet er wieder in der Firma Dipl. Ing. Willy Jeschke Bauunternehmung, Eisenbeton, Hoch- und Tiefbau in Naumburg.

16. März
Rosemarie Böttger (Marienplatz 3) wird das erste Mal denunziert. Sie wird vom Sondergericht Halle wegen freundlichen Umgang mit Kriegsgefangenen
nach § 4 der Wehrkraftschutz-VO zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt.

22. März
Feiererliche Aufnahme des 4. Zuges der Napola Schulpforte in die HJ im "Reichskronensaal" von Naumburg.

13. Mai
Das Sondergericht I in Halle (Saale) erkennt unter Vorsitz von Landgerichtsrat Morsbach mit den Beisitzern Landgerichtsrat Schulze und Amtsgerichtsrat Fickel am 16. Juni 1943 für Recht: Die Angeklagte Rosemarie Böttger vom Marienplatz 3 wird wegen Verbrechens nach Paragraph 4 der Wehrkraftschutz-VO zu zwei Jahren Zuchthaus und zwei Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte sowie zur Übernahme der Kosten des Verfahrens verurteilt.
Hans von Egidy hatte als Vertreter der Anklagebehörde beim Sondergericht (Halle) Landgerichtsrat in der Anklageschrift vom 13. Mai 1943 fünf Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte gefordert!

Juli
Edmund Bräuning aus Naumburg wird Lagerführer im Frauen-KZ Ravensbrück.

4. August
Franz Melchrick aus dem Spechsart 72, geboren am 28. September 1895 in Jerischke (Verwaltungsbezirk Sorau), verurteilt das Sondergericht Halle (Saale) am 4. August 1943 wegen böswilliger, gehässiger und von niederer Gesinnung zeugenden Äußerungen über den Führer und den deutschen Nachrichtendienst zu neun Monaten Gefängnis. Die Verhandlung führte Oberlandesgerichtsrat Doktor Kappen mit den Beisitzern Doktor Keim und Amtsgerichtsrat Doktor Fickel. Die Strafe erging auf Grundlage Heimtückegesetz § 2. -
Er wird am 29. Februar 1944 aus dem Strafgefängnis Erfurt entlassen.

13. September
Kreistagung des Rassenpolitischen Amtes in Naumburg

8. Oktober
Todesdatum von Otto Wolf

1. Dezember
Ein Fronturlauberschnellzug fährt im Naumburger Hauptbahnhof auf einen anderen haltenden Fronturlauberschnellzug, 39 Tote und
über 100 Schwerverletzte

15. Dezember
Verhaftung von Bankdirektor in Ruhe Richard Hertel (Pforta Straße 23) wegen "böswilliger, gehässiger und ketzerischer Äußerungen". Verurteilung erfolgt vom Sondergericht Halle.

28. Dezember
Das Sondergericht Halle befasst sich mit dem Fall Ebert. Landgerichtsrat von Egidy vertritt die Staatsanwaltschaft. Zugegen ist Rechtsanwalt Flachsbarth aus Naumburg. Vorsitzender Landgerichtsdirektor Wernicke, sekundiert von seinen Beisitzern Landgerichtsrat Schulze und Landgerichtsrat Doktor Fickel, verurteilt Karl Ebert aus der Kanonierstraße (heute Rosa-Luxemburg-Straße 37) wegen Verstoßes gegen Paragraph 2 des Heimtückegesetzes vom 20. Dezember 1934 zu neun Monaten Freiheitsentzug.

 


1944

 

4. Februar
Ursula Mielke, die Tochter von Pfarrer Albert Mielke, legt das Abitur am Luisen-Oberlyzeum ab.

1. April
Die preußische Provinz Sachsen wird aufgelöst.

16. Mai
Heute tagt unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Wernicke, mit den Beisitzern Landgerichtsrat Morsbach und Landgerichtsrat Schulze, das Sondergericht Halle. Staatsanwalt Doktor Rowoldt legt die Anklageschrift vor. Als Verteidiger nennen die Gerichtsakten Rechtsanwalt Doktor Gerhard Schulz (Große Ulrich Straße 11, Halle an der Saale). Das Sondergericht verurteilt Richard Hertel aus der Pforta Straße 23 (heute Weimarer Straße) wegen Vergehens nach Paragraph 2 Heimtückegesetz auf ein Jahr und sechs Monate Gefängnis.

12. Mai
Luftangriff der US Army Air Forces und Royal Air Force auf die Leuna- und Hydriewerke im Grossraum Merseburg. Die Hälfte der Benzinproduktion wird zerstört. Bis 4. April 1945 folgen weitere 21 Luftangriffe.

12. Juni
General Walter Model (24.01.1891- 21.4.1945) bedankt sich in einem Brief für die "schöne Photographie" bei Studiendirektor Professor Steche vom Domgymnasium Naumburg.

13. Juni
Gegen Frau Helene Fuhrmann, geboren am 20. November 1889 in Siegersleben bei Neuhaldensleben, ergeht mit dem 19. April 1944 von der Ortspolizeibehörde (OPB) Naumburg wegen "Fortgesetzten Betrugs in Tateinheit des Verstoßes gegen die Kriegswirtschaftsbestimmungen" ein Haftbefehl, "weil sie eine hohe Strafe zu erwarten hat und daher Fluchtgefahr begründet" ist, schreibt Kriminalsekretär Seifarth von der OPB. Deshalb wird der "Volksschädling" noch am selben Tag um 11.15 Uhr in das Polizeigefängnis Naumburg eingeliefert. Am 9. Juni kommt sie in U-Haft in den "Roten Ochsen" nach Halle. Am 21. Mai 1944 autorisiert Hans von Egidy die Anklageschrift und erkennt auf einen schweren Fall von Betrug im Sinne Paragraph 263, Absatz 4, Strafgesetzbuch. - Frau F. hatte Butter mit einem Untergewicht von 5 bis 8 Grammm verkauft. - Die I. Kammer des Sondergerichts Halle verurteilt am 13. Juni 1944 Frau Helene F. aus der Großen Marienstraße 20 zu sechs Monate Gefängnis wegen Verbrechens gegen Paragraph 4 VVO. - Am 18. Oktober wird sie aus dem Frauengefängnis in Heiligenstadt entlassen.


1. Juli
Auflösung der Provinz Sachsen. Bildung der Provinz Halle-Merseburg, vorher Regierungsbezirk Merseburg.

27. Juli
Lynchmorde an drei amerikanischen Piloten, deren Maschinen zwischen Punschrau und Hassenhausen abstürzten.

18. August
Verhaftung von Oppositionellen in Naumburg

16. August
Bombardierung des Heereszeugamtes und der Burgstraße. Tote!

25. August
Adi (Adolf Scholze) schmuggelt als Häftling aus den Gustloffwerken eine Drehbank heraus. Er bringt sie an der Kontrolle zum Haupteingang des Konzentrationslagers Buchenwald am stellvertretenden Lagerleiter Max Schobert vorbei zum Block 11. Auf dieser Drehbank fertigen die Häftlinge Rohlinge für Handgranaten. Adi lebt nach 1945 in Naumburg und ist Vorsitzender des FDGB-Kreisvorstandes.

16. Oktober
Richard Locker kommt beim Einsatz in der Strafdivision 999 ums Leben.

23. Oktober
Aufstellung des Volkssturms

23. August
Max Bach (KPD) aus Bad Kösen wird denunziert, verhaftet und später im KZ Mauthausen ermordet.

4. Dezember
Über Fritz B., geboren am 6. November 1899 in Großenhain in Sachsen, verhängt das Sondergericht Halle wegen Verbrechens gemäß Paragraph 4 der Volksschädlingsverordnung und des Strafgesetzbuches Paragraph 242, 246, 133 und 74 [Paketdiebstahl], eine Strafe von drei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus. Das Urteil spricht Landgerichtsdirektor Wernicke mit seinen Beisitzern Landgerichtsrat Morsbach und Landgerichtsrat Schulze.
Der 3. Strafsenat am Reichsgericht in Leipzig kassiert das Urteil und unterzieht es der Revision. In seiner Verhandlung am 4. Dezember 1944 erkennt es unter Vorsitz des Präsidenten des Reichsgerichts Doktor Erwin Bumke (Beisitzer Regierungsrat Doktor Hartung, Regierungsrat Kamecke und Regierungsrat Paul Schaeffer II) auf fünf Jahre Zuchthaus gemäß Verbrechen im Sinne der Volksschädlingsverordnung. Doch Fritz B. bekommt das Lebensglück wieder zu fassen und findet Tritt: Schon am 12. April 1945 erfolgt seine (reguläre ?) Entlassung aus dem Zuchthaus Halle ("Roter Ochse"). Beim Kohlehändler Heinrich Eickmann in der Großen Marienstraße 15 arbeitet er dann für einen Wochenlohn von 30,30 Mark Brutto. Sein Chef ist mit ihm zufrieden und kann nichts Nachteiliges über ihn sagen.

Dezember
Die Presse publiziert Visionen zum sozialen Wohnungsbau nach dem Kriegsende.


1945

 

Januar
Edmund Bräuning (Naumburg) übernimmt das Nebenlager Ohrdruf vom Konzentrationslager Buchenwald. Er ist für die Ermordung von tausenden Häftlingen verantwortlich.

18. Februar
Das "Naumburger Tageblatt" erklärt den Bürgern, dass die Menschen zeitweise ohne Ofen leben können.

24. Februar
Staatsanwalt Doktor Rowoldt beschuldigt Paul Herrmann des Verbrechens am Gesetz gegen den Verrat der deutschen Volkswirtschaft §§ 8, 14, Ziffer 1,3,46,48 und 69 und Devisengesetz vom 12. Dezember 1938 sowie §§ 267, 73, 74 und § 4 StGB. Das Sondergericht Halle verurteilt unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Wernicke mit den Beisitzern Landgerichtsrat Morsbach und Landgerichtsrat Schulze den Angeklagten zu dreieinhalb Jahre Zuchthaus und 70 000 Reichsmark Geldstrafe sowie zum Entzug der Ehrenrechte auf vier Jahre. Rechtsanwalt Paul Herrmann aus der Schönburger Straße 5 hatte Auslandskonten angelegt.

April
Ostersonntag Panzersperren bei Schulpforte und an der Schweinsbrücke

9. und 11. April
Bombenangriffe auf Naumburg

11. April
Rettung der Brücke in Bad Kösen.

Jungmannen aus der NPEA Naumburg und Schulpforta kämpfen für den Endsieg (Kleinheringen, Rossbach, Haarnadelkurve Ausgang Bad Kösen, Droyßig bei Zeitz, im Buchenwäldchen an der Straße von Naumburg nach Jena, an der Windlücke zwischen Schulpforta und Bad Kösen).

"Von [Generalmajor] Scholz und [Generalmajor] Scotti ergehen mit großer Wahrscheinlichkeit ... die Befehle für die Sprengung der Saalebrücke bei Roßbach, der Unstrutbrücke zwischen Kleinjena - Großjena und der Saalebrücke der Bahnstrecke Naumburg-Weissenfels in der Nacht vom 11./12. April." (Jürgen Möller 2007, Seite 88 - Quelle auf der Website ....befreiung.htm.)

12. April
Befreiung Naumburgs vom Faschismus durch das V. US-Korps der 1 st US Army.

Oberbürgermeister Bruno Radwitz (NSDAP) übergibt die Stadt kampflos.

Noch am 11. April sinnt Oberst von Bierbrauer zu Brennstein darüber nach wie die Stadt zu verteidigen ist. In den Lazaretten von Naumburg liegen 8 000 Verwundete. Sie und die 50 0000 Einwohner kann man doch nicht ohne Nutzen opfern, gibt ihm Oberbürgermeister Radwitz während ein Unterredung zu bedenken. Der Kampfkommandant von Naumburg tut dies mit den Worten ab:

"Darauf kann keine Rücksicht genommen werden."

"Aber zur gleichen Stunde hat dieser Edle von Brennstein Frau und Tochter mit Sack und Pack in zwei Dienstautos (!) aus Naumburg heraus nach Grimma bringen lassen." (Paul Sattelmacher)

Das Naumburger Stadtgebiet wird aber, wie das benachbarte Freyburg, nicht verteidigt. Es gibt - außer dem Gefecht in Almrich - keinen militärisch organisierten Widerstand gegen die Amerikaner.

US-Kriegsgefangenenlager bis etwa 23. Juni auf dem Gelände des Heeresverpflegungsamtes und des Artillerieregiments 14 (Schönburger Straße).

13. April
Flugblatt der US-Armee. General Dwight D. Eisenhower, Oberster Befehlshaber der Alliierten Streitkräfte, wendet sich an die Naumburger mit den Worten:

"Wir werden den Nationalsozialismus und den deutschen Militarismus vernichten."

April / Mai
Bezeugte Vernichtungsaktion von Dokumenten und Akten der NSDAP-Kreisleitung Naumburg.

Einstellung des Postverkehrs.

4. Mai
Räumung des Oberlandesgerichts durch die amerikanische Truppen.

10. Mai
Oberbürgermeister Bruno Radwitz (NSDAP) wird seines Amtes enthoben.

15. Mai
Verhaftung von Landgerichtspräsident Wanke [Landgericht Naumburg, Kaiser-Wilhelm-Platz 1, heute Kramerplatz 1], Oberlandesgerichtsrat Beyer und Oberlandesgerichtsrat Siebert. Am nächsten Tag erfolgt der Abtransport auf einem LKW der Besatzungsmacht im Pulk von insgesamt 61 Herren. Darunter Oberstudienrat Professor Doktor Steche vom Domgymnasium.
(Nach Aufzeichnungen des Oberlandesgerichtspräsidenten Paul Sattelmacher)

22. Mai
"In der Nacht schweres Gewitter mit starken Regengüssen. Empfindliche Kühle. Seid gestern sind Wanke, Beyer und Siebert wieder in Naumburg. Aber nicht zu Hause sondern auf den Höfen des Heereszeugamtes. [Gemeint ist das amerikanische Kriegsgefangenenlager in der Schönburger Straße.] Unterkunft fehlt. Aufenthalt im Freien bei dem Wetter und bei Leuten, die ganz sommerlich gekleidet sind und denen man vor ihrer Festnahme das Mitnehmen eines Mantels verweigert hatte. Das gleiche Schicksal teilen an der gleichen Stelle 35.000 deutsche Kriegsgefangene." (Aufzeichnungen des Oberlandesgerichtspräsidenten Paul Sattelmacher)

30. Mai
Einsetzung von Oswald Schaffernicht als Oberbürgermeister und Stadtkämmerer sowie von Paul Sauerbrey als Stellvertretenden Bürgermeister.

"Frühere Mitglieder der NSDAP werden von der Militärregierung nicht berücksichtigt", lässt der Oberbürgermeister am 4. Juni öffentlich verlauten.

Städtische Kirschanlagen stehen unter dem Schutz der US-Armee.

23. Juni
Räumung des US-Kriegsgefangenenlagers (Schönburger Straße)

Juni
Bürgerabordnung aus Naumburg besucht das KZ Buchenwald

3. Juli
Einzug der sowjetischen Truppen, Stadtkommandant Oberstleutnant Jeremin

6. Juli
Der sowjetische Stadtkommandant ordnet die Abgabe aller Waffen an! Der Aufenthalt auf der Straße ist von 6 bis 11 Uhr abends erlaubt.

7. Juli
Gründung des FDGB, Geschäftsführer Walter Höhne

12. Juli
Politische Neuordnung in der russischen Besatzungszone

17. Juli
Mitgliederversammlung der KPD in der "Reichskrone"

13. August
Präsident des Landes Sachsen-Anhalt verfügt Beschlagnahme aller Nazi-Wohnungen

28. August
Der Präsident des Oberlandesgerichts Paul Sattelmacher wird in Naumburg verhaftet.

September
Seuchenbekämpfung, Bekanntgabe öffentlicher Impfungen

1. September
Entnazifizierung der Stadtverwaltung

3. bis 4. September
Kulturtage der Stadt Naumburg

In Vorbereitung der Kulturtage ließ die Kramerinnung mit Genehmigung der Oberpostdirektion Halle einen Briefmarken-Sonderstempel herstellen.

9. September
Feierstunde im Saal der "Reichskrone" für die Opfer der Konzentrationslager und Zuchthäuser

22. September
Einrichtung der Betreuungsstelle für die Opfer des Faschismus

25. September
Bodenverteilungsplan liegt im Rathaus aus

27. September
Erfassung der Auto- und Fahrradbereifung

1. Oktober
Feierliche Wiedereröffnung der Schulen in Naumburg

6. Oktober
Vereidigung von Oberbürgermeister Oswald Schaffernicht

Gottfried Rublack Vorsitzender der SPD in Naumburg

10. Oktober
Herausgabe der ersten Briefmarke durch die Ortspostdienststelle Halle mit der Kennung Provinz Sachsen

19. Oktober
Stuttgarter Schuldbekenntnis der Evangelischen Kirchen an den Verbrechen des Nationalsozialismus.

3. November
Verkauf von Material aus dem Heereszeugamt

9. November
Die Lehrerkonferenz des Domgymnasiums beschliesst, die Unterrichtsfächer Religion und Geschichte vorläufig nicht mehr zu unterrichten.

20. November
Abgabe von Eiern, Salz und Magermilch auf Karten

16. November
Pockenschutzimpfung

28. November
Laut Befehl Nr. 66 der SMAD wird Nesterow Grigoriy Romanowitsch Stadtkommandant von Naumburg

8. Dezember
Aufruf vom Präsidenten der Provinz Sachsen zur Meldung als Volksschullehrer

18. Dezember
Aufhebung der Ausgehbeschränkung


1947

 

Dezember
Gertrud Rabestein, wohnhaft Naumburg (Saale), Neuengüter 34, muss beim Kriminalamt Halle (Saale), Aussenstelle Naumburg, vorsprechen. Am 31. August 1948 wird die ehemalige KZ-Aufseherin von einem deutschen Gericht wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Sinne des Kontrollratsgesetzes 10 Artikel II 1 c zu lebenslänglicher Haft verurteilt.


Siehe auch:

Zur Geschichte der Erwerbslosigkeit, Arbeitslosenversorgung und -vermittlung

 

Autor: Detlef Belau

6. Juni 2010

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