Widerstand gegen den
Kapp-Lüttwitz-Putsch in Naumburg (Saale)
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Wolfgang Kapp und Walther von Lüttwitz putschen am 13. März 1920 in Berlin gegen die Regierung Bauer (SPD, Zentrum, DDP). Naumburg (Saale) durchlebt aufregende Tage. Die Bürgerschaft spaltet sich in Umstürzler (Georg Schiele*), Unterstützer (Max Jüttner*), Imponderabilisten (Arthur Dietrich*), Legalisten (Arthur Graf von Posadowsky-Wehner*), Versöhnler (Ernst Heinrich Bethge*) und Kapp-Gegner (August Winkler, Otto Teichmann, Otto Grunert, Leopold Heinrich, Paul Heese, Walter Fieker). Die Reichswehr setzt am 16. März gegen eine spontane Demonstration auf dem Markt Schusswaffen ein. Daraufhin bewaffnen sich die Kapp-Gegner. Am 19. März kämpfen sie in der Michaelisstrasse, beim Evangelischen Lehrerseminar Naumburg, im Gebiet Moritzwiesen-Oberlandesgericht-Domplatz und beim Gasthaus Zur Tanne (Bad Kösen) gegen die Reichs- und Einwohnerwehr. Tote und Verwundete sind zu betrauern. Der Putsch stösst im Land auf breiten Widerstand und scheitert. Seine Protagonisten entziehen sich meist der Verantwortung.

SPD-Mitglied August Huth aus Bad Kösen, Saalberg 7, beklagt am 17. April 1920 im Brief an die Volksstimme (Halle):

"... denn ich glaube, es steht in der Weltgeschichte einzig dar, daß Männer, die für eine Regierung gekämpft und geblutet haben, und dadurch die Regierung gestützt und wieder in den Sattel gehoben, zum Dank dafür im Gefängnis sitzen dürfen und noch obendrein verprügelt werden. Wer soll nun vor einer Regierung Respekt haben, die ihre Anhänger, die für sie gestritten haben, in Stich läßt."

 

 

Widerstand
gegen den Kapp-Lüttwitz-Putsch
in Naumburg (Saale)

 

Schiele als Wirtschaftsminister Albert Bergholz 
Max Jüttner treibt der Wille ... Bernhard Düwell 
Es schadet nichts .... Walther Schreiber 
Einwohnerwehr Sicherheitslage 
Verrat der Reichswehr Ereignisse + Karte 
Kampf in Naumburg Informationspolitik 
Schusswechsel Aufruf vom 18. März  
Am Schützenplatz Kampf um die Moritzburg 
Bad Kösen 

Verstärkung aus Freyburg

 
Reichswehr im Anmarsch Tod von Frau Amann 
Gefecht um die Tanne Weissenfels  1  2  3  4  
Rückkehr der Truppen Bekanntmachung 23. März 
Gefangennahme Marsch nach Bad Kösen 
Verhaftungswelle Handskizze Bad Kösen 
War der Kampf notwendig? ... anders verdienen sie ..... 
Entwaffnung und Gefängnis Versammlung in der Tanne 
Naumburger Gerichte haben .... Tod von Hermann Reinhardt 
Folgen und Rückblick Ihr Leben verloren 20. April

 

 

Oft übergehen die Erzählungen zum Kapp-Putsch die 152. Sitzung der Nationalversammlung vom 9. März 1920. Über eine Vorlage zum Reichstagswahlgesetz und die Auflösung der Nationalversammlung zum 1. Mai 1920 von der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und Deutschen Volkspartei (DVP) geraten die Abgeordneten der Opposition mit den Vertretern der Regierungsparteien in Streit. "Das Volk", beurteilt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (Naumburg) (1920, 4795), Sprecher der DNVP-Fraktion, die nationale Lage,

"will endlich in gesetzlicher Form sein Urteil abgeben über die Arbeitsleistung der Nationalversammlung."

Graf Arthur von
Posadowsky-Wehner (1845-1932)

Nach einem Porträt von
Fritz Amann
(1878-1969)

Mit Verabschiedung der Weimarer Verfassung und entsprechender Durchführungsgesetze, argumentiert der Vizekanzler a. D., ist das Mandat der gesetzgebenden Nationalversammlung und des Reichspräsidenten erloschen. Insoweit sind jetzt verfassungswidrige Zustände eingetreten, die es zu beseitigen gilt. Doch an der Erschütterung ihrer Macht zeigt die parlamentarische Mehrheit kein Interesse, weshalb sie den Antrag ablehnt. Für den Konservativen Posadowsky-Wehner, kein Grund einen Putsch anzuzetteln. "Vor wenigen Tagen", heisst es im Aufruf des Reichspräsidenten und Reichswehrministers vom 14. März an die Reichswehr, "haben die Sprecher der Rechtsparteien in der Nationalversammlung, Graf Posadowsky und Doktor Heinze übereinstimmend erklärt, dass der Versuch einer gewaltsamen Beseitigung der Republik ein verbrecherischer Wahnsinn sei." (Brammer 1920, 13)

Aber Mitglieder der ehemaligen Vaterlandspartei, Alldeutsche, Baltikum-Kämpfer, Deutschnationale (DNVP) und ultrarechts politisierte Offiziere, die schon seit Sommer 1919 mit der Militärdiktatur liebäugeln, schreiten zur Tat. Sie hassen die Sozialdemokraten, Novemberverbrecher, suchen die innenpolitische Revanche für den Versailler Vertrag, den die Regierung Bauer (SPD, Zentrum, DDP) am 10. Januar 1920 in Kraft setzte. "Die Dreistigkeit der reaktionären Offiziere und Beamten nahm zu ....", beobachtete Philipp Scheidemann (2002, 139). Viele sind vom Rückbau der Reichswehr betroffen. Die feindliche Auslieferungsliste über deutsche Kriegsverbrecher im Februar 1920 beschädigt ihre Selbstachtung. Die Bellizisten unter ihnen fürchten antimilitaristische Reflexe und rennen Sturm gegen den feindlichen Lügenfeldzug.

Schon Wochen vor dem 13. März erhält die Regierung aus verschiedenen Quellen Warnungen, dass gewisse Kreise einen Umsturz planen. Ihre Abwehrmassnahmen sind völlig unzureichend. In den konterrevolutionären Kreisen wächst der Wille zur Tat (Max Jüttner). Zu ihrer Reserve gehört die 6 000 Mann zählende Marine-Brigade Ehrhardt. Aus Anlass einer Parade am 1. März im Döberitzer Lager soll General Walther von Lüttwitz geäussert haben: "Ich werde nicht dulden, dass mir eine solche Kerntruppe in so gewitterschwüler Zeit zerschlagen wird." (Oertzen 364) Als ihm Wehrminister Gustav Noske am 10. März das Kommando über diese Einheit entzieht, erscheinen die Generäle von Lüttwitz, Erich Freiherr von Oldershausen und Generalleutnant von Oven am 11. März beim Reichspräsidenten. "Anstatt die dreisten Feinde der Republik durch die Dienerschaft hinauswerfen und dann ohne viel Federlesen verhaften zu lassen," kritisiert Philipp Scheidemann 1935 (142), "lud der sozialdemokratische Präsident der Republik die Herren freundlichst zum Platz nehmen ein, liess den Reichswehrminister kommen und fing nun an mit den Rebellen zu verhandeln." Als Walther von Lüttwitz vorträgt, den Chef der Heeresleitung General Reinhardt zu entlassen und die Änderung der Unterstellung der Marine-Brigade-Ehrhardt rückgängig zu machen, kommt es zum heftigen Zusammenstoß mit Noske. Nicht minder anstrengend ging es zu, als dann die Auflösung der Nationalversammlung zur Sprache kam. Die politischen Forderungen von Lüttwitz gegenüber der Regierung waren ein Akt der Insubordination. Noske enthebt ihn schliesslich seines Postens, was den Konflikt verschärft.


Kampflied der Brigade Ehrhardt
- Auszug:


Hakenkreuz am Stahlhelm

Hakenkreuz am Stahlhelm,
Schwarz-weiß-rotes Band,
Die Brigade Ehrhardt
Werden wir genannt.

Die Brigade Ehrhardt
Schlägt alles kurz und klein,
Wehe Dir, wehe Dir,
du Arbeiterschwein.

 

Lüttwitz setzt daraufhin, um die rechtmäßige Regierung zu verhaften und Kapp ins Amt zu verhelfen, in der Nacht vom 12. zum 13. März die Marine-Brigade Ehrhardt in Bewegung. Gegen 7 Uhr morgens tauchen Lastwagen mit aufmontierten Maschinengewehren und wehender Reichskriegsflagge im Regierungsviertel auf.

Wolfgang Kapp, Freiherr von Falkenhausen und Traugott von Jagow treten am Sonnabend, den 13. März um ¾ 7 Uhr in Berlin vor das Gebäude des Reichskanzlers, treffen auf den Unterstaatssekretär Albert, dem sie eröffnen, dass sie die Regierungsgewalt ergreifen werden. "Auf die Frage, mit welcher Legitimation dies geschehe, erwidert Herr v[on] Jagow:

Mit dem Recht des 9. November 1918.“ (Albert)

Burleske Formen nimmt der Machtkampf an, als Kapp im Büro ausruft:

"Wo ist Schnitzler?
Ohne Schnitzler kann ich nicht regieren!"

Schnitzler war zuständig für die Ausarbeitung des Aktionsprogramms.

Die Schwarz-Weiss-Rote Flagge gilt als Staatsflagge des Deutschen Reiches. Der Generallandschaftsdirektor erklärt die Nationalversammlung und den Preußischen Landtag für aufgelöst, ernennt sich zum Reichskanzler und Walther Freiherr von Lüttwitz zum Reichswehrminister. In den Schubladen der Kappisten fanden Erwin Könnemann und Hans-Joachim Krusch (1981, 23f.) den Entwurf einer Notverfassung, der die Wiederinkraftsetzung der Reichsverfassung vom 14. April 1871 vorsieht.

Wolfgang Kapp, unterstützt von General Erich von Ludendorff, Oberst Max Bauer und Oberst Walter Pabst, will die Regierung verhaften lassen. In den frühen Morgenstunden des 13. März flüchtet der Reichspräsident im Kraftwagen nach Dresden. Die übrigen Mitglieder der Reichsregierung benutzen die Bahn. Nach ihrer Ankunft tritt gegen 13 Uhr Generalmajor Georg Maercker (1865-1924) in Begleitung seines Stabes vor sie und posamentiert ihnen auseinander, dass er als Soldat gehalten sei, den Befehl seines Vorgesetzten General Lüttwitz zu gehorchen und die eingetroffenen Regierungsmitglieder zu verhaften.

Volksstimme. Magdeburg, den 14. März 1920

Am selben Tag erscheint in vielen größeren Städten ein Aufruf zum Generalstreik, unterzeichnet von Friedrich Ebert, sozialdemokratischen Regierungsmitgliedern und dem Parteivorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Otto Wels. "Tatsächlich widersprach er allem", urteilt August Winkler (1998, 122) in der Geschichte der ersten deutschen Demokratie, "was man bisher von Ebert, Bauer und Noske gehört hatte. Eine Aufforderung zum Generalstreik bedeutete eine völlige Kehrtwendung der bis zum 13. März 1920 befolgten Politik".

"Als die Putschisten jedoch geschlagen waren und die SPD dominierte Regierung wieder die Oberhand mittels Generalstreik erlangt hatte," darauf lenkt Klaus Gietinger (223) die Aufmerksamkeit, "wollte diese von ihrem Aufruf dazu nichts wissen, im Gegenteil, sie witterte in der Volksbewegung gegen Kapp Bolschewismus."

"Lasse sich kein denkender Arbeiter, Angestellter und Beamter,"

warnt der ADGB (Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund) und der AFA (Allgemeiner freier Angestelltenbund) aus Anlass des Kapp-Putsches am 13. März aus Berlin,

"durch zweifelhafte Versprechungen der Putschregierung betören. Es gilt alle Kräfte des Volkes zum Widerstand zusammenzufassen."

"Ohne Kenntnis von dem Aufruf der Regierung haben die Gewerkschaften [ADGB] bereits am 13. März mittags 11 Uhr im Bundesvorstand den Generalstreik beschlossen", hebt Carl Legien am 30. März 1920 in der Nationalversammlung hervor. "Es folgte dann auch die Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände [AfA] und die sozialdemokratische Partei."

Der Aufruf zum Generalstreik gegen die Putschisten findet in den Städten und Dörfern starken Widerhall. Zentren des Widerstandes in der mitteldeutschen Region sind Bitterfeld-Delitzsch, Halle, Merseburg, Osterfeld, Zeitz, Weißenfels und Naumburg.

Am Nachmittag des 13. März beraten die Vorstände von ADGB, SPD, USPD und der KPD-Zentrale über gemeinsame Abwehrmaßnahmen zum Putsch.

Selbst in militärischen Kreisen, der Reichsbank und Administration erhält Kapp nicht die erwartete Unterstützung. Am 17. März gilt der Putsch in Berlin als gescheitert. Am Tag darauf verkündet der Chef des Truppenamtes General Hans von Seeckt in einem Fernschreiben an die Reichswehrkommandos: "Alle Befehle des Generallandschaftsdirektors Kapp und seines militärischen Oberbefehlshabers, General von Lüttwitz" für ungültig. In einem weiteren Erlass vom gleichen Tag warnt er davor, dass "Spartakus aufs Neue die Herrschaft in Deutschland an sich reißen" könnte. Deshalb muss die Reichswehr "jeden Versuch zur Aufrichtung des Bolschewismus" zurückweisen. Bedenkt man die Mentalität der Militärs, worauf Albert Grzesinski (2001, 145) aufmerksam macht, war damit ebenso die sozialdemokratische Arbeiterschaft gemeint.

 

 

Zu den Ereignissen in Naumburg (Saale)

 

13. März, Sonnabend  zurück

Karte Naumburg an der Saale
und Umgebung

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Wolfgang Kapp bietet Georg Schiele (Naumburg) das Wirtschaftsministerium an. Darüber berichtet er im Jagow-Prozess den Richtern: "Am 2. März [1920] ist Herr Kapp persönlich zu mir gekommen und hat mir mitgeteilt, dass in der Nacht vom 12. zum 13. die Marinebrigade Ehrhardt auf Berlin marschieren würde .... Es könnte sein, dass im Anschluss hieran ein Wechsel in der politischen Macht eintreten würde. Es könnte sein, dass er vom Militär die ausführende Gewalt übertragen bekommen würde. Und im Anschluss hieran richtet er die Anfrage an mich, ob ich

aufgrund unserer Freundschaft

ihm nach Aenderung der politischen Machtverhältnisse meine Mitwirkung nicht versagen würde. ... Ich habe ohne Zögern eine kurze Zusage erteilt ..." (Brammer 1922, 30)

Drei Wochen vor dem Putschversuch präsentiert der Naumburger die Normative seiner Wirtschaftspolitik im Aufsatz

Marktfreiheit und Freizügigkeit.

"Alles wird weiter zwangsbewirtschaftet", tadelt er an der Regierung und spricht abschätzig von ihr, weil sie quasi planwirtschaftlich die "sogenannte Sicherstellung der Ernährung in den Städten" organisiert, was den freien Preis und die Marktfreiheit zerstört. Kein Wort darüber, dass die Regierung den Schwarzmarkt für Grundnahrungsmittel bekämpft, um die einkommensschwachen Schichten vor Hunger und Elend zu schützen. Kapps Wirtschaftsminister würde sie ohne mit der Wimper zu zucken, der Freiheit der Ware opfern. Nur der freie Markt - lehrt er im Februar 1920 (!) - wird die "Nahrungsmittel(n) hereinlocken, mit denen wir die Hungermonate" überwinden. Dann werden

"die Gänse aus Polenland über die Grenze marschieren"
und
"Erbsen und Linsen" "durch die Luft fliegen" (Schiele).

Der Generallandschaftsdirektor wusste genau, wen er da für den Staatsputsch rekrutierte. 1916 widmete Georg Schiele "aus grosser Verehrung und Dankbarkeit" dem "genialen und willensstarken Vorkämpfer grosser Ideen...." die Schrift Wenn die Waffen ruhen! gewidmet. Sie kannten sich aus der Gründerzeit des Hugenberg-Konzerns. Etwas später führte sie die Gründung und Tätigkeit Deutsche Vaterlandspartei (DVLP) zusammen.

Merseburg. Die Bezirksleitung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der Unabhängigen Sozialdemokraten und der Kommunistischen Partei proklamieren den Generalstreik und warnen: "Nur eine geschlossene Phalanx des gesamten arbeitenden Volkes kann die Diktatur der deutschnationalen Monarchisten verhindern."

Zeitz, Weissenfels, Hohenmölsen, Teuchern und Naumburg. Rührige USPD- und SPD-Mitglieder mobilisieren den Widerstand gegen Kapp-Lüttwitz. Ortsgruppen organisieren die Tätigkeit der Aktionsausschüsse. KPD-Mitglieder beteiligen sich aktiv. Aber die meisten Akteure des Widerstandes gehören keiner Partei an.

Weimar. Der stellvertretende Kommandeur der Reichswehrbrigade 16 und militärische Befehlshaber des Regierungsbezirks Merseburg (zu dem Naumburg gehört) und von Ost-Thüringen Generalmajor von Hagenberg unterstützt die Putschisten. In Weimar sichern seine Truppen den Marstall und das Schloss. Er kündigt an, gegen alle Formen der Unruhe und Streiks "rücksichtslos ein[zu]schreiten". 


Übersicht zu den Ereignissen
in Naumburg (Saale)

 

Naumburg. Auf den Plätzen und Strassen stehen Gruppen zusammen. Ein grosser Teil der Bürger verhält sich abwartend. Eine gewisse Erregung ist spürbar. Aber keine Tätlichkeiten, keine Übergriffe auf das Privateigentum. Hastig tauschen die politischen Bürger Informationen über Ereignisse in Berlin und Halle aus. Vor allem über die Institutionen der Parteien und Gewerkschaften, zeitweise sind es die wichtigsten Quellen, gelangen Informationen in die Stadt. Zeitungen erscheinen nicht mehr. Gerüchte jagen einander durch die Strassen. Ein fragiler, mit kontradiktorischen Widersprüchen durchsetzter Informationsraum entsteht. Vieles bleibt opak.

Otto Hörsing (SPD), Oberpräsident der Provinz Sachsen (mit den Städten Stendal, Magdeburg, Dessau, Wittenberg, Torgau, Sondershausen, Mühlhausen, Halle, Merseburg, Weissenfels, Zeitz, Naumburg), warnt am 14. März:

"Niemand lasse sich durch falsche Nachrichten beeinflussen, die geflissentlich von Berlin aus in die Welt gesetzt werden."

Dafür hatte er allen Grund. Generalmajor Hagenberg von der Reichswehrbrigade 16 verbreitet zum Beispiel am 13. März 1920 die Nachricht, dass die bisherige Reichsregierung zurückgetreten ist.

In dieser äusserst undurchsichtigen und angespannten nationalen Lage erteilt die Stadtzeitung in ihrer Sonderausgabe der Gegenregierung das Wort. Gegen 11 Uhr vormittags veröffentlicht sie folgenden Text:

"Die bisherige Regierung hat aufgehört zu sein."

"Eine neue Regierung der Freiheit, und der Tat wird gebildet."

Darunter erfolgt der Abdruck einer Mitteilung des Reichskanzlers und Preussischen Ministerpräsidenten Wolfgang Kapp (!), worin er der Nationalversammlung

"jedes Recht zur weiteren Tagung"

abspricht. Eine Losung wie: Nicht Umsturz, sondern Aufbau und Arbeit!, kommt der Redaktion nicht in den Sinn. Das will sie der überwiegend deutschnationalen Kundschaft nicht zumuten.

In der letzten Zeile der Pressemitteilung steht noch der Satz: "Die sozialistischen Parteien Deutschlands proklamieren den Generalstreik." Zweifellos steht das Naumburger Tageblatt informationspolitisch nicht auf Seiten der demokratisch gewählten Regierung. Zehn Tage später teilt ihre Redaktion unter der Überschrift Die Vorgänge in Naumburg seit der Gegenrevolution mit, dass die Arbeiter von der Setzerei und Druckerei in Streik getreten waren, weshalb keine Zeitung erscheinen konnte. Das Mitteilungsblatt des Aktionsausschusses vom 18. März nennt einen anderen Grund:

"Die niederträchtige Verhetzung des Bürgertums durch das Naumburger Tageblatt und die damit in gewissenlosester Weise betriebene Verleumdung und Herabsetzung der Arbeiter".

 

In den Stunden der Ungewissheit übernimmt Leopold Heinrich von der USPD die Initiative. "Es war an einem Sonnabend [13. März], und der Abend hatte sich etwas ausgedehnt", erinnert er sich. "Morgens wurde ich von meiner Frau geweckt und sie brachte mir die Nachricht, dass die Regierung gestürzt sei und zum Generalstreik aufgerufen wurde. Da war ich schnell aus den Federn. Ich habe die Funktionäre von der USPD und vom Gewerkschaftskartell verständigt. Wir haben uns dann in meiner Wohnung [Dompredigergasse 16] besprochen und haben beschlossen, mit der SPD Verbindung aufzunehmen. Ich ging zum Genossen August Winkler (SPD) [Schönburger Straße 27] und habe ihn eine Besprechung vorgeschlagen. Er war damit einverstanden. Wir legten den Zeitpunkt fest, zu dem im Goldenen Hahn eine Sitzung stattfinden sollte. Hier wurde der Aktionsausschuss gebildet, und ich wurde 1. Vorsitzender." (Wsf 16) (Während der Beratung im Goldenen Hahn unterbreiten die Teilnehmer wahrscheinlich lediglich die Personalvorschläge für den Aktionsausschuss. Gewählt wurde er am nächsten Tag in der Reichskrone.)

 

Verrat der Reichswehr

Viele ahnen nichts Gutes.  zurück  Denn erst an an Kaiser`s Geburtstag, den 27. Januar 1920, flaggte die Reichswehr in den Kasernen Schwarz-Weiss-Rot und hielt eine Parade wie zu Wilhelms-Zeiten ab.

Über ihr Verhalten im März berichtet Bernhard Düwell dem Reichstag: "Am 13. März 1920 wurden an den Fenstern der neuen Jägerkaserne [in Naumburg] schwarz-weiss-rote Fahnen ausgehängt. (….)" "Es wurden Unteroffizieren und Mannschaften, die erklärten: wir stehen auf dem Boden der alten Regierung und machen für Kapp-Lüttwitz nicht mit -, bedeutet, dass sie nach Einhaltung der Kündigungsfrist sich als entlassen betrachten könnten. (….) Diese Entlassungen sind vorgenommen worden." Der Abgeordnete erkennt einen "Gegensatz", der sich in der Naumburger Garnison herausgebildet hatte, in dem zwei Kompanien "zu kapistischen Soldaten erzogen" wurden. Ein Waffenmeister erhielt von einem Offizier den Auftrag. "Machen Sie Wandhaken zurecht, damit wir die Kaiserbilder wieder aufhängen können."

Der Kommandeur des Reichswehr-Jäger-Regiments 32 mit 1/3 Nachrichten- und Radfahrer-Kompanie 32 Major Meyn (Naumburg) verhält sich illoyal, verfassungswidrig und hochverräterisch gegenüber der Regierung Bauer. Am Nachmittag des 13. März zieht er mit seiner Einheit nach Weimar, um die dortige Regierung zu verhaften. In einem Erlass für die Truppe bezeichnet er Doktor Kapp als "glühenden Patrioten" und "tatkräftigen Politiker". "Das ist also die regierungstreue Haltung," donnert wütig Bernhard Düwell am 29. Juli 1920 im Reichstag, "die der Kommandeur der Naumburger Garnison in den Märztagen d. J. eingenommen hat." (Als wäre nichts gewesen verabschiedet der Oberbürgermeister am 22. Dezember 1920 Major Meyn nebst seinen Offizieren und Soldaten mit einer Truppenparade auf dem Kaiser-Friedrich-Platz in die neue Garnison nach Magdeburg.)

Abschliessend stellt im Bericht vom 7. April 1920 die USPD-Bezirksleitung (Halle) fest:

"In der reaktionären Beamtenstadt Naumburg fanden die Reichswehrtruppen die Unterstützung des Bürgertums, und die Arbeiter hatten dort einen schweren Stand."  zurück

Militär und die Zeitfreiwilligenverbände nehmen in der Provinz Sachsen während des Kapp-Putsches zur Machtfrage zumindest eine unklare Haltung ein, resümiert am 9. April 1920 der Oberpräsident der Provinz Sachsen Otto Hörsing.

 

14. März, Sonntag  zurück

Der Oberpräsident der Provinz Sachsen Hörsing (SPD) verurteilt den Putsch und ruft zur "Verteidigung der Rechte des Volkes" auf.

Oberbürgermeister Arthur Dietrich beobachtet in Naumburg: "Vormittags Ruhe. Wachsendes Misstrauen gegen die bürgerlichen Volkskreise."

 Aufnahme vom Artillerieplatz um 1902. Ab 1905 heisst er Kaiser-Friedrich-Platz.
Der Kaiser-Friedrich-Platz wurde 1945 in Heinrich-von-Stephan-Platz (Aufnahme 2007) umbenannt.

Gegen 3 Uhr nachmittags demonstrieren auf dem Kaiser-Friedrich-Platz (Heinrich-von-Stephan-Platz) überwiegend sozialistisch gesinnte Bürger gegen Kapp. Die Vertreter der drei sozialistischen Parteien (SPD, USPD, KPD) halten eine Ansprache. Oberbürgermeister Arthur Dietrich und der Magistrat nehmen an dieser Kundgebung zugunsten der Regierung Ebert-Bauer nicht teil. Robert Manthey (SPD) macht in der Stadtverordnetensitzung am 20. April 1920 darauf Aufmerksam, dass sie gegenüber den Arbeitern immer wieder mit "gewundenen Erklärungen" auftreten. Im Bericht vom 9. April 1920 bekennt sich der Oberbürgermeister gegenüber dem Zivilkommissar des Regierungsbezirkes Merseburg zur rechtmäßigen Regierung. In den Tagen des Putsches vertrauen ihm viele Arbeiter nicht. Selbst zum Volksblatt (13.4.1920) nach Halle war gedrungen:

"Der Herr Oberbürgermeister" hatte "auf die wiederholte Anfrage, ob er hinter der alten Regierung stehe, nicht klipp und klar geantwortet."

Vom Kaiser-Friedrich Platz marschieren die Demonstranten zum Markt (Bild). Dort folgen kurze Ansprachen.

Gegen 5 Uhr nachmittags begibt sich eine Delegation der Arbeiterparteien (USPD, SPD, KPD) in das Rathaus, um über die Auflösung der Einwohnerwehr zu verhandeln. Sie treffen den Oberbürgermeister und Polizeiinspektor. Zugegen ist ausserdem der Kreisrat für die Einwohnerwehren Naumburg Stadt, Naumburg Land und Eckartsberga Max Jüttner. Von dessen übergeordneter Stelle, die Reichs-Zentrale für Einwohnerwehren in Berlin, ergeht am 13. März 1920 die Aufforderung:

"Bis zur Entscheidung des Volkes bewaffnen sich sämtliche Einwohnerwehren zum Schutz von Ruhe und Ordnung."

"Die neue Regierung hat die Arbeit aufgenommen", "alle Parteien sind zur Mitarbeit aufgefordert".

Das ist eine klare Ermunterung zur Unterstützung von Kapp-Lüttwitz.

Die Arbeiter glauben nicht an die politische Loyalität des Kreisrat Max Jüttners gegenüber der rechtmässigen Regierung. "Wir merken ja, dass der Oberbürgermeister und der Kreisrat viel mehr von der Kappsache wissen, als sie zugeben wollen", äussern die Deputierten. Diese Haltung (Einstellung) nimmt wesentlichen Einfluss auf die Ereignisse. Ähnlich schildert es Oberbürgermeister Arthur Dietrich im Bricht vom April 1920. Da hilft Jüttners Erklärung, dass die Einwohnerwehr nicht bewaffnet ist, weil sie ihre Schiessinstrumente nach dem Einsatz immer wieder auf der Dienststelle abgeben, reichlich wenig, um fehlendes Vertrauen aufzubauen. Die Deputierten beharren auf der Demobilisierung der Einwohnerwehr und verlangen die Herausgabe aller im Rathaus lagernden Waffen. Darüber erzielen sie mit den Verhandlungspartnern keine Einigkeit. Es kommt zum Streit. Kreisrat Jüttner verlässt beleidigt das Zimmer und die Verhandlungen müssen abgebrochen werden.

 

Max Jüttner treibt der Wille zur Tat  zurück

Das Reichswehrministerium erlässt am 25. April 1919 die Verordnung zur Bildung der Einwohnerwehren. Ihre Aufgabe besteht in der Herstellung und Wahrung von Ordnung und Sicherheit. Die Stadt- und Kreisbehörden beauftragen den in Naumburg lebenden ehemaligen Hauptmann im Generalstabe Max Jüttner mit der Schaffung einer Zentralbefehlsstelle der Einwohnerwehr. Ihm unterstehen bald 30 000 Wehrmänner. (Vgl. Könnemann 160)

Georg Maercker, seit Dezember 1918 Kommandeur des Freiwilligen Landesjägerkorps, dann Reichswehrbrigade XVI, erläutert diesen Vorgang: "Als im März 1919 in Mitteldeutschland der Generalstreik bestand, als bewaffnete Banden plündernd umherzogen und nicht nur das platte Land brandschatzten,

sondern sogar Naumburg bedrohten,

schlossen sich die Unteroffiziere der dortigen Abwicklungsstelle zusammen. Sie schufen eine freiwillige Wehr zum Schutz der Stadt." Welche Banden wo und wann umherzogen und brandschatzten bleibt im Dunkeln. Fraglos gab es Feld-, Garten- und Früchtediebstähle. Und so manches Schwein wurde schwarz geschlachtet. Mit dem Militär konnte man dem nicht Herr werden. Wie hier Einwohnerwehren wirklich helfen sollten, bleibt unklar.

Beim Aufbau der Einwohnerwehr verfolgt Max Jüttner eindeutige und klare politische Ziele, worüber er am 24. Februar 1920 wie folgt brieflich mit Wolfgang Kapp kommunizierte :

"Hochzuverehrender Herr Geheimrat!

Euerer Hochwohlgeboren erlaube ich mir, zunächst einige Eindrücke zu übermitteln, die ich in den letzten Monaten gewonnen habe und die, meiner Meinung, beachtenswert sind."

Nach devotem wilhelminischen Entrée, trägt er sein Anliegen vor:

"Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass bald etwas geschehen muss und dass der Wunsch hierzu viele Herzen erfüllt."

Dann der Blitzbericht zum Stand Vorbereitung:

"1. Der Geist der

Einwohnerwehren in den Kreisen Naumburg

herum ist ganz vortrefflich. Der Wille zur Tat ist überall vorhanden. Die Tat richtet sich nach dem Willen der einzelnen Wehrführer, und diese wiederum sind ausgesuchte, vorzügliche Männer, die nur tun, was ich will. Das habe ich wiederholt praktisch erprobt, als es sich um parteipolitische Entscheidungen oder um die Stellungnahme zu militärischen Maßnahmen handelte. In jedem dieser Fälle wurde ich von den Führern nach meinem Willen gefragt."

Unter dem Code Wille zur Tat operiert der Kreisrat für die Einwohnerwehren in den Kreisen Naumburg Stadt, Land und Eckartsberga Max Jüttner im Sinne der Gegenrevolution. Offiziell sorgt sie für Ruhe und Ordnung. Tatsächlich übernimmt sie in Naumburg Wachdienste und Schutzaufgaben für öffentliche Gebäude, die im allgemeinen öffentlichen Interesse liegen. Sie spielt eine ambivante Rolle. Denn ihr personelle Zusammensetzung ruft bei den Kapp-Gegnern tiefes Misstrauen hervor. Sie spüren, dass die ausgesuchten, vorzüglichen Männer [der Einwohnerwehren] nur das tun, was ihnen der Kreisrat befiehlt. In den Kapp-Tagen eskamotiert sie an vielen Orten zur Truppe der Gegenrevolution. Jedenfalls nehmen die Arbeiterwehren sie als kapistisch wahr.

Im Generalstreik wittern die hohen Reichswehrkommandeure eine bolschewistische Attacke. Der stellvertretende Kommandeur der Reichswehrbrigade XVI Generalmajor Hagenberg erlässt in den Verschärften Bestimmungen über den Ausnahmezustand vom 14. März die Anweisung: Es ist "verboten in Wort und Schrift" "zur Niederlegung der Arbeit oder Verweigerung der Wiederaufnahme" aufzufordern. Das kollidiert mit dem Streikaufruf von Regierung und Gewerkschaften. Auch die Deutsche Demokratische Partei (DDP) stiftet am Abend des 14. März in Halle Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Angestellte dazu an, jede Arbeit mit Ausnahme der lebenswichtigen Betriebe einzustellen.

Weiter schreibt Max Jüttner am 24. Februar 1920 an Wolfgang Kapp:

"2. Es genügt ganz geringe Mühe, um die Verehrung für Exzellenz L. [Ludendorff] wieder zu wecken. Sie wurzelt im Allgemeinen fest. Meist hat es nur an Mut gefehlt, sie offen zu bekennen."

Können die Putschisten den Massen einen Vorturner präsentieren, dann sieht Max Jüttner für das Gelingen des Vorhabens gute Chancen. Sogleich folgt die Offerte:

"3. Ich halte es für einfach, den Namen Euerer Hochwohlgeborenen populär zu machen, denn allenthalben begegnet man folgender Auffassung von der Lage: Deutschland braucht zu seiner Rettung einen Mann mit starkem Herzen, der über den Parteien steht, sich mit Fachmännern umgibt und rücksichtslos alle die unterdrückt, die gegen das Vaterland arbeiten, nur für ihre Partei regieren und ihre Person über die Sache stellen."

Die Hoffnungen der verfassungsfeindlichen Rechten gründen auf einer politischen Fehleinschätzung. Sie vernachlässigen, dass die Mehrheit der Lohn- und Gehaltsabhängigen an einem rechtsextremen Staatskurs, wie Abschaffung des Achtstundentages, Aufhebung des Streikrechts und Absenkung der Arbeitsentgelte, kein Interesse haben. Der Naumburger Aktionsausschuss warnt am 18. März:

"Ihr wißt, was euch bevorsteht, wenn diese reaktionären Gewaltpolitiker in Deutschland zur Macht gelangen sollten. .... Abwälzung aller Kriegslasten auf die Schultern der breiten Masse, bei gesteigerter Ausbeutung weitere Herabsetzung der Lebenshaltung der werktätigen Bevölkerung."

Arbeiter, Angestellte und Beamte treten in den Streik, um die Putschregierung in die Knie zu zwingen. Bei den Aktionen und Kämpfen gegen Kapp-Lüttwitz in Naumburg, Bad Kösen und Weissenfels dominieren klar die Handarbeiter (blue collar worker).

 

15. März, Montag  zurück

Berlin. Rädelsführer, die sich in der Verordnung zur Sicherung volkswirtschaftlicher wichtiger Betriebe und in der Verordnung zum Schutz des Arbeitsfriedens unter Strafe gestellten Handlungen schuldig machen, desgleichen die Streikposten, ordnet "Reichskanzler" Kapp an, werden mit dem Tode bestraft. (Brammer 1920, 22) Deutschlandweit stehen etwa 12 Millionen ArbeitnehmerInnen im Ausstand.

Weimar. Generalmajor Hagenberg droht am 13. März 1920 gegen "alle Versuche, die Ruhe und Sicherheit zu stören und Streiks anzuzetteln", "rücksichtslos einzuschreiten". Trotzdem folgen viele Bürger dem Aufruf zur Versammlung vor dem Volkshaus zu erscheinen und tummeln sich auf dem Vorplatz (Buttelstedter Straße). Als die Versammlung beginnen soll, rückt eine Gruppe Naumburger Jäger, die Hagenberg gerufen hatte, auf Fahrrädern an und versuchen die Ansammlung auseinanderzutreiben. Ihre Kommandeure fordern die Menge auf auseinanderzugehen. Es schallen abfällige Rufe zurück. Ein Offizier verliert die Geduld und schiesst. Mit einem Faustschlag streckt ihn ein Arbeiter nieder. Auf dem Lastkraftwagen rattert das Maschinengewehr. Neun Tote und 35 schwer Verletzte bleiben zurück. (Nach Bettenhäuser)

Die Ereignisse in Weimar prägen Haltung der Naumburger Kapp-Gegner zur Reichswehr und ihre Entscheidungen. Immer wieder nehmen sie darauf Bezug.

Merseburg. Im Geiseltal (Braunsbedra, Mücheln), Halle, Leuna und Merseburg beginnen die ersten Streiks. Die Bezirksleitung der USPD für Halle-Merseburg [also einschliesslich der Stadt Naumburg] hatte bereits am 13. März alle Arbeiter zum Generalsreik aufgerufen.

In Hohenmölsen, Osterburg, Weißenfels, Zeitz sowie in den Bergarbeiterdörfern Deuben, Luckenau, Teuchern und Theissen finden Protestkundgebungen gegen Kapp statt. (Vgl. Könnemann 1972, 115)

Halle. Die Reichswehr besetzt zusammen mit der Einwohnerwehr und den Zeitfreiwilligen die Stadt. Der Garnisonsälteste Oberst Hermann Czettritz steht auf Seiten der Putschisten. Ihm unterstehen zwei Bataillone des Jägerregiments 31, eine Minenwerferkompanie, eine Geschützbatterie, zwei Reiterschwadronen und die Einwohnerwehren, insgesamt etwa 4 500 Mann. Durch verschiedene Massnahmen deutet er der Bevölkerung unmissverständlich, dass die Reichswehr jede Versammlung und Demonstration unterbinden wird. (Vgl. Dreetz 136/136f.) Während einer Pressekonferenz des Garnisonskommandos Halle (Saale) gibt er auf Nachfrage eines Journalisten, wie er zur Regierung stehe, eine ausweichende Antwort.

Zivilkommissar Walther Schreiber stellt in Die Revolution in Halle a. S. (1920, 2/3) fest, dass die Lage "von allem Anfang an dadurch besonders schwierig, dass der Führer des hiesigen Garnisonskommandos seine Pflichten gegenüber der verfassungsmässigen Regierung nicht klar erfüllte."

Zeitz. Die Stadt ächst unter dem Generalstreik. Fabriken, Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk liegen still. Viele Landarbeiter legen die Arbeit nieder. Der Deutsche Beamtenbund Zeitz macht beim Streik mit. Auf der Moritzburg (Zeitz) sind etwa 150 Reichswehrsoldaten vom Altenburger Regiment stationiert, das auf Seiten der Regierung Ebert steht. Doch der Zeitzer Befehlshaber sympathisiert mit Kapp-Lüttwitz. Deshalb sendet das Regiment zwei Feldwebel an ihn und bittet um Stellungnahme. Schmidt liess sie einfach festnehmen und einsperren. Als die Arbeiter davon erfahren, setzen sie alles daran, die Reichswehrtruppen zu kontrollieren. Noch am Abend wird ein Leutnant Kunze und sechs Soldaten in der Naumburger Straße entwaffnet und festgehalten. (Nach Leopoldt 150)

Weißenfels. Der "Generalstreik [wird] ausgerufen und ein Arbeiter- und Soldatenrat als politisches Streikkomitee gewählt". In der Stadt patrouillieren 300 Arbeiter mit roten Armbinden als Ordnungsdienst. "Straff organisierte Kolonnen marschieren auf den Ausfallstrassen der Stadt in die umliegenden Dörfer, um hier bei den Bauern die versteckten Waffen und die Munition abzuholen." (Beuthan 1956, 107f.)

Die Bezirksleitung der USPD in Halle beschliesst, jeder soll die Arbeit einstellen, um die "Diktatur der deutschnationalen Monarchisten" zu verhindern. In Zeitz und Weißenfels existieren personell und politisch starke USPD-Ortsgruppen mit vielen Anhängern. Die USPD-Zeitz nimmt unter den Kreisen mit den höchsten Stimmanteilen in Deutschland Platz drei ein. (Vgl. Falter 127)

Reichskrone (Bismarckplatz /
Theaterplatz) um 1910

Naumburg. Um 10 Uhr morgens beginnt in der Reichskrone die grosse Volksversammlung. Zentrale Instanzen spielen bei der Vorbereitung eine wichtige Rolle. "Als der Staatsstreich Kapp-Lüttwitz bekannt wurde", erzählt später Walter Fieker aus der Moritzstrasse 42 dem Staatsanwalt, "erhielten wir von der Gewerkschaftskommission der Gewerkschaft in Berlin und von den Parteileitungen der Unabhängigen [USPD] und den Mehrheitssozialisten [SPD] die Anweisung, in den Generalstreik zu treten." (Vgl.Vernehmung)

Etwa 1 000 Bürger waren dem Ruf von SPD, USPD und KPD gefolgt. Den Promotoren liegt die Erklärung des Aktionsausschusses für Mitteldeutschland und der Streikleitung von Halle vor, wo es heisst:

Legt geschlossen die Arbeit nieder.
Das Wirtschaftsleben muss von jetzt an Ruhen
.

Die Versammlung beschliesst den Generalstreik. Daran nehmen die Arbeiter aus den Betrieben und die Stadtangestellten der Naumburger Strassenbahn teil. In den Schulen fällt der Unterricht aus. Lediglich die Mitarbeiter der Stadtwerke gehen weiter ihrem Dienst nach.

Vom Stadtoberhaupt verlangt die Volksversammlung ultimativ die Auflösung der Einwohnerwehr, was er und Max Jüttner ablehnen.

Wenn wir die Macht haben, dann gehen sie auf Urlaub!

Karte zu den Ereignissen
in Naumburg (Saale)
. Vollbild
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feuert der Vorsitzende des Aktionsausschusses in Richtung Oberbürgermeister Arthur Dietrich.

Der Sprecher der Sozialdemokratischen Partei kritisiert die Haltung von Oberbürgermeister und Kreisrat.

Vier Wochen später notiert der Oberbürgermeister in einem Bericht über den Verlauf der Aussprache in der Reichskrone: "In Berlin hat sich eine reine reaktionäre Regierung der Gewalt bemächtigt, die das alte Regiment der Knute wieder aufrichten will. Die Arbeiter sollen wieder wie einst als Sklaven gedesselt und niederkartäscht werden. Die alte verfassungsmässige Regierung hat sich nach Dresden begeben. Die Republik ist in Gefahr. .... Der Generalstreik ist verkündet. Der Stadtverordnete Heinrich [USPD] tritt ein für die Aufrichtung einer Räterepublik. Die Zeit ist gekommen, wo das Proletariat das Ruder in die Hand nehmen müsse. In spätestens 8 Tagen sei Deutschland Räterepublik. Es lebe die Weltrevolution."

Es fielen also die Worte von der

Räterepublik und Weltrevolution.

Damit nicht genug: "Die Errichtung der Diktatur des Proletariats, tritt bei den radikalen Rednern als Zweck der Bewegung klar zu Tage." Sie "werden mit Beifallskundgebungen begleitet, insbesondere mit dem auf dem Oberbürgermeister, den Kreisrat [Max Jüttner] und den Polizeiinspektor sich beziehenden Rufe:

an die Latern!

und dergleichen mehr." (9.4.1920)

Diese moralischen Ausfälle finden bei den Kapp-Gegner nach bisher vorliegenden Nachrichten keinen Widerhall. Unbenommen dessen erschüttern den Bürgermeister derartige linkspolitischen Ausfälle. Das in einer so kaisertreuen Stadt wie Naumburg zu hören, hätte er sich nicht träumen lassen.

 

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Bernhard Düwell
war 1918 / 19 Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates in Zeitz, Volkskommissar für (die Arbeiter- und Soldatenräte?) im Regierungsbezirk Merseburg und Abgeordneter für die USPD in der Weimarer Nationalversammlung. Er wurde am 29. April 1891 in Bochum geboren. Schulbesuch in Essen, Dortmund und Berlin. Von 1907 bis 1909 kaufmännische Lehre in Berlin. Studierte an der Handelshochschule Berlin Nationalökonomie (1911-1913).

1913 gibt er zusammen mit Paul Lenzner (27.2.1884-29.11.1955) die Feuilleton-Korrespondenz für die Arbeiterpresse heraus.

Im Krieg Hilfsdienstverpflichteter bei der Reichshauptbank. 1917 Beitritt zur USPD. 1918 zusammen mit Wilhelm Koenen und Conrad Müller Mitglied des Bezirks Arbeiter- und Soldatenrates Halle.

Mitglied der VKPD (1920) und KAG* (1922), dann USPD (April 1922) und ab Oktober 1922 SPD.

Von Oktober 1918 bis September Redakteur beim Volksboten (Zeitz). Ende 1919 bis 1920 Redakteur des Unabhängigen Sozialdemokratischen Zeitungsdienstes in Berlin.

Am 1. Mai 1920 versammeln sich gegen 10 Uhr morgens im Restaurant Rosengarten (Michaelisstrasse) die Gewerkschafts-Vertrauensmänner von Naumburg: Zimmerpolier Herrmann Berlick (Michaelisstraße 76), Tischler Gustav Flöhl (Michaelisstraße 28), Kommunist Wieglepp (Moritzberg), Portius (Moritzstraße), Dietrich (Michaelisstraße), Lohnarbeiter Otto Fischer (Weingarten 31) und der Vorsitzende der Holzarbeitergewerkschaft Gottfried Rublack. Derweil wandern die Kommunisten über Wethau, Neue Welt, Schönburg, Schellsitz und wieder zurück nach Naumburg. Nachmittags 2 Uhr treffen sich alle zur 1.-Mai-Kundgebung auf dem Kaiser-Friedrich-Platz. Nach der Begrüssung durch Adolf Schuster (Almrich) spricht Bernhard Düwell.

Ende 1920 vorübergehend Redakteur des Zentralorgans der USPD-Linke Die Internationale. Zusammen mit Max Seydewitz im Sächsischen Volksblatt (Zwickau) und als dessen Chefredakteur (1931) tätig. Mitarbeiter an der Zeitschrift Marxistische Tribüne.

1931erscheint seine Schrift Einheit der Aktion und Parteidisziplin (E. Laubsche Verlagsbuchhandlung, Berlin).

Sein Schicksal nach 1933 ist unbekannt.

* Die Kommunistische Arbeitsgemeinschaft (KAG) war eine von 1921 bis 1922 existierende Abspaltung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), die infolge der Kritik am KPD geführten Märzaufstand von 1921 entstand.
Ihr stand Paul Levi vor.

(Siehe auch Leopoldt Seite 145 und das Handbuch der verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung 1919)

 

Räterepublik, Diktatur des Proletariats und Befreiung von aller Knechtschaft mobilisieren viele politisch denkende Arbeiter zum Widerstand gegen Kapp. Eine politische Bewegung braucht Visionen und Ideale. Und welche konnten das nach Krieg, Hunger, Wohnungsnot und einsetzender Arbeitslosigkeit wohl sein?

In der Reichskronen-Versammlung dominiert eindeutig die politische Auffassung, jetzt die Weltrevolution noch ein bisschen warten zu lassen und die verfassungsmässige Regierung zu unterstützen.

Die revolutionären Ideen verschwanden natürlich nicht. Auf der ausserordentlichen Generalversammlung der USPD für den Naumburg-Weißenfels-Zeitzer Kreis am 10. April 1920 referiert Bernhard Düwell über den Plan für eine sozialistische Arbeiterregierung. Am Horizont sieht er die "untrüglichen Zeichen der Weltrevolution", die aber nur etappenweise vollzogen werden kann. Das greift der politische Gegner gerne auf, um die Gefahr der Bolschewisierung zu beschwören. Heute erscheinen solche Äusserungen unverständlich. Damals trugen sie wesentlich zur Mobilisierung der Kapp-Putsch-Gegner bei. Und sie sind auf dem Hintergrund des Desasters, das der Krieg allen Ortes angerichtet hat, nur zu verständlich.

Trotzdem suchte der Naumburger Aktionsausschuss nicht, wie Helmut Böttcher in Kapp-Lüttwitz-Putsch. Generalstreik und Bürgerkrieg. Die Wahrheit über die Ereignisse in Halle (Saale) und Mitteldeutschland (1920) behauptet, die "blutige Auseinandersetzung". Der Widerstand gegen Kapp trägt reaktiven Charakter. Die Idee der Weltrevolution von der USDP tragen Otto Grunert, Robert Manthey oder Otto Teichmann, alle SPD, nicht mit. Auch Doktor Kurt von der Demokratischen Partei unterstützt mit seiner Rede in der Reichskrone die verfassungsmäßige Regierung. Er warnt aber davor, dem russischen Vorbild nachzueifern.

Schliesslich wählt die Versammlung folgende Mitglieder des Aktionsausschusses:

Maler Leopold Heinrich, USPD, Vorsitzender,
Dompredigergasse 16,
Schneidermeister Robert Manthey, SPD,
Große Jägerstraße 51,
Schriftsetzer Franz Neubert, KPD,
Windmühlenstraße 6a,
Tischler Paul Kynast, USPD,
Schriftsetzer Otto Teichmann, SPD,
Peter-Paulstraße 14,
Kammmacher Franz Wieglepp, KPD,
Moritzstraße 8, und
Schriftsetzer August Winkler, SPD,
Schönburger Straße 27.

Nach Eugen Wallbaum (SPD) waren hier je fünf Genossen der SPD und USPD vertreten. Andere Quellen sprechen von einem von Sechs-zu-Sechs-Verhältnis. Es fallen noch die Namen Hugo Schwarz (USPD), Louis Knauer (SPD) und Weineck. Als Vorsitzender des Arbeiterrates fungiert Leopold Heinrich. Sein Nachfolger ist - laut einer unterzeichneten Erklärung vom 21. Dezember 1919 - August Winkler (SPD), der als mehrheitssozialistisch eingestellt gilt. (In der Vernehmung am 20. März 1920 durch Staatsanwalt Hardt gibt Walter Fieker zwei Mitglieder mit "Mir zur Zeit unbekannt" an. Die Akte nennt an anderer Stelle noch die Namen "Hoffmann" und "Robert Manthey".)

Einige Protagonisten des Naumburger Widerstandes gegen Kapp-Lüttwitz sind Mitglieder der KPD oder stehen dieser Partei zumindest nahe. Darin könnte man einen Widerspruch zu den Zielen des Aktionsausschusses vermuten. Zur Zeit befinden sich die Spartakisten (Kommunisten) im embryonalen Entwicklungsstadium. "In Naumburg gab es zu dieser Zeit noch keine KPD", gibt Leopold Heinrich (Wsf 16) zu bedenken. "Es gab nur einzelne Genossen, die der Kommunistischen Partei Deutschland in Leuna angehörten." Über politische Gestaltungspotentiale in Naumburg verfügen im linken politischen Spektrum die SPD, USPD und das örtliche Gewerkschaftskartell.

Rückblickend wird die Macht der Aktionsausschüsse oft überschätzt, etwa wenn Die Schlacht um Halle (1956, 89) erzählt: "Die Aktionsausschüsse übten die Funktionen von Arbeiterräten aus und hatten in allen Orten des Bezirkes [Halle] die Macht vollständig in den Händen." In Naumburg war der Aktionsausschuss nicht als Arbeiterrat tätig. Ihm gehörte auch nicht die politische oder administrative Macht über das Stadtgebiet.

 

Am Marktbrunnen

Nach Beendigung der Versammlung in der Reichskrone laufen der Maler Walter Fieker, Tischler Otto Grunert und Schriftsetzer Franz Neubert zum Rathaus, um mit dem Oberbürgermeister zu verhandeln. Zugegen ist der Landrat und Kreisrat Max Jüttner. Sie fordern die Bewaffnung der Arbeiter. Oberbürgermeister Arthur Dietrich wäre aber lediglich bereit, fünfzig Arbeiter bis spätestens 2 Uhr nachmittags in die Einwohnerwehr aufzunehmen.

Mit diesem Verhandlungsergebnis begibt sich Walter Fieker im Auftrag der Deputation hinaus auf den Markt [Stadtplan], wo ihn eine grössere Ansammlung von Bürgern erwartet.

Marktbrunnen, etwa um 1910. Blick vom Markt in Richtung Jakobsstrasse. (Bild digital bearbeitet.)

Es ist 12 Uhr mittags. Ein Mann aus der Moritzstrasse 42, von dem man sagt, er sei KPD-Mitglied, steigt auf den Rand des Marktbrunnens und informiert über den Stand der Gespräche: "…. unsere nochmalige Verhandlungen mit dem Oberbürgermeister hat nun wieder ein Schritt vorwärts gemacht. …. wir werden in die Einwohnerwehr aufgenommen. Wer sich dazu melden will, hat sich bis 3 Uhr nachmittags auf dem Rathause in die Liste eintragen zu lassen. Die Eintragung muss 3 Uhr nachmittags vollendet sein. Ich fordere Euch nun auf in Ruhe auseinander zu gehen, Ruhe und Ordnung [zu halten] und nachher Euch eintragen zu lassen."

Aus der Menge schallen ihm spontane Rufe nach der Räterepublik entgegen. Wie ein Schwert schwirrte es bei den Verhandlungen mit dem Oberbürgermeister (14. März) durch den Raum. Der Vorsitzende des Naumburger Gewerkschaftskartells (1921) Gottfried Rublack (SPD) lässt bei einer ähnlichen Gelegenheit am 20. März der Satz heraus:

"Meine Herren, wir wollen uns doch nichts vormachen, die Räterepublik kommt, das ist doch nicht aufzuhalten."

Fieker endet mit:

"Es lebe die freie deutsche Republik." (Zeuge Kumwade)

Das war keine Brandrede. Aus der Menge schallen Zurufe, die die Entwaffnung des Militärs und der Polizei verlangen. "Die Menge lachte mich aus", merkte Fieker [Bild]. Er war ihnen nicht radikal genug. Rittmeister a. D. Kumwade sagt nach der Verhaftung von Fieker am 19. März wegen Landfriedensbruch als Zeuge gegenüber Staatsanwalt Hardt (Naumburg) aus: "Ich hatte nicht den Eindruck gehabt, als wenn die Worte eine aufreizende Wirkung ausüben sollten."

Nach dem Abtritt von Fieker reisst USPD-Mann Paul Heese (13.3.1881-19.3.1920) aus der Michaelisstrasse 82 das Wortan sich:

Sie sollen ".... sich nicht mit den 50 Gewehren zufrieden geben, es sollten mehrere Hundert verlangt werden."

Der 39-jährige Buchhändler erhält viel Zustimmung.

 

Im Rathaus

Dann gehen Fieker, Neubert und Heese wieder ins Rathaus und diskutieren mit Arthur Dietrich weiter. Erneut verlangen sie die Bewaffnung einiger hundert Arbeiter. Zwischendurch geht Heese immer wieder zu den Demonstrierenden auf den Markt. Einmal kehrte er in das Verhandlungszimmer zurück und rief:

Sie haben nur noch 5 Minuten Zeit!

Vorher gab er der Menge die Weisung:

wenn ich in 5 Minuten nicht mehr wieder hier bin,
stürmt ihr das Rathaus!

Markt mit Brunnen
und Rathaus (2006)

dann verlässt er den Verhandlungsraum wieder, um erneut zum Markt hinauszugehen, wo er jetzt der Menge mitteilt:

"Die Zeit zum Rathaussturm ist noch nicht gekommen, entweder kriegen wir Gewehre oder nicht. Kriegen wir solche, dann ist Naumburg erledigt!" (Dietrich 9.4.1920)

Am ersten Tag des Generalstreiks gegen Kapp fährt Leopold Heinrich (USPD) mit dem Fahrrad nach Zeitz, um dort mit Albert Bergholz über die politische Lage zu sprechen. Als er am Abend zur Sitzung des Aktionsausschusses in den Goldenen Hahn zurückkehrt, "war es inzwischen hoch hergegangen". "Die SPD war nicht einverstanden", berichtet er Jahre später, "mit dem Vorgehen von He[e]se, der die Arbeiter zum Kampf gegen die Reaktion bewaffnen und mobilisieren wollte." (Wsf. 17) Die Mehrheitssozialisten, voran die Stadtverordneten August Winkler und Stadtrat Robert Manthey, wollten eine Überhitzung der Stimmung vermeiden.

Am nächsten Tag (16.3.) findet am selben Ort eine Funktionärskonferenz statt. Der Aktionsausschuss beschließt, offensichtlich in Reaktion auf die Schiesserei der Reichswehr auf dem Markt, die Arbeiter am Nachmittag zu bewaffnen. Die militärische Führung übernehmen Walter Fieker und Paul Heese.

Die Bürgerwehr gibt in Weißenfels am 15. März ihre Waffen ab. In Naumburg nicht sollta das gelingen, denn das Rathaus lehnt dies strikt ab. Vielleicht deshalb, weil durch die Protetse vor dem Gefängnis eine schwer zu brechenende Sicherheitslage entstand. Gegen Abend stehen hier immer wieder Kinder, Frauen und Halbwüchsige zusammen. Demolieren sie den Stacheldrahtzaun? Laut Mitteilung des Ersten Staatsanwalt (12.4.1920), drohten die Demonstranten damit die Wachen aufzuhängen. Die Haftanstalt braucht die Einwohnerwehr, so kalkuliert wahrscheinlich der Bürgermeister.

Und was tut eigentlich die Sipo-Abteilung, die in der Rathauswache zur Durchführung des Streifendienstes stationiert war? Konnte sich der Oberbürgermeister sich auf sie verlassen? Während des Kapp-Putsches erfüllt sie ihre Aufgaben nur ungenügend. Die Untergebenen nehmen die Befehle vom kommandierender Offizier Hauptmann Schmidt nicht ernst. In der Nacht führt er nicht die Hundertschaft, sondern hielt sich zu Hause auf. Feigheit wirft man ihn vor. "Während der Unruhetage trug Hauptmann Schmidt [ von der Sipo] eine offenbare Ratlosigkeit zu Schau", klagt Bürgermeister Karl Roloff am 3. Mai 1920 beim Regierungspräsidenten in Merseburg. Im Gespräch mit ihm gewann er die Überzeugung, dass er "zur Führung der Polizeitruppe nicht imstande sei".

Gegen Ende der Verhandlungen im Rathaus, es war inzwischen 8 Uhr abends, ist der Wehrberatungsausschuss bereit, sofort 100 Arbeiter ohne Prüfung ihrer Zuverlässigkeit in die Einwohnerwehr einzugliedern. Die Auswahl erfolgt durch die Arbeiterführer. Noch am selben Abend können sie 54 Personen rekrutieren. Doch es gibt Schwierigkeiten. "Sehen sie sich vor, sagt ein Mehrheitssozialist gegenüber der Polizeiwache, man hat ihnen die Übelsten herausgesucht. Tatsächlich waren unter den 54 aufgenommenen Leuten," erzählt Oberbürgermeister Dietrich (9.4.1920), "21 die wegen gemeiner Verbrechen und Vergehen, insbesondere wegen Verbrechen und Vergehen gegen das Eigentum nicht unerheblich und zumeist mehrfach vorbestraft waren. Von den sich Meldenden erschienen nur wenige zum Dienst".


Exkurs: Die Einwohnerwehr  zurück

 

Zur Sicherheitslage (Diskussion)

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Die Einhaltung der Gesetze zur Gewährleistung der öffentlichen Ordnung bereitet den Naumburger Stadtvätern schon seit der Kriegszeit Sorgen.

Jetzt - im März / April 1920 - bewacht die Einwohnerwehr das Gefängnis, das Schwurgericht, das Artilleriedepot und den Bahnhof. Sollte die sich aus diesen Aufgaben zurückziehen, sieht Oberbürgermeister Arthur Dietrich diese Objekte gefährdet.

"Am 6. Mai 1920 beginnen hier die Schwurgerichtsverhandlungen wegen der gelegentlich des Generalstreiks 1919 in Zeitz usw. begangenen Aufruhr- und Landesfriedenbruchs-Verbrechen, wozu etwa 200 Zeugen geladen sind", notiert Bürgermeister Karl Roloff im April 1920 und fährt fort: "Diese Verhandlungen werden mehrere Wochen dauern. Im hiesigen Gerichtsgefängnis befinden sich gegenwärtig annähernd 400 Gefangene, darunter viele politische, deren sofortige Befreiung von den Radikalen fortgesetzt gefordert wird." Der Zeitzer Landesfriedensbruchprozess gegen 45 Angeklagte beginnt schliesslich am 31. Mai 1920 in Naumburg unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Hagen.

Symbolisch betrachten Bernhard Düwell, Albert Bergholz und Adolf Leopoldt das Naumburger Gefängnis als ein Hort der Klassenjustiz (1234). Es ist drastisch überfüllt. Aus Empörung über die lange Untersuchungshaft, drohen die Arbeiter öfter die Befreiung der Politischen an. "Hinzu kommt noch," stellt Arthur Dietrich (Oberbürgermeister) fest, "dass die Reichstagswahlkämpfe sich hier voraussichtlich sehr heftig gestalten werden.

Diese Verhältnisse lassen u. E. vorbeugende Maßnahmen unbedingt notwendig erscheinen und zwar nicht nur für den 1. Mai … [handschriftliche Einfügung], sondern bis auf weiteres.

Deswegen bitten wir das Garnisonkommando ergebenst und dringend, dahin wirken zu wollen, daß die Stadt nicht wieder, wie Mitte März, von Truppen fast völlig entblößt wird." (Die Polizeiverwaltung 22. April 1920)

"Neben dem Gefängnis sind nach dem Abzuge der Reichswehr in der Stadt Naumburg aber auch noch mehr als 50 Militärgebäude, die zum Teil einen sehr wertvollen Inhalt bergen, zu schützen. …. Hierzu, und um noch einen notdürftigen Schutz der Stadt im Allgemeinen zu gewährleisten, sind aber mindestens 2 Hundertschaften erforderlich." (Vgl. OB 14.4.1920, Roloff 22.4.1920, Roloff 21.3.1921)

 

Neben Reichswehr, SIPO, Arbeiterwehr und Zeitfreiwilligenverbänden, übernimmt während des Kapp-Putsches die Einwohnerwehr Aufgaben der inneren Sicherheit. Der Rat der Volksbeauftragten erlässt am 12. Dezember 1918 das Gesetz zur Bildung einer freiwilligen Volkswehr. Es bestimmt: "In die Volkswehr werden nur Freiwillige aufgenommen. Sie wird außerhalb des Rahmens des Heeres stehen." "Sie verpflichten sich der sozialistisch-demokratischen Republik per Handschlag" und "dient der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit". 100 Freiwillige wählen einen Führer und gliedern sich in drei Züge. Am 1. Januar 1919 gehören der Einwohnerwehr in Preußen 626 764 Mann an (nach Orlow 195).

Ein weiterer Erlass des Preußischen Ministeriums des Inneren vom 18. März 1919 legt fest, dass sie aus zuverlässigen Mitgliedern aller Schichten der Bevölkerung zu bilden sind.

Der nächste Ukas vom 15. April 1919 geht noch weiter, wenn er fordert, dass jede gegensätzliche politische Tätigkeit zu unterbleiben hat. Es sollen nur Regierungstreue rekrutiert werden, bestimmt die Verordnung des Reichswehrministeriums vom 25. April desselben Jahres. Mitglieder der USPD und KPD (Spartakisten) sind damit von der Einwohnerwehr ausgeschlossen. Zur Anwerbung bieten sich die Landwehr-, Bürger- und Kriegervereine an. Am 15. September 1919 erfolgt die Überarbeitung des Abschnitts Zusammensetzung der Arbeiterwehren. Ihre Mitglieder sollen aus allen Schichten der Bevölkerung gewonnen werden. Die meisten sind Beamte und Angestellte, fand Erwin Könnemann (vgl. 204f.) heraus.

Zur Entlastung seiner Einheit wurden insgesamt 2 000 Mann aus der Einwohnerwehr herangezogen, bestätigt Georg Maercker 1921 (327). Oft übernimmt die Reichswehr ihre Aufsicht und den Oberbefehl. Bei der Aufstellung der Einwohnerwehr, kommentiert der Generalmajor, "wurde grundsätzlich nicht nach der Parteizugehörigkeit gefragt". Tatsächlich soll sie eigentlich überparteilich agieren. In der Praxis war es oft anders. Beispielsweise rüstet 1919 der spätere SA-Führer Ernst Röhm in Bayern die 260 000 Mitglieder der Zeitfreiwilligen und Bürgerwehren aus. (Vgl. Auerbach 18) Hitlers Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung Bernhard Rust (1883-1945) führt die Einwohnerwehr in Hannover.

Der ehemalige Kommandeur des Landesjägerkorps (Reichswehrbrigade XVI) gibt zur Personalrekrutierung folgende Auskunft: "Aber selbstverständlich wurden [in die Einwohnerwehr] nur solche Mitglieder aufgenommen und mit Waffen versehen, die hinter der bestehenden Regierung standen, also regierungstreu waren.

Das schloss Unabhängige [USPD] und Kommunisten aus …".

Vergeblich verlangt die USPD im Nachbarort Bad Kösen bald nach Aufstellung der Bürgerwehr am 7. März 1919, dass die Hälfte Arbeiter sein sollen. (Vgl. Budde) Die sich aufbauenden Spannungen zwischen der USPD, später dem Aktionsausschuss, und der Einwohnerwehr (Kaufmann Siebold, Bäcker Seiffert, Eisenbahner Martin, Zimmermann Töpfer) entladen sich im Gefecht am 19. März um die Tanne in Bad Kösen. (Siehe unten: Die Versammlung in der Tanne, Der Tod von Genossen Hermann Reinhardt und Das Gefecht um die Tanne.)

Als die Gefahr der Eskalation schnell näher rückt, versucht man am 14./15. März in Naumburg die Ausgeschlossenen doch noch in die Einwohnerwehr aufzunehmen, was aber scheitert.

Dem Kriegsminister teilt General Maercker (1919, 450) am 18. Juni 1919 in Weimar bei Gelegenheit einer Besprechung mit: "Die Arbeiter sehen in den Einwohnerwehren eine gegen sie gerichtete Gefahr, der sie dadurch begegnen wollen, daß sie jetzt selbst in diese Wehr eintreten." Das trat aber so nicht ein. Selbst "die Mehrheitssozialisten hielten sich fern [von der Einwohnerwehr], obgleich ihr Eintritt besonders gewünscht und auch von mir später immer wieder angeregt wurde", kommentiert Georg Maercker 1921 (329-330). "Später beklagten sie sich, dass die Einwohnerwehren reaktionär seien."

Georg Maercker galt bei den Arbeitern als monarchistisch eingestellter General. Die Nähe der Einwohnerwehr zum Kommandeur der Reichswehrbrigade XVI löste bei vielen Kapp-Gegnern Unbehagen und tiefes Misstrauen aus.

"Darum ist es zu begrüssen", stellt SPD-Mitglied August Huth (Bad Kösen, Saalberg 7) vier Wochen nach der Niederschlagung des Putsches im Brief an die Redaktion der Volksstimme in Halle erleichtert fest, "dass endlich Orts- und Sicherheitswehren von verfassungstreuen Sozialdemokraten gebildet werden." "Um eins bitte ich, liebe Genossen," schliesst er den Brief, "sorgen Sie dafür, dass in den drei Nestern Naumburg, Schulpforte und Bad Kösen die Wehren endlich auf dem schnellsten Wege gebildet, denn hier geht was vor, also aufgepasst." (Handelt es sich hierbei vielleicht um den "Mitteldeutschen Treuebund", der den Einsatz von Zeitfreiwilligenverbände zum Streifendienst plant?)

 

 

16. März, Dienstag  zurück

In Hefta und Eisleben kämpfen Ortsansässige gegen die Reichswehr.

Halle (Saale). Der Garnisonsälteste und Kommandeur des Intanterie-Regiments 21 Oberst Hermann Czettritz stellt sich offen aufseiten der Putschisten. Seine Truppen besetzen das Hauptpostamt, Gewerkschaftshaus und Volksblatt. Zeitungsredakteure und der Abgeordnete des preussischen Landtages Doktor Walther Schreiber werden verhaftet. Es beginnen heftige militärische Kämpfe zwischen Kapp-Gegnern einerseits und Reichswehr, Zeitfreiwilligen und Einwohnerwehr andererseits. Czettritz ruft (am 16.3.) den Ausnahmezustand aus.

Blick in die Jüdenstrasse (Weißenfels, 2012)

Weißenfels.  zurück  In der 15 Kilometer von Naumburg entfernten Nachbarstadt Weissenfels, meldet der Naumburger Aktionsausschuss, kommt es zu Kämpfen. Mit einer roten Binde am Arm versehen etwa 300 Arbeiter den Ordnungsdienst in der Stadt.

Bei der Erstürmung des Bahnhofs durch die Arbeiter kommt es zu einem heftigen Feuergefecht mit der Sipo. Sieben Kapp-Gegner verlieren ihr Leben. (Vgl. Zeitzer 215)

Auf dem Markt und den einmündenden Strassen stehen gegen 3 Uhr nachmittags viele Streikende umher. Sie warten auf den Beginn einer angekündigten Versammlung. Vor dem Eisenwarengeschäft Hoyer in der Jüdenstrasse fährt ein SIPO-Kommando vor. Zwei Mann, schwer bewaffnet, gehen in das Geschäft, während ein Mann das Fahrzeug und die Pferd bewacht. Um den Wagen steht eine erregte Menschenmenge. Im Geschäft fallen plötzlich Schüsse. Albert Engel und Hildebrandt sind tödlich getroffen; Kurt Haenschke erhielt einen Brustschuss (vgl. März 1920, 13). Die Menschenmenge stürmt das Geschäft. Umgehend rückt für die Sipo aus dem Schloss Verstärkung an. Am Eingang der Jüdenstrasse bauen sie ein MG auf. Durch die Strasse schallt das Kommando Straße frei!. Die SIPO-Außenkommandos in der Post und im Bahnhof ziehen in das Schloss zurück.

Am Abend sprechen und diskutieren Bürger im Volkshaus über die Ereignisse. Auf der Versammlung referieren Frau Marie Wackwitz (1865-1930) und Friedrich Demberger (SPD).

 


Es schadet nichts, wenn
sich die Batterie einmal zeigt
. (Oberbürgermeister Arthur Dietrich)  zurück

 

Überblick

Gasthaus Goldener Hahn, damals Roonplatz 1, heute Am Salztor 1 (2005)
Innenansicht vom Gasthaus zum Goldenen Hahn, damals Roonplatz 1, heute Am Salztor 1 (etwa um 1930)

Die Naumburger Behörden sperren den Vertrieb des Volksboten, der Arbeiterzeitung aus Zeitz.

Im Gasthaus Goldener Hahn tagt der Aktionsausschuss (Streikleitung) ohne Unterlass. Vor dem Gebäude fahren Soldaten der Reichswehr auf.

Die Lage beschreibt tags darauf der Naumburger Aktionsausschuss so: "Gestern vormittag 11 Uhr traf eine Abteilung Militär ein und nahm Aufstellung vor dem Schwurgericht [gegenüber vom Goldenen Hahn]. Auf sofortiges Befragen erklärte der Führer, das er im Namen des Ortskommandanten den Belagerungsszustand über Naumburg verhänge. Wir weisen besonders daraufhin, dass sich die Naumburger Gewerkschaftskollegen nicht daran zu stossen brauchen. Gleichzeitig forderte er die Versammelten auf, sofort die Strasse frei zu geben. Kollege Heinrich erbat für einige Minuten Zeit, um die Leute aufzuklären und zu zerstreuen; es gelng ihm. Er musste aber den Führer mehrmals bitten einen gewissen Leutnant Achilles zurückzuhalten, damit kein Exzesse entstehen."

Dreissig Jahre später zeichnet Eugen Wallbaum (Naumburg) den Aufmarsch und die Handlungsweise der Reichswehr (am 16.3.1920) so nach: "Während einer Sitzung des Aktions-Ausschusses [am 16. März] im Goldenen Hahn wurde gemeldet, dass eine Militärgruppe vor dem Schwurgericht aufgefahren war, mit der Geschossrichtung Gefängnis und Goldener Hahn. Darauf verließ die Leitung des Aktionsausschusses das Lokal, ging zu dem die Truppe führenden Hauptmann Hähnel, der ihnen mitteilte, dass ein Anruf von Oberbürgermeister Dietrich gekommen wäre mit der Meldung, dass die Arbeiter das Gefängnis stürmen wollten. Hauptmann Hähnel ließ sich überzeugen, dass im Goldenen Hahn nur eine Funktionärssitzung stattfand, an der wenig Menschen beteiligt waren. Er mit seiner Truppe wieder zur Kaserne zurückzukehren, hielt aber sein Versprechen nicht, sondern schwenkte von der Lindenstraße durch die Herrenstraße auf den Markt ab. Dort wurden Maschinengewehre zur Aufstellung gebracht. Auf dem Markt selbst war eine große Anzahl von Einwohnern. Nach kurzer Aufforderung des Hauptmanns, den Markt zu verlassen, ließ er in die Massen schießen."

Emil Schurzfeld

Emil Schurzfeld starb am 14. April 1920 an den Folgen seiner Verletzung im Naumburger Krankenhaus

 

"Die Arbeiterschaft", schreibt die Volksstimme am 13. April 1920, "wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren und dadurch beweisen, dass sie immer wieder gegen die Schuldigen - den Oberbürgermeister und den Major Wiesner - laute Anklage erheben wird."

 

Die Kugeln trafen die Arbeiter Emil Schurzfeld und Gärtner Hoyme. "Mehrere Einwohner wurden verletzt und teils schwerverwundet." (Wallbaum)

Der Aktions-Ausschuss Naumburg a. S. gibt am nächsten Tag im Mitteilungs-Blatt Nummer 1 folgende Darstellung: "Gestern Vormittag 11 Uhr traf eine Abteilung Militär ein und nahm Aufstellung vor dem Schwurgericht. Auf sofortiges Befragen erklärte der Führer, dass er im Namen des Ortskommandanten den Belagerungszustand über Naumburg verhänge. Wir weisen besonders darauf hin, dass sich die Naumburger Gewerkschaftskollegen nicht daran zu stossen brauchen. Gleichzeitig fordert er die Versammelten auf, sofort die Strasse frei zu geben. Kollege [Leopold] Heinrich erbat sich für einige Minuten Zeit, um die Leute aufzuklären und zu zerstreuen; es gelang ihm. Es musste aber den Führer mehrmals bitten, einen gewissen Leutnant Achilles zurückzuhalten, damit keine blutigen Exzesse entstehen. Daraufhin wurde dem Führer bedeutet, doch mit seinen Leuten abzurücken, damit wieder Ruhe und Ordnung eintrete. Der Hauptmann erklärte darauf, er sei überzeugt, dass das Versprechen gehalten werde und rückte ab. Kurze Zeit drauf knatterte Maschinengewehrfeuer auf dem Marktplatze und 14 Bürger Naumburgs brachen in ihrem Blute zusammen."

Oberbürgermeisters Arthur Dietrich zieht Bilanz: "Im Wesentlichen durch Querschläger werden 13 Leute verwundet. 2 Verwundete erliegen ihren Verletzungen nach wenigen Tagen. Von den Verbleibenden sind 4 schwer und 7 leicht verletzt."

Das Mitteilungsblatt des Aktions-Ausschusses Naumburg a.S. meldet am 17. März 1920:

"14 Bürger Naumburgs brachen in ihrem Blute zusammen". Acht sind schwer verletzt.

"Der Arbeitskollege [Elektrotechniker] Paul Thieme [23 Jahre alt] ist den gestrigen Vorgängen auf dem Markplatz zum Opfer gefallen. Die organisierte Arbeiterschaft betrauert ihn aufs tiefste und wird sein Andenken stets in Ehren halten."

 

Details

A) Vor dem Gefängnis

Vor dem Gefängnis demonstrieren Bürger gegen die lange Untersuchungshaft von Inhaftierten, die seit den Streiks und schweren Unruhen im Februar / März 1919 in Zeitz und Mücheln hier in Haft sind. (Ihr Strafprozess wird erst am 6. Mai 1920 eröffnet.) "Es sammelten sich Scharen von Arbeitern an, einige Arbeiter stellten die Offiziere zur Rede", hält die Chronik von Adolf Leopoldt (1930, 152) fest. Viele kamen von auswärts, Zeitz, Weissenfels, Hohenmölsen. Das bereitet Oberbürgermeister Arthur Dietrich und der Kreisrat für die Einwohnerwehren in den Kreisen Naumburg Stadt, Land und Eckartsberga Max Jüttner ernste Sorgen.

"Wiederholt wurde vor dem Gefängnis die Aufforderung laut, die Gefangenen, deren das Naumburger Gefängnis eine grosse Anzahl aus dem benachbarten Industriebezirk beherbergt, freizugeben, andernfalls würde das Gefängnis gestürmt," rekonstruiert der Kreisrat Jüttner im April 1920. "Die Gefängnisbesatzung der Einwohnerwehr fühlte sich zeitweise stark bedrängt. Sie bat wiederholt, den Platz vor dem Gefängnis räumen zu lassen, da sonst ein Ansturm gegen das Gefängnis und damit Blutvergiessen unvermeidlich sei."

Zweifellos würde die Stürmung des Gefängnisses die allgemeine Sicherheit der Stadt gefährden und die politische Lage in nicht vorhersehbarer Weise verändern. Jüttners Hinweis, Diese Meldungen wurden an das Garnisonskommando weitergegeben, deutet darauf hin, dass dies beim folgenden Aufmarsch der Truppen eine Rolle spielte.

 

B) Aufmarsch der Truppe

In der Stadt gehen Gerüchte um,

"dass die anwesende Batterie des Jägerbataillons zu den Spartakisten übergegangen sei." (Kreisrat)

"Auch dies wurde dem Garnisonskommando gemeldet, welcher sich daraufhin nach vorheriger Mitteilung an den Oberbürgermeister [Dietrich] und den Kreisrat [Jüttner] entschloss, die Batterie durch die Stadt und am Gefängnis vorbeimarschieren zu lassen."

"Der Herr Oberbürgermeister, der auf wiederholte Anfrage, ob er hinter der alten Regierung stehe, nicht klipp und klar geantwortet hatte, war scheinbar übernervös geworden und ging auf den Vorschlag des Majors Wiesners, die Batterie einmal durch die Stadt zu führen, mit den Worten ein:

Es schade nichts,
wenn die Batterie sich einmal zeigt.
" (Naumburg)

Schliesslich marschiert die II. Abteilung des Artillerie-Regiments 16, das unter dem Kommando von Major Wiesner steht, über den Lindenring, Herrenstraße weiter zum Markt vor [Stadtplan].

 

C) In der Herrenstrasse

In der Herrenstrasse bedrängen Bürger die Reichswehr. Es kommt zum Gerangel. Darauf ist die "Naumburger Reichswehr", hervorgegangen aus dem ehemaligen Freiwilligen Landesjägerkorps, gut vorbereitet. Ihr Kommandierender Generalmajor Georg Maercker (1919, 323) gibt für diese Situation im Entwurf vom 31. März 1919 folgende Anweisung:

"Beim Marsch durch gedrängte Menschmassen entsteht leicht die Gefahr, dass die Truppe so eingekeilt wird, dass der Waffengebrauch unmöglich wird und die Masse der umklammerten Truppe die Waffen entringt. Sie muss sich also so viel Ellbogenfreiheit verschaffen, dass sie auch bei angriffsweisem Verhalten der Bevölkerung ihre Waffen gebrauchen kann und dass nicht einzelne Teile von ihr abgedrängt und entwaffnet weren können."

Ein Teil der Militärkolonne wird abgeschnitten und mit Entwaffnung bedroht. Ob hier (!) seitens der Reichswehr tatsächlich Waffen zur Anwendung kamen, wie Walter Fieker im Verhör gegenüber Staatsanwalt aussagt, erscheint fraglich. Wahrscheinlich setzte die Reichswehr Waffen erst auf dem Markt ein.

 

Herrenstrasse (Zeichnung)

".... von dem bedrängten Militär", so steht es im Gefängnisbrief (1920) von Walter Fieker (Naumburg) vom April 1920, wurde "auf die Menge in der Herrenstrasse geschossen". Ein Teil der Kolonne wird abgeschnitten und mit Entwaffnung bedroht.

"Die Truppe war beim Marsch durch die Herrenstrasse nach dem Markt beschimpft, mit Entwaffnung und der Rest mit Umzinglung bedroht worden", notiert am 20. April 1920 Max Jüttner, Kreisrat für die Einwohnerwehren in den Kreisen Naumburg Stadt, Land und Eckartsberga.

Leopold Heinrich (USPD) kam zur der Erkenntnis: "Die Truppe war durch die Herrenstrasse gezogen, und die Menschen sind über den Quirl gegangen und waren dann auch in der Herrenstrasse. Diese war zu eng, und so wurden die letzten von der Truppe abgedrückt." (Wsf 17)

 

E) Im Zentrum der Stadt

Auf dem Markt bezieht die Reichswehr um das Rathaus Stellung. Sie postiert an der Ecke Markt-Marienstrasse einen Maschinengewehr-Trupp. Die "Vertrauensleute aus der Zivilbevölkerung" sind bereits eingetroffen, "um die Hetzer in der Menge festzustellen sowie Freischützen .... " - wenn es nach Plan abläuft.

Ecke Markt / Marienstraße (2006)

Die Menge johlt und beschimpft das Militär, sie droht mit der Umzingelung, illustriert Wochen später Arthur Dietrich das Geschehen auf dem Markt.

Was ist zu tun? Kommandeur Generalmajor Georg Maercker (1919, 323f.) traf für das Freiwillige Landesjägerkorps (Reichswehrbrigade 16) Vorsorge, als er am 31. März 1919 für den Straßenkampf folgende Verhaltensvorschriften entwarf: Es ist darauf zu achten, dass Teile der Truppe nicht abgedrängt und entwaffnet werden können. "Deshalb ist vorerst nach dreimaligen Trommelwirbel oder Trompetenstoß die Aufforderung zu erlassen, die Straße zu räumen. Kommt die Menge der Aufforderung nicht nach, so rückt die Truppe vor, die Aufforderung andauern wiederholend, vor allem dort, wo die Möglichkeit die Menge besteht, in Seitenstraßen abzubiegen. Gehorcht die Menge der Aufforderung nicht, was erfahrungsgemäß meist der Fall ist, so pflanzt die Spitze das Seitengewehr auf, dann werden dahinter auf Befehl des Kompanieführers einige Schüsse in die Luft abgegeben, und nun drängt die Spitze vor, vorerst den Kolben, bei Widerstand das Bajonett gebrauchend. ...."

Welche Gefahr geht aber für eine mit schweren Waffen ausgerüstete militärische Einheit von unbewaffneten Bürgern aus, möchte man Oberbürgermeister Dietrich fragen. Es steht kein Angriff der Bürger auf das Militär bevor! Aber sie anerkennen nicht ihre moralische Intigrität und Legalität. Ihre Tat ist ein Akt der moralischen Missachtung. Und das trifft sie empfindlich, die Grauen, die schon länger um ihr Selbstbewusstsein ringen.

"Die Sozialdemokratie hat den Offizier schon im Frieden herabgesetzt, bei der Revolution misshandelt," beklagt eine Denkschrift von 1919. Jedenfalls hat die Garnisonsstadt eine derartige Respektlosigkeit gegenüber dem Militär seit 48er Revolution nicht mehr gesehen. Aufsässigkeit kannte sie nicht. Immer war sie so stolz auf ihre Offiziere, die Kasernen und Kadette. Und jetzt das: Nach der Aufforderung zum Auseinandergehen, "nur auspfeifen, Gejohle, Bedrohung und Rufe: Ihr schiesst ja doch nicht!". Daraus spricht Geringschätzung und Ablehnung. Schon beim Bergarbeiterstreik 1919 in Zeitz schlug der Widerwille gegenüber der Reichswehr in Hass um. Viele Regierungs-Demokraten und Generäle wollten das nicht wahr haben, waren unfähig oder unwillig, daraus für die politische Führung des Staates Schlussfolgerungen zu ziehen. "Die Republik hat es nicht verstanden," hält Carl von Ossietzky 1932 Rückschau (10.5.1932, 280), "den spontanen Antimilitarismus, den unsre Heere aus dem Kriege mitbrachten, im eignen Interesse zu fundieren. Sie hat ihn, im Gegenteil unterdrückt, wie sie nur konnte …."

Doch Politiker wie Bernhard Düwell betrachteten das Verhältnis von Regierung und Reichswehr, die "erstaunliche Militärfrömmigkeit" des Reichspräsidenten (Scheidemann 2002, 137), stets kritisch. Auf der außerordentlichen Generalversammlung der USPD für den Kreis Naumburg-Weißenfels-Zeitz am 10. April 1920 moniert er: "Die Politik der Bauer-Noske war stets die Vorbereitung für den Putsch, indem sie besonders die konterrevolutionären Truppen zu Garantien der Demokratie stempelten."

In der Machtperspektive erscheint das Bündnis der Regierung, um ihr Autorität und Durchsetzungskraft zu verschaffen, mit dem alten kaiserlichen Militärs alternativlos. Dass die demokratische Idee sich dabei en passant gründlich blamiert, scheint viele bis heute nicht zu kümmern. Ordnungspolitiker nehmen den Kollateralschaden für die junge Republik in Kauf. Es bleibt nichts anderes, argumentieren sie, will man das politische System stabilisieren.

Bis zum 13. März 1920 funktionierte die Aktionseinheit von Regierung und Reichswehr als passables Tauschgeschäft: Legalität, die nach dem Krieg und Versailles für die Reichswehr schwer zu haben, gegen Gewalt, welche die Regierung zur Disziplinierung der Streikenden und Aufsässigen braucht.

Herren-Attitüden, wilhelminische Manieren und Untertanengeist bedrohen die Hoffnung des demokratischen Aufbruchs. Verstehen die Kommandeure der Reichswehr die Begeisterung für die "Revolution"? Welchen sozialen Milieu entstammen sie eigentlich? "Hatten wir Offiziere aus Arbeiterkreisen? Nein, die hatten wir nicht", ruft die Reichstagsabgeordnete Marie Juchasz (1879-1956) den Abgeordneten der Weimarer Nationalversammlung am 19. Februar 1919 zu. Reichspräsident Friedrich Ebert lässt die Chance für den Aufbau einer republikanischen Armee vorüberziehen. Ehrerbietig ergibt er sich der alten Offizierskaste. Die Versäumnisse und Widersprüche drängen in den politischen Raum.

Naumburg mit Markt,
Rathaus und Wenzelskirche
(vor 1945)

Dreimal hintereinander, begleitet von einem Trompetensignal, fordert ein Offizier zum Auseinandergehen auf. "Daraufhin ergeht der Befehl Feuer. Die Soldaten zielen in die Luft, nur wenige auf das Pflaster." (Dietrich 9.4.1920) Aus Richtung Rathaus pfeifen Kugeln durch die Luft. Später bestreiten das die Offiziellen. Schaufensterscheiben gehen zu Bruch. Geschosse schlagen in die Wenzelskirche ein.

"Erneut kam die Meldung zum Aktionsausschuss [im Goldenen Hahn]," wirft Eugen Wallbaum (SPD) ein, "dass auf dem Markt geschossen wurde. Die Genossen setzten sich in Bewegung und gingen zum Oberbürgermeister, um ihn für sein Verhalten zur Rechenschaft zu ziehen. Doch das Rathaus war mit Maschinengewehren besetzt und die Genossen mussten sich den Zutritt in das Zimmer des Oberbürgermeisters erzwingen."

 

Wer trägt die Verantwortung?

•  "Der Aktionsausschuss [von Naumburg] hat einwandfrei festgestellt, dass zu solchen Massnahmen [der Reichswehr] absolut kein Grund vorlag, denn es waren meist Leute, welche die Neugier herausgetrieben hatte und sich ruhig verhielten." (Mitteilungsblatt No.1, 17. März 1920) Eine militärische oder physische Bedrohung der Jäger lag nicht vor. So gesehen, schoss das Militär ohne zwingenden Grund.

•  Der Zigeuner, Musiker und Arbeiter Theodor Krystek muss sich am 3. August 1920 vor dem Naumburger Schwurgericht wegen versuchten Mordes verantworten.

Blick vom Nordturm des Doms zum Steinweg (2010)

Er soll vom Steinweg aus auf den Landesjäger Max Winkler geschossen haben und durch die Verletzung ein Bein bis oberhalb des Knies verliert. Der Arbeiter gesteht den Einsatz der Waffe, behauptet aber, einen anderen getroffen zu haben. Zur Rechtfertigung des Einsatzes der Waffe gibt der Angeklagte an, dass er die neue Regierung Kapp-Lüttwitz bekämpfen wollte.

Der Vorsitzende fragt nach:

"Ja, wie sollte denn das geschehen und was hatten die Soldaten der Reichswehr damit zu tun."

Krystek antwortet:

"Die Reichswehr hatte auf die Arbeiter geschossen."

Der Vorsitzende erwidert:

"Ja, als am Dienstag versucht worden war, die Soldaten von den Pferden herunter zu reissen und ihnen die Waffen abzunehmen. Das ist nach drei Hornsignalen am Dienstag gerufen worden, den Marktplatz zu räumen."

Den Leuten blieb laut Angeklagten gar keine Zeit, den Platz zu räumen. Im weiteren Verlauf der Verhandlung sagt Zeuge Stadtverordneter Winkler (SPD) aus, dass die große Verbitterung über die Schiesserei der Reichswehr auf dem Marktplatz besonders daher komme, "weil die Arbeiterschaft annahm, die Zeit zwischen der Aufforderung den Platz zu räumen und dem Schiessen sei zu kurz gewesen." (Krystek-Prozess)

•  Das Blutbad wäre also vermeidbar gewesen, wenn sich die Soldaten "nicht so aufreizend benommen hätten", schätzt der SPD-Stadtverordnete Robert Manthey das Geschehene ein. (Vgl. Widerhall)

•  Das Rathaus setzte der Oberbürgermeister in "unnötiger Weise in den Kriegszustand". (Manthey, SPD)

•  Vom Aufzug der Truppe musste Arthur Dietrich zumindest abraten, was er aber unterlässt, und deshalb entscheidende Mitverantwortung für den blutigen Dienstag trägt.

Es ist eine Schmach, dass derartig mit Schuld beladene Personen noch auf freien Fuss und in Amt und Würden sitzen,

 


"Wie war es doch gleich an diesem 16. März?",

fragt die Volksstimme (Halle) am 13. April 1920 und antwortet:

"Der Herr Oberbürgermeister, der auf die wiederholte Anfrage, ob er hinter der alten Regierung stehe, nicht klipp und klar geantwortet hatte, war scheinbar übernervös geworden und ging auf den Vorschlag des Majors Wiesner, die Batterie einmal durch die Stadt zu führen, mit den Worten ein: Es schadet nichts, wenn die Batterie sich einmal zeigt". Was die Folge des Sichzeigens war, ist ja bekannt. Und nun sind drei friedliche Personen an den Folgen ihrer Verwundung verstorben."

 

urteilt die Volksstimme (Halle) am 13. April 1920 und fordert: "Die hiesige Arbeiterschaft wird und muss dazu kommen, diesen Mann zu entfernen, wenn er nicht selbst so viel Taktgefühl besitzt, von selbst zu verschwinden." Die vorherrschende deutschnationale Stimmung und das politische Kräfteverhältnis konstituiert eine andere Wahrnehmungsperspektive, die von Bolschewismus-Angst und bewaffneten Aufstand der übermächtigen Spartakisten geprägt ist.

•  Nach Eugen Wallbaum dirigiert Oberbürgermeister Arthur Dietrich die Truppen zum Rathaus. Eine andere Nachricht besagt, dass der Kommandeur der Naumburger Einheit beim Oberbürgermeister telefonisch anfragt, ob er es für zweckmässig hält, beziehungsweise ob er etwas dagegen hat, dass Militär durch Naumburg fahren zu lassen. Nach Selbstauskunft will Arthur Dietrich mit dem Aufmarsch der Reichswehr deeskalierend wirken. Von der Volksstimme (Halle) fühlt er sich zu Unrecht angegriffen und stellt deshalb am 12. Mai 1920 beim Staatsanwalt in Halle gegen die Redaktion Strafanzeige. Arthur Dietrich weist alle Vorwürfe zurück und besteht in der Stadtverordnetenversammlung am 20. April darauf, dass er den Boden der Verfassung nicht verlassen hat. Würde sich dies bestätigen, dann könnte es die Akzente bei der Deutung seines Verhaltens in den Krisentagen deutlich verschieben. Doch die Chancen dafür sind nicht hoch, solange eine öffentliche Erklärung von ihm gegen Kapp vor dem 18. März nicht auffindbar, also offenbar nicht abgegeben wurde. Anders zum Beispiel in der Stadt Lübeck. Hier bekundet der Senat am 13. März gegenüber der Bürgerschaftsversammlung, "dass er es für seine Pflicht gegenüber dem Reiche und der Vaterstadt ansehe, die verfassungsmäßige Regierung zu stützen." Ein derartiges Dokument ist bis heute von Naumburg nicht bekannt.

•  Als Beamten dürfte Arthur Dietrich klar gewesen sein, wenn er sich irgendwie gegen die rechtmäßige Regierung wendet, dann bedeutet dies den Bruch des Amtseids und damit das Ende seiner Karriere. So gesehen stellt die Truppenparade ein geschicktes Taktieren dar. Beruhigt sich die Lage, ist es gut. Tritt das Gegenteil ein, ist er nicht schuld, denn angefordert hat er die Truppen nicht. In keinem Fall ist hier zu erkennen, wie er aktiv die Konfrontation zwischen Aktionsausschuss, Bürgern und Militär zu verhindern versucht. Als Krisenmanager der Stadt versagte der Oberbürgermeister gründlich.

•  Justizrat Ludwig Wallach (Charlottenstraße 1) schätzt vor der Stadtverordnetenversammlung am 20. April 1920 ein, „dass ein Teil der Schuld daher rührt, dass wir alle uns viel von einem Misstrauen leiten ließen, welches uns dahin brachte, im politischen Gegner einen schlechten Menschen zu sehen“ (Widerhall). Auf dem Hintergrund der Ereignisse kann man das so lesen, dass Arthur Dietrich der Annahme oder gar der Überzeugung war, der Aktionsausschuss treibe den Generalstreik bis zum Umsturz voran. Dies könnte ein anderes Licht auf seine Handlungsweise werfen.

 

 

17. März, Mittwoch  zurück

Berlin. Der Putschversuch gilt als gescheitert. Reichspräsident Ebert und die Reichsregierung rufen dazu auf den Generalstreik zu beenden. Kapp, Lüttwitz, Ehrhardt, Jagow, Pabst, Max Bauer, Georg Wilhelm Schiele (Naumburg) und Traub, die Verschwörer, sollen bestraft werden.

Halle. Garnisonsältester Oberst Czettritz beteuert in einer Bekanntmachung, dass die Truppen von General Maercker (Reichswehrbrigade XXVI) hinter der Regierung Ebert stehen.

An diesem Abend erscheinen Richard Krüger, Doktor Schreiber und der Abgeordnete Dietrich beim Garnisonskommando. Auf der Grundlage der Verfassung streben sie die Einigung mit allen Parteien an. Fordern allerdings, dass Oberst Czettritz zurücktritt. Außerdem wollen sie beim Garnisonskommando eine beratende Kommission aus Vertretern aller Parteien installieren. Die unmittelbare Reaktion darauf ist nicht bekannt. Doch das Garnisonskommando geht weiter davon aus, dass die Arbeiter in Mitteldeutschland eine Räterepublik errichten wollen.

Merseburg. Reichskommissar und Oberpräsidenten Otto Hörsing (1874-1937) ernennt den mehrheitssozialistischen Landtagsabgeordneten Richard Krüger (SPD) zum Bezirkskommissar von Merseburg. Noch am selben Tag telegraphiert er an das Garnisonskommando in Halle, dass Reichswehr, Zeitfreiwillige und Einwohnerwehr verpflichtet sind zur Regierung zu halten. Wer sich weigert ist zu entwaffnen und zu entlassen, fordert. - Krüger schlägt eine forsche Gangart an.

Zeitz. Arbeiter / Bürger versperren am Morgen vor der Gaststätte Zum roten Löwen, Ecke Naumburger Straße - Donaliesstrasse, eine aus der Moritzburg (Zeitz) kommenden Armeestreife den Weg. Das Kommando von Leutnant Kunze wurde nach einem kurzen Geplänkel verhaftet. Der Leutnant soll noch "Zu den Waffen!" gerufen haben, ein Schuss fiel und seine Flucht in ein Hausflur wurde vereitelt. Der Durchbruchversuch mit dem Personenkraftwagen scheiterte. Vom Kommando, 3 Unteroffiziere und 4 Soldaten, wurde nur Leutnant Kunze und sein Begleiter Oberjäger Schulte, als Geiseln festgehalten. Die Waffen des Militärkommandos bringen die Akteure in die Räume des Volksboten und dann in das Gebäude der heutigen Geschwister-Scholl-Schule.

Schnell organisiert sich in der Stadt eine Arbeiterwehr. Sie verfügt über 3 000 bis 4 000 Gewehre, konfisziert auf Gutshöfen und bei Grossbauern, herbeigebracht aus den Waffenverstecken in den umliegenden Orten, Bergisdorf, Breitenbach, Gleina, Golben und anderen. In der Arbeiterwehr übernehmen Walter Gaudes, Richard Kehl und Otto Schuhmann eine wichtige Rolle.

 Gegen 11 Uhr setzt ein heftiger Schusswechsel ein.  zurück Die Arbeiterwehr hatte die Reichswehr auf der Moritzburg umzingelt. Einige ihrer Schützen finden in den oberen Etagen der Mädchenschule eine günstige Schussposition. Bei einem Ausfallversuch verlieren vier Soldaten ihr Leben.

Von einem Schuss getroffen, bricht eine junge Frau in ihrer Wohnung zusammen. (Leopoldt 150)

 



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Albert Bergholz,
geboren am 10. Januar 1892 in Giebichenstein / Halle (Saale), Volksschule, Zigarrenmacher, bis 1919 Zigarrenarbeiter, 1908 Vorsitzender der Arbeiterjugend in Halle, Wanderung durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, 1914-1918 Kriegsteilnehmer, 1912 Teilnahme am Kongress der II. Internationalen in Basel, 1917 Mitglied der USPD, 1922 SPD, 1919 Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats in Leipzig, von Herbst 1919 bis 1933 Redakteur beim Volksbote in Zeitz, 1920 aktiver Teilnehmer am Kampf gegen den Kapp-Putsch in Zeitz, etwa ab 1927 Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Naumburg-Weißenfels-Zeitz.

Wohnanschrift 1947: Zeitz, Wasservorstadt 24.

Albert Bergholz nahm laut Präsenzliste (Protokoll 297) am USPD-Parteitag vom 12. bis 17. Oktober 1920 in Halle teil. Er sagt "Nein" zum Stöcker-Däumig Antrag. Wendet sich gegen die von Moskau diktierten 21. Bedingungen. Dazu gehörte einige Courage, beschimpfte sie doch Grigori Sinowjew noch auf dem Parteitag als "Agenten des Kapitals". Eine Konsequenz seiner Positionierung war, dass er nicht wie viele andere im Dezember 1920 zur KPD übertrat.

Albert Bergholz ist in der 4., 5. und 6. Wahlperiode (1928, 1930, 1933) für den Wahlkreis 11 (Merseburg) Mitglied des Reichstages.

1933 politischer Häftling im Lager Weißenfels und vom August 1933 bis Oktober 1934 im KZ Lichtenburg, Mai 1936 erneut in Haft.

Ab 1. August 1945 Tätigkeit in der Deutschen Zentralverwaltung für Brennstoffindustrie, 1946 Vizepräsident der Deutschen Zentralverwaltung der Brennstoffindustrie in der SBZ, 1950 Vizepräsident der Deutschen Wirtschaftskommission der Deutschen Demokratischen Republik.

Seit 1950 krank, gestorben 1957.

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Gegen 13.00 Uhr kommt es zur Feuereinstellung. Arbeiter- und Rechswehr beginnen Gespräche. Für den Aktionsausschuss verhandelt Albert Bergholz, Redakteur beim Volksboten (Zeitz). Bald erzielen die Kontrahenten folgende Übereinkunft:

1. Um 14 Uhr tritt der Waffenstillstand in Kraft.

2. Die Parteien treten in den Verhandlungen parteipolitisch neutral auf.

3. Das Resultat der Verhandlungen darf niemanden in der Ehre verletzen.

4. Die Verhandlungen müssen im menschenwürdigen Rahmen ablaufen.

5. Hinsichtlich der Ehre gilt keiner als Geschlagen. (Nach Zeitzer 213)

Über die Vereinbarung stimmt die Mannschaft auf der Moritzburg ab und entscheidet sich für die Niederlegung der Waffen. Inzwischen unterrichtet Albert Bergholz in einer öffentlichen Versammlung auf dem Schützenplatz die Bürger über die Abmachungen: Abgabe der Waffen, danach freier Abzug der Truppen und Übergabe der Moritzburg (Zeitz) an die Arbeiterwehr. So kommt es auch, die Arbeiterwehr übernimmt die Moritzburg. Hier finden weitere Verhandlungen zwischen dem Aktionsausschuss und der Reichswehr über die Zerstörung der Waffen und die Freilassung der in Schutzhaft befindlichen Personen statt. Hinzugezogen werden der festgesetzte Leutnant Kunze und der Oberjäger Schulte. Anschließend werden erneut die Bürger auf dem Schützenplatz darüber unterrichtet.

"Der Aktionsausschuss Zeitz befasst sich mit Plänen über weitere bewaffnete Unternehmungen gegen die Kappisten in Halle, Leipzig und anderen Städten. Die Arbeiter legen die Waffen [in Zeitz] nicht aus der Hand. Es wurden Kraftfahrzeuge sichergestellt und Waffen bereitgehalten." (Zeitzer 1959/60, 214)

In den Morgenstunden des nächsten Tages verlässt die Reichswehr ohne Waffen die Moritzburg, um ihren Standort nach Altenburg zu verlegen. 1960 behauptet die Schrift März 1920:

"Der freie Abzug des geschlagenen Truppenteils schuf die Möglichkeit für die Reaktion, diese Soldaten an anderer Stelle wieder gegen die Arbeiterschaft einzusetzen." (Wsf 26f.) Das trifft nicht zu, weil die dortige Einheit auf Seiten der gewählten Regierung steht.

Albert Bergholz war eine politische Lösung des Konflikts wichtiger als ein militärischer Tageserfolg. Der gelernte Zigarrenmacher war kein Hasenherz. Als Versammlungsredner der USPD attackiert er scharf den Einsatz der Reichswehr gegen die Arbeiter. Als Redakteur des Volksboten (Zeitz) erhebt er mutig die Stimme gegen die Naumburger Klassenjustiz. Leben, die will er der Politik nicht opfern! Den Soldaten und Offizieren auf der Moritzburg (Zeitz) begegnet er mit Achtung und Menschlichkeit. Gemeinsam mit dem Verhandlungspartner verhindert Albert Bergholz unter den Arbeitern und Soldaten weitere Tote und Verletzte. Trotzdem erhebt man Jahrzehnte später gegen ihn schwere politische Vorwürfe. 1960 beanstandet das Autorenkollektiv der Abteilung Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung vom Franz-Mehring-Institut an der Karl-Marx Universität Leipzig:

"Der Zeitzer Volksbote und sein Redakteur Bergholz sowie der Geschäftsführer Leopoldt bremsten die Kampfstimmung durch Ermahnung zu Ruhe und Besonnenheit, und auch der Magistrat war bemüht, jeden Zusammenstoß zu vermeiden." (212)

Im Kapitel Rückblick, Abschnitt: Ärger in der Arbeiterbewegung, wird dies weiter erörtert.

Weissenfels.  zurück  Der Naumburger Aktionsausschuss fordert von Weissenfels Unterstützung an. Draufhin bringt eine Gruppe mit 30 Kämpfern ein Maschinengewehr am südöstlichen Stadtrand in Stellung. Ausserdem zirkulieren Gerüchte über eine weitere Verstärkung und Unterstützung aus Hohenmölsen, Osterfeld und Mücheln. Oberbürgermeister, Einwohnerwehr und Kreisrat Max Jüttner fürchten die Kooperation der Arbeiter und ihrer bewaffneten Abteilungen.

Naumburg"Es herrscht Ruhe", stellt Oberbürgermeister Arthur Dietrich am 9. April 1920 in seiner Rückschau fest, "die von der Arbeiterschaft zur Agitation und zur Bewaffnung benutzt wird."

"Das Schiessen auf dem Marktplatze habe eine große Verbitterung hervorgerufen ….", stellt der gemässigte Mehrheitssozialist und Stadtverordnete August Winkler (SPD) als Zeuge im Prozess gegen Theodor Krystek am 3. August 1920 vor dem Schwurgericht in Naumburg fest.

Am Mittwoch (17.3.) und Donnerstag (18.3.) organisieren die Kapp- und Reichswehr-Gegner die Selbstbewaffnung. 30 Jahre später berichtet Eugen Wallbaum (SPD) darüber: "Auf Grund dieser Vorkommnisse beschloss das Aktionskomitee die Bewaffnung der Naumburger Arbeiterschaft, welche in der darauf folgenden Nacht durchgeführt wurde. Die Waffen wurden aus den Dörfern geholt und so die Naumburger Arbeiterschaft kampffähig gemacht. Es wurden Verbindungen zu den Arbeitern von Mücheln, Zeitz und Weißenfels aufgenommen …“

"Planmäßig wurden", ermittelte der Staatsanwalt in Naumburg (9.4.1920),

"die Einwohnerwehren in den Ortschaften

der Umgebung [von Naumburg] entwaffnet und die so erlangten Waffen an die Arbeiter verteilt."

Manchmal kam es bei der Requirierung es zu Auseinandersetzungen. Viele gaben, teilt Fieker im Gefängnisbrief (1920) mit, die Waffen freiwillig und gerne an die Kämpfer ab. Ganz so harmlos wie er das Unterfangen darstellt, war es dann doch nicht, zumindest nicht immer. In Poserna, heute ein Ortsteil von Lützen, elf Kilometer von Weißenfels entfernt, tötet am 18. März der Fabrikarbeiter Paul Maurer aus Taucha während einer solchen Aktion Siegfried Bothe. Nach Adolf Leopoldt (1931,153) hat der "Gutsbesitzer zuerst auf den Arbeiter geschossen". Zuvor soll er viele Gewehre zerschlagen haben, um sie den Arbeitern vorzuenthalten. Davon fühlte sich der Täter, vom Gemeindevorsteher damit beauftragt die Gewehre der Einwohnerwehr einzusammeln, provoziert. Am 7. August 1920 wird Paul Maurer vom Sondergericht Naumburg zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt.

Woher stammten eigentlich die Waffen? "Die Waffen [der Arbeiter] stammen wahrscheinlich im Wesentlichen von den Einwohnerwehren des Landes ...", erteilt Oberbürgermeister Dietrich im April 1920 Auskunft. Die Pointe lautet: Der Kreisrat für die Einwohnerwehren Naumburg Stadt, Naumburg Land und Eckartsberga Max Jüttner rüstete die Stützpunkte der Einwohnerwehr 1919/20 mit Waffen aus, um im Fall der Fälle, die renitenten Arbeiter zur Räson zu bringen. Ohne diese Vorarbeit wären die Kapp- und Reichswehr-Gegner in Kürze der Zeit nicht an die Waffen gelangt.

"Nach meinen Schätzungen", packt Walter Fieker (Naumburg) am 20. März 1920 im Verhör mit Staatsanwalt Hardt aus, "hatte die Naumburger Arbeiterwehr ca. 60 Gewehre und ein Maschinengewehr. Es ist aber möglich, dass die Arbeiterschaft sich weitere Gewehre aus den Entwaffnungen der Einwohnerwehr verschafft hat."  Und das war ganz sicher so.

Der Führer der Militäraktion Bad Kösen (19.3.) Walter Fieker gibt in der Vernehmung durch Staatsanwalt Hardt zu Protokoll, dass die Bewaffnung der Arbeiter auf Geheiss einer Verfügung des Reichswirtschaftsministers Robert Schmidt (1864-1943) vom 18. März erfolgte. Sie war den Naumburgern vom Aktionsausschuss in Halle zugeleitet worden. Nehmen wir an, diese Aussage erfolgt wahrheitsgemäss, dann bleibt immer noch der Fakt, dass die Selbstbewaffnung der Arbeiter bereits am 17. März begann. Folglich kann die Schmidt`sche Verfügung diese Aktion nicht hinreichend erklären. Insofern es diese Verfügung wirklich gab, könnte sie Walter Fieker entlasten, da er erst am 19. März mit Waffen in Aktion tritt.

Die schätzungsweise

200 Kämpfer des Aktionsausschusses

kommen von den umliegenden Orten zurück. Die akquirierten Waffen wurden - steht heute fest - im Goldenen Hahn und Fuchsbau in der Schulstrasse, früher eine Gaststätte, jetzt ein Lebensmittelgeschäft, gelagert.


Johannes Kegel, geboren am 17. Juli 1881 in Jessen (Kreis Schweinitz), Karlstraße 7, Magister, seit 1910 Lehrer am Domgymnasium, Studienrat.

 

Johannes Kegel, Führer der Einwohnerwehr Abteilung I T, informiert darüber den Naumburger Wehrausschuss (Jüttner, Dietrich):

"Am Mittwoch und Donnerstag standen fortgesetzt Gruppen von Menschen vor dem Gasthaus zum Goldenen Hahn, in dem [der] Aktionsausschuss tagte, im Gasthaus herrschte mit ununterbrochenen Gehen und Kommen Hochbetrieb bis spät in die Nacht. Am Donnerstag wurden abends die Kandelaber [Laternen], die, um den Betrieb vor dem Goldenen Hahn beobachten zu können, angezündet waren, von den Arbeitern ausgelöscht, und von der Wenzelspromenade her kamen in einzelnen Gruppen Leute mit Gewehren, die der Führer von I T an sich vorbeigehen liess und auf mindestens 150 Mann schätzte. Die meisten hatten zwei auch drei Gewehre. .... Am Eingang zum Goldenen Hahn standen Ordner, die die Leute mit ihren Waffen in die einzelnen Räume wiesen." (Kegel)

Lehmgrube von der
Richard-Lepsius-Straße (2009)
 
Lehmgrube aus der
Gegenrichtung (2009)

Der Aktionsausschuss verfügt ungefähr über 600 Handfeuerwaffen. Wie die Waffen aber sicher verwahren? In der Lehmgrube am Kalten Hügel? Oder können sie die Kämpfer mit nach Hause nehmen? Darüber kommt es zwischen Paul Heese und Walter Fieker zum Streit. Im Ergebnis ergeht kein klarer und eindeutiger Befehl. (Vgl. Fieker 26.3.1920) Wochen später müssen sich viele Kapp-Gegner vor Gericht wegen unbefugten Waffenbesitzes verantworten. Arbeiter Paul Hohlfeld empfängt am Abend des 18. März, also am Tag vor dem Gefecht mit der Reichswehrbrigade 16 (Landesjägerkorps), sein Gewehr im Goldenen Hahn und nimmt es mit nach Hause. Wegen unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt ihn das Naumburger Landgericht am 15. Juli 1920 zu sechs Monaten Gefängnis. Aus denselben Grund verhängt am 29. Juli 1920 das gleiche Gericht über den Anti-Kapp-Kämpfer Richard Kanzler aus Lengefeld (bei Bad Kösen) vier Monate Gefängnis.

Oberbürgermeister Dietrich und der Aktionsausschuss treten zu weiteren Gesprächen zusammen. Jetzt dominieren die Mehrheitssozialisten (SPD). Dietrichs Aufforderung, sie sollen doch die Institutionen der Stadt schützen, dann würden sie die bestehende Regierung unterstützen, ignoriert, was am Tag zuvor geschehen war. Der blutige Dienstag ramponierte das Vertrauen zum Oberbürgermeister bei den Republikanern, Kapp- und Reichswehr-Gegnern gründlich. Dieser Umstand findet in seinem Bericht an den Herrn Zivilkommissar für den Regierungsbezirk Merseburg vom 9. April 1920 keine Beachtung. Insoweit muss die Lageeinschätzung zum März 1920 von ihm mit Umsicht aufgenommen werden.

 

 

18. März, Donnerstag  zurück

Osterfeld. In dem 15 Kilometer südöstlich von Naumburg gelegenen Städtchen kämpfen mehr als 1 000 Arbeiter gegen die Sipo und Einwohnerwehr. Der Bürgermeister des schätzungsweise 2 000 Einwohner zählenden Ortes steht auf Seiten der Putschisten. Zwei Tage zuvor erhielten die Kappisten 36 Mann Verstärkung von der Sipo aus Weissenfels.

In der Nacht vom 17. zum 18. März eilen Mitglieder der Arbeiterwehren aus Teuchern, Stößen und Droyssig den Kapp-Gegner zur Hilfe. Aus Zeitz machten sich weitere 120 Arbeiter auf den Weg. Unterwegs heben sie in Meineweh ein Waffenversteck aus. (Vgl. Zeitzer 1960, 215) Der Kampf dauerzt fast eine Woche. Es sterben sechs Kapp-Gegner und eine nicht bekannte Anzahl von Militär- und Sipo Angehörigen.

Albert Bergholz (Zeitz), unterstützt von Gewerkschaftssekretär Joseph Windau, setzt erneut sein Verhandlungstalent ein, um einen friedlichen Ausgleich der kämpfenden Parteien zu erreichen. Als das Gerücht aufkommt, Windau sei verhaftet worden, greifen die Arbeiter erneut an. Es entsteht ein heftiger Straßenkampf. Am Nachmittag des 18. März kapituliert die Sipo (Sicherheitspolizei) und Bürgerwehr. Sie wird entwaffnet und nach Zeitz und Teuchern abtransportiert. (Vgl. Leopoldt 151) Am Abend führen die Arbeiter Hausdurchsuchungen durch, wo es erneut zu blutigen Zusammenstössen kommt.

"Der verhaftet Bürgermeister [Jäckel] als Haupturheber des Kampfes wurde auf dem Marktplatz von der erbitterten Menge ergriffen und mit einem Gewehr niedergeschlagen. Auf einem Lastkraftwagen wurde er mit den gefangenen Sicherheitspolizisten nach Zeitz gebracht, wo er unterwegs seinen Verletzungen erlag." (Zeitzer 1960, 215)

Gewerkschaftssekretär Joseph Windau soll, laut Recherchen des Autorenkollektivs der Abteilung Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung vom Franz-Mehring-Institut, Karl-Marx Universität Leipzig (1960, 215), die Kapp-Gegner mit den Worten verabschiedet haben:

"So nun geht nach Hause, legt Euch aufs Sofa und wartet ab, was kommt!"

Naumburg. Es erscheint eine Bekanntmachung des Garnisonskommandos mit der Mitteilung, dass [1.] auf Anordnung der verfassungsmässigen Regierung Generalmajor Hans von Seeckt den Befehl über die Truppen des Reichswehrkommandos I. übernimmt, [2.] Oberpräsident Hörsing zum Reichskommissar und Militäroberbefehlshaber für Sachsen und Sachsen-Anhalt ernannt sei und [3.] die Reichswehrbrigade XVI. (Maercker) jetzt geschlossen (!) zur gewählten Regierung steht. Staatsanwalt Brygalski (Naumburg) verliest dieses Dokument einer Gruppe von Arbeitern, die vor dem Goldenen Hahn versammelt. Darauf soll der Vorsitzende des Aktionsausschusses Leopold Heinrich geantwortet haben, dass sie diese bereits kennen und sie nichts angeht, weil sie ihre Befehle von ihrer [USPD-] Bezirksleitung erhalten.

Der Naumburger Aktionsausschuss ruft zur Bildung eines "fest gefügten Block des Widerstandes" gegen Kapp auf.

 

 

Aufruf des Naumburger
Aktions-Ausschusses
vom 18. März 1920
  zurück

An alle Volksgenossen!
Weiter so! Nur wenige Tage, und die Gegenrevolution der Kapp und Lüttwitz ist zu Boden geschlagen. Ihr wißt, was euch bevorsteht, wenn diese reaktionären Gewaltpolitiker in Deutschland zur Macht gelangen sollten. Blutige Gewaltherrschaft, neue Verwicklungen mit der Entente, Abwälzung aller Kriegslasten auf die Schultern der breiten Masse, bei gesteigerter Ausbeutung weitere Herabsetzung der Lebenshaltung der werktätigen Bevölkerung. Dieses Schicksal vom deutschen Volke abzuwälzen, liegt in eurer Macht, wenn ihr einen fest gefügten Block des Widerstandes bildet.

An alle Volksgenossen aber richten wir die Aufforderung, Ruhe und Besonnenheit zu wahren. Folgt den Anordnungen eurer Führer und denen der Ordner. Tue jeder seine Pflicht.

Arbeiter! Angestellte! Beamte!

Schließt euch eng zusammen, die Palme des Sieges winkt uns, wenn wir unsere ganze Persönlichkeit für das Ideal des uns von aller Knechtschaft befreienden Sozialismus einsetzen.
Durch Kampf zum Sieg!
Nieder mit der Militärdiktatur!
Nieder mit der monarchistischen Reaktion!
Es lebe die soziale Revolution!

Auszug aus
Mitteilungsblatt No. 2. des
Aktions-Ausschusses,
Naumburg a. d. S. - 18. März 1920

 

 

"Am Abend [des 18. März] kehrt die sechzig Mann zählende Radfahrerkompanie des Jägerbataillons von Weimar nach Naumburg zurück. Bis dahin hatte die Besatzung der Garnison nur aus 40 Mann Artillerie mit zwei Geschützen bestanden." (Staatsanwalt) Die verändert das militärische Kräfteverhältnis zwischen Kapp-Gegnern und Reichswehr deutlich zu Ungunsten der ersteren. Trotzdem fällt an diesem Abend im Goldenen Hahn die Entscheidung zur Aufnahme des Kampfes, denn die Kapp-Gegner sind davon überzeugt, dass die konterrevolutionäre Gefahr weiter besteht.

Der Führer der Einwohnerwehr Abteilung I T Johannes Kegel (geboren 1881), Lehrer am Domgymnasium, berichtet: "Am Donnerstag wurden Abends die Kandelaber [Ständer für Kerzen] bis spät in die Nacht, die, um den Betrieb vor den Goldenen Hahn beobachten zu können, angezündet waren, von den Arbeitern ausgelöscht, und von der Wenzelspromenade her kamen in einzelnen Gruppen Leute mit Gewehren, die der Führer von I T [Einwohnerwehr] an sich vorbeigehen liess und auf

mindestens 150 Mann

schätze. Die meisten hatten zwei auch drei Gewehre. In derselben Weise hatten auch Posten vor dem Schwurgericht geschätzt. Am Eingang zum Goldenen Hahn standen Ordner, die die Leute mit ihren Waffen in die einzelnen Räume wiesen. Kurz vor 10 Uhr abends entfernten sich die Leute aus dem Gasthofe,

man hörte die Rufe: also morgen früh."

Die Entscheidung den Kampf aufzunehmen, hat nicht ihren Ursprung in einer irgendeiner Zentrale, sondern fiel wahrscheinlich im Goldenen Hahn. Rechneten sie mit Rückkehr der Truppen aus Weimar? Das ist nicht eindeutig zu beantworten.

 

Bad Kösen.  zurück  Im Februar / März 1919 streikten die Arbeiter, was dem Kösner-Bürgertum missfiel. Als Reaktion darauf konstituierte sich am 7. März 1919 die Einwohnerwehr. Im Aufruf vom 18. August 1919 erläutert sie: "Diese ist gebildet worden, um das Leben und das Eigentum der Bürger gegen Bedrohung, Erpressung, Diebstahl, Raub, und Plünderung zu schützen." (Budde) 76 Bürger schrieben sich sofort als Mitglieder ein. "Das Bezirkskommando in Naumburg wurde angewiesen für die Bewaffnung 120 bis 150 Mann der Bürgerwehr mit Gewehren und 3 leichten MG zu sorgen." Zur Finanzierung erfolgt ein Spendenaufruf an die Bürger. Die USPD verlangt am 18. März, dass die Hälfte der Mitglieder Arbeiter sein sollen. Zahlungskräftige Bürger stellen erhebliche Geldmittel zur Verfügung. (Vgl. Budde) In den Kapp-Tagen übernehmen Hauptmann Kaufmann Siebold und Gustav Unruh, seit 31. Juli 1915 Eigentümer der Burg-Apotheke, die Leitung der Bürgerwehr. Wie in Naumburg, besass sie Waffen und stand auf der Seite von Kapp-Lüttwitz.

Bad Kösen um 1930
(Postkartenausschnitt)
Blick von der "Brücke der Einheit"
über die Saale
in Bad Kösen (2013)

Die Waffen lagen, behauptet Hermann Firchau (1894-1976), "ausschliesslich in den Händen der reaktionären Bürgerwehr". Adolf Schuster aus Almrich streift am 17. und 18. März mit etwa 100 Naumburgern und einigen Bad Kösern über die umliegenden Orte und entwaffnet Bauern. Als die Bürgerwehr von dieser Aktion der USPD-Leute und Spartakisten hörte, mobilisiert sie ihre Mannen zum Schutz der Stadt. Was lag näher, als die Roten bei ihrer Rückkehr am Stadtrand abzufangen. So bezogen etwa 200 Mann (Firchau) am Holzwerk Position. Zum Kampf kommt es nicht. Hermann Firchau erzählt: "An der Stadtgrenze Bad Kösens hatte sich die Bürgerwehr - etwa 200 Mann - hinter den Langholz und Bretterstapeln des Dampf-Sägewerkes ...., festgesetzt. Die bewaffnete Gruppe [von Adolf Schuster] schwärmte aus und kreiste das Dampf-Sägewerk ein", "Die Bürgerwehr wurde restlos entwaffnet, ohne dass dabei ein Schuss fiel. Die Führung der Bürgerwehr lag in den Händen des ehemaligen Hauptmanns Siebold. Er erklärte sich zu Verhandlungen bereit."

Hauptmann Siebold "....gab den restlichen Bürgerwehrgruppen, die sich in Höhe der Eckartsbergaer Strasse bewegten, Anweisung, sich mit Waffen in das Rathaus zu begeben. Der Widerstand einzelner wurde gebrochen, sie wurden nach dem Rathaus geführt. Als die Bürgerwehr vollzählig vor dem Rathaus versammelt war, wurden sie vollkommen eingekesselt. Unter dem Druck der bewaffneten Arbeiter erklärte sich Siebold zu Verhandlungen über die Waffenfrage bereit." (Firchau)

Bei den Verhandlungen im Rathaus sind die Arbeiter Adolf Schuster (Almrich), Hugo Voigt (Bad Kösen), Hermann Firchau (Lengefeld) und Hermann Patze (Bad Kösen) zugegen. Von Seiten der Bürgerwehr nehmen Siebold, Unruh (Apotheker) und noch zwei andere Bürger teil. Mindestens die Hälfte der Bürgerwehr, soll aus USPD-Mitgliedern bestehen, fordern die Arbeiter. In dieser Situation hatte dies kaum Aussicht auf Erfolg. Sie drohen die Versorgung mit Lebensmitteln, Licht und Wasser zu unterbrechen, wenn diese Forderung nicht erfüllt wird. Das stösst bei der Bürgerwehr auf heftige Reaktionen und Adolf Schuster durfte an den weiteren Verhandlungen nicht weiter teilnehmen.

"Die Verhandlungen endeten mit einem Kompromiss," rekapituliert Hermann Firchau (Bad Kösen / Lengefeld), "wonach die Waffen im Rathaus zu hinterlegen waren, und zwar unter ständiger Bewachung je eines Postens der Arbeiter und der Bürgerwehr. Unter den Wachposten der Arbeiter befand sich ein gemeiner Verräter, namens Otto. Er machte mit dem Posten der Bürgerwehr gemeinsame Sache, in dem sie sämtliche Gewehrschlösser entfernten und die Waffen dadurch unbrauchbar machten." 

Albert Bergholz (Zeitz) brandmarkt am 5. Mai 1920 auf der USPD-Versammlung in Naumburg

"die Kösener Vorgänge .... als ein Verrat eines Köseners Schmiedemeisters und als eine grausame Handlung [per]vertierter Noskiden".

Als Hermann Firchau und Hugo Voigt am Vormittag [des 19.3.] Die unbrauchbaren Gewehre entdecken, unterrichten sie sofort ihre Genossen. Umgehend berufen sie in die Gastwirtschaft Zur Tanne eine Versammlung einberufen.  zurück

 

 

19. März, Freitag  zurück

Halle. Oberst Czettritz, Garnisonsältester, warnt unter der Losung "Vergesst in Halle den Streit um alte und neue Regierung!" vor der "drohenden Bolschewistengefahr" und fordert:

"Tretet ein als Zeitfreiwillige.
Erscheint zur Einwohnerwehr!"

Dies heizt die politische Atmosphäre weiter auf, anstatt den demokratischen Dialog aller (!) Kräfte gegen Kapp-Lüttwitz zu fördern.

In der Burgstrasse (Ecke Steiler Berg) finden stundenlange Kämpfe statt.

Blick auf Weißenfels (2012)

Weißenfelszurück  Eine Gruppe von Kapp-Gegnern riegelt die Einfahrtsstrasse aus Richtung Naumburg ab und installiert auf der Brücke über der Eisenbahnlinie Naumburg-Weissenfels ein Maschinengewehr. Eine andere Gruppe beschlagnahmt die Ladung von einem Brottransport.

Drei Wochen später erläutert Oberbürgermeister Dietrich (Naumburg) noch einmal das Geschehene: "Ein städtisches Auto, das beauftragt war, Brot in Weißenfels für die hiesige Batterie [in Naumburg] abzuholen, wird dort angehalten. Das Brot wird vom Aktionsausschuss beschlagnahmt, der Chauffeur wird unter Androhung des Erschießens gezwungen, 30 bewaffnete Weißenfelser mit 12 Maschinengewehren nach Naumburg mitzunehmen, die im Leuschholz, einem benachbarten Hügel im Südosten Naumburgs in Stellung gebracht werden."

In den Abendstunden des 19. März erkämpft die Reichswehr in Naumburg die Handlungshoheit zurück. Drei Tage später vereinbaren Stadtverwaltung und Reichswehr, dass die Brottransporte für die Garnison sofort wieder einsetzen müssen. Ausserdem sollen die Verantwortlichen für die entwendeten 1 200 Brote Schadensersatz zahlen.

 

Übersicht zu den Ereignissen
am 19. März 1920
in Naumburg (Saale)
Karte - groß

Naumburgzurück  Rote Plakate des Militärbefehlshaber Major Wiesner verkünden in Naumburg den verschärften Ausnahmezustand für die Stadt und Ortschaften im Umkreis von 20 Kilometer, fordern die Abgabe der Waffen bis 20. März 9 Uhr und verbieten Versammlungen unter freien Himmel sowie das Erscheinen des Mitteilungsblattes des Aktionsausschusses. Die Einwohnerwehr soll ihre Waffen in der Jägerkaserne zurückgeben.

Von den Kämpfen in Osterfeld, 16 Kilometer südwestlich von Naumburger gelegen, dringen neue Nachrichten in die Stadt, die die Lage verschärfen könnten. Hier kämpfte die Einwohnerwehr zusammen mit der Sicherheitspolizei im Rathaus lange gegen die mehr 1 000 angreifenden Arbeiter aus Osterfeld, Teuchern und Zeitz. Als sie wegen Munitionsmangel kapitulieren mussten, heisst es, sind sie "erschlagen worden", darunter der 67-jährige Bürgermeister Jäckel.

Mitglieder des Aktionsausschusses wenden sich an die Streikleitung in Weißenfels, Mücheln, Zeitz, Eisenberg und Schkölen um Hilfe (vgl. Wsf 31).

Lehmgrube (Naumburg). 9 Uhr früh. Auf dem Schützenplatz steht ein Trupp bewaffneter Arbeiter zusammen.  zurück  Ihr Anführer ist der Maler Walter Fieker. Als 20-jähriger meldete er sich am 4. August 1914 zum freiwilligen Dienst beim Gardefeldartillerieregiment. Über drei Jahre kämpfte er im Krieg. Bei seiner Rückehr Ein heftete ein Eisernes Kreuz II. Klasse an seiner Brust. Erst vor knapp einem Jahr heiratete er.

Jetzt besprechen sie die Lage und brechen dann nach Bad Kösen auf. Die Entscheidung fiel wahrscheinlich am Tag zuvor im Goldenen Hahn. Schon kurz nach dem Abmarsch geraten sie auf der Jenaer Strasse unter Beschuss.

Ein Mitglied der Gruppe Fieker erzählt:

"Wir waren in der Lehmgrube zirka 40 bis 50 Mann. Da die Lehmgrube kein sicherer Fleck war, verließen wir sie und sind rüber nach der Jenaer Strasse. Dort wurden wir unter Feuer genommen. Wir hatten uns in Gruppen verteilt und wollten das Feuer erwidern. Unser Maschinengewehr hatte Ladehemmung. Das Feuer verstärkte sich. Genosse Fieker gab das Kommando: Ausschwärmen. Wir verteilten uns unter Beschuss auf die Felder. So kamen wir bis an die Holländer Mühle. Verluste hatten wir nicht. Wir sammelten uns am Sperlingsholz.

Wir sind dann über die Windlücke nach dem Gradierwerk von Bad Kösen gelaufen. Dort haben wir uns formiert. Mit dem Gesang der Internationale marschierten wir in Bad Kösen ein. Wir gingen in die Tanne. Das Arbeiterlokal. Dort verweilten wir im Hof und stellten Posten auf ...." (Kurt Dittmar)

In der Vernehmung vom 20. März 1920 durch Staatsanwalt Hardt (Naumburg) gibt Walter Fieker folgende Darstellung:

"Während wir noch damit beschäftigt waren den jüngeren unerfahrenen Leute, die Waffen abzunehmen, ertönte der Ruf: Wir werden umzingelt. Da stürmten ca. 20-25 Mann fort und legten sich in Deckung." Paul Heese war dabei und sagte:

Wir lassen uns nicht in die Flucht schlagen. Entweder verteidigen wir uns, oder wir schlagen die Waffen kaputt."

"Jetzt kam ein unbekannter Bote aus der Arbeitermasse", erzählt Fieker weiter, "die sich beim Seminar angesammelt hatte und sagte: Seht euch vor, am Seminar stehen Maschinengewehre. Die Leute setzten sich in Bewegung, Richtung Schrebergärten und bildeten Schützenketten und das Gefecht begann. Die ersten Schüsse fielen von der Brauerei und vom [Lehrer-] Seminar her."

Walter Fieker beendet das Meeting in der Lehmgrube mit dem Hinweis: Wer nicht mitgehen will, lässt sein Waffen stehen und kann nach Hause.

Vierzig bis fünfzig bewaffnete Männern marschieren dann vom Schützenplatz zur Holländer Mühle. Von dort in Richtung Flemmingen, und weiter über den Knabenberg zur Windlücke zwischen Schulpforta und Bad Kösen (Daten, Karte).  zurück  Unterwegs streifen sie das Gebiet um den Bismarck-Turm. Laut einer offiziellen Meldung findet hier der Obersekundaner Fricke aus Schulpforta durch eine Spartakistenpatrouille den Tod. Die Reichswehr verhaftet Walter Fieker noch am 19. März und verbringt ihn in das Gefängnis nach Naumburg, wo er verhört wird. In den erhaltenen Protokollen kann man vom Fall Fricke nichts lesen. Offenbar hat die Gruppe damit nichts zu tun.

Jahrzehnte später kritisieren Kampfgenossen das Unternehmen der Gruppe Fieker, weil es zu einer Zersplitterung der Kräfte führte. Denn zum Zeitpunkt Abmarsches beginnen in Naumburg die Kämpfe zwischen den Kapp-Gegnern und der Reichswehr nebst Einwohnerwehr. Die Reichswehr erwartet aus Weimar Verstärkung. Auf ihren Weg nach Naumburg muss sie die Brücke in Bad Kösen passieren. Entlang der Strasse von Bad Kösen nach Naumburg erheben sich auf beiden Seiten Höhenzüge, die im Fall der Fälle geschickt zur Verteidigung oder zum Angriff gegen die Reichswehr und Zeitfreiwilligen genutzt werden könnten. Eben hier auf dem Knabenberg, ein bewaldeter Höhenrücken auf der rechten Saaleseite über Schulpforta und Almrich, begegnet die Gruppe Fieker auf unbewaffnete Arbeiter aus Bad Kösen. In der Nähe der Kukulauer Straße operiert eine weitere Gruppe. Teile von ihnen ziehen weiter in die Tanne nach Bad Kösen.

 

Merseburg / Naumburg. Etwa 200 Meter vom Goldenen Hahn entfernt liegt das Gefängnis. Normalerweise sind dort etwa 239 Personen inhaftiert. Zur Zeit der Märzunruhen sind es 550 und am 30. Juli 1921 noch 300 Personen. Immer wieder versuchen Kapp-Gegner in Abstimmung mit den Aktionsausschüssen in Naumburg und Zeitz, die Freilassung der Politischen zu erreichen. Einige Desperados, so lässt sich vermuten, hatten wahrscheinlich noch weitergehende Pläne. Jedenfalls spitzt sich Sicherheitslage um das Gefängnis zu.

Gegen 11 Uhr vormittags ruft der Regierungspräsident Wolf von Gersdorff (1867-1949) den Ersten Staatsanwalt in Naumburg an und informiert ihn darüber, dass bei ihm in Merseburg eben eine Arbeiterdeputation aus Zeitz vorgesprochen hat, die ihn um die sofortige Freilassung der Politischen aus dem Gefängnis in Naumburg ersucht haben. Es handelt sich dabei um Untersuchungshäftlinge, die mit den Unruhen im März 1919 in Zeitz verhaftet wurden. Gersdorff unterstützt das Verlangen der Deputation, verweist sie aber an den zuständigen Staatsanwalt. Die vier Zeitzer Abgeordneten begeben sich nach Naumburg. In den Verhandlungen mit dem Staatsanwalt drohen sie mit dem Einsatz von Minenwerfern und Artillerie. "Mehrere tausend Mann" stehen zum Sturm bereit. Wenn die betreffenden Gefangenen freigelassen werden, dann halten sie die im Anmarsch befindlichen Truppen vom Angriff ab, erklären sie. Trotzdem gibt der Erste Staatsanwalt die Untersuchungshäftlinge nicht heraus. "Ich bemerkte", sagt er knapp vier Wochen später, "dass der Zweck dieses Angriffs zweifellos nicht nur die Befreiung der Zeitzer Gefangenen sei, sondern vielmehr die Einnahme der Stadt Naumburg für die in Mitteldeutschland zu begründente [Zitat] Räterepublik. Die Aufrichtung der Diktatur des Proletariats war bereits in der Nr. 63 des Zeitzer Volksboten vom 15. März 1920 proklamiert gleichzeitig mit dem Generalstreik."

 

Naumburg. ".... morgens gegen 9 Uhr gingen Leute [Kämpfer des Aktionsausschusses] einzeln und in Gruppen die Kamburger Strasse hinauf, mit und ohne Waffen", beobachtet der Kommandeur der Einwohnerwehr Johannes Kegel. "3 - 4 Maschinengewehre wurden im goldenen Hahn getragen. Kurz darauf schwärmten bewaffnete Arbeiter von der Kamburger Strasse aus in Richtung Sperlingshols [Sperlingsholz]. Dort wurde darauf das Feuer eröffnet."

".... um 10 Uhr begann das Gefecht zwischen den bewaffneten Arbeitern und den durch Einwohnerwehren verstärkten Reichswehrtruppen in den Strassen Naumburgs, unweit des Schwurgerichtsgebäudes." (Staatsanwalt 14.4.1920)

"In den Strassen sieht man allenorts bewaffnete Arbeiter laufen", registriert Oberbürgermeister Arthur Dietrich. "Es sammeln sich grosse Banden [die Kämpfer des Aktionsausschusses] im sogenannten Birkenwäldchen, in der Kiesgrube, im Süden und Südwesten der Stadt, ausserdem in der Nähe des Goldenen Hahn, den Sitz des Aktionsausschusses (Waffenlager) und in den umliegenden Strassen. Zwei Jägerpatrouillen von je 15 Mann durchstreifen die Stadt und werden von bewaffneten Arbeitern angegriffen."

Blick von der Moritzwiese zum Oberlandesgericht (2010)

"Als ich um 10 Uhr auf dem Wege zum Schwurgerichtsgebäude von dem Vorplatze in die zum Gefängnis führende Seitenstraase einbog, fiel vom Goldenen Hahn her ein Schuss. Das Pfeiffen der Kugel habe ich gehört", vergisst der Staatsanwalt nicht anzumerken. "Ebenso fiel ein Schuss, als sich etwa zu selben Zeit zwei in Uniformen befindliche Gefangenenaufseher an dieser Stelle befanden." Ausserdem ist auf "die Mannschaft eines auf dem Dach des Gefängnisses postierten Maschinengewehres" geschossen worden, so dass sie das Dach verlassen musste." (Staatsanwalt)

In der zehnten Stunden dringen Schüsse von der Lehmgrube (Schützenplatz) in die Stadt.

".... aus vielen Wohnungen und allerlei Verstecken wurden Gewehre ans Licht gebracht". (Gegenrevolution)

Neuengüter (2010)

Um die Mittagszeit verläuft die Kampflinie vom Georgenberg - Dom - Oberlandesgericht - Moritzwiesen - Neuengüter - Michaelisstrasse - Seminargebäude - Kalter Hügel bis zur Lehmgrube.

"Bewaffnete Arbeiter lagen vor dem Oberlandesgericht über den Domplatz, die Neuen Güter bis zur Michaelisstrasse und Eckhardtstrasse, dort wurde eine Jägerpatrouille bedrängt, die sich schliesslich in ein Haus zurückzog. In der Michaelisstrasse wurden halbwüchsige Burschen festgestellt, die auf der Strasse lagen und schossen. Die Munition wurde ihnen von Frauen und Männern von den Häusern zugeworfen. Zwei Zeitfreiwillige von einer Abteilung, die den Jägern zu Hilfe geschickt war, waren erschossen." (Kegel)

Blick vom Nordturm des Doms (2010) in Richtung Gefechtsfeld Oberlandesgericht - Moritzwiesen am 19. März 1920

Die Kämpfer des Aktionsausschusses greifen aus Richtung Moritzwiesen, Neuengüter und Steinweg an. Am Oberlandesgericht positioniert die Reichswehr Geschütze und Maschinengewehre.

"Es entsteht ein Gefecht," notiert Oberbürgermeister Dietrich in seinen Aufzeichnungen, "in das der Stosstrupp der Einwohnerwehr und schließlich sogar die Batterie mit dem Geschütz eingreifen muss, weil die gegnerische Partei ausserordentlich stark ist."

Der Erste Staatsanwalt begibt sich nach dem Anruf von Regierungspräsident Gersdorff zum Oberlandesgericht, um mit dem Kommandeur der Einwohnerwehr über die Möglichkeit der Verteidigung des Gefängnisses Rücksprache zu nehmen. Er traf Max Jüttner

"im lebhaften Feuergefecht bei der Artillerie
am Oberlandesgericht".

Seminargebäude
(vielleicht um 1920)

"Das beiderseitige Feuer durchschnitt in kurzen Pausen die Luft," kommentiert das Naumburger Tageblatt am 24. März im Stil der Kriegsberichterstattung, "schwoll mitunter zu grosser Heftigkeit an und wurde dann wieder schwächer."

Stundenlang dauert der Kampf um den Platz vor der Seminarstrasse. Die Kinder der Schule im Seminargebäude suchen im Keller Schutz. Hin und her tobt das Gefecht. Ein Geschoss durchschlägt die Decke der Schule.

 

Karl Reinhold organisiert aus Freyburg (Karte) Verstärkung.  zurück  In der Stadt an der Unstrut hörte man längst von den Vorgängen im sechs Kilometer entfernten Naumburg. Auf dem Markt sammeln sich Arbeiter und einige Einwohner aus der Umgebung. Sie bilden eine kleine Rote Armee. Der Handarbeiter stellt sich an ihre Spitze. Die Menge fordert von der Einwohnerwehr die Waffen. Freiwillige requirieren das Lastauto eines Kohlenhändlers. Um die Mittagszeit fahren sie damit kampfentschlossen nach Naumburg. Reinhold folgt ihnen mit dem Fahrrad. Unversehens fällt er der Reichswehr in die Arme, die ihn gefangen nimmt. In der Kaserne wird er verhört und misshandelt. Man erkennt in ihm einen bolschewistischen Hetzer. Er ist dreißig Jahre alt, verheiratet und Vater eines Kindes. Der aus der Nazizeit unrühmlich bekannte Kriminalsekretär Paul Scholz (Naumburg) weiß noch mehr, weiß es ganz genau:

"Reinhold war in russischer Gefangenschaft (Ueberläufer) und soll dort der Roten Armee angehört haben." "Mein Vertrauensmann nimmt mit Bestimmtheit an, daß Reinhold russischer Agent ist und Geld von Russland zu bolschewistischen Propagandazwecken erhält." (Reinhold)

Bei seiner Festnahme soll der Mann aus der Neustraße 57 viel Geld mit sich geführt haben. Die Polizei sieht in ihm einen Rädelsführer der aufrührerischen Arbeiterschaft Naumburgs. Im Mai 1920 gibt Paul Scholz seine neuen Erkenntnisse über den Schachtarbeiter aus der Grube Rossbach preis:

"Reinhold äußerte sich in einem hiesigen Zigarrengeschäft, daß es bald wieder losgehen werde. Diesmal solle Naumburg a. S. in Grund und Boden geschossen werden; sie seien jetzt schlauer geworden und Geld sei auch genug vorhanden.

Der Feldwebel, der ihn [Reinhold] in der Kaserne misshandelt habe, (ein gewisser Karl Höser) solle mit noch zwei Hauptleuten zuerst um die Ecke gebracht werden." (Reinhold)

Das Schwurgericht Naumburg verurteilt am 29. Juli 1920 Karl Reinhold wegen Landfriedensbruch zu fünf Jahren Gefängnis und drei Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Im September 1920 befreit ihn die Amnestie.

 

Ehemals Ecke Eckhardt-Pforta-Straße. Karte Stand: 1937

An der Ecke Eckhardt-Straße - Pforta-Straße kommt es zwischen der Einwohnerwehr und dem Aktionsausschuss zum Schusswechsel.  zurück  Das stellt das Naumburger Tageblatt 1935 aus Sicht der Bürgerwehr wie folgt dar:

Eine Radfahrerpatrouille von 27 Mann wird an der Eckardtstraße - Pfortastraße - Seminarstraße von den Roten angegriffen. Willibald Knoll erhielt einen Rückenschuss und verstarb. Walter Thieme beobachtete dies vom Garten aus und wurde ebenfalls von den „Roten“ niedergeschossen. Der Führer des Radtrupps Kamerad Forwerk kam ebenfalls ums Leben. Stundenlang tobte der Kampf auf dem Platz. Schließlich war die „Stellung“ nicht zu halten. Rückzug. Gegen 3 Uhr beauftragte Kamerad Bass, die Kämpfer eine neue Stellung einzunehmen. Von Bad Kösen kommend erhielten sie vom „Regiment 32“ Unterstützung.

 

 


Ernst Walter Erich Thieme, 23 Jahre, Katastergehilfe,
Rosengarten 5 - am 19.3.1920 zu Naumburg im Straßenkampf gefallen

Willibald Alexander Knoll, 22 Jahre, Funkerbeamte,
Kösener Str. 11a, geboren in Berlin, verstorben am 19.3.20 in Naumburg, Kösener Str. 2, in der Klinik des Dr. Grüneisen, (Privatklinik) infolge einer Verwundung im Straßenkampf
.

Quelle: Standesamt Naumburg, Sterbebucheintragungen. Frau Susanne Kröner, Leiterin des Stadtarchivs von Naumburg, 10. April 2010



Ernst Walter Erich Thieme und Willibald Alexander Knoll fanden Aufnahme in die Helden-Liste "Unsere Gefallenen" von Franz Seldte (Herausgeber): Der Stahlhelm. Erinnerungen und Bilder. Band 2. Stahlhelm-Verlag GmbH Berlin 1934, ohne Seitenangabe.


 

 

Opfer auf Seiten der Sicherheitskräfte

Erich Fritz Barthold, 23 Jahre, geboren in Goldswitz, Kr. Bitterfeld; wohnhaft in Naumburg, Gefreite der Radfahrer-Kompanie, Jäger-Bataillon, 16. Reichswehrbrigade, Tischler, verstorben beziehungsweise am 19. März 1920 tot in das Garnisons-Lazarett eingeliefert.

Der Kraftfahrer der Kraftfahrer-Kompanie Nr. 116, der Bürogehilfe Ernst Rudolf Alfred Schmidt, 19 Jahre, aus Naumburg; am 19. März 1920 tot in das Garnisonslazarett eingeliefert.

Der Unterwachtmeister der Sicherheitspolizei Provinz Sachsen, Gruppe 1, 4. Hundertschaft, Karl Schmidt, 26 Jahre, geboren in Tilsit, am 21. März 1920 in das Garnisonslazarett tot eingeliefert.

Kesselheizer Hermann Fritzsche, 57 Jahre, wohnhaft: Zeitz, Auestraße 2,
am 24. März 1920 tot am Roonplatz 5 (Anschrift vom Gefängnis) aufgefunden.

Quelle: Frau Susanne Kröner, Leiterin des Stadtarchivs von Naumburg. Standesamt Naumburg, Sterbebucheintragungen, 10. April 2010


 

Denkmal (1935)

Aus Anlass des 15. Jahrestages der Wiederkehr des Kapp-Putsches errichtet die Stadtverwaltung im März 1935 am Ende der Eupener Straße (Seminarstraße) zu Ehren von Willibald Knoll und Walter Thieme ein Denkmal.

Die Streikenden waren, was das Naumburger Tageblatt vom 14. März verschweigt, einem Aufruf der Regierung zur Verteidigung der Demokratie gefolgt. Außerdem zählt die Zeitung nur zwei Tote, Thieme und Knoll. In Wirklichkeit kamen viel mehr Bürger ums Leben. Batterie und Radfahrpatrouille beklagen laut Arthur Dietrich (9.4.1920) zwei Tote und vier bis sechs Verletzte.

 

Blick aus Richtung Domplatz zum Oberlandesgericht (2011)

Um die Mittagszeit kommt Otto Hug vom Michaelistor herüber zum Domplatz. Unterwegs wechselt er mit den Truppen der Reichswehr am Oberlandesgericht Schüsse und bezieht dann zusammen mit anderen Kämpfern an der Ecke Neuer Steinweg / Domplatz Stellung. zurück Von hier kann er das Haus 20 auf dem Domplatz einsehen. Aus diesem, dem Schneiderschen Haus, birgt die Weißenfelser Schutzpolizei im Jahr 1930 große Mengen an Waffen. Wieder ein paar Jahre später richtet hier Friedrich Muck Lamberty seine Werkstatt ein.

Auf der Linie Ecke Neuer Steinweg - Domplatz - Oberlandesgericht fliegen die Kugeln hin und her. Hier bezieht Otto Hug seine Kampfposition. Er wolle den Kapp-Putsch abwehren, verteidigt er sich später vor dem Geschworenengericht in Naumburg.

Die Marienkirche verdeckt die Längsseite des Hauses Domplatz 20. Doch die Giebelseite kann man von der Ecke Neuer Steinweg-Domplatz einsehen. Hier - im so genannten Schneiderschen Haus - liegt im zweiten Stockwerk das Arbeitszimmer des Kunstmalers Fritz Amann (1878-1969). Seine Frau, die mit ihm hinter dem Fenster steht, ereilt eine tödliche Kugel. Hug gibt zu, auf das Haus geschossen zu haben, aber nicht auf das Fenster, hinter dem das Ehepaar Amann stand. Das nicht! Auf keinen Fall! Er würde, sagt er, nie auf Unbewaffnete schiessen. Aber das hörte man schon mal anders. Am Tag nach seiner Verhaftung, dem 24. März, soll er den Schuss in Richtung Fenster zugegeben haben.

Jedenfalls waren am Tatort mehrere Kämpfer um ihn. Als das Unfassbare geschieht, stehen dort angeblich nur noch zwei. Einer davon ist Hug. Trotzdem bleibt er vor Gericht dabei: Er schiesst nicht auf unbewaffnete Menschen. Aber die Geschworenen halten ihn aufgrund der Indizien des versuchten Mordes in Tateinheit mit Landfriedensbruch und unerlaubtem Waffenbesitz für schuldig. Fünf Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, lautet das Urteil am 5. August 1920 für den Zwanzigjährigen.

Kunstmaler Fritz Amann lebte noch bis 1969 in Naumburg.

 

 

Fritz Amann wurde am 11. November 1878 in Gera-Untermhaus geboren und verstarb am 25. Mai 1969 in Naumburg/Saale. Nach einer Kaufmannslehre absolvierte er ein Studium an der Großherzoglichen Kunsthochschule in Weimar. Danach arbeitete er in Düsseldorf, München, Detmold und Dresden. 1906 ließ er sich in Naumburg/Saale nieder. Hier wurde er bald zum malenden Chronisten. Er schuf Porträts und Genrebilder aus dem städtischen
und ländlichen Milieu, aber auch Plakate, Illustrationen und Werbegrafik. Besonders in der Pastelltechnik gelangen ihm feinfühlige Darstellungen, die auch heute noch zu überzeugen wissen. (Nach www.mv-naumburg.de)

Helene Amann, geborene Sommerlatte, 43 Jahre, wohnhaft: Naumburg, Domplatz 20, verstorben am 19.3.1920 in ihrer Wohnung.

Standesamt Naumburg, Sterbebucheintragungen. Frau Susanne Kröner, Leiterin des Stadtarchivs von Naumburg (Saale). 10. April 2010

 

 

 

Bad Kösen. "Eine stark bewaffnete Kampfgruppe von Arbeitern, die von Naumburg abgedrängt war und sich in der Nähe der Cucuclauerstrasse [Kukulauer Strasse-] im Walde befand, wurde zur Unterstützung der Bad Kösener Arbeiter von dem Genossen Firchau zu der Versammlung [in der Tanne] hinzugezogen." (Firchau 1918-1945) Bei der abgedrängten Gruppe handelt es sich um Fieker und seine Mannen, die sich morgens in der Lehmgrube am Rande von Naumburg getroffen hatten (siehe oben).

Gasthaus zur Tanne
in Bad Kösen um 1930

"Die reaktionären Kräfte in Bad Kösen, die Telefon und Post beherrschten, hatten nichts Eiligeres zu tun, als 3 Kompanien der sogenannten schwarzen Reichswehr herbeizurufen."  zurück  Im Kern stimmt dies mit Informationen aus einer anderen Darstellung überein, die feststellt: Einwohner machten die Truppe (Reichswehr) auf die Arbeiterversammlung in der Tanne aufmerksam, worauf nun der gesamte Bereich unter Feuer genommen wurde. (Vgl. Budde) Die da aufmerksam machten, ".... bestanden", nach Gottfried Kormann (1954, 55), "vorwiegend aus Grossbauern der umliegenden Gemeinden wie Gernstedt, Hassenhausen, Eckhartsberga und anderer Ortschaften in Richtung Weimar. Nicht alle Grossbauern dieser Gegend waren entwaffnet."

Einige Kämpfer der Arbeiterwehr besetzen die Brücke über die Saale, beziehen am Gradierwerk und Bahnhof Stellung.

Gegen 2 Uhr nachmittags trifft die Reichswehr mit schätzungsweise 300 Mann aus Weimar über die Eckartsbergaer Strasse im Stadtgebiet von Bad Kösen ein.

Ein Vorkommando von Offizieren fährt im Kraftfahrzeug den Berg herab. Als die Reichswehr von Weimar schon im Anzug war, wurde ein Kraftwagen mit Offizieren, der von Schulpforta kommend den Truppen entgegenfuhr, an der Kösener Brücke beschossen.  zurück  Einem Zweiten soll es nicht anders ergangen sein.

 

Brücke der Einheit über die Saale in Bad Kösen (2013)

Diesen Augenblick hält Franz Possögel 1962 so fest: "Mein Genosse Reinhardt wurde, als er sich mit fünf anderen Naumburger Arbeitern auf der Brücke in Bad Kösen befand, von den Noske-Truppen erschlagen, obwohl keiner von ihnen Waffen trug."

Hermann Reinhardt
(1894-1920)

Glaubte das Fünf-Mann-Kommando auf der Brücke wirklich, die Reichswehr [nach Gottfried Kormann drei Kompanien Schwarze Reichswehr?] aus Weimar aufhalten zu können? Wie sah der militärische Plan aus? Gab es ihn überhaupt? - Fieker erzählt dem Staatsanwalt Hardt in Naumburg später, er sei wegen Streikgelder nach Bad Kösen gegangen. 30 bis 40 Männer holen oder bringen, wie auch immer, am 19. März Streikgelder?

Von der Brücke, vom Gradierwerk und von der Tanne her trafen die Reichswehr Schüsse. Deshalb zog die Reichswehr aus Weimar "unter Sicherung mit einer Vorhut in Kösen ein und schickten eine Patrouille über den Jochenberg vor nach dem Gasthaus zu Tanne". "Die erbitterten Soldaten gingen nun unerbittlich vor." (Naumburger Tageblatt, 20. März 1920)

Die Landjäger ziehen mit Maschinengewehren zum Kohlenplatz am Bahnhof, Gradierwerk und an der Tanne. Minenwerfer kommen zum Einsatz. Schlachtgetöse legt sich über die Stadt.

Handskizze zur militärischen Lageentwicklung in Bad Kösen am 19. März 1920 - Vollbild

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Auf dem Galgenberg unweit von Pforta liegen bewaffnete Unabhängige auf der Lauer. Ein Fakt, der nun wieder darauf schließen lässt, dass die Arbeiterwehr doch einen militärischen Plan hatte. Vielleicht wollte sie die Höhen entlang der Saale zwischen Bad Kösen und Naumburg besetzen, um den Marsch der Reichswehr aufzuhalten und die Kameraden in Naumburg zu entlasten? Dagegen spricht wieder, dass sich die Gruppe Fieker in die Tanne begibt, die im Stadtgebiet von Bad Kösen unterhalb der Einfallstrasse aus Richtung Weimar liegt. Und dies war ein äusserst ungünstiger Ort sowohl für einen Angriff wie für die Verteidigung.

Aber wahrscheinlich ahnte die Gruppe Fieker von dem bevorstehenden Eintreffen der Reichswehr aus Weimar in Bad Kösen nichts. Sie hatte möglicherweise nur die Konfrontation der Arbeiter mit der Kösener Einwohnerwehr im Auge ....

 

Es muss nach 2 Uhr nachmittags gewesen sein, als das Gefecht (in Bad Kösen) um die Tanne begann.  zurück

"10 Minuten vor dem Überfall", rekonstruiert Hermann Firchau viele Jahre die Lage, "bekamen wir die Meldung von einem Telegraphenarbeiter, das 3 Kompanien schwer bewaffnet sich in Anmarsch nach Bad Kösen befanden." Er erhält den Auftrag festzustellen, welche Maßnahmen die 3 Kompanien planen, gerät aber am Kurgarten als erster in Gefangenschaft. In dem Wirrwarr gelingt ihm aber die Flucht.

Blick in Richtung zur Tanne (2007). Das Gebäude wurde bereits abgerissen.

Vom Bahnhof schiesst die Reichswehr auf die Tanne. Sie soll dabei ihre eigenen Gruppen als Arbeiterwehr verkannt haben. Es "....krachten Minen, Handgranaten und knatterten Maschinengewehre. Das war der Beginn des Überfalls. Der Überfall kam so überraschend, dass die Naumburger Kampfgruppe nicht mehr in der Lage war, die Gewehre, die in der Kolonnade vor dem Saal abgestellt waren, zu erreichen, dadurch waren die Arbeiter wehrlos den Angreifern ausgesetzt.

Der Genosse Paul Morchner von Freiroda hatte als Einzelner vorn am Stadteingang die Aufgabe die Gewehre zu sichern. Verteidigte sich mutig bis zur letzten Patrone und wurde nachdem von rasenden Angreifern mit dem Gewehrkolben erschlagen." (Firchau 1919-1945; Kormann 1954)

 

  
     
  

 

Das Grab von Paul Morchner am 24. Oktober 2011
auf dem Friedhof von Crölpa-Löbschütz.

 

 

Einen Tag nach dem Gefecht schildert Walter Fieker die Konfrontation mit der Reichswehr gegenüber Staatsanwalt Hardt (20.3.) so: "Als wir in der Tanne sassen, eröffneten die Landesjäger einen plötzlichen Angriff. Die meisten Arbeiter stürmten mit Waffen heraus. Es entwickelte sich ein Kampf. Ich liess den Revolver auf dem Tisch liegen, legte mich in Deckung hinter den Bahndamm und habe dann das Feuer durch ein weißes Tuch zum Schweigen gebracht."

"Waffen habe ich bei meiner Festnahme nicht gehabt. Wer Waffen hatte, wurde sofort erschossen", gibt er weiter zu Protokoll. Am 23. März wird gegen ihn wegen Paragraf 125 (Landfriedensbruch) ein Haftbefehl erlassen.

Blick in Richtung zur Tanne (2007) mit Gedenktafel
Gedenktafel (2007)

 

Die
13 klassenbewussten
Arbeiter
waren:

Paul Morchner

Felix Hertel

Hermann Reinhardt

Franz Neubert

Paul Heese

Franz Jahr

Otto Hering

Karl Albrecht

Adolf Jahr

Karl Schmidt

August Mieske

Eduard Kryge

Walter Klahr

 

"… ein 16 jähriger Junge aus Bad Kösen [wahrscheinlich Paul Felix Hertel], der nichts mit den Kämpfe[n] zu tun hatte, wurde von einem Feldwebel mit der Pistole erschossen. "Dieser Feldwebel", behauptet Eugen Wallbaum um 1950, "soll nach Angaben des Genossen Burkhardt und Ronneburg der Kohlehändler Eickmann sein."

Für Herrn Schütze (Naumburg), der beim Gefecht um die Tanne dabei war, ist 1960 noch immer präsent: Die "Noskiten" drangen in das Lokal ein. "Es ist nicht zu schildern, wie sie hier hausten. Obwohl sich die Arbeiter nicht im Besitz der Gewehre befanden, diese hatten sie in der Kolonnade abgestellt, schoss, hieb und stach die einheimische Soldateska auf die Wehrlosen ein, das sie bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurden. Dreizehn Tote blieben am Tatort." (Wsf 33)

Hugo Wolf bewahrte im Gedächtnis: "Die zum Teil betrunkenen Noskiten stürzten sich auf uns. Wer bei diesem Massaker nicht sofort getötet wurde, wurde geschlagen und nach Waffen durchsucht. Neben mir stand ein junger Arbeiter. Man fand bei ihm Patronen. In der Jackentasche. Sofort wurde er an die Wand gestellt und mit der Pistole erschossen." (Wsf 34)

"Eines wundert mich," rätselt am 7. April 1920 das SPD-Mitglied August Huth (Bad Kösen, Saalberg 7), "dass nach Bad Kösen noch niemand gekommen ist, um das erbärmliche Morden der Reichswehr zu untersuchen. Ich habe als alter Landwehrmann auf drei Kriegsschauplätzen gekämpft. Aber so ein gemeines, viehisches Gesindel habe ich nicht gesehen."

Zum 21. Juli 1920, 8 Uhr abends lädt das Gewerkschaftskartell zur Großen Protestversammlung gegen das Naumburger Schandurteil über die Märzopfer ein. Hier erzählt Walter Fieker noch eine weitere Geschichte über das Gefecht an der Tanne. Es ging das Gerücht um, dass 4 000 Spartakisten sich auf dem Weg nach Hassenhausen [Karte] zu den dort liegenden Reichswehrtruppen in Bewegung gesetzt haben. So stand es auf einem Telegramm, das damals allgemein bekannt wurde. Die Nachricht erwies sich als falsch und hatte verheerende Folgen. Denn die Reichswehr versetzte die Arbeiter in höchste Anspannung und mobilisierte entsprechende Kräfte. Folglich ist "der Urheber" des Telegramms "als der Schuldige an den gesamten blutigen Vorgängen in Naumburg und Bad Kösen anzusehen". "Es wäre stark zu vermuten, dass er aus dem Rathause oder vielleicht auch in der Kaserne zu suchen sei", beendet Walter Fieker seine Ausführungen.

 

 

Rückkehr der Reichswehrtruppen nach Naumburg  zurück

Um 5 1/2 Uhr nachmittags marschiert laut dem Führer der Bürgerwehrabteilung I T  die (Schwarze?) Reichswehr in die Stadt ein. Durch den Einsatz von Artillerie und schweren Waffen weist sie in den Kampfgebieten Zerstörungen auf. Umgehend stürmt die Reichswehr den Goldenen Hahn, wo die Streikleitung oft tagte und sich die Arbeiter zum Bier trafen. Wahrscheinlich warteten die Kapp-Gegner hier nicht auf ihre Verhaftung und hatten die Waffen wahrscheinlich schon längst abtransportiert und versteckt.

"Infolge des Eingreifens des inzwischen von Weimar zur Hilfe heranmarschierenden Bataillons ziehen sich die Arbeiter zurück, verstecken in Gärten, Lauben und sonstigen Orten ihre Gewehre und erscheinen nach dem Einzug des Bataillons als harmlose Bürger in der Stadt", berichtet Bürgermeister Dietrich am 9. April 1920 an Richard Krüger, Zivilkommissar für den Regierungsbezirk Merseburg. "Die zahlreichen fremden Arbeiter finden bei den hiesigen Arbeitern Unterkunft. .... Ein Reichswehrsoldat ist von einem Zigeuner, der sich den Aufrührern angeschlossen hatte, meuchlings nieder geschossen worden."

Durch den Einmarsch der Reichswehr "entfiel", stellt erleichtert Johannes Kegel fest, "die überaus drohende Gefahr eines Angriffes auf Schwurgericht und Gefängnis sowie der Plünderung der Stadt [, die] für die Nacht zum Sonnabend wohl mit Sicherheit zu erwarten gewesen wäre." - Die Gefahr der Plünderung kann an Hand vorliegender Dokumente nicht verifiziert werden. Hingegen war aber eine Befreiung der politischen Häftlinge aus dem Gefängnis schon angedacht und immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Gegen 11 Uhr vormittags erschienen beim Ersten Staatsanwalt von Naumburg eine Zeitzer Arbeiterdelegation und forderte die Freilassung der Gefangenen, die seit März 1919 wegen der Unruhen in Zeitz in Untersuchungshaft einsassen. Der Erste Staatsanwalt lehnt das kompromisslos ab.

Wohl deshalb, also in Ansehung der Gesamtlage, befürchteten die Abteilungsführer der Einwohnerwehren, "dass sie ohne Sukkurs [Hilfe, Beistand] ihre Posten gegen einen Angriff nur bis Morgen 20. März 1920 halten könnten."

Der Kampf in Naumburg ist beendet.

"Die Batterie und die Radfahrerpatrouille haben zwei Tote und wohl 4-6 Verwundete, die Einwohnerwehr hat zwei Tote und sechs Verwundete." (Dietrich 9.4.1920)

"Am 19. März sind Teile der Brigade in Naumburg eingerückt", meldet das Nachrichten-Blatt der Reichswehrbrigade XVI am 22. März, "um die in den Vortagen gestörte Ordnung und Sicherheit wieder herzustellen. Die Truppen halten treu zur Regierung Ebert-Bauer. Es besteht gute Aussicht für Wiederaufnahme der Arbeit. Die Sperrzeit ist von 9 Uhr abends bis 5 Uhr festgesetzt. Zahlreiche Zweitfreiwillige strömen der Reichswehrbrigade XVI. zu."

 

 

Im Widerstand gegen den Kapp-Putsch verloren ihr Leben   zurück

 


Richard Paul Morchner*

 


28 Jahre, Arbeiter, Löbschütz

19.3.1920 Bad Kösen vor dem Hausgrundstück Gerstenbergpromenade 9


"Er schoss bis die letzte Patrone aus dem Lauf jagte. Dann stürzten sich die rasenden Angreifer auf ihn. Blutend brach er unter den Kolbenschlägen zusammen." **


Paul Felix Hertel*

 


16 Jahre, Schlosser, Bad Kösen

19.3.1920, Bad Kösen, Gerstenbergpromenade 5


"in der Gaststube drangen drei Reichswehrleute ein. Hier hatte der siebzehn Jahre alte Felix Hertel Schutz gesucht. Einer der Henker brüllte: Hände hoch! Felix sprang hinter das Büfett und hob die Arme. Das peitschte eine Kugel durch den Raum. Getroffen sank der zarte Körper zusammen." **


Hermann Walter Reinhardt*

10.2.1894-
19.3.1920


26 Jahre, Schlosser, Naumburg, Neustraße 54

 

19. März 1920, Bad Kösen, Gerstenbergpromenade 9


"Reinhardt erhielt 2 Brustschüsse im Kampfe und war sofort tot." *


Karl Traugott
Franz Neubert*

22.7.1900-
19.3.1920


19 Jahre,
Schlosser, Windmühlenstraße 6a,

19.3.1920 - Bad Kösen vor dem Kurmittelhaus, Hindenburgpark 1


"Neubert alias Seeberger erhielt im Kampfe einen Bauchschuss und war sofort tot." *


Otto
Paul Heese*

13.3.1881-
19.3.1920


39 Jahre, Buchhändler, Naumburg,
Michaelisstraße 82

Krankenhaus Bad Kösen, Burgstraße 14 am 20.3.1920


"Heese erhielt im Kampfe einen Kopfschuss, an dessen Folgen er im Krankenhaus Bad Kösen verstarb." *



Oskar Franz Jahr*

28.8.1901-
19.3.1920


18 Jahre, Arbeiter, Naumburg, Moritzstraße 48

19.3.1920 in Bad Kösen, Krankenhaus, Burgstraße 14


"Franz Jahr erhielt im Kampfe einen Bauchschuss und war sofort tot." *


Franz
Otto
Hering*

 


22 Jahre, Arbeiter, Bad Kösen, Burgstraße 1

19.3.1920 in Bad Kösen, Gerstenbergpromenade 5


"Der Schlosser Otto Hering aus Bad Kösen, sechsundzwanzig Jahre, sechsundzwanzig Jahre alt, verblutet durch einen Gewehrschuss in die Brust." **


Friedrich Karl Albrecht*

11.1.1900-
19.3.1920


20 Jahre, Zimmermann, Naumburg, Weißenfelser Straße 59

19.3.1920, Bad Kösen,
Gerstenbergpromenade 5


"Albrecht erhielt im Kampfe 4 Brustschüsse und war sofort tot." *


Walter Klahr


"Der Tischler Walter Klahr zählte zwanzig Jahre. Er gehörte zu der Naumburger Gruppe, die es nach Bad Kösen verschlagen hatte. Als der Überfall begann, stürzte er aus Versammlungslokal. Auf der Strasse verfolgte ihn die Reichswehr und schoss auf ihn. Lebensgefährlich verletzten sie Walter Klahr am Hals, so dass er nach dreizehn qualvollen Tagen im Krankenhaus verstarb." **



Gustav Adolf Jahr*

20.11.1903- 19.3.1920


16 Jahre, Kammmacher, Naumburg, Moritzstraße 48

19.3.1920, Bad Kösen, Gerstenbergpromenade 5


"Jahr erhielt im Kampfe einen Schädeldurchschuss und war sofort tot." *

 

Eduard Kryge*

bis 19.3.1920


21 Jahre, Arbeiter, Naumburg, Neuengüter 16 [Herberge Neue Heimat], geb. zu "Warschau zu Russland"

19.3.1920 in Bad Kösen, Krankenhaus, Burgstraße 14


" … ein Landarbeiter von einundzwanzig Jahre, der sich auf der Wanderschaft befand … Er wurde an Kopf und Rücken tödlich getroffen." **



August Mieske

 


Lobschütz



Bad Kösen, 19. März 1920

Karl Schmidt*

 


30 Jahre, Handarbeiter, geboren in Crimmitschau, Wohnort unbekannt

19.3.1920 in Bad Kösen, Krankenhaus, Burgstraße 14


" … ein wandernder Arbeiter aus Crimmitschau, der durch einen Kopfschuss starb." **


 

Anmerkung:

Unter Gerstenbergkpromenade 4 firmiert im Adressbuch 1920/21 das Gasthaus "zur Tanne" mit dem Pächter Otto Werner.


Quellen

* Mitteilung von Polizeioberkommissar [seit 28.7.1921] Mollenhauer [geboren 26. Februar 1880] vom 16. Juni 1927. Stadtarchiv Naumburg

** Gottfried Kormann: von den Märzaktionen 1920 in Bad Kösen. In: Kulturspiegel, Naumburg 1958, Heft 12, Seite 6 und 7. Siehe auch Kormann, Gottfried: vom heldenhaften Klassenkampf der Arbeiter Bad Kösens. Ein Beitrag zur Geschichte der Arbeiterbewegung der Stadt. In: Heimatbuch. Herausgegeben vom Rat der Stadt Bad Kösen 1954, Seite 51 ff.

Standesamt Naumburg, Sterbebucheintragungen. Frau Susanne Kröner, Leiterin des Stadtarchivs von Naumburg (Saale), 10. April 2010

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Gefangennahme und Abtransport   zurück

Alte Mühle am Wehr in Bad Kösen (2002); zerstört beim Großbrand am 14. September 2007. Fotograf: Christian Bier, 2002.

Bad Kösen, Saalewehr und Alte Mühle. Fotograf: Norbert Kaiser, 2009.

Bildlizenzen erlauben hier eine Veröffentlichung.

Das Militär nimmt Walter Fieker, einige Mitglieder seiner Gruppe und weitere Kämpfer aus Bad Kösen, insgesamt 26 Personen, gefangen. Sie kommen zunächst in die Alte Mühle an der Saale und dann nach Schulpforta, wo sie über Nacht in den Kohlenkeller eingesperrt werden. Mit Hände hoch, von den Soldaten gezwungen "Deutschland, Deutschland über alles" zu singen, ging es dann am nächsten Tag nach Naumburg. "Auf diesem Marsch," so Hugo Wolf, "wurden wir weiter misshandelt und geschlagen und mussten die Arme hochhalten. So wurden wir in das Gefängnis eingeliefert.." (Wsf 34)

 

 

.... anders verdienen sie es nicht  zurück

"Das tollste aber ist das Benehmen des Staatsanwaltschaftsrates Hardt in Naumburg", legt Bernhard Düwell in seiner Rede vor der Nationalversammlung am 29. Juli 1920 dar. Staatsanwaltschaftsrat Hardt verhört einen in Untersuchungshaft genommenen Arbeiter, der in Bad Kösen einen Soldatentrupp geführt hatte. Während Vernehmung fragt er den anwesenden Feldwebel, "weshalb die sieben Arbeiter in Kösen erschossen worden sind", worauf der antwortet, ".... dass die allgemeine Parole gewesen sei, jeden Arbeiter der im Waffenbesitz gefunden würde,

über den Haufen zu schiessen,

und das könne geschehen, ohne dass man vorher die Offiziere frage. (....) Darauf erwiderte angeblich der Staatsanwaltschaftsrat Hardt [geboren 1874], dieses Musterbeispiel eines objektiven Juristen:

das haben sie richtig gemacht,
anders verdienen sie es nicht."

Staatsanwalt Hardt gibt mit dem 18. August 1920 folgende amtliche Gegendarstellung:

"Ich habe mich bei den Vernehmungen auf den Standpunkt gestellt, dass die mit der Waffe in der Hand im Kampf gefangenen Beschuldigten Aufrührer waren. Denselben Standpunkt vertrete ich auch jetzt noch. Ich habe absichtlich keinem der vernommenen Landesjäger einen Vorwurf daraus gemacht, dass er einen bewaffneten Aufrührer im Kampf erschossen hat."

Staatsanwalt Hardt sympathisierte mit den Putschisten. Dazu legt der Abgeordnete des Reichstages Bernhard Düwell am 29. Juli 1920 seine Schlussfolgerung vor dem Hohen Haus dar:

"Mit solchem Recht sind wir verpflichtet, zu sagen, dass speziell die Handlungsweise des Naumburger Schwurgerichts, der Naumburger Strafkammer nicht nur ein Rechtsverbrechen ist, sondern eine bewusste Vorschubleistung für das Unternehmen der Kapp-Lüttwitz-Verbrecher, Menschen, wie dieser Staatsanwaltschaftsrat Hardt, der sich mit dem Kapp-Lüttwitz durchaus solidarisch fühlte, wagen es dann noch, Leute anzuklagen und über Leute zu Gericht zu sitzen, die gegen die Kapp-Lüttwitz die Waffe erhoben hatten."

 

 

Verhaftungs- und Säuberungswelle  zurück

Noch am Abend des 19. März erfolgt die Festnahme des 22jährigen Obster Otto Winkler aus der Schulstraße 27. Er soll von der Dompredigergasse entlang der Georgenmauer in Richtung Westen auf das Militär geschossen haben. In der Wohnung des Handarbeiters findet die Polizei eine Pistole.

Durch das Naumburger Land schwappt eine Verhaftungs- und Säuberungswelle.

"Von böswilliger Seite wir ausgestreut, dass in Naumburg zahlreiche Verhaftungen vorgenommen seien", lautet am 25. März die offizielle Gegendarstellung der Stadtzeitung unter dem Titel Haltloses Gerücht. "Das trifft nach Mitteilungen der Reichswehrbrigade 16 nicht zu. Nur Auswärtige, die auf frischer Tat ertappt wurden, sind verhaftet. Bei anderen sind nur die Namen festgestellt worden."

 

 

War der militärische Kampf
in Naumburg notwendig?  zurück

Am 19. März kämpften die Kapp-Gegner im Gebiet Moritzwiese-Oberlandesgericht-Dom und in anderen Arealen des Stadtgebietes gegen die Reichs- und Einwohnerwehr. Zu diesem Zeitpunkt weilten Naumburger Truppenteile noch in Weimar. Von dort konnten sie jederzeit zur Verstärkung zurückkehren. Obwohl hoffnungslos unterlegen, begannen die Akteure des Aktionsausschusses den Kampf. Warum taten sie das?

Vielerorts steht die Reichswehr auf der Seite von Kapp-Lüttwitz. Der Kommandeur des Infanterie-Regiments 31 Oberst Hermann Czettritz in Halle (Saale) sympathisier mit ihnen. Die Kommandeure der Reichswehrbrigade 1 General Ludwig von Estorff und Wilhelm Canaris halten zu den Putschisten. Vizeadmiral Adolf von Trotha stellt ihnen die Marine zur Verfügung. Der Kommandeur der Reichswehrbrigade 9 (Mecklenburg-Schwerin) Paul Lettow-Vorbeck unterstellt sich der Rebellenregierung. Passiv verhält sich der Stab der Reichswehrbrigade 4 unter Generalmajor Wilhelm Groddeck in Magdeburg. In der Provinz Sachsen (Stendal, Magdeburg, Dessau, Wittenberg, Torgau, Sonderhausen, Mühlhausen, Halle, Merseburg, Weissenfels, Zeitz, Naumburg) ist keine Unterstützung der dislozierten Reichswehr für die Republik zu beobachten. Wahrscheinlich nicht im Detail, aber im Prinzip war diese Lage den Kapp-Gegnern bekannt. Sie erhielten von ihren Bezirksleitungen entsprechende Informationen telefonisch übermittelt.

Der Aktionsausschuss in Naumburg hatte mehrere Gründe (zumindest) anzunehmen, dass die in der Stadt stationierte Reichswehr auf der Seite von Kapp-Lüttwitz steht. So erzählt es der Bäcker Hans Franke aus der Moritzstrasse auch dem Richter. Von der Reichswehr bekam er Freitag, den 19. März ein Gewehr mit 75 Schuss abgenommen. Vorher patrouillierte er damit in der Neustraße, in Flemmingen und im Bürgergarten. In der Verhandlung am 15. Juli 1920 vor der Strafkammer des Landgerichts Naumburg wegen unbefugten Waffenbesitzes, fragt ihn der Vorsitzende, ob er geschossen hätte, wenn er auf Soldaten getroffen wäre. Nur wenn sie uns angegriffen hätten, antwortete er. Darauf der Vorsitzende: Hielten sie sich berechtigt auf Menschen zu schiessen, die ihnen nichts getan haben? Franke soll entgegnet haben, dass die Truppen am Dienstag auf dem Markt von Naumburg ebenfalls auf Unschuldige geschossen haben. Der Richter wandte ein, die können sich doch nicht entwaffnen lassen. Vom Rathaus wurde gesehen, dass sie vom Pferde gezogen werden sollten. Davon hat er nichts mitbekommen, erwidert der Angeklagte. Wohl vernahm er die Trompetensignale zur Räumung des Platzes. Andere hörten sie aber nicht, fügte er an. Wir wussten aber, gab er weiter Auskunft, dass die Truppen auf Seiten von Kapp-Lüttwitz standen.

Die Anhänger des Aktionsausschusses misstrauen der Reichswehr in Naumburg, fürchten und hassen sie, wollen die Rolle rückwärts der Putschisten nicht mitmachen. Deshalb beginnen sie den Kampf. Nicht für ein bestimmtes Programm, aber für ihre Ehre, die der blutige Dienstag (16. März) tief verletzte. Der Kampf zwischen dem Aktionsausschuss und der Reichswehr / Einwohnerwehr erscheint militärisch nicht notwendig, aber er war dennoch sinnvoll.

Besonderes Interesse zieht die Frage auf sich, wie und warum der Übergang vom gewaltfreien Generalstreik zum militärischen Kampf erfolgte. Der gemässigte Sozialdemokrat und Stadtverordnete August Winkler (Naumburg) erhellt dies am 3. August 1920 vor dem Schwurgericht von Naumburg mit der Aussage: "Als der Kapp-Putsch bekannt geworden war, hatte sofort die organisierte Arbeiterschaft dazu Stellung genommen. In der betreffenden Sitzung der Gewerkschaften war gesagt: Es ist jetzt nicht die Zeit, politische Ziele zu verfolgen, es gilt jetzt zusammenzustehen und deshalb muss der Generalstreik verkündet werden. Die Erregung hat sich gesteigert

als aus Weimar die Nachricht kam, daß von der Reichswehr die Regierung aufgelöst worden und der mehrheitssozialistische Ministerpräsident Baudert gefangen genommen worden sei.

Das Naumburger Jägerbataillon [= Reichswehrbrigade 16] war in Weimar und stand nach Ansicht der Arbeiter auf Seite Kapp-Lüttwitz."

Diese Anschauungsweise bestätigt Bernhard Düwell am 29. Juli 1920 vor dem Reichstag mit der Aussage: Denn "Major Meyn [Kommandeur des Reichswehr-Jägerregiments 32 mit zugeteilter 1/3 Nachrichten Kompanie und der Radfahrer-Kompanie 32] zog mit seinen Truppen am Nachmittag des 13. März nach Weimar, um die dortige Regierung zu verhaften."

Der blutige Dienstag (16. März) löst bei vielen Handarbeitern Wut und Empörung aus, erhärtet ihr Misstrauen zur Reichswehr und zerstört ihr Vertrauen zum Oberbürgermeister Arthur Dietrich. Viele erkennen im Vorgehen der Reichswehr und Sipo ein typisches Verhaltensmuster, dass sich auch anderen Orts wiederholt (Leipzig 14.3., Weimar 15.3. oder Weissenfels 16.3.). Zurück bleibt ein politisches Trauma, dass schwere soziale Schmerzen verursacht.

Zur Naumburger Einwohnerwehr konnten die Kapp-Gegner kein politisches Vertrauen fassen. Denn deren Sache, als republikanische Organisation gedacht, die lediglich der Ordnung und Sicherheit dienen sollte, war in den Händen von Kreisrat Max Jüttner verloren, bevor sie die richtige Richtung einschlagen konnte. Nicht von ungefähr bezieht sich Senatspräsident Doktor Müller vom Oberlandesgericht Naumburg in seiner Rede am 28. April 1935 in Naumburg vor dem

Denkmal für die Gefallenen
der ehemaligen Einwohnerwehr und des Landesjägerkorps

in folgender Art und Weise auf diese Kampfverbände:

"Alte Freikorpskämpfer und Einwohnerwehrleute sind sicherlich, nicht die schlechtesten unter den Kämpfern in den Reihen der SA, der SS und der Bewegung …."

Es blieb nur, wie es die Vereinbarung von Halle vom 26. März (1920) für den Regierungsbezirk Merseburg (mit Naumburg) vorsieht, die Auflösung der Einwohnerwehren und Zeitfreiwilligenverbände.

 

 

 

Im Widerstand gegen den Kapp-Putsch
verloren ihr Leben (Teil 2)  

 


Heinrich Karl Reinhold

 


34 Jahre, Arbeiter, Wohnung: Schulstraße 39

verstorben im 19.3.1920 im städtischen Krankenhaus

 

Es kam (am 19. März) zu Kämpfen, bei den "Arbeiter Heinold an der Mauer des Schulfriedhofs erschossen" wurde. (Wallbaum 5)

 

Adalbert Kolodzig*

 


38 Jahre, Fabrikarbeiter, Bad Kösen, Parkstraße 3

19.3.1920 vor dem Gehöft, Bad Kösen, Gerstenbergkpromenade 5

Paul Heinrich*

 


19 Jahre, Arbeiter, Altenburg / Almrich

 

19.3.1920 in Bad Kösen, Krankenhaus, Burgstraße 14

 


Arthur Albert Theodor Petzold*
 


22 Jahre,
Leislau bei Camburg



19.3.20, Bad Kösen, Gerstenbergkpromenade 9


Karl Teutzold

 

 


Apolda



Bad Kösen,19. März 1920

R. Schmidt

 


Eckartsberga, Brunnengasse 1

 


Eckartsberga

Hermann Fritzsche

 

Kesselheizer, 57 Jahre, wohnhaft: Zeitz, Auestraße 2


am 24. März 1920 tot am Roonplatz 5 (Anschrift vom Gefängnis) aufgefunden.


 

Anmerkung: Unter Gerstenbergkpromenade 4 firmiert im Adressbuch 1920/21 das Gasthaus "zur Tanne" mit dem Pächter Otto Werner.

Quellen:

* Mitteilung von Polizeioberkommissar [seit 28.7.1921] Mollenhauer [geboren 26. Februar 1880] vom 16. Juni 1927. Stadtarchiv Naumburg

** Wallbaum, Eugen: Analyse der Stadt Naumburg. Naumburg, ohne Jahresangabe, unveröffentlicht, um 1950

Standesamt Naumburg, Sterbebucheintragungen. Frau Susanne Kröner, Leiterin des Stadtarchivs von Naumburg (Saale), 10. April 2010

 



Entwaffnung   zurück

Die Entwaffnung der Bürger bereitet erhebliche Schwierigkeiten. Am 19. März 1920 befiehlt der Militärkommandant von Naumburg:

"Sämtliche Waffen sind unverzüglich spätestens am 20. März [1920] 9 Uhr vormittags abzuliefern. Die Ablieferung für die Einwohner der Stadt Naumburg hat in der Jägerkaserne zu erfolgen, für die Einwohner der anderen Ortschaften an den von den drei Polizeibehörden zu bestimmenden Stellen."

 

Hans von Feldmann

geboren 7. November 1868, 1918 Oberst und Kommandeur der 43. Infanterie-Brigade, 1919 Verbindungsoffizier zwischen Reichsregierung und Obersten Heeresleitung, 1920 Generalmajor.
Gestorben am 10. Juli 1940

 

Zum 26. März 1920, 6 Uhr nachmittags, ordnet Oberst von Feldmann für Naumburg (Saale) und Umgebung erneut die Abgabe aller Waffen an. Auch dies bringt keinen durchschlagenden Erfolg.

"Die Arbeiterschaft hält die Waffen," meldet Oberbürgermeister Arthur Dietrich dem Zivilkommissar für den Regierungsbezirk Merseburg (Weißenfels, Zeitz, Naumburg), "darunter zahlreiche Maschinengewehre nach wie vor versteckt, Karabiner und Gewehre sind wahrscheinlich zum Teil vergraben." Wie diesem Schreiben vom 9. April 1920 zu entnehmen ist, bereitet ihm das grosse Sorgen, weil er fürchtet: "wenn nicht die Waffenabgabe in durchgreifender Weise organisiert und durchgeführt wird, besteht unzweifelhaft die Gefahr, dass die radikale Arbeiterschaft demnächst von neuen die Waffen ergreift. Die Zahl der versteckten Waffen ist gar nicht abzuschätzen."

Die Entwaffnung verläuft weiter schleppend. Der Reichstag beschliesst am 7. August 1920 das Gesetz über die Entwaffnung der Bevölkerung. Nun geht die Ablieferung der Militärwaffen flotter vonstatten. Bei der Abgabe der Waffe muss er nicht seinen Namen angeben und erhält sofort eine Prämie. Weiterhin führte die Sipo Entwaffnungsaktionen durch.

In Kreipitzsch findet man bei Oberst a. D. Schönberg im Felsenkeller 381 Gewehre, 18 Maschinengewehre, Scheinwerfer und 3000 Schuss Munition. (Weber 38 f.)

 

 

Hans Wilhelm Stein-Saaleck
in Burg Saaleck. Geschichte Sage und Dichtung

über die Waffen auf Saaleck:

"Es war im März 1920. Das war die Zeit, in der eine deutsche Regierung, oder vielmehr der Haufen Gesindel der sich Regierung nannte, das Deutsche Reich wehrlos machte, alle Waffen entweder ablieferte, oder im Lande selbst vernichtet. Die Gewehre wurden zerschlagen, die Ausrüstungsgegenstände verbrannt und die Patronen zerstört. Allen deutschen Menschen stieg die Schamröte ins Gesicht.
Eine Handvoll mutiger Männer, - Deutschnationale unternahmen es, nur sich selbst, verantwortlich, das deutsche Nationaleigentum, deutsche Rüstung, dem Zugriff der verbrecherischen Regierung zu entziehen.

Nicht leicht war es, Stellen zu finden, wo größere Mengen und Munition sicher untergebracht werden konnten. Burg Saaleck war ein geeigneter Ort.

In einer einzigen Nacht, einer finsteren Märznacht des Jahres 1920, schaffte

Hauptmann Max Jüttner (Halle, S.)

mit nur zwei Naumburger Zeitfreiwilligen, den Jenaer Studenten: stud. med. Willy Hanse (Landsmannschaft Cheruskia - Jena, jetzt ein viel gesuchter Arzt in Naumburg, S.) und stud. phil. Hans Nast (Burschenschaft "Teutonia" - Jena, jetzt Chemiker in Berlin), in harter, schwerer Arbeit nicht weniger als 60 000 Schuß Infanterie-Munition mit einer Anzahl Gewehren, Maschinengewehren und Handgranaten auf die Burg Saaleck. Dort lag dieser Teil der deutschen Wehr sicher, dort suchte sie keiner.
Aber beim Kapp-Putsch ist dieses Waffenlager doch verraten worden. Sie kamen mit mehreren Lastautos und holten, am hellen lichten Tage zum Staunen der Bevölkerung alles restlos ab." (Stein-Saaleck 27f).

Gewiss, das Buch von Hans Wilhelm Stein-Saaleck von 1935 enthält viele Unwahrheiten und Legenden. Aber den Informationen zu Max Jüttners Aktivitäten im Jahr 1920 können wir trauen, weil sie sich kohärent zu anderen Quellen abbilden.

 

 

 

20. März, Sonnabend  zurück

Die Vertreterkonferenz der am Generalstreik beteiligten Gewerkschaften geben um 7.05 Uhr morgens in Berlin bekannt, dass sie mit dem durch ihren Verhandlungsausschuss erzielten Vereinbarungen mit den Fraktionen der Regierungsparteien nicht restlos zufrieden sind, ihnen aber gleichwohl zustimmen und "hiermit den Generalstreik mit dem heutigen Tage als beendet" erklären. (Vgl. Verhandlungen)

Naumburg. Vor dem Gefängnis auf dem Roonplatz herrscht weiter Unruhe.

Weissenfels.  zurück  Gemeinsam mit dem Oberbürgermeister, Polizeiinspektor und Stadtverordnetenvorsteher von Weissenfels unternahm Albert Bergholz (USPD, Zeitz) den Versuch, durch Verhandlung die Sipo zur Abgabe der Waffen und Abzug nach Naumburg zu bewegen. Das scheitert. Eine persönliche Rücksprache mit dem Regierungskommissar Richard Krüger (1880-1965) in Merseburg, später Polizeipräsident von Weissenfels, bleibt ohne Ergebnis.

Blick vom Schloss Weißenfels
auf die Stadt (2012)
Blick zum Schloss
Weißenfels (2012)

Das Nachrichtenblatt der Reichswehrbrigade XVI. meldet am 22. März, dass die Sicherheitspolizei (250 Mann) sich gestern [am 21. März] unter schweren Kämpfen von Weissenfels nach Naumburg durchgeschlagen hat. "Trotz getroffenen Abkommens, die Polizei in Ruhe abmarschieren zu lassen, musste sich diese den Auszug [vom Schloss Neu-Augustusburg] mit Artilleriefeuer öffnen und wurde auf dem Marsche von kämpfenden roten Banden begleitet."

Im Einzelnen könnte sich der Kampf um das Schloss in Weissenfels in der Nacht vom 20. zum 21. März etwa so zugetragen haben: Aus Hohenmölsen, Teuchern, Zeitz und anderen Orten eilen zur Verstärkung "eine große Anzahl von Arbeiter" (Leopoldt) herbei. "Landfremdes Gesindel", nennt sie später die NSDAP. Gas, Wasser und Elektrizität für die Sipo sind bereits abgesperrt. Auf den anliegenden Häuserdächern zum Schloss lauern die Schützen der Arbeiterwehr. Ab und an fegt von der Höhe des Schlosses die Sipo mit dem Maschinengewehr über die Dächer hinweg. Recht bald zerschiessen die Arbeiter die Scheinwerfer.

Eine Sipo-Abteilung versucht gegen 5 Uhr früh einen Ausbruch.

"In den frühen Morgenstunden machte die Sipo einen Ausbruchversuch, um sich nach Naumburg durchzuschlagen." Zuvor setzte sie vom Turm des Schlosses eine Mine mitten auf den Marktplatz, um den Überraschungseffekt auszunutzen. "Infolge eines Fehlers der Leitung der Arbeiterwehren bei der Verteilung der Kräfte, hatte sich eine Lücke im Belagerungsring ergeben. Der Polizei gelang es, den rechten Flügel der Arbeiterwehren zurückzudrücken und freies Gelände zu erzwingen. Sie nutzen gefangene Arbeiter als Rückendeckung auf ihrer panischen Flucht nach Naumburg und zwangen dadurch die Arbeiterwehren, ihr Feuer einzustellen." (Zeitzer 1959/60, 216)

In Vorahnung am Interesse der Arbeiterwehr für ihre Waffen, füllte die Sipo vor dem Ausbruch vom Schloss Neu-Augustusburg den Brunnen mit 749 Gewehren und Karabinern, 28 leichten und 11 schweren Maschinengewehre, 2 500 Granaten und 762 000 Patronen. (Vgl. Wsf 72). Gewiss kämen die Waffen vom Wiedebacher Hohlweg eh zu spät, denn in Halle beginnen bereits die Ausgleichsverhandlungen zwischen Garnisonskommando und bewaffneten Arbeiter.

Auf der Strasse angelangt, gerät die Sipo sofort in das Sperrfeuer der Arbeiter. In jedes Fenster, wo sich nur eine Gardine bewegte, schiesst die Sipo hinein. Sie ist mit Gewehren, Handgranaten, Minenwerfern, Maschinengewehren und Geschützen ausgerüstet und soll in Naumburg das Gefängnis sichern. Ausserdem rechnen Reichswehr und Bürgermeister mit die Umzinglung der Stadt durch die Kapp-Gegner, wozu es aber nicht kommt.

Etwa 4 Kilometer südlich von Weissenfels kommt es zwischen Sipo und der ihnen weit zahlenmässig überlegenen Arbeiterwehr zum Gefecht. Im langgestreckten Hohlweg zwischen Kösslitz-Wiedebach und Unternessa kommt die Sipo-Kolonne zum stehen. Dies nutzen die Arbeiter, um sie zu umschliessen. Ein Sipo-Stosstrupp unternimmt einen Entlastungsangriff. (Dabei der 21jährige Wachtmeister Friedrich Hildebrandt, nach 1933 Reichsstatthalter in Mecklenburg und Lübeck, ab November 1942 Reichsverteidigungskommissar für Mecklenburg.) Sie bugsieren ein Geschütz auf die Anhöhe. Ihr Artilleriefeuer soll eine Bresche in die Umzinglung schlagen. Kaum oben angekommen, geben Material und Sipo eine sichere Zielscheibe ab. Einige Sipo-Leute werden gefangengenommen. "Das gesamte Pferdematerial lag erschossen mit dem Fuhrpark weit verstreut auf den Feldwegen in der Richtung nach Naumburg." (Bergmann) Arbeiter erobern die zwei Geschütze und schaffen sie nach Halle.

In einer Art Tagebuch der Sipo findet sich die Eintragung: "Der Marsch von Weißenfels nach Naumburg gelang nicht ohne Kampf mit den Aufrührern und kostetet der Sicherheitspolizei eine Reihe von Toten und Verwundeten. Ein Teil des Gros und die Nachhut, in Stärke von 2 Offizieren (Oberleutnant Brell und Leutnant Teichmann) und 32 Beamte wurden abgeschnitten und mußten sich nach hartem Kampf, nach Verschuss der Munition und starken Verlusten der Übermacht - nach Angaben der Führer der Aufrührer 5000 Mann - ergeben. Die Freigabe der gefangenen Offiziere und Beamten, welche nach der Kaserne in Merseburg gebracht waren, und der Transport nach Naumburg erfolgten am 24. März 1920.“

Unter erheblichen Verlusten gewinnt der Sipo-Stosstrupp Raum und setzt den Marsch nach Naumburg fort. Die Arbeiter verfolgen sie bis etwa 9 Kilometer östlich von Naumburg nach Plotha.

Ein Major der Sicherheitspolizei macht später als Zeuge vor Gericht die Aussage, dass sie 20 Tote und 40 Verwundete an Verlusten erlitten. "Die Arbeiter hatten hier acht Tote und mehrere Verletzte."

In Naumburg vereinigt sie sich mit der Reichswehrbrigade XVI., die versprach bis 27. März keine Unternehmungen gegen Weißenfels zu beginnen (vgl. Schunke 73).

Nach dem Abzug der Sipo besetzt die Arbeiterwehr Schloss Neu-Augustusburg und inhaftiert hier 33 Sipo-Leute. Helmut Böttcher behauptet in Die Wahrheit über die Ereignisse in Halle (Saale) und Mitteldeutschland (1920, 87): "Die gefangenen Reichswehrsoldaten wurden in bestialischer Weise hingemordert und vollständig ausgeplündert, einem wurde sogar das Gold aus den Zähnen gebrochen." Über die Behandlung der Gefangenen auf Schloss Neu-Augustusburg durch die Arbeiter führen die ausgewerteten Dokumente keine Klage. Obwohl dieser Vorwurf also nicht verifiziert werden konnte, soll er nicht übergangen werden, um eine weitere Prüfung anzuregen beziehungsweise zu unterstützen.

 

21. März, Sonntag  zurück

Kämpfe in Halle, Eisfeld, Merseburg und Sangerhausen.

Weissenfels. Im Rathaus verhandeln die Vertreter der städtischen Körperschaften des Regierungsbezirks Merseburg, darunter Bürgermeister Roloff aus Naumburg, zusammen mit dem Bürgertum und der Weissenfelser Arbeiterwehr. Ihnen liegt ein Entwurf für ein Abkommen zwischen Arbeiterwehr und Reichswehrbrigade (Naumburg) vor. Nach einer Aussprache im Sitzungssaal des Magistrats vereinbaren sie durch Unterschrift: Einhaltung von strikter Ruhe und Ordnung. Dafür verspricht die Reichswehr gegen die Kämpfer bis 27. März, wenn alle Waffen abgegeben werden, nichts zu unternehmen. Ausserdem setzt sie die Wiederaufnahme der Arbeit voraus. Schweren Herzens stimmt die Arbeiterwehr dem Waffenstillstand zu. Alle übrigen Punkte will sie vor Ort in Berlin prüfen lassen. (Vgl. Wsf 40-42)

Joachim Schunke: Die Schlacht um Halle. Gewehre in Arbeiterhand. Die Abwehr des Kapp-Putsches in Halle und Umgebung. Verlag des Ministeriums für Nationale Verteidigung, Berlin 1956

Halle. Heftige Kämpfe erschüttern die Stadt. Im Goldenen Adler von Ammendorf richtete der Aktionsausschuss am 19. März sein grosses Hauptquartier ein. Am Morgen des 21. März beziehen in Trotha liegende Arbeiter ihre Stellung. Das Zentrum der Front liegt im Norden der Stadt, am Galgenberg (134,2 Meter über Normalhöhennull). Um 5.50 Uhr beginnt das Gefecht. Bewaffnete Arbeiter liefern sich mit der durch Zeitfreiwilligenverbände verstärkten Reichswehr regelrechte Schlachten.

Zu früher Morgenstunde begibt sich Walther Schreiber zu den revolutionären Kampftruppen am Hettstedter Bahnhof und teilt ihnen mit, dass im Auftrag der obersten Provinzialbehörde zwischen dem Garnisonskommando und ihnen Ausgleichsverhandlungen beginnen sollen. Die Arbeiter übergeben ihm die Forderungen an das Garnisonskommando, unter denen sie bereit wären die Kämpfe abzubrechen: Sofortige Entwaffnung der Zeitfreiwilligen, Rückzug der Reichswehr in die Kasernen, Sicherung der Stadt durch die organisierte Arbeiterschaft, Einfluss auf die Kommandobesetzung der Einwohnerwehr und ihre Entwaffnung. Um 4 Uhr nachmittags beginnen die Verhandlungen im Garnisonskommando. Gleichzeitig unternimmt die Reichswehr einen heftigen, und wie sich herausstellen sollte, erfolgreichen Schlag gegen die am Galgenberg liegenden Arbeitereinheiten. Noch am Abend kommt es mit ihren Vertretern in der Nähe des Hettstedter Bahnhofs zu Verhandlungen.

Naumburg. Oberbürgermeister, Kreisrat für die Einwohnerwehren in den Kreisen Naumburg Stadt, Land und Eckartsberga Jüttner, stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Wallach, Kommandeure der Reichswehrbrigade XVI, die Vorstände der drei sozialistischen Parteien, Mitglieder der Demokratischen Partei, Studienrat Doktor Kurt, Rechtsanwalt Herzfeld und die Vertreter der Gewerkschaften kommen zu einem Gespräch zusammen. Die Arbeiter übergeben ihre Forderungen. Sie sind nicht überliefert.

Generalmajor Hagenberg verkündet, dass die Reichswehrbrigade XVI treu zur Regierung steht und lediglich Ordnung und Sicherheit wiederherstellen will.

Treu zur Regierung? Hagenberg? Seine politischen Positionen mögen sich in der Zeit vom 13. bis 19. März verändert oder nicht verändert haben, zum Beginn des Putsches unterstützte er die "neue Regierung". Am 13. März 1920 ordnete er in Weimar an: "Die bisherige Reichsregierung ist zurückgetreten. Die Weisungen der jetzigen Reichsregierung [also Kapp-Lüttwitz] müssen im Interesse der Ordnung und Sicherheit unbedingt befolgt werden." (Brammer 1920, 38; Hagenberg 13.3.1920) Eine Lüge, die Reichsregierung war nicht "zurückgetreten". Die Staatsregierung des Freistaates Sachsen-Weimar gibt am 15. März 1920 eine Erklärung gegen Hagenberg ab, die am nächsten Tag in der Jenaer Volkszeitung erscheint. Tags darauf, der Zusammenbruch von Kapp-Lüttwitz zeichnet sich deutlich ab, rudert Hagenberg zurück und beteuert, dass er hinter der gewählten Reichsregierung steht und die Landesregierung schützen werde. "Dass die gesamte Reichswehr jetzt wieder zur rechtmässigen Regierung halten sollte, erhöhte mit Recht das Misstrauen der Arbeiter. Dieser Zwiespalt drohte," so Albert Grzesinski (2011, 146), Reichskommissar des Reichsabwicklungsamtes und später Präsident der preussischen Landespolizei, "nun erst recht zum Blutvergiessen zu führen, obwohl der Kapp-Putsch als solcher bereits zusammengebrochen war."

 

22. März, Montag  zurück

Eulau. Ein Trupp der Naumburger Reichswehr durchsucht den kleinen Ort auf den Saalehöhen nach Waffen und Munition. Während die Razzia zu ihrem Ende kommt, reitet eine kleine Patrouille nach Goseck. Am Silbergrund wird sie von Arbeitern beschossen. Bald darauf besetzen etwa 400 bis 500 Kampfgefährten die Saalehöhen. Von Eulau eilt der gesamte "Durchsuchungstrupp" zur Verstärkung herbei und liefert den Angreifern ein heftiges Gefecht. Noch sind sie dem Gegner unterlegen, bis ihnen aus Naumburg Jäger zu Rade und eine Artillerie Batterie beispringen. Die Arbeiter werden zurückgeschlagen und von den Saalehöhen vertrieben.

Halle. Gegen 9 Uhr vormittags setzen im Oberbergamt das Garnisonskommando und die revolutionären Kampfgruppen die Ausgleichsverhandlungen fort. Um 8.30 Uhr abends unterzeichnen sie eine Vereinbarung. Darin erklären sie: Die Reichswehrtruppen stehen auf dem Boden der verfassungsmäßigen Regierung. Bis 23. früh ziehen sich die Arbeiter zurück und geben ihre Waffen ab. Ruhe und Ordnung der Stadt schützt weiter die Reichswehr und unternimmt bis 27. März nichts gegen die Führer der revolutionären Kampftruppen, wenn sie wie vereinbart die Waffen abgeben. (Vgl. Schreiber 27f.)

 

Walther Schreiber schildert in

Die Revolution
in Halle a. S.
(1920)

den Kampf zwischen der Reichswehr und Arbeitern in der Stadt Halle während dem Kapp-Putsch. Die Schrift analysiert die Verhandlungstätigkeit des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen, der kommunalen Behörden, des Zivilkommissars und des Garnisonskommandos mit den revolutionären Arbeitern. Sie dokumeniert wichtige Details zur Rolle der Deutschnationalen Partei und Führung der Kapp-Gegner durch die Arbeiterparteien.

Der Kommandeur des Infanterieregiments 31 Oberst Hermann Czettritz lässt Walther Schreiber in der Nacht vom 15. zum 16. März verhaften. Nach seiner Freilassung am 18. März, unternimmt er als Zivilkommissar in Halle enorme politische Anstrengungen, um einen Ausgleich zwischen Reichs- und Arbeiterwehr zu erreichen.

Darüber urteilt Joachim Schunke (1956, 55): "Mit einer ausgefeilten Demagogie erfüllte er seinen Auftrag, den Militaristen die Macht wieder in die Hände zu spielen." Dies entstellt die politische Rolle des Zivilkommissars. Denn er hat sehr wohl eine streng-kritische Haltung zu Oberst Hermann Czettritz und verflucht geradezu die putschenden Deutschnationalen. Mit Achtung und Verständnis tritt Walther Schreiber (Seite 24-34) den Forderungen der kämpfenden Arbeiter gegenüber. Wegen der Teilnahme am bewaffneten Kampf müssen sie um ihre Straffreiheit bangen. Der Zivilkommissar unterstützt sie bei der Wahrung ihrer rechtlichen Interessen.

 

"Es steht fest", bezeugt Walther Schreiber, "dass die Bewaffneten noch in der Nacht vom 22. zum 23. März der Vereinbarung gemäss abgezogen sind ...." Trotzdem spitzt sich die Lage an den nächsten zwei Tagen weiter zu, weil die Verhaftung der Arbeiter in rigoroser Weise fortgesetzt wird. Noch am Nachmittag des 22. März unternimmt die Reichswehr einen Überfall auf die Ammendorfer Front (vgl. Schunke 76). Das Garnisonskommando kümmert sich nicht um die getroffenen Abmachungen. Es rechtfertigt sich damit, dass das Abkommen nicht eingehalten worden sei. In Ammendorf schanzten am 23. März gegen 9 Uhr noch bewaffnete Arbeiter. "Tatsächlich hatte der in Ammendorf befehligende Führer der revolutionären Kampftruppe," erläutert Walter Schreiber (29-31), "der an den Verhandlungen teilgenommen hatte, es nicht für notwendig gehalten, seine Leute rechtzeitig zu informieren, so dass diese über die getroffenen Verabredungen am Vormittag des 23. März noch im unklaren waren …." Ausserdem sollen in Nietleben Waffen durch die Arbeiter verbracht worden sein. Andererseits haben gewisse Kreise der Reichswehr kein Interesse daran die Vereinbarung einzuhalten, beobachtet Walther Schreiber. Sie inszenieren Strafexpeditionen in die umliegenden Dörfer, Kriegs- und Standgerichte und eine Verhaftungswelle - den Weissen Terror (Joachim Schunke 77-87). Verdächtige kommen ins Verließ der Moritzburg (Halle). In der Reiterkaserne sind in der Zeit von 23. bis 25. März über hundert Arbeiter gefangen.

Der Gefreite Pohl erschießt am 24. März die vor ihn mit erhobenen Armen laufenden Gefangenen Gölicke und Koppensieker aus Wörmlitz (ebenda 81f.). Am 19. März wird der Sohn des Gutsbesitzers Walter aus der Gemeinde Kleinkugel und am 21. März der Rittergutsbesitzer Heinze ein Opfer der "Linksmorde beim Kapp-Putsch" (Gumbel 63).

Hohenmölsen, Zeitz, Halle. 2 000 Menschen folgen den Särgen der Kapp-Opfer. Der Arbeiter Bergner und drei Soldaten werden in Zeitz als Opfer des Kapp-Putsches gemeinsam beerdigt. Am 29. März werden auf dem Gertraudenfriedhof in Halle Opfer der Kämpfe in einem Massengrab beigesetzt. Erwin Könnemann und Hans-Joachim Krusch (1982, 194) beziffern die Zahl der Toten auf 104. Davon sind 64 Hallenser und 12 Frauen.

Naumburg. "Die Landwirte werden aufgefordert, möglichst umgehend reichlich Lebensmittel, in erster Linie Getreide, dann aber auch Kartoffeln und andere Lebensmittel nach Naumburg zu senden." (Die Säuberung)

Einwohnerwehr und Sipo patrouillieren in der Stadt. Im Umkreis von 15 Kilometer säubert die Reichswehr Naumburg von "Feinden". ".... in den 14 Tagen waren ca. 200 - 300 Arbeiter verhaftet und in das Naumburger Gefängnis untergebracht." (Wallbaum 5) Darunter Neubert, Schuster und Heinrich.

Eine grosse Gewerkschaftsversammlung in der Reichskrone (Bild) fordert: "1. Aufhebung des verschärften Ausnahmezustandes. 2. Entwaffnung aller Personen ausser Polizei und Militär. 3. Freilassung aller Inhaftierten auch derjenigen die mit der Waffen betroffen sind. 4. Zahlung des Lohnes für die Streiktage."

Bürgermeister Karl Roloff versichert den Arbeitern:

Das Ausgehverbot wird gelockert und das Versammlungsverbot aufgehoben.

Für die Waffenabgabe wird die Frist bis zum 23. März, 6 Uhr nachmittags, verlängert. Namen sollen dabei nicht erfasst werden.

Militärbefehlshaber und Stadtverwaltung unterstützen das Verlangen nach einer Entschädigung für die Streiktage.

"Die infolge der Einstellung des Strassenbetriebes vom Leiter des Werkes ausgesprochene Entlassung der Strassenbahner soll als nicht geschehen gelten."

Gegen die Festgenommenen wird nicht standrechtlich oder vor ausserordentlichen Kriegsgerichten vorgegangen. Auf die Haft, hat jedoch die Militärbehörde und Stadtverwaltung, nach Roloff, keinen Einfluss. (Vgl. Forderungen)

Roloff geht damit durchaus auf die Arbeiter und Kapp-Gegner zu. Allerdings ist die Forderung nach Freilassung der politischen Gefangenen nicht erfüllt. "Trotz aller Bemühungen war es bisher nicht möglich," stellt der Volksbote (Zeitz) am 22. April 1920 fest, "den Inhaftierten die Freiheit wieder zurückzugeben, im Gegenteil: immer neue Verhaftungen erfolgen, immer neue Ermittlungen werden angestellt."

Übermorgen, so schlägt die Versammlung vor, soll die Arbeit wieder aufgenommen werden. Es kommt zur Abstimmung. Von den 1 541 Stimmberechtigten sind 1065 für und 367 Personen gegen die Beendigung des Generalstreiks. 19 Stimmen gelten als ungültig.

Oberbürgermeister Dietrich und Militärbefehlshaber Wiesner schweigen weiterhin zu ihrer Verantwortung für den blutigen Dienstag (16.3.1920).

Major Wiesner ernennt am 8. Juli 1939 auf dem Kommers der Offizierskameradschaft des ehemaligen 2. Thüringer Feldartillerie Regiments in der Hindenburg-Kaserne (Naumburg a.S.) Adolf Hitler zum "Oberbefehlshaber aller deutschen Herzen."

 

23. März, Dienstag  zurück

Markröhlitz. Pödelist. Die Reichswehrtruppe, die am Vortag bei Eulau im Gefecht mit den Arbeitern stand, dringt bis nach Markröhlitz, etwa 9 Kilometer nordnordwestlich von Naumburg, vor. Am Luftschiff, ein seperat, etwa 500 Meter südlich der kleinen Ortschaft Pettstädt an der Kreuzung zweier Strassen gelegenes Gasthaus gerät in den Kugelhagel. Ein Zeitbericht identifiziert die Rebellen als Rote Armee. Vier Tote und vier Verletzte fordert das Gefecht. Das Militär machte einige Gefangene. (Vgl. Bregler; Luftschiff; Pödelist)

Bad Kösen. Landrat Helmuth Karl Ernst Freiherr von Schele führt den neuen Bürgermeister Gerichtsassessor a. D. Hauptmann Dr. jur. Schubert in sein Amt ein.

Naumburg. Der einfache Belagerungszustand trat bereits mit der Verordnung vom 13. Januar 1920 in Kraft. Heute verfügt der stellvertretende Führer der Reichswehrbrigade XVI und Militärbefehlshaber Oberst von Feldmann per Bekanntmachung den verschärften Belagerungszustand für die Militärbezirke Merseburg und Naumburg. Offiziere erhalten das Polizeirecht und die Vollmacht als Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft tätig zu werden. Versammlungen von über zwanzig Personen unter freien Himmel sind verboten. Öffentliche Plätze und Straßen dürfen in der Zeit von 9 Uhr abends und bis 5 Uhr morgens nicht betreten werden. Es ist untersagt, durch Wort und Schrift zur Niederlegung der Arbeit oder zur Verweigerung der Wiederaufnahme der Arbeit aufzufordern. Jeder der bewaffnet angetroffen wird, läuft Gefahr erschossen zu werden.  zurück Zur Reaktion der Naumburger ist nichts überliefert. Viele der Akteure sitzen im Gefängnis. Aber die Volksstimme (Magdeburg) meldet am 28. März:

"Daraufhin haben die Arbeiter in diesen Bezirken, besonders auf den Leuna-Werken, Freitag [27. März] morgen beschlossen, erneut in den Generalstreik zu treten. Indessen hat sich Oberpräsident Hörsing ins Mittel gelegt und den militärischen Befehlshaber zur Zurücknahme seiner Verordnung veranlasst, so dass neue Unruhen in diesem empfindlichen Gebiet nicht zu befürchten sind."

Oberst von Feldmann hebt die Zusätze am 27. März mit Wirkung zum 28. März 1920 wieder auf.

 

24. März, Mittwoch  zurück

Der Streik in Naumburg ist beendet. Die Stadtzeitung unterrichtet die Öffentlichkeit über die Ereignisse der letzten Tage unter der Überschrift Die Vorgänge in Naumburg seit der Gegenrevolution. Eine kritische Prüfung erfolgt im Abschniit Rückblick.

Vierundzwanzig Stunden später folgt der Artikel: Der kommunistische Putsch in Bad Kösen. Die Story vom spartakistischen Aufstand greifen die Nationalsozialisten gerne auf. Beispielsweise verbreitet sich die Mitteldeutsche National-Zeitung am 26. Januar 1935 Über den Kampf gegen Spartakus in und um Weissenfels.

 

25. März, Donnerstag  zurück

Berlin. Die Zeitungen melden den Rücktritt des Reichskabinetts. Wahrscheinlich am 28. März 1920 tritt das Kabinett Müller I zur ersten Kabinettssitzung zusammen. (Siehe unten Abschnitt Folgen.)

Halle. Die Streikleitung bringt in einem Aufruf ihre Empörung über die "Bestialitäten entmenschlichter Militärs" zum Ausdruck. Erst wenn der letzte Verhaftete freigegeben ist, soll die Arbeit wieder aufgenommen werden. "Die Erregung über die Verhaftungen war so gross", beschreibt Walther Schreiber (32) die Lage, "dass z. B. die Eisenbahner, die am 24. März früh die Arbeit wieder aufgenommen hatten, ihre Arbeitsstelle alsbald wieder verliessen, und dass auch Arbeitgeber und Behörden dringend baten, diese Verhaftungen durch das Militär einstellen zu lassen." Es finden viele Streikversammlungen statt. Referenten der USPD drängen auf die Wiederaufnahme der Arbeit. Nach Joachim Schunke (1956, 83) lehnte die "Mehrheit der halleschen Arbeiter" dieses Ansinnen ab.

Gegen Mittag erhält Zivilkommissar Walther Schreiber (Halle) vom Garnisonskommando in Halle endlich die Zusicherung, dass sämtliche zu Unrecht Verhafteten freigelassen worden sind.

Naumburg. Reichswehr (Landesjägerkorps), Sipo (Sicherheitspolizei), Zeitfreiwillige und Einwohnerwehr nehmen am Vormittag auf dem Exerzierplatz im Buchholz Aufstellung. Oberst Feldmann, stellvertretender Kommandeur der Reichswehrbrigade XVI, schreitet die Front ab. Ein besserer Zählappell? Oder sollte es doch noch gegen Halle gehen? Bei der anschliessenden Besichtigung der Naumburger Garnison führt Oberst Feldmann einen grossgeschossigen Nebelwerfer vor. Dann feuert er eine Wortsalve in die Untergebenen:

"Lasst uns klar werden, Kameraden, worin unsere Aufgabe besteht, sowie darüber, was wir sollen und wollen: Mit Politik haben wir Soldaten nichts zu tun, rein gar nichts.

Nach dem von uns geleisteten Eide haben wir zu schützen die Verfassung, zu sorgen für Ruhe und Ordnung und zu gehorchen den Befehlen des Reichspräsidenten und unserer Vorgesetzten."

Die scheinheilige Propaganda, wonach die Politik außerhalb der soldatischen Sphäre liegt, ist nach allem was seit dem 13. März passiert ist völlig unglaubwürdig. Denn die "… hohen Kommandeure, die ihre Truppen Kapp und Lüttwitz zur Verfügung stellten", waren "sich immer im klaren darüber", stellt Heinz Hürten (1989, 25) klar heraus, "dass sie damit eine politische Entscheidung trafen, eine Entscheidung über die Verteilung von Macht zwischen konkurrierenden Gruppen, über die Realisierungschancen unterschiedlicher politischer Zielsetzungen."

 

26. März, Freitag  zurück

Halle. Frühs setzt der übliche Stadtverkehr ein und es beginnt die Berufsarbeit. Die durch das Garnisonskommando ausgelöste Verhaftungswelle, die Fortsetzung der Streiks (bis 25.3.) Und die drohende strafrechtliche Verfolgung der kämpfenden Kapp-Gegner machen neue Verhandlungen notwendig. Hierzu treffen die Vertreter von Behörden, der Garnison, Parteien, Gewerkschaften und revolutionären Kampftruppen im Rathaus von Halle zusammen. Otto Hörsing (SPD), Oberpräsident und Oberbefehlshaber der Provinz Sachsen, leitet die Verhandlungen. Schliesslich kommt man überein, alle Verhaftungen einzustellen, die aus Anlass der Unruhen in Haft genommenen freizulassen, die Zeitfreiwilligenverbände und Einwohnerwehren aufzulösen. Die Reichswehr soll in die Kasernen zurück. Den Kämpfern gegen Kapp sichert die Vereinbarung Straffreiheit zu. Über die nicht treu zur Regierung stehenden Kommandeure der Reichswehr soll der Staatsanwalt Ermittlungsverfahren einleiten. Die Vereinbarung von Halle gilt für den gesamten Regierungsbezirk Merseburg (mit Naumburg).

 

27. März, Sonnabend  zurück

 

Kämpfer gegen den
Kapp-Putsch
(Auswahl)

Fritz Voigt
(Jahrgang 1901)

Paul Kynast
(Jahrgang 1884)

Arthur Albrecht
(Jahrgang 1886)

Karl Bley
(Jahrgang 1891)

Walter Fieker
(Jahrgang 1894)

Otto Grunert

Walter Rauchbach
(Jahrgang  1902)

Alfred Tröbitz
(Jahrgang 1886)

Franz Erbes
(Jahrgang 1891)

Willi Ortlepp

Franz Wieglepp

Walter Ronneburg
(Jahrgang 1893)

Franz Possögel
(Jahrgang 1879)

Karl Teller
(etwa Jahrgang 1888)

Max Pilz
(Jahrgang 1888)

Hermann Firchau
(Jahrgang 1894)

Richard Kanzler
(Jahrgang 1897)

 

Die Naumburger Reichswehr versprach bis heute keine Unternehmungen gegen Weissenfels zu beginnen. Joachim Schunke (1956, 73) sieht darin den Versuch, die Arbeiter von Zeitz und Weissenfels von Angriffen auf Naumburg abzuhalten.

Sicher ist: Die politische Entwicklung in den Städten Zeitz, Weissenfels und Naumburg verläuft deutlich anders als in Halle (Saale).

Inzwischen ist die Reichswehr nach Naumburg "zurückgekehrt".

Oberst von Feldmann und Führer der Reichswehrbrigade 16 verfügt die Aufhebung des am 23. März 1920 erlassenen verschärften Ausnahmezustandes für die Wehrbezirke Naumburg und Merseburg.

Aus Anlass des Besuchs vom stellvertretenden Führer der Reichswehrbrigade 16 in der Naumburger Garnison, teilt das Naumburger Tageblatt mit: "Der Brigade sind von verschiedenen Seiten Liebesgaben für die Truppe überreicht worden". SPD-Mitglied August Huth aus Bad Kösen, Fritz Voigt (Naumburg) oder Otto Grunert (SPD, Naumburg), alles Kapp-Gegner, erhalten keine Liebesgaben.

 

29. März  zurück

Berlin. Reichsjustizminister Andreas Blunck, Deutsche Demokratische Partei, teilt der Nationalversammlung mit, dass gegen nachstehende Personen wegen Hochverrats Voruntersuchungen aufgenommen werden: Generallandschaftsdirektor Kapp aus Königsberg, Regierungspräsident von Jagow, Major Pabst, Oberst Bauer, Arzt und Volkswirt Doktor Georg Schiele aus Naumburg, Rechtsanwalt Bredereck, Unterstaatssekretär a. D. von Falkenhausen, Geheimrat Doye, Admiral von Levetzow, Major von Winterfeldt, Oberbürgermeister Lindemann, Regierungspräsident Pauli und Landrat von Löw. Nach dem Amnestiegesetz bleiben im Visier der Strafverfolgung: Kapp, Bauer, Schnitzler, Trebitzsch-Lincoln, Lüttwitz, Erhardt, Schiele, von Jagow und von Wangenheim.

Naumburg. Auf Veranlassung der Reichsregierung ziehen bayerische Truppen in die Kasernen ein. Sie sollen Eisenbahnen, Brücken und wichtige Gebäude schützen.

 

 

 

Garnisonsstadt Naumburg im Juni 1920

Stab des Infanterieführers (Stab der Reichswehrbrigade 16), Kommandeur Generalmajor Pfeil, Chef des Stabes: Major Elschner.

Bataillon des Reichwehr-Jäger-Regiment 32 mit 1/3 Nachrichtenkompanie und Radfahrer-Kompanie 32. Kommandeur Major Meyn.

II. Abteilung des Artillerie-Regiment 16. Kommandeur Major Wiesner.

Stab der Nachrichtenabteilung 16 mit Fernsprechabteilung, Brieftaubenschlag, Horchabteilung. Kommandeur Hauptmann Meyer.

Stab der Kraftfahrabteilung 16 mit Kraftfahr-Kompanie 116 und Kraftfahrkolonne 231. Kommandeur Hauptmann Rath.

Sanitätsstaffel Naumburg. Leiter Oberstabsarzt Dr. Crampe.

Anmerkung: Aus der ausgewerteten Literatur ist nicht eindeutig ersichtlich, ob es sich hierbei um eine Planung oder um reale Standorte handelt.

 

 

 

Nach dem 21. März erfolgt die Stationierung der Sipo-Sammelgruppe Halle im Oberlandesgericht und in der Kadettenanstalt. Sie wird am 8. April 1920 abgezogen. Die erneute ständige Stationierung beginnt am 15. Mai 1920. Ihre Stärke beträgt am 1. Januar 1922: 8 Polizei-Offiziere, 1. und 2. Hundertschaft = 211 Beamte, Kraftfahrzeugzug = 7 Beamte, Nachrichtenabteilung = 12 Beamte.

Im Oktober 1921 wird die Sicherheitspolizei in Schutzpolizei umbenannt. Laut Rundverfügung des Ministeriums des Inneren erfolgt am 6. Juni 1926 ihre Auflösung. (Vgl. Über den Aufbau 1926)

 

19. April  zurück

Noch ist keine Ruhe eingezogen, wenn man der Presse und amtlichen Einschätzungen Glauben schenken darf. Die Kommunisten wollten mit einem Aufstand Mitteldeutschland und Thüringen erobern, behauptet im April 1920 die Deutsche Zeitung und nennt unter anderen die Städte Naumburg und Zeitz.

Oberbürgermeister Arthur Dietrich ist ebenfalls mit der Sicherheitslage nicht zufrieden. Er warnt: "Eine Anziehungskraft ist für aufrührerische Elemente das Artilleriedepot, mit dessen erheblichen Waffen- und Munitionsvorräten eine rote Armee von 4 000 Mann ausgerüstet werden kann …" Die grosse Zahl der Villen bildet einen Anziehungspunkt für verbrecherisches Gesindel, das politische Unruhen zur Plünderung auszunutzen bestrebt ist.

 

20. April  zurück

In Naumburg tagt die Stadtverordnetensitzung. Auf der Tagesordnung steht die Auswertung der März-Ereignisse. Zu Beginn erheben sich im Gedenken an die Toten alle von den Plätzen. Aber "ohne dass wir uns dabei anmassen wollen zu entscheiden," wie der Versammlungsleiter Justizrat Ludwig Wallach nicht vergisst einzuschränken, "inwieweit sie im Recht oder Unrecht gewesen sind." Oberbürgermeister Arthur Dietrich trägt den Bericht zu den Kapp-Tagen vor. Dagegen "liefen nun fast sämtliche Mitglieder der mehrheitssozialistischen Fraktion Sturm" und nannten für die Kampfhandlungen folgende Ursachen: (1.) Oberbürgermeister und Magistrat unterließen es, sich öffentlich von Kapp zu distanzieren. (2.) Sie versetzten das Rathaus "unnötiger Weise in den Kriegszustand" (Robert Manthey, SPD). (3.) Die Truppenparade, gemeint ist der Einsatz der Reichswehr am 16. März, hätten Oberbürgermeister Dietrich und der Magistrat verhindern müssen, statt ihn zu bergüssen. (4.) Dietrich berührt in seinem April-Bericht nicht den Einsatz der Naumburger Truppen in Weimar und die (zumindest zeitweilige) Unterstützung von Kapp-Lüttwitz durch Generalmajor Hagenberg, Reichswehrbrigade 16. Trotzdem war es ein ausschlaggebendes Moment für die Auslösung der Kämpfe in Bad Kösen und Naumburg am 19. März. (5.) "Die Absicht der radikalen Elemente, die Räterepublik auszurichten," so schätzt es Arthur Dietrich ein, "sei schon an diesem Tage in Erscheinung getreten." Damit meint er vielleicht die Haltung der Arbeiter zu Max Jüttner bei den Verhandlungen am Sonntagnachmittag (14.3.) im Rathaus oder ihre Selbstbewaffnung am 17. und 18. März. Diese bedeutet aber keine Radikalisierung, sondern ist eine Reaktion auf den blutigen Dienstag (16.3.). Die Tendenz im Aktionsausschuss war eindeutig eine andere. Doch der Oberbürgermeister versteht es gut die politischen Arabesken bei den Putsch-Gegnern zu nutzen, um seine Option für Kapp zu maskieren. Gegen ihn wird ein Disziplinarverfahren eröffnet. (Die Archivunterlagen dazu waren nicht auffindbar beziehungsweise einsehbar.)

 

Im Gefängnis  zurück

Nach dem Ende der Kämpfe nehmen Sipo, Reichswehr und Polizei viele Verhaftungen vor.

Am 30. August 1921, vier Tage vorher war Matthias Erzberger bei Bad Griesbach im Schwarzwald ermordet worden, ruft Otto Grunert, Vorsitzender der SPD-Ortsgruppe Naumburg, den Teilnehmern der Protestkundgebung auf dem Kaiser-Friedrich-Platz (Heinrich-von-Stephan-Platz) zu:

Die "Kapp-Verbrechen seien nicht verurteilt, aber Tausende von Arbeitern sässen im Gefängnis die doch nur für ihr Menschenrecht gekämpft hatten." (Grunert)

Die Verpflegung im Naumburger Gefängnis nennt Leopold Heinrich, der hier einen Monat einsass, einen Hundefrass. Auf Strafantrag der Gefängnisleitung verurteilte ihn das Gericht dafür zu 500 Mark Geldstrafe. Aber das war noch das kleinste Übel.

"Fast alle diese Leute sind verheiratet", darauf weist der Zivilkommissar für den Regierungsbezirk Merseburg Krüger am 24. April 1920 den Staatsanwalt in Naumburg hin, "und haben eine Anzahl von Kindern und festen Wohnsitz, so dass sie sehr wohl vernommen werden können ohne in Haft behalten zu werden, zumal all den Familien der Ernährer genommen ist." (Krüger)

Das Gefängnis in Naumburg versinnlicht die grosse Ungerechtigkeit, die den Männern vom Aktionsausschuss nach dem Kapp-Putsch widerfuhr.

Vielleicht erwachsen daraus Unruhe und Protest, muss sich Bürgermeister Karl Roloff gedacht haben. Warum sonst vertraut er am 21. März 1921 dem Regierungspräsidenten von Merseburg an:

„Wir weisen ergebenst daraufhin, dass allein für die Sicherung des hiesigen Gerichtsgefängnisses, welches augenblicklich mit über 300 Gefangenen belegt ist, unbedingt eine Hundertschaft erforderlich ist. Unter den Inhaftierten befinden sich noch sehr viele Personen, die aus Anlass der März-Unruhen des vergangenen Jahres

mit hohen Strafen belegt worden sind, oder doch noch einer schweren Bestrafung entgegen sehen. Das hiesige Gefängnis ist aus diesem Grunde weiten Kreisen ein willkommener Gegenstand zur Aufreizung und wiederholt ist gedroht worden, die Gefangenen zu befreien.“

 



Fritz Voigt (1901-1971):

„In Bad Kösen nahm ich am Kampf gegen die Bürgerwehr und die Polizeitruppen teil“, schreibt Fritz Voigt. „Ich wurde mit vielen anderen Arbeitern und Genossen gefangen genommen und in das Naumburger Gefängnis eingeliefert. Die Strafe von 1 Jahr und 9 Monaten wegen schweren Landfriedensbruchs wurde durch die erzwungene Amnestie nach Verbüßung von 6 Monaten aufgehoben.“ (Voigt)

 

Zu den Vorfällen im Naumburger Gefängnis stellt am 10. April 1920 die in Zeitz tagende Außerordentliche Generalversammlung der USPD für den Naumburg-Weißenfels-Zeitzer Kreis fest:

"Die Kreisversammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von der bestialischen Ermordung und Misshandlung unserer Genossen aus Anlass der Niederschlagung des Kapp-Putsches in Naumburg. Sie fordert mit aller Entschiedenheit scharfe Bestrafung der Lüttwitz-Söldner, die sich in dieser Weise vergangen haben ..." (Kreisversammlung)

"Von Familienangehörigen der [in Naumburg] Inhaftierten wird berichtet," steht am 22. April 1920 im Volksbote(n) (Zeitz), "daß sie in der Nacht vom 16. zum 17. April 1920 von den Wachmannschaften fürchterlich geschlagen worden sein. Die feigen Halunken in Reichswehruniform nahmen Rache für die vernichtende Kritik, die eine Massenversammlung am Abend des 16. April gegen sie geübt."

"Gerade im Bereiche der Naumburger Justizbehörden sind Misshandlungen der allerschlimmsten, allergemeinsten Art gegen verhaftete Arbeiter vorgekommen, über die mir eine Reihe von Aussagen vorliegen," teilt der Abgeordnete Bernhard Düwell in der 13. Sitzung des Deutschen Reichstages am 29. Juli 1920 mit. "Die Naumburger Gerichtsbehörden müssen davon wissen; denn diese Misshandlungen sind im Naumburger Untersuchungsgefängnis und im Gerichtsgebäude passiert, sie waren deshalb möglich, weil man der Sicherheitswehr und der Naumburger Einwohnerwehr, die während der kritischen Kapp-Tage die Gefängnisse bewachten, die Zellen der Inhaftierten geöffnet hat. Trotzdem werden all diese Misshandlungen von den Naumburger Behörden mit frecher Stirn abgeleugnet." Besonders empörend folgendes Beispiel: "Es handelt sich um einen jungen Arbeiter, der mit einer schweren Handverletzung, die bereits verbunden war, als Untersuchungsgefangener in das Naumburger Untersuchungsgefängnis eingeliefert wurde. In diesem Untersuchungsgefängnis wurde er von der Sicherheitspolizei in der infamsten Art und Weise mit einer Rohstange solange auf die Wunde geschlagen, die er an der Hand hatte, bis er bewusstlos zusammenbrach." …. Ich habe hier noch eine Reihe andere Aussagen", schiebt Bernhard Düwell nach.

Die Entrüstung über die Misshandlungen und Vorkommnisse im Naumburger Gefängnis macht sich am 21. Juli 1920 in einer grossen Protestversammlung in der Reichskrone (Naumburg) Luft. Referent Bernhard Düwell gibt einen ausführlichen Bericht zur Tätigkeit der Naumburger Klassenjustiz und geisselt

"die entsetzlichen Schandtaten Naumburger Truppenteile und Offiziere gegen unbewaffnete Bürger während der Kapptage." (Justiz)

Versammlungsteilnehmer Walter Fieker (21.7.1920) schimpft "in verletzender Weise auf die Naumburger Justiz". was er zu sagen hatte, war wirklich nicht schmeichelhaft:

"Einer der Herren vom Gericht hätte erklärt, dass alle Gewerkschafter an die Wand gestellt werden müssten. Auch sei von einem der Gerichtsherren gesagt worden, er betrachte die Arbeiter als fressende Tiere."

Am 18. August 1920 gibt der Oberstaatsanwalt beim Landgericht Naumburg gegenüber dem Generalstaatsanwalt folgende Gegendarstellung: Walter Fieker (KPD) sei bei seiner Vernehmung im Naumburger Gefängnis zuvorkommend behandelt worden; die Behauptung, die Gewerkschafter müssen an die Wand gestellt werden, ist erfunden; von gleicher Herkunft sind die Worte des betreffenden Gerichtsherren, der gesagt haben soll, Arbeiter sind fressende Tiere.

Der Oberstaatsanwalt konzentriert sich auf die Wahrung der allgemeinen Normen des Anstandes. Schmerzlich vernachlässigt er den Umstand, dass Häftlinge misshandelt wurden. Es war die "Naumburger Einwohnerwehr, die während der kritischen Kapp-Tage die Gefängnisse bewachte". Die Aussage zum Umgang mit den Gewerkschaftsmitgliedern und über die fressenden Tiere können nicht mehr überprüft werden. Gefangene und Angeklagte berichten aber mehrfach, dass die Naumburger Justiz sie in wilhelminischer Manier behandelte.

An die Untaten erinnert Adolf Leopoldt 1931 in der Roten Chronik (152):

„Und im Gefängnis in Naumburg wurden viele der Verhafteten schwer misshandelt, an ihnen ließ man den Ärger über die verunglückte [Putsch-] Aktion aus.“

 


Kämpfer des Aktions-Ausschusses im Naumburger Gefängnis

- März / April 1920 -

 

 
Entlassen**
 
Entlassen**
    

Karl Bauer

*

Friedrich Voigt

*

Carl Theile

*

Paul Kart

*

Paul Oetzel

23.4.1920

Willy Müller

*

Wilhelm Stötz

*

Rudolf Hartwig

*

Kurt Krehahn

*

Willy Winkler

23.4.1920

Hermann Köber
Altflemmingen

*

Friedrich Troitzsch

 

Max Eisen

24.4.1920

Alois Kühler

23.4.1920

Rudolf Eisen

24.4.1920

Hugo Martin

*

Willy Kroik

*

Karl Kutzsbach

*

Wilhelm Allstedt

*

Kurt Förhurzsfell

*

Oswald Schröder
Lengefeld bei Bad Kösen

24.4.1920

Hugo Faber

*

Paul Hildebrandt

24.4.1920

Georg Faber

23.4.1920

Heinrich Kupperts

*

Ernst Freytag

23.4.1920

Kurt Tannenberg
Lengefeld bei Bad Kösen

24.4.1920

Walter Marschke

*

Otto Erbes

23.4.1920

Kurt Metze
Bad Kösen

24.4.1920

Walter Keitel

24.4.1920

Werner Hermann
Bad Kösen

24.4.1920

Ernst Schulze

*

Emil Harder

23.4.1920

Walter Kramer

*

Karl Gellert

23.4.1920

Franz Erbes

23.4.1920

Moritz Fikied

*

Walter Fieker

*

Max Campe

*

Hugo Scheiber

*

Otto Hug

keine Amnestie

Walter Schmidt

*

Kurt Löber

*

Paul Hornfeld

*

Wilhelm Fuchs

*

Kurt Jardzinski

23.4.1920

Karl Vogel

23.4.1920

Max Pause

23.4.1920

Heinrich Seidler

*

Leopold Heinrich

23.4.1920

Walter Lohmey

*

Otto Troitzsch

23.4.1920

Otto Hilse

23.4.1920

Otto Winter

keine Amnestie

Theodor Krystek

*

Erich Jahn

*

Karl Reinhold

23.4.1920

Otto Venke

Amnestie

Willi Scholzel

Amnestie

Otto Erbes

*

Adolf Schuster

25.4.1920

Martin Müller

23.4.1920

Ernst Rein

24.4.1920

Otto Schischke

24.4.1920

Paul Triebe

23.4.1920

Fritz Mirus

23.4.1920

Kurt Tölpe

Amnestie

Oscar Elste

*
  


* Es liegen keine Daten vor. Die Mehrheit wurde mit großer Wahrscheinlichkeit noch 1920 aus dem Gefängnis entlassen.

**Entlassen laut Hörsing-Dekret - keine Amnestie bezieht sich auf das Jahr 1920.

 

 

 

Otto Hörsing (1874-1937) bemüht sich um die Freilassung der Kämpfer des Aktions-Ausschusses. Am 15. April 1920 sendet er ein Telegramm an die Staatsanwaltschaft Naumburg (siehe unten) und weist die Freilassung von sechzig Kapp-Putsch-Kämpfern aus dem Gefängnis Naumburg an.

 

 

Telegramm von Otto Hörsing (1874-1937) an die Staatsanwaltschaft Naumburg vom 15. April 1920.

Quelle: Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. C 141 Naumburg. Dokument im Schwarzweiss-Umkehrverfahren digital bearbeitet. Keine Veränderungen der semantischen Bildinformationen vorgenommen.

Otto Hörsing, SPD, seit 1924 Vorsitzender des Reichsbanners. 1932 schliesst ihn die Partei aus.

Siehe auch: Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik - Das Kabinett Fehrenbach, Band 1, Dokumente Nr. 208: Aufruf des Oberpräsidenten Hörsing vom 16. März 1921 zum Einsatz der Schutzpolizei im sächsischen Industrierevier, Seite 584-585.
http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/0000/feh/feh1p/kap1_2/para2_208.html oder

Brief von Paul Levi (1883-1930) an Wladimir Iljitsch Lenin (1870-1924) vom 27. März 1921.

 

Damit ist der Reichsminister für Justiz überhaupt nicht einverstanden. Vor der Nationalversammlung äussert er am 14. April 1920:

"Ich halte es, und ganz besonders unter den gegenwärtigen Verhältnissen überhaupt nicht für meine Aufgabe, dafür zu sorgen, Verbrecher der Bestrafung zu entziehen, sondern sie nach Möglichkeit der Bestrafung zuzuführen." (Reichsminister für Justiz)

Tatsächlich muss es zwischen Hörsing und dem Minister über die Freilassung der Gefangenen zu ernsten Differenzen gekommen sein. Darauf weist ein Telegramm des Reichsjustizministeriums vom 12. Mai 1920 hin, wo es heisst: An Hörsing ist nochmals die Weisung ergangen, sich nicht in die Gerichtsentscheidungen einzumischen, weil dies den ordentlichen Gang der Rechtspflege gefährdet. Sollte der Regierungskommissar auch jetzt noch Anordnungen treffen, die in die Gerichte eingreifen, bittet der Minister um Nachricht. (Vgl. Justizminister)

 

 

Naumburger Gerichte haben
in der tollsten Weise das Recht gebeugt  zurück

"Durch die bisher in Naumburg verhandelten Prozesse, z.B. den Kilian Prozess, Ferchlandt-Prozess und viele andere ist Naumburg in ganz Deutschland als ein Hauptstützpunkt der Reaktion bekannt geworden", beklagt die Tribüne (Erfurt) im April 1920. "Die Stadt Naumburg a. d. Saale ist der Sitz der 16. Reichswehrbrigade und zugleich das Zentrum der reaktionären Clique in Mitteldeutschland." "Die Naumburger Staatsanwaltschaft zeichnet sich in diesem Kreise ganz besonders aus." (Volksbote, Zeitz, 22. April 1920) "In Kösen hat der Polizeigewaltige Riedel", moniert SPD-Mitglied August Huth aus Bad Kösen am 17. April 1920, "der sich öffentlich für Kapp-Lüttwitz gestellt hat, den Polizeisergeanten Marx, der sich auf Erbert-Bauer gestellt hat, dieser Tage aus dem Polizeidienst entlassen. Prachtvolle Zustände! Die treuen Anhänger von Ebert-Bauer fliegen. Da ist freilich kein Wunder, dass der Herr Staatsanwalt Schweitzer in Naumburg vom ersten Tage des 13. März so wüten konnte. Ein

Kapphengst vom reinsten Wasser,

hat die volle Gewalt über die armen Ebert-Kämpfer."

Viele Kapp-Gegner betrachten die Naumburger Gerichte als Institution des Klassenrechts.

Kaiser-Wilhelm-Platz mit Blick zum Schwurgerichtsgebäude (Etwa um 1900, Bild digital bearbeitet.)
Schwurgerichtsgebäude (um 1900), Richtfest 18. August 1858
Das alte Schwurgerichtsgebäude als Teil der Justizvollzugsanstalt Naumburg (2006)

Nach Beendigung der Kämpfe kommen viele Zivilisten wegen unerlaubten Waffenbesitz und Zusammenrottung oder Hausfriedensbruch vor Gericht. "…. die ganze Art Zeugenvernehmung, wie sie der Vorsitzende der Naumburger Strafkammer im Prozess gegen die wegen unbefugten Waffentragens und Landfriedensbruches angeklagten Arbeiter vornahm," beklagt Bernhard Düwell in seiner Reichstagsrede am 29. Juli 1920, "zeigt ganz deutlich, dass die Naumburger Richter unter allen Umständen ein Urteil erzielen wollten. Zu diesem Zwecke haben sie, hat besonders der Staatsanwaltschaftsrat Hardt, der die Anklage vertrat, mit allen Mitteln dem Gericht, den Richtern und Geschworenen, die Ueberzeugung zu suggerieren versucht, dass man es bei den angeklagten Arbeitern mit ganz gefährlichen, verbrecherischen Subjekten zu tun habe."

Der Zivilkommissar für den Bezirk Merseburg Krüger protestiert am 24. April 1920 bei der Staatsanwaltschaft in Naumburg:

"Erneut gehen mir Klagen darüber zu, das Leute, sie sich anlässlich Putschtage an den Kämpfen beteiligt haben, noch in Haft sind oder noch in Haft genommen werden. Ich lehne es selbstverständlich ab, der Staatsanwaltschaft das Ansinnen zu stellen, Leute die gemeiner Verbrechen beschuldigt werden, die Stange zu halten."

Krüger sind eine Reihe von Personen namhaft gemacht worden, "die nur leitende Arbeiten verrichteten oder in den guten Glauben für die Verfassung gekämpft zu haben". "Meine Aufgabe ist es", legt er der Naumburger Staatsanwaltschaft dar, "für Ruhe und Ordnung zu sorgen, erblicke ich auch darin, Beunruhigungen, ohne übertriebene Ängstlichkeit zu vermeiden. Die Verhaftungen lösen aber meist auf den Industriewerken, wo die Leute beschäftigt sind, solche Wirkungen aus. Ich ersuche daher ergebenst alle die Fälle eingehend zu prüfen und die Haftentlassung herbeizuführen."

Über die Rechtmäßigkeit des Handelns der Kapp-Gegner und die rechtspolitischen Konsequenzen geraten die Parteien in heftigen Streit. Im Rathaus von Halle treten am 26. März die politischen Verantwortungsträger zusammen. Dabei ein Vertreter Reichsministeriums des Reichskanzlers, ein Vertreter des Reichswehrministeriums in Berlin, des Generals Lequis, und Militärvertreter aus Halle und Naumburg. Sie schliessen ein Abkommen, dass zum Abbruch der Kämpfe in Mitteldeutschland führt. Punkt 6 lautet: "Vollständige Amnestie für diejenigen die sich dem Kampfe gegen die konterrevolutionäre Truppen beteiligt haben, sowie auch für die politischen Vergehen und Verbrechen aus der Zeit vor dem 12. März 1920: Oberpräsident Hörsing erklärt, voll und ganz auf dem dieser Forderungen zu stehen." (Düwell 29.7.1929)

Straffreiheit für die Kapp-Gegner, darauf weist Bernhard Düwell am 29. Juli 1920 in seiner Reichstagsrede hin, ist nicht eine Frage der Gnade, sondern eine Selbstverständlichkeit zur "Wiederherstellung des geschändeten Rechtes in Deutschland".

In der Praxis ist das nicht einfach zu bewerkstelligen. Obwohl der Oberpräsident der Provinz Sachens Otto Hörsing und die Reichsregierung dieses Abkommen anerkennen, trägt es keinen Gesetzescharakter, weshalb es durch die Gerichte nicht problemlos anwendbar ist. Daraus erwachsen weitere Konflikte, was sich andeutet, wenn Bernhard Düwell feststellt: "Die Naumburger Behörden haben einfach erklärt, das Hallesche Abkommen gehe sie gar nichts an, sie seien vollkommen unabhängig von der Regierung." So "liessen die Naumburger Justizbehörden bisher eine große Zahl von Arbeitern hinter Schloss und Riegel stecken."

Die Führung der Reichswehrbrigade 16 steht, wie sie im Schreiben am 20. April 1920 an den Ersten Staatsanwalt Drygalski in Naumburg mitteilt, auf dem Standpunkt, dass das Abkommen von Halle von den Arbeitern [in Halle] gebrochen wurde und deshalb bedeutungslos ist.

Das ruft bei nicht wenigen Kapp-Gegnern schwere politische Verstörungen hervor. Sie fürchten um ihre Freiheit und den wirtschaftlichen Niedergang. Auch anderen Orts erregt das Vorgehen der Naumburger Staatsanwaltschaft Unmut. Am 16. Juni 1920 intervenieren der Deutsche Bergarbeiterverband (Max Köhler), Deutsche Metallarbeiterverband (Kittelmann), Maschinen- und Heizer Verband (Drygalla), Vorsitzende des USPD-Ortsvereins, Vertrauensmann Deutscher Landarbeiter (Waitz) und das Gewerkschaftskartell (Günther) aus dem 24 Kilometer nördlich von Naumburg gelegenen Mücheln beim Oberpräsidenten der Provinz Sachsen Otto Hörsing. Sie klagen darüber, dass der Bergmann Karl Schneider verhaftet wurde, weil er in Branderoda die Einwohnerwehr mit entwaffnet hat. Die Festnahme ruft große Empörung hervor. "Gegen das Vorgehen der Naumburger Staatsanwaltschaft" legen sie "den schärfsten Protest" ein. Auf diese Weise trägt die "Naumburger Staatsanwaltschaft, in die hiesige Arbeiterschaft dauernde Unruhe" hinein. "Unterzeichnete Verbände lehnen die Verantwortung ab, wenn aus der systematisch geschaffenen Kampfstimmung in der Arbeiterschaft ein allgemeiner Generalstreik sich entwickeln wird". Die Briefschreiber bitten Otto Hörsing um die Reglung dieser Angelegenheit. Zwei Tage später ersucht der Oberpräsident den Generalstaatsanwalt von Naumburg, "falls Schneider kein gemeines Verbrechen begangen" hat, aus der Haft zu entlassen.

Nach dem Scheitern des Putsches werden die Naumburger Gerichte und Behörden nicht müde zu behaupten, dass sie der Regierung Ebert-Bauer immer treu ergeben waren. Zum Beispiel behauptet der erste Staatsanwalt von Naumburg am 14. April 1920:

"Bemerkt sei, dass auch weder von Seiten der Einwohnerwehr noch von Seiten irgend einer Behörde in Naumburg eine Parteinahme für Kapp=Lüttwitz erfolgt ist." (Notizen)

Major Wiesner äussert im Aufruhr-Prozess am 3. August 1920 vor dem Schwurgericht:

"In Naumburg ist nichts für Kapp geschehen."

Exakt diese Auffassung vertritt (auch) Oberstaatsanwalt Hardt vom Landgericht Naumburg im Brief vom 18. August 1920 an den Generalstaatsanwalt. Danach standen die in Naumburg stationierten Reichswehrtruppen auf Seiten der Regierung Ebert-Bauer und handelten rechtmässig. Hingegen operierten die Kämpfer vom Aktionsausschuss gegen die regulären Truppen und mussten deshalb damit rechnen, niedergeschossen zu werden. Wörtlich:

"Die bewaffneten Arbeiter, welche am 19ten März 1920 in Kösen der aus Weimar kommenden Reichswehr den Weg nach Naumburg zu verlegen suchten, kämpften nicht zum Schutze der Regierung Ebert-Bauer, sondern gegen Truppen, die, wie überall öffentlich bekannt gemacht war, auf dem Boden der Regierung Ebert-Bauer standen. Die Truppe hatte dienstlichen Befehl, jeden Aufrührer, der mit der Waffe in der Hand im Kampfe gegen sie stand, zu erschiessen."

Reichstagsabgeordneter Bernhard Düwell erörtert am 29. Juli 1920 die Konsequenzen der Naumburger Rechtsauffassung: "Indem das Naumburger Gericht die Beweisführung darüber, dass das Militär in Naumburg, Weißenfels, Halle und so weiter kapistisch gewesen sei, abschnitt, indem es verhinderte, dass der wirkliche Grund, aus dem heraus die Arbeiter zu den Waffen gegriffen hatten, herauskam, ein Grund, der zum Freispruch führen musste, hat es in der tollsten Weise das Recht gebeugt." "Wir verlangen, dass wegen der Spruchpraxis, die in den letzten Monaten vom Naumburger und Hallenser Schwurgericht und den dortigen Strafkammern gegen die Arbeiterschaft Mitteldeutschlands geübt worden ist, allerstrengste Untersuchung und Bestrafung derjenigen vorgenommen wird, die erwiesenermassen jede Objektivität in ihrer richterlichen Handlungen haben vermissen lassen."

Wilhelm Koenen (1886-1963) geht in der Debatte zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses über die Zustände in den Strafanstalten im November 1921 im Reichstag noch weiter und fordert: "Er muss mit Jagow, mit [Georg] Schiele, mit Traub, und wie sie alle heissen, auf die Anklagebank und darf nicht Oberstaatsanwalt spielen! Wir haben in den Kapp-Tagen und vorher die Erfahrung gemacht, dass

dies Naumburg eine echte Kapp-Stadt.

ist. Die Mitteldeutschen Arbeiter nennen es nicht anders." (Koenen 1921)

Der Kreisrat für die Einwohnerwehren der Kreise Naumburg Stadt, Land und Eckartsberga Max Jüttner (Naumburg) pflegte Kontakte zu den Umstürzlern.

Georg Schiele (Naumburg) schickte sich an, als Wirtschaftsminister im Kabinett Kapp-Lüttwitz Verfassungsbruch zu begehen.

Die angebliche Regierungstreue der Naumburger Truppen war eine Lüge. Generalmajor Hagenberg stand in Weimar auf Seiten der Putschisten. Naumburger Truppen unterstützten ihn am 15. März.

Ausserdem deckt die Staatsanwaltschaft des Landgerichts Naumburg die Gewaltexzesse an den festgenommenen Kämpfern im Gefängnis und an anderen Orten. Hunderte Kämpfer und Mitstreiter der örtlichen Aktionsausschüsse bezahlen ihren Einsatz für die rechtmässige Regierung mit dem Verlust der Freiheit und schweren persönlichen wirtschaftlichen Nachteilen. Darüber kann man im politischen Berlin nicht länger hinwegsehen. Aus dem Justizministerium (Berlin, Wilhelmstraße 65) ergeht am 19. April 1920 an die örtlichen Organe der Rechtspflege eine Weisung zur Entschärfung des Konflikts. Der Justizminister insistiert darauf, dass

"ein subjektives Bewusstsein von der Rechtswidrigkeit, selbst wenn nach dem objektiven Tatbestand eine strafbare Handlung feststellbar"

bei den Anti-Kapp-Aktivisten nicht vorliegt. Er bittet die Beamten der Staatsanwaltschaften, dies in Betracht zu ziehen. Wenn eine "Außerverfolgungsetzung" nicht möglich ist, so soll eine Information an Minister Hugo am Zehnhof ergehen. Am 24. April 1920 ordnet Oberpräsident Hörsing aus Magdeburg als Regierungskommissar an, Personen die im Zusammenhang mit dem Putsch im März in Haft genommen wurden, ausser im Fall von Hochverrat, Mord, Totschlag, Brandstiftung, Plünderung oder Diebstahl, auf freien Fuss zu setzen.

 

 

Folgen  zurück

Die Gefahr der Errichtung einer Diktatur scheint gebannt. Wolfgang Kapp und Georg Wilhelm Schiele sind auf der Flucht. Aber ihr Groll auf die Sozialisten und Kommunisten halt tausendfach durch die Republik. Es manifestiert sich eine irrationale Angst vor dem Bolschewismus. Nach dem Zusammenbruch des Putsches fand die Rechtspresse, wie Werner Liebe rekonstruierte (1956, 58), nicht ein Wort der Verurteilung der Putschisten. "Statt dessen wies sie immer wieder auf die Gefahren der bolschewistischen Welle …. hin …" Es vertieft sich die politische Kluft zwischen der sozialistisch / kommunistisch orientierten Arbeiterschaft und der deutschnationalen Bürgerschaft.

Schon die Naumburger Einwohnerwehr atmete nicht den republikanischen Geist. Die Verteilung von Waffen unter ausgewählten Bürger barg die Gefahr unabsehbarer Folgen in sich und war aus staatspolitischer Sicht nicht durchdacht.

Unzufriedenheit mit dem Kabinett Gustav Bauer gab es zur Genüge. Hervor tat sich besonders der sozialdemokratische Oberpräsident von Ostpreußen August Winning (1955, 275), der erklärt: "Ich konnte ihren Sturz nicht bedauern, sie hatte ihn verdient, und Kapp hatte uns vor ihr erlöst." Er wird seines Amtes enthoben und aus der SPD ausgeschlossen. - Das gesamte Reichskabinett tritt um den 26. März zurück. Unter Reichskanzler Hermann Müller (1876-1931) kommt es zur Kabinettsumbildung. Wiederaufbauminister Otto Gessler (1875-1955) wird Reichswehrminister und Hapag Direktor Wilhelm Cuno (1876-1933) Finanzminister. Doktor Joseph Wirth(1879-1956) übernimmt das Schatzministerium. Wahrscheinlich am 28. März 1920 tritt das Kabinett Müller I zur ersten Kabinettssitzung zusammen.

Gustav Noske musste als Reichswehrminister zurücktreten. Otto Wels will den Posten auf Grund seiner Erfahrungen als Stadtkommandant von Berlin 1918 nicht übernehmen. Der SPD gelingt es nicht, einen anderen Kandidaten aufzustellen. Ihr Einfluss auf die Reichswehr geht verloren. Noskes Wehrpolitik führte nicht nur die Regierung innenpolitisch in den Bankrott, sie belastete die SPD-Genossen in Naumburg mit einer schweren politisch-moralischen Hypothek, die sie trotz aller Anstrengungen nicht abtragen konnten. Mit dem Einsatz der Baltikumer, Reichswehr und Freikorps für die nationale Sicherheit reaktivierte Noske den alten Geist des Militarismus, den die Republik nicht mehr los wird. Ihr gelang es nicht eine antimilitaristische Kultur zu etablieren. Symbolisch dafür der Deutsche Tag 1924 in Halle. Ein Staat im Staate, wie der Reichswehr oft nachgesagt, war sie nicht. Mehrfach wirkte sie mit. Etwa als Müller, Brüning oder von Papen kippten. Bürgerliche Gewalten teilten die Macht mit ihr. "Einzigartig ist die Lethargie, mit der die deutschen Linksparteien" die Generalswirtschaft "hinnehmen". "Die gelernten Marxisten zucken die Achseln", beobachtete Carl von Ossietzky (282) und sagen: "Das ist halt Klassenkampf!"

Der Regierungsbezirk Merseburg, "die Hochburgen der Unabhängigen Sozialdemokraten waren", "werden allmählich Hochburgen der Kommunisten und Syndikalisten", schätzte Otto Hörsing (SPD) die politische Lage kurz nach dem Kapp-Putsch ein.

Bei den Reichstagswahlen am 6. Juni 1920 stimmen im Bezirk Halle-Merseburg für die USPD 45,2, SPD 8,8 und KPD 1,6 Prozent der Wähler. Zusammen vereinen sie 55,6 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich.

Die Weimarer Koalition von SPD, Zentrum und DDP verliert die absolute Mehrheit und zerbricht.

Vom Wähler erhalten am 6. Juni die SPD 112 und die USPD 112 Mandate zugesprochen. Die Sozialdemokraten laden die USPD zur Teilnahme an ihrer Koalitionsregierung ein, weil sie daran glauben, ihre Position wesentlich verbessern zu können. Das Zentralkomitee der USPD antwortet darauf, dass die Partei nicht in eine Regierung eintreten könne, die sich an der Wiederaufrichtung des Kapitalismus beteiligt, weshalb sie schon aus der ersten Regierung nach dem Krieg ausgetreten war. "Für die USPD.", führt Eugen Prager (1921, 218) den Gedanken fort, "könnte also nur eine sozialistische Regierung in Betracht kommen, in der sie die Mehrheit habe, den bestimmenden Einfluss ausübe, und in der ihr Programm die Grundlage der Politik ist." Mit dieser Absage der USPD an eine Koalitionsregierung schliesst sich der politische Raum für gesellschaftlich alternative Entwicklungen.

 

 

Rückblick  zurück

Das erste Denkmal für die Kapp-Putsch Kämpfer in Naumburg auf dem Friedhof an der Weidenfelder Strasse. Es stammt wahrscheinlich aus den 20er Jahren.

Gleich nach Wiederherstellung von Ordnung und Sicherheit in Naumburg beginnt die öffentliche Umdeutung des Widerstandes gegen den Kapp-Putsch als

spartakistisches Abenteuer.

Man will die Kämpfer des Aktionsausschusses in das Abseits der Geschichte drängen. Aber für die Anderen, die Bürger- beziehungsweise Einwohnerwehr, „die sich mit so außerordentlicher Aufopferung für die Aufrechterhaltung der Ordnung und den Schutz gegenüber dem Ansturm der Zerstörung einsetzten“, erbittet das Naumburger Tageblatt am 24. März 1920 „Liebesgaben“. Weiter heißt es:

„Geldspenden nehmen die Sparkassen und Banken entgegen.“

Die Rote Chronik der Kreise Zeitz, Weissenfels, Naumburg (1931, 152) charakterisiert dies als eine Widersinnigkeit der Stadtgeschichte:

„Der Kapp-Putsch hatte noch lange Nachwirkungen, wenigstens für die Arbeiter. Trotzdem die alte Regierung Ebert wieder an das Ruder kam und eigentlich alle bestraft werden mußten, die den Putsch angezettelt oder unterstützt hatten, trat das Gegenteil ein. Bestraft wurden die, die geholfen hatten, den Putsch niederzuringen. Das ganze Jahr hindurch wurden Arbeiter verhaftet und später zu schweren Zuchthausstrafen verurteilt.“

 

Der Widerstand gegen Kapp als Kampf der roten Banden

Einen umfassenden politischen und ideologischen Angriff auf den Widerstand gegen den Kapp-Lüttwitz Putsch unternimmt Helmut Böttcher mit dem Buch

Kapp-Lüttwitz-Putsch. Generalstreik und Bürgerkrieg. Die Wahrheit über die Ereignisse in Halle (Saale) und Mitteldeutschland (1920).

Noch im Jahr des "militaristischen Staatsstreiches" (Volksstimme, Magdeburg) wartet er zumindest für Naumburg und Umgebung mit folgender kruden Darstellung (89f.) auf:

"Sowohl in Freyburg, wie in zahlreichen Orten des Naumburger Kreises, wurden Russen, zum Teil Offiziere, als Führer der spartakistischen Banden festgestellt. Auch wurde beobachtet, dass sich Zigeuner als Spitzel in den Diensten der roten Banden befanden.

Um die Stadt Naumburg wurde mehrere Tage erbittert gekämpft. Dabei gingen die roten Banden, wie überall, von dem Grundsatz aus, erst die weiter gelegenen Ortschaften auf dem Lande zu entwaffnen, und dann den Ring um die Stadt immer eng zu ziehen, bis der Angriff auf die Stadt selbst erfolgen konnte. Die Einwohnerwehr hielt die Stadt tapfer bis zum Eintreffen der Garnison, die vorher in Weimar verwendet worden war. Auf dem Marsche nach Naumburg hatte die Reichswehr ein starkes Gefecht bei Kösen, wo mehrere Unabhängige fielen."

Die Schilderung der Ereignisse entspricht nicht den realen Abläufen. Zum Beispiel sind Russen als Führer in Naumburg und Umgebung nicht gesehen worden. Doch im dreissig Kilometer entfernten Merseburg schon. Dort stellten sich einige Kompanien russischer Kriegsgefangener aus einem Lager auf die Seite der Arbeiterwehr (vgl. Schunke 62). Was ist aber mit spartakistischen Banden gemeint? Etwa die Aktionsausschüsse? Sie zogen einen Ring um die Stadt, behauptet der Autor. Um Naumburg jedenfalls nicht. Die Einwohnerwehr hielt die Stadt tapfer? Ja, in der Uta-Stadt schützt sie einige staatliche Gebäude. Und am 19. März stand sie gemeinsam mit der Reichswehr am Oberlandesgericht-Moritzwiesen und anderen Stellen in der Stadt im Gefecht.

Mit der Umdeutung des Widerstands gegen Kapp in einen Kampf der roten Banden verunglimpft Helmut Böttcher die Tätigkeit der Aktionsausschüsse. Als Hauptschriftleiter der Halleschen Zeitung hat er darin eine gewisse Übung. Ein ums andere Mal bringt diese Zeitung in den Kapp-Tagen ihre Sympathie mit den Putschisten zum Ausdruck.

 

Der Kapp-Putsch als Kampf gegen den Bolschewismus

Nicht nur Helmut Böttcher (1920), auch prominente Politiker missdeuteten oder entstellten den Kampf gegen die Militärrevolte. "…. wir haben auch der Sozialdemokratie vor Augen geführt," so Gustav Stresemann von der Deutschen Volkspartei,

"dass es nicht um einen Kampf zwischen der alten Regierung und Kapp handele, sondern um einen Kampf gegen den Bolschewismus." (1920, 202)

Die Verdrehung von Tatsachen über den Widerstand gegen Kapp-Lüttwitz begünstigte politische Fehlurteile, brachte viel Unglück und Erniedrigung über die aktiven Gegner des Kapp-Putsches. Deshalb sind einige sachliche Korrekturen am 24. März 1920 im Naumburger Tageblatt veröffentlichten Bericht

Die Vorgänge in Naumburg seit der Gegenrevolution

notwendig:

  • Nicht der Bolschewismus war Anlass oder Ursache der Unruhen in Naumburg, sondern die militante Rechte putschte unter Mitwirkung von Kreisrat Max Jüttner und Georg Schiele (DNVP) sowie den Imponderabilisten und der Naumburger Reichswehr (13./14. März).

  • Die Zeitung verleugnet den mutigen Widerstand gegen den Putsch und macht die ungerechte Behandlung der Anti-Kapp-Kämpfer durch die Polizei, das Militär und die Naumburger Justiz nicht öffentlich.

  • Der Bericht umgeht die Frage nach der Verantwortung des Oberbürgermeisters und Militärkommandeurs für den blutigen Dienstag.

  • Im Goldenen Hahn befand sich nicht, wie die Zeitung behauptet, die Zentrale der Spartakisten, sondern die Arbeitsräume des gewählten Aktionsausschusses. Und es war ein Treffpunkt der Kapp-Gegner. Nach dem blutigen Dienstag (16. März) deponierten sie hier und im Fuchsbau (Schulstrasse) zeitweise Waffen.


Die nationalsozialistische Geschichtspolitik übernimmt das Interpretationsschema aus Der Kampf gegen Kapp-Lüttwitz als Aufstand der Spartakisten und Marxisten von Helmut Böttcher (1920). Den Gefallenen der Einwohnerwehr und des Landesjägerkorps weihen sie am 28. April 1935 in Naumburg ein Denkmal. Ausdrücklich wenden sie sich gegen die Gegner von Kapp-Lüttwitz. Hierbei schlägt Turnlehrer Friedrich Banse (Naumburg) wüst mit Worten um sich:

"Die rote Zwietracht aus dem Osten ging frei durchs deutsche Land, und die goldene Spinne aus dem Westen saugte blutgierig am deutschen Lebensmarke."

 

Georg Schiele (Naumburg) delegimitiert die Republik

Von zehn bekannten Urhebern des Putsches entkamen sieben. Vor Gericht stehen lediglich Jagow, von Wangenheim und Georg Schiele (Naumburg). Unter Vorsitz von Senatspräsident Doktor von Pelargus beginnt am 7. Dezember 1921 vor dem Vereinigten II. und III. Strafsenat am Reichsgericht in Leipzig die Hauptverhandlung des Jagow-Prozesses. Er "war zuzeiten überhaupt nicht bei der Sache", registriert ein Beobachter. An den Wänden des Gerichtssaals gut sichtbar die Symbole der alten Zeit. Zwei riesige Ölgemälde vom deutschen Kaiser prangen hier. Es waren ja nur Äusserlichkeiten, sagte man denen, die daran Anstoss nahmen. "Äusserlichkeiten - aber solche, die Innerlichkeiten widerspiegeln."

"Dem Zeugen [Gottfried] Traub wurde ausdrücklich gestattet, einen längeren Stimmungsbericht zu verlesen, der den ungeheuren Jubel der Bevölkerung über das Kapp-Unternehmen schildere, und der mit den zu klärenden Fragen nicht das mindeste zu tun hatte." (Bauer)

Als Angeklagter vor dem Reichsgericht in Leipzig lehnt Georg Schiele jede Verantwortung ab. (a) Er betrachtet "das Kapp-Unternehmen [als] nicht verfassungswidrig". (b) Es sollte nur der geltenden Verfassung zum Recht verholfen werden. Er war (c) nicht Urheber und (d) Führer des Unternehmens. - Nur einmal hat er die Nationale Vereinigung besucht, "bin bloss Zuschauer gewesen", sagt der Ideengeber des Putsches vor Gericht aus (vgl. Brammer 1922, 10, 70-71).

"Die außerordentliche große geschichtliche und rechtliche Bedeutung des Leipziger Hochverratsprozesses", betont Karl Brammer (1922, 7), steht "außer allem Zweifel", weil er den Angriff auf das in der Revolution gewordene Recht abwehrt. Georg Schiele (Naumburg) unternahm den Versuch es zu delegitimieren, um den Hochverratsparagraphen zu erschüttern. Zu seiner Verteidigung brachte er die alles entscheidende Frage auf,

ob ".... jedes Recht und jede Rechtsordnung in Deutschland [am 9. November 1918] aufgehört hat".

"Das Reichsgericht in Leipzig hat diese Frage verneint und hat sich damit die allgemein anerkannte Auffassung der Staatsrechtslehrer zu eigen gemacht, die da sagen, daß die Anerkennung einer durch Umsturz entstandene Verfassung eine Machtfrage. Die Revolution ist ein Grenzfall, in dem sich das Recht der Macht zu beugen hat." (Brammer 1922, 10) Das Gericht muss Schieles Rechtsauffassung, nicht zuletzt in Anbetracht der Tatsache, dass das Volk als Souverän für das Recht auftritt, zurückweisen. Andernfalls stellt es die aus der Französischen Revolution von 1789 hervorgegangene Rechtsordnung - also die bürgerliche Gesellschaft - als Ganzes in Frage.

Das Verfahren gegen den Angeklagten von Wangenheim und Dr. Georg Schiele wurde nach Paragraph 1 Absatz 2 und Absatz 1 des (Amnestie-) Gesetzes vom 4. August 1920 eingestellt.

Fortan tut Georg Schiele alles, um die Weimarer Republik und Demokratie zu delegitimieren. Grundlage bildet seine Überzeugung von der Nichtexistenz der Rechtsordnung. Dennoch ist es ihm in Leipzig nicht gelungen, den Hochverratsparagraphen durch seine rechtspolitische Argumentation zu erschüttern.

 

Ärger in der Arbeiterbewegung

Zunächst nimmt die KPD-Zentrale zum Kapp-Lüttwitz-Putsch eine abwartende Haltung ein. Jahrzehnte später in Ostdeutschland erscheinende Veröffentlichungen übergehen das öfter mal. "Die Kommunisten hatten sich von Anfang mit an die Spitze des Kampfes gegen Militärdiktatur gestellt", informiert

März 1920,
Arbeiterklasse vereitelt den Kapp-Putsch 
(1981, 158)

den Leser. Tatsächlich war es etwas anders. "Das Proletariat", verkündet die KPD-Zentrale im Aufruf vom 13. März 1920,

"wird keinen Finger rühren
für die demokratische Republik."

"Die Arbeiterklasse wird den Kampf gegen die Militärdiktatur aufnehmen in dem Augenblick und mit den Mitteln, die ihr günstig erscheinen. Dieser Augenblick ist noch nicht da."

Erst am 15. März ruft die KPD-Zentrale zum Generalstreik auf. Für die Region Halle-Weissenfels-Zeitz-Naumburg ist dies allerdings nur von untergeordnetem praktischen Interesse. Denn bereits am 13. März proklamieren die Bezirksleitung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, die Bezirksleitung der Unabhängigen Sozialdemokraten und die Bezirksleitung der Kommunistischen Partei für den Regierungsbezirk Merseburg den Generalstreik. Sofort aktivieren sich, wie in Naumburg oder in Bad Kösen zu beobachten, KPD-Mitglieder und nehmen aktiv am Widerstand gegen Kapp-Lüttwitz teil. Von einer ideologischen Okkupation der Bewegung durch die Kommunistische Partei kann keine Rede sein.

Robert Dissmann (1878-1926), der 1914 gegen die Bewilligung der Kriegskredite und Burgfriedenspolitik opponierte, bringt am 12. Oktober 1920 auf dem USPD-Parteitag Halle folgende Kritik zur Rolle der KPD-Führung während der Märztage vor: "Das war Kamerad [Wilhelm] Koenen [1920 Mitglied der KPD] … Jener revolutionäre Kamerad hatte in jenen Tagen nicht mehr Kourage wie Karl Legien und Genossen. (Sehr richtig. Beifall und Widerspruch.) Jawohl, so steht die Sache. Und ich habe die Leute und die Parteigenossen kennengelernt in jenen Tagen [des Kapp-Putsches]; sie waren herzlich froh, an den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund, an die Afa sich stützen zu können, sich an ihre Rockschösse hängen zu können. (Sehr richtig!) SO war`s bei Euch und keinen Deut anders. (Beifall.) Als aber dann, werte Parteigenossen, der Karfreitag kam, da stellten sich dieselben tapferen Kämpfer die mit uns im Kämmerlein gemeinsam getagt und beschlossen hatten, da stellten sie sich auf die Straße und sagten: seht jene Arbeiterverräter! (Hört, hört!) Genossen, wenn man eine solche treulose Kameradschaftlichkeit bei Lichte betrachtet, so kann ich nur sagen, für solche Methoden hat ein ehrlich denkender Mann nur Verachtung übrig. (Lebhafter Beifall.)" (Protokoll 39)

 

1960 beklagt die Schrift

März 1920
Der Beitrag der Arbeiterklasse der Kreise
Weissenfels, Naumburg, Hohenmölsen und Zeitz
(vgl. 26),

dass der militärische Kampf durch die Arbeiter nicht bis zum Umsturz fortgesetzt wurde. Die Autoren beherrscht die Vorstellung: Je mehr militärischer Widerstand, desto besser. Sie war, wie der Fall Albert Bergholz (Zeitz) vor Augen führt, zur Obsession geworden. Vierzig Jahre nach den Verhandlungen, die er mit der Reichswehr in Zeitz über einen Waffenstillstand führte, wirft ihn die in Weissenfels erschienene Schrift vor, "die Erfolge der Arbeiterklasse restlos preisgegeben und den Klassenstandpunkt verraten" zu haben, obwohl "die Lage der Kappisten völlig hoffnungslos war" und "die Arbeiter eindeutig alle Trümpfe in der Hand hielten". Das war mithin das Schlimmste, was man über einen Mitkämpfer und Genossen sagen konnte. Ist beziehungsweise war es denn aber auch berechtigt?

Ein erster, zugegeben ziemlich simpler Einwand, ergibt sich aus dem Umstand, dass diese Einschätzung auf der taktischen Bewertung des militärischen Kräfteverhältnisses zwischen den Anti-Kapp-Kämpfern und Reichswehr basiert. Aus strategischer Sicht fällt sie wahrscheinlich ganz anders aus.

Die aus den Unstimmigkeiten zwischen KPD- und USPD-Genossen resultierenden psychologischen Konflikte sind erheblich schwieriger zu rekonstruieren. Überliefert ist, dass die "Vorschläge und Bedingungen" der Verhandlungen "ohne Kenntnis der Kommunisten von den Unabhängigen unter sich ausgemacht und von Bergholz formuliert worden" sind. Während "die Kommunisten die Verantwortung für alle Massnahmen des Aktionsausschusses inne hatten, führten die rechten USPD-Führer [mit Bergholz] Seperatverhandlungen." Das war ärgerlich, stellt 1960 (213) das Autorenkollektiv der Abteilung Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung im Aufsatz von Zeitzer Arbeiter schlagen den Kapp-Putsch nieder fest. Was als Separatverhandlung bezeichnet wird, könnte vielleicht das Resultat einer Entscheidung sein, die die USPD im Zeitzer Aktionsausschuss (SPD, KPD, Gewerkschaften), wo sie die Mehrheit besitzt, herbeigeführt hat. Andererseits ist denkbar, dass ihre verantwortlichen Akteure eine kollektive Beratung vermieden, weil sonst heftige Konflikte aufzubrechen drohten. Denn die Bildung der Arbeiterwehr und Requirierung der Waffen in den umliegenden Dörfern lag in den Händen des Kommunisten Walter Gaudes (Zeitz). Die KPD handelte gemäss dem ideologischen Theorem der Interdependenz von innenpolitischer und militärischer Macht. Ihre Zentrale servierte es in der Erklärung vom 21. März 1920 so:

Wo "dem Proletariat noch keine ausreichende militärische Macht zur Verfügung steht", sind "die objektiven Grundlagen für die proletarische Diktatur im gegenwärtigen Moment nicht gegeben".

Daraus folgt, je grösser die militärische Macht (Kraft) der KPD, desto günstiger für den politischen Progress. Ähnlich dachte im November `18 die herausragende Theoretikerin Rosa Luxemburg. "Der Bürgerkrieg", diktiert sie am 20. November in der Roten Fahne, "den man aus der Revolution mit ängstlicher Sorge zu verbannen sucht, lässt sich nicht verbannen. Denn Bürgerkrieg ist nur ein anderer Name für Klassenkampf …." Dass die mutige Kriegsgegnerin die Hyperion-Perspektive "Wie der Zwist der Liebenden, sind die Dissonanzen der Welt. Versöhnung ist mitten im Streit und alles Getrennte findet sich wieder" (Hölderlin) bemüht, hat wohl niemand erwartet. Aber es muss die Frage erlaubt sein, ob für den Bürgerkrieg überhaupt eine Massenbasis bestand. Ganz offensichtlich nicht. Zu den Lehren aus der Märzaktion (1921, 8), dem Leuna-Aufstand gehört, dass "bei keiner dieser Kämpfe" "auch nur die Spur der ideologischen und organisatorischen Bereitschaft für den Bürgerkrieg zu finden" war. Überdies wäre sein Ausgang keineswegs gewiss. Erinnert sei nur an die Schwarze Reichwehr, die Formationen der Bürgerwehr, die Freikorps oder daran, was Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (Naumburg) 1920 in einer Rede vor der Nationalversammlung die "leise Schiebung nach rechts" nennt. Und ein Bürgerkrieg kann den Hunger nicht besiegen. Aber er vertieft die ohnehin schon bestehenden, wirklich bedrohlichen volkswirtschaftlichen Verwerfungen. Deutschland benötigt alle sozialen Energien für die Schulreform, demokratische Erneuerung der Justiz, Armee und Polizei sowie Überwindung der Wohnungsnot. Ein Bürgerkrieg wäre die höchste, zugleich elendigste Form des Kampfes um die politische Macht, die Kapitulation vor der Vernunft. Das war nicht der allgemeine politische Wille der Kapp-Gegner in Zeitz, Weissenfels, Naumburg und Bad Kösen.

Damit sind genügend Gründe aufgezeigt, um das politische Urteil von 1960 über den Verhandlungsführer der Arbeiter in Zeitz zu revidieren, das nur lauten kann: Albert Bergholz handelte am 17. März 1920 in Zeitz angemessen und politisch verantwortungsvoll.

 

 

9-Punkte-Programm
Berlin, 20. März 1920.

Sofort nach dem Sturz von Kapp und Lüttwitz begannen auf Einladung des preußischen Ministerpräsidenten Paul Hirsch (SPD) zwischen dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB), dem Deutschen Beamtenbund, der Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände (AfA) und der Berliner Gewerkschafts-kommission auf der einen, und Regierungsvertretern und Abgeordneten der Koalitionsparteien auf der anderen Seite Verhandlungen. Als Ergebnis formulierte man ein 9-Punkte-Programm: 1. Unter Beteiligung der gewerkschaftlichen Organisationen wird bei der Neureglung wirtschaftlicher und sozialer Gesetzgebung die Personenfrage berücksichtigt. 2. Sofortige Bestrafung der am Putsch beteiligten Personen. 3. Gründliche Reinigung der gesamten öffentlichen Verwaltungen und der Betriebsverwaltungen von gegenrevolutionären Persönlichkeiten. 4. Schnelle Durchführung der Verwaltungsreform. 5. Sofortiger Ausbau der bestehenden und Schaffung neuer Sozialgesetze. 6. Sofortige Inangriffnahme der Sozialisierung. 7. Wirksame Erfassung der verfügbaren Lebensmittel, gegebenenfalls mit Enteignung. 8. Auflösung aller der Verfassung nicht treugebliebenen Truppenverbände. 9. Rücktritt von Noske.

 

Natürlich bestand der historische Fehler der Kapp-Gegner nicht in der vorzeitigen Beendigung des militärischen Kampfes. Vielmehr weist das Konzept des Widerstandes Mängel auf. Mit dem Generalstreik waren kaum weitergehende Forderungen zur Demokratisierung der Stadt und Gesellschaft - wie etwa die Besetzung der Schlüsselpositionen in Justiz, Polizei und Reichswehr mit Demokraten - in ernsthafte Verhandlungen getragen worden. Die rechtskonservative Machtelite wusste um diese Schwäche ihrer Gegner. So erklärte der Erste Staatsanwalt von Naumburg,

"dass sei eben das Gute, dass die Revolution das deutsche Justizwesen in keiner Weise umgestaltet und seinen Vertretern die volle Macht und Befugnisse aus der Zeit bis November 1918 belassen hatte." (Justiz)

Immerhin entstand das am 20. März beschossene 9-Punkte-Programm. - Allmählich entzieht sich dies dem Blick der Stadtgeschichte und überschreitet die Ressourcen dieser Arbeit.

 

Am 12. Juni 1920 erscheint die Schrift Der "Linke Radikalismus" in russischer Sprache, die Kinderkrankheit im Kommunismus. Autor Wladimir Iljitsch Lenin analysiert darin die zurückliegenden März-Ereignisse in Deutschland und stützt sich dabei auf die am 26. März in der Roten Fahne erschienenen Erklärung der Zentrale der KPD vom 21. März 1920. Er bezeichnet sie sowohl der "Hauptvoraussetzung" als auch der "praktischen Schlußfolgerung nach [für] vollkommen richtig". Im Text der Erklärung heisst es:

"Der proletarische Kampf gegen die Militärdiktatur war ein Kampf gegen die bürgerlich-sozialistische Koalition und hat zum Zwecke, die politische Macht der Arbeiterschaft zu erweitern bis zur vollständigen Ausschaltung des Bürgertums."

Erstens. Warum eigentlich sollen die Kapp-Gegner danach trachten das Bürgertum auszuschalten? Ihr Ziel war doch gemeinsam mit dem republikanischen Bürgertum, was in Naumburg nicht gerade stark ausgebildet war, den Putsch abzuwehren. Abgesehen davon, war dies eine vollständig falsche politische Losung und Herangehensweise auf der keine sozialistische Politik gedeihen konnte.

Zweitens. Die Kapp-Gegner in Naumburg, Bad Kösen, Weissenfels und Zeitz kämpften nicht "gegen die bürgerlich-sozialistische Koalition". Ihr Ziel war nicht der Umsturz oder die Errichtung einer Räterepublik. Albert Bergholz (1892-1957) betont auf der USPD-Versammlung am 5. Mai 1920 in Naumburg, dass die Arbeiter die Waffe nur in die Hand genommen hätten,

"um die Gegenrevolution zu stürzen und verfassungsmässige Regierung wieder aufzurichten."

Das Naumburger Tageblatt vom 24. März 1920 bestätigt dies - vielleicht eher ungewollt - in der Meldung: "Nach einem ziemlich bewegten Sonntag [14. März 1920] trat am Wochenbeginn der Ausstand der Arbeiterschaft, der sich gegen die neue [!] Regierung richtete, in Erscheinung."

Deshalb erscheint das oben zitierte Urteil von Lenin "vollkommen richtig" unhaltbar.

Mit Wort und Tat kämpft der Naumburger Aktionsausschuss, wie er klar und eindeutig in der Erklärung vom 18. März 1920 kundtut, gegen die reaktionären Gewaltpolitiker in Deutschland und für die Weimarer Republik. Der Widerstand gegen den Putsch in Naumburg war weder ein verkappter bolschewistischer Bubenstreich noch verstand er sich als Teil einer Revolte gegen die Regierung Ebert-Bauer.

 

Das Bildnis von Doktor Walther Schreiber (1884-1958) auf einer Briefmarke der Deutschen Bundespost Berlin von 1960.

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Walther Schreiber wurde am 10. Juni 1884 in Pustleben bei Nordhausen geboren. Er studiert Rechts- und Staatswissenschaften und ist danach in Halle (Saale) als Rechtsanwalt tätig. 1919 wird er Mitglied der Fraktion der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) im Preußischen Landtag. Von 1925 bis 1932 ist der Jurist als preußischer Minister für Handel und Gewerbe tätig.

1945 gehört er zu den Mitbegründern der CDU in Berlin und in der sowjetischen Besatzungszone. Im Februar 1948 wird er aus der Partei ausgeschlossen und wechselt nach Westberlin.

Von 22. Oktober 1953 bis 11. Januar 1955 ist er Regierender Bürgermeister von Berlin (West).

Walther Schreiber starb am 30. Juni 1958 in Berlin.

Seine Schrift
Die Revolution in Halle an der Saale. Meine Tätigkeit als Zivilkommissar [1920]
ist für die historische Forschung zum März 1920 von grossen Wert.

 

Etwas anders sind die Aktionen der revolutionären Kampftruppen vom 19. bis 22. März in der Schlacht um Halle zu bewerten. "Niemand, der sich selbst als revolutionäre Kampfgruppe bezeichnet hat", argumentiert Zivilkommissar Walther Schreiber (34), "kann leugnen, dass die Bewegung dieser Kampfgruppe sich gegen die Verfassung und das Gesetz richtet, sonst hätte schon der Name revolutionäre Kampfgruppe gar keinen Sinn gehabt. Die Massen der Arbeiterschaft sind also durch verantwortungslose Führer getäuscht und in die Irre geführt worden. Die Führer der Bewegung wussten mindestens von Freitag, dem 19. März ab, dass es in Halle eine Gegenrevolution nicht mehr zu bekämpfen galt."

 

Lenin nimmt in der "Linke Radikalismus", die Kinderkrankheit im Kommunismus die revolutionstheoretische Debatte zur "Eroberung der proletarischen Massen für den Kommunismus" wieder auf. Im Absatz, eingeleitet mit Die wahre Natur der jetzigen Führer der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, attackiert Lenin die USPD-Führer Artur Crispien und Karl Kautsky, nennt sie "weinerliche spießbürgerliche Demokraten". "Diese Herrschaften sind völlig außerstande," urteilt er, "wie Revolutionäre zu denken und zu urteilen."

Zuvor stimmte er ausdrücklich der KPD-Erklärung vom 21. März zu. Dort heisst es, dass die "proletarische Diktatur" "nicht aufgerichtet werden" kann, weil das "revolutionäre Bewusstsein" fehlt und das "Proletariat noch keine ausreichende militärische Macht zur Verfügung" hat. Ja, was denn nun? Revolution Nein, weil die objektiven Bedingungen nicht gegeben sind. Revolution Ja, wenn es die Polemik erfordert. Lenins Ausfälle gegenüber der USPD kommen zur Unzeit, kämpften doch ihre Mitglieder in Zeitz, Weissenfels, Naumburg, Bad Kösen und vielen anderen Orten selbstlos, kreativ und engagiert gegen Kapp-Lüttwitz. Dafür nahmen sie schwere und existenzbedrohende Konflikte auf sich.

Als die USPD-Mitglieder im Herbst 1920 zur Urwahl über den Anschluss an die III. Internationale unter den 21 Bedingungen schreiten, sind die Attacken aus dem Kreml nicht vergessen. Als einziger Unterbezirk im roten Mitteldeutschland kontert Naumburg-Zeitz-Weissenfels die 3 408 Dafürstimmen mit 4 663 Gegenstimmen.

Lenins Argumentation läuft ausserdem ins Leere, weil im März 1920 in Deutschland keine revolutionäre Situation bestand. Die von der KPD am 13. März popularisierte Utopie Für die Diktatur des Proletariats! Für die deutsche kommunistische Räterepublik! erwächst nicht aus einer Analyse. Es ist ein ideologisches Konstrukt, dass an aus dem Elend des Krieges erwachsenen kommunistischen Stimmungen anknüpft, aber unter revolutionstheoretischem Gesichtspunkt keine Anhaltspunkte oder Argumente enthält.

 

Über die Frage des Aufstandes kommt es im Oktober 1920 auf dem USPD-Parteitag in Halle erneut zu einer heftigen Debatte. Kurt Rosenfeld (1877-1943), der öfters vor den Naumburger Gerichten als Verteidiger für die Linken auftritt, stellt die Frage:

"Ist es möglich einen Generalstreik zum bewaffneten Aufstand auszugestalten?"

 

Johannes Schröter

(1896-1963) besuchte in Theissen bei Zeitz die Schule. Anschließend ist er als Schlosser und Elektromonteur in Zeitz tätig. 1921 tritt erder Kommunistischen Partei Deutschlands bei und wird Bezirkssekretär der KPD Halle-Merseburg; 1924 Zuchthaus wegen politischer Tätigkeit; 1927 Mitglied des Zentralkomitees der KPD; seit 1928 KPD-Abgeordneter im Reichstag. Er setzt sich für eine demokratischere Struktur und Arbeitsweise der KPD ein und gerät dabei in die Rolle des Gegenspielers von Walter Ulbricht. Es kommt zum Ausschluss aus der KPD. Exil in Paris (1933) und in den USA (1938) bei Fortsetzung der politischen Tätigkeit. Vergeblich wartet er nach Ende des Krieges in Mexiko Stadt auf einen Ruf seiner ehemaligen Mitstreiter in der KPD ….

 

"Und da will ich erklären, dass für solche Fragen unser Fachmann in der Zentralleitung [der USPD] der Genosse [Ernst] Däumig [seit Dezember 1919 Vorsitzender der USPD] gewesen ist, und dass Däumig bei jeder Gelegenheit von uns befragt worden war: ist es möglich einen bewaffneten Aufstand zu machen? und dass er jedes Mal erklärt hat, das ist unmöglich. (Hört, hört! Zuruf: von Berlin!)" (Protokoll 52)

 

 

Vergessen oder Erinnern?

Vergessen - das können sie nicht. Deshalb rufen KPD und RFB in Naumburg am 25. März 1928 zu einer Kranzniederlegung an den Gräbern der Märzgefallenen auf dem Friedhof Weißenfelser Straße auf. Anschliessend ziehen die 700 durch die Stadt mit Transparenten, wovon eine Losung lautet:

1920: Kapp-Putsch, Arbeitermord. 1928: Arbeiter stürzt die bürgerliche Regierung.

Auf dem Marktplatz stehen sie zur Kundgebung zusammen und Johannes Schröter (1896-1963) aus Halle hält die Ansprache. Der KPD-Funktionär poltert über die Passfälschungen im Juni 1922 durch die Stadtverwaltung zugunsten der Rathenau-Mörder Kern und Fischer. Bereits am 8. Februar 1928 griff der Klassenkampf, das Kommunistische Organ für den Bezirk Halle-Merseburg dieses Problem auf. Heute bezeichnet der Redner Oberbürgermeister Arthur Dietrich als einen Verantwortlichen für diesen Skandal.

"Dieser Schuft!",

ruft darauf Kundgebungsteilnehmer Adolf Schuster aus Altenburg (Almrich) in die Menge. Gemeint ist der Oberbürgermeister, vermerkt Kriminalsekretär Mollenhauer in einem handschriftlichen Bericht vom 28. März 1928 an seinen Vorgesetzten. Am 27. März 1933 ordnet Bürgermeister Karl Roloff die Schutzhaft von Adolf Schuster an.

 

Zum Gedenken an den Widerstand gegen den Kapp-Putsch wird am 20. März 1958 auf dem Neuen Friedhof von Naumburg ein Ehrenhain eingeweiht. Das Monument trägt die Inschrift: Ruhm und Ehre den Helden der Arbeiterklasse. Seine Einweihung geht wahrscheinlich auf einen Beschluss der SED-Kreisleitung Naumburg zur Schaffung eines Ehrenhains aus dem Jahr 1956 zurück.

Vorher stand hier bereits ein Gedenkstein. (Siehe Bild im Abschnitt: Eine der großen Widersinnigkeiten der Stadtgeschichte.)

 

 

 

Mahnmal für die Kämpfer gegen den Kapp-Putsch auf dem Friedhof Weißenfelser Straße (2010)

 

Die Alternative Jugend Sachsen-Anhalt Süd kultivierte das Areal und sanierte das Denkmal Anfang 2010. Bei einem Treffen am 19. März 2010 ehrten sie den Widerstand der Arbeiter gegen Kapp-Lüttwitz in Naumburg und Bad Kösen. (Vgl. Mahnmal)

Im Gegensatz zum Widerstand der Demokraten, politisierten Arbeiter und Angestellten, - die republikfeindliche Haltung exponierter DNVP-Mitglieder und ihre Aktionen. ".... es steht unzweifelhaft fest," resümiert der Abgeordnete des preussischen Landtages und Zivilkommissar für Halle Doktor Walther Schreiber (1920, 2), "dass massgebende Führer der Deutschnationalen Volkspartei, bei dem Staatsstreich ihre Hand im Spiele gehabt haben und dass ein nicht unwesentlicher Teil der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) den Umsturz freudig begrüßt und verteidigt hat. Oberst Bauer, der Abgeordnete Traub und Dr. Schiele, Naumburg, der Kandidat der Deutschnationalen für die künftigen Wahlen in unserem Bezirk, sind die Spiessgesellen Kapps gewesen." Interessanterweise widerspiegelten das grosse Teile der Öffentlichkeit deutlich anders. Die DNVP leugnete jegliches Vorwissen über den Putsch. Es gelang ihr die Regierung und Mehrheitssozialisten allein für den Putsch verantwortlich zu machen und das wahre Ausmaß der Parteimitglieder zu verbergen. (Striesow 1980, 198)

Gerade deshalb weckt die oben dargestellte Handlungsweise des DNVP-Mitgliedes und Naumburger Politikers Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932) wärend Kapp-Putsches besonderes Interesse. Offenbar nicht in Kreisen der regionalwissenschaftliche Forschung, die das bisher wenig kümmerte. Weder in "Zeitzer Arbeiter schlagen den Kapp-Putsch nieder" (1959/60) noch in "Der Beitrag der Arbeiterklasse der Kreise Weißenfels, Naumburg, Hohenmölsen und Zeitz bei der Niederschlagung des militaristischen Kapp-Putsches" (1960) findet man dazu nur ein Wort. Weitere fünfzig Jahre reichten nicht aus, um dem Prinzip der Objektivität die notwendige Geltung zu verschaffen. Ostern 2010 erschien im Burgenland-Journal, Naumburger Tageblatt, über die regionalen Ereignisse während des Kapp-Putsches ein Aufsatz. Der Name Artur Graf von Posadowsky-Wehner kommt darin nicht vor.

Es gibt genügend Gründe, die Gedenk- und Geschichtspolitik zum Naumburger Widerstand gegen Kapp-Lüttwitz zu überdenken, den März 1920 als herausragendes Ereignis auf dem Weg Deutschlands zur Demokratie gemeinsam (!) zu erinnern.

 

 

Aktennotiz. Staatsanwaltschaft am Landgericht. Naumburg, den 18. August 1920. Staatsanwaltschaft beim Landgericht Naumburg im Jahre 1920. General-Akten. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg, Rep. C 141 Staatsanwaltschaft, Naumburg 25-1, Blatt 222 bis 225

[Albert] Bericht des Unterstaatssekretärs Albert über die Vorgänge in der Reichskanzlei am 13. März 1920 morgens. Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik - Das Kabinett Bauer. Band 1. Dokumente. Nr. 189. Bericht des Unterstaatssekretärs Albert über die Vorgänge in der Reichskanzlei am 13. März 1920 morgens, Seite 677 bis 679.
http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/10a/bau/bau1p/kap1_2/para2_191.html;jsessionid=
556E6039C77A3DB4F5EB29FB5AEBC264?highlight=
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An die Reichsregierung von Sachsen-Weimar-Eisenach. Erklärung [gegen die verräterische Haltung von General Hagenberg, stellvertretender Kommandeur der Reichswehrbrigade16]. "Jenaer Volksblatt", Jena, den 16. März 1920

Amann, Fritz: Biographie. Nach: http://www.mv-naumburg.de/index.php/fritz-amann

Amtliche Bekanntmachung [zur Ankunft bayerischer Truppen am 29. März 1920 in Naumburg]. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 30. März 1930

An die arbeitende Bevölkerung Deutschlands! Freiheit. Organ der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Berlin, den 16. März 1920

Auerbach, Helmut: Hitlers politische Lehrjahre und die Münchner Gesellschaft. 1919-1923. Versuch einer Bilanz anhand der neueren Forschung. In: Vierteljahreszeitschrift für Zeitgeschichte, München, 25. Jahrgang 1977, Heft 1, Seite 1 ff.

Aufforderung der Reichszentrale für Einwohnerwehren an die Einwohnerwehren zur Unterstützung des Staatsstreichs. Berlin, den 13. März 1920. In: Erwin Könnemann, Gerhard Schulze (Herausgeber): Der Kapp-Lüttwitz-Ludendorff-Putsch, Olzog Verlag, München 2002, Seite 160

Aufforderung des Garnisonsältesten von Halle [Halle, 19. März 1920]. In: Erwin Könnemann, Gerhard Schulze (Herausgeber): Der Kapp-Lüttwitz-Ludendorff-Putsch, Olzog Verlag, München 2002, Seite 692 bis 693

Ein Aufruf der Reichsregierung. "Deutsche Allgemeine Zeitung", Berlin, den 2.März 1919

Aufruf des ADGB und der AFA zum Generalstreik. Berlin, den 13. März 1920. In: Erwin Könnemann, Gerhard Schulze (Herausgeber): Der Kapp-Lüttwitz-Ludendorff-Putsch. Olzog Verlag GmbH, München 2002, Seite 155 bis 156

Aufruf des Aktionsausschusses für Mitteldeutschland und der Streikleitung Halle zum Kampf gegen die Hochverräter [Halle, 14. März 1920] (veröffentlich im Volksblatt, Halle vom 15. März 1920) in: Arbeiterklasse siegt über Kapp Lüttwitz. Quellen ausgewählt und bearbeitet von Erwin Könnemann, Brigitte Berthold und Gerhard Schulze, Akademie Verlag, Berlin 1971, Seite 378 bis 379

[Aufruf der KPD zum Kampf gegen den Kapp-Putsch] Militärdiktatur oder Proletarierdiktatur? Zentrale der Kommunistischen Partei Deutschlands, 13. März 1920

Aufruf des Oberpräsidenten. An die Bevölkerung der Provinz Sachsen! Magdeburg, den 14. März 1920 In: "Magdeburger Mitteilungen", Magdeburg, den 16. März 1920

"Aufruf zum Generalstreik" von Ebert, Noske, Schmidt, Schlicke, David. "Volksstimme", Magdeburg, den 14. März 1920, Seite 1

[Ausnahmezustand] Die verschärfenden Bestimmungen des Ausnahmezustandes aufgehoben. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 29. März 1920

[Banse] Auszug der Rede von Turnlehrer Friedrich Banse. In: "Und über Deutschland steht das Morgenrot!". Denkmalsweihe für die Gefallenen der ehemaligen Einwohnerwehr und des Landesjägerkorps."Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 29. April 1935

Barbara (e.V.). Offizierskameradschaft des ehemaligen 2. Thür. Feldar.- Rgts.., Nachrichtenblatt, Nr. 55, Naumburg (Saale) 1939

[Bauer] Rede des Reichskanzler Bauer in am 18 März 1920 in Stuttgart. In: Karl Brammer: Fünf Tage Militärdiktatur: Dokumente der Gegenrevolution. Verlag für Politik und Wirtschaft, Berlin 1920, 72 ff.

Bekanntmachung. Weimar, den 13. März 1920. Hagenberg, Generalmajor und Stellvertretender Kommandeur der Reichswehr-Brigade XVI.

Bekanntmachung. Weimar, den 14. März 1920. Hagenberg, Generalmajor und Stellvertretender Kommandeur der Reichswehrbrigade XVI.

Bekanntmachung. Naumburg, den 23. März 1920. Militärbefehlshaber von Feldmann, Oberst und stellvertretender Führer der Reichswehrbrigade XVI.. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. Rep. C 141, Naumburg, Nummer 25 -1

Bergmann, Ernst: Aus dem Bericht des Leuna-Arbeiters Ernst Bergman. In: Joachim Schunke: Die Schlacht um Halle. Gewehre in Arbeiterhand. Die Abwehr des Kapp-Putsches in Halle und Umgebung. Verlag des Ministeriums für Nationale Verteidigung, Berlin 1956, Seite 110 bis 111

Bettenhäuser, Matthias: Gegen den Kapp-Putsch in Weimar. März 2000. Website: Das soziale Weimar. SPD. (2006: http://archive.is/F8Ut)

Bericht über die Versammlung vom 21. Juli 1920 in Naumburg (Saale) mit Bernhard Düwell als Referenten. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. C 141 Naumburg, Nr. 25-1, Blatt 218 bis 221

Bekanntmachung. Der Militärbefehlshaber v. Feldmann, Oberst und stellvertretender Führer der Reichswehrbrigade XVI. Naumburg, den 23. März 1920. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. C 141 Naumburg, Nr. 25-1

Beuthan, Kurt: Der Kapp-Putsch in Weißenfels. In: Joachim Schunke: Die Schlacht um Halle. Gewehre in Arbeiterhand. Die Abwehr des Kapp-Putsches in Halle und Umgebung. Verlag des Ministeriums für Nationale Verteidigung, Berlin 1956, Seite 107 bis 110

Böttcher, Helmut (Hauptschriftleiter der "Halleschen Zeitung"): Kapp-Lüttwitz-Putsch. Generalstreik und Bürgerkrieg. Die Wahrheit über die Ereignisse in Halle (Saale) und Mitteldeutschland. Dargestellt auf Grund amtlicher Dokumente. Historisch-politischer Verlag, Leipzig 1920

Brammer, Karl: Fünf Tage Militärdiktatur. Dokumente der Gegenrevolution. Verlag für Politik und Wirtschaft, Berlin 1920

Brammer, Karl: Verfassungsgrundlagen und Hochverrat. Beiträge zur Geschichte des neuen Deutschlands. Nach stenographischen Verhandlungsberichten und amtlichen Urkunden des Jagow-Prozesse. Verlag für Politik und Wirtschaft, Berlin 1922

Brauer, Max, Obersekundaner aus Schulpforte. Zeugenaussage vor dem Staatsanwalt in den Ermittlungen gegen Walter Fieker am 30. März 1920 im Gefängnis von Naumburg. Vorverfahren in der Strafsache wider Fieker. Blattsammlung der Staatsanwaltschaft beim Landgerichte in Naumburg an der Saale. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. Rep. C 141, Staatsanwaltschaft, Hilfsakten. Naumburg

Bregler, Klaus (Heidelberg): Bericht über ein (zu) früh geendetes Leben. Manuskript. Heidelberg, 2015. (Ein Bericht über das Leben von Karl Reimhold, geboren am 23. August 1901, gefallen bei den Kämpfen am 23. März 1920 im Raum Markröhlitz, Pödelist und Luftschiff.)

[Brief 16.6.1920] Brief vom Deutschen Bergarbeiterverband (Max Köhler), Gewerkschaftskartell (Günther), Deutschen Metallarbeiterverband (Kittelmann), Maschinen- und Heizer Verband (Drygalla), Vorsitzenden USPD-Ortsvereins und Vertrauensmann Deutscher Landarbeiter (Waitz) aus Mücheln an Oberpräsidenten Otto Hörsing - 16. Juni 1920. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt. Merseburg, C 141 Naumburg 25-1, Blatt 206 und 207

Brygalski, Erster Staatsanwalt. Betrifft Unruhen in Naumburg a.S.. An den Herrn Justizmister in Berlin durch den Herrn Oberstaatsanwalt in Naumburg a.S.. Naumburg, den 14. April 1920. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt. Merseburg, C 141 Naumburg 25-2, Blatt 23 ff.

[Budde, Thomas:] Bad Kösen von den Anfängen bis zur Gegenwart. Kaiserreich - Weimarer Republik - Drittes Reich. Webunterseite: Solbad und Stadt Kösen 1868-1945. http://www.badkoesen-geschichte.de/index.php/solbad-und-stadt-koesen-1868-1945.html [Autor auf dieser Seite nicht angegeben. Wahrscheinlich aber: Thomas Budde, Bad Kösen.]

(Chronik) Unter der Herrschaft Kapp-Lüttwitz. In: Erste Beilage zur Vossischen Zeitung. Berlin, den 24. März 1920

Das Leunawerk. Lehren aus der Märzaktion. Frankes Verlag, GmbH Leipzig, Berlin 1921

Das Programm der USPD. "Volksbote", Zeitz den 13. März 1919

Das Treffen in Bad Kösen. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 24. März 1920

[DDP] Chronik der Kämpfe. Merseburger Korrespondent, 28. Und 30. März 1920. In: Auszüge aus dem "Merseburger Korrespondent" (DDP) über die Kämpfe in Merseburg und Umgebung. Merseburg, den 27. März 1929. In: Erwin Könnemann, Gerhard Schulze (Herausgeber): Der Kapp-Lüttwitz-Ludendorff-Putsch, Olzog Verlag, München 2002, Seite 705 bis 711

[Denkmalsweihe] "Und über Deutschland steht das Morgenrot!". Denkmalsweihe für die Gefallenen der ehemaligen Einwohnerwehr und des Landesjägerkorps. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 29. April 1935

[Denkschrift] Anonyme Denkschrift über die Notwendigkeit eines Umsturzes .O.O. 12. August 1919. In: Erwin Könnemann, Gerhard Schulze (Herausgeber): Der Kapp-Lüttwitz-Ludendorff-Putsch, Olzog Verlag, München 2002, Seite 21 bis 23

Die Streikbewegung im Reiche. "Volksstimme". Sozialdemokratisches Organ für den Regierungsbezirk Magdeburg, Magdeburg, den 5. März 1919

[Deutsche Zeitung. In: ] Das Altenburgische Staatsministerium an den Reichspräsidenten. Altenburg, den 28. April 1920. In: Akten der Reichskanzlei. Weimarer Kabinett - Das Kabinett Müller. Band I, Dokumente, Nummer 71, Seite 172 bis 174. http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/0a1/mu1/mu11p/kap1_2/para2_71.html

Dittmar, Kurt: [Aussage zum Marsch nach Bad Kösen am 19. März 1920 mit Gruppe Fieker]. In: März 1920. Der Beitrag der Arbeiterklasse der Kreise Weißenfels, Naumburg, Hohenmölsen und Zeitz bei der Niederschlagung des militaristischen Kapp-Putsches. Herausgegeben von Kreisleitung der SED Weißenfels, Weißenfels 1960, Seite 33

[Dietrich] Bericht des Oberbürgermeisters der Stadt Naumburg a. S. an den Herrn Zivilkommissar des Regierungsbezirks Merseburg vom 9. April 1920

Dietrich, Arthur. Tgb.-Nr. P 15/20 V. - 19.4.1920. Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. Staatsanwaltschaft in Naumburg, General-Akten, Rep. C 141, Nr. 25-1, Blatt 91 bis 96

[Dietrich, Arthur] Strafantrag. An den Herrn Staatsanwalt in Halle. 12. Mai 1920. Stadtarchiv Naumburg (Saale). Sonderakten des Magistrats Naumburg an der Saale. Angefangen 1. Januar 1920. Geschlossen 1922. Signatur 9381, Blatt 71

Dietrich, Oberbürgermeister. Brief vom 27. Mai 1920 an den Staatsanwalt in Naumburg. Strafsache gegen den Schriftleiter Karl Garbe. Stadtarchiv Naumburg. Sonderakten des Magistrats. Band V: Angefangen 1. Januar 1929, Geschlossen 1922. Blatt 75

Dietrich, Werner: Schiele als Wirtschaftsminister. Kapp-Putsch. Naumburger Bürger maßgeblich in Vorbereitung und Durchführung des Staatsstreichs verstrickt. "Burgenland-Journal, Naumburger Tageblatt", Ostern 2010, Seite 3

Dreetz, Dieter, Klaus Gessner, Heinz Sperling: Bewaffnete Kämpfe in Deutschland 1918-1923. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1988

Düwell, Bernhard, Abgeordneter: Rede. Verhandlungen des Deutschen Reichstages, Reichstagsprotokolle 1920, 13. Sitzung. Donnerstag, den 29. Juli 1920 (http://www.reichstagsprotokolle.de)

Erklärung der Vertreter des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände und des Deutschen Beamtenbundes über das Ende des Generalstreiks am 20. März 1920. In: Das Ende des Streiks. "Vossische Zeitung", Berlin, den 24. März 1920

Falter, Jürgen, Thomas Lindenberger und Siegfried Schumann: Wahlen und Abstimmung in der Weimarer Republik. Materialien zum Wahlverhalten 1919-1933. Verlag C.H. Beck, München 1986

[Feldmann, Rede von] Eine Ansprache des stellvertretenden Führers der Reichswehrbrigade 16. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 27. März 1920

Fernschreiben, Blitz. Von SS-Obergruppenführer Heißmeyer Berlin. 1. September 1943. Website: Nazi Tunnel-Archive, http://nazitunnels.org/archive/items/show/146

[Fieker] Vorverfahren in der Strafsache wider Fieker. Blattsammlung der Staatsanwaltschaft beim Landgerichte in Naumburg an der Saale. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. Rep. C 141, Staatsanwaltschaft, Hilfsakten. Naumburg Nummer 26 bis 18

Fieker, Walter: An den Untersuchungsrichter hier. Haftentlassungsgesetz. Untersuchungsgefangener Walter Fieker. 23. März 1920. Vorverfahren in der Strafsache wider Fieker. Blattsammlung der Staatsanwaltschaft beim Landgerichte in Naumburg an der Saale. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. Rep. C 141, Staatsanwaltschaft, Hilfsakten. Naumburg Nummer 26 bis 18

[Fieker] in der Strafsache gegen Walter Fieker wegen Landfriedensbruch erscheint der Untersuchungshäftling am 9. April 1920 vor dem Untersuchungsrichter Landesgerichtsrat Lohmeyer, um gegen die Anschuldigungen Stellung zu nehmen. Vorverfahren in der Strafsache wider Fieker. Blattsammlung der Staatsanwaltschaft beim Landgerichte in Naumburg an der Saale. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. Rep. C 141, Staatsanwaltschaft, Hilfsakten. Naumburg Nummer 26 bis 18

[Fieker] Gefängnisbrief von Walter Fieker vom 25. April 1920. Vorverfahren in der Strafsache wider Fieker. Blattsammlung der Staatsanwaltschaft beim Landgerichte in Naumburg an der Saale. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. Rep. C 141, Staatsanwaltschaft, Hilfsakten. Naumburg Nummer 26 bis 18, Blattnummer 46ff.

Fieker, Walter, auf der Großen Protestversammlung gegen das Naumburger Schandurteil über die Märzopfer am 21. Juli 1920. Landeshauptarchiv Sachsen Anhalt, Merseburg, C 141 Naumburg 25-1, Blatt 217-219

Firchau, Hermann: Bericht über die Ereignisse in Bad Kösen am 19. März 1920, unveröffentlicht

Firchau, Hermann: Die politischen Ereignisse der Jahre 1919-1945, unveröffentlicht

Flechtheim, Ossip K.: Die Kommunistische Partei Deutschlands in der Weimarer Republik. Bollwerk-Verlag Karl Drott, Offenbach a. M. 1948

[FLK, 1919] an die Schüler der Untersekunda, Obersekunda, Unterprima und Oberprima. Freiwilliges Landes-Jäger-Korps. Hauptmeldestelle: Berlin-Stegilitz, Albrechtstraße 131. [1919] Originaldokument

Forderungen [der Versammlung vom 22. März 1920 in der Reichskrone, Naumburg]. Für die Richtigkeit der Abschrift zeichnet Bürgermeister Roloff am 22. März 1920 gegen. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. C 141 Staatsanwaltschaft Naumburg, Nummer 25-1

Freund, Tapezierer Willi, Naumburg. Zeuge des Staatsanwalts in den Ermittlungen gegen Walter Fieker. Vorverfahren in der Strafsache wider Fieker. Blattsammlung der Staatsanwaltschaft beim Landgerichte in Naumburg an der Saale. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. Rep. C 141, Staatsanwaltschaft, Hilfsakten. Naumburg

[Gegenrevolution] Die Vorgänge in Naumburg seit der Gegenrevolution. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 24. März 1920

Gietinger, Klaus: Der Konterrevolutionär. Waldemar Pabst - eine deutsche Karriere. Nautilus, Hamburg 2008

Grzesinski, Albert: im Kampf um die deutsche Republik. Erinnerungen eines Sozialdemokraten. R. Oldenbourg Verlag, München 2001

[Grunert, Otto] Die Demonstrationsversammlung der Sozialdemokratie. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 1. September 1921

Gumbel, E. J.: Vier Jahre politischer Mord. Verlag der Neuen Gesellschaft, Berlin Fichtenau 1922

Hagenberg Rede vom 26. März 1920 in Naumburg. Nach: "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 27. März 1920

Haffner, Sebastian: Die deutsche Revolution 1918/19. Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg 2007, 2. Auflage

[Hagenberg Generalmajor] Bekenntnis der Reichswehrbrigade 16 zur Kappregierung. [Weimar, 13. März 1920]. In: Erwin Könnemann, Gerhard Schulze (Herausgeber): Der Kapp-Lüttwitz-Ludendorff-Putsch. Olzog Verlag, München 2002, Nummer 704, Seite 736

Haltloses Gerücht. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 25. März 1920

Hagenlücke, Heinz: Deutsche Vaterlandspartei. Kommission für die Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien e.V., Bonn. Droste Verlag, Düsseldorf 1997

[Hardt] Verhör von Walter Fieker am 20. März 1920 durch Staatsanwalt Hardt. Vorverfahren in der Strafsache wider Fieker. Blattsammlung der Staatsanwaltschaft beim Landgerichte in Naumburg an der Saale. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. Rep. C 141, Staatsanwaltschaft, Hilfsakten. Naumburg, Blatt 6 bis 13

Hardt. Oberstaatsanwalt / Staatsanwaltschaft am Landgericht. Naumburg, den 18. August 1920. Staatsanwaltschaft beim Landgericht Naumburg im Jahre 1920. General-Akten. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg, Rep. C 141 Staatsanwaltschaft, Naumburg 25-1, Blatt 222-225

[Heinrich, Über Leopold] "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 26. August 1921

Heinze, Reichsjustizminister Dr. Rudolf, Verhandlungen des Deutschen Reichstages, Reichstagsprotokolle 1920, 13. Sitzung, Donnerstag, den 29. Juli 1920. http://www.reichstagsprotokolle.de

[Hörsing] Verurteilung des Putsches durch den Oberpräsidenten der Provinz Sachsen. Magdeburg, den 14. März 1920. Aufruf. Seehäuser Wochenblatt, 15. März 1920. Unterzeichnet von Hörsing. In: Erwin Könnemann, Gerhard Schulze (Herausgeber): Der Kapp-Lüttwitz-Ludendorff-Putsch, Olzog Verlag, München 2002, Nummer 438, Seite 682

[Hörsing] Nr. 28. Der Oberpräsident der Provinz Sachsen Hörsing an die Reichsregierung. Magdeburg, 9. April 1920. R 43 I/2705 [Blatt 131-133, Nachtrag Online-Ed.] [Betrifft: Lage in der Provinz Sachsen und Vollmachten des Oberpräsidenten.] Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik - Das Kabinett Müller I / Band 1 / Dokumente / Nr. 28 Der Oberpräsident der Provinz Sachsen Hörsing an die Reichsregierung. Magdeburg, 9. April 1920, Seite 68-71

[Hörsing] Der Oberpräsident als Reichskommissar, OA.6204.H.. Magdeburg, den 24. April 1920. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg, Staatsanwaltschaft in Naumburg, Generalakten. Rep. C 141, Staatsanwaltschaft Naumburg, Nummer 25-1, Blatt 1264

Hürten, Hans: Der Kapp-Putsch als Wende. Über Rahmenbedingungen der Weimarer Republik seit dem Frühjahr 1920. Rheinisch-Westfälisch Akademie der Wissenschaften, Vorträge G 298, Geisteswissenschaften. Westdeutscher Verlag, Opladen 1989

Huth, August: an die Redaktion der Volksstimme, Halle. Bad Kösen, den 17. April 1920. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. Rep. C 141, Staatsanwaltschaft Naumburg Nr. 25-1, Blatt 184

Juchasz, Marie, Reichstagsabgeordnete: Rede. Nationalversammlung, Weimarer am 19. Februar 1919. Reichstagsprotokolle, 1919/20,1. Nationalversammlung, 11. Sitzung. 19. Februar 1919, Seite 177 bis 179.
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000010_00184.html

[Justiz] Die Naumburger Justiz und die Revolution! "Volksbote", Zeitz, den 22. April 1920

[Justizminister] Der Justizminister. Zeichen: I. 4929, Berlin den 19. April 1920, Wilhelmstrasse 65. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg, Staatsanwaltschaft in Naumburg, Generalakten. Rep. C 141, Staatsanwaltschaft Naumburg, Nummer 25-1, Blatt 108

[Jüttner] Bericht an Kapp über die Stimmung der Naumburger Einwohnerwehren und ihre Bereitschaft, den bevorstehenden Staatsstreich zu unterstützen. Naumburg, den 24. Februar 1920. In: Arbeiterklasse siegt über Kapp Lüttwitz. Quellen ausgewählt und bearbeitet von Erwin Könnemann, Brigitte Berthold und Gerhard Schulze. Akademie Verlag, Berlin 1971, Seite 77 bis 78

Jüttner, Max: Aus dem Bericht des Kreisrats für die Einwohnerwehren in den Kreisen Naumburg Stadt und Land und Eckartsberga vom 20. April 1920. Stadtarchiv Naumburg. Sonderakten des Magistrats. Band V: angefangen 1. Januar 1929, geschlossen 1922. Blatt 73 bis 74

[Kabinettsumbildung] Die Umbildung des Kabinetts. "Deutsche Allgemeine Zeitung, Abendausgabe", Berlin, den 25. März 1920. Rücktritt des Reichskabinetts. "Deutsche Allgemeine Zeitung, Abendausgabe", Berlin, den 26. März 1920. Das neue Reichskabinett. "Deutsche Allgemeine Zeitung", Berlin, den 27. März 1920. Kabinettssitzung vom 29. März 1920, 18 Uhr im Reichstag. Akte der Reichskanzlei Weimarer Republik" online.
http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/01a/mu1/mu11p/kap1_2/kap2_2/index.html

Kampf gegen Spartakus in und um Weißenfels. Mitteldeutsche Nationalzeitung [MDN] - Ausgabe Weißenfels. Halle, den 26. Januar 1935

Die Säuberung der Umgebung. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, 24. März 1920

Kegel [Oberlehrer]. Bericht. Führer der Einwohnerwehrabteilung I T. Naumburg a. S., den 16. April 1920. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. C 141 Naumburg, Nr. 25-2, Blatt 21 ff.

Koenen, Wilhelm: Rede. [Debatte über die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses über die Zustände in den Strafanstalten]. In: Verhandlungen des Reichstages. I. Wahlperiode 1920. Band 351. Stenographische Berichte. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt. Berlin 1922. Seite 5124 bis 5125. Reichstagsprotokolle 1920/24, 8. 147 Sitzung, Sonnabend, den 19. November 1921. Beginn Seite 5111. http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_w1_bsb00000035_00555.html

Kommando der Schutzpolizei. Naumburg, den 30. Juli 1921. Sonderakten der Polizeiverwaltung Naumburg an der Saale. Stadtverwaltung Naumburg. Massnahmen bei drohenden Unruhen 1919-1921, Stadtarchiv Naumburg (Saale), Signatur 8355

[Kommunisten-Putsch] Der kommunistische Putsch in Bad Kösen. "Naumburger Tageblatt," Naumburg, den 25. März 1925

Könnemann, Erwin: Einwohnerwehren und Zeitfreiwilligenverbände. Ihre Funktion beim Aufbau eines neuen imperialistischen Militärsystems (November 1918 bis 1920), Deutscher Militärverlag, Berlin 1971

Könnemann, Erwin, Hans-Joachim Krusch: Aktionseinheit contra Kapp-Putsch. Der Kapp-Putsch im März 1920 und der Kampf der Arbeiterklasse sowie andere Werktätiger gegen die Errichtung der Militärdiktatur und für demokratische Verhältnisse. Dietz Verlag, Berlin 1972

Könnemann, Erwin, Hans-Joachim Krusch: März 1920. Arbeiterklasse vereitelt den Kapp-Putsch. Dietz Verlag, Berlin 1981

Kormann, Gottfried: Vom heldenhaften Kampf der Arbeiter in Bad Kösen. "Mitteldeutsche Tageszeitung. Freiheit". Organ der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Naumburg (Saale), den 14. Juni 1954

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Kormann, Gottfried: Vom heldenhaften Kampf der Arbeiter Bad Kösens. Mitteldeutsche Tageszeitung. "Freiheit". Organ der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Naumburg, Sonnabend, den 19. Juni 1954

Kormann, Gottfried: Vom heldenhaften Klassenkampf der Arbeiter Bad Kösens. Ein Beitrag zur Geschichte der Arbeiterbewegung der Stadt. In: Heimatbuch. Herausgegeben vom Rat der Stadt Bad Kösen, Elbe-Saale-Druckerei, Naumburg 1954, Seite 51 ff.

Kormann, Gottfried: Von den Märzaktionen 1920 in Bad Kösen. In: Kulturspiegel, Heft 12, Naumburg 1958, Seite 6 ff.

[KPD-Aufruf] Aufruf der Zentrale der KPD zum Kampf gegen die Militärdiktatur. [Berlin] 13. März 1920 in: Arbeiterklasse siegt über Kapp Lüttwitz. Quellen ausgewählt und bearbeitet von Erwin Könnemann, Brigitte Berthold und Gerhard Schulze, Akademie Verlag, Berlin 1971, Seite 120 bis 123

[KPD] Erklärung der Zentrale der K.P.D. (Spartakusbund). 21. März 1920. In: "Rote Fahne", Zentralorgan der Kommunistischen Partei Deutschlands (Spartakusbund), Berlin, den 26. März 1920. Seite 2

[Kreisrat] Aus dem Bericht des Kreisrats für die Einwohnerwehren in den Kreisen Naumburg Land und Naumburg Stadt vom 20. April 1920. Stadtarchiv Naumburg Sonderakten des Magistrats Naumburg an der Saale, angefangen 1.1.1920, geschlossen 1922, Archivnummer 9381

[Kreisversammlung] Ausserordentliche Generalversammlung unserer Partei im Naumburg-Weißenfels-Zeitzer Kreise. "Volksbote", Zeitz, den 14. April 1920

[Krüger] Zivilkommissar für den Regierungsbezirk Merseburg, Krüger. Merseburg, den 24. April 1920. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. C 141 Naumburg, Nr. 25-1, 127

Krüger. Zivilkommissar für den Bezirk Merseburg, Tgb. No. IIb/91/20. An die Staatsanwaltschaft Naumburg. Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg, C 141 Naumburg 25-1, Blatt 127

[Krystek-Prozess] Schwurgericht am 3. August 1929. "Naumburger Tageblatt", 4. August 1920

Kumwade, Rittmeister a.D. Helmut, Louisenstraße 18. Zeuge des Staatsanwalts in der Ermittlungen gegen Walter Fieker. Vorverfahren in der Strafsache wider Fieker. Blattsammlung der Staatsanwaltschaft beim Landgerichte in Naumburg an der Saale. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. Rep. C 141, Staatsanwaltschaft, Hilfsakten. Naumburg

Kunert, Fritz, Abgeordneter: Rede. Reichstagsprotokolle 1920/24,1. Freitag, den 30. Juli 1920. http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_w1_bsb00000028_00430.html

Legien, Carl: Rede in der Nationalversammlung am 29. März 1920. "Volksstimme", Magdeburg, den 31. März 1920, Seite 2

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Leopoldt, Adolf: Rote Chronik der Kreise Zeitz, Weißenfels, Naumburg. Herausgeber SPD. Unterbezirk Zeitz-Weißenfels-Naumburg, Zeitz 1931

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[Maercker 1919] Aus dem Entwurf des Kommandeurs des Freiwilligen Landesjägerkorps, Generalmajor Georg Maercker, vom 31. März 1919 für eine Vorschrift über den Einsatz der imperialistischen Streitkräfte im Inneren. Militärarchiv der DDR R 2880, Blatt 166ff.. In: Dreetz, Dieter, Klaus Gessner, Heinz Sperling: Bewaffnete Kämpfe in Deutschland 1918-1923. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1988, Seite 318 bis 328

[Maercker] Niederschrift über die Besprechung mit dem Kriegsminister in Weimar am 18.6.1919. Bundesarchiv - Militärarchiv Freiburg i.Br., Nachlaß Poseck N 244/6 a fol. 99-102. Maschinenschrift mit Unterschrift [Abschrift der Ausfertigung]. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, München. Jahrgang 35 (1987) Heft 3, Seite 438 ff.

Maercker, Georg: vom Kaiserheer zur Reichswehr. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Revolution. Verlag K. F. Koehler, Leipzig 1921, speziell auch 336-337

[Mahnmal] Kultiviert und Inschriften wieder lesbar gemacht. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 22. März 2010

Miller, Susanne / Heinrich Potthoff: Kleine Geschichte der SPD. Darstellung und Dokumentation. Verlag Neue Gesellschaft GmbH, Bonn 1983

Mitteilungsblatt No.1, Aktions-Ausschuss Naumburg a.S., 17. März 1920

Mitteilungsblatt No. 2, Aktions-Ausschuss Naumburg a.S., 18. März 1920

Mollenhauer, Ortspolizeibehörde Naumburg] Auftragsgemäß folgendes festgestellt. Naumburg, den 16. Juni 1927. [Aufstellung der Opfer von der Tanne, Bad Kösen, 19. März 1920]

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Mühleisen, Horst: Annehmen oder ablehnen? Das Kabinett Scheidemann, die Oberste Heeresleitung und der Vertrag von Versailles im Juni 1919 Fünf Dokumente aus dem Nachlass des Hauptmanns Günther von Poseck. In: Vierteljahreszeitschrift für Zeitgeschichte, München, 35 (1987) Heft 3, Seite 417 ff.

Müller, Senatspräsident, Rede zur Denkmalsweihe für die Gefallenen der ehemaligen Einwohnerwehr und des Landesjägerkorps am 28. April 1935 in Naumburg. In: "Und über Deutschland steht das Morgenrot!". Denkmalsweihe für die Gefallenen der ehemaligen Einwohnerwehr und des Landesjägerkorps, "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 29. April 1935

Nachrichten-Blatt der Reichswehrbrigade XVI., Naumburg a. S., 22. März 1920. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. C 141 Naumburg, Nr. 25-1

NBT = Naumburger Tageblatt

Naumburg. "Volksbote", Zeitz, den 13. April 1920

Naumburg. [Bericht über die Ereignisse am 16. März auf dem Markt in Naumburg]. "Volksblatt", Halle, den 13. April 1920

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[OB] Oberbürgermeister, Der. Naumburg, den 14. April 1920. Sonderakten der Polizeiverwaltung Naumburg a. S., Massnahmen bei drohenden Umsturz. Angefangen 1919. Geschlossen: 1919 (1933). Stadtarchiv Naumburg, Signatur 8355

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Oertzen, F.W.: Die deutschen Freikorps. 1818-1923. Brunckmann Verlag, München 3. Auflage, München 1937

Orlow, Dietrich: Preußen und der Kapp-Putsch. In: Vierteljahreszeitschrift für Zeitgeschichte, München, 26 (1978) Heft 2, Seite 191 ff.

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Pforta. 23. März. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 24. März 1920

[Pödelist] Nachrichten von Unstrut und Finne. Freyburg, 23. März. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 24. März 1920

Polizeiverwaltung. Zu berichten an den Regierungspräsidenten in Merseburg. Bericht. 3. Mai 1921. [Klagen über die Tätigkeit von Hauptmann Schmidt.] Stadtarchiv Naumburg (Saale) Sonderakten des Magistrats Naumburg an der Saale. Angefangen 1. Januar 1920. Geschlossen 1922. Signatur 9381

Polizeibericht vom 5. Mai 1920. Sonderakten der Polizeiverwaltung Naumburg an der Saale. Massnahmen bei drohenden Unruhen. Angefangen 1919. Beendet 1921 (1933). Stadtarchiv Naumburg, Signatur 8355

Polizeiverwaltung, Die. 22. April 1920. Unterzeichnet von Roloff [Bürgermeister]. Sonderakten der Polizeiverwaltung Naumburg an der Saale. Massnahmen bei drohenden Unruhen. Angefangen 1919. Beendet 1921 (1933). Stadtarchiv Naumburg, Signatur 8355

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede vor der Nationalversammlung am 9. März 1920. Zur Vorlegung des Reichstagwahlgesetzes und zur Auflösung der Nationalversammlung mit dem 1. Mai 1920. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin SW 1920, Seite 4793 bis 4797.
Seite 4793 = //www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000016_00461.html

Possögel, Franz (geboren 23. September 1879): Auszug aus einem Brief vom 1. September 1962, Naumburg, unveröffentlicht

Prager, Eugen: Geschichte der USPD. Verlagsgenossenschaft "Freiheit" G.m.b.H., Berlin 1921

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Protokoll über die Verhandlungen des außerordentlichen Parteitages in Halle. Vom 12. bis 17. Oktober 1920, Verlagsgenossenschaft "Freiheit" e. G.m.b.H., Berlin C2 (ohne jahresangabe)

[PV SPD] Aufruf der sozialdemokratischen Mitglieder der Reichsregierung und des Parteivorstandes der SPD zum Generalstreik [Berlin, 13. März 1920] in: Arbeiterklasse siegt über Kapp Lüttwitz. Quellen ausgewählt und bearbeitet von Erwin Könnemann, Brigitte Berthold und Gerhard Schulze, Akademie Verlag, Berlin 1971, Seite 117 bis 118

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[Reichsminister für Justiz] nach Deutsche Allgemeiner Zeitung, Der Justizminister über die Verfolgung der Hochverräter, 16. April 1920, Seite 1

[Reichsminister für Justiz] [Fehler im Konspekt erlaubt keine genauere Zuordnung des Telegramms in den Akten. Entschuldigung.] Akten der Staatsanwaltschaft in Naumburg. General-Akten, Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. Rep.  C 141, Akten 25-1 bis 25-3, Archiv Dokument 166

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[Reinhold] Bericht von [Paul] Scholz über Karl Reinhold [Naumburg a. S., Neustrasse 57]. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. C 141 Naumburg, Nr. 25-2

[Roloff] Polizeiliche Auskunft. Zu berichten an das Reichsamt des Inneren Berlin. Verfasst von Bürgermeister Roloff am 19. Mai 1919. Stadtarchiv Naumburg Akte Ruhe und Ordnung. Signatur 8356

[Roloff] Polizeiliche Auskunft. 21. Mai 1919. Stadtarchiv Naumburg. Akte Ruhe und Ordnung.1918 bis 1939. Signatur 8356

[Roloff] Zu berichten an den Regierungspräsidenten. 5. September 1919. Stadtarchiv Naumburg, Akte Ruhe und Ordnung. 1918 bis 1939. Signatur 8356

Roloff. Brief an den Regierungspräsidenten von Merseburg, 21. März 1921. Stadtarchiv Naumburg, Sonderakten der Polizeiverwaltung Naumburg. Massnahmen zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit. Angefangen 1927. Geschlossen 1937, Archivsignatur 5617

Roloff. Die Polizeiverwaltung. Naumburg, den 22. April 1920. Sonderakten der Polizeiverwaltung Naumburg a. S., Massnahmen bei drohenden Umsturz. Angefangen 1919. Geschlossen: 1919 (1933). Stadtarchiv Naumburg, Signatur 8355

Ruhe in Halle. "Volksstimme", Magdeburg, den 28. März 1920

[Rublacks Äußerung zur Räterepublik] Polizeibericht vom 5. Mai 1920. Sonderakten der Polizeiverwaltung Naumburg an der Saale. Massnahmen bei drohenden Unruhen. Angefangen 1919. Beendet 1921 (1933). Stadtarchiv Naumburg, Signatur 8355

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[Streik 1] Jahresdurchschnitt der wegen wirtschaftlicher Forderungen Streikenden und Ausgesperrten nach Gewerbegruppen in den Jahrfünften 1899 bis 1903, 1904 bis 1908, 1909 bis 1913, 1914 bis 1918 und 1919: Grundzahlen, vom Hundert aller Streikenden und Ausgesperrten und vom Hundert der gewerblichen Arbeiter jeder Gruppe. In: Streiks und Aussperrungen in den Jahren 1917, 1918 und 1919. Statistik des Deutschen Reiches, Band 290. Statistisches Reichsamt, Verlag des Statistischen Reichsamtes, Berlin 1920, Seite 7

[Streik 2] Textübersicht [Zahl der Streikenden Betrieb 1906 und 1919]. In: Streiks und Aussperrungen in den Jahren 1917, 1918 und 1919. Statistik des Deutschen Reiches, Band 290. Statistisches Reichsamt, Verlag des Statistischen Reichsamtes, Berlin 1920, Seite 4

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Uebelhoer, Friedrich, NSDAP-Kreisleiter und Oberbürgermeister der Stadt Naumburg, Rede zur Denkmalsweihe für die Gefallenen der ehemaligen Einwohnerwehr und des Landesjägerkorps am 28. April 1935 in Naumburg. In: "Und über Deutschland steht das Morgenrot!". Denkmalsweihe für die Gefallenen der ehemaligen Einwohnerwehr und des Landesjägerkorps, "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 29. April 1935

Über den Aufbau, die Tätigkeit und die Auflösung der Schutzpolizei Naumburg an der Saale. II: Die erste, vorübergehende Belegung Naumburgs mit Sicherheitspolizei. Geschlossen 25. Juli 1926, Stadtarchiv Naumburg

Unruhen vom 19. März. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 5. August 1920

[USPD] Zusammenfassender Bericht der Bezirksleitung der USPD über die Ereignisse (Halle, 7. April 1920) In: Erwin Könnemann, Gerhard Schulze (Herausgeber): Der Kapp-Lüttwitz-Ludendorff-Putsch, Olzog Verlag, München 2002, Seite 730 bis 732

USPD-Versammlung am 5. Mai 1920 in Naumburg. Sonderakten der Polizeiverwaltung Naumburg an der Saale. Massnahmen bei drohenden Unruhen. Angefangen 1919. Beendet 1921 (1933). Stadtarchiv Naumburg, Signatur 8355

[Vereinbarung von Halle, auch Abkommen von Halle genannt] Vereinbarung zwischen dem Oberbefehlshaber für die Provinz Sachsen Reichskommissar Hörsing und Vertretern der Behörden, Garnison, Parteien und Gewerkschaften. Abgeschlossen im Rathaus von Halle am 26.März 1920. Nach: Dr. Walther Schreiber: Die Revolution in Halle an der Saale. Meine Tätigkeit als Zivilkommissar. Otto Hendel in Halle Zeitungsverlag & Druckerei (ohne Jahresangabe), [1920], Seite 35 bis 36

Verhaftung [von Otto Hug]. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 25. März 1920

Verhandlungen zwischen dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund, dem Deutschen Beamtenbund, der Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände, Regierungsvertretern und Abgeordneten der Koalitionsparteien. Das Ende des Streiks. "Vossische Zeitung", Berlin, den 24. März 1920, Seite 2

Vernehmung von Walter Fieker am 20. März 1920 durch Staatsanwalt Hardt. Vorverfahren in der Strafsache wider Fieker. Blattsammlung der Staatsanwaltschaft beim Landgerichte in Naumburg an der Saale. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg. Rep. C 141, Staatsanwaltschaft, Hilfsakten. Naumburg, Blattnummer 6ff.

Verordnungen der Regierung. Stuttgart, den 16. März 1920. In: "Magdeburger Mitteilungen", Magdeburg, den 16. März 1920

[Vertreterkonferenz] Erklärung der Vertreterkonferenz der am Generalstreik beteiligten gewerkschaftlichen Organisationen. "Vossische Zeitung", Berlin, den 24. März 1920, Seite 2

Voigt, Fritz [zur Naumburger Arbeiterbewegung], handschriftlich, [Naumburg, am] 1. April 1957, unveröffentlicht

"Volksstimme". Nummer 86, 13. April 1920. In: Sonderakten des Magistrats Naumburg an der Saale. Band V., Angefangen 1. Januar 1920. Geschlossen: 1922. Stadtarchiv Naumburg (Saale), Blatt 72 bis 73

Westarp, Kuno Graf von: Konservative Politik im Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik. Bearbeitet von Friedrich Freiherr Hiller von Gaertringen unter Mitwirkung von Karl J. Mayer und Reinhold Weber, Droste Verlag, Düsseldorf 2011

Winkler, August [Zum Generalstreik und Naumburger Reichswehr.] Schwurgericht am 3. August 1920. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 4. August 1920

Winning, August: Heimkehr. Hamburg 1955

[Widerhall] Der Widerhall der Märzvorgänge in der Stadtverordnetenversammlung. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 22. April 1920

Waase, Karl: Die Naumburger Jäger im Weltkriege. Magdeburger Jägerbataillon Nr. 4 nebst allen zugehörigen Kriegsformationen. Akademische Buchhandlung R. Max Lippold, Leipziger Verlagsbuchhandlung 1920 [Karl Waase war Offiziers-Stellvertreter und ehemaliger Kompanieführer der Ersatz-Radfahrer-Kompanie]

Wallbaum, Eugen: Analyse der Stadt Naumburg. Naumburg, ohne Jahresangabe, um 1950, unveröffentlicht,

[Wsf] März 1920. Der Beitrag der Arbeiterklasse der Kreise Weißenfels, Naumburg, Hohenmölsen und Zeitz bei der Niederschlagung des militaristischen Kapp-Putsches. Weißenfels. Herausgegeben von der Kreisleitung der SED Weißenfels, 1960

Wiesner, Der militärische Befehlshaber von Naumburg: Befehl. Naumburg, am 19. März 1920. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg, C 141 Naumburg, Nr. 25-1

Winkler, Heinrich-August: Weimar 1918-1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. Beck, München 1997

Weber, Stefan: Ein kommunistischer Putsch, Märzaktion 1921 in Mitteldeutschland. Dietz Verlag, Berlin 1991

Wheeler, Robert F.: Die "21 Bedingungen" und die Spaltung der USPD im Herbst 1920. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte. Jahrgang 23, 2. Heft, München 1975, Seite 117 bis 154

Winning, August: Heimkehr. Hamburg 1955

Zeitzer Arbeiter schlagen den Kapp-Putsch nieder. Von einem Kollektiv der Abteilung Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Wissenschaftliche Zeitschrift der Karl-Marx Universität Leipzig. Gesellschafts- und Sprachwissenschaftliche Reihe, 9. Jahrgang, 1959/60, Heft 2, Seite 205 bis 221

 

 

Bilder

Alte Mühle am Wehr in Bad Kösen (2002). Autor: Christian Bier. Die Bildlizenz erlaubt eine Veröffentlichung.

Für die Personenfotos von Fritz Voigt, Bernhard Düwell und Albert Bergholz lässt sich leider kein Fotograf ermitteln.

Alle anderen historischen Bilder sind älter als 70 Jahre. Für sie lässt sich kein Autor auffinden oder nachweisen.

Gegenwartsbilder fotografiert von Detlef Belau.

 

Danksagung

Der Autor dankt Frau Susanne Kröner, Leiterin des Stadtarchivs von Naumburg (Saale), für die Unterstützung des Projekts. 9. Mai 2010

Das Stadtarchiv Erfurt stellte freundlicherweise wichtige Dokumente zur Verfügung.

 

Autor: Detlef Belau             Geschrieben: 2006  / 2013                                        zurück