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Schwarze Front

 

Die Schwarze Front (SF) und die Brüder Strasser

1925 tritt Otto Strasser (1897-1974) in die NSDAP ein und vertritt zusammen mit seinem Bruder Gregor (1892-1934) in Westfalen und Rheinland nachhaltig einen sozialrevolutionären Kurs. Dies führt schließlich zu harten Auseinandersetzungen mit der Münchner Gruppe um Hitler. 1926 gründeten die Brüder Strasser den Kampfbund-Verlag GmbH. Hitler will diesen 1930 für 130 000 Reichsmark kaufen. Dazu kommt es nicht. Denn Otto Strassser braucht den Verlag als Sprachrohr der Schwarzen Front, der so genannten Kampfgemeinschaft Revolutionärer Nationalsozialisten. Im selben Jahr kommt es zum Bruch mit Hitler. Am 4. Juli 1930 tritt Otto Strasser aus der NSDAP aus.

Otto Strasser verfügt über Organisationstalent und hat wesentlichen Anteil am Aufstieg der NSDAP. Auf seine Initiative geht 1926 die Bildung der SA in Berlin zurück. Er nähert sich rhetorisch gesehen der Idee der nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes, wie sie die KPD (1930) vertritt. In der wissenschaftlichen Literatur firmiert dies unter "Nationalbolschewismus". Einige Autoren nennen deshalb Otto Strasser einen "Nationalbolschewisten". Ob dies treffend ist, sei dahingestellt. Jedenfalls ist sein "deutscher Sozialismus" eine krude Konstruktion. Mit dem Sozialismus von Karl Marx hat er nichts gemeinsam, fordert er doch die Rückkehr zu mittelalterlichen Zuständen (Reichsständekammer, Erblehen, Zünfte, Reagrarisierung, Binnenwährung, Kriegsadel) und eine "germanische Demokratie". Wie Hitler vertritt er einen brutalen Antisemitismus.

Etwa zur gleichen Zeit fordert Gregor Strasser von Hitler die Präzisierung der Sozialisierungsidee, was der als "reinen Marxismus" bezeichnet. Unter Führung von Walter Stennes (SA Berlin-Brandenburg) stürmt die SA am 29./30. August 1930 das Büro der NSDAP-Gauleitung Berlin (Stennes-Putsch). "Ihnen war der von Goebbels nur als Mittel zum Zweck benutzte Sozialismus einfach "nicht auszureden"". (Schüdekopf 327f.) Auf diese Ereignisse antwortet Hitler 1931 mit der Eingliederung der SA in die Partei.

Stennes gründet darauf hin die Nationalsozialistische Kampfbewegung Deutschlands (NSKD), die sich wiederum Otto Strassers Kampfgemeinschaft revolutionärer Nationalsozialisten (3. Juli 1930 bis 1933) annähert. Trotz erheblicher Differenzen verbleibt die NSKD im Dachverband der Schwarzen Front. Diese war von Strasser im August 1931 ankündigt und "von ihm als Dachverband und Einheitsfront der nationalrevolutionären Rechten und national-kommunistischer Kreise konzipiert; aus dem zerbrechenden Parteiensystem Weimars sollte sie all die Gruppierungen sammeln, die bereit waren, eine völkische, konservativ-sozialistische "schwarze" Front gegen "Rotfront" mitzutragen." (Weiß 1994, 293)

Von Juni 1931 bis zum Verbot am 4. Februar 1933 gibt Gregor Strasser die Wochenzeitung "Die schwarze Front" heraus. Ihre Auflage bleibt unter 10 000 Exemplaren. Statt der proletarischen Revolution proklamiert sie die deutsche Volksrevolution, wofür alle verfügbaren Kräfte aus der Roten Front gewonnen werden müssen. (Vgl. Schüddekopf 332) Als Reichskanzler Kurt von Schleicher Gregor Strasser im Dezember 1932 die Vizekanzlerschaft und das Amt des preußischen Ministerpräsidenten anbietet, verschärft dies die Rivalität zu Hitler noch mehr. Die Berliner Gestapo ermordet ihn am 30. Juni 1934 (Röhm-Putsch).

Otto Strasser emigriert 1933 (Österreich, Prag, Schweiz, Portugal, 1943 Kanada).

Autor:
Detlef Belau

12. Oktober 2008