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Reichskrone

Aus der Geschichte der Reichskrone

1805 befindet sich an diesem Ort ein gut gehender Kaffeegarten mit Gastwirtschaft, der sich besonders zur Peter-Pauls-Messe großer Beliebtheit erfreute. 1816 entsteht hier das Hotel "Zum blauen Stern". Es liegt vor dem Jacobstor und die Fuhrleute brauchen nicht erst in die Stadt, um Quartier zu suchen. Sie sparen damit Abgaben. Die Verkehrslage ist günstig. Das Haus steht am Weg nach Grochlitz und Nahe der Straße nach Leipzig und Weißenfels. Als Naumburg 1846 an die Eisenbahnanschluss erhält, partizipiert der "Blaue Stern", das "Schwarze Roß" oder der "Sächsische Hof" vom zunehmenden Fremden- und Geschäftsverkehr. Mittlerweile sind die Stadttore abgerissen, Zoll und andere Abgaben werden nicht erhoben.

Reichskrone (Bismarckplatz /
Theaterplatz) um 1910

1880 erwirbt Reichsgräfin von Hoffmannsegg das Grundstück. Sie lässt den "Blauen Stern" abbrechen und baut auf dem Grundstück das "Hotel zur Reichskrone" mit einem angegliederten großen Saal mit 1250 Plätzen. Reichsgräfin von Hoffmannsegg stirbt am 4. Dezember 1898. Die Gründerin überführt vor dem Ableben ihr Eigentum in die Freytagsche-Hoffmannsegg-Stiftung. Das Grundstück ist mit 100 000 Reichsmark belastet. Die Zinsen aus dem Barvermögen deckten zu Anfang des 20. Jahrhunderts nicht die Höhe der notwendigen Reparaturen am Haus. Im Rahmen des Umbaus installiert man 1907 elektrisches Licht, eine Niederdruckdampfheizung und neue Toiletten. Nach dem Ersten Weltkrieg erwirbt die Stadt das Gebäude für 4 Millionen Reichsmark. Als Naumburger Schaubühne (Gesellschaft GmbH) soll es dem Bedürfnis nach künstlerischer Darbietung und Hebung des Volksgeistes dienen. Künstlerischer Leiter ist Erich Claudius.

Die Reichskrone bildet in den verschiedenen Epochen das politische Zentrum der Stadt. Während der Novemberrevolution 1918 finden hier Volksversammlungen und die Wahl des Arbeiter- und Soldatenrates statt. Im März 1920 beschließt hier eine Versammlung die Teilnahme am Generalstreik. Das Gebäude genügt nicht mehr den baupolizeilichen Vorschriften. 1923 erfolgt der Umbau der Reichskrone unter Leitung von Stadtbaurat Fritz Hossfeld. Es erhält drei neue Eingänge, ein festliches Vestibül und große Garderoben. Der große Saal mit eleganter Bestuhlung und versenkbaren Orchesterraum dient Theater-, Konzert und Varieteeveranstaltungen. Die Stadt verpachtet das Haus dem Filmverlag W. Feindt in Berlin. 1924 kommen Stummfilme zur Aufführung.

Am 4. Mai und 6. Juni 1934 erfolgt in der Reichskrone die Erstaufführung der "Uta von Naumburg" von Felix Dhünen.


Siehe auch:

Eberhard Kaufmann: Das letze Naumburger Theater. In: Burgenlandjournal. Heimatbeilage des Naumburger Tageblatts, 12. Mai 1997, Seite 1, 2, 8.

Emil Kraatz: Reichskrone. In: Aus dem Leben eines Bürgermeisters und der von ihm in den letzten 37 Jahren verwalteten Städte. Verlag von Fr. Wilh. Grunow, Leipzig 1914, Seite 650 ff.

 

Detlef Belau


Aktualisiert:
25. August 2008